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Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 140927 mal)
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Kuddel


Beiträge: 10295


« Antworten #150 am: 06. Dezember 2017, 16:54:52 »




Zitat
Verhaftung
VW-Leiharbeiter in China brauchen kämpferische Solidarität

Seit über einem Jahr dauert der Protest chinesischer Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in dem Automobilwerk FAW-VW Automotive Co. Ltd. in Changchun im Nordosten Chinas gegen die jahrelange ungleiche Bezahlung gegenüber der Stammbelegschaft.


Gegen ihren Protest ging die Polizei vor und verhaftete drei Sprecher der Leiharbeiter. Einer ihrer Vertreter, Fu Tianbo, ist seither in Haft - ihm soll in Kürze der Prozess wegen „Verstoß gegen das Versammlungsrecht“ gemacht werden.

Am 15. Juli schrieben die Leiharbeiter einen Offenen Brief an den VW-Vorstand, den Welt- und Europa-Betriebsrat mit der Bitte zur Unterstützung ihrer Forderungen.

Bitte um Unterstützung abgewimmelt

Jetzt haben Bernd Osterloh und Frank Patta im Namen des Weltbetriebsrats den Kolleginnen und Kollegen geantwortet: Der Weltbetriebsrat könne die Vorwürfe aus China nicht verifizieren. "Dennoch möchten wir Ihnen nahelegen, für den Fall einer abweichenden Bewertung der Situation durch Sie - etwa aufgrund anderweitiger Erkenntnisse - Ihr Anliegen über das eigens bei Volkswagen für solche Fälle eingerichtete 'Hinweisgebersystem' vorzubringen bzw. - der chinesischen Gesetzeslage entsprechend - bei den hierfür zuständigen Stellen in China zu artikulieren."¹

Damit wimmelt der Weltbetriebsrat die Kolleginnen und Kollegen ab und verweigert die notwendige und selbstverständliche Organisierung der Solidarität. Dies ist ein Schlag ins Gesicht jedes Gewerkschaftsmitglieds.

Gewerkschaftliche Solidarität - jetzt erst recht

Die Organisierung der gewerkschaftlichen Solidarität mit den Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern bei FAW-VW in Changchun muss zu einem festen Bestandteil des Kampf zur Übernahme der Leiharbeiter in den VW Betrieben werden!
https://www.rf-news.de/2017/kw49/uebernahme-der-leiharbeiter-bei-vw-in-china-und-hier
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Kuddel


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« Antworten #151 am: 06. Dezember 2017, 19:06:16 »

Neues von der VW Mafia:

Zitat



Nach dem Abgasbetrug: Frontalangriff auf den VW-Betriebsrat

Im Gespräch mit dem HANDELSBLATT (30.11.2017) offenbart Volkswagens Anführer, Herbert Diess, seine tiefe Abneigung gegenüber der Mitbestimmung, dem Betriebsrat und der IG Metall. Den Betriebsrat erklärt er zu einer mächtigen Institution im Unternehmen und als solchen gleich mitverantwortlich für Stillstand, Kadavergehorsam und mehr Reformbedarf, „als mancher vielleicht wahrhaben möchte“.

„Alles wird ruppiger“, sagt Diess auf die Frage nach der Zukunft der Autoindustrie in Deutschland. Es müsse schneller entschieden werden und dafür brauchen die Manager Freiräume – in der Logik der Argumentation ist das der Ruf nach dem Ende der Mitbestimmung der Beschäftigten und ihrer betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung. Wenngleich im Betrieb die Demokratie abgebaut wird, so soll zumindest das Image stimmen: Die Mobilität würde neu erfunden und „demokratisiert“ – so die wohlfeile Einvernahme der tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen für die Legitimation von Maximalprofiten für die Eigentümer. Autos müssten „Spaß machen“ und „die Intelligenz des Autos“ würde zum Wettbewerbsfaktor – das alles wird als modern und innovativ von dem VW-Markenboss verkauft, und ist doch nur ein dritter Aufguss der Benzin-im-Blut-Ideologie von Porsche-Enkel Ferdinand Piëch. Dieser wird von Diess denn auch über den Klee gelobt: „Piëch ist für mich jemand, der Unglaubliches geleistet hat. Erst bei Porsche, dann bei Audi und später im gesamten Konzern.“ Ganz im Sinne der Profiterwartungen dieser Großeigentümer bedauert er, dass es ihm in Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall nicht gelungen ist, alle Leiharbeiter vor die Tür zu setzen: „Bei der Auseinandersetzung um die Weiterbeschäftigung der Leiharbeitskräfte hätten wir für das Unternehmen eine andere Lösung gebraucht.“

25 Prozent Produktivitätssteigerung trotz 70 Milliarden Euro Gewinnrücklagen!


Neben dem direkten Angriff auf den „mächtigen“ Betriebsrat greift er indirekt, über Bande sozusagen, nochmals an: „Die Mitbestimmung ist gesetzt und ein hohes Gut. Die Frage ist, wie integer und diszipliniert beide Seiten damit umgehen. … Wir brauchen bis 2020 in Deutschland eine Produktivitätssteigerung von 25 Prozent. Das ist für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend. Allein das ist schon eine riesige Herausforderung für einen Betriebsrat. … Meine Kritik geht in eine andere Richtung. Das Management hat sich in der Vergangenheit aufgrund der Machtverhältnisse bei VW zu sehr mit den Verhältnissen abgefunden und abgewartet. Was sagt Herr Piëch, was der Betriebsrat? Das ist eindeutig zu wenig. Es gab so etwas wie vorauseilenden Gehorsam. Dadurch fehlte in der Führungsmannschaft zu oft die gestalterische Auseinandersetzung. Darüber rede ich mit dem Management. Wir müssen stärker gestalten und uns einbringen. Wenn das nicht passiert, ist es völlig verständlich, dass sich der Betriebsrat diesen Platz nimmt.“ So umschmeichelt er den Betriebsrat und rügt das Management und kündigt den Schulterschluss mit der Gewerkschaft auf: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Management sei „überraschend hoch“.

Herbert Diess, in München geboren, von 1977 bis 1989 studiert (Dipl. Ing) und promoviert (Dr. Ing.), danach sieben Jahre bei der Robert-Bosch GmbH in verschiedenen Funktionen tätig, von 1996 bis 2015 bei BMW bis zum Vorstandsmitglied aufgestiegen, seit Juli 2015 Vorstand bei Volkswagen und Chef der Marke VW PKW.

Die WIRTSCHAFTSWOCHE weiß schon im Juni 2015 zu berichten: Der Manager verdankt den neuen Top-Job, den er auch antrat, weil er bei BMW das Rennen um die Nachfolge von Konzernchef Norbert Reithofer gegen Produktionsvorstand Harald Krüger verlor, seinem Ruf als Kostendrücker. Seiner Bestellung sollen mehrere persönliche Treffen mit Winterkorn und Ferdinand Piëch, bis April Aufsichtsratschef des Konzerns, vorangegangen sein.

Trotz 70 Milliarden Gewinnrücklagen: Personalabbau und Arbeitsverdichtung


Am 17.11.2017 berichtete Volkswagen über eine positive Zwischenbilanz nach einem Jahr „Zukunftspakt“. In den ersten 10 Monaten des Jahres 2017 seien bereits 1,9 Milliarden Euro eingespart worden – nur bei der Marke Volkswagen! Auch bei der Altersteilzeit sei das Unternehmen „auf Kurs“: „Das Ziel für 2020 ist bereits zu 94 Prozent erreicht.“ Ab 2020 sollen 25 Prozent Produktivitätserhöhung zu einem „positiven Ergebniseffekt von jährlich 3,7 Milliarden Euro führen und die Marke deutlich effizienter und wettbewerbsfähiger machen.“ Vom jährlichen „Ergebniseffekt“ (Profitsteigerung) von 3,7 Milliarden Euro sollen 3 Milliarden Euro von den deutschen Standorten erbracht werden, insgesamt sollen, ebenfalls an den deutschen Strandorten, 23.000 direkte Arbeitsplätze bei VW abgebaut werden.

Personalvorstand Karl-Heinz Blessing, einst Bundesgeschäftsführer der SPD, erklärt: „Ein Kernelement des Zukunftspaktes ist die personelle Transformation. Hier sind wir sehr gut unterwegs. Wir erreichen das Altersteilzeit-Ziel für 2020 von insgesamt 9.200 unterschriebenen Verträgen bereits Ende 2017, wir setzen die Stellenreduktion in nicht zukunftsfesten Aufgaben fort und fahren die Leiharbeit zurück.“

Es ist absehbar, dass die Situation bei VW nicht nur für die Beschäftigten  strssiger wird, sondern auch für den Betriebsrat. Der muss sich dann bald entscheiden, ob er die Aufkündigung der Sozialpartnerschaft durch das Management des Porsche-Piëch-Clans an- und ernstnehmen oder die Linie des Co-Managements fortsetzen will.
http://stephankrull.info/2017/12/03/nach-dem-abgasbetrug-frontalangriff-auf-den-vw-betriebsrat/

Zitat
Es ist absehbar, dass die Situation bei VW nicht nur für die Beschäftigten  strssiger wird, sondern auch für den Betriebsrat. Der muss sich dann bald entscheiden, ob er die Aufkündigung der Sozialpartnerschaft durch das Management des Porsche-Piëch-Clans an- und ernstnehmen oder die Linie des Co-Managements fortsetzen will.
Das ist aber wieder klassisches Gewäsch eines Gewerkschaftslinken. Es ist jetzt schon klar, wie der Betriebsrat sich entscheidet. Er hat sich schon entschieden.
« Letzte Änderung: 06. Dezember 2017, 19:10:50 von Kuddel » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #152 am: 09. Dezember 2017, 03:33:15 »

Auch die Outgesourcten in Wolfsburg wehren sich vielleicht allmählich. Sehr schön, dass es das Unternehmen Schnellecke trifft, den größten Profiteur einer durch und durch korrupten, verfilzten und speichelleckerischen Lokalpolitik. Rolf Schnellecke war jahrelang Bürgermeisterfritze von Wolfsburg.

Zitat
8.12.17
Mitarbeiter legen die Arbeit befristet nieder

Im Tarifstreit wird bei Schnellecke gestreikt.

In der 4. Verhandlungsrunde der Tarifverhandlungen für das Speditions- und Logistikgewerbe in Niedersachsen wurde keine Einigung erzielt. Die Verdi-Verhandlungskommission wertete das von den Arbeitgebervertretern vorgelegte Angebot in einer Mitteilung als Provokation. Zur Verdeutlichung der eigenen Position gab es eine Arbeitsniederlegung bei der Schnellecke Logistics Verpackung GmbH in Fallersleben. Sie legten ab der Frühschicht die Arbeit nieder. Dadurch sei die End- und Beladung ins Stocken geraten und Automobilteile für Übersee und das russische Werk Kaluga hätten nicht verpackt werden können. „Es ist enttäuschend, dass die Arbeitgeber die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen nicht schätzen“, wird Sven Paschke, Verdi-Gewerkschaftssekretär aus Wolfsburg, zitiert.

Konkret bemängeln die Gewerkschaftsvertreter, dass das Angebot der Arbeitgeber Rückschritte und Absenkungen im Einstiegsentgelt um rund 10 Prozent beinhalte. Käme es so, betrüge der Einstiegslohn in der untersten Entgeltgruppe 9,25 Euro die Stunde. Man erwarte in der nächsten Verhandlungsrunde am 12. Dezember „ein tragfähiges Angebot“.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212777411/Mitarbeiter-legen-die-Arbeit-befristet-nieder.html
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hansdampf27


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« Antworten #153 am: 10. Dezember 2017, 10:43:34 »

Dass VW einen Troll hierher sendet, der versucht, die Deutungshoheit zu erhalten oder den Sprengmeister spielt, war zu erwarten. Mich verwundert, dass es ein Neonazi ist.
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BGS
Polarlicht


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« Antworten #154 am: 10. Dezember 2017, 14:07:23 »

So bleibt die Tradition gewahrt.

Zitat
,,, . Visionen var att folkbilen --- . Den 24 februari 1936 var de första prototyperna klara, ritade och byggda i Ferdinand Porsches privata garage.
... . 1938 fick bilen sin slutgiltiga form i den förserie - VW 38 - som då visade för allmänheten. Den 26 maj 1938 lades grundstenen till Volkswagenwerk.
...

Quelle: https://sv.wikipedia.org/wiki/Volkswagen

MfG

BGS
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http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
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Kuddel


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« Antworten #155 am: 10. Dezember 2017, 14:29:12 »

fick bilen sin slutgiltiga form i den förserie - VW

Schweinkram.  cheesy
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Rudolf Rocker
Waldkauz


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WWW
« Antworten #156 am: 10. Dezember 2017, 14:48:19 »

Igitt!! Shocked
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Nao


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« Antworten #157 am: 11. Dezember 2017, 10:50:40 »

Es funktioniert der grenzüberschreitende Austausch. Die Informationen über den Protest in Wolfsburg verbreiteten sich schnell unter den VW-Leiharbeitern in Changchun. Es gab ihnen Auftrieb darin, ihren Kampf fortzuführen. Der NDR Bericht ist auch Chinesisch übersetzt worden. Die Leiharbeiter sagen, daß VW lügt und den Unterschied zwischen den Löhnen verschweigt. Im Gegensatz zu den Stellungnahmen dem NDR gegenüber, hat sich die Situation der Leiharbeiter nicht verbessert. Im Gegenteil, einige der kämpfenden Arbeiter wurden bedroht, andere stehen unter ständiger Überwachung.

Es ist ein kleiner Protest in den kommenden Tagen in Hongkong geplant, denn in Hongkong sind die Möglichkeiten der Meinungsäußerung und des Protests besser als in Festlandchina. Die Repression im Land hat schlimme Ausmaße angenommen.
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Fritz Linow


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« Antworten #158 am: 11. Dezember 2017, 17:10:35 »

Zitat
5.12.17
Solidarität mit den Leiharbeitern bei VW Changchun/China

Kassel, 2. Dezember 2017: Die bundesweite Delegiertenversammlung der Internationalen Automobilarbeiterkoordination hat folgende Resolution beschlossen:

Wir, die 28 Teilnehmer des Treffens der Internationalen Automobilarbeiterkoordination in Deutschland, erklären uns solidarisch mit dem Kampf Hunderter Leiharbeiter im VW-Werk Changchun, das im Joint-Venture mit First Automotive Works (FAW) betrieben wird.

Nach 10 Jahren mit Zeitarbeitsverträgen und Niedrigstlöhnen fordern sie die Übernahme aller 3000 Leiharbeiter im Werk Changchun zu VW. Sie berichten über schonungslose Ausbeutung der Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen und das sich der VW-Konzern die Forderungen der Arbeiter jahrelang nicht einmal angehört hatte. Seit Ende 2016 tragen sie ihren Protest immer wieder mit Kundgebungen vor der Fabrik oder den Behörden in die Öffentlichkeit und genießen damit größte Sympathie unter den Automobilarbeitern Chinas.

Aus Angst, dass solch ein Funke einen Flächenbrand verursacht, reagiert die chinesische Regierung mit brutaler Härte, verbietet Kundgebungen und nahm im Mai 2016 die gewählte drei Sprecher der Leiharbeiter fest. Ai Zhenyu und Wang Shuai wurden nach sieben Tagen wieder freigelassen. Fu Tianbo wird bis heute unter dem Vorwand im Gefängnis festgehalten, er habe gegen das Versammlungsrecht verstoßen und die soziale Ordnung gefährdet.

Es ist von größter Bedeutung, dass die Arbeiter sich durch die Repression der chinesischen Behörden nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil, sie prangern auch die Zusammenarbeit des VW-Konzerns mit den Behörden an, der mit erfundenen und falschen Vorwürfen erst eine Basis dafür gegeben hat, dass die Arbeiter verhaftet wurden.

Wir fordern die sofortige Freilassung Fu Tianbos aus dem Gefängnis und die vollständige Aufklärung der Unterdrückung kämpferischer Arbeiter durch VW in Zusammenarbeit mit den Behörden !

Wir fordern die Anerkennung der berechtigten Forderungen! Übernahme aller Leiharbeiter bei VW Changchun zu VW und Entschädigung für jahrelange Lohnverluste!

Wir fordern den Gesamtbetriebsrat auf, seine Position zu korrigieren, er könne nichts für die Arbeiter tun und wolle aufgebautes Vertrauen zur chinesischer Regierung nicht gefährden (nach ndr.de 24.11.). IG Metall und Weltbetriebsrat müssen alle gewerkschaftlichen und betrieblichen Möglichkeiten sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Gewerkschaftsverbänden für die Freilassung Fu Tianbos und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der chinesischen VW-Arbeiter einsetzen!

Wir schicken solidarische und kämpferische Grüße an unsere Klassenbrüder in China und versichern Euch, dass wir Euren Kampf in Deutschland, im Mutterland des VW-Konzerns, in zahlreichen Werken des VW-Konzerns bekannt machen werden!

http://www.iaar.de/index.php/de/startseite/26-deutsche-kategorien/konzerne/vw/586-solidarit%C3%A4t-mit-den-leiharbeitern-bei-vw-changchun-china.html
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Fritz Linow


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« Antworten #159 am: 11. Dezember 2017, 23:27:03 »

Zitat
07.12.2017
Bei VW in China werden die Rechte von Leiharbeitern missachtet

Internationalismus als Herrschaftstechnik


Der VW-Konzern verstößt in China gegen die Rechte von Leiharbeitern. Die Beschäftigten wandten sich an ihre Kollegen in Deutschland – doch die deutschen Arbeitnehmervertreter lassen die Arbeiter in China im Stich. (...)
https://jungle.world/artikel/2017/49/internationalismus-als-herrschaftstechnik
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BGS
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« Antworten #160 am: 12. Dezember 2017, 12:44:32 »


Adolf Hitler legt den Grundstein der KdF Volkswagenfabrik. Rechts aussen ist Ferdinand Porsche.

Quelle: https://sv.wikipedia.org/wiki/Volkswagen
MfG

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Nao


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« Antworten #161 am: 13. Dezember 2017, 12:59:32 »

Der Konzernbetriebsrat in Deutschland läßt durchblicken, daß er wegen der sensiblen Situation in China Geheimverhandlungen führt und die Forderungen der Leiharbeiter nahezu umgesetzt seien. Die Leiharbeiter in Changchun zeichnen ein entgegengesetztes Bild: Sie sagen, die Situation habe sich verschlechtert. Die Leiharbeitsstellen, die ersetzt werden sollen, werden duch schlimmere Ausbeutungsforem (Praktika) ersetzt. Von VW angebotene Ersatzarbeitsplätze gibt es zumeist in weit entfernten Städten und sind an die Bedingung verknüpft, auf eine Klage zur Einforderung der Unterschlagenen Löhne schriftlich zu verzichten. Zum Jahreswechsel sollen viele Leiharbeiter ihren Job verlieren. Es wäre somit an der Zeit, der Verbreitung von Unwahrheiten durch Konzern und Betriebsrat, eine Beschreibung der Situation durch die betroffenen Arbeiter in Changchun entgegenzustellen.

Doch genau das ist nicht einfach. Die Chinesischen Behörden haben mitbekommen, daß es einen direkten Informationsaustausch zwischen China und Deutschland gibt, vorbei an Gewerkschaft und Institutionen. E-Mails und Soziale Medien werden überwacht. Die Polizei hat den Arbeitern offen gedroht, sie würden es bereuen, wenn sie es wagten, sich an ausländische Medien zu wenden. Unter diesen Bedingungen dürfte es kaum möglich sein, eine Stellungnahme der Arbeiter zu bekommen.

-edit-
Während ich diese Zeilen tippte, ist eine Mail eingetroffen. Die Arbeiter haben sich in scharfen Worten geäußert. Eine vernünftige Übersetzung könnte ein wenig dauern. Es wird damit der nächste Schritt in der Auseinandersetzung eingeläutet, die in Deutschland geführt werden muß. Es geht um die zynische Konzernpolitik und das gewerkschaftliche Stillhalten, das dieses Vorgehen des Konzerns erst möglich macht.
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Nikita


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« Antworten #162 am: 14. Dezember 2017, 01:25:11 »

Dann müssen Aktionen in D ausgeweitet werden und auch die zwielichtige Stellung des Betriebsrats deutlich hervorgebhoben werden.
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Fritz Linow


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« Antworten #163 am: 14. Dezember 2017, 07:09:51 »

Zitat
14.12.17
VW-Event in Brasilien wird PR-Desaster

Eine für heute geplante Veranstaltung von Volkswagen in São Paulo entwickelt sich offenbar zum PR-Desaster. Das Unternehmen wollte im Rahmen der Vorstellung einer wissenschaftlichen Studie auf ehemalige Arbeiter zugehen, die in der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur (1964 bis 1985) von VW ausspioniert und dem Regime ausgeliefert worden waren. Sie seien jedoch im Unklaren gelassen worden, sagen die Arbeiter, was VW tatsächlich plante - und sagten ihre Teilnahme ab. Eine hochrangige VW-Delegation aus Wolfsburg kommt nach NDR Informationen nun anscheinend ebenfalls nicht.
(...)
Statt an der Veranstaltung teilzunehmen, werden die ehemaligen VW-Arbeiter also vor den Werkstoren demonstrieren und ein Plakat hochhalten, auf dem steht: "VW macht eine Feier, die Arbeiter wollen Gerechtigkeit".
(...)
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Event-in-Brasilien-wird-PR-Desaster-,vwdobrasil154.html
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Kuddel


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« Antworten #164 am: 14. Dezember 2017, 12:59:48 »

Ich habe erfahren, daß bei der VW Betriebsversammlung in Hannover die Situation der Kollegen in Changchun zur Sprache gebracht worden ist.
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Fritz Linow


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« Antworten #165 am: 15. Dezember 2017, 00:26:26 »

Volkswagen zieht einen Schlussstrich unter die infamen Foltervorwürfe in Brasilien und geht frischen Mutes unter Wahrung der Menschenrechte voran (Symbolbild vom 14.12.17):


https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212856921/Historiker-Kopper-entlastet-die-VW-Fuehrung.html
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Nao


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« Antworten #166 am: 15. Dezember 2017, 17:59:05 »

Heute gab es eine Aktion vor dem Volkswagen Center in Hongkong.
Hier der gerade online gegangene Bericht:

Zitat
The Fate of Volkswagen Dispatch Workers in China



 Hong Kong Labor groups demanding fair treatment for Volkswagen’s dispatch workers in China (15/Dec/2017).
 
“Shame on You, Volkswagen!’ ‘Treat workers fairly!”

For any of workers, wherever they live, whichever their colour, sex or race, are always facing exploitation as a wage-slavery capitalism. This not only happens in Southeast Asia known as a heaven for cheap-labor, but also workers in China also experiencing injustice treatment.

In northern part of China in Chang Chun province, more than 3,000 workers employed as dispatch workers—the similar terms with outsource workers applied in Indonesia. These workers are employed via the agency works to produce Volkswagen brand automobile for more than 10 years without job security and decent living.

Working with no security, it is reported that their contract will be terminated at the end of the year, while the contract renewal will be difficult for the workers. Moreover, the workers are treated discriminatively by the FAW Volkswagen company in China, that the payment for dispatch workers only half of the amount paid to the permanent workers and not entitled with the permanent workers’ benefit.

According to statement released by Globalization Monitor and HK Confederation of Trade Unions, the company has violated both of its mother company (Volkswagen Group) and China Labor Law. In Article 63, it is stipulated that the dispatch workers entitled to the same pay as received by employees of the accepting entity for the same work. In addition, Article 66 already stated that the dispatch workers services shall normally be used for temporary, auxiliary or substitute positions


Demand responsibility from Volkswagen

Apart of the law, Volkswagen Group also released the Charter on Temporary Work, that concerns about dispatch workers in 2012. The Charter stated that the dispatch workers is entitled to the same pay and fair treatment as with the permanent workers. The number of dispatch workers also are limited not exceeds 5% from the total number of the workers.

However, FAW Volkswagen has been making profit by exploiting the dispatch workers. According to the statement, the company employed dispatch workers far more than the 5% limit. It could be said that the company as one of the biggest car manufacturing in China is enjoying the fruits of cheap labor.

While the workers try to demand their rights since November 2016, one of the labor activist was detained in May 2017 and awaiting for trial. Fu Tianbo, the labor activist, was accused for disrupting public order by leading and organizing workers’ protest for fair wage and treatment.


HKCTU organizer Ming is delivering a speech in front of Volkswagen showroom in Wanchai, Hong Kong

The Hong Kong local labour groups organized the protest trying to support the Chinese workers’ struggle. Organized in one of the Volkswagen showrooms in Wanchai, Hong Kong Island, the participants were delivering speeches to urge the company to stop the exploitation against dispatch workers and to comply with the law.

The groups joining the protest consist of Asia Monitor Resource Centre (AMRC), Labour Education and Service Network (LESN), Globalization Monitor (GM), Labour Action China (LAC), Hong Kong Confederation of Trade Unions (HKCTU) and Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM) also urge for the immediate release of worker representative Fu Tianbo.

Contributor: Rizal Assalam

Adapted from: [Call for Action] Protest against the abusive use of dispatch workers at Changchun FAW-Volkswagen and the suppression of workers' rights. Released by Globalization Monitor and Hong Kong Confederation of Trade Unions
http://www.globalmon.org.hk/content/protest-against-abusive-use-dispatch-workers-changchun-faw-volkswagen-and-suppression
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Nao


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« Antworten #167 am: 15. Dezember 2017, 19:13:16 »

Hastige Übersetzung von mir:

Zitat
Das Schicksal der Volkswagen Leiharbeiter in China
15/12/2017

Hongkonger Arbeitergruppen fordern faire Behandlung für die Leiharbeiter von Volkswagen in China (15 / Dez / 2017).
 
"Schäm dich, Volkswagen!" "Behandle die Arbeiter fair!"

Jeder Arbeiter, egal wo er lebt, egal welcher Hautfarbe, Geschlecht oder Rasse, steht immer der Ausbeutung als Lohnsklave im Kapitalismus gegenüber. Dies geschieht nicht nur in Südostasien, bekannt als Paradies für billige Arbeit, sondern auch den Arbeitern in China, die ebenso Ungerechtigkeit erfahren.

Im nördlichen Teil Chinas in der Provinz Chang Chun arbeiteten mehr als 3.000 Arbeiter als Leiharbeiter - unter ähnliche Bedingungen wie bei Aushilfskräften in Indonesien. Diese Arbeiter werden über Leihagenturen beschäftigt, um Autos der Marke Volkswagen über mehr als 10 Jahre ohne festes Arbeitsverhältnis und jenseits eines menschenwürdigen Lebens zu produzieren.

Arbeiten ohne Jobgarantie, es wird berichtet, dass ihr Vertrag am Ende des Jahres gekündigt wird, während eine Vertragsverlängerung für die Arbeiter schwierig wird. Darüber hinaus werden die Arbeiter von der FAW-Volkswagen-Gesellschaft in China diskrimiert, indem die Bezahlung für Leiharbeiter nur die Hälfte des an den festangestellten ArbeiterInnen gezahlten Lohns neträgt und ohne deren Versorgungsleistungen.

Laut einer Stellungnahme des "Globalization Monitor" und des Hongkonger-Gewerkschaftsbundes hat das Unternehmen sowohl gegen seine Muttergesellschaft (Volkswagen Group) als auch gegen das chinesische Arbeitsrecht verstoßen. In Artikel 63 ist festgelegt, dass die Leiharbeiter Anspruch auf den gleichen Lohn haben wie Arbeitnehmer der entsprechenden Stelle für die gleiche Arbeit. Darüber hinaus ist in Artikel 66 festgelegt, dass die Leiharbeitseinsätze normalerweise für Hilfs- oder Vertetungsarbeiten genutzt werden sollen.

[Foto]
Fordere Verantwortlichkeit von Volkswagen!

Unabhhängig vom Arbeitsrechzt hat die Volkswagen-Gruppe auch die Charta der Zeitarbeit veröffentlicht, die 2012 die Leiharbeiter betrifft. Die Charta besagt, dass die Leiharbeiter Anspruch auf die gleiche Bezahlung und faire Behandlung wie die festangestellten Mitarbeiter haben. Die Anzahl der entsandten Arbeitnehmer darf ebenfalls nicht mehr als 5% der Gesamtzahl der Beschäftigten betragen.

FAW Volkswagen profitiert jedoch von der Ausbeutung der Leiharbeiter. Laut der Aussage beschäftigt das Unternehmen weit mehr Leiharbieter als die auf 5% gesetzte Grenze. Man kann sagen, dass das Unternehmen als einer der größten Automobilhersteller in China die Früchte billiger Arbeit genießt.

Während die ArbeiterInnen seit November 2016 versuchen, ihre Rechte einzufordern, wurde einer der Arbeiteraktivisten im Mai 2017 festgenommen und wartet auf einen Prozess. Fu Tianbo, der Arbeiteraktivist, wurde beschuldigt, die öffentliche Ordnung gestört zu haben, indem er den Protest der Arbeiter für gerechte Entlohnung und Behandlung angeführt und organisiert habe.

[Foto]
HKCTU (Gewerkschaftsbund Hungkong) Veranstalter Ming hält eine Rede vor dem Volkswagen Showroom in Wanchai, Hong Kong

Die lokalen Arbeitergruppen in Hongkong organisierten den Protest, der versucht, den Kampf der chinesischen Arbeiter zu unterstützen. Die Teilnehmer, die in einem der VW-Showroom in Wanchai auf der Insel Hongkong organisiert wurden, hielten Reden, um das Unternehmen zu drängen, die Ausbeutung der Arbeiter der Leihunternehmen zu stoppen und das Gesetz einzuhalten.

Die Gruppen, die sich dem Protest anschlossen, sind das Asia Monitor Resource Center (AMRC), das Labour Education and Service Network (LESN), Globalization Monitor (GM), Labour Action China (LAC), der Hongkonger Gewerkschaftsbund (HKCTU) und Studenten und Wissenschaftler gegen Unternehmensunrecht (SACOM), die auch die sofortige Freilassung der Arbeitervertreters Fu Tianbo fordern.

Beitrag: Rizal Assalam

Übernommen von: [Aufruf] Protest gegen den missbräuchlichen Einsatz von Leiharbeitern bei FAW-Volkswagen in Changchun und gegen die Unterdrückung von Arbeiterrechten. Veröffentlicht von Globalisierungsmonitor und dem Gewerkschaftsbund Hong Kong.


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« Antworten #168 am: 17. Dezember 2017, 19:45:57 »

Zitat
Am gestrigen Samstag um 14 Uhr, pünktlich zum Ende der Sonder-Frühschicht, begann eine Protestversammlung gegen die geplante Entlassung der 200 Leiharbeiterinnen und -arbeiter vor Tor 17 in Wolfsburg. Es war bereits die fünfte Protest- und Kampfaktion binnen weniger Tage.



Noch nicht zu spät!

'Ist es zu spät den Kampf aufzunehmen? Nein – egal was dabei rauskommt, er hilft denen, die nach uns kommen!', so ein Aktiver aus Hannover. Ein Sprecher der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz verlas einen Bericht aus Changchun/China, wo ebenfalls Leiharbeiter um ihre Existenz kämpfen.

Die Versammlung beschloss: 'Unsere heutige Protestversammlung bei VW in Wolfsburg gegen die Entlassung von Zeitarbeitern grüßt ihre Kollegen in Changchun/China. Unser Kampf muss gemeinsam geführt werden! Nehmt Kontakt auf zur Internationalen Automobilarbeiterkonferenz!'
 
Internationale Solidarität hat alle stolz gemacht
https://www.rf-news.de/2017/kw50/kampfaktion-der-zeitarbeiterinnen-und-zeitarbeiter-bin-wolfsburg




Der verlesene Bericht zu Changchun/China stammte von der Zeitung Die Leihkeule und kann hier nachgelesen werden:

Zitat
Solidaritätserklärung der Redaktion der LEIHKEULE, unabhängige Zeitung der Leiharbeiter

Wir verfolgen das Geschehen bei VW mit großem Interesse und wir gratulieren zu eurem mutigen Schritt, den Kampf aufzunehmen und selbst euer Recht einzufordern. Leiharbeiter leisten die gleiche Arbeit wie die Stammbeschäftigten, doch sie werden in vielerlei Beziehung benachteiligt. Nicht nur finanzielle Nachteile, auch das Herumgeschobenwerden zu verschiedenen Einsatzorten und die fehlende Jobsicherheit, bedeuten eine große Beeinträchtigung im Leben.

VW ist berüchtigt für den zynischen Umgang mit seinen Beschäftigten. Gerade ist das Ergebnis der Studie veröffentlicht worden, in  der die Verstrickungen des Konzerns in die Verbrechen der Militärdiktatur in Brasilien untersucht wurde.  Der VW-Werkschutz hat mit Brasiliens Politischer Polizei zusammengearbeit und ist gegen aufmüpfige Arbeiter vorgegangen.

Es scheint, daß die Ermittlungen gegen den Konzern und die öffentliche Kritik, keine Auswirkung auf die Unterrnehmenspolitik von VW haben.

Profite stehen über Menschenrechten. Auch heute.


Im chinesischen Changchun wird im FAW-VW Werk das Arbeitsrecht gebrochen, indem man 3000 Leiharbeiter seit über 10 Jahren mit der Hälfte des Lohnes der Stammbelegschaft abspeist. Dies widerspricht nicht nur den Chinesischen Arbeitsgesetzen, sondern auch der Charta der Leiharbeit, die von Konzern und Gesamtbetriebsrat unterzeichnet worden ist.

Ähnlich wie in Brasilien arbeitet VW mit den Behörden des autoritären Landes zusammen. Die Sprecher der Leiharbeiter wurden auf ihrem Weg ins Personalbüro, wo sie ihre Forderungen vortragen wollten, festgesetzt und in den Räumlichkeiten des Werkes festgehalten bis sie in Polizeigewahrsam kamen. Nach 8 Monaten ist der gewählte Sprecher der Leiharbeiter, Fu Tianbo noch immer in Haft.

Die Vorsitzende des Europäischen Betriebsrats Frank Patta und der Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh antworteten auf einen Brief der Kollegen in China und erklärten, sie wüßten nichts von solchen Vorgängen und sie fühlten sich nicht zuständig.

Als die deutsche Presse nachhakte, ließ der Betriebsrat erklären, man hätte in Geheimverhandlungen die Probleme in dem Werk Changchun weitgehend geklärt. Wir haben dierekte Kontakte zu den Leiharbeitern dort und sie versicherten uns, dies entspreche nicht der Wahrheit. Die Situation der Leiharbheiter in Changchun sei nun noch schwieriger als zuvor.

Sie sehen sich von dem Betriebsrat in Deutschland in Stich gelassen, sind aber nicht bereit aufzugeben. Sie setzen auf ihre eigene Kraft und die Solidarität unter Arbeitern. Sie zeigen auch großes Interesse an den Auseinandersetzungen der Leiharbeiter bei VW in Deutschland.

Wir bemühen uns um einen grenzüberscheitenden Austausch über das Geschehen.

Wir schicken euch zu eurem berechtigten Protest solidarische Grüße und werden dazu beitragen, daß euer Protest gehört wird!

Wir unterstützen eure Forderung nach der Rücknahme der Kündigung der 200 Kollegen!

Wir fordern faire Behandlung der Arbeiter und die Einhaltung des Arbeitsrechts in allen VW Werken weltweit!

Wir fordern die Abschaffung der Leiharbeit!

Freiheit für Fu Tianbo!!
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Nao


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« Antworten #169 am: 19. Dezember 2017, 14:01:45 »

Auf der Seite Borderless - Hongkong befindet sich der Text im Chinesischen Original.
 https://borderless-hk.com/2017/12/18/勞團抗議長春一汽大眾剝削派遣工 要求釋放工人/

Wenn man auf die englischsprachige Version klickt, erhält man nur eine Googleübersetzung:

https://translate.google.com/translate?hl=&sl=auto&tl=en&u=https%3A%2F%2Fborderless-hk.com%2F2017%2F12%2F18%2F%E5%8B%9E%E5%9C%98%E6%8A%97%E8%AD%B0%E9%95%B7%E6%98%A5%E4%B8%80%E6%B1%BD%E5%A4%A7%E7%9C%BE%E5%89%9D%E5%89%8A%E6%B4%BE%E9%81%A3%E5%B7%A5%E3%80%80%E8%A6%81%E6%B1%82%E9%87%8B%E6%94%BE%E5%B7%A5%E4%BA%BA%2F&sandbox=1

Also bitte nicht wundern, wenn meine Deutschübersetzung zu frei ist oder holpert:

Zitat
Labour-Aktivisten-Protest  wegen der Ausbeutung der Leiharbeiter bei FAW Volkswagen Changchun forderte die Freilassung des Arbeitervertreters Futian Bo



Die Gewerkschaft, die NGO Globlalisation Monitor und Hongkonger Arbeiteraktivistengruppen,  protestierten heute Morgen im Volkswagen Center in Wan Chai wegen der Leiharbeiter bei FAW Volkswagen in Changchun und der Verletzung mehrer chinesischer Arbeitsgesetze. Die Gruppe forderte die Arbeitgeber auf, mit den Arbeitern zu verhandeln, die Ausbeutung der Arbeiter zu beenden und den inhaftierten Arbeiter Fu Tianbo sofort freizulassen. Da eine offizielle Annahme einer Petition verweigert wurde, betraten die Demonstranten den Geschäftsraum (Showroom) zwecks Protests und Kommunikation.

Es wird erwartet, dass mehr als 3.000 Leiharbeiter innerhalb eines Jahres in Peking Petitionen einreichen

Es wird davon ausgegangen, dass die mehr als 3.000 Leiharbeiter der FAW-Volkswagen-Gruppe in Changchun in der Provinz Jilin, die Ende letzten Jahres begonnen haben, kollektive ihre Rechte einzufordern,  "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" mit den Stammarbeitern fordern. Der Situation ist seit mehr als einem Jahr ungeklärt und die Mehrheit der Leiharbeitsverträge wird am Ende des Jahres auslaufen. Es ist schwierig, diese Verträge zu erneuern. Daher sagten einige Arbeiter, sie würden nach Peking gehen, um Gerechtigkeit zu suchen.

"Langzeitarbeiter" erhalten nur die Hälfte eines Equal Pay[??]

Diese Leihrbeiter sind seit mehr als einem Jahrzehnt bei FAW-Volkswagen beschäftigt, aber ihre Gehälter sind nur halb so hoch wie bei normalen Arbeitern und genießen nicht die gleichen Privilegien. Schon länger wurde öffentlich angeprangert, daß gegen eine Reihe chinesischer Arbeitsgesetze verstoßen worden ist, einschließlich Artikel 63: "Entsandte Arbeiter haben das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit mit Arbeitern der Stammbelegschaft." Artikel 66: "Der Leiharbeitseinsatz ist eine ergänzende Form und kann nur für eine befristete, unterstützende oder alternative Arbeit angewendet werden" und Artikel 9 der vorläufigen Bestimmungen zur Leiharbeit: "Kein Arbeitgeber soll die entsandten Arbeitnehmer diskriminieren".

Gewerkschaft: Mitarbeiter, die seit 10 Jahren nicht übernommen worden sind, sind illegal

In seiner Rede im Namen des Gewerkschaftsverbandes fügte Lin Zuming hinzu: "Nach dem chinesischen Gesetz wird ein Arbeitnehmer, der einen Vertrag für drei Jahre verlängert, automatisch zum "Festangestellten". "Für den Zeitraum von mehr als zehn Jahren haben die Arbeiter jedoch noch nicht den Status eines "Festangestellten" erworben. "Offensichtlich gegen Vertragsrecht." Er wies auch darauf hin, dass bei FAW-Volkswagen die Muttergesellschaft Volkswagen ist, so dass die Muttergesellschaft für die Ausbeutung und das Verhalten ihrer Mitarbeiter verantwortlich ist.

Globalisation Monitor (GM): Arbeitgeber dürfen nicht mehr als 5% Leiharbeiter einsetzen


Liu Yanna, ein globaler Inspektionsbeauftragter, sagte, FAW-Volkswagen verstoße gegen die 2012 von ihrer Muttergesellschaft unterzeichnete Charta der Arbeitsverhältnisse der Volkswagen-Gruppe. Die Charta besagt, dass entsandte Arbeitnehmer das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit genießen  und dass der Anteil der Arbeiter, die in jede Fabrik entsandt werden, nicht mehr als 5% beträgt. Die Anzahl der entsandten Arbeiter in dem Changchun-Werk war jedoch weit höher als diese Zahl. Liu hielt eine Rede, in der er die Arbeitgeber aufforderte, nicht gegen Arbeiter vorzugehen. Drei Arbeitervertreter, Fu Tianbo, Ai Zhenyu und Wang Shuai, wurden von den Sicherheitskräften inhaftiert. Ai Zhenzi und Wang Shuai wurden jedoch auf Kaution entlassen, aber Fu Tianbo befindet sich immer noch in Haft.
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« Antworten #170 am: 21. Dezember 2017, 13:48:52 »

“In der chinesischen Stadt Changchun protestieren Leiharbeiter seit über einem Jahr gegen ihre diskriminierenden Arbeitsbedingungen. Für ihre Aktionen vor dem Werkstor und die Organisierungsbemühungen über soziale Medien sehen sie sich scharfer Repression ausgesetzt. Auf Unterstützung deutscher Betriebsratsprominenz warten sie bislang vergeblich. Den Beitrag aus dem China Labour Bulletin vom 8. November 2017 ergänzen wir um einen aktuellen Nachtrag zu den weiteren (Nicht-)Entwicklungen…” Übersetzung von Stefan Schoppengerd und Anmerkungen, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit: Ausgabe 12/2017:

Zitat
Wir bereuen nichts…

Der Kampf bei VW Changchun geht auch nach einem Jahr weiter


Anfang November 2016 reichten hunderte Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen, einem chinesisch-deutschen Joint Venture in der nordöstlich gelegenen Stadt Changchun, zusammen mit dem chinesischen Gewerkschaftsbund ACFTU eine Klage ein, mit der sie gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen wollen. Einige von ihnen, die durch Leiharbeitsfirmen im Auftrag von FAW-VW angestellt sind, hatten da bereits über zehn Jahre für die Firma gearbeitet, gaben aber an, nur halb so viel Lohn zu erhalten wie die direkt bei VW angestellten ArbeiterInnen.

Anfänglich gab es großen Optimismus, dass der Streit beigelegt werden könnte. Die ArbeiterInnen wählten drei Repräsentanten, Fu Tianbo, Ai Zhenyu und Wang Shuai, um sie in den Verhandlungen mit dem Management zu vertreten. Die Arbeitgeberseite – FAW-VW und die Leiharbeitsfirmen – zeigte Bereitschaft, am anderen Ende des Verhandlungs­tisches Platz zu nehmen, und die kommunale Gewerkschaftsvertretung war zusammen mit den Gewerkschaftsvertretern des lokalen Industriegebiets ebenfalls zu einer Beteiligung an den Gesprächen bereit.

Ein Jahr später allerdings warten die 3.000 LeiharbeiterInnen in der Autofabrik immer noch darauf, mit ihren Forderungen Gehör zu finden. Ihr Kollege und Repräsentant Fu Tianbo sieht sich juristischer Verfolgung als Rädelsführer einer »Menschenmenge zur Störung der öffentlichen Ordnung« ausgesetzt, und die Konzernmutter Volkswagen hat sich fürs Wegsehen entschieden. Ein Arbeitskonflikt, der auf dem Verhandlungsweg hätte gelöst werden können, hat sich jetzt in einen Kriminalfall verwandelt, und die offizielle Gewerkschaft scheint es versäumt zu haben, ihre Arbeit zu machen und die ArbeiterInnen tatsächlich zu vertreten.

Die FAW-VW-ArbeiterInnen begannen ihre Equal Pay-Kampagne Ende 2016, als die zweijährige Übergangsphase zur Anpassung an die chinesischen »Interimsbestimmungen zur Leiharbeit« von 2014 ausgelaufen war und ihr Arbeitgeber die rechtlich vorgeschriebenen Anpassungen zur strengen Begrenzung der Leiharbeit immer noch nicht vorgenommen hatte.

In den sozialen Medien behaupteten die ArbeiterInnen, dass FAW-VW sowohl gegen chinesisches Recht als auch gegen die VW-Selbstverpflichtung den MitarbeiterInnen gegenüber verstoße. Sie machten ihre Hausaufgaben und konnten deutlich machen, wie das Unternehmen mehrere Artikel des chinesischen Arbeitsvertragsrechts verletzte: Artikel 63 stellt fest: »Leiharbeiter sollen das Recht auf gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit wie Direktan­gestellte haben«. Artikel 66 sieht einen ausschließlich ergänzenden Einsatz von Leiharbeit vor; sie soll nur auf »provisorischen, ergänzenden oder substitutiven Positionen« Anwendung finden. Einige der LeiharbeiterInnen waren wie Fu Tianbo für ein Jahrzehnt oder länger auf qualifizierten Positionen in der Kern-Produktion beschäftigt, zum Beispiel in der Verlötung.

Neben den Lohnunterschieden machten die LeiharbeiterInnen geltend, dass sie oft schärferen Disziplinarmaßnahmen ausgesetzt sind, nicht den gleichen Krankenversicherungsschutz genießen, keinen Überstundenausgleich haben und keine der zusätzlichen Sozialleistungen der Festangestellten erhalten. Zusammen mit einer Liste der Rechtsbrüche des Unternehmens postete Fu Tianbo für seine KollegInnen ein Musterschreiben mit Forderungen an das Unternehmen: Er verlangte eine Entschädigung von 1,3 Mio. Yuan (heute ca. 166.000 Euro, der Übers.) für Jahre der Lohndiskriminierung und die Unterzeichnung offizieller Arbeitsverträge mit FAW-VW.

Internationale Nachrichtenagenturen und insbesondere deutsche Medien griffen die Geschichte auf und halfen so dabei, den Druck auf VW zur Berücksichtigung der Anliegen aus Changchun zu erhöhen. Die ArbeiterInnen beriefen sich auf das Globale Rahmenabkommen zur Zeitarbeit bei VW von 2012 und verdeutlichten das Versagen des Unternehmens bei der Einhaltung von Equal Pay, bei der Eingliederung in die Stammbelegschaft nach einer bestimmten Zahl von Vertragsverlängerungen und bei der Begrenzung des prozentualen Anteils von LeiharbeiterInnen an der Gesamtbelegschaft des Unternehmens.

Die ArbeiterInnen und Gewerkschaftsleute ließen sich auf zwei Verhandlungsrunden mit dem Management ein. Außerdem brachten sie ihr Anliegen vor das Komitee zur Schlichtung von Arbeitskonflikten in Changchun und später auch ihren Arbeitgeber vor Gericht. Leider führten die Verhandlungen nicht zu positiven Ergebnissen. Ihr Schlichtungsgesuch wurde ignoriert, und ihre Klage ging im Sumpf der Justiz unter. Obendrein wurden ihre Proteste von Polizeischikanen begleitet. Im Mai 2017 wurden ihre Vertreter verhaftet. Ein Jahr nach dem Start ihrer Kampagne wurde ihre Internetpräsenz von chinesischen Zensoren gelöscht.

Gleichwohl waren die ArbeiterInnen nicht allein in ihrem einjährigen Kampf für Gerechtigkeit: Den FAW-VW-ArbeiterInnen wurden Solidaritätserklärungen von IG Metall-Betriebsräten und von den französischen Gewerkschaften CGT und Force Ouvrière zuteil; auch eine kleine, aber profilierte Gruppe aus den Reihen der G20-Proteste in Hamburg zeigte ihre Unterstützung (im Original findet sich an dieser Stelle ein Verweis auf die Internetseite www.chefduzen.de externer Link).

Die ArbeiterInnen richteten auch direkte, öffentliche Aufrufe an VW und den VW-Betriebsrat in Deutschland, sich mit den Gesetzesverstößen in China zu befassen und sich für die Freilassung von Fu Tianbo einzusetzen. In einem zweisprachigen chinesisch-deutschen Brief betonten sie: »Das Verhalten von FAW-Volkswagen stellt eine schwerwiegende Verletzung der in China bestehenden Gesetze und Verordnungen dar! Darüber hinaus verstößt das Verhalten gegen zahlreiche Grundsätze und Inhalte der ›Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern‹.«

In einer Antwort vom 7. August 2017 behauptete die VW-Gruppe, die 49 Prozent ihres weltweiten Gewinns vor Steuern auf dem chinesischen Automarkt macht, dass »Beschäftigte von Subunternehmen nach dem gleichen Schema bezahlt werden wie die Kernbelegschaft« und dass das Unternehmen sich alle Mühe gebe, »eine beiderseitig akzeptable Lösung zu finden.«

Die ArbeiterInnen selbst sagen, dass es keinerlei Anzeichen für irgendwelche Bemühungen von VW gibt, im Sinne einer allseits akzeptablen Lösung in den Konflikt zu intervenieren. Darüber hinaus steht die versäumte Anerkennung der Tatsache, dass ein Belegschaftsvertreter inhaftiert wurde, nachdem er seine Rechte als Repräsentant wahrgenommen hatte, in schroffem Gegensatz zur Verpflichtung des Unternehmens auf Anerkennung von Mitbestimmungsrechten und auf ein »offenes, konstruktives und kooperatives Konfliktmanagement« im Umgang mit Anliegen der Beschäftigten.

Drei Wochen später machte VW sogar noch einen größeren Schritt rückwärts: Am 25. August nahm das Unternehmen für sich in Anspruch, nur Minderheitseigner des Joint Ventures in Changchun und daher nur begrenzt verantwortlich für den Fall zu sein. Stattdessen wurden die ArbeiterInnen schlicht ermuntert, ihr Anliegen bei den zuständigen Stellen in China vorzubringen.[1]

Nichtsdestotrotz gibt es noch Hoffnung für die ArbeiterInnen und auch die Gelegenheit für die offizielle Gewerkschaft, ihre Legitimität und das Vertrauen der LeiharbeiterInnen zurückzugewinnen. Trotz der fehlgeschlagenen Intervention und der erfolglosen Verhandlungsrunde könnte die Gewerkschaft ihre institutionellen Ressourcen noch sinnvoll einsetzen, indem sie Rechtsbeistand für Fu Tianbo gewährt und seiner baldigen Freilassung den Weg bereitet. Das würde den Schwerpunkt wieder dorthin verlagern, wo er hingehört: auf einen Arbeitskonflikt, nicht auf einen Kriminalfall.

Zugleich könnte Changchun dem Beispiel des Gewerkschaftsbundes in Shenzhen auf dem Höhepunkt der Kampagne von Walmart-Beschäftigten gegen flexible Arbeitszeiten folgen, indem der Standpunkt der ArbeiterInnen bei FAW-VW eingenommen wird. Die Gewerkschaft in Changchun sollte sich von ihrer distanzierten, neutralen Haltung verabschieden und auf die rund 3.000 LeiharbeiterInnen zugehen, sich ihre Anliegen sehr genau anhören und eine neue Runde von Tarifverhandlungen voranbringen.

Gleichzeitig warten die LeiharbeiterInnen immer noch auf das Wiedersehen mit Fu Tianbo. In einem zwischenzeitlich gelöschten Social Media-Beitrag schrieb ein Arbeiter im Juli: »Lasst Bruder Tianbo wissen, dass wir alle auf seine Freilassung warten, lasst ihn wissen, dass wir seinen Schmerz nachempfinden. Wir stehen solidarisch zusammen, egal wie lang wir zusammen gearbeitet haben. Unser gemeinsamer Kampf und Bruder Tianbos persönliches Opfer werden nicht vergeblich sein. Am Ende bekommen wir vielleicht nicht alles, was wir fordern, aber wir werden es nie bereuen, zusammen gekämpft zu haben!«

    Quelle: http://www.clb.org.hk/content/one-year-struggle-continues-volkswagen-workers-changchun externer Link
    Übersetzung: Stefan Schoppengerd


Nachtrag

Ende November kam nochmal etwas Bewegung in die Angelegenheit, als FAW-VW behauptete, den meisten Leiharbeitern eine Festanstellung angeboten zu haben. Dazu eine Zusammenfassung aus dem Portal www.chefduzen.de externer Link vom 27. November 2017:

FAW-VW hat den Leiharbeitern 2400 feste Arbeitsplätze angeboten, wie es offiziell in einem Rekrutierungsdokument vom Juni als Zugeständnis an den Arbeiterprotest heißt. Erstens ist es für die Leiharbeiter problematisch, dass sich davon nur 500 Arbeitsplätze in Changchun befinden, wo sie vor gut zehn Jahren für den Job hingezogen sind. Die anderen Jobs sind in verschiedenen anderen Städten, wobei sich die ArbeiterInnen verpflichten sollen, in Zukunft nicht nach Changchun zurückzukehren. Zweitens müssen die ArbeiterInnen eine Verzichtserklärung unterschreiben für eine evtl. Entschädigung für die unrechtmäßig vorenthaltenen Löhne, wenn sie den Job annehmen. Und drittens ist die Jobvergabe nicht frei von weiteren Bedingungen: Die ArbeiterInnen befürchten, dass der Prüfungs- und Auswahlprozess mit Korruption verbunden sein könnte. Das Angebot würde  jedoch viele Leiharbeiter zu Stammbeschäftigten machen und spaltet dementsprechend die Protestierenden.

Es muss betont werden, dass die meisten Leiharbeiter seit mehr als zehn Jahren in der Fabrik arbeiten. Und tatsächlich hat FAW-VW seit 2008 aufgehört, »entsandte« Arbeiter anzuwerben. Stattdessen haben sie »Outsourcing« -Arbeitskräfte als Temporärkräfte genutzt. Das ist nur vom Namen her etwas anderes, um so das Arbeitsgesetz zu umgehen. Und sie haben damit neue, flexiblere und billigere temporäre Arbeitskräfte – durch die Arbeit von Studierenden (PraktikantInnen)! Auch deshalb behauptet FAW-VW, dass es künftig nur noch 500 ZeitarbeiterInnen geben werde.

Und ein letzter Punkt: VW reagiert bislang in keiner Weise auf die Verhaftung von Fu Tianbo. Und dies, obwohl der Gewerkschafter im Gebäude des Unternehmens eingesperrt wurde, als die Arbeiter versuchten, die Leute aus dem Personalbüro zu finden, um ihnen die Fehler im Umgang mit ihren Rechten und ihrer Bezahlung zu erklären. Das Unternehmen kann nicht einfach der Regierung die Schuld in die Schuhe schieben.

Anmerkung:

1          Anders als im Text des China Labor Bulletin behauptet, handelt es sich bei diesem »Schritt rückwärts«, also bei dem Schreiben vom 25. August, nicht um eine Stellungnahme des Unternehmens. Die zwei Unterzeichner des abschätzigen, knapp einseitigen Briefes sind Bernd Osterloh und Frank Patta als Vertreter des Euro- und Weltkonzernbetriebsrates von VW. Osterloh ist freilich in erster Linie deutscher Gesamtbetriebsratsvorsitzender. Das Schreiben findet sich bei labournet.de (Anm. d. Übers.)

http://www.labournet.de/?p=125696
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Nao


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« Antworten #171 am: 22. Dezember 2017, 16:02:19 »

Aktuelle News aus China:

FAW-VW bot gestern überraschend den Leiharbeitern einen Arbeitsvertrag an, der allen Arbeitern in Changchun eine Übernahme als Stammbeschäftigte einräumt. In dem Vertrag heißt es jedoch wörtlich, "Alle Streitigkeiten über Zahlungen, Leistungen und andere Fragen wurden von beiden Seiten einvernehmlich gelöst, als der neue Vertrag abgeschlossen wurde." FAW-VW gab den Arbeitern nur einen Tag Zeit, um zu entscheiden, ob sie den Vertrag unterschreiben oder den Job verlieren. Unzufriedenheit der Arbeiter mit Vertrag und mit solch einem plötzlichen Vorgehen machte sich bemerkbar und viele sind sehr wütend darauf.

Die Übernahmemöglichkeit in die Stammbelegschaft hatten die Leiharbeiter nicht mehr erwartet und sehen es als Ergebnis ihres hartnäckigen Kampfes und der internationalen Solidarität. Man muß auch davon ausgehen, daß VW sich gezwungen sah, zu reagieren auf die Ankündigung, 3000 Leiharbeiter würden im nächsten Jahr eine Petition in Peking einreichen, wegen der illegalen Diskriminierung bei FAW-VW. Die Behörden und Gerichte in der Hauptstadt gelten als weniger korrupt als in den Provinzen und so gab es die realistische Chance, daß der Konzern zur Nachzahlung der unterschlagenen Löhne und weiteren Leistungen verurteilt worden wäre. Der Passus der einvernehmlichen Einigung soll das ausschließen.
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« Antworten #172 am: 23. Dezember 2017, 16:01:09 »

Wat ätzend..

Neuvertrag und alles vorherige vergessen oder Job los.  Angry
Und Fu Tianbo darf jetzt als "Bauernopfer" im Knast sitzen oder wie ?



 
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Nao


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« Antworten #173 am: 23. Dezember 2017, 21:28:00 »

Ein Update mit aktuellen Details:

Nahezu alle haben den Vertrag unterschrieben, mit Ausnahme von 5 Arbeitern, die sich geweigert haben. Dazu gehören die gewählten Sprecher der Arbeiter, Fu Tianbo, Ai Zhenyou und 3 andere der Gruppe der Protestierenden. Mehr als 900 Arbeiter haben eine feste Anstelltung bekommen.

Für die 900 bedeutet es eine Verdoppelung ihres Lohnes, zusätzliche Sozialleistungen und eine bisher nicht gekannte Jobsicherheit.
Man kann ihnen die Unterschrift unter dem Vertrag nicht vorwerfen.

Aber Volkswagen muß man vorwerfen, daß der Konzern mit diesem "Entgegenkommen" 10 Jahre Lohnbetrug zu legalisieren versucht!

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Kuddel


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« Antworten #174 am: 26. Dezember 2017, 16:22:46 »

Zitat
Volkswagen
Angst bei VW: Weniger Gehalt und keine Boni für Betriebsratschef Osterloh




    VW hat kurz vor Weihnachten überaschend die Gehälter von 14 Betriebsräten teils radikal gekürzt und Boni vorerst ausgesetzt.
    Der Grund: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt, ob der Autokonzern Betriebsratschef Osterloh zu viel bezahlt und so Firmengeld veruntreut hat.
    Die SPD hatte im Sommer 2017 in der Bundesregierung versucht, die Vorschriften für die Bezahlung von Betriebsräten zu lockern, war aber an der Union gescheitert.

Wendet man die Maßstäbe des höchsten deutschen Arbeitsgerichts auf Volkswagen an, dann dürften die dortigen Manager-Gehälter für Betriebsräte schwer zu rechtfertigen sein.

VW-Chef Müller und seine Kollegen reagierten aber weder Anfang des Jahres, als die Erfurter Richter urteilten, noch im Frühjahr, als die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Osterloh bekannt wurden, noch im Sommer, als die SPD mit ihrem Vorstoß scheiterte. Sondern erst im Herbst, nach einer Razzia wegen Osterlohs Bezügen in der Wolfsburger Konzernzentrale. In dieser Sache wird unter anderem gegen Personalvorstand Karlheinz Blessing und dessen Vorgänger Horst Neumann ermittelt, nicht gegen Osterloh. Insgesamt sechs aktive und frühere Vorstandsmitglieder von VW haben bereits ein Aktenzeichen, die meisten von ihnen wegen der Abgasaffäre. Und gegen den Vorstand der Ingolstädter VW-Tochter Audi läuft ein Bußgeldverfahren.

So schlimm war das für den Autohersteller nicht einmal während der Rotlichtaffäre um Lustreisen von Betriebsräten im vergangenen Jahrzehnt gewesen.

Das Gesetz besagt, Belegschaftsvertreter dürften finanziell weder bevorzugt noch benachteiligt werden.

Bei einer Anhörung zum Arbeitsrecht im Juni im Bundestag hat der Sachverständige Franz Josef Düwell die Politik aufgefordert, zu handeln. Es sei ein Unding, wenn sich jemand über den Betriebsrat emporgearbeitet habe, auf Augenhöhe mit dem Vorstand verhandele, "dann aber auf das Gehalt eines Maschinenschlossers zurückfällt". Es gelte zu berücksichtigen, welche Erfahrungen und Qualifikationen der betreffende Beschäftigte durch seinen Job im Betriebsrat dazugewonnen habe. Düwell war zehn Jahre lang Vorsitzender Richter beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Düwells Vorschlag entsprach den Wünschen der SPD und der Gewerkschaften, fiel aber bei CDU/CSU durch.
aus: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-angst-bei-vw-weniger-gehalt-und-keine-boni-fuer-betriebsratschef-osterloh-1.3804455
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