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Autor Thema: Segregation: Trennung zwischen arm und reich  (Gelesen 3016 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11735


« am: 30. Oktober 2014, 13:16:24 »

Zitat
Luxuswohnungen in London
Unbehelligt von den armen Nachbarn

Die Stadtverwaltung von London wollte etwas gegen die Ungerechtigkeit am Wohnungsmarkt tun. In neuen Immobilienblocks müssen stets auch Appartements für sozial Schwache eingeplant werden. Doch Investoren haben einen Trick gefunden, wie Reiche ihren Luxus ungestört zelebrieren können.


In einer Stadt der horrend steigenden Immobilienpreise war es eine lobenswerte Idee im Dienste des sozialen Friedens, die Londons damaliger Bürgermeister Ken Livingstone kurz vor Ende seiner Amtszeit 2008 durchsetzte. Jedes neu zu bauende Immobilienprojekt in London musste von da an auch Sozialwohnungen für weniger begüterte Bürger enthalten.

Livingstones Vision ist sechs Jahre später Realität geworden - tatsächlich ist in vielen zentralen Wohnvierteln der britischen Hauptstadt eine Mischung aus einfachen Sozialwohnungen und höherwertigen Wohnungen zu üblichen Marktpreisen zu finden. Beide Wohnformen sind oft sogar im selben Block untergebracht - und trotzdem gibt es eine Trennung.

Vorne ein repräsentatives Portal mit Glasfront, das in eine imposante Lobby führt, die mit Clubsesseln und dem Concierge hinter dem Tresen genauso gut Teil eines Luxushotels sein könnte. Das ist der Eingang für die wohlhabenden Immobilienbesitzer, die zu ihren schicken Appartements wollen. In einer Seitengasse, zwischen Hinterhöfen und Lieferantenzufahrten, findet sich eine zweite Tür. Ein nacktes, unwirtliches Treppenhaus - der Eingang für die Menschen, die in den Sozialwohnungen leben.

"Poor Doors" - zu deutsch Armentür - nennen britische Medien dieses Phänomen, das, wie der Guardian schreibt, bei Neubauten mittlerweile zum "Standard" geworden ist. Sogar die Mülltonnen, Briefkästen und Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder seien nach arm und reich getrennt.

"Verachtung für einfache Leute"
http://www.sueddeutsche.de/panorama/luxuswohnungen-in-london-unbehelligt-von-den-armen-nachbarn-1.2067765

Zitat
Luxusbauten in New York:
Arme müssen durch die Hintertür

In New York dürfen Immobilienfirmen neue Luxuswohntürme hochziehen - wenn sie darin auch Sozialwohnungen bereitstellen. Damit Reiche nicht auf Arme treffen, bauen die Unternehmen einfach separate Eingänge.


Der Luxus kommt vorgefertigt: Panoramafenster, Fernblick über den Hudson, Pool auf dem Dach. Die künftigen Bewohner des Protzbaus One Riverside Park in Manhattan dürfen sich auf einen noblen VIP-Bau freuen.
...
Die Großzügigkeit hat freilich ihre Grenzen: Der Sozialtrakt ist vom feineren Teil des Hauses hermetisch getrennt, erreichbar nur durch einen Hintereingang.

"Poor door" heißt diese skurille, doch in New York nicht unübliche Erfindung. Eine Art Dienstbotentür für die armen Nachbarn: Zynischer lässt sich der Konflikt von Haben und Nichthaben hier kaum darstellen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/poor-doors-new-yorks-luxusimmobilien-mit-tueren-fuer-arme-a-998732.html
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 3060



« Antworten #1 am: 30. Oktober 2014, 13:19:55 »

Und früher mußten auch die Geldverleiher den Hinter- /  Lieferanteneingang nehmen.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Kuddel


Beiträge: 11735


« Antworten #2 am: 12. Oktober 2015, 15:17:14 »

Zitat
Rio de Janeiro
Der Strand, ein "Kriegsschauplatz"

Die Strände von Rio sind weltberühmt und für alle zugänglich - bisher. Neuerdings sind Badegäste aus den Armenvierteln höchst verdächtig. Und die Polizei rüstet auf.


...
Operation Sommer (Operação Verão), das bedeutet: Hubschraubereinsätze und schwer bewaffnete Spezialeinheiten an den berühmten Promenaden von Copacabana und Ipanema. Tatsächlich wurden dort zuletzt wieder Badegäste von kriminellen Jugendbanden ausgeraubt. "Arrastoes", sagen die Brasilianer dazu. Über das Problem wird seit 25 Jahren diskutiert. Relativ neu sind: die Kriegsmetaphorik der Behörden, die Radikalität der Gegenmaßnahmen sowie eine ernst gemeinte Debatte über die Frage: Wer darf zum Stand? In Rio!

Es ist keineswegs nur ein Klischee, dass sich diese Stadt über ihre Strände definiert. Die Copacabana ist weit mehr als eine Badestelle, sie ist ein sozialer Mikrokosmos, einer der wenigen öffentlichen Orte, wo sich extremer Luxus und extreme Armut begegnen. Und zwar in den gleichen Badelatschen. Es heißt, die Strände seien demokratisch. Aber das bröckelt gerade.

An den Wochenenden werden jetzt öffentliche Buslinien, welche die Armenviertel im Norden mit der reichen Südzone verbinden, umgeleitet. Die Polizei errichtet Straßensperren, um "verdächtige Passagiere" aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie überhaupt in Strandnähe kommen. Verdächtig macht sich, wer männlich, jung und dunkelhäutig ist, wer keinen Ausweis, kein Geld, kein T-Shirt dabei hat. Kurzum: das typische Problem-Kid aus der Favela.

Es gehe um "präventive Maßnahmen zur Herstellung der öffentlichen Ordnung", sagt Rios Bürgermeister Eduardo Paes. Im Hinblick auf Olympia im kommenden Jahr will er sich keine weitere Sicherheitsdebatte leisten. Menschenrechtler kritisieren, dass die Politik von Paes vor allem darin besteht, die Armut zu kriminalisieren, anstatt ihre Ursachen zu bekämpfen. "Es geht hier weniger um Sicherheit als um Ausgrenzung", sagt Thainã de Medeiros, 32, wohnhaft im Complexo do Alemão, einer der großen Armensiedlungen Rios.

Thainã de Medeiros ist der Anführer der Bewegung "Coletivo Papo Reto", die sich für freien Strandzugang für alle einsetzt. Sie mobilisieren ihre Leute im Netz, organisieren Demos und Konzerte und rufen Parolen wie: "Ohne Hemd herumzulaufen, ist kein Verbrechen." Bei einer Veranstaltung am Wochenende in Ipanema kreiste ein Polizei-Hubschrauber um die Bühne, stets die Waffen auf den Sprecher gerichtet.



Einigen Anwohnern gehen die Maßnahmen trotzdem nicht weit genug. Sie versuchen, die Strände auf eigene Faust zu schützen. Kampfsportler und Bodybuilder aus der weißen Mittel- und Oberschicht, sogenannte Justiceiros, jagten neulich dunkelhäutige Kinder durch die Straßen. Als diese in einem Linienbus Schutz suchten, zerschlugen die selbsternannten Ritter des Rechts die Scheiben.

Einem minderjährigen Taschendieb wurde ein Teil des Ohres abgeschnitten, bevor er mit einer Fahrradkette an einen Laternenmast gebunden wurde. Da war die Polizei nicht ganz so schnell zu Stelle.
http://www.sueddeutsche.de/reise/rio-de-janeiro-der-strand-ein-kriegsschauplatz-1.2686898
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Kuddel


Beiträge: 11735


« Antworten #3 am: 21. September 2016, 17:23:48 »

Zitat
Öffentlicher Raum ist die Bühne, auf der sich das Drama des Gemeinschaftslebens entfaltet.“ So beschrieb es einmal ein Team von US-Wissenschaftlern.

Das mag hochgestochen klingen. Angesichts der Kämpfe, die auch in Frankfurt darüber ausgefochten werden, wer wann und auf welche Weise die öffentlichen Straßen, Plätze und Parks nutzen darf, scheint es gar nicht so weit hergeholt. Niemand wird bestreiten, dass die Frage, ob Eisenbahn-Reiner weiterhin einen halben Quadratmeter öffentlichen Raumes mit seiner Spielzeugwelt okkupieren darf, mit hohem Dramafaktor debattiert wurde. Doch auch wenn es um Müll, Sitzgelegenheiten oder um Alkoholkonsum geht, kochen die Emotionen hoch. Anfang August forderte Stadtrat Markus Frank (CDU) ein Alkoholverbot auf der Zeil und wurde dafür verhöhnt. Jetzt fordert eine Initiative von Gastronomen dasselbe – mit drastischen Worten: Die Zeil biete nachts „ein wahres Bild des Grauens“ schreiben sie, und die Zustände im Bahnhofsviertel seien „nicht mehr zumutbar“.
http://www.fr-online.de/frankfurt/frankfurt-der-kampf-um-die-baenke,1472798,34787462.html
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