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Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 129806 mal)
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Kuddel


Beiträge: 10131


« Antworten #100 am: 15. November 2017, 10:11:07 »

Zitat
Bernd Osterloh
Hausdurchsuchung in VW-Chefetage


Hat VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh überhöhte Zahlungen kassiert? Die Staatsanwälte und Steuerfahnder haben die Ermittlungen aufgenommen und durchsuchen die Büros in der VW-Chefetage.

Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung haben am Dienstag Büros in der Chefetage und beim Betriebsrat von Volkswagen durchsucht. Die Ermittler hätten sich die Büros von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand Frank Witter und Personalvorstand Karlheinz Blessing vorgenommen, erklärte ein VW-Sprecher am Dienstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es seien Akten und Computer beschlagnahmt worden. „Hintergrund sind die angeblich überhöhten Zahlungen an (Betriebsratschef Bernd) Osterloh“, ergänzte der Sprecher. Auch das Büro Osterlohs sei durchsucht worden.

Keine Stellungnahme des Betriebsratsprechers


Im Mai war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig in diesem Fall gegen Manager wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Eine weitere Person mit Kenntnis des Vorgangs erklärte, die Steuerfahnder gingen mit der Durchsuchung dem Verdacht der Steuerhinterziehung nach. Denn bei unangemessen hoher Vergütung für den Betriebsratschef könnte VW zu hohe Betriebsausgaben angesetzt und damit zu wenig Steuern gezahlt haben.

Sprecher des Betriebsrats und der Staatsanwaltschaft Braunschweig waren nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die Ermittlungen der Strafverfolger wegen des Verdachts der Untreue gegen Blessing und drei weitere Personalmanager waren im Mai bekannt geworden. Damals hatte Osterloh erklärt, in der Spitze bis zu 750 000 Euro im Jahr verdient zu haben. Sein Gehalt werde vom Unternehmen festgelegt und entspreche dem Betriebsverfassungsgesetz. Der Betriebsrat hatte erklärt, Osterloh sei korrekt eingruppiert worden.

Die Vergütung für freigestellte Betriebsräte richtet sich nach dem Gehalt, das bei vergleichbarer Laufbahn und Verantwortung in einem Unternehmen gezahlt wird. Der Betriebsratschef selbst gelte weiterhin als Zeuge, nicht als Beschuldigter, ergänzte der VW-Sprecher. Ins Rollen gekommen war der Fall durch eine Strafanzeige.

Untersuchung durch externe Juristen

Nicht nur der Betriebsrat auch das Unternehmen selbst hatte im Mai erklärt, Osterlohs Vergütung stehe im Einklang mit dem Betriebsverfassungsgesetz. Der Konzern hatte das durch einen externen Juristen untersuchen lassen. Dem Betriebsrat zufolge waren die Regeln für die Vergütung von Arbeitnehmervertretern im Lauf der Jahre mehrfach – auch von externen Experten – überprüft worden. „Wir gehen deshalb davon aus, dass gegenüber der Staatsanwaltschaft überzeugend dargelegt wird, dass die internen Regelungen sowie die konkrete Vergütung rechtskonform sind“, betonte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats damals.

Osterloh werde vergleichbar zu Bereichsleitern vergütet. „Hätte er zuletzt das Angebot, Personalvorstand des Konzerns zu werden, angenommen, wäre seine Vergütung heute um ein Vielfaches höher.“ Stattdessen habe sich Osterloh dafür entschieden, sich weiterhin für die Belegschaft einzusetzen. Damit ist der Fall nicht mit dem von Osterlohs Vorgänger Klaus Volkert zu vergleichen, der 2008 wegen der VW-Affäre um Lustreisen und Schmiergeldzahlungen ins Gefängnis musste.

Das Landgericht Braunschweig verurteilte Volkert wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue. Der damalige Personalvorstand Peter Hartz kam mit einer Bewährungsstrafe davon und musste zudem eine Geldstrafe zahlen. Er hatte sich nach Überzeugung des Gerichts mit Sonderboni das Wohlwollen des mächtigen Betriebsratschefs erkauft.
http://www.fr.de/wirtschaft/bernd-osterloh-hausdurchsuchung-in-vw-chefetage-a-1387862
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Onkel Tom


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« Antworten #101 am: 15. November 2017, 20:11:56 »

Aus Tradition : Gut geschmiert, läuft reibungslos..  kotz *würgh* AAAAAh
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admin
Administrator

Beiträge: 2138


« Antworten #102 am: 17. November 2017, 21:09:03 »


Unser Auftritt in Wolfsburg am Donnerstag machte bereits optisch einiges her.


In Wolfsburg nimmt man solche Dinge sehr genau. Das Ordungsamt kam vorbei und checkte meinen Ausweis, bevor man die Standgenehmigung aushändigte.


Nur einige Minuten später tauchte auch die Polizei auf und wollte wissen, was wir da trieben. Sonst ist wohl nichts los in Wolfsburg.


Trotz des üblichen "Will ich nicht!" und "Interessiert mich nicht!", nahmen viele ein Flugblatt.


Und viele wollten gleich mehr wissen.


Erstaunlich fanden wir, daß wir auf keine Wolfsburger stießen, die sich mit "ihrem" Arbeitgeber identifizierten oder an die "VW Familie" glaubten.
Im Gegenteil, mit einem "Hört denn das nie auf?" zeigte man, daß man Unrecht vom VW Konzern gewohnt ist.


Die Älteren erklärten, daß sie froh wären, endlich aus dem Laden raus zu sein.


Wir haben die Flublätter zu viert verteilt und wir waren nahezu die gesamte Zeit in Diskussionen mit Passanten verwickelt.
Es kam stets die Frage, wie Betriebsrat und Gewerkschaft sich verhalten hätten. Die Solidarität verweigert? Typisch!
Und dann wurden die 750.000 Euro Jahresgehalt vom Betriebsratschef Osterloh erwähnt.


Die Forderung "Leiharbeit verbieten!" fand großen Anklang.


Viele hatten einschlägige Erfahrungen mit Zeitverträgen und Leiharbeit bei VW... und waren stinksauer.


Es kam sogar jemand von der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung vorbei...

Der Artikel vom 17.11.17 in der WAZ erschien uns wie ein kleines Wunder. Uns wurde gesagt, im Wolfsburger Raum sei es nur schwer möglich einen VW-kritischen Bericht zu veröffentlichen.


Anschließend noch eine kleine Kundgebung vor dem Gebäude der IGM Wolfsburg

Einige Infoflugblätter gab es für den Herrn am Empfangstresen im Foyer.


WER WENN NICHT WIR!


Die Silhouette des Bösen

Das VW Werk


Protest im Schatten des Konzerns


Und noch einmal am Ufo der Industriegewerkschaft:

Auf einer LED-Leinwand liefen irgendwelche Slogans über faire Löhne überall...
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Onkel Tom


Beiträge: 3308



« Antworten #103 am: 18. November 2017, 10:14:00 »

Ist ja echt cool, das sich die Wolfsburger Tageszeitung getraut hat, unsere Kritik an VW zu veöffentlichen.
Das dürfte dann ja auch in der Chefetage von VW gelandet sein..

 Grin
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counselor


Beiträge: 2575



« Antworten #104 am: 18. November 2017, 12:53:19 »

Gute Aktion! Macht weiter so!
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
BGS
Polarlicht


Beiträge: 2708



« Antworten #105 am: 18. November 2017, 13:34:04 »

Sehr gute Aktion! Sollte es mehr von geben, wirklich vorbildlich.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Fritz Linow


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« Antworten #106 am: 18. November 2017, 14:17:22 »

Zitat
17.11.17
China unterdrückt Protest der Leiharbeiter

Unterstützer der Zeitschrift „Leihkeule“ informieren über das Geschehen bei FAW-VW.

 Seit einem Jahr schwelt in China ein Konflikt um die Leiharbeiter des Joint Ventures FAW-VW in Changchun. In Wolfsburg war das bisher kein Thema. In dieser Woche aber machten Aktivisten, die sich für die Interessen der Zeitarbeitnehmer einsetzen und die Zeitschrift „Leihkeule“ herausgeben, auf die Probleme der Kollegen aufmerksam. Sie informierten an einem Stand und hängten auch Infozettel in der Innenstadt aus.

Das Portal Labournet berichtet regelmäßig über internationale Arbeitskonflikte. So auch über die Situation in Changchun, die sich laut dieser Quelle zunächst unspektakulär und friedlich darstellte. Die Leiharbeiter forderten mehr Geld und eine Angleichung der sozialen Standards an die der Stammbelegschaft. „Die Proteste der rund 3000 Leiharbeiter von FAW-VW in Changchun begannen Anfang November 2016 keineswegs als Proteste: Sie wollten verhandeln über die Einhaltung der chinesischen Arbeitsgesetze im Werk und gegen ihre soziale Diskriminierung vorgehen. Wozu sie zunächst zu durchaus stattfindenden Verhandlungen eine eigene Delegation wählten und die Mediation der örtlichen Gewerkschaft hatten. Erst als diese Verhandlungen abrupt und ergebnislos abgebrochen wurden, organisierten sie ihre Proteste selbstständig und öffentlich“, heißt es dort.

Volkswagen habe sich nicht in diesen Fall einmischen wollen. Die Begründung: Man halte nur eine Minderheitsbeteiligung. Auf frühere Anfragen unserer Zeitung verwies auch der Betriebsrat auf die rechtliche Konstruktion der Minderheitsbeteiligung. In der Zwischenzeit hatte sich der Konflikt verschärft. Fu Tianbo, der Sprecher der Bewegung der Leiharbeiter, geriet ins Visier der chinesischen Behörden und wurde verhaftet. Das Internet-Portal der Leiharbeiter wurde stillgelegt. Labournet schlussfolgert: „Das Vorgehen der chinesischen Behörden gegen den Sprecher der Bewegung Fu Tianbo ist ein Ergebnis der völligen Ablehnung legitimer Forderungen: Deswegen ist aus betrieblichen Problemen nun ein Kriminalfall konstruiert worden, als Vorwand, gegen die Bewegung repressiv zu werden. Mehrere Basisgruppierungen aus China und Hongkong, Einzelpersonen und auch Labournet Germany rufen zur sofortigen Freilassung von Fu Tianbo auf und zu Verhandlungen über die berechtigten Forderungen der Leiharbeiter“. Das Joint Venture FAW-VW gehört zu 60 Prozent dem Staatsunternehmen FAW. Volkswagen hält 20 Prozent, Audi 10 Prozent. 10 Prozent hält die Volkswagen China Investment Company Ltd.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article212576637/China-unterdrueckt-Protest-der-Leiharbeiter.html
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admin
Administrator

Beiträge: 2138


« Antworten #107 am: 18. November 2017, 15:26:31 »

Ups, das war doppelte Arbeit, ich hatte den Artikel gleichzeitig als Screenshot gesichert.



Auf jeden Fall ist das schon enorm. Jetzt hat die gesamte Tagespresse Wolfsburgs das Thema aufgegriffen. In diesem Falle wurde sogar eigenständig recherchiert und nicht nur von unserem Flugblatt abgeschrieben.

Jetzt stehen Konzern und Betriebsrat unter öffentlichem Druck.
Werden sie wieder versuchen es auszusitzen?
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12606



WWW
« Antworten #108 am: 18. November 2017, 21:33:24 »

Coole Aktion!!!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Nao


Beiträge: 89


« Antworten #109 am: 19. November 2017, 12:18:13 »

Ein kurzer Bericht über die Aktion und einige der Fotos kursieren in den sozialen Medien Chinas.
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cyberactivist
Urlaubsjunkie-Auf Entzug
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Beiträge: 716



« Antworten #110 am: 19. November 2017, 18:45:37 »

Link zu den labournet-Beiträgen:
http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/
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Nur Exhibitionisten haben nichts zu verbergen.
tleary


Beiträge: 309


« Antworten #111 am: 21. November 2017, 04:55:58 »

Ob ein Leiharbeiter in China von den Protesten überhaupt etwas mitbekommt? - Und appropo: Wo ist der Protest gegen die kürzlich entlassen Leiharbeiter bei VW hier in Deutschland? - Und deren ebenfalls schlechtere Bezahlung als die der Stammbelegschaft?
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Nao


Beiträge: 89


« Antworten #112 am: 21. November 2017, 09:20:57 »

Ob ein Leiharbeiter in China von den Protesten überhaupt etwas mitbekommt?

  Ja.
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admin
Administrator

Beiträge: 2138


« Antworten #113 am: 21. November 2017, 13:35:21 »

Ich gehe davon aus, daß die Aktion eine innergewerkschaftliche Auseinandersetzung nach sich zieht.

Aufgrund der vorangegangenen Berichte im Labournet Germany haben sich bereits Betriebsräte der SPIE GmbH, Sulzer GmbH, Humbold Wedag GmbH und KHD Humbold Wedag AG an die IGM Führung gewandt und die Gewerkschaft aufgefordert in der Sache Stellung zu beziehen.

Es ist schließlich ein Unding: Nicht nur das Chinesische Arbeitsrecht verpflichtet zu Equal Pay für Leiharbeiter, sondern es gibt auch eine vom Konzernberiebsrat und dem Europäischen Betriebsrat von Volkswagen unter IndustriALL unterschriebene Charta, die hier nicht eingehalten wird. Wenn die Leiharbeiter für die Einhaltung von Verträgen und Gesetzen protestieren und dafür kriminalisiert werden, dann ist es ein Skandal, wenn die Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats und Eurobetriebsrats Osterloh und Patta untätig bleiben und berhaupten, nicht zuständig zu sein.

Die Inhaftierung des Sprechers der Leiharbeiter und das nun eingeleitete Strafverfahren wg. Störung der öffentlichen Ordnung zeigen den Ernst der Situation und die Notwendigkeit internationaler Solidarität.

IndustriALL organisiert als weltweit agierender Gewerkschaftsverband ca. 50 Millionen Mitglieder von 197 Einzelgewerkschaften. Präsident von industriALL ist der deutsche IGM Vorsitzende Jörg Hofmann. Das im Stich lassen der Kollegen in China ist ein Affront gegen alle gewerkschaftlichen Grundsätze.

Der Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall hat einen Bericht über die Soliaktion in Wolfsburg auf ihre Homepage gestellt:
http://www.arbeitskreis-internationalismus.de/kampf-gegen-leiharbeit-auch-in-china/

Ach das Labournet berichtet: http://www.labournet.de/?p=124166
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Nao


Beiträge: 89


« Antworten #114 am: 21. November 2017, 17:22:32 »

Ein paar Screenshots von dem, was sich gerade in chinesischen Sozialen Medien verbreitet:
(englischsprachige Übersetzungen in rot)





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Fritz Linow


Beiträge: 822


« Antworten #115 am: 21. November 2017, 22:19:40 »

Der filzige Arm von Volkswagen reicht teilweise so weit, da denkt man gar nicht dran. Daher auch mal ein Dankeschön an Journalisten, die so etwas erwähnen:
Zitat
21.11.17
Österreicher zieht trotz Top-Angebotes von Porsche vor Gericht

Dieselgate: Jetzt wird mit Spannung das Gutachten eines Experten erwartet.

(...)
Das Gerichtsurteil wird in den nächsten Tagen erwartet. Spannend ist vor allem, zu welchem Urteil der vom Gericht eingesetzte Sachverständige Werner Tober vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik an der TU Wien kommt. „Er soll prüfen, ob der mit Schummelsoftware ausgerüstete Kompakt-SUV die im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) vorgeschriebenen Stickoxidwerte (NOx) einhält – und zwar ohne die vom deutschen Kraftfahrtbundesamt als verbotene Abschalteinrichtung qualifizierte Manipulationssoftware“, heißt es auf dem Portal „trend“.

Der TU Wien kann man beileibe kein schlechtes Verhältnis zum Unternehmen Porsche unterstellen. Der ehemalige VW-Chef und Ex-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch wurde vor drei Jahren für seine Verdienste mit dem Titel Ehrensenator geehrt. Piëch hielt dort seit Jahren die Block-Lehrveranstaltungen „Innovationsmanagement I und II“ vor Studenten ab. Seit 1977 verleiht die TU zudem alle zwei Jahre den mit 50 000 Euro dotierten Porsche-Preis. (...)

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212611263/Oesterreicher-zieht-trotz-Top-Angebotes-von-Porsche-vor-Gericht.html

Es ist nicht wirklich abwegig, wenn hier im vorher abgesprochenen Einvernehmen zwischen Kläger, Beklagten und Gutachter (und Richter) ein Urteil geschaffen werden sollte, das Rechtssicherheit für VW liefert.
« Letzte Änderung: 21. November 2017, 22:57:30 von Fritz Linow » Gespeichert
dagobert


Beiträge: 4277


« Antworten #116 am: 22. November 2017, 01:26:24 »

Wenn die Leiharbeiter für die Einhaltung von Verträgen und Gesetzen protestieren und dafür kriminalisiert werden, dann ist es ein Skandal, wenn die Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats und Eurobetriebsrats Osterloh und Patta untätig bleiben und berhaupten, nicht zuständig zu sein.
Rein formell betrachtet könnte das sogar stimmen, VW-China ist meines Wissens im Weltkonzernbetriebsrat nicht vertreten. Vielleicht weil VW da nur eine Minderheitsbeteiligung hält?

Das pdf ist schon etwas älter, aber was neueres hab ich nicht gefunden.
https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_027.pdf
(VW ab Seite 24, Übersicht der Werke Seite 26)

Eine Stellungnahme zum Thema oder ene Soli-Erklärung sollte aber eigentlich trotzdem drin sein.
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Fritz Linow


Beiträge: 822


« Antworten #117 am: 22. November 2017, 09:29:34 »

Die machen es sich halt sehr einfach, wenn sie sich auf das Formelle zurückziehen. Anfang des Jahrtausends hat der Arbeitskreis "Intersoli" der IGM Wolfsburg das noch anders gesehen, u.a.:
Zitat
Die chinesischen Gewerkschaften sind aufgrund ihrer nicht demokratischen Strukturen (noch) nicht Mitglied im Welt-Konzernbetriebsrat.

http://www.igmetall-wob.de/gruppengremien/intersoli/archiv/arbeitskreis-intersoli-china/

Und 2013 gab es zum Beispiel ein Treffen auf offizieller Ebene:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg326998#msg326998

Egal ob China nun Mitglied im Weltbetriebsrat ist, der ja auch nur ein freiwilliges Konstrukt ist, oder nicht: Diese Funktionäre haben einfach keine Klasse.
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admin
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Beiträge: 2138


« Antworten #118 am: 22. November 2017, 10:42:29 »

Zitat
Auto-Absatz
"China der wichtigste Markt"

Die deutschen Autohersteller haben ihren Export nach China deutlich ausgebaut.


Inzwischen gehe jedes dritte Auto in die Volksrepublik, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in einer Analyse mit. Der Markt in China habe den deutschen Konzernen das dritte Quartal gerettet, da der Absatz in Westeuropa stagniere. Volkswagen sei mit 1,1 Millionen verkauften Autos nach wie vor Marktfführer in China, hieß es weiter, gefolgt von General Motors mit einer Million Fahrzeugen. Auf dem Vormarsch sei auch die Elektromobilität. Hier entwickle sich China zum weltweiten Leitmarkt, schreiben die Analysten.
http://www.deutschlandfunk.de/auto-absatz-china-der-wichtigste-markt.1939.de.html?drn:news_id=818059

  • China ist der wichtigste Markt für VW.
  • VW ist Marktführer in China
  • Im Werk Changchun werden Autos der Marke VW produziert
  • Der Gewerkschaftsverband IndustriALL mit ca. 50 Millionen Mitgliedern wurde gegründet als Antwort auf die Globalisierung der Wirtschaft
  • Das FAW-VW Werk Changchun gehört zum Wirkungsbereich von IndustriALL
  • Die Kriminalisierung von Arbeitern, die ihre Rechte einfordern, darf von keiner Gewerkschaft akzeptiert werden, die sich als Vertretung der Beschäftigten versteht.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12606



WWW
« Antworten #119 am: 24. November 2017, 10:09:23 »

Zitat
VW erteilt Arbeitern in China eine Abfuhr
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-erteilt-Arbeitern-in-China-eine-Abfuhr-,vwchina102.html
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
admin
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« Antworten #120 am: 24. November 2017, 14:43:49 »

Dieser Bericht ist wohl auch eine Folge unserer kleinen Aktion.

Was jetzt ansteht ist die innergewerkschaftliche Diskussion. Was der Sprecher des VW Betriebsrats zum besten gibt, läßt tief blicken.

Zitat
In Wolfsburg allerdings ist man zurückhaltend - und das habe auch seinen Grund, so ein Betriebsratssprecher auf Anfrage von NDR Info. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das gelte natürlich grundsätzlich auch für China: "Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass wir nicht über alle Bemühungen des Weltkonzernbetriebsrates zu diesem Thema öffentlich berichten können, um aufgebautes Vertrauen nicht zu gefährden." Zudem sei die von den Leiharbeitern vorgebrachte Charta der Zeitarbeit des VW-Konzern im Werk in Changchun nicht verbindlich. Es sei bislang leider nicht gelungen, diese in China durchzusetzen.

Die Volksrepublik sei eben ein Sonderfall, heißt es immer wieder aus dem Konzern. VW habe nur eine Minderheitsbeteiligung am Werk in Changchun. Das Sagen habe der örtliche Parteisekretär. Die chinesische Seite in der Öffentlichkeit zu kritisieren, würde dazu führen, dass bald gar nichts mehr ginge. Ein Dilemma: Die Chinesen handeln; geschädigt werde aber im Zweifelsfall der Ruf von VW.

Es ist erschreckend, wenn die Sorge des Betriebsrats über den Ruf des Konzerns größer ist, als über die Rechte der Arbeiter.

Die Leserbriefe unter dem NDR Artikel zeigen, daß eine öffentliche Diskussion losgetreten worden ist:

Zitat
Markus Wendt schrieb am 24.11.2017 07:14 Uhr:

Das ist alles, was Osterloh zu Wege bringt? Wie viel verdient der Herr Betriebsratschef doch gleich noch mal? Wie peinlich ist das denn, wenn dieses Hängenlassen ein Beispiel für innerbetriebliche Solidarität sein soll?

Heiko Herrlich schrieb am 24.11.2017 08:41 Uhr:


Milliarden verdienen und die Mitarbeiter schlecht bezahlen. Danke für diesen Artikel, viele Sachen kommen ohne diese hervorragende journalistische Arbeit nicht ans Licht!

Und wir haben immer gewusst, dass unsere Kollegen im Ausland ausgenutzt werden, auch in Wolfsburg und Hannover werden viele Mitarbeiter mit schlechten Verträgen ausgestattet. Und last but not least, viele Prozessen werden an Fremdunternehmen ausgelagert, drei Mal dürfen Sie raten, weshalb. Damit VW sich die Hände nicht selbst schmutzig macht. Die Zuliefer zahlen schlecht, VW nimmt deren Leistungen deutlich günstiger in Anspruch. Alle außer der Mitarbeiter bleiben im Plus. Ist es nicht herrlich


 sagwas schrieb am 24.11.2017 09:32 Uhr:


Hier in Deutschland ist es die Agenda 2010 (inkl. Leiharbeit) die den Arbeitnehmer in die Armut führt. Die Leiharbeit gehört abgeschafft!
Agenda 2010 = Armut per Gesetz
Mindestlohn = Altersarmut
Made by SPD, Grünen und Gewerkschaften

Baumfrisör schrieb am 24.11.2017 09:57 Uhr:

Warum soll es im fernen China anders sein als zu Hause.
Und das Feigenblatt ist für VW ist die kommunistische Partei Chinas!
Und wenn es im Osten Deutschlands zu teuer wird geht VW eben nach...?. Einen Schuldigen für sittenwidrige Dumpinglöhne wird man schon finden.

Sven P. schrieb am 24.11.2017 10:04 Uhr:


VW ist eben zu groß, hat die entsprechend Protektion und darf sich damit alles erlauben.

Immer mehr entsteht der Eindruck, dass er nur dazu da ist, die Belegschaft ruhig zu halten.
Die vermuteten "überhöhten Zahlungen" an der Betriebsratschef wären dann auch erklärt.

Aber das ist sicher nur eine Verschwörungstheorie.
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Nao


Beiträge: 89


« Antworten #121 am: 24. November 2017, 19:03:10 »

Ob ein Leiharbeiter in China von den Protesten überhaupt etwas mitbekommt?


Neuerdings auch hier.
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Nao


Beiträge: 89


« Antworten #122 am: 25. November 2017, 09:14:42 »

Und in Deutschland verbreitet sich die Info auch überregional:

Zitat
Gleicher Lohn?
VW hat in China Ärger mit Leiharbeitern

Changchun/Wolfsburg (DK) Die Leiharbeiter im chinesischen VW-Werk Changchun beißen mit ihrer Forderung nach gleicher Bezahlung (Equal Pay) wie die Stammbelegschaft auf Granit. Selbst der Weltkonzernbetriebsrat des Autobauers sieht offenbar keine Möglichkeit, an der Situation etwas zu ändern.


Das geht aus einem Schreiben der VW-Arbeitnehmervertreter Bernd Osterloh und Frank Patta an die rund 3000 betroffenen Zeitarbeitskräfte hervor, die im Juli den Konzernbetriebsrat um Unterstützung gebeten hatten.

Wie der NDR am Freitag berichtete, entgegneten Osterloh und Patta, sie könnten die Vorwürfe der Leiharbeiter nicht verifizieren. Sie sollten sich an das "Hinweisgebersystem" von VW und die "zuständigen Stellen in China" wenden.

Die Zeitarbeiter hatten moniert, dass in Changchun - ein Joint Venture von VW und Audi mit dem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW) - gegen die Charta der Zeitarbeit von VW verstoßen werde. Dort heißt es: "Bezugsbasis für Equal Pay ist das jeweilige Grundentgelt."

Zwar erhalten die Leiharbeiter den gleichen Lohn, aber nicht die Zusatzleistungen der Stammbelegschaft. In der Charta steht aber auch, "alle weiteren Entgeltpauschalen" richteten sich "nach orts- bzw. branchenüblichen Sätzen".
http://www.donaukurier.de/nachrichten/wirtschaft/lokalewirtschaft/Changchun-Gleicher-Lohn;art1735,3601884

"Zwar erhalten die Leiharbeiter den gleichen Lohn, aber nicht die Zusatzleistungen der Stammbelegschaft."
Das ist nicht richtig. Die Leiharbeiter im FAW-VW in Changchun verdienen etwa halb so viel, wie die Stammbeschäftigten.
« Letzte Änderung: 25. November 2017, 09:19:01 von Nao » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #123 am: 25. November 2017, 12:29:42 »

Die Geschichte zieht immer weitere Kreise:

Zitat
VW-Leiharbeiter in China protestieren

Sie fordern vom Weltkonzernbetriebsrat Solidarität. Der reagiert reserviert



Arbeiter arbeiten an einem VW Bora Sedans im Joint-Venture-Werk von FAW-Volkswagen in Changchun.

Im nordchinesischen Changchun produziert Volkswagen mit seinem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW) unter anderem verschiedene VW- sowie Audi-Modelle. FAW hält an dem Joint Venture mit 60 Prozent die Mehrheit. Seit rund einem Jahr organisieren sich in dem Werk Leiharbeiter und fordern die Anpassung ihres Lohns an den der Stammbelegschaft. Im Zuge ihrer Proteste wurden drei VW-FAW-Mitarbeiter inhaftiert, zwei davon sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die inhaftierten Leiharbeiter wandten sich in einem Brief sowohl an den VW-Konzern als auch an den Gesamtbetriebsrat. Aber die Antwort von Bernd Osterloh und Frank Patta vom VW-Weltkonzernbetriebsrat habe die Arbeiter enttäuscht, wie der NDR gestern berichtete.

In dem Bericht wird Keegan Elmer, der für die nichtstaatliche Organisation „China Labour Bulletin“ arbeitet, wie folgt zitiert: „Der Betriebsrat hätte aktiver sein müssen. Ich hoffe ja wirklich, dass der Betriebsrat sich über die Situation informiert und eine klarere Position bezieht für die chinesischen Arbeiter.“ Die Organisation setzt sich von Hongkong aus für die Rechte der Arbeiter in der Volksrepublik ein.
http://www.harzkurier.de/wirtschaft/article212646277/VW-Leiharbeiter-in-China-protestieren.html

Den gleichen Artikel findet man auch bei der Braunschweiger Zeitung:
https://www.braunschweiger-zeitung.de/wirtschaft/article212646277/VW-Leiharbeiter-in-China-protestieren.html
Das ist recht bedeutend, da sich dort auch ein großes VW Werk befindet.

Auch unter Leiharbeitern in Deutschland wird die Diskussion über die eigene Situation befeuert.

https://de-de.facebook.com/igleiharbeit/posts/731748137017372
https://gdabetriebsgruppe.netzwerkit.de/2017/11/25/leihkeule-aktiv-in-wolfsburg/
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Kuddel


Beiträge: 10131


« Antworten #124 am: 25. November 2017, 12:51:18 »

Ich habe beim Googeln herausgefunden, daß obiger Artikel "Gleicher Lohn?" aus dem Donaukurier auch eine besondere Bedeutung hat.
Der Donaukurier ist die Tageszeitung von Ingolstadt und in Ingolstadt ist der größte Produktionsstandort von Audi mit 37.400 Mitarbeitern. Audi produziert auch in dem besagten Werk in Changchun.
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