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Autor Thema: Kampf gegen Armut? Krieg gegen die Armen!  (Gelesen 18906 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11128


« Antworten #50 am: 02. Dezember 2017, 20:08:19 »

Und wieder mal ist Eigentum wertvoller als ein Menschenleben:

Zitat
Mann tötet Einbrecher

Ein 23 Jahre alter Mann beobachtet in Weilburg bei Limburg mehrere Einbrecher und stellt sie. Im Laufe des folgenden Streits ersticht er einen der Männer.


Ein 20 Jahre alter Mann ist bei einer Auseinandersetzung in Weilburg (Kreis Limburg-Weilburg) in Notwehr mit einem Messer tödlich verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen habe das Opfer zusammen mit anderen Männern in der Nacht zum Donnerstag versucht, durch ein Fenster in eine Wohnung einzubrechen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft erst am Freitag mit.

Der 23-jährige Bewohner habe dies bemerkt und zunächst die Polizei alarmiert. Dann sei er nach draußen gegangen und habe den 20-Jährigen während des darauffolgenden Streits mit einem Messer verletzt.

In seiner Wohnung ließ sich der Mann, der zuvor noch einen Rettungswagen gerufen hatte, widerstandslos festnehmen. Die Ermittler fanden in der Wohnung auch die mutmaßliche Tatwaffe. Gegen den 23-Jährigen sei kein Antrag auf Haftbefehl gestellt worden, weil alles auf Notwehr hindeute, hieß es in der Mitteilung weiter. Der 20-Jährige starb am Donnerstagmorgen in einer Klinik an seinen Verletzungen.
http://www.fr.de/rhein-main/kriminalitaet/weilburg-mann-toetet-einbrecher-a-1399359
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Kuddel


Beiträge: 11128


« Antworten #51 am: 21. Dezember 2017, 20:09:22 »

Zitat
Wie die Armen und nicht die Armut bekämpft werden
19. Dezember 2017 Peter Nowak


Obdachloser, Hamburg, 1997. Foto: Hendrike

Wohnungs- und Obdachlose sind den Angriffen besonders ausgeliefert

Hilfe für Wohnungs- und Obdachlose Menschen ist gerade in der kalten Jahreszeit dringend notwendig. Doch nicht überall sind alle Betroffenen willkommen. Der Verein Dresdener Bürger helfen Dresdner Obdachlosen e.V. hat nicht zufällig gleich zweimal den Namen der Stadt im Vereinsnamen. In der Satzung heißt es: "Der Verein Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen e.V. unterstützt Dresdner Obdachlose und Bedürftige. Wenn Sie unsere Ziele als Mitglied oder Fördermitglied unterstützen möchten, dann sind Sie herzlich willkommen."

Ein Reporter der Zeit wollte vom Vereinsgründer wissen, ob auch in Dresden lebende Flüchtlinge Unterstützung bekommen. Der gab darauf keine Antwort. Nach Recherchen der Zeit sind die Gründer des Vereins fest in der rechten Szene und bei Pegida verankert. Es ist nun nicht ungewöhnlich, dass Rechte die heimischen Wohnungs- und Obdachlosen für ihre Propaganda entdecken. Sie werden so gegen Migranten ausgespielt.

Da werden auf rechten Internetseiten schon mal Bilder von bettelnden Menschen gepostet und dann gefragt, warum für sie kein Geld da ist, das dann angeblich für die Fremden ausgegeben wird. Wie die Rechte erst dann Frauenrechte entdeckten, als es gegen die arabischen und afrikanischen Männer ging und sie sich als Kämpfer gegen den angeblich aus den arabischen Ländern exportierten Antisemitismus gerierten, so haben sie die Obdach- und Wohnungslosen erst entdeckt, als sie sie gegen Migranten ausspielen konnten.

Der Publizist und Autor Lucius Teidelbaum schätzt, dass das Interesse der Rechten an Wohnungs- und Obdachlosen bald wieder nachlässt. Er hat sich mit dem Hass auf Obdachlosen nicht nur in der rechten Szene befasst. "Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus" lautet der Titel seines Buches zum Thema.

Sozialdarwinismus oder Spielart des Rassismus?


Der Begriff Sozialdarwinismus sorgte durchaus für Kontroversen bei einer Veranstaltung von Teidelbaum in Berlin. Anne Allex vom Arbeitskreis Marginalisierte gestern und heute lehnt den Begriff Sozialdarwinismus ab. Sie bezeichnet "Fremdenfeindlichkeit", "Behindertenfeindlichkeit" und Antisemitismus als Spielarten des Rassismus.

"Denn die zentrale Kategorie des Rassismus heißt 'Minderwertigkeit', egal ob sie gegen Leute mit anderer Hautfarbe, Religion, Herkunft oder Arme und Wohnungslose gerichtet ist", so Allex. Vor einigen Jahren hat ein antirassistisches Bündnis, das sich gegen die Propaganda von Thilo Sarrazin wandte, den Begriff Sozialchauvinismus verwendet. Er hat den Vorteil, dass er in letzter Instanz die kapitalistische Verwertungslogik in den Fokus der Kritik rückte. In der Selbstverständniserklärung des Bündnisses gegen Sozialchauvinismus hieß es:

    Mit der globalen Krise sind Rassismus und Sozialchauvinismus in den politischen Alltag zurückgekehrt. Unter Druck geraten vor allem Erwerbslose, prekär Beschäftigte und Menschen, denen eine migrantische, insbesondere muslimische Identität zugeschrieben wird. Doch auch der Rest der Gesellschaft wird aufgemischt. Die Hetze gegen vermeintliche "Sozialschmarotzer_innen" und "Integrationsverweiger_innen" ebnet den Weg für eine umfassende Verschärfung kapitalistischer Standortpolitik.
    Gründungsstatement der Bündnisses gegen Rassismus und Sozialchauvinismus (BgRS)

"Das war ja nur ein Penner"


Wohnungs- und Obdachlose sind den Angriffen besonders ausgeliefert, weil sie eben keine Tür hinter sich schließen können. Auf dem "Blog für Straße und Leben" Berberinfo werden die Angriffe auf diese Menschen bis zum Mord dokumentiert. Dort sind auch die Zahlen der getöteten Obdach- und Wohnungslosen aufgeführt.

Einige bundesweit bekannt gewordene Morde an Obdachlosen, für welche Neonazis verantwortlich sind, werden dort auch aufgeführt. Es sei hier nur ein Fall herausgegriffen, an dem deutlich wird, wie nicht nur die Rechten, sondern auch die vielzitierte Mitte der Gesellschaft an der Diskriminierung von Wohnungs- und Obdachlosen beteiligt sind. Es geht um Günther Schwannecke. Über ihn heißt es im Berberinfo:

    29.08.1992: Günter Schwannecke (58), ein zeitgenössischer Kunstmaler, wird am 29. August 1992 von einem Neonazi in Berlin-Charlottenburg erschlagen. Mit einem anderen Wohnungslosen, Hagen Knuth, saß er abends auf der Bank eines Spielplatzes an der Pestalozzi-/Fritschestraße. Die beiden Neonazis Norman Zühlke und Hendrik Jähn, damals in der rechtsextremen Szene aktiv, kamen hinzu, um ebenfalls dort sitzende Menschen mit Migrationshintergrund rassistisch zu beleidigen und zu vertreiben.

    Günter Schwannecke und Hagen Knuth bewiesen Zivilcourage und mischten sich ein. Nachdem die ursprünglichen Opfer der beiden Angreifer flüchten konnten, richtete sich ihre Wut gegen die beiden Wohnungslosen. Zühlke schlug mit einem Alumium-Baseballschläger auf die beiden ein. Hagen K. wurde nach schwerem Hirntrauma im Krankenhaus gerettet, doch Günter Schwannecke starb am 5. September 1992 an den Folgen von Schädelbruch und Hirnblutungen. Der Täter, der nach eigener Aussage "seine Aggressionen abreagieren" wollte, wird später wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Berlin hob hervor, dass seine rassistische Gesinnung ursächlich für die Tat gewesen ist. Zühlke sei bei der Urteilsverkündung entsetzt gewesen, seine Skinheadfreunde kommentierten das Urteil aus dem ZuschauerInnenbereich: "Wieso? Der war doch nur ein Penner!""
    Berberinfo

"Der war ja nur ein Penner!" Diese Denke war auch der Grund, dass der Mann jahrelang vergessen war, obwohl er sterben musste, weil er Menschen mit Migrationshintergrund vor Neonaziangriffen verteidigte. Als der Geschäftsmann Dominik Brunner viele Jahre später in München an einem Herzinfarkt starb, nachdem er Jugendliche vor übergriffigen migrantischen Männern verteidigt hatte, wurde er bundesweit zum Helden erklärt und war sogar posthum als Träger des Bundesverdienstkreuz im Gespräch.

Dass Schwannecke schließlich doch noch einen Gedenkort auf dem Platz seiner Ermordung erhielt, ist einer zivilgesellschaftlichen Initiative zu verdanken. Die Berliner Obdachlosenhilfe, die explizit Menschen unabhängig von ihrer Herkunft unterstützt, hatte in Berlin-Moabit Probleme mit Bezirkspolitik und Anwohnern bekommen, weil sie auf einen zentralen Platz kostenlos Essen für wohnungslose Menschen verteilt hatte.

Obdachlosigkeit ist kein Verbrechen

Die Berliner Obdachlosenhilfe gehörte auch zu den wenigen Gruppen, die Mitte November eine Protestkundgebung gegen die vom Grünen Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel verantworteten Räumungen von wohnungslosen Menschen veranstalteten.

Dabei wird selten erwähnt, dass auch die von der Räumungen betroffenen Menschen mit einem Transparent protestierten. Auf diesem stand: "Obdachlosigkeit ist kein Verbrechen." Die Weddinger Ortsgruppe der Berliner Mietergemeinschaft stellte noch einmal den Zusammenhang zwischen der Politik und der wachsenden Obdach- und Wohnungslosigkeit her:

    Wer heute zwangsgeräumt wird hat kaum Möglichkeiten aufgrund von Wohnungsnot und Mietenwahnsinn eine Ausweichwohnung zu finden. Das geschützte Marktsegment - der letzte Anker vor der Straße - liegt brach. Gleichzeitig erinnern uns die Armen der Öffentlichkeit daran, dass etwa auf den zahlreichen Baustellen dieser Stadt, Menschen zu Hungerlöhnen schuften müssen oder - wie im Fall der Mall of Shame - gar nicht bezahlt werden. Häufig bleibt den ausgebeuteten Arbeiter*innen nur die Platte oder ein Bett in der Kältenothilfe.
    Weddinger Ortsgruppe der Berliner Mietergemeinschaft

Wie schnell dann vor allem Lohnabhängige von außerhalb Deutschlands zum Opfer werden können, zeigte sich vor wenigen Tagen in Berlin-Friedrichshain. In einem sehr belebten Tunnel starb am 5. Dezember ein Mann aus Polen. Sein Freund hat mit Blumen und Kerzen für eine kurze Zeit einen Gedenkort an der Stelle, an der er in den letzten Monaten lebte und im Berliner Winter starb, errichtet und mit einen Informationsblatt auch daran erinnert, wie schnell es gehen kann, in Berlin ganz unten und ganz draußen zu sein.

Der Mann kam aus Polen, arbeitete mehrere Jahre in Berlin als selbstständiger Handwerker, verschuldete sich und dann begann die Spirale von Armut, Verlust der Wohnung und schließlich das Sterben in der Öffentlichkeit. Als polnischer Staatsbürger konnte er von den deutschen Behörden keine Hilfe erwarten. Bei den rechten Vereinen, die sich plötzlich der Hilfe für Obdachlose verschrieben haben, wäre er ebenfalls nicht willkommen gewesen und Organisationen wie die Berliner Obdachlosenhilfe, die alle Menschen ohne Unterschied unterstützen, haben nicht genug Kapazitäten, um in ganz Berlin präsent zu sein.
https://www.heise.de/tp/features/Wie-die-Armen-und-nicht-die-Armut-bekaempft-werden-3921775.html?seite=all
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Kuddel


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« Antworten #52 am: 31. Januar 2018, 12:40:52 »

Zitat
...Sie sei „ein Armutszeugnis“ der Stadt, sie kriminalisiere „die Ärmsten der Armen“ so die Initiave, die gleiche Lebensbedingungen für alle in der Stadt lebenden Menschen erreichen will.

...Der Mann berichtete von einer fünfköpfigen Sinti-Familie, der die Stadtpolizei 200 Euro abgenommen habe: „Die Leute konnten sich nichts mehr zu essen kaufen.“

...„Wir müssen verhindern, dass sich jemand auf der Straße sein Wohnzimmer einrichtet“, sagte der FDP-Stadtverordnete Uwe Schulz. Auch die CDU sah keine Probleme mit den Bar-Verwarnungen. „Denn in Frankfurt muss niemand unter freiem Himmel schlafen“, sagte Christoph Schmitt und verwies auf Notunterkünfte.

Pearl Hahn (Linke) entgegnete, Sinti und Roma hätten darauf keinen Anspruch. Für sie müssten womöglich neue Angebote geschaffen werden, sagte Hilime Arslaner (Grüne). Der Antrag der Linken, Bar-Verwarnungen nicht mehr zu erheben, wurde vertagt.
http://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-zwoelf-bar-verwarnungen-gegen-obdachlose-a-1438022
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Abused Frog


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« Antworten #53 am: 02. Februar 2018, 10:51:47 »

Zitat
Arme sind auch Menschen

Entwertung, Ohnmacht, Demütigung, Entwürdigung, Verbitterung, Schuld und Scham: Das sind Kategorien der Subjektivität, ohne die Armut und Ungleichheit in ihren Auswirkungen nicht zu verstehen und Gegenstrategien nicht zu entwickeln sind. Dass es in Deutschland Armut gibt, wird nicht mehr geleugnet. Der Armuts-Reichtums-Bericht der Bundesregierung wie auch die Kinderarmutsstudie der Bertelsmann-Stiftung (Oktober 2017) präsentieren Daten über wachsende Kinderarmut als Dauerzustand; sogar Mainstream-Medien greifen sie auf. Die wichtigsten Informationen zur sozialen Lage hat kürzlich der Armutsforscher Christoph Butterwegge zusammengefasst (Ossietzky 21/17 und 22/17). Solche Studien mit alarmierenden Ergebnissen erscheinen inzwischen seit Jahrzehnten; sie sorgen allenfalls kurz für Erregung, man hat sich an den Zustand gewöhnt. Die Politik beschwichtigt und geht zur Tagesordnung, also zur Wirtschaftsförderung über. Warum ging keine der letzten Bundesregierungen, keine der Regierungsparteien die katastrophalen Verhältnisse an, die inzwischen Generationen von Kindern und Jugendlichen massiv benachteiligen? Weil für eine effektive Veränderung die neoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftsideologie aufgegeben werden müsste. Da eine erfolgversprechende Gegenstrategie von den Verantwortlichen nicht einmal zur Diskussion gestellt wird, muss man annehmen: Die staatlichen Statistiken dienen nicht als Basis für die Bekämpfung der Armut, sondern als Abschreckung.
Quelle: Georg Rammer auf Schattenblick


Quelle: schattenblick.de via NDS


"Arme sind auch Menschen", wurde das schon verifiziert?
Für Menschen gibt es doch dieses gepredigte Wertezeug, Menschenrechte, Würde und so, dieser ewiggestrige Krempel, eben daß was den Armen nicht oder wenn überhaupt nur widerwillig zugestanden wird.
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
ManOfConstantSorrow


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« Antworten #54 am: 28. März 2018, 19:30:27 »

Gewalt gegen Arme ist Alltag. Sie wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Zitat
Koblenz: Obdachloser enthauptet

Grausiger Tod eines Obdachlosen in Koblenz - der Mann wurde von unbekannten Täter enthauptet. Das teilte die Polizei mit. Eine Sonderkommission ermittelt. Die Beamten wollten zunächst keine näheren Einzelheiten zur Tat bekanntgeben. Bis zum Mittwochabend war noch kein Verdächtiger gefasst.

Der 59 Jahre alte Obdachlose war am vergangenen Freitag tot auf dem Koblenzer Hauptfriedhof gefunden worden. Er hatte seit mehreren Jahren regelmäßig auf dem Friedhof übernachtet und war tagsüber in der Innenstadt und am Hauptbahnhof unterwegs gewesen. Der Mann war zuletzt am Donnerstag lebend gesehen worden.
https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/nachrichten-aus-deutschland--obdachloser-in-koblenz-enthauptet--7915096.html
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
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« Antworten #55 am: 28. März 2018, 22:27:04 »

Zitat
Armut ist traurige Normalität

Düsseldorf (kobinet) Armut gehört in Nordrhein-Westfalen zur traurigen Normalität sagt der VdK dieses Bundeslandes und stellt fest, dass es seit fast 15 Jahren einen kontinuierlichen Anstieg Zahlen bei Armen und Armutsgefährdeten gibt. Der VdK fordert deshalb eine Renovierung der Sozialgesetze.

Quelle: https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/37805/Armut-ist-traurige-Normalit%C3%A4t.htm
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« Antworten #56 am: 01. April 2018, 18:51:41 »

Zitat
Wiedervereidigung mitsamt Heimatmysterium

...Da wird es schwierig, in den nächsten dreieinhalb Jahren ohne Muffensausen über die Runden zu kommen. Die Schaumschläger, Weichspüler und Schönrechner sind unterdessen bereits am Werk, die immer mehr werdenden Armen im Land gegen noch Ärmere auszuspielen. Und das nicht nur in Essen. Mal ganz abgesehen von den unappetitlichen Spahn-Ferkeleien. (Nein, ich lasse mich nicht dazu hinreißen, Jens Spahn einen Sozial-Rambo zu nennen. Er ist ein ehrgeiziger junger Mann, dessen Karriere als Minister-Neuling aufmerksam von Lobbycontrol beobachtet wird.) Bundeskanzlerin Merkel wird am 16. März in der FAZ zitiert mit dem Satz: "Unser System (ist) eines, das Menschen das Notwendige gibt". Was die MikroKo-Kanzlerin also für "das Notwendige" hält, besteht für Alleinstehende in 83 Cent pro Tag für Frühstück plus 12 Cent für Getränke sowie für Mittag- und Abendessen je 1,67 Euro plus 24 Cent für ein nicht-alkoholisches Getränk. Das muss reichen. Zwischenmahlzeiten sind nicht vorgesehen. Ob das für Frau Merkel und den vollmundigen Herrn Spahn reichen würde? Hätten diese beiden ein Kind zusammen, bliebe vom Hartz-IV-Satz für dieses arme Kind nur 1,38 Euro zum Essen für den ganzen Tag übrig. Mahlzeit...

Quelle: https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/kolumne/37811/Wiedervereidigung-mitsamt-Heimatmysterium.htm
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« Antworten #57 am: 06. April 2018, 11:01:44 »

Auf den Punkt:

Zitat
Armut, die sich lohnt
Hartz IV Die Inszenierung des Sozialschmarotzers hat Methode. Durch Spaltung soll die Gesellschaft wieder auf Kurs gebracht werden


Die Debatte um Hartz IV bewegt Deutschland seit Wochen. Sozialhilfeempfänger haben oft mehr Geld zur Verfügung als normale Arbeitnehmer“, raunt der Sat1-Frühstücksfernsehmoderator und schaut empört in die Kamera. Achtung, jetzt kommt ein Skandal! Der trägt den Namen Wilfried Fesselmann und lebt als „Hartz-IV-Profi“ (Sat1) in Gelsenkirchen. Man sieht den 49-Jährigen vor einem riesigen Flachbildfernseher und einem monströsen Kühlschrank, sein hellblaues Shirt mit der Aufschrift „Sailing Club“ spannt über dem dicken Bauch. Fesselmann habe mit seiner Familie zehn Jahre von staatlichen Leistungen gelebt, „Sozialhilfe, Hartz IV, das ist wie bezahlter Urlaub.“
(...)
Nach unten treten

Sollen die Deutschen wieder auf Kurs gebracht werden, damit weiter am Hartz-IV-System festgehalten werden kann? Das hat ja schon einmal bestens funktioniert.
(...)
Herausgegeben hat sie das SPD-geführte Arbeitsministerium im August 2005, einige Monate nach dem Inkrafttreten von Hartz IV. Ein Brevier anekdotisch erzählter Betrugsfälle, das vor Hohn und Spott trieft. „Melkkuh Sozialstaat – die alltägliche Selbstbedienung am Gemeinwohl“ ist ein Kapitel überschrieben, in dem verheimlichte Lebenspartner, Phantomwohnungen, Falschangaben in Anträgen, verdunkeltes Vermögen, Sozialbetrüger aus dem Ausland und Schwarzarbeit verhandelt werden. In Deutschland, dieses Eindrucks soll man sich offenbar kaum erwehren können, feiern Sozialschmarotzertum und „Mitnahme-Mentalität“ fröhliche Urständ. Entsprechend schroff war die Sprache der Broschüre: „Biologen verwenden für ‚Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben‘, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten‘.“ Dieser menschenverachtende Satz steht ebenfalls in der 32-seitigen Propagandaschrift des Ministeriums von Wolfgang Clement.

Wer so einen Popanz aufbaut, verfolgt zweierlei: Er rechtfertigt Dinge, die unter anderen Umständen gesellschaftlich kaum durchzusetzen wären. Etwa, das Privatleben von Hartz-IV-Empfängern auf womöglich gesetzeswidrige Art und Weise zu durchleuchten. Der zweite Zweck des inszenierten Schreckgespenstes Sozialschmarotzer ist, dass es von einer Politik ablenken soll, die Reiche auf Kosten der Allgemeinheit begünstigt. Das Zerrbild des angeblichen faulen Arbeitslosen diente der Regierung dazu, die weitreichendsten sozialen Einschnitte in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik zu rechtfertigen und die Bürger gegeneinander aufzuhetzen. Die obszöne Kluft zwischen Arm und Reich lässt sich nur mit dem Begriffspaar „Leistungsgerechtigkeit“ und „Sozialschmarotzertum“ rechtfertigen.
(...)
Heute ist Deutschland so extrem gespalten wie zu Zeiten Kaiser Wilhelms des Zweiten: 1913 verdiente das bestverdienende Zehntel der Bevölkerung rund 40 Prozent des Volkseinkommens. Genauso war es im Jahr 2013.
(...)
Profit durch Ausbeutung
(...)
Nirgends in Europa ist das Risiko, durch Arbeitslosigkeit arm zu werden, so hoch wie in Deutschland. Laut EU-Statistik-Amt liegt es bei 70,8 Prozent und damit weit über dem europäischen Durchschnitt von 48,7 Prozent.

Für die Wirtschaft ist Armut deshalb die wichtigste nachwachsende Ressource. Langzeitarbeitslose bilden nicht nur das Reserveheer, das zu miserabel bezahlter Arbeit gezwungen werden kann. Sie geben die Drohkulisse ab, vor der die Wirtschaftsmächtigen arbeitspolitische Entscheidungen erzwingen können, die ihren eigenen Reichtum mehren und die Mittelschicht aus Angst vor Abstieg bei der Stange halten. Die Verarmung der Arbeitslosen und ihre Diffamierung und Kriminalisierung sind politisch erwünscht. Sie halten die Löhne niedrig, die Deutschland einen Exportvorteil verschaffen.
(...)
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/armut-die-sich-lohnt
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Kuddel


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« Antworten #58 am: 20. April 2018, 08:46:30 »

Zitat
"Billionaires Row"
New Yorker Milliardäre wehren sich gegen Obdachlosenheim

Anwohner in einem New Yorker Reichenviertel protestieren gegen ein Heim für Wohnungslose. Die Obdachlosen könnten eine Gefahr für die Bewohner darstellen, argumentieren sie.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/new-york-aufstand-im-nobelbezirk-gegen-obdachlosenheim-a-1203813.html
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« Antworten #59 am: 24. Mai 2018, 04:47:17 »

Zitat
Rostock, Köln, Kiel: Soziale Spaltung in deutschen Städten nimmt rasant zu Rostock, Köln, Kiel: Soziale Spaltung in deutschen Städten nimmt rasant zu

Sag mir, wo du wohnst – und ich sag dir, wer du bist. Diese Logik galt bisher für amerikanische Städte. Doch seit die soziale Schere in Deutschland immer weiter auseinandergeht, nimmt auch hier die Ghetto-Bildung zu.

Quelle: https://www.watson.de/Deutschland/Armut/735302949-Rostock--Koeln--Kiel--Soziale-Spaltung-in-deutschen-Staedten-nimmt-rasant-zu-
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 2886



« Antworten #60 am: 24. Mai 2018, 05:49:14 »

Ist Kiel nicht die Wiege der deutschen Kultur, Köln eine heilige Stadt und Rostock das Tor zu Skandinavien?

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
counselor


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« Antworten #61 am: 27. Mai 2018, 19:30:21 »

Zitat
DIW-Studie Der Aufschwung kommt nicht überall an

Während die realen Einkommen der meisten Deutschen von 1991 bis 2015 kräftig gewachsen sind, mussten die Menschen am unteren Ende der Einkommensskala teilweise sogar Rückgänge hinnehmen.


Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/einkommen-der-aufschwung-kommt-nicht-ueberall-an-a-1209212.html
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« Antworten #62 am: 26. Juni 2018, 07:01:05 »

Zitat
Armut in der Schule "Ich habe mich so geschämt"

Klassenfahrten, Theaterkurse, Bücher, Ranzen, Stifte - Bildung kostet Geld. Doch was ist, wenn Familien das nicht aufbringen können? Sieben Betroffene erzählen.


Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/armut-in-der-schule-was-habe-ich-mich-geschaemt-a-1212438.html
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