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Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 24769 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 693


« Antworten #25 am: 30. September 2016, 20:18:41 »

VW hat ein grundsätzliches Problem damit, Sachen aufzuarbeiten, nicht nur bei den Dieselmotoren, sondern nun auch mit seiner Rolle in Brasilien während der Diktatur:

Zitat
27.06.2016
Ex-Sicherheitschef von VW in Brasilien zur Kollaboration mit Diktatur angehört

Opfer fordern Schuldanerkennung von VW do Brasil. Ehemaliger Oberst weist alle Vorwürfe zurück. Staatsanwalt will neue Dokumente von Mutterkonzern (...)

https://amerika21.de/2016/06/155089/aussagen-vw-brasil-diktatur

Da geht es um Überwachung der Mitarbeiter innerhalb und außerhalb des Werksgeländes, die Weitergabe von Informationen an die Polizei und die Erstellung von "schmutzigen Listen" über unliebsame Arbeiter, Schlagen, Folter und Terror mit Wissen des Unternehmens und natürlich das große Schweigen. Man darf gespannt sein.
Wenn man überlegt, wie lange es gedauert hat, bis in Wolfsburg das Thema NS-Zeit mal endlich auf den Tisch kam, wieviele Lücken und bewusstes Ignorieren bis heute bei VW und in der Stadt üblich sind, dann dauert das in Brasilien auch noch ein paar Jahrzehnte. Die Aufarbeitung ging hier erst mitte 80er gegen viel Widerstand los.
Wer sich dafür näher interessiert abseits der Propaganda, hier ein Text von einem der ersten Nestbeschmutzer, der damals jede Menge Staub aufgewirbelt hatte:
Porsche & Piëch haben gesiegt
http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml  

und von einem anderen ein genauerer Überblick:
Die Vergangenheit ist nicht vorbei
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/wirtsch/pwun2290.html
« Letzte Änderung: 30. September 2016, 20:20:57 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #26 am: 02. Oktober 2016, 12:47:56 »



Wenn VW ernsthaft dabei mithelfen will, seine Rolle in Brasilien aufzuklären, darf ein Name auf keinen Fall fehlen:  Friedrich Wilhelm Schultz-Wenk.
Dieser glühende Nazi war 1948 nach Brasilien ausgewandert, hatte Kontakte geknüpft und dann den Nazi und ehemaligen Rüstungsmanger Heinrich Nordhoff davon überzeugt, in Brasilien ein Werk zu bauen. Nordhoff war begeistert, zumal nach seinen Worten im unterentwickelten Brasilien die Menschen direkt vom Baum ins Auto steigen.
Schultz-Wenk war von 1950 bis 1968 Chef von VW Brasilien. Aus dem Jahr 1966 stammt eine Stern-Reportage über Schultz-Wenk, die aufschlussreiche Einblicke in die Welt von VW in Brasilien liefert. Es gebe vielleicht 200 wichtige Leute, Minister, Governeure, Generäle, Banker und so weiter, die man kennen müsse, um etwas zu erreichen. Er kenne alle persönlich.
Auf die Frage, wie seine Beziehungen zu den Gewerkschaften sind, sagte er: "Ich bin meine eigene Gewerkschaft. Diese Beziehungen sind nicht wichtig, es gibt keine Streiks. Wer so etwas propagiert, wird gefeuert." Erst vor kurzem habe er die Produktion gesteigert, indem er einfach die Geschwindigkeit erhöhte. Aufseher übten Druck auf die Beschäftigten aus, die auf wundersame Weise parieren.
Quelle: STERN, 16 Oktober 1966

Dazu passt, dass ausgerechnet der KZ-Massenmörder Franz Stangl laut Abschlussbericht der brasilianischen Wahrheitskommission nicht nur als Mechaniker bei VW beschäftigt war, sondern auch den Werkschutz aufgebaut habe und für die Sicherheit zuständig gewesen sein soll.

Nachfolger von Schultz-Wenk in Brasilien wurde Rudolf Leiding, der auf das von  seinem Vorgänger geschaffene Korruptionsnetz aufbauen konnte. Dafür wurde er 1971 sogar zum Ehrenbürger von Sao Paulo ernannt, ausgerechnet vom damaligen Bürgermeister Paulo Maluf, der bis heute als Inbegriff der Korruption in Brasilien gilt.
Leiding ging zurück nach Wolfsburg und war bis 1975 Vorstandsvorsitzender. In diese Zeit fallen die Umstellung der Produktion auf den Golf, vereinzelte Arbeitsniederlegungen und Massenentlassungen der italienischen Gastarbeiter, die Installation von Gittern im "Tunnel" (einem Eingang, der unter dem Mittellandkanal zum Werk führt), weil man Aufruhr befürchtete und schriftliche Einschüchterungen an die Belegschaft. Auf Betriebsversammlungen betonte er stets, dass nur die Tochtergesellschaften Gewinn einbringen. Damit dürfte er hauptsächlich Brasilien gemeint haben, wo er sich bestens auskannte und um die Methoden wusste, wie man Leute ausbeutet.

Es ist eigentlich ziemlich offensichtlich, dass VW in Brasilien nicht nur deswegen recht früh aktiv wurde, weil es sich zu lohnen schien, sondern gerade weil eine personelle und ideelle Kontinuitat zwischen den Altnazis in Wolfsburg und den Altnazis in Brasilien vorhanden war. Durch diese alten Seilschaften hat sich VW in Brasilien und anderswo einen Einfluss ergaunert wie kaum eine andere Firma.

Das alles mag zwar lange her und deswegen vielleicht nicht mehr so interessant sein, das Problem ist aber, dass VW seine Geschichtsschreibung in die eigenen Hände genommen hat und deshalb unangenehme Fragen nicht vollständig beantworten wird. Die Geschichtsschreibung gehört zur Konzernkommunikation und im Zweifelsfall kann VW auch genug Druck auf unabhängige Forschung ausüben. Ausserdem sterben diejenigen, die den Finger in die offene Wunde gelegt haben, allmählich aus.

Aus Porsche & Piëch haben gesiegt:
http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml

Zitat
Ein unnatürliches Ende nahm auch das Leben des SS-Hauptsturmführers Hans Körbel, der als VW-Betriebsarzt verantwortlich gewesen war für die Ermordung von über 300 Kleinkindern osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen durch »vorsätzliche Vernachlässigung«. (...) Im Helmstedter Kriegsverbrecherprozeß wurde Körbel 1946 zum Tode verurteilt und 1947 in Hameln gehängt, woran auch der evangelische Ortspfarrer nichts ändern konnte, der ihm bescheinigt hatte, sich geradezu aufopferungsvoll um die Kinder bemüht zu haben. Später machte er aus dem Mörderarzt sogar einen »Regimegegner«.


Dieser evangelische Ortspfarrer war nicht irgendeiner, sondern er galt als eine Seele von Mensch, war eine weitere wichtige mythologische Figur für die junge Stadt und hatte großen Einfluss auf die allgemeine Meinungsbildung. Dass der Verfasser des Aufsatzes den Namen nicht nennt, mag auch damit zusammenhängen, dass er gewaltig ein auf den Deckel bekommen hatte, als er es anfang der 90er ansprach.
Dieser Ortspfarrer, der den Massenmörder Körbel reinwusch, hieß Pastor Erich Bammel und war in der Nazizeit Mitarbeiter am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben und wusste schon recht früh, welche Antworten es ansonsten so gab, wenn es um jüdischen Einfluss ging.
« Letzte Änderung: 25. Juli 2017, 21:33:27 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #27 am: 24. Oktober 2016, 12:02:49 »

Die Geschichtsschreibung gehört zur Konzernkommunikation und im Zweifelsfall kann VW auch genug Druck auf unabhängige Forschung ausüben. Ausserdem sterben diejenigen, die den Finger in die offene Wunde gelegt haben, allmählich aus.


Aktuellste Meldung zum Verhältnis von VW zur Wahrheit und Konzernkommunikation:

Zitat
Chefhistoriker von Volkswagen muss gehen
23.10.2016
Wolfsburg. Für den Chefhistoriker im Volkswagen-Konzern hat eine kritische Rezension zu einer Studie über die NS-Verstrickungen des Audi-Vorgängers Auto Union ein folgenreiches Nachspiel. Der Wissenschaftler Manfred Grieger und der VW-Konzern gehen künftig getrennte Wege.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte sich VW-intern ein Streit über Griegers eigenen Umgang mit seiner Rezension ergeben. Der Konflikt sei derart festgefahren, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für beide Seiten unmöglich erschien.

Der VW-Chefhistoriker hatte als Experte in einem Fachmagazin eine Studie kritisiert, die Audi über den eigenen Vorgänger Auto Union und dessen Verstrickungen während der Nazi-Diktatur mit den NS-Eliten in Auftrag gegeben hatte. Beteiligt war daran auch ein Kollege Griegers bei Audi. Grieger attestiert dem Werk handwerkliche Fehler, verengte Sichtweise, lückenhaften Umgang mit Quellen und Unschärfen in der Sprache. Der Studie mangele es an Unvoreingenommenheit.

VW erklärte, der Grund für die Trennung sei ein unterschiedliches Verständnis zwischen Grieger und Volkswagen über die Zusammenarbeit. Konzern-Kommunikationschef Hans-Gerd Bode dankte dem Historiker „für seine in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit“. Insider sagen: Nicht der kritische Inhalt von Griegers Rezension sei Auslöser für das Zerwürfnis. Demnach wurde Volkswagen vom Sprengstoff der Rezension kalt erwischt. Grieger hätte sich besser abstimmen müssen.

Griegers Aufgaben übernimmt vorübergehend Archivarin Ulrike Gutzmann.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Chefhistoriker-von-Volkswagen-muss-gehen

Zur Kritik an der Audi-Studie:
27.08.2016
Zitat
So würden in einer vom Audi-Vorstand in Auftrag gegebenen Studie über den Audi-Vorgänger Auto Union die „engen Beziehungen“ des Auto-Union-Managements zu den „NS-Eliten heruntergespielt“, kritisiert Grieger. Es würden weniger die Opfer des NS-Terrors bedauert als vielmehr die „Auslöschung“ der Auto Union am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Forschungsansatz der Studienautoren sei teilweise „konzeptionell überaltert“, ihre Sicht „verengt“. Zudem bezeichne die Studie die Auto Union der ersten Kriegsmonate als „unbescholtenen Zivilfahrzeugbauer“, faktisch jedoch seien „die Beziehungen zu den NS-Eliten durch die drei Vorstände Richard Bruhn, William Werner und Carl Hahn eng“ gewesen. Grieger, der an der Universität Göttingen lehrt, konstatiert eine „abwehrende Haltung“ der Autoren: So anerkennten sie zwar die Verantwortung der Auto Union für die Menschenrechtsverletzungen im böhmischen KZ-Außenlager Leitmeritz, wo für 4500 für Auto-Union-Vorhaben eingesetzte KZ-Häftlinge starben, bestritten aber eine „direkte, justiziable Personalverantwortung“, weil der Einsatz der KZ-Häftling formal von der SS organisiert wurde.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/einsatz-von-kz-haeftlingen-volkswagen-chefhistoriker-kritisiert-fehlerhafte-ns-aufarbeitung-durch-audi/14451584.html

02.11.2016
Geschichtswissenschaftler liegen mit VW über Kreuz

Zitat
Kritik am Abgang des Volkswagen-Chefhistorikers

Mehrere renommierte Historiker haben den VW-Konzern wegen eines angeblich unfairen Umgangs mit seinem inzwischen ausgeschiedenen Chefhistoriker kritisiert. „Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind wir über den Fall Grieger empört und überaus beunruhigt“, hieß es gestern in einer Erklärung.



Wolfsburg
. Die Historiker mahnen: „Es stellt sich die Frage, ob VW zur Geschichtspolitik vergangener Tage zurückkehren will, die einseitig der Verherrlichung der eigenen Geschichte unter Ausklammerung dunkler Seiten diente.“ Der Konzern wies die Kritik als unbegründet zurück

Ende Oktober war bekanntgeworden, dass der Konzern-Chefhistoriker Manfred Grieger Europas größten Autobauer nach fast 20 Jahren Zugehörigkeit verlässt (AZ/WAZ berichtete). Der Auslöser ist laut dpa-Informationen ein interner Streit über Abstimmungsvorgaben für Griegers Arbeit. Der Experte für Zwangsarbeit im Nazi-Deutschland hatte eine Studie über die NS-Verstrickungen der Konzern-Tochter Audi als handwerklich mangelhaft und verharmlosend kritisiert. Ende Oktober hat Grieger einem VW-Sprecher zufolge den Konzern verlassen. Er sei aber nicht entlassen worden, ebenso wenig habe VW eine Trennung forciert, sagte der Sprecher.

Das Schreiben der Historiker hat nun Prof. Hartmut Berghoff von der Universität Göttingen versendet, stellvertretend für seine Kollegen. Nach seinen Angaben haben mehr als 75 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland die Erklärung unterzeichnet, darunter auch Hitler-Biograf Ian Kershaw von der Universität Liverpool. Mehrere Historiker bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, zu den Unterzeichnern zu gehören. „Der VW-Konzern, der selber aus dem NS-Regime hervorgegangen ist, fügt sich auf diese Weise einen in seiner Tragweite noch gar nicht übersehbaren Schaden zu“, heißt es in der Erklärung.

Ein VW-Sprecher erklärte: „Wir sind verwundert über diese Thesen. Sie sind durch nichts belegt.“ Volkswagen erkenne die von Grieger erbrachten Leistungen „unverändert an“. Volkswagen habe seine Geschichte „konsequent, ehrlich und nachhaltig“ aufgearbeitet und werde dies auch künftig tun.

Der VW-Betriebsrat hatte die Trennung von Grieger bereits als „einen Fehler“ und „großen Verlust für Volkswagen“ bezeichnet. Der Betriebsrat werde auch künftig auf die Beratung von Grieger setzen.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Kritik-am-Abgang-des-Volkswagen-Chefhistorikers

Erklärung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Ausscheiden des VW-Chefhistorikers und Unterzeichner im Wortlaut:
http://www.hsozkult.de/text/id/texte-3936
« Letzte Änderung: 05. November 2016, 11:26:16 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #28 am: 31. Oktober 2016, 23:40:43 »

Interessanter Artikel zu den Verstrickungen u.a. von Volkswagen in Folter und Unterstützung von Diktaturen. Man darf gespannt sein, ob das auch hier in den Leitmedien Thema wird, nachdem der Chefhistoriker aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Konzernkommunikation gegangen wurde:

Zitat
Außenhandelskammer São Paulo und die Diktatur in Brasilien
30.10.2016

Unaufgearbeitete Verstrickungen. Deutsche Außenhandelskammer in Brasilien feiert 100 jähriges Bestehen. Diktatur-Förderer noch immer "Ehrenmitglied"

São Paulo. Die größte deutsche Außenhandelskammer der Welt, die AHK São Paulo, begeht am 23. November dieses Jahres in São Paulo eine große Gala zur 100-Jahr-Feier. In einer zu diesem Anlass erstellten Publikation geht die AHK auf die Dienste ihres langjährigen Präsidenten João Baptista Leopoldo Figueiredo mit lobenden Worten ein, der während seiner 19 Jahre währenden Präsidentschaft (1948-1967) "mit großem Erfolg" die Arbeit der AHK São Paulo geleitet habe. Unberücksichtigt bleibt dabei dessen Rolle während der brasilianischen Militärdiktatur.
(...)
Der 1910 in Santos geborene Bankier war Cousin des späteren SNI-Geheimdienstchefs und Militärpräsidenten João Baptista de Oliveira Figueiredo. Er wurde 1948 Präsident der 1916 gegründeten Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer São Paulo. Nach seinem Abschied 1967 wurde er Präsident von Saab-Scânia do Brasil und war zudem 1963 bis Mitte der 1970er Jahre Mitglied des Prüfungsrates (Conselho Fiscal) von Volkswagen do Brasil.
(…)
Figueiredos Verstrickungen in die Militärdiktatur gehen aber noch tiefer. So berichtet selbst die konservative Tageszeitung Globo 2013 in der historischen Rückschau über Figueiredo, dass dieser in wichtiger Position Gelder für die Folterzentren von São Paulo gesammelt habe.(...)

https://amerika21.de/2016/10/163016/ahk-sao-paulo-diktatur



Ebenfalls sehr lesenswert:
https://www.ila-web.de/ausgaben/400/festnahmen-und-repression-bei-vw-do-brasil
« Letzte Änderung: 12. November 2016, 17:28:52 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #29 am: 04. November 2016, 01:13:03 »

Hosianna, VW!

Zitat
03.11.2016
Volkswagen will Aufarbeitung

Im wichtigen Absatzland Brasilien holt VW seine Geschichte ein. Es geht um eine vermutete Kollaboration mit der früheren Militärjunta. Volkswagens Chefhistoriker trieb die Aufklärung dazu bisher voran. Nun ist der aber weg - und VW sagt, wie es ohne ihn weitergehen soll.

Wolfsburg/São Paulo
Der VW-Konzern gibt seiner Aufarbeitung zu mutmaßlichen Menschenrechtsverstößen während des Militärregimes in Brasilien eine breitere Basis. „Wir wollen Licht in die dunklen Jahre der Militärdiktatur bringen sowie das Verhalten der damals Verantwortlichen in Brasilien und gegebenenfalls auch in Deutschland aufklären lassen“, sagte die Chefin des Vorstandsbereichs Integrität und Recht, Christine Hohmann-Dennhardt, am Donnerstag.Für eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung der womöglich bis in die 1980er Jahre zurückreichenden Vorgänge habe der Konzern daher den Historiker Christopher Kopper von der Uni Bielefeld beauftragt.


Auch mal in den 30ern und 20ern schauen, als Nordhoff den Papst kennenlernte? Doch weiter im Text:

Zitat
Kopper solle „möglichst rasch“ beginnen und dafür auch nach Brasilien reisen. Zwischenergebnisse berichte er an einen internen Beirat. Seine Arbeit dürfte ein Jahr dauern. Das abschließende Gutachten solle „dann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“.

Volkswagen sieht sich seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, das Regime zwischen 1964 bis 1985 unterstützt und beispielsweise schwarze Listen über Mitarbeiter erstellt zu haben. Vor einem Jahr hatte Volkswagens damaliger Chefhistoriker Manfred Grieger erklärt, der Konzern wolle sich seiner Verantwortung für die mögliche Kollaboration stellen. „Es geht um die Auseinandersetzung mit dem Unrecht, das damals geschehen ist“, sagte er damals nach Gesprächen mit Brasiliens Justizbehörden. Medien spekulierten Ende 2015 auch über Reparationszahlungen von VW.

Grieger und der Konzern hatten sich allerdings kürzlich getrennt. Dem vorangegangen war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Streit über Abstimmungsauflagen für Grieger, nachdem der eine Analyse über die NS-Verstrickungen der Konzerntochter Audi kritisiert hatte. Volkswagen betonte, niemals Griegers Forschung beeinflusst zu haben.

 Kürzlich ergriffen Dutzende Historiker per offenem Brief Partei für Grieger. In dem Schreiben erwähnten die Wissenschaftler auch das Kapitel Brasilien: „Es stehen Vorwürfe im Raum, das Unternehmen habe wie andere deutsche Firmen das berüchtigte Folterzentrum Oban unterstützt und eng mit dem Geheimdienst der Diktatur kooperiert. Es gibt Bestrebungen, solche heiklen Themen unter den Teppich zu kehren. Noch hat sich VW nicht dazu geäußert, ob und wie das Brasilienprojekt nach dem Ausscheiden Griegers fortgesetzt wird.“

Der VW-Konzern betonte am Donnerstag, Griegers vakante Stelle wieder zu besetzen. Derzeit würden Möglichkeiten geprüft. Der Leiter der Konzernkommunikation, Hans-Gerd Bode, sagte: „Der Volkswagen-Konzern stellt sich weiterhin seiner historischen Verantwortung. Die Historische Kommunikation spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Dies stand auch nie zur Disposition.“ Und Hohmann-Dennhardt betonte: „So wie wir es auch schon bei der Aufarbeitung von Themen wie der NS-Vergangenheit und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern frühzeitig und umfassend getan haben, so werden wir auch die Aufarbeitung der Rolle des Unternehmens in der brasilianischen Militärdiktatur mit der gebotenen Konsequenz und Nachhaltigkeit vorantreiben.“

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Volkswagen-will-Aufarbeitung

Der Historiker Christopher Kopper ist übrigens der Sohnemann von Hilmar Kopper, der mit den "Peanuts", und der dem HSH-Nordbank-Verbrecher Nonnemacher 4 Millionen Euro Abfindung gewährte. Das sagt weniger etwas über die Kompetenzen und die Unabhängigkeit des Historikers Christopher Kopper aus als vielmehr über das fehlende Feingefühl und die Arroganz von Volkswagen.

Gerne verweilte der Führer in Brasilien:
« Letzte Änderung: 06. November 2016, 23:48:23 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #30 am: 04. November 2016, 23:10:58 »

Volkswagen betreibt seit 2015 in Nigeria ein Montagewerk, mal wieder. Von 1975 bis 1992 produzierte VW schon einmal  Käfer, Passat und Audi 100  in der Hauptstadt Lagos. Die einzelnen Teile wurden hauptsächlich aus Brasilien geliefert.

Die heutigen Montagelinien der Fabrik werden in Kooperation mit der Stallion Group aus Dubai betrieben, die wiederum  in Nigeria für Nissan, Hyundai, Iveco und Ashok Leyland Autos montiert. Gerade Ashok Leyland aus Indien baut nicht nur Busse, sondern auch sogenannte Verteidigungsfahrzeuge wie Raketentransporter und Truppentransporter. Und tatsächlich werden in der Fabrik, die von Volkswagen und Stallion betrieben wird, nicht nur PKWs zusammengeschustert, sondern auch der Truppentransporter Stallion:


http://motoringworldng.com/revealed-inside-volkswagen-plant-lagos/

Da werden Erinnerungen an den guten alten Kübelwagen wach.

Hierzulande würde es VW wohl nicht wagen, zusammen mit zum Beispiel Rheinmetall eine Fabrik zu betreiben, wo sowohl Golfs als auch Panzer montiert werden, aber wer weiß, wie lange noch.
Dass Nigeria als Standort von VW ausgewählt wurde, hat gute Gründe: schwache und korrupte Gewerkschaften, Festnahmen von engagierten Gewerkschaftern, mafiöse und brutale Polizeigewalt, prekäre Lebensbedingungen. Das ist seit jeher der Humus, auf dem Volkswagen gedeiht.

"Wir sind nach Nigeria zurückgekommen, um unsere lange Geschichte hier seit 1970 fortzusetzen", sagte der Afrikabeauftragte von Volkswagen Wolfgang Ratz zur Eröffnung der Fabrik. Wahrscheinlich weiß er wirklich nicht besser, wie lang die Geschichte tatsächlich ist.
« Letzte Änderung: 17. November 2016, 00:14:04 von Fritz Linow » Gespeichert
dagobert


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« Antworten #31 am: 05. November 2016, 00:04:02 »

Hierzulande würde es VW wohl nicht wagen, zusammen mit zum Beispiel Rheinmetall eine Fabrik zu betreiben, wo sowohl Golfs als auch Panzer montiert werden, aber wer weiß, wie lange noch.
Das dauert möglicherweise nicht mehr lange.
Eine Kooperation zwischen Rheinmetall und der VW-Tochter MAN gibt es bereits.

Zitat
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (oder kurz RMMV) ist ein Joint-Venture zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall AG und MAN Truck & Bus AG. [...] In dem Unternehmen wurden die militärischen Radfahrzeugaktivitäten der Rheinmetall Landsysteme GmbH und die Military Division der MAN Nutzfahrzeuge fusioniert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinmetall_MAN_Military_Vehicles
Zitat
Die MAN Truck & Bus AG (MAN Nutzfahrzeuge Gruppe) mit Sitz in München ist das größte Unternehmen des MAN-Konzerns und einer der führenden internationalen Nutzfahrzeughersteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/MAN_Truck_%26_Bus
Zitat
Die MAN SE („Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“; Societas Europaea) ist ein börsennotierter Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern mit Sitz in München. Die Volkswagen AG hält mit 75,28 % die Mehrheit der Stammaktien an dem Konzern.
https://de.wikipedia.org/wiki/MAN
« Letzte Änderung: 05. November 2016, 01:15:23 von dagobert » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #32 am: 05. November 2016, 00:50:47 »

Zitat
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (oder kurz RMMV) ist ein Joint-Venture zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall AG und MAN Truck & Bus AG. [...]


Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH
in Kassel ist idyllisch gelegen zwischen Daimler, VW Baunatal und anderen Drecksfirmen. Und in direkter Nähe befindet sich ein großer Friedhof:



Passt schon.
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Kuddel


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« Antworten #33 am: 05. November 2016, 18:59:10 »

Wenn man sich die Geschichte, die Querverbindungen und den Filz ansieht, kann einem nur speiübel werden.



Je mehr sichtbar wird, desto mehr bekommt man den Eindruck, der NSU ist nur Kinderkacke dagegen.
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Fritz Linow


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« Antworten #34 am: 06. November 2016, 00:34:21 »

Visionäre Jubiläumsprozession 1963 Ecke Porschestraße/Goethesreaße . Die Produktion der V1 wurde zwar bis 1988 nicht geschafft, aber vielleicht wird das noch was:

« Letzte Änderung: 08. Dezember 2016, 23:53:39 von Fritz Linow » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #35 am: 06. November 2016, 13:08:54 »

Zitat
Ermittlungen gegen VW-Aufsichtsratschef


Hans Dieter Pötsch. 

Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation: Nach Angaben des VW-Konzerns gerät auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Marktmanipulation bereits gegen Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess. Gegen die Manager liegt ein Anfangsverdacht vor, die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Abgas-Skandal informiert und so wichtige Informationen für Anleger unterdrückt zu haben. Die VW-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe im vergangenen Jahr massiv an Wert verloren.

Bei Pötsch beziehe sich das Ermittlungsverfahren auf die Zeit, als er Finanzvorstand des Konzerns war, hieß es bei VW.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/abgasskandal-ermittlungen-gegen-vw-aufsichtsratschef,1472780,34916106.html


Kriminelles Pack!
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« Antworten #36 am: 06. November 2016, 14:38:19 »

Und weiter geht's!

Zitat
Die Audi AG ist ein deutscher Automobilhersteller, der dem Volkswagen-Konzern angehört.
https://de.wikipedia.org/wiki/Audi

Zitat
Neue Betrugsvorwürfe gegen Audi

In der Abgas-Affäre rückt Audi immer stärker in den Mittelpunkt. Nun gibt es weitere Vorwürfe: Die kalifornische Umweltbehörde hat eine weitere illegale Softwarefunktion entdeckt.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/illegale-softwarefunktion-neue-betrugsvorwuerfe-gegen-audi,1472780,34915488.html
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« Antworten #37 am: 06. November 2016, 16:39:52 »

Seat und Skoda gehören auch zu VW.
Folglich dürften die Manipulationen auch dort anzutreffen sein, stammt ja schließlich alles aus dem selben Baukasten.
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Fritz Linow


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« Antworten #38 am: 06. November 2016, 21:47:34 »

und noch einer...
Zitat

Nigeria ermittelt gegen VW wegen Vertrauensbruch

02.11.2016

Der nigerianische Senat ermittelt gegen Volkswagen wegen Vertrauensbruch. Angeblich soll Volkswagen entgegen einem Abkommen seine Autos außerhalb von Nigeria zusammen gebaut und dann ins Land importiert haben.

Um die lokale Autofertigung zu fördern, hat Nigeria seine Steuern auf Fahrzeuge aus dem Ausland drastisch erhöht. VW soll nun angeblich Import-Fahrzeuge als lokal-produzierte Autos ausgewiesen haben.

Hope Uzodinma, Vorsitzender des Senat-Komitees für Zollabgaben, erklärte der Premium Times, dass bei einem Inspektionsbesuch im Volkswagen-Werk in Lagos Autos gefunden worden seien, die nicht in Nigeria zusammen gebaut, sondern ins Land importiert wurden.

Nigerias Regierung fördert derzeit den Aufbau seiner Autoindustrie und will bis 2023 seine lokale Fahrzeugproduktion auf 80 Prozent hochschrauben. Im Rahmen der Förderung hat die nigerianische Regierung 2014 seine Zölle auf importierte CBU-Fahrzeuge (completely built-up) von 40 auf 70 Prozent erhöht. Damit sollte die Einfuhr von CBU-Autos vermieden und die lokale Produktion angekurbelt werden. Neben Volkswagen begannen auch Hyundai, Ford und Nissan die Fertigung in Nigeria.

https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/nigeria-ermittelt-gegen-vw-wegen-vertrauensbruch-117.html

Nachtrag zu Nigeria (22.11.2016):
Auf dem VW-Gelände bei Lagos wurden wohl 1500 Volkswagen und andere Marken gefunden, die am Zoll vorbeigeschmuggelt wurden und diversen Ministern und Governeuren vorbehalten waren. Volkswagen hatte die Inspektion wohl zuerst zu verhindern versucht.
http://aitnews.com.ng/2016/11/21/senate-discovers-1500-exotic-cars-owned-by-ministers-governors/

Nachtrag zu Nigeria (27.11.2016):
Volkswagen Nigeria bestreitet den Vorwurf des Betrugs: http://motoringworldng.com/volkswagen-nigeria-denies-senate-allegation-economic-sabotage/

Nebenbei: Nicht nur eine Aufklärung über die Rolle von Volkswagen in Brasilien, sondern auch in Nigeria wäre angebracht. So gab es 1978, 1982 und 1985 Proteste von Arbeitern im Volkswagenwerk Nigeria, in deren Folge es zu Todesopfern durch Polizeigewalt kam.
Trade Unionism Since 1945: Western Europe, Eastern Europe, Africa, and the Middle East, S. 370, 2009

Apropos Polizeigewalt: Da sich die Aufklärungsarbeit in Brasilien nun hauptsächlich darum drehen wird, ob Volkswagen das Folterzentrum unterstützt hat oder nicht,( - die Antwort wird dahingehend ausfallen, dass es wohl so war, es sich aber um eine Einzelperson handelte und keinesfalls Bestandteil des Volkswagensystems war -), werden im Rahmen der historischen Kommunikation viele andere Dinge in den Hintergrund gedrängt werden. So ist es gewollt. Man sollte aber nicht die ganzen mittelmäßigen und gelangweilten Wolfsburger Karrieristen vergessen, die im Ausland mal endlich gänzlich ungeniert die Herrenmenschen raushängen lassen konnten und immer noch können.

Lula gegen Schmidt 1979:
Zitat
Lula klagte, daß ausgerechnet die Deutschen zu den härtesten Kapitalisten zählen. So habe Volkswagen do Brasil beim letzten Streik den Arbeitern, die Betriebsratswahlen und Inflationsausgleich forderten, Polizei-Einsatz angedroht. Schmidt belehrte den jungen Hitzkopf, kein Mensch werde in Brasilien investieren, wenn die Lohnstückkosten zu hoch seien. Auch weitere Beschwerden des Gewerkschafters blieben ohne Eindruck -- der Mann hatte verspielt. Schmidts tödliches Verdikt: "Kein ökonomisches Wissen."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350275.html
« Letzte Änderung: 27. November 2016, 22:33:17 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #39 am: 12. November 2016, 14:16:40 »

Zitat
Enge Abstimmung zwischen Bundesamt und Industrie
11.11.2016
Diese Vorwürfe wiegen schwer: Hat das Kraftfahrtbundesamt in der Aufarbeitung des Abgasskandals mit den betroffenen Autobauern gemeinsame Sache gemacht?

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat sich für einen umstrittenen Bericht zu überhöhten Abgaswerten nach dem VW-Skandal eng mit deutschen Autobauern abgestimmt. Das geht aus E-Mails hervor. In einer Notiz des KBA von Mitte Januar heißt es zum Beispiel, es werde mit den Herstellern „zuvor konkret besprochen“, was veröffentlicht werde. An anderer Stelle ist die Rede von einem „abgestimmten Vorschlag“ für einen Bericht der „Untersuchungskommission Volkswagen“.

Das KBA ist dem Bundesverkehrsministerium untergeordnet. Es erteilt sogenannte Typgenehmigungen, die die Einhaltung von Abgasgrenzwerten voraussetzen.

Infolge des VW-Dieselskandals um manipulierte Abgastests hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September 2015 die „Untersuchungskommission Volkswagen“ eingesetzt. Außerdem ordnete er Abgas-Nachmessungen durch das KBA bei VW und anderen Herstellern an. Die Ergebnisse dieser Messungen finden sich in dem Bericht der Untersuchungskommission, der im April veröffentlicht wurde.

Rückruf von 630.000 Autos

Demnach bestanden bei 22 von 53 getesteten Dieselmodellen Zweifel, ob das Herunterregeln der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen wirklich mit dem Schutz von Motorbauteilen zu tun hat. Es wurde ein Rückruf von insgesamt 630.000 Fahrzeugen von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW beschlossen, um die Technik zur Abgasreinigung zu ändern. Die Hersteller sprachen von einem „freiwilligen“ Update und betonten, es gebe keine Hinweise auf unzulässige Software.

E-Mails zwischen der Aufsichtsbehörde KBA und den Autoherstellern legen nun nahe, dass sich beide Seiten über Inhalte des Berichtes enger abgestimmt haben als bislang belegt. Die Opposition im Bundestag wirft Dobrindt schon seit Bekanntwerden des Dieselskandals zu große Nähe zu den Autobauern vor.

Autobauer stimmen Wortlaut mit Bundesamt ab

In den E-Mails schrieb ein Vertreter von Opel an einen KBA-Mitarbeiter, der Autohersteller könne Formulierungen in einem Entwurf des Berichts nicht zustimmen. „Uns geht es um einen Maßnahmenplan im Rahmen einer von uns vorgeschlagenen, freiwilligen Produktverbesserung.“ Es könne daher nicht von „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Vorschriftmäßigkeit“ gesprochen werden. Dies impliziere einen Gesetzesverstoß, der aber nicht angemessen sei.

An anderer Stelle schreibt ein KBA-Vertreter an einen Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums, in der Rohfassung des Berichts sei ein „Porsche-Text“ mit dem Hersteller abgestimmt. Ein VW-Mitarbeiter schrieb an das KBA, man wolle einen „abgestimmten Vorschlag“ an die Untersuchungskommission versenden.

KBA-Präsident unterschreibt mit „industriefreundlichem Gruß“

In den Unterlagen taucht auch KBA-Präsident Ekhard Zinke auf. Er schrieb an einen seiner Mitarbeiter, er halte Opel-Ausführungen „insbesondere im techn. Teil im Grunde nach für nachvollziehbar.“ Der Behördenchef schließt dann: „Mit industriefreundlichem Gruß.“
In einer gemeinsamen Stellungnahme von Bundesverkehrsministerium und KBA zu den Recherchen hieß es: „Mit den Herstellern wurden im Rahmen dieser Untersuchungen Gespräche geführt und technische Fragen erörtert. Ein solches Prozedere ist international üblich und notwendig.“ Schlussfolgerungen im Untersuchungsbericht seien durch die Untersuchungskommission getroffen worden. „Die Meinungsbildung erfolgte unabhängig.“

Marken „haben konkrete Lösungen erarbeitet“

Ein VW-Konzernsprecher teilte mit: „Die beteiligten Marken haben konkrete Lösungen erarbeitet und dem KBA zur Überprüfung und Freigabe vorgestellt.“ Weiter hieß es: „In dem gesamten Prozess haben wir gegenüber dem KBA sensible und vertrauliche Daten offengelegt. Wenn das KBA mit Blick auf die angekündigte Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes Rücksprachen mit betroffenen Unternehmen führt, ist dieses aus unserer Sicht erst einmal nachvollziehbar und naheliegend.“ Der Autobauer Opel wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Die Grünen sehen sich in ihrem Vorwurf bestätigt, Verkehrsminister Dobrindt und das KBA handelten nicht unabhängig. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck sagte: „Hier hat offenbar die Industrie dem KBA die Feder geführt. Das ist ein Problem. Schon allein der Anschein einer Kultur der Kumpanei ist fatal.“ Dies schädige das Vertrauen in die Unabhängigkeit der staatlichen Institutionen.

Die logische Konsequenz könne nur sein, dass eine unabhängige Kommission das Ganze noch einmal aufrolle, sagte Habeck. Die Frage, ob alle Hersteller bei der Abgasreinigung illegal handelten, sei von hohem öffentlichen Interesse. „Das dürfen das KBA und das Verkehrsministerium nicht verschleiern.“


http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Enge-Abstimmung-zwischen-Bundesamt-und-Industrie
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« Antworten #40 am: 12. November 2016, 14:39:54 »

Woran VW so alles sparen will:
Zitat
(…)
Im Konzern sollen nach und nach mehr als 10.000 Arbeitsplätze wegfallen und allein bei der Wolfsburger Stammmarke Volkswagen müssen rund drei Milliarden Euro gespart werden.(…)

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Aufsichtsrat-beraet-ueber-Sparmassnahmen,vw3376.html

Zitat
Audi verzichtet auf Leiharbeiter
Audi will 2017 die Leiharbeiterquote deutlich reduzieren. Offiziell hat das jedoch nichts mit den Folgen des Abgas-Skandals zu tun. (…)

http://www.automobilwoche.de/article/20161112/NACHRICHTEN/161119972/kein-bedarf-audi-verzichtet-auf-leiharbeiter
Zitat
Ausweitung der Sparmaßnahmen:
VW setzt Rotstift bei Schnauferln an
Der legendäre Fahrzeugbestand von Volkswagen Classic soll langfristig von 380 auf 250 Autos abschmelzen. Als Entscheidungskriterium zur Selektion der Kollektion wurde "Relevanz für die Marken- und Produkthistorie" auserkoren.(...)

http://www.automobilwoche.de/article/20161112/HEFTARCHIV/161119968/1339/ausweitung-der-sparmassnahmen-vw-setzt-rotstift-bei-schnauferln-an

Zitat
Wegen der Dieselaffäre zieht sich VW aus der Rallye-WM zurück. Die Sparmaßnahmen in der „Luxusabteilung“ Motorsport hat hausintern vor allem Signalwirkung.

http://www.faz.net/aktuell/sport/formel-1/motorsport/rallye-wm-ein-ausstieg-als-knalleffekt-14509615.html

Zitat
VW-Präsentation in Wolfsburg statt Paris
Bei der Präsentation neuer Modelle sorgte VW früher gerne für besondere Atmosphäre, in Paris, Bologna oder auf Sardinien. Anders bei der Weltpremiere des Golf-Updates am Montag, zu der 200 Journalisten aus Deutschland und dem Ausland nach Wolfsburg kamen – wohl ein Zeichen der neuen Bescheidenheit.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Praesentation-in-Wolfsburg-statt-Paris

Zitat
19.10.2016. (dpa) - Vie­le Lie­fe­ran­ten und Dienst­leis­ter im Um­feld des Wolfs­bur­ger VW-Stamm­wer­kes ha­ben auch noch ein Jahr nach Be­ginn des Ab­gas-Skan­dals mit Kurz­ar­beit zu kämp­fen.(...)
Da die Zu­lie­fe­rer und Dienst­leis­ter rund um Wolfs­burg prak­tisch al­le am Tropf von VW hän­gen, liegt ein Zu­sam­men­hang zu den Spar­pro­gram­men des Kon­zerns auf der Hand. Volks­wa­gen hat­te in der Ver­gan­gen­heit be­tont, sich nicht zu Fra­gen an­de­rer Un­ter­neh­men äu­ßern zu kön­nen.(...)

http://www.hensche.de/VW_Zulieferer_Stammwerk_Folgen-Abgasskandals_VW_Zulieferer_rund_um_Stammwerk_kaempfen_mit_Folgen_des_Abgasskandals_19.10.2016_9.23.html

Der hat es richtig gemacht, war aber leider zu gierig:

Zitat
Ein Ex-Mitarbeiter von Volkswagen in Baunatal steht wegen eines krummen Millionen-Geschäfts vor Gericht. Mit Hilfe eines Kollegen soll er tonnenweise Edelschrott aus dem Werk gestohlen und verkauft haben.

http://hessenschau.de/panorama/ex-vw-mitarbeiter-wegen-millionendiebstahl-vor-gericht,vw-diebe-100.html
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« Antworten #41 am: 24. Dezember 2016, 13:34:01 »

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« Antworten #42 am: 20. Februar 2017, 13:41:04 »

Es verwirrt, wenn ausgerechnet ein Obermacker von VW auf die fehlende Gegnerfreiheit innerhalb der IGM hinweist:


Zitat
VW-Markenchef prüft Bevorzugung von Gewerkschaftsmitgliedern

Bei Volkswagen droht ein neuer Konflikt: VW-Markenchef Herbert Diess prüft Hinweise, dass bei Einstellungen und Beförderungen im Unternehmen Gewerkschaftsmitglieder bevorzugt würden.


„Seit meinem Einstieg bei Volkswagen bekomme ich immer wieder Hinweise aus der Belegschaft und insbesondere aus dem Management, dass Einstellungen und Aufstieg in der Hierarchie von einer Mitgliedschaft bei der IG Metall abhängen würden“, sagte Diess der „Bild“-Zeitung. Anzeigen aus der Belegschaft an verschiedenen Standorten, externe Berichte und ein „offenbar ungewöhnlich hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad im Management“ gäben weitere Hinweise.

Bei einigen Beförderungen habe Diess gezielt nachgefragt, ob die Betreffenden Mitglied der Gewerkschaft sind. „Meine Frage wurde dahingehend beantwortet, dass etwa die Hälfte des oberen Managements auch Mitglied der IG Metall seien“, sagte der Manager dem Blatt.

Beförderungen abhängig von einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft wären „ein klarer Compliance Verstoß“, sagte Diess. „Und es wäre mit den neuen Unternehmenswerten unvereinbar.“ Verantwortungsbewusstes Management dürfe bei solchen Indizien nicht wegsehen.

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Diess bei der Beförderung von sechs Mitarbeitern ins obere Management nach deren Gewerkschaftsmitgliedschaft gefragt hatte (WAZ berichtete). Er bekam keine Antwort, wie ein Unternehmenssprecher dem „Manager Magazin“ sagte. Das sei auch aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Bei VW werde oft behauptet, IG-Metall-Mitglieder würden bei Beförderungen bevorzugt, sagte der Sprecher.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Markenchef-prueft-Bevorzugung-von-Gewerkschaftsmitgliedern

Reaktion des Wolfsburger IGM-Chefchens Hartwig Erb auf der Betriebsversammlung am 21.02.17:

Zitat
(...) Mit Blick auf die jüngste Auseinandersetzung um die Frage, ob Gewerkschaftsmitglieder bei VW Karrierevorteile haben, warnte Erb den Markenchef davor, „rote Linien“ zu überschreiten. „Auch im Topmanagement sollte doch bekannt sein, dass wir in Deutschland die Koalitionsfreiheit haben. Wir sind alle stolz, Metallerinnen und Metaller bei VW zu sein. Ich glaube, das reicht als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl“, so Erb.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/IG-Metall-Chef-Wut-Rede-gegen-das-Management

Man steht also stolz Seit' an Seit' mit Leuten, die für Entlassungen, Arbeitsverdichtung, Druck, Folter wie in Brasilien und weitere Schweinereien stehen. Glückwunsch!
« Letzte Änderung: 22. Februar 2017, 20:12:49 von Fritz Linow » Gespeichert
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« Antworten #43 am: 26. Februar 2017, 11:55:50 »



Zitat
Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern

Horst Neumann schuf sich bei der IG Metall ein Netzwerk. Dann verhalf ihm sein Job bei Volkswagen zu märchenhaftem Reichtum.

Wahrscheinlich ist Horst Neumann einer der reichsten Gewerkschafter im Ruhestand. Fast 50 Millionen Euro verdiente Neumann zwischen 2005 und 2015 als Personalvorstand von Volkswagen. Außerdem zahlt das Unternehmen dem 67-Jährigen in den kommenden Jahren eine Pension aus, deren Wert aus heutiger Sicht insgesamt etwa 23,7 Millionen Euro beträgt.
(…)
Als Neumann 2005 Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns werden sollte, geriet die Sache zum Politikum. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch setzte ihn gegen erhebliche Bedenken und Gegenstimmen des Landes Niedersachsen und anderer Kapitalvertreter durch. Neumann war zu jener Zeit mit der SPD-Politikerin und heutigen Arbeitsministerin Andrea Nahles liiert.
(…)
Nachdem sich Neumann und Nahles getrennt hatten, folgte 2009 die "Traumhochzeit bei VW", wie die Wolfsburger Allgemeine schrieb. Neumann heiratete Elke Eller, eine frühere IG-Metall-Vordenkerin, die seit 2001 in Volkswagens Aufsichtsrat saß und 2007 bei Volkswagen Financial Services Personalvorstand wurde, ehe sie 2012 in gleicher Funktion zur Marke VW Nutzfahrzeuge wechselte. Auf der Gästeliste der Hochzeit stand das damalige Who’s who der Volkswagen-Welt: Patriarch Piëch mit Gattin Ursula, Sigmar Gabriel, IG-Metall-Chef Berthold Huber nebst Vorgängern Jürgen Peters und Franz Steinkühler sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh.
(…)


http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht
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« Antworten #44 am: 26. Februar 2017, 13:46:47 »

Zitat
Horst Neumann:
Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern

Horst Neumann schuf sich bei der IG Metall ein Netzwerk. Dann verhalf ihm sein Job bei Volkswagen zu märchenhaftem Reichtum.




Wahrscheinlich ist Horst Neumann einer der reichsten Gewerkschafter im Ruhestand. Fast 50 Millionen Euro verdiente Neumann zwischen 2005 und 2015 als Personalvorstand von Volkswagen. Außerdem zahlt das Unternehmen dem 67-Jährigen in den kommenden Jahren eine Pension aus, deren Wert aus heutiger Sicht insgesamt etwa 23,7 Millionen Euro beträgt.

Konzernbosse haben es schon schwer genug, vor ihre Beschäftigten zu treten, um ihre Vergütung zu rechtfertigen. Wie aber erklärt der langjährige IG-Metall-Mitarbeiter Horst Neumann einem Malocher vom Band, dass er gerecht entlohnt wird?

Die Antwort: gar nicht.

"Im Augenblick möchte ich mich nicht zu der Pensionsfrage äußern", schreibt er in einer E-Mail.

Dabei liegt in Lebensläufen wie jenem von Horst Neumann ein Schlüssel zur Frage, warum gerade in Großkonzernen mit starker Mitbestimmung die Gehaltsunterschiede zwischen Vorstand und Mitarbeitern immer gewaltiger werden. Es ist nämlich so, dass Gewerkschafter dort selbst von dieser Entwicklung profitieren, wenn sie geschickt sind. Sie reden im Aufsichtsrat mit, wenn es um Spitzengehälter und Posten geht.

Die Wege nach oben gleichen sich. Es gibt Manager, die etwas werden wollen und früher oder später eine Wirtschaftsschule in den USA besuchen. Und dann gibt es Karrieren wie die von Horst Neumann, die ohne Gewerkschaft nicht denkbar wären.

Bei Neumann war es so: Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Hamburg und Berlin wurde er 1973 Referent des Berliner Wirtschaftssenators. Fünf Jahre später kam der Karriereturbo: Der hauptberufliche Einstieg in die IG Metall. Wenn man etwas über diese Zeit hören will, erzählt ein früherer Büronachbar sofort einen bösartigen Witz, der zu jener Zeit bei der IG Metall über die opportunistische Unternehmenskultur kursierte. Hängen bleiben soll nebenbei, dass Neumann nicht durch Leistung überzeugt habe, sondern aufgestiegen sei, weil er sich mit den richtigen Leuten zu umgeben gewusst habe.

16 Jahre lang spann er in der Wirtschaftsabteilung der IG Metall sein Netzwerk. Er zog in mehrere Aufsichtsräte ein, darunter in jenen von Opel, ehe er 1994 Arbeitsdirektor der Krupp-Tochter Rasselstein Hoesch wurde, eines Weißblechspezialisten, ein Vorstandsposten, der in vielen Unternehmen traditionell an Gewerkschafter geht. Auch bei der Rasselstein AG war Neumann zuvor Aufsichtsrat gewesen. Nach einer kurzen Etappe als Personalvorstand von ThyssenKrupp Elevator wechselte Neumann 2002 zu Audi – als Vermittler sollen der damalige IG-Metall-Vorstand Jürgen Peters und Volkswagen-Arbeitsdirektor Peter Hartz gewirkt haben.
"Neumann hat weniger nach Lösungen gesucht als vielmehr danach, was dem Vorgesetzten nützt"

Als Neumann 2005 Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns werden sollte, geriet die Sache zum Politikum. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch setzte ihn gegen erhebliche Bedenken und Gegenstimmen des Landes Niedersachsen und anderer Kapitalvertreter durch. Neumann war zu jener Zeit mit der SPD-Politikerin und heutigen Arbeitsministerin Andrea Nahles liiert. Schnell machte das Gerücht die Runde, Aufsichtsrat und CDU-Ministerpräsident Christian Wulff habe Neumann deshalb verhindern wollen. Wulff dementierte vehement. Er und die anderen Anteilseigner im Aufsichtsrat hätten schlicht Zweifel gehabt, ob Neumann der geeignete Kandidat sei. Heute sagen frühere Aufsichtsräte, Wulffs damalige Einschätzung habe sich bestätigt. Ein Zinnsoldat sei Neumann gewesen, einer, der nur ausgeführt habe, was Piëch oder der spätere Konzernchef Martin Winterkorn von ihm verlangt hätten.

In Vorstandsklausuren habe Neumann praktisch nie widersprochen, sagt einer, der oft dabei war: "Neumann hat weniger nach Lösungen gesucht als vielmehr danach, was dem Vorgesetzten nützt." Und zumindest unbewusst etablierte er eine Angstkultur im Konzern, in der Vertrauen wenig zählte. "Horst Neumann hatte ein enormes Kontrollbedürfnis und damit verbunden ein ständiges Misstrauen in die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter", sagt ein anderer Weggefährte von einst. Manche Sachbearbeiter, so erzählt man sich heute noch im Werk, waren tagelang damit beschäftigt, Antwortschreiben so lange zu verbessern, bis der Chef zufrieden war, obwohl sich inhaltlich nicht zwingend etwas änderte. Neumann galt aufgrund solcher Aktionen als Perfektionist und Pedant.

Aber Neumann, auch das gehört zu seiner Biografie, hat das Gesundheitsmanagement bei Volkswagen verbessert und dadurch bis heute viele Fehlzeiten im Unternehmen verhindert. Zudem hat er die Fünftagewoche bei Volkswagen wieder etabliert und damit die Kosten im Unternehmen gesenkt.

Nachdem sich Neumann und Nahles getrennt hatten, folgte 2009 die "Traumhochzeit bei VW", wie die Wolfsburger Allgemeine schrieb. Neumann heiratete Elke Eller, eine frühere IG-Metall-Vordenkerin, die seit 2001 in Volkswagens Aufsichtsrat saß und 2007 bei Volkswagen Financial Services Personalvorstand wurde, ehe sie 2012 in gleicher Funktion zur Marke VW Nutzfahrzeuge wechselte. Auf der Gästeliste der Hochzeit stand das damalige Who’s who der Volkswagen-Welt: Patriarch Piëch mit Gattin Ursula, Sigmar Gabriel, IG-Metall-Chef Berthold Huber nebst Vorgängern Jürgen Peters und Franz Steinkühler sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bis 2015 blieben Neumann und Eller bei Volkswagen, dann schieden sie – als die Dieselkrise den Konzern erschütterte – fast zeitgleich aus. Eller arbeitet heute für TUI. Neumann ist jetzt Luxusrentner.

Einer gewinnt immer

Vergütung für Horst Neumann bei Volkswagen in Millionen Euro (Amtsantritt im Dezember 2005)


Eigentlich soll der Aufsichtsrat den Vorstand kontrollieren. Die Gewerkschaften haben durch das deutsche Modell der Mitbestimmung einen Sitz in diesem Gremium, damit die Interessen der Beschäftigten eine Stimme haben. Der Fall Neumann zeigt, wie Gewerkschaftsfunktionäre von diesem System profitieren, obwohl sie eigentlich Selbstbedienung des Managements verhindern sollen. Der Berliner Wirtschaftsprofessor Joachim Schwalbach hält eine Korrektur für überfällig. "Der Aufsichtsrat wäre zumindest der entscheidende Hebel, um Gehaltsexzesse zu stoppen", sagt er. Schwalbach weiß, wovon er spricht. Jahrelang hat er die Vergütung in den größten deutschen Unternehmen analysiert. Fast jedes Jahr wuchs der Abstand zwischen den Vorstandsgehältern und denen der normalen Beschäftigten.

Die Vertreter der Kapitalseite in Aufsichtsräten sind meist altgediente Manager. Von Leuten wie dem früheren Linde-Vorstand Wolfgang Reitzle oder dem Ex-Bayer-Chef Werner Wenning ist nicht zu erwarten, dass sie ein System austrocknen, das sie selbst so gut genährt hat und noch bis heute nährt. Reitzle kam laut manager magazin allein durch seine Aufsichtsratstätigkeit 2015 auf 2,5 Millionen Euro, Wenning auf 1,4 Millionen Euro. Aber was ist mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat? Auch sie verdienen prächtig. Die meisten spenden einen Großteil des Geldes an die Gewerkschaft, die sie entsandt hat, oder an ihr nahestehende Organisationen. Doch einige nutzen die Chance, siehe Neumann, einmal selbst ganz oben zu sitzen. Dort bleiben sie dann als wackere Stützen des Systems, das sie reich macht.

Mittlerweile hat Neumann eine Stiftung gegründet, das "Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit". Auch darüber möchte er nicht näher Auskunft geben. "Ich kann ihnen aber bestätigen, dass ich zugesagt und seit Anfang 2016 begonnen habe für 10 Jahre jährlich eine Million Euro für das ›Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit‹ zur Verfügung zu stellen. Wie Sie sehen, ist das deutlich mehr als die Pensionszahlungen. :-)", schreibt er per E-Mail. Es wird kein Zufall sein, dass diese Summe exakt dem Höchstbetrag entspricht, den ein Stifter jedes Jahr von der Steuer absetzen darf .
http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht
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« Antworten #45 am: 26. Februar 2017, 15:34:59 »

Nahles liebte Horst Neumann:



Doch der liebt nun eine andere:



Nahles versucht es bei Werner Stolz:



Piech derweil liebt Osterloh:



Auf jeden Fall liebt Nahles den Arbeiter:



Der Führer liebt derweil Grundsteinlegungen bei Fallersleben:

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« Antworten #46 am: 28. Februar 2017, 22:30:46 »

Zitat
VW China duldet illegale Leiharbeit – Arbeiter in Jilin streiken – Solidarität ist angezeigt!

Das in Hongkong ansässige „China Labour Bulletin“ berichtet, daß 500 Leiharbeiter des VW-Joint Ventures in Changchun (Provinz Jilin) für die Einhaltung des Grundsatzes „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ streiken. Bereits seit mehreren Monaten hatten sie versucht, ihre Rechte auf offiziellem Weg durchzusetzen. (…) Die Arbeiter berufen sich auf das geltende chinesische Arbeitsvertragsgesetz sowie auf die mit dem „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns abgeschlossene „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ vom 29.10.2009 und die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ vom 30.11.2012.
(…)
Der Konflikt in China zeigt, daß die Lage der Leiharbeiter und „Kontraktarbeiter“ dort strukturell absolut vergleichbar ist mit der Lage der Leiharbeitnehmer und Werkvertragsbeschäftigten in Deutschland. Allerdings: Die Rechtslage in China ist – absurd genug ! – noch eindeutiger als in Deutschland. Umso unverständlicher ist es aber, daß sich offenbar bis heute weder der „Weltbetriebsrat“ noch der Konzernbetriebsrat in Wolfsburg oder die IG Metall der Sache angenommen haben.(…)

(Geffken)

http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/

Der Vorsitzende des Weltbetriebsrates ist Frank Patta, war 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg und wurde hier schonmal thematisiert: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg310206#msg310206


2013 gab es ein Treffen mit chinesischen Gewerkschaftern:


Zitat
Weltkonzernbetriebsrat und chinesische Gewerkschaften haben einen Koordinierungskreis. In China fanden Treffen dieses Kreises bisher nur in Peking statt. Zum ersten Mal waren wir jetzt in Fushan – einem der neuen Volkswagen-Standorte“, erklärt Frank Patta, Generalsekretär des Weltkonzernbetriebsrates. Mit Chairman Kong Xianghong nahm zudem erstmals ein führender Gewerkschafter aus der Provinz Guangdong an dem Treffen teil. In der Provinz, in der auch Fushan liegt, hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Arbeitsniederlegungen gegeben. „Die chinesischen Gewerkschafter sind deswegen sehr daran interessiert, zu erfahren, wie bei Volkswagen in Deutschland die Mitbestimmung funktioniert und wie bei uns Tarifverhandlungen geführt  werden. Ich war beeindruckt, wie offen darüber diskutiert werden konnte“, erklärt Patta, der auch Vorträge an der Sun-Yat-Sen-Universität der Provinzhauptstadt Guangzhou halten konnte.


https://www.porsche-betriebsrat.at/fileadmin/inhalt/mitarbeiterzeitung/MITBESTIMMEN__Juni_2013.pdf

Von deutschen Gewerkschaften lernen heißt nicht wirklich Siegen! Es soll sogar vorkommen, dass die Blödsinn erzählen...

Nebenbei: Eine Mitarbeiterin in Changchun erzählt wohl auch gerne Blödsinn:
Zitat
In den sozialen Medien erhält die Gruppe große Unterstützung. Volkswagen erklärte, man nehme die Proteste sehr ernst. FAW wollte sich nicht äußern. Am Telefon erklärte eine Mitarbeiterin in Changchun, man wisse von keinen Protesten.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/china-proteste-gegen-vw/19460894.html (1.3.17)

Tagesschau und DLF sind die protestierenden Leiharbeiter nun auch eine Meldung wert:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-leiharbeiter-proteste-china-101.html
http://www.deutschlandfunk.de/china-vw-leiharbeiter-protestieren-gegen-ungleiche-bezahlung.1773.de.html?dram:article_id=380251

Mal sehen, was BR und IGM in Wolfsburg dazu sagen oder ob sie sogar Solidarität und Unterstüzung zusagen. Ziemlich unwahrscheinlich, weil sie dann erklären müssten, warum sie hier bei der Frage "Gleiche Bezahlung" nicht aktiv werden.  

Der Weltkonzernbetriebsrat und somit auch die IG Metall scheint sich grundsätzlich einen Dreck darum zu scheren, was international bei VW so los ist. So werden in den USA seit längerem Tarifvertragsverhandlungen verweigert, in dessen Folge es zu Drangsalierungen bis hin zu Rassismus gekommen sein soll. Der Weltkonzernbetriebsrat mit Frank Patta persönlich war zugegen, ist aber anscheinend nicht gewillt zu unterstützen:  

Nur auf Englisch: http://www.alternet.org/labor/chattanooga-auto-workers-host-strike-meeting

Daheim schauen die VW-Betriebsräte Heim, Melhop und Osterloh gerne zusammen mit Maffay in die Klatschreporterkamera:


« Letzte Änderung: 03. März 2017, 00:42:31 von Fritz Linow » Gespeichert
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« Antworten #47 am: 01. März 2017, 12:11:40 »

Man kommt gar nicht mehr hinterher:

Zitat
01.03.17
VW Argentinien befiehlt Kurzarbeit für 600 Beschäftigte: Verkündet mit einem Massenaufgebot an Polizei

In dem VW Werk in General Pacheco (eine Stadt mit grob 50.000 Menschen, nördlich von Buenos Aires) arbeiten rund 4.000 KollegInnen. 600 von ihnen sollen jetzt – für maximal anderthalb Jahre (!) zur Kurzarbeit gezwungen werden, zunächst einmal für 30 Tage. Großzügigerweise betonte die Unternehmensleitung, am Ende dieser 30 Tage würden die Betroffenen „ein Telegramm“ erhalten, worin sie über ihre weitere Zukunft informiert würden. Und verkündete diese „Betroffenheit“ am Schichtende in Einzelgesprächen. In dem Artikel „Volkswagen: impresionante operativo policial para suspender a 600 trabajadores“ am 23. Februar 2017 bei El Argentino Zona Norte wird vor allem darauf abgehoben, dass die Geschäftsleitung sich „ihrer Sache“ denn doch nicht so sicher war: Die Verkündigung geschah erst, als ein enormes Polizeiaufgebot vor dem Werk aufmarschiert war, was in diesem Artikel auch mit Fotos belegt ist. Belegt ist einmal mehr auch, dass die Metallgewerkschaft Smata (der unbekannte Autor verweist darauf: „Ebenso grün gekleidet, wie die Polizei“) den ganzen Tag „Beruhigungsaktivitäten“ unternommen habe.


http://www.labournet.de/internationales/argentinien/arbeitsbedingungen-argentinien/vw-argentinien-befiehlt-kurzarbeit-fuer-600-beschaeftigte-verkuendet-mit-einem-massenaufgebot-an-polizei/

Höchstwahrscheinlich hat die argentinische Metallgewerkschaft Smata auch eine Unterrichtung aus Wolfsburg bekommen, wie man als willfährige Erfüllungsgehilfin zu handeln hat.
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« Antworten #48 am: 08. März 2017, 22:31:25 »

Was der Wolfsburger so aus den Wolfsburger Medien erfährt:

Zitat
Merkel: Erfuhr im September 2015 aus Medien von VW-Skandal

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des VW-Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren. Anschließend sei dann auch von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) informiert worden.
Berlin.Dies sagte Merkel am Mittwoch als Zeugin im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sie habe unterstützt, dass Dobrindt rasch eine Untersuchungskommission einsetzte, und zur Aufklärung ermuntert.

Der Ausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 mit Blick auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr.

VW hatte eine verbotene Software eingesetzt, was 2015 in den USA aufflog und zum Diesel-Skandal führte. Auch bei mehreren anderen Herstellern sind später auffällige Abgaswerte bekannt geworden.

dpa

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Merkel-Erfuhr-im-September-2015-aus-Medien-von-VW-Skandal


Und was so in den anderen Medien steht (natürlich immer noch zu wenig):
Zitat

Merkel: Erfuhr erst September 2015 von VW-Skandal
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren.
Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hebt den Kopf. Sie blickt hoch zur Pressetribüne und nickt den Journalisten zu. Lächelnd umkreist sie ihren Platz, einen schwarzen Ledersessel vor einem hellen Holztisch. Die drei Stühle neben ihr bleiben leer. Merkel rückt ihr Namensschild zurecht: „Dr. Merkel“.

Noch einmal mustert sie Mikrofongalgen und Kamera-Objektive, die sie neugierig anstarren. Mit Spannung war Merkels Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss zum VW-Abgas-Skandal erwartet worden. Was wird sie sagen? Wird sie überhaupt etwas sagen? Was wusste sie? Wann wusste sie etwas? Und von wem?

Die Kanzlerin: „Ich bin bereit“

Merkels Auftritt ist die letzte Zeugenbefragung vor dem Ausschuss. Das Interesse der Medien ist immens. Kurzfristig muss die Befragung in einen größeren Saal verlegt werden. „Sie müssen richtige und vollständige Angaben machen“, ermahnt der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke) die Kanzlerin. „Ich habe versucht, mich zu erinnern und bin bereit“, antwortet Merkel und räuspert sich.

Behrens will wissen: „In welcher Weise und Intensität haben Sie sich mit dem Thema Emissionen zwischen 2007 und 2016 befasst?“ Merkel erklärt, sie sei früher immerhin Umweltministerin gewesen und habe sich „immer wieder damit beschäftigt“, aber nie mit technischen Details, immer nur „im Geiste“.

Merkels Strategie wird schon mit der ersten Antwort deutlich. Erfahren habe sie erst am 19. September 2015 aus den Medien von „dem Vorfall“ – wie alle anderen auch. Merkel, die Ahnungslose, die aber schnell Aufklärung verlangt haben will.
„Ich habe keine klare Erinnerung“

Sie habe rasch Kontakt mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgenommen. „Ich habe ihn ermuntert, mit voller Transparenz und Energie aufzuklären, um die Dinge ans Licht zu bringen, sofern sie nicht schon bekannt waren.“ Sie habe es begrüßt, als Dobrindt eine Untersuchungskommission einrichten will.

Alle Versuche, sie von dieser Linie abzubringen, perlen an Merkel ab. Kannte sie die Abweichungen bei Abgasmessungen? „Daran erinnere ich mich nicht. Ich habe mich mit Testfragen nicht beschäftigt.“ Und die Abschaltvorrichtung? „Ich habe keine klare Erinnerung“, „keine detaillierte Kenntnis“, „am Rande mit verfolgt, aber nie intensiv damit beschäftigt“, „mit den Presseberichten am Rande erfahren“, „vorher keinerlei Kenntnis“.

Sicherlich, Kontakte mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn zu diesem Thema habe es gegeben, aber erst am 22. September in einem Telefonat, um das sie Winterkorn am Vortag gebeten habe. Sie habe von ihm nichts Neues erfahren. Nichts, das sie nicht schon vorher aus den Medien erfahren habe. Aus internen Telefonaten berichte sie ansonsten grundsätzlich nicht.
„Es wird wohl so gewesen sein“

Ob sich das Bundeskanzleramt in die bisherigen Untersuchungen eingebracht habe, will Behrens wissen. „Nee, das machen Sie doch. Ich habe das zur Kenntnis genommen, was Sie hier ermitteln“, sagt Merkel flapsig und erntet Gelächter. Behrens rückt ein Treffen mit dem früheren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger im Jahr 2009 in den Fokus.

Sie habe angeblich Schwarzenegger und Vertreter der kalifornischen Umweltbehörde ermahnt, die amerikanischen Grenzwerte für Diesel-Fahrzeuge seien zu niedrig. Es habe so geklungen, als ob die Kanzlerin als oberste Fürsprecherin der deutschen Autoindustrie auftrete.

„Es gab ein Frühstück. Es wird wohl so gewesen sein“, sagt die Kanzlerin. Es sei um Pläne für neue Emissionsgrenzwerte nach 2014 gegangen. Im Vordergrund habe die Reduzierung von Emissionen gestanden. „Das war keine Attacke auf die kalifornischen Umweltbemühungen. Ich habe mich auch danach nicht mehr dafür eingesetzt“, betont Merkel. Das Gespräch sei ihr ohnehin nicht auffallend in Erinnerung geblieben. „Ich weiß es schlicht nicht. Eine konkrete Erinnerung daran habe ich nicht.“
Keine Erkenntnisse, keine Erklärung

Merkel wird nach Zeitungsartikeln gefragt, nach möglichen Hinweisen der EU auf Verstöße, bevor der Skandal an die Öffentlichkeit drang. Doch die Kanzlerin bleibt hart: „Nein, davon weiß ich nichts.“ Immer neue kritische Artikel und Berichte werden ihr präsentiert. Irgendwann platzt es aus ihr heraus: „Hoch lebe die Pressefreiheit.“

Oliver Krischer von den Grünen hakt nach: „Sie verstehen mehr von Stickoxiden als zwei ehemalige Verkehrsminister, die wir hier befragt haben. Haben Sie eine Erklärung, warum das in Deutschland nicht entdeckt wurde, sondern in den USA?“ Nein, dafür habe sie keine Erklärung. „Es ist da entdeckt worden, und dann muss man sich damit auseinandersetzen. Ich betreibe keine Motivforschung. Das ist nicht meine Aufgabe.“

Ein Raunen geht durch den Saal. Keine Erkenntnisse, kein Wissen, keine Erklärung, keine Informationen – Merkel bleibt ihrer Linie treu. Versäumnisse deutscher Behörden kann sie nicht erkennen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass das Kraftfahrtbundesamt schlecht gearbeitet hat. Sie sehe auch keine Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen, sagt sie. Und auch kein Staatsversagen. Nein, systematisch weggesehen habe niemand.
„Ein Hohn für Millionen Autofahrer“

Nach zwei quälend langen Stunden ist die Befragung vorbei. „Ich bedanke mich auch und wünsche Ihnen eine gute Abschlussarbeit“, sagt Merkel. Widersprechen will ihr niemand – zustimmen aber auch nicht.

Grünen-Obmann Krischer zeigt sich enttäuscht. Er nennt es „unverantwortlich“, dass Merkel den Skandal als „Vorfall“ bagatellisieren will. „Unverantwortlich“, dass sie den „Vorfall“ nicht zur Chefsache gemacht hat. „Absolut unpassend“, dass sie die Verantwortung allein Verkehrsminister Dobrindt überlassen will. „Das ist ein Hohn für Millionen betroffene Autofahrer.“

Der Ausschussvorsitzende Behrens zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Kanzlerin. Ihre Aussage, erst im September 2015 durch Medienberichte aufgeklärt worden zu sein, „steht meinen Erkenntnissen diametral entgegen“.

Von Jörg Köpke/RND


http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Merkel-Erfuhr-erst-September-2015-von-VW-Skandal

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« Antworten #49 am: 01. April 2017, 11:33:33 »

In Hannover-Stöcken regt sich Widerstand gegen den korrupten IGM-Sauhaufen bei VW:

Zitat
31.03.2017
IG Metall droht Abweichlern mit Rauswurf

Am 6. April wählen rund 1000 Delegierte aus 115 Standorten weltweit in Wolfsburg die 10 VW-Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerseite – eine reine Formsache (wir berichteten). Komplettiert wird das Gremium durch 10 Vertreter der Konzern-Anteilseigner. „114 Standorte haben die Delegierten per Einheitsliste und Friedenswahl bestimmt – also ohne Urnengang“, berichtete jetzt die Hannoversche Allgemeine (HAZ). Das fehlende Werk ist die Nutzfahrzeugfabrik in Stöcken. Und deshalb gibt es dort Ärger, wie die HAZ weiß.

Achtungserfolg verschärft die Gegensätze

In Stöcken gibt es eine sehr aktive Opposition im Betriebsrat, der – wie in allen deutschen VW-Werken – von der IG Metall dominiert wird. Einer der rebellischen Wortführer ist Ibrahim Badan, der unter anderem für sich verbuchen kann, eine Betriebsratswahl in Stöcken erfolgreich vor dem Bundesarbeitsgericht angefochten zu haben. Er sorgte jetzt bei der Delegiertenwahl auch mit dafür, dass es für die IG Metall nicht so rund lief wie in allen anderen Werken. „Bei der Delegiertenwahl Anfang März gelang der „Vereinigten Alternativen Liste“ ein Achtungserfolg: Mit 1387 Stimmen stellt sie bei der Abstimmung über die Aufsichtsratsmitglieder in Wolfsburg drei Delegierte und damit einen mehr als 2012. Für den Ausgang der Wahl spielt das keine Rolle - wohl aber für das Binnenverhältnis im Werk: Der Graben in der Arbeitnehmervertretung scheint dadurch noch breiter geworden zu sein“, analysiert die HAZ.

Und die IG Metall war trotz eines Stimmenanteils von 86 Prozent extrem angesäuert, weil auf der alternativen Liste auch Mitglieder der Gewerkschaft stehen. Diesen werde nun mit dem Ausschluss gedroht, berichtet die Zeitung aus der Landeshauptstadt und zitiert aus einem entsprechenden Schreiben an die widerborstigen Metaller. Ähnliches plante man vor sechs Jahren übrigens auch in Wolfsburg, weil in der Betriebsratsgruppe Mig 18 ebenfalls IG-Metaller sitzen. Sie hätten mit der Kandidatur auf einer alternativen Liste gegen die Satzung der mächtigen IG Metall verstoßen, hieß es damals. Ein entsprechendes Verfahren wurde damals jedoch nicht eingeleitet. In Hannover ist die Tonart wesentlich rauer. Die Kandidaten wurden laut HAZ aufgefordert, sich bis Ende März „schriftlich und mündlich hier in der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung überzeugend von der oben genannten Liste“ zu distanzieren. Ansonsten drohe der Ausschluss.

„Werte wie Gerechtigkeit müssen wieder gelebt werden“


Doch was will die „Die Vereinte Alternative Liste“ überhaupt erreichen? Ihr Slogan lautet „Gemeinsam gegen Korruption und Manipulation.“ Ibrahim Badan erläuterte gegenüber unserer Zeitung, was dahinter steckt. „ Werte wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit müssen wieder gelebt werden“, sagt er. Sie ständig nur einzufordern, das reiche nicht. Die Betriebsräte und Gewerkschafter im Aufsichtsrat hätten weder Dieselgate verhindert noch seien sie gegen die hohen Vorstandsgehälter vorgegangen. „Sie nehmen die Nöte und Sorgen normaler Arbeitnehmer gar nicht mehr wahr“, behauptet Badan. Es gehörten neue Köpfe in den Aufsichtsrat. Dazu wird es nicht kommen. Stattdessen fehlt ein prominenter Kopf auf der Wahlliste. Gesamtbetriebsrats-Vize Stephan Wolf aus Wolfsburg, die rechte Hand von Osterloh, kandidiert nicht mehr, weil die Standorte stärker repräsentiert werden sollen.



DIE KANDIDATEN DER ARBEITNEHMERSEITE

Die drei Frauen, die künftig für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzen sollen, sind Birgit Dietze aus dem Bundesvorstand der IG Metall, Ulrike Jakob, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Komponentenwerkes Kassel, sowie Bertina Murkovic, Betriebsrats-Vize des Nutzfahrzeuge-Werkes in Hannover. Damit erfüllt die Arbeitnehmerseite die Vorgabe eines 30-prozentigen Frauenanteils auf ihrer Liste. Die Arbeitgeberseite hatte diesbezüglich bereits vorgelegt.

Die übrigen sieben Kandidaten sind Bernd Osterloh (Vorsitzender des VW-Gesamtbetriebsrates), Jörg Hofmann (Bundesvorsitzender der IG Metall), die Betriebsratschefs Peter Mosch (Audi), Uwe Hück (Porsche), Athanasios Stimoniaris (MAN-Gesamtbetriebsrat), Johan Järvklo (IF Metall bei Scania in Schweden) Hans-Peter Fischer (Volkswagen Management Association).


http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210116259/IG-Metall-droht-Abweichlern-mit-Rauswurf.html
http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/IG-Metall-droht-Abweichlern-bei-VW-mit-Ausschluss
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