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Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 29976 mal)
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counselor


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« Antworten #75 am: 10. August 2017, 11:20:10 »

Das zeigt doch, dass die niedersächsische Landesregierung sich vollständig VW unterordnet - egal welche Parteien regieren.
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
Rudolf Rocker
Waldkauz


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WWW
« Antworten #76 am: 10. August 2017, 12:10:09 »

Zitat
Das zeigt doch, dass die niedersächsische Landesregierung sich vollständig VW unterordnet
Nicht nur die, sondern auch die komplette Opposition! Sogar die DKP steckt einen halben Kilometer tief im VW- Arsch!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
counselor


Beiträge: 2490



« Antworten #77 am: 11. August 2017, 05:57:50 »

Bei der DKP wundert mich langsam gar nichts mehr.
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WWW
« Antworten #78 am: 12. August 2017, 09:57:15 »

Zitat
VW in Brasilien: Eine Chronik der Schande

Jetzt gibt es eine ausführliche Doku dazu (weiter unten im Bericht, 45 min.)
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-in-Brasilien-Eine-Chronik-der-Schande,vwkommentar104.html
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Nao


Beiträge: 73


« Antworten #79 am: 18. August 2017, 16:55:18 »

Es ist bereits bekannt, daß Leiharbeitern im FAW-Volkswagenwerk in Changchun nicht einmal eine den chinesischen Gesetzen entsprechende Bezahlung und behandlung erfuhren. Als die Leiharbeiter mit Protestaktionen ihre Rechte einforderten, reagierte die Polizei mit Verhaftungen. Einer der Sprecher der Leiharbeiter befindet sich noch immer in Haft.

Die Leiharbeiter erhofften sich Unterstützung aus Deutschland. Sie schickten einen Offenen Brief an den Konzern, an den Betriebsrat von VW in Wolfsburg und an den Eurobetriebsrat von VW.

Als der Brief unbeantwortet blieb, wandte ich mich an die Tageszeitungen in Wolfsburg, um so VW Beschäftigte in der Stadt zu erreichen. Aber die Macht des Konzerns scheint bis in der Redaktionsstuben der Lokapresse zu reichen. Man zeigte keinerlei Interesse an der Thematik.

Es haben inzwischen Betriebsräte der SPIE GmbH, Sulzer GmbH, Humbold Wedag GmbH und KHD Humbold Wedag AG den IGM Vorstand in Frankfurt informiert und einen Brief an das VW Management in Changchun gesandt. Es bleibt abzuwarten, ob die IGM aus ihrer Totenstarre erwacht und ihre Stimme erhebt für die Rechte der Leiharbeiter bei der chinesischen Niederlassung des großen deutschen Autokonzerns.

Da sich bisher aber noch nichts erkennbares bewegt hat, haben die Leiharbeiter mit einem weiteren offenen Brief nachgelegt:

http://www.labournet.de/?p=120251
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dagobert


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« Antworten #80 am: 18. August 2017, 18:05:53 »

Es bleibt abzuwarten, ob die IGM aus ihrer Totenstarre erwacht und ihre Stimme erhebt für die Rechte der Leiharbeiter bei der chinesischen Niederlassung des großen deutschen Autokonzerns.
Würde ich nicht mit rechnen.
Auch hier in Deutschland gelten Leiharbeiter den Gewerkschaften nur als Verfügungsmasse zur Sicherung der Stammarbeitsplätze. Mehr Bedeutung haben auch LAN im Ausland für die DGB-Gewerkschaften nicht.
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Nao


Beiträge: 73


« Antworten #81 am: 18. August 2017, 19:56:30 »

Immerhin hat der „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns eine „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ abgeschlossen, die die momentanen Bedingungen unmöglich machen sollte. Es scheint, die Einhaltung dieser Charta wird von der Gewerkschaft nicht eingefordert. Papier ist geduldig.
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dagobert


Beiträge: 4166


« Antworten #82 am: 19. August 2017, 18:51:49 »

Diese Vereinbarungen sind als Gewissens-Beruhigungspille für die Kollegen gedacht, mehr nicht.
Papier ist geduldig.
Eben.
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Fritz Linow


Beiträge: 736


« Antworten #83 am: 02. September 2017, 16:29:06 »

Arbeitsbeschaffung bei VW 1976/77:

Zitat
3000 Neueinstellungen bei VW in diesem Jahr. Die bürgerliche Presse feiert es als „Soziale Großtat“. Was die VW-Kapitalisten wirklich vorhaben, sieht man am Bericht eines Arbeiters.

Dezember 1976, Brief vom Arbeitsamt:“ Sie haben sich am … um 9 Uhr auf dem Arbeitsamt zu melden.“
Drei Tage später auf dem Arbeitsamt. 10 Arbeiter vor mir. Einer nach dem anderen kommt aus dem Zimmer und flucht:“ Wolfsburg, die spinnen wohl.“ … „Die können mich mal!“ usw.
Im Zimmer:“ Ja, Herr …, Sie wollen doch sicher arbeiten, erzählen Sie mal, was können Sie denn so? Wozu haben Sie denn Lust?“ - „Bisher war ich in der Metallverarbeitung“. - „Na sehen Sie, da haben wir doch was. Es dreht sich konkret um VW in Wolfsburg.“ - „Haben Sie nicht was in Göttingen?“ - „Nein, VW ist das einzige, was wir haben. Sie kriegen aber sehr großzügige Hilfen von uns, wenn Sie nach Wolfsburg umziehen. 500 DM Mobilitätszulage und 4000 DM Einrichtungsbeihilfe.“
Anfang Januar 1977. Brief vom Arbeitsamt. „Sie haben sich am Montag, … um 7:45 Uhr zur Abfahrt nach Wolfsburg zu melden.“
Montag, 7:45 Uhr. Ein Bus, vollgepfropft mit 50 Arbeitern. Kaum einer älter als 25 bis 30, alle ungelernt, alle mindestens ein halbes Jahr arbeitslos, viele schon länger.
Abfahrt nach Wolfsburg zur betriebsärztlichen Untersuchung, zur Werks- und Wohnheimbesichtigung. Aus der „Begrüßungsrede“ des Typs vom Arbeitsamt: „… es ist doch großzügig und fair von ihren Arbeitgebern, daß sie in einer ausführlichen Betriebsbesichtigung sich ihren Arbeitsplatz ansehen können, ob er ihnen zusagt … Sie wissen ja, wenn die diesen Arbeitsplatz ablehnen, wird ihnen das Arbeitslosengeld für vier Wochen oder sogar ganz gestrichen, wenn sie schon mal eine Arbeit abgelehnt haben.“
10 Uhr. Ankunft in Wolfsburg. Nach einer Stunde Wartezeit beginnt dann die Führung. Gruppenweise werden wir gewogen, gemessen, geröntgt, usw. Gegen 17 Uhr, sieben Stunden nach der Ankunft in Wolfsburg, ist die Musterung beendet. 40 von den 50 Arbeitern sind als tauglich für die Ausbeutung befunden.
Anschließend „Werksbesichtigung“. Eine viertel Stunde, einmal am Band rauf und wieder runter. Zuletzt Besichtigung des Wohnheims. Ein Hochhaus, fast noch auf Werksgelände, pro Etage vier oder fünf Wohnungen. Pro Wohnung vier Zimmer. Einrichtung: ein Bett, ein Spind, zwei Betten, zwei Spinde, drei Betten, drei Spinde, vier Betten, vier Spinde. Miete fürs Einzelzimmer 155 DM, Vierbettzimmer sind 60 DM pro Mann, Gesamtmiete pro Wohnung 850 DM.
Zwei Waschbecken für zehn Leute, Duschen pro Etage für 40 bis 50 Arbeiter, geöffnet von 11 bis 21 Uhr. Nach 22 Uhr absolutes Frauenverbot.
Die Kapitalisten streben nach Höchstprofit. Dafür brauchen sie Arbeiter, die sich bis zum letzten ausbeuten lassen, also eine Anweisung an die Arbeitsämter raus: „ Wir brauchen 3000 Leute, jung müssen sie sein, gesund müssen sie sein, und ungelernt müssen sie sein!“ VW ruft, und die Arbeitsämter springen. Die Kapitalisten bestimmen und der Staat führt es aus.

http://www.mao-projekt.de/BRD/NS/BRS/Wolfsburg.shtml
http://mao-archiv.de/Scans/BRD/NS/BRS/BS/Sonstige/SONS_KJB005.jpg
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Fritz Linow


Beiträge: 736


« Antworten #84 am: 20. September 2017, 23:40:46 »

Zitat
20.9.17
Chemnitz ehrt den Vater von Carl Hahn

Wolfsburg/Chemnitz  Vorausgegangen ist eine Debatte um seine Rolle im Dritten Reich.

Trotz vorausgegangener öffentlicher Kontroverse um die Rolle des Managements der Auto-Union während des Dritten Reiches hat die Stadt Chemnitz auf Initiative des örtlichen Rotary Clubs den ehemaligen Spitzenmanager Carl Hahn senior (1894 bis 1961) öffentlich geehrt. Der Vater des späteren VW-Chefs Carl H. Hahn junior erhielt eine „Denk-Mal-Platte“, mit der die sächsische Stadt bekannte und verdiente Männer und Frauen der Stadt ehrt.

Die historische Aufarbeitung und Bewertung der Verstrickung des Managements in die Rüstungsproduktion des nationalsozialistischen Regimes inklusive der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen hatte im Vorjahr zu einem Streit geführt, in dessen Verlauf sich die Wege von Volkswagen und Chefhistoriker Manfred Grieger trennten. Grieger hatte die von der Audi AG angeregte und geförderte Untersuchung der Historiker Martin Kukowski und Rudolf Boch („Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“) in einem Aufsatz kritisch rezensiert. Die Rolle der beiden Manager Richard Bruhn und Carl Hahn senior im Gefüge des nationalsozialistischen Kriegswirtschaftssystems sei darin heruntergespielt worden.

Während Hahn senior nun geehrt wurde, entschied sich die Stadt Ingolstadt im Vorjahr nach langer Diskussion, die Richard-Bruhn-Straße umzubenennen. Michael Wagner, Vorsitzender der Chemnitzer Rotarier, sagte laut der Tageszeitung „Freie Presse“ vor 100 Ehrengästen, es gebe „keinen Grund, Carl Hahn nicht zu ehren“. Er habe durch sein unternehmerisches Wirken viele Arbeitsplätze in Chemnitz gesichert. Carl H. Hahn junior betonte, die Auto Union habe sich während des Zweiten Weltkrieges gegenüber „Fremdarbeitern“ besser verhalten als viele andere Betriebe. So hätten selbst KZ-Häftlinge eine ärztliche Betreuung erhalten, zitiert die Zeitung Hahn.

In Wolfsburg hat es immer wieder Diskussionen um Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche gegeben. Konsequenzen wurden aber nicht gezogen. In Stuttgart findet nun am 10. Oktober in der Universität eine Tagung zur Rolle des von Adolf Hitler geschätzten und protegierten Technikers statt. Im VW-Werk waren Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet worden.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211987749/Chemnitz-ehrt-den-Vater-von-Carl-Hahn.html

Carl Hahn Junior (der mit den Hottentotten in Brasilien und anderswo) mag Richard Bruhn, dessen Straßenname in Ingolstadt umbenannt wurde:



Vorstellung des ersten Nachkriegs-DKW in Ingolstadt in Juli 1950 (von rechts):
Mein Vater, Carl Hahn, stellvertretender Vorsitzender der Auto Union, August Horch, der legendäre Automobilpionier, Walter Osswald, der Senior der Motorjournalisten, sowie Richard Bruhn, gemeinsam mit meinem Vater Gründer der Auto Union und Vorsitzender
.



« Letzte Änderung: 20. September 2017, 23:43:01 von Fritz Linow » Gespeichert
Nao


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« Antworten #85 am: 07. Oktober 2017, 11:16:20 »

9 Monate nach den Protesten der VW Leiharbeiter in Changchun und 3 Monate nach dem Schreiben der Leiharbeiter an den Betriebsrat in Wolfsburg und den Eurobetriebsrat von VW, gab es nun eine Antwort von beiden:

http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/10/vw_gbr_d.pdf

Das Labournet hat es so kommentiert:
Zitat
Erstens verweisen die beiden Autoren darauf, daß bei dem Joint-Venture FAW-VW die Personalhochheit  beim chinesischen Mehrheitseigner liege… “Nichts desto trotz nehmen wir Ihr Schreiben sehr ernst” deutet vor diesem Hintergrund daraufhin, dass man sich nicht zuständig fühlt. Wir haben es auf die schnelle in unseren zig Seiten zu VW nicht gefunden, aber können uns dunkel an eine Selbstverpflichtung erinnern, auf deren Durchsetzung bei VW der WBR mal sehr stolz gewesen war – kann uns jemand einen Hinweis liefern?
Zweitens allerdings können sich die chinesischen KollegInnen aber wohl über die Unzuständigkeit freuen. Erdreisten sich doch die beiden obersten Gewerkschafter bei VW, den – wegen ihrer Proteste gegen skandalöse Arbeitsbedingung inhaftierten! – KollegInnen das Hinweisgebersystem von VW zu nutzen (also doch zuständig?) bzw. ihr Anliegen “der chinesischen Gesetzeslage entsprechend bei den hierfür zuständigen Stellen in China zu artikulieren”! Es handelt sich wohlgemerkt um diejenige chinesische Gesetzeslage, die ihre Verhaftung ermöglicht. Aber, wir erinnern, es handelt sich ja um Leiharbeiter, und da ist die IG Metall auch bei uns sehr gesetzesgläubig…
http://www.labournet.de/?p=119093

Dem BR Vorsitzenden Bernd Osterloh eilt auch ein besonderer Ruf voraus:
Zitat
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Personalvorstände, die dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh zu viel Gehalt genehmigt haben sollen. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/vw-verdient-osterloh-zu-viel/19796292.html
Osterloh war im Werk Wolfsburg seit dem Start des vom damaligen Personalvorstand Peter Hartz erarbeiteten Projektes „5000 mal 5000“ im Jahr 2000 der dafür Verantwortliche im zuständigen Ausschuss des Betriebsrats. Er verteidigte es gegen erheblichen Widerstand aus den Reihen seiner eigenen Gewerkschaft gegen den Vorwurf des Tarifdumping. Laut Handelsblatt verkörpert er „den neuen Typ des Arbeitnehmer-Managers“ und laut Frankfurter Allgemeine Zeitung den des „Co-Managers“, der wie ein Abteilungsleiter bezahlt wird. https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Osterloh
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counselor


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« Antworten #86 am: 07. Oktober 2017, 11:50:22 »

Der Osterloh hat in der Spitze bis zu 750000 € Jahresgehalt bezogen. Da singt er natürlich das hohe Lied auf VW und die Leiharbeit.
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dagobert


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« Antworten #87 am: 08. Oktober 2017, 00:21:48 »

Das Labournet hat es so kommentiert:
Zitat
Wir haben es auf die schnelle in unseren zig Seiten zu VW nicht gefunden, aber können uns dunkel an eine Selbstverpflichtung erinnern, auf deren Durchsetzung bei VW der WBR mal sehr stolz gewesen war – kann uns jemand einen Hinweis liefern?

Ich rate mal:
https://www.igmetall.de/charta-der-zeitarbeit-im-volkswagen-konzern-10997.htm
http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/
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Nao


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« Antworten #88 am: 08. Oktober 2017, 15:28:39 »

Hier ist die von Management und Betriebsrat unterzeichte Charta für Zeitabeit bei VW (in englischer Sprache):
Zitat

Charter on Temporary Work for the Volkswagen Group


Preamble
The Volkswagen Group Board of Management, the Volkswagen European Group Works Council and the Volkswagen Group Global Works Council agree on the principles of this Charter on Temporary Work for the Volkswagen Group. This serves as a safeguard for appropriate employment and pay conditions of temporary external employees at Volkswagen as well as uniform use of the temporary work tool throughout the entire Volkswagen Group.
 
The employees’ and company’s sides agree upon the following:
(...)
Equal pay and equal treatment
Reference basis for Equal Pay is the respective base salary. 
All further components of pay, i.e. shift and overtime supplements, depend on the rates typical for the location and/or sector, and if available, regulated by wage agreements. 
(...)
After a period of 9 months at the latest, a temporary external employee shall receive the same basic pay as a permanent employee on the same level. (...)


Munich, 30 Nov. 2012
 
On behalf of the Volkswagen European Board of Management Group
On behalf of the Volkswagen Works Council
and the Volkswagen Group Global Works Council
For IndustriALL Global Union
http://www.industriall-union.org/sites/default/files/uploads/documents/GFAs/Volkswagen/precarious_agreement_Nov_2012/charta_der_zeitarbeit_englisch_final.pdf
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dagobert


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« Antworten #89 am: 09. Oktober 2017, 00:54:42 »

Ich sag da jetzt nix zu  Lips Sealed:
http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-dokumentierte-zu-hohen-CO2-Ausstoss-article20072175.html
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Nao


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« Antworten #90 am: 13. Oktober 2017, 14:19:03 »

Zitat
“Den Deutschen ist es egal. Wir müssen selbst kämpfen!”

LeiharbeiterInnen beim Automobilhersteller FAW-VW fordern gleiche Entlohnung und werden kriminalisiert. Gleichzeitig brechen anderswo bei VW Arbeiterkämpfe aus


ArbeiterInnen von FAW-VW in Changchun, die über Leiharbeitsfirmen beschäftigt sind, kämpfen seit Ende 2016 für gleiche Entlohnung. FAW-VW wurde 1991 vom chinesischen Staatsunternehmen FAW und den deutschen Automobilunternehmen Volkswagen (VW) und Audi als Joint Venture gegründet. Außer in Changchun (Jilin) betreibt es Fabriken in Chengdu (Sichuan), Dalian (Liaoning) und Foshan (Guangdong). Die Firma beschäftigt mehr als 50.000 ArbeiterInnen und produziert Pkws und Automobilkomponenten.1

Der Kampf der LeiharbeiterInnen bei FAW-VW in Changchun

Viele der LeiharbeiterInnen arbeiten seit Jahren für FAW-VW. Sie fordern, dass das Joint Venture sie sofort direkt beschäftigt, die Zeiten anerkennt, die sie dort bereits gearbeitet haben und für den ungleichen Lohn in der Vergangenheit Entschädigung zahlt. Sie machen dieselbe Arbeit, wie die direkt bei FAW-VW Beschäftigten, bekommen jedoch nur etwa die Hälfte des Lohnes (z.B. 60.000 Yuan statt 120.000 Yuan) und nicht dieselben Zulagen. In ihren Erklärungen bezeichnen die LeiharbeiterInnen dies als Bruch des chinesischen Arbeitsvertragsgesetzes, darunter von Artikel 63 (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) und von Artikel 66 (LeiharbeiterInnen sollten nur ‘vorläufige, aushelfende und ersatzweise Positionen’ ausfüllen). Außerdem sind einige Leiharbeitsfirmen direkt mit FAW-VW verbunden (und möglicherweise in dessen Besitz), ein Verstoß gegen Artikel 67 des Arbeitsvertragsgesetzes (Unternehmen dürfen keine eigenen Leiharbeitsfirmen gründen, um deren Angestellte zu beschäftigen).2  VW hat sich zudem selbst in seiner „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ zur gleichen Entlohnung verpflichtet.3

Die neuen Regelungen zur Leiharbeit wurden im Jahr 2013 im Zuge einer Nivellierung des Arbeitsvertragsgesetzes eingeführt, allerdings mit einer dreijährigen Übergangsphase bis 2016. Die LeiharbeiterInnen bei FAW-VW wussten das und handelten entsprechend. Im November 2016 stellten sie ihre Forderungen über Chinas einzige offizielle Gewerkschaft ACFTU, aber sieben Verhandlungsrunden mit FAW-VW und den Leiharbeitsfirmen scheiterten. Die ArbeiterInnen zog vor das örtliche Gericht, das den Fall jedoch abwies. Mehrere Demonstrationen zwischen Februar und Mai dieses Jahres führten auch zu keiner Lösung.4 Am 26. Mai 2017 wurden die Arbeitervertreter Fu Tianbo, Wang Shuai und Ai Zhenyu unter dem Vorwurf „Versammlung einer Menschenmenge, um die soziale Ordnung zu stören“ verhaftet, eine vom Regime der KPCh oft benutzte Beschuldigung zur Eindämmung sozialer Proteste. Während Wang und Ai kurz darauf entlassen wurden, wurde Fu Anfang Juni offiziell angeklagt und blieb weiter in Haft.5

Die ArbeiterInnen, die Fu unterstützen, schrieben Briefe an die Behörden, um ihn frei zu bekommen, z.B. im August an das örtliche Amt für öffentliche Sicherheit (die Polizeibehörde, die für Fus Verhaftung verantwortlich ist) und im September an die Antikorruptionsagentur der KPCh.6 Sie schrieben auch an die deutsche VW-Zentrale, den deutschen VW-Betriebsrat und andere, um sie zum Eingreifen zu bewegen.7 Am 25. August antworteten ihnen die Leiter des europäischen und weltweiten Betriebsrats von der IG Metall. Sie betonten, dass sie den Fall „sehr ernst“ nehmen würden, und forderten die ArbeiterInnen auf, den Fall Volkswagen oder den chinesischen Behörden zu melden.8 Mit anderen Worten, sie fordern die LeiharbeiterInnen in China auf, die Gegner im Arbeitskonflikt und diejenigen, die ihren Vertreter inhaftierten, um Unterstützung zu fragen. Die chinesischen LeiharbeiterInnen, die den Brief der deutschen Betriebsräte im Netz veröffentlichten, kommentierten das treffend: „Den Deutschen ist das egal. Wir müssen selbst kämpfen!“9

Der offensichtliche Bruch der chinesischen Arbeitsgesetze und das Unterlaufen von VWs eigener Verpflichtung zu gleicher Entlohnung entspricht der allgemeinen Praxis in China. Viele chinesische und ausländische Unternehmen brechen die Arbeitsgesetze ganz offen, z.B. indem sie die ArbeiterInnen zu langen Überstunden zwingen oder ihnen weniger als den offiziellen Mindestlohn zahlen. VW scheint überdies die Tradition der Kollaboration mit autoritären Regimen und ihrer Unterdrückung sozialen Widerstands fortzusetzen. Die Kollaboration VWs mit der brasilianischen Diktatur in den 1970er Jahren, als Informationen über die politischen Haltungen von ArbeiterInnen an die Repressionsorgane weitergegeben und darauf folgende Verhaftungen toleriert wurden, war im vergangenen Sommer ein heiß diskutiertes Thema in deutschen Medien.10

Weitere Mobilisierungen von VW-ArbeiterInnen in Europa

In Europa musste sich VW derweil in den letzten Monaten mit weiteren Arbeitermobilisierungen und Streiks auseinandersetzen. Im Juni setzten VW-ArbeiterInnen in Bratislawa, Slowakei, eine Lohnerhöhung um 14,1 Prozent durch, nachdem sie vorher zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch des Sozialismus 1989 in dieser Fabrik gestreikt hatten.11

Anfang August verließen VW-ArbeiterInnen in Poznań, Polen, aus Protest gegen die Ausweitung der Wochenendarbeit die Gewerkschaft Solidarität (Solidarność) und gründeten eine neue, selbstorganisierte Sektion der Basisgewerkschaft Arbeiterinitiative (Inicjatywa Pracownicza). Nachdem VW mehreren beteiligten ArbeiterInnen wegen angeblicher übler Nachrede die Firma betreffend gekündigt hatte, unterschrieben 2.000 ArbeiterInnen Anfang September eine Petition für deren Wiedereinstellung.12

Ende August streikten VW-ArbeiterInnen im portugiesische Palmela, bei Lissabon, – der erste Streik im Betrieb seit Jahrzehnten – gegen die Ausweitung der Wochenendarbeit.13

Und Ende September forderten ArbeiterInnen der VW-Tochterfirma Autovision in Emden und Osnabrück ihre Direkteinstellung durch VW. Sie hatten ursprünglich als LeiharbeiterInnen für VW gearbeitet, bevor sie von Autovision übernommen worden waren. Autovision dient VW als Subunternehmen und stellte die ArbeiterInnen für die VW-Fabriken ab.14

Diese Mobilisierungen und Streiks sind eine Reaktion auf den diskriminierenden Einsatz von Leiharbeit bei VW sowie auf den steigenden Arbeitsdruck in VW-Fabriken, und sie zeugen von der Forderung von ArbeiterInnen in ‘peripheren’ Ländern nach Schließung der Lohnlücke im Vergleich zu VW-ArbeiterInnen in Deutschland.

Der Umbau der Industrie

Die Arbeitermobilisierungen treffen VW – das immer noch teilweise im Besitz des deutschen Staates ist und von diesem weitgehend kontrolliert wird – zu einem kritischen Zeitpunkt. VW war 2016 (wieder) der weltweit größte Automobilhersteller,15 aber der Dieselabgas-Skandal, also die absichtliche Verletzung der Abgasvorschriften, und seine Aus- und Nachwirkungen drohen den Konzern zu schwächen und zu destabilisieren. Gleichzeitig stellt der scheinbare Übergang zu Elektrofahrzeugen eine große Herausforderung dar, weil die bestehende industrielle Massenproduktion von kraftstoffbetriebenen Automobilen nicht einfach auf batteriebetriebene Automobile umgestellt werden kann.16 Der Dieselabgas-Skandal könnte nun den beabsichtigten (teuren) Umbau von VW beschleunigen, und die ArbeiterInnen sollen den Preis bezahlen – das scheint zumindest der Plan des Managements zu sein.

China ist der größte Hersteller und Markt von (kraftstoffbetriebenen) Automobilen und für den Umbau von VW von zentraler Bedeutung. Das Land steht für 41 Prozent der weltweiten Fahrzeugverkäufe VWs und für 49 Prozent seines weltweiten Gewinns (vor Steuern).17 Und China ist bereits der führende Hersteller von und Markt für Elektrofahrzeuge insgesamt – auch wenn dieser ‘grüne Sprung nach vorne’ massiv vom chinesischen Staat subventioniert wird.18

VW wie auch Renault-Nissan, Ford und andere globale Automobilhersteller bauen mit chinesischen Partnerunternehmen neue Joint Ventures auf, um mit der Massenproduktion von Elektrofahrzeugen zu beginnen19 – die dritte Welle der Gründung solcher Automobil-Joint-Ventures nach den 1980er Jahren und der Zeit von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre.20 Die Zeiten haben sich jedoch geändert, und VW und die anderen sehen sich einem verschärften Wettbewerb mit chinesischen Automobilherstellern gegenüber, die gleichzeitig global expandieren.21

Die Auswirkungen der Arbeiterkämpfe in China

Ob und wie der Umbau von VW (und anderen Automobilherstellern) vonstatten gehen wird, hängt auch von der Entwicklung der Automobilarbeiterkämpfe ab. Der Kampf der FAW-VW-ArbeiterInnen in Changchun ist das letzte Beispiel der Militanz von AutomobilarbeiterInnen in China, die in den 1990ern und 2000er Jahren begann. An den Mobilisierungen beteiligten sich sowohl direkt Beschäftigte als auch LeiharbeiterInnen.22 Ein erster Höhepunkt war die Streikwelle 2010.23

Der andauernde Umbau der chinesischen Wirtschaft – Umstrukturierung, Verlagerung, Aufwertung – hat Auswirkungen auf alle ArbeiterInnen. Nach dem Abflachen der Wirtschaftswachstumsrate seit den späten 2000er Jahren sind auch die Lohnerhöhungen zunehmend niedriger ausgefallen.24 Die ArbeiterInnen haben jedoch weiterhin hohe Erwartungen und fordern Verbesserungen ihrer immer noch miesen Arbeitsbedingungen.

Nachdem Streiks und andere Kämpfe in den 2000er Jahren weitgehend erfolgreich waren und Lohnerhöhungen und verbesserte Bedingungen durchsetzen konnten, trafen sie in den letzten Jahren auf mehr Gegendruck durch die Unternehmensleitungen und den Staat. Das war auch eine Folge des Anziehens politischer Kontrolle und der Repression sozialer Proteste unter der KP-Führung um Xi Jinping, seit diese 2012–13 an die Macht kam.

Vor diesem Hintergrund sehen sich die LeiharbeiterInnen bei FAW-VW in Changchun der Ignoranz und Repression durch VW, das chinesische Staatsunternehmen FAW, die Behörden der KP und der Polizei gegenüber. Ihr Kampf läuft weiter, andere werden folgen.
http://www.gongchao.org/2017/10/12/leiharbeiter-bei-faw-vw-in-china-im-kampf/

(Zahlreiche Fußnoten und weiterführende Links unter dem Originalartikel bei Gongchao.)
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