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Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 27254 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 727


« Antworten #50 am: 12. Mai 2017, 17:16:28 »

Weil mal wieder wegen Filz und Korruption ermittelt wird, geht ein Mann nun in die Offensive:

Zitat
12.05.17
„Ginge es mir ums Geld, wäre ich nicht mehr Betriebsratschef“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagt im Interview: „Ich habe keine Lust auf ein Versteckspiel.“ Sein Gehalt hat Manager-Höhe.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Personalverantwortliche des Volkswagen-Konzerns. Hintergrund ist der Vorwurf, Betriebsratschef Bernd Osterloh werde zu gut bezahlt. Mit Osterloh sprach Armin Maus.

 Herr Osterloh, die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Unternehmensvertreter wegen der Höhe Ihrer Vergütung. Was sagen Sie dazu?


So etwas belastet einen, das ist doch klar. Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht. Und ich kann sagen: Ich bin da mit mir im Reinen. Meine Gehaltsentwicklung wird vom Unternehmen festgelegt. Unter Einhaltung des Betriebsverfassungsgesetzes und mit klaren internen Regelungen zur Betriebsratsvergütung. Die erlassenen Regelungen sind mehrfach intern und von externen Experten überprüft worden. Ich gehe also davon aus, dass man der Staatsanwaltschaft die Rechtmäßigkeit der vom Unternehmen getroffenen Entscheidungen darlegen wird.

Wird Ihre Arbeit durch das Ermittlungsverfahren nicht schwieriger?


Das ist für mich persönlich sicher keine einfache Zeit. Aber für meine Arbeit darf das keine Rolle spielen. Das können meine Kolleginnen und Kollegen zu recht von mir erwarten. Eines will ich betonen: Gegen mich wird nicht ermittelt. Und es gibt auch keinen Grund für Spekulationen.

Aber jetzt will die ganze Welt wissen, was sie verdienen. Wir auch.

Das verstehe ich. Und ich habe da auch keine Lust auf ein Versteckspiel. Schon 2005 habe ich gesagt, dass ich vergleichbar zu einem Manager bezahlt werde. Aktuell vergleichbar zu einem Bereichsleiter. Im Konzern haben wir etwa 300 solcher Manager. Davon allein am Standort Wolfsburg um die 80. Und entsprechende Tätigkeiten hat man auch mir in der Vergangenheit angeboten. Mir war es aber wichtiger, Betriebsrat zu sein.

Und was haben Sie nun verdient?


Mein Grundgehalt liegt bei rund 200000 Euro. Hinzu kommen Bonuszahlungen, die vom Geschäftsverlauf von Volkswagen abhängig sind. Die erhalte ich genau wie alle Manager in dieser Ebene. In der Spitze lag damit mein Jahresgehalt einmal bei rund 750000 Euro. Aktuell ist es deutlich niedriger. Im Übrigen: Ich habe schon im Oktober 2015 eine Erklärung gegenüber dem Unternehmen abgegeben, dass ich Wert darauf lege, dass ich im gleichen prozentualen Anteil auf Bonus verzichte, wie das die Belegschaft tut. Für das letzte Geschäftsjahr steht eine Bonuszahlung von etwa 386000 Euro im Raum. Durch meine Erklärung, die auch in diesem Jahr noch gilt, würde sich dieser Betrag auf 290000 Euro verringern. Mir war das damals wichtig. Denn ich habe den Vorstand zum Verzicht aufgefordert. Und ich kann nicht von anderen etwas fordern, was ich selbst nicht tue. Immerhin stand im Raum, dass die Belegschaft keinen Bonus erhält. Und mit meiner Erklärung hätte auch ich dann nichts bekommen und auch nichts haben wollen.

Finden Sie es richtig, dass ein Betriebsratsvorsitzender bezahlt wird wie ein Manager?

Das ist sicher eine gute Frage, denn hier geht es um Gerechtigkeit. Ich habe nicht über mein Gehalt entschieden. Das Unternehmen hat meine Einstufung nach Recht und Gesetz vorgenommen. Ich werde weder wie ein Generalbevollmächtigter, noch wie ein Markenvorstand, geschweige denn wie ein Konzernvorstand vergütet. Im Übrigen: Wäre es mir ums Geld gegangen, dann wäre ich heute nicht mehr Betriebsratsvorsitzender, sondern schon seit Ende 2015 Personalvorstand. Ich setze mich aber seit Jahrzehnten lieber mit ganzer Kraft für die Belegschaften ein. Das werde ich auch weiterhin tun.

Was denken Sie, wie werden ihre Kollegen reagieren?


Ich denke, dass sie das sehr wohl nachvollziehen können. Natürlich wird es den ein oder anderen geben, der das kritisch diskutiert. Diesen Diskussionen stelle ich mich. Im Übrigen: der Betriebsausschuss Wolfsburg, die IG Metall-Fraktion und der Gesamtbetriebsausschuss kennen das natürlich.

Warum hat jemand VW angezeigt?


Das kann ich ihnen nicht sagen, denn ich weiß es nicht. Es gibt natürlich immer Menschen mit persönlichen Motiven. Oder andere, denen vielleicht die Mitbestimmung ein Dorn im Auge ist. Ich weiß nur eines: Wir bei Volkswagen müssen uns aufs Geschäft und die Beschäftigungssicherung konzentrieren. Wir sind mitten in einem riesigen Umbau des Unternehmens. Wir müssen als Betriebsrat in den nächsten Jahren darauf achten, dass die Arbeitsplätze zukunftsfähig bleiben. Das ist mein Hauptanliegen. Und davon werde ich mich auch durch die aktuelle Diskussion nicht ablenken lassen.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/mitreden/antworten/article210552321/Ginge-es-mir-ums-Geld-waere-ich-nicht-mehr-Betriebsratschef.html


Auch:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.msg328447#msg328447

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html
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counselor


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« Antworten #51 am: 12. Mai 2017, 17:50:00 »

So werden rechte Co-Manager zu Millionären...
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Fritz Linow


Beiträge: 727


« Antworten #52 am: 12. Mai 2017, 23:11:34 »

Das "Schwarzbuch Autolobby" von Greenpeace listet nochmal sehr schön den ganzen Filz in Einzelportraits auf: natürlich Schröder, Merkel, Dobrindt, Wissmann, aber auch die ganzen DGB/IGM-Betriebsräte auf den SPD-Hinterbänken, die von VW, Daimler und Opel bezahlt werden, und Leute, die man längst vergessen hat:
http://www.greenpeace.de/files/publications/s01841_web_greenpeace_schwarzbuch_autolobby_04_16.pdf    

Derweil hat die IG Metall aus aktuellem Anlass ihre Motivkarten erweitert:



http://www.die-ig-metall.de/

Der deutsche Repräsentant der Employment Law Alliance, die multinationale Unternehmen berät, die ihre Geschäftstätigkeit weltweit arbeitsrechtlich absichern möchten, spricht von Rechtsunkenntnis bis Rechtsnihilismus:

http://buse.de/anwaelte/dr-jan-tibor-lelley-ll-m-suffolk-university-law-school/


Aufschlussreiches Interview von 2007 nach dem Bestechungsskandal mit Walter Hiller, so einer Art moralischen Instanz bei VW, falls es so etwas gibt:

Zitat
11.01.2007
"Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein“

Er stand bis 1990 an der Spitze des Betriebsrates bei VW: Walter Hiller. Wir baten den früheren niedersächsischen Sozialminister zum Interview über die Bezüge von freigestellten Betriebsräten bei Deutschlands größtem Automobil-Konzern. Hiller fertigte im Anschluss an das Gespräch mit Henning Noske ein Memorandum, das wir heute und morgen komplett abdrucken. Wir werden den VW-Vorstand um eine Stellungnahme bitten und diese in der morgigen Ausgabe veröffentlichen.

Vergütung und Bonuszahlungen an Betriebsräte – aktuell

Seit 1991 bestimmt eine paritätisch besetzte Kommission die Eingruppierung von Betriebsräten. Zwei Vertreter des Unternehmens und zwei vom Gesamtbetriebsrat, der Vorsitzende und sein Stellvertreter, bilden die Kommission.

Nach meiner Überzeugung ist diese Kommissionsregelung juristisch, aber insbesondere politisch nicht in Ordnung.

Es sind insbesondere zwei kritische Punkte. Die Entscheidungen der Kommission über die Eingruppierung oder der Festlegung von Bonuszahlungen ist nicht transparent.


Nicht nur die Institution Betriebsrat, sondern auch der Vertrauenskörper der IG Metall und auch die Arbeitnehmer haben ein Recht zu erfahren, in welcher Höhe und gegebenenfalls aus welchen Gründen von der Kommission so oder wie auch immer entschieden worden ist.

Des Weiteren sind schließlich auch die Mitglieder der Kommission, die dem Betriebsrat angehören, ebenfalls entsprechend einzugruppieren und zu beurteilen.

Sie selbst können das nicht – und scheinbar lief dies nach dem Schema, wie Volkert es in der letzten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. Volkert ist danach vom Arbeitsdirektor angerufen und gefragt worden, ob er mit der Bonuszahlung von X Euro einverstanden sei.

Nach all dem, was bis jetzt bekannt geworden ist, sollte erneut und grundsätzlich darüber nachgedacht und diskutiert werden, wie eine Lösung des Problems aussehen könnte.

Dabei könnte ein Gedanke. wie ihn ein nicht unbedeutender Jurist bereits vor Jahren zum Ausdruck brachte, weiterhelfen. Dieser Jurist meinte im Blick auf das Volkswagenwerk, dass man doch darüber nachdenken sollte, ob man das Gesetz nicht einschränkend auslegen kann, weil die Aufgaben von Betriebsratsmitgliedern zum Teil von hoher Verantwortung geprägt seien, so dass hierfür und dem unzweifelhaften zeitlichen Aufwand auch ein höheres Entgelt angemessen erscheint.

Egal wie auch immer eine neue Regelung aussieht, sie muss transparent sein für die Belegschaft. Allein dadurch wird sichergestellt, dass Betriebsratsmitglieder nicht in den Verdacht der Vorteilnahme geraten oder gar der Korruption verdächtigt werden.

Es geht darum, nach dem Motto zu verfahren: Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Und ich füge diesem hinzu: Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein und schnell gegangen.

Betriebsrat – Interessenvertretung der Arbeitnehmer

Als Organ der Betriebsverfassung wird der Betriebsrat von den Arbeitnehmern eines Betriebes als Interessenvertretung gegenüber dem Arbeitgeber gewählt.

Aktives und passives Wahlrecht haben alle Arbeitnehmer, sofern sie nicht dem Kreis der Leitenden Angestellten zugeordnet sind (§ 5.2 Betriebsverfassungsgesetz). Das Gesetz zieht hier eine klare Trennlinie zwischen den Leitenden Angestellten, die zusammen mit dem Vorstand die Interessen der Anteilseigner vertreten und den Arbeitnehmern, deren Interessen der Betriebsrat zu vertreten hat.

IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats sind Vertrauensleute mit besonderer Funktion

Aus gewerkschaftlicher Sicht sind die IG-Metall-Mitglieder im Betriebsrat Vertrauensleute der IG Metall. In den Augen der VW-Belegschaft gilt der Betriebsrat als oberster Repräsentant der IG Metall, wie sich dies seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat.

Beide Institutionen, Betriebsrat und Vertrauenskörper der IG Metall, haben deshalb eine gemeinsame Verantwortung in allen Belangen, die Interessen der Belegschaft zu vertreten. Daraus ergibt sich eine gemeinsame, aber auch gegenseitige Verantwortung für das jeweilige Handeln, indem bei schwerwiegenden Problemen und Entscheidungen die örtliche Leitung oder unter Umständen auch der Vorstand der IG Metall einzubeziehen ist.

Gegnerbezug zum Arbeitgeber

Die IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats als Vertrauensleute befinden sich deshalb in einem scheinbaren Spannungsfeld zwischen den nach dem Betriebsverfassungsgesetz übertragenen Aufgaben einerseits und den Zielen der IG Metall andererseits, was aber dadurch aufgehoben ist, dass der Betriebsrat als Kollektivorgan seine Beschlüsse fasst – und nur an diese ist das einzelne Mitglied gebunden.

Vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund von Arbeit und Kapital, wie er im Programm der IG Metall enthalten ist, ist damit ein Gegnerbezug zwischen der Institution Betriebsrat und der Gruppe der Leitenden Angestellten und natürlich auch dem Vorstand der Volkswagen AG gegeben.

Gegnerbezug und Co-Manager

Aus Sicht des seit den 70er Jahren existierenden Modells der kooperativen Konfliktbewältigung bei Volkswagen ist es aber dennoch möglich, auch bei schwierigen betrieblichen oder auch unternehmenspolitischen Problemen einen Konsens zu finden.

Dies war letztlich die Erkenntnis aus den Krisen der 70er Jahre, dass es nämlich allemal besser ist, sowohl für das Unternehmen als auch für die Belegschaft, sich gütlich zu einigen. Nun haben sich in den vergangenen Jahren die Probleme verschärft in der Auseinandersetzung von Arbeit und Kapital – und gerade deshalb ist es unter diesen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entwicklungen wichtig, diesen Interessengegensatz in jeder Hinsicht sowohl im Verhalten als auch in der Diskussion deutlich zu machen.

Verwischt wurde dieser Gegensatz durch und unter dem Arbeitsdirektor Peter Hartz. Durch den Begriff Co-Manager versuchte er Betriebsratsmitgliedern das Gefühl und den Wert von Leitenden Angestellten zu vermitteln.

In Einzelfällen gelang dies, mit dem Ergebnis, dass diese Kollegen die Bodenhaftung verloren und sich mit Gehalts- und Bonuszahlungen bedienen ließen, wie sie sich in keiner Weise für einen Interessenvertreter der Belegschaft rechtfertigen lassen.

http://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150124627/Wo-keine-Kontrolle-ist-ist-der-Schritt-zur-Korruption-nur-klein.html

Als ob Osterloh dieses Memorandum von 2007 nochmal schnell gelesen hätte: öffentlich in der Not für Transparenz gesorgt, damit kein Korruptionsverdacht aufkommt, betonen, dass man kein Co-Management betreibt, womit der Gegnerbezug gewahrt bleibt, ansonsten aber weiterhin prächtig absahnen.

"Memorandum" aus vergangenen Tagen: Volkert, die Sudholts, Hartz, Osterloh



Das lustige an der ganzen Sache ist ja irgendwie, dass Osterloh nun als Abteilungsleiter, also als leitender Angstellter bezahlt wird, demnach also eigentlich nicht mehr Betriebsratsmitglied sein dürfte, wenn es denn nicht nur eine Phantasiekarriere wäre. Er wird bezahlt für etwas, was er nicht sein dürfte, solange er das macht, wofür er bezahlt wird. Absurd.
« Letzte Änderung: 15. Mai 2017, 22:56:37 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #53 am: 15. Mai 2017, 12:58:58 »

Historisches aus den wilden 70ern:

1979:
Auf einem internationalen Gewerkschaftstreffen in Wolfsburg der bei Volkswagen Beschäftigten wird berichtet, dass die brasilianische Militärpolizei auch innerhalb des Werkgeländes Streikende niederknüppelte. Es war also durchaus auch in Wolfsburg bekannt, dass in Brasilien etwas nicht stimmt.
Demnächst will sich VW eigentlich dazu äußern, was es mit den Foltervorwürfen der brasilianischen Wahrheitskommission auf sich hat. Mal sehen…

Zitat
RIBEIRO ALSO REPORTED THAT THE MANAGEMENT OF VW DO BRAZIL IN SAO BERNANDO CALLED MILITARY POLICE DURING A STRIKE IN THE SECOND HALF OF MARCH. THE MILITARY POLICE OPERATED INSIDE AND OUTSIDE THE PLANT GATES. THERE WERE CLASHES BETWEEN MILITARY POLICE AND STRIKERS, AND SOME PEOPLE WERE HURT. A NUMBER OF STRIKERS WAS ARRESTED, AND A TRADE UNION FUNCTIONARY WHO WAS CHARGED WITH PARTICIPATION IN ORGANIZING THE STRIKE WAS FIRED BY MANAGEMENT IMMEDIATELY AFTER THE STRIKE, ACCORDING TO RIBEIRO'S REPORT. (…) IN THE POLITICAL SPHERE, THESE GERMAN MANAGEMENTS FREQUENTLY SHOW AN ANTI-UNION ATTITUDE. INSTEAD OF SUPPORTING THE INITIAL BEGINNINGS OF DEMOCRATIZATION IN BRAZIL OR AT LEAST ACCEPTING SUCH A DEVELOPMENT, GERMAN EMPLOYERS IN BRAZIL, ACCORDING TO RIBEIRO, WERE ATTEMPTING TO "STOP THE CLOCK". RIBEIRO COMPLAINED THAT IN ALL CASES PROFITS HAD PRIORITY OVER SOCIAL JUSTICE FOR GERMAN FIRMS OPERATING IN BRAZIL.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1979BONN11278_e.html


1978:
In Nigeria stürmten wegen der Arbeitsbedingungen die Beschäftigten das Werk, legten Feuer, zerstörten Maschinen und vermöbelten Manager.
Zitat

VOLKSWAGEN (VW) OF NIGERIA'S LAGOS AUTOMOBILE ASSEMBLY PLANT HAS BEEN SHUT DOWN INDEFINITELY IN THE AFTERMATH OF A RIOT WHICH EXTENSIVELY DAMAGED PLANT PROPERTY AND INJURED SEVERAL MANAGERS INCLUDING SOME GERMANS. THE RAMPAGE BY DISSATISFIED WORKERS FOLLOWS A LONG PERIOD OF LABOR UNREST INCLUDING CONFLICTS OVER WORK RULES AND CONDITIONS WHICH CULMINATED IN THE RECENT FIRING OF UNION PRESIDENT ALIU AKINWUNMI.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1978LAGOS11114_d.html

1975:
Als Reaktion auf die Absatzkrise hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker 25.000 Stellen gestrichen. In einem vertraulichen Gespräch, bei dem es haupsächlich um Investitionen in den USA geht, deutet er an, dass er mehr Leute entlassen hat als notwendig, um dann bei Neueinstellungen umso glänzender als Krisenmanager dazustehen. Wäre mal interessant, welche Überlegungen dieser Matthias Müller heutzutage hat, wenn er 30.000 Stellen streicht.

Zitat
BY IMPLICATION, HE ALSO SEEMED TO BE SAYING AT ONE POINT THAT HE HAD ACTUALLY RELEASED MORE WORKERS THAN WAS NECESSARY, AND THE REHIRING, WHICH HE EXPECTS TO BEGIN NEXT YEAR, HAD BEEN PART OF HIS PLAN ALL ALONG. THIS WOULD ALLOW HIM TO CLAIM, AFTER ONLY A YEUR ON THE JOB, THAT HE HAD SUCCESSFULLY TURNED VW'S FORTUNES AROUND.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1975STATE243441_b.html
« Letzte Änderung: 15. Mai 2017, 13:16:22 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #54 am: 20. Mai 2017, 10:25:31 »

Volkswagen gönnt sich nun doch einen neuen Chefhistoriker. Nachdem der alte gegangen war, weil er zu sehr Spezialist für Zwangsarbeit bei VW war, kommt jetzt ein Technologiehistoriker. Das ganze wird als Neuausrichtung der "historischen Kommunikation" verkauft, also lieber den Schwerpunkt auf die Geschichte des Scheibenwischers oder Kolbendingsbums legen als die ganzen üblen Verstrickungen aufzuarbeiten. Als ob es für Technikgeschichte nicht schon genug Fraggels gäbe. Das alles kann man natürlich so machen, der angebliche Aufklärungswille wirkt dadurch aber weiterhin wenig glaubhaft.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/volkswagen-neuer-chefhistoriker-kommt-von-porsche/19828472.html
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Fritz Linow


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« Antworten #55 am: 28. Mai 2017, 17:35:23 »

In den Braunschweiger/Wolfsburger Nachrichten wird neuerdings verstärkt über die mangelnde historische Aufarbeitung bei Volkswagen berichtet. Das ist fast schon erfrischend. Die Formulierung "Mut zur historischen Lücke" trifft es ganz gut.

Aus der Welt hinter der Bezahlschranke:

Zitat
(...)
Volkswagen plagt sich hingegen weiterhin mit der eigenen Geschichte herum und beschreitet am Ende mal wieder den Weg des geringsten Widerstandes. Die Gründung der „Gezuvor“ jährt sich morgen zum 80. Mal. In Berlin wurden am 28. Mai 1937 die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau des Volkswagens unter dem Dach der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Nationalsozialisten geschaffen (WN vom 26. Mai). Zwar wurde die gigantische Autofabrik am Mittellandkanal tatsächlich rasch gebaut. Autos, die viele Kunden bereits mit Anzahlungen vorbestellt hatten, wurden dort aber in den nächsten Jahren nicht in nennenswerter Zahl gebaut. Stattdessen liefen Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht von den Bändern sowie anderes Kriegsgerät. Und Geschäftsführer Ferdinand Porsche machte seinen Einfluss ab 1942 massiv geltend, damit die SS gegen Ende des Krieges auch KZ-Insassen für die Produktion von Kriegswaffen abstellte.

VW gelingt es in der offiziellen Pressemitteilung zum Gezuvor-Geburtstag, diese dunkle Phase pauschal abzuhandeln, um dafür umso enthusiastischer in die Produkt- und Erfolgsgeschichte des von den Briten nach dem Krieg privatisierten Unternehmens einzusteigen. „Aus einem Unternehmen, dessen Geschichte mit der Produktion des Käfers begann, entwickelte sich über die acht Jahrzehnte ein Global Player mit zwölf Marken, 120 Produktionsstandorten auf vier Kontinenten, mehr als 620 000 Mitarbeitern und mehr als 10 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen pro Jahr“, heißt es einleitend. So kann man das natürlich auch verkaufen. Aber ist das auch redlich?

Erklärt die Vergangenheit die Skandale von heute?

Im Endeffekt führt dieses Verhalten übrigens auch nur dazu, dass sich gerade ausländische Journalisten besonders für die Historie des erfolgreichen Autobauers interessieren. Jack Ewing, VW-Experte der New York Times, macht in seinem gerade erschienenen Buch „Wachstum um jeden Preis“ sogar die frühe Geschichte von Volkswagen mitverantwortlich für die Skandale der Gegenwart. Stichwort: Unternehmenskultur. Der Mut zur historischen Lücke fällt also im Zweifelsfalle nur Volkswagen selbst wieder bleischwer auf die Füße.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210704617/Wenn-das-Sponsoring-zur-Glaubensfrage-wird.html



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Fritz Linow


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« Antworten #56 am: 09. Juni 2017, 12:49:39 »

Volkswagen löst das Problem mit den aufbegehrenden Leiharbeitern in Changchun/China mal wieder auf die traditionelle Art und Weise: Aktivisten werden von der Polizei verhaftet.

http://www.labournet.de/?p=117278
http://www.clb.org.hk/content/volkswagen-worker-representatives-arrested-changchun-plant

Aus einer Rede „25 Jahre FAW-Volkswagen-Audi“ von Rupert Stadler (Verbrecher) von 2013:
Zitat
(…)
Wir sind drei starke Partner, die gemeinsam ihren Weg gehen.
(…)
Mit dieser Kooperation haben wir vieles gewagt und alles gewonnen!
(…)
Dem unternehmerischen Weitblick der Entscheider von damals ist es zu verdanken, dass wir heute hier stehen. In einem Land, das zu einer zweiten Heimat für uns geworden ist.
(…)

https://www.audi-mediacenter.com/de/publikationen/reden/rede-25-jahre-faw-volkswagen-audi-31

Unternehmerischer Weitblick 1984:



Vollstrecker des Leihsklaventums bei der Arbeit (halbwegs nüchtern):



Chinesin erzählt wohl einen guten Witz:



IG Metall erklärt sich mit den chinesischen Leiharbeitern solidarisch:

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Nao


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« Antworten #57 am: 09. Juni 2017, 15:25:17 »

Aus China kam dazu gerade die Bitte um Solidaritätsbotschaften und unterstützende Aktionen aus/in Deutschland.

Bitte per p.n. an mich. Ich leite es weiter.
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« Antworten #58 am: 22. Juni 2017, 19:01:36 »

Zitat
VW: Streik in der Slowakei - Böses Erwachen im Autoparadies

Tausende Volkswagen-Mitarbeiter in der Slowakei streiken für höhere Löhne. Der linkspopulistische Premier unterstützt sie dabei. Doch der Arbeitskampf bringt den für die Autobauer so attraktiven Standort in Gefahr...


Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-streik-in-der-slowakei-boeses-erwachen-im-autoparadies/19962190.html

Die Arbeiter fordern 16% mehr Lohn auf zwei Jahre.

Was mich an der Berichterstattung ärgert, ist das ewige Argument der "Standortgefährdung". Damit werden nämlich die Belegschaften gegeneinander ausgespielt und letztlich erpresst. Nötig ist die konzernweite Solidarität mit dem Streik - über alle Standorte und Ländergrenzen hinweg.
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« Antworten #59 am: 22. Juni 2017, 22:01:30 »



Summertime...



...and the livin' is easy...
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« Antworten #60 am: 27. Juni 2017, 21:11:23 »

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« Antworten #61 am: 28. Juni 2017, 13:29:17 »

« Letzte Änderung: 28. Juni 2017, 15:08:48 von Nao » Gespeichert
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« Antworten #62 am: 06. Juli 2017, 21:38:24 »

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« Antworten #63 am: 09. Juli 2017, 20:40:10 »



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« Antworten #64 am: 10. Juli 2017, 14:20:14 »

Die Infos werden weiterverbreitet:
http://www.labournet.de/?p=118630
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« Antworten #65 am: 14. Juli 2017, 13:41:59 »


Volkswagen wird ab 2019 Generalsponsor des DFB.
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« Antworten #66 am: 23. Juli 2017, 19:40:38 »

Zitat
Komplizen? VW und Brasiliens Militärdiktatur
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Komplizen-VW-und-Brasiliens-Militaerdiktatur,vwdobrasil102.html#page=0&anim=slide
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
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« Antworten #67 am: 24. Juli 2017, 10:59:49 »

Die gleiche Geschichte in einem anderen Bericht:

Zitat
Wie VW mit Brasiliens Junta kooperierte

Die brasilianische VW-Tochter hat der früheren Militärdiktatur im Land offenbar dabei geholfen, Regimegegner zu verfolgen. Nach Recherchen von NDR, SWR und SZ bespitzelte der VW-Werkschutz die Arbeiter des Konzerns - und lieferte offenbar mehrere der Folterhaft aus.


Verfolgung, Folter, willkürliche Tötungen - mit diesen Methoden bekämpfte die rechtsgerichtete Militärdiktatur in Brasilien von 1964 bis 1985 die politische Opposition. Volkswagen do Brasil, ein Tochterunternehmen des Wolfsburger Autokonzerns, hat damals diese Verfolgung von Regimegegnern offenbar aktiv unterstützt. Zu diesem Ergebnis kommen Recherchen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung".

Wie aktiv die Rolle von VW do Brasil war, ergab eine Auswertung umfangreicher Unterlagen: interne VW-Unternehmenspapiere aus Deutschland und Brasilien, als geheim eingestufte Dokumente der brasilianischen Politischen Polizei aus der Diktaturzeit und vertrauliche Berichte des Auswärtigen Amtes. Zudem konnten die Reporter Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft in São Paulo einsehen. Die dortige Justiz ermittelt seit fast zwei Jahren, welche Verantwortung Volkswagen für Menschenrechtsverletzungen zur Zeit der Militärdiktatur trägt.

Zum einen soll VW eine Mitverantwortung für politische Verhaftungen innerhalb des Werksgeländes tragen und damit die eigenen Angestellten der Folter ausgeliefert haben. Die Reporter sprachen auch mit ehemaligen VW-Mitarbeitern. Mehrere von ihnen bestätigten, dass sie im Sommer 1972 am Arbeitsplatz verhaftet wurden. Sie gehörten einer oppositionellen Gruppe an, die innerhalb des Werkgeländes Flugblätter für die kommunistische Partei verteilte und Gewerkschaftstreffen organisierte.


Wachleute von VW do Brasil in den 1960er Jahren vor dem VW-Hauptwerk bei São Paulo.

Der Folter ausgeliefert

Der ehemalige VW-Mitarbeiter Lúcio Bellentani schildert, wie der VW-Werkschutz die Politische Polizei auf das Firmengelände ließ, dort Misshandlungen ermöglichte und beobachtete. "VW hat mir zwei Jahre meines Lebens gestohlen", sagt der heute 72-Jährige, der nach seiner Verhaftung acht Monate in Folterhaft und rund 16 weitere Monate im Gefängnis verbrachte. "Indirekt war VW verantwortlich für zahlreiche Fälle von Folter und Verfolgung. Volkswagen soll die Würde haben, seine Verantwortung für diese Taten anzuerkennen."


Der VW-Werkzeugmacher Lúcio Bellentani im Juli 1964 als Häftling im Folterzentrum der Politischen Polizei.

Als Lúcio Bellentani an seinem VW-Arbeitsplatz bei São Paulo verhaftet wurde, schauten die Wachleute nur zu, sagt er. Danach erlebte er zwei Jahre Folter und Haft.

Außerdem ging die Rolle von Volkswagen weit darüber hinaus, Anfragen von Militärs zu beantworten und sie auf dem Firmengelände gewähren zu lassen. Der Konzern richtete eine Abteilung ein, die sich wohl immer mehr in eine Art werkseigenen Geheimdienst verwandelte. Dieser schon vor der Diktaturzeit gegründete Werkschutz wurde von Beginn an von ehemaligen Offizieren der brasilianischen Armee geleitet.
VW-Wachleute als eine Art Geheimdienst

Ein Teil der Abteilung, die sich auch um die Sicherung des Werksgeländes kümmerte, bespitzelte offenbar die eigenen Mitarbeiter, spähte ihre politische Haltung aus und dokumentierte dies in zahlreichen sogenannten Vorkommnisberichten - Berichte, die schließlich stapelweise in den Akten der Politischen Polizei landeten.

Volkswagen will sich bislang nicht inhaltlich zu den Vorwürfen äußern und verweist auf ein Gutachten, das der Konzern bei dem Historiker Christopher Kopper von der Universität Bielefeld in Auftrag gegeben hat. Dieser habe bis Ende des Jahres Zeit, seine Ergebnisse vorzulegen, sagte Konzernsprecher Hans-Gerd Bode: "Aus heutiger Sicht müssen wir da einfach noch ein bisschen abwarten, wir sollten da jetzt auch keine schnellen Schlüsse und Entscheidungen treffen."
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-menschenrechte-101.html

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Fritz Linow


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« Antworten #68 am: 24. Juli 2017, 11:49:28 »

„Komplizen? – VW und die brasilianische Militärdiktatur“: Das Erste, Montag, 24. Juli, 23.25 Uhr
Zitat
Das Wegducken bei der Aufarbeitung steht dem Autobauer nicht gut zu Gesicht. Erschreckend ignorant sind die Reaktionen von Carl Hahn, dem langjährigen Vorstandschef des Konzerns.

Die Dokumentation ist stark recherchiert und schaut aus vielen Blickwinkeln auf einen Skandal, den Volkswagen versucht, kleinzureden.

https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/926659/skandal-das-erste-zeigt-dunkles-vw-kapitel-in-brasilien

Der durchgeknallte Carl Hahn im Wortlaut:

"Mich hat das nicht beunruhigt damals. Ich erinnere nicht, dass wir nun mit Tränen den Weggang und die Wegspülung der Demokratie etwa beweint hätten."

"Wir haben versucht, Automobile zu bauen und unabhängig von der Regierung, die in einem Lande herrscht. Das überlassen wir den Eingeborenen, den Menschen dieser Länder."


Also uns hat auch nicht gestört, was natürlich die heutigen Heiligen, die wir in Deutschland alle versammelt haben, stört, dass da eine Militärregierung war, denn es hätte uns auch in Libyen nicht gestört, dass wir da ein Diktator hatten und dem dann die Demokratie gepredigt, wie wir das ja mit großem Erfolg gerade erleben, wie man das schön machen kann.

Wir haben eben Arbeitsbedingungen gehabt, dass die Menschen bei uns Schlange standen. Denn Sie müssen sich vorstellen, wo die Menschen herkamen. Aus dem Urwald.

So ähnlich hatte es sein Ziehvater Nordhoff auch schon formuliert.

Paternalistisch oder Sozialethik, das können Sie erzählen, wie Sie wollen. Denn das Ergebnis und die Denkweise sind identisch. Man bezeichnet es unterschiedlich. Ich glaube, sie entspricht deutschem Unternehmertum. Schauen Sie, die Krupps im vorvorigen Jahrhundert hatten ja auch schon ihre Sozialkassen und all diese Dinge.

Wenn Sie sich vorstellen, in welchen Hotten-Totten-Ländern wir überall heute Prosperität gebracht hätten, nicht, wir sind heute der größte Arbeitgeber in Polen, in Tschechien, in Slowakei, in Ungarn, wir sind der größte Steuerzahler. Wir sind der größte Exporteur. Wir haben Zentraleuropa mehr entwickelt mit unseren Investitionen als jeder staatliche oder multistaatliche Investor. Darüber redet aber kein Mensch.

http://www.ndr.de/info/sendungen/das_forum/Das-Forum,sendung655646.html#
http://www.deutschlandfunk.de/vw-in-brasilien-williger-komplize-der-militaerdiktatur.1773.de.html?dram:article_id=391812

1987 wird in Wolfsburg der Erfolg von Volkswagen gefeiert,...



..., der auf Zwangsarbeit, Folter, Herrenmenschentum, Filz, Korruption und Lügen beruht, dass einem die Kotze kalt den Rücken runterläuft.

(Dieses Bild scheint kein Zufall zu sein. Der damalige Betriebsratsvorsitzende und IG-Metaller Walter Hiller hält sich an dem langen Arm fest, der ihm von Carl Hahn gnädigst entgegengestreckt wird. Dieser würdigt den Arbeitervertreter keines Blickes und bleibt lieber unter Seinesgleichen, von denen einer den Hiller sogar auszulachen scheint. Insgesamt eine schöne Inszenierung des flotten Kunstliebhabers und verbalen Haudraufs Carl Hahn Junior.)
« Letzte Änderung: 25. Juli 2017, 11:45:12 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #69 am: 27. Juli 2017, 21:29:02 »

Es war absolut überraschend und positiv, dass sich der NDR fast eine Woche mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Sowohl die Doku als auch das vierteilige Radiofeature hatten es in sich. Es wurden Beweise für die Verstrickung von VW in Diktatur und Folter geliefert und andere Indizien so weit verdichtet, dass sich Volkswagen nun nicht mehr herausreden kann. Das größte Verdienst liegt meiner Meinung nach aber darin, dass es den Journalisten gelungen ist, im Interview mit Carl Hahn ein Weltbild herauszukitzeln, das man nur noch als feudalfaschistisch bezeichnen kann. Es ist eben dieser aus der katholischen Sozialethik stammende Gnadenakt den Arbeitern gegenüber, der das Getriebe am Laufen hält. In dieser anmaßenden Tradition steht VW, und wenn heutige Manager vielleicht etwas smarter rüberkommen, denken sie jedoch genauso.

Man hätte noch viele Punkte genauer ansprechen können, wie zum Beispiel die Rolle der Regierung während der 70er (Atomdeals mit Brasilien) oder die Ursprünge der Industrialisierung in Brasilien und deren Hintergründe, aber das kann ja noch werden. Das Ganze bietet jede Menge Hinweise und Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen.

In den 80ern wurden französische Zwangsarbeiter auf Privatinitiative nach Wolfsburg eingeladen. Wenn Volkswagen jetzt ein wenig souveräner wäre, sollte das "Werk" nun selber auf die brasilianischen Folteropfer zugehen. Das bezweifle ich allerdings stark, denn bei allem Bemühen darum, es im Rahmen einer historischen Kommunikation und Verantwortung abzuarbeiten, ist es schlicht und einfach so, dass es eben nicht nur Geschichte ist, sondern eine Art Blaupause für die Gesamtstrategie des Konzerns. Davon zeugen nicht nur die widerlichen Aussagen von Carl Hahn, sondern auch die aktuellen Inhaftierungen von chinesischen Leiharbeitern bei FAW/Volkswagen. Es ist eben nicht nur Geschichte, es ist Geschichte, die sich ständig wiederholt.
« Letzte Änderung: 27. Juli 2017, 22:58:17 von Fritz Linow » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #70 am: 06. August 2017, 09:50:54 »

Zitat
VW-Lobbyisten sollen Rede von Weil umgeschrieben haben

Einem Medienbericht zufolge soll Niedersachsens Ministerpräsident dem Autokonzern eine Regierungserklärung zum Diesel-Skandal vorab zur Prüfung vorgelegt haben.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-affaere-vw-lobbyisten-sollen-rede-von-weil-umgeschrieben-haben-1.3617824
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Rudolf Rocker
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« Antworten #71 am: 06. August 2017, 22:05:27 »

Die niedersächsische Landesregierung kann doch kaum noch laufen, soviel Scheiße haben die am Stecken! Angry
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Fritz Linow


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« Antworten #72 am: 06. August 2017, 22:26:43 »

Hier gibt es nun die Rede mit den Änderungen und Änderungsvorschlägen von VW:
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/dieselaffaere112.pdf

Nichts besonderes. Interessant:
Der Aufbau des VW-Werkes in Wolfsburg erfolgte aus dem von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Gewerkschaftsvermögen.

Da wollte VW ein "auch" reinhaben.

Das Skandälchen besteht wohl eher darin, dass es in der Landesregierung keine guten Redenschreiber gibt. Als Anteilseigner muss man sich dann halt an VW wenden. Der Niedersachse an sich soll einfach mal weniger Bregenwurst rauchen.
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Fritz Linow


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« Antworten #73 am: 09. August 2017, 21:00:09 »

Damit konnte wirklich niemand rechnen:
Zitat
9.8.17
VW sprach sich auch mit CDU und FDP ab

Der Konzern versorgte nicht nur Rot/Grün mit „Formulierungshilfen“, sondern auch die Vorgängerregierung von CDU und FDP. Es gab sogar „Kommunikationsrichtlinien“ für Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister. Mit dem Land wurden „Steilpässe“ verabredet.

Im Streit um eine zu große Nähe der rot-grünen Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum VW-Konzern rückt jetzt auch die schwarz-gelbe Vorgängerregierung in den Fokus. Nach zahlreichen Unterlagen, die der NWZ vorliegen, ließ sich VW von den Aufsichtsräten des Landes, Ministerpräsident David McAllister (CDU) und Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), nicht nur Pressemitteilungen vorlegen, sondern gab der Landesregierung auch im Jahr 2010 „Kommunikationsrichtlinien“ vor im Zusammenhang mit Porsche-Problemen.

Der Blick in die Archive der Staatskanzlei belegt, dass die Vorgaben aus Wolfsburg sogar oft kleinste Details umfasste. So wurden Ministerpräsident McAllister beispielsweise im Februar 2011 „generelle Statements als Antwort auf mögliche Fragen zum VW-Konzern übermittelt“. Wenige Monate später lautet eine Anweisung der Pressestelle der Staatskanzlei: „Wichtig ist in der Tat, dass sich Winterkorn (damals VW-Vorstandschef) und Osterloh (Gesamtbetriebsratsvorsitzender) und MP (Ministerpräsident) verabreden, sich gegenseitig mit „Steilpässen“ zu bedienen“. Man spielte die politischen Bälle zwischen Wolfsburg und Hannover hin und her.

Und zum Thema „Suzuki“ informiert das Fachreferat der Staatskanzlei die Pressestelle: „Ich melde mich, wenn ich das Wording habe“. Im Klartext: die von VW vorgegebene Sprachregelung. McAllister und Bode lassen vor einer Aufsichtsratssitzung im September 2011 eine Pressemitteilung der Landesregierung von VW korrigierend gegenlesen – „mit der Bitte um Anmerkungen“. Auch vor einer Erklärung des Ministerpräsidenten bitte die Landesregierung Volkswagen, sich den Text anzuschauen. Im November 2012 soll VW einen „Sprechzettel für den MP“ kontrollieren.

Wirtschaftsminister Bode lässt sich vor einem Interview mit dem ZDF-Magazin „Zoom“ im Januar 2013 zu Steuerfragen zur „Vorbereitung Informationen aus Sicht von Volkswagen“ schicken. Er hält ein „Kernbotschaften-Papier“. Ex-Minister Bode sieht darin kein Problem. „Eine Abstimmung mit VW habe ich nie kritisiert. Das ist die Pflicht eines Aufsichtsrates“.

Unterlagen aus der Wulff-Ära finden sich nicht mehr in der Staatskanzlei. Sie wurden „nicht archiviert“, bedauert die Staatskanzlei auf eine Nachfrage der NWZ.

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/hannover-wolfsburg-landesregierung-in-niedersachsen-vw-sprach-sich-auch-mit-cdu-und-fdp-ab_a_32,0,1851667053.html

Auch BR hat recherchiert:
Zitat
(...)"Volkswagen wäre dem Land Niedersachsen sehr dankbar, wenn es unsere Position gegenüber der Bundesregierung und den EU-Institutionen vertreten könnte. Ich bedanke mich sehr für die Unterstützung und die ausgezeichnete Kooperation."(...)

http://www.br.de/nachrichten/niedersachsen-vw-schwarz-gelb-100.html
« Letzte Änderung: 09. August 2017, 21:24:11 von Fritz Linow » Gespeichert
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« Antworten #74 am: 10. August 2017, 10:06:51 »

Das Gute im Schlechten, es zeigt die Erbärmlichkeit unserer Politiker, im großen und ganzen eine unnütze Staffage, aus Bevölkerungssicht, nicht mal als Pressesprecher für Unternehmen taugen sie, ohne professionelle Redenschreiber wäre der Bundestag ein Kasperletheater.

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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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