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Autor Thema: Filz und Korruption bei VW  (Gelesen 207234 mal)
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Nao


Beiträge: 139


« Antworten #250 am: 16. Juli 2018, 11:33:13 »



In einer Rezension des Buches "Arbeitskämpfe in Chinas Autofabriken" fand auch die Aktion vor dem VW-Werk Hannover eine kurze Erwähnung in der knappen Beschreibung des Kampfes der Leiharbeiter in Changchun:
Zitat
Es wurden Flugblätter angefertigt, Demonstrationen durchgeführt und Kundgebungen abgehalten. Verhandlungen mit FAW-Volkswagen führten jedoch zu keinem Ergebnis. Im Mai 2017 wurden mehrere AktivistInnen von der örtlichen Polizei unter dem Vorwurf festgenommen, zu sozialen Unruhen anzustiften. Sie schrieben an den VW-Konzern in Wolfsburg, an den Betriebsrat wie auch an Ralf Ruckus, der die Schreiben übersetzte. Dann kam erst einmal lange keine Antwort, bis schließlich zwei Betriebsräte des europäischen und des Weltbetriebsrats von VW, darunter der berüchtigte Bernd Osterloh - medial bekannt geworden für seine sechsstelligen Einkünfte als Betriebsrat - zurückschrieben, wir können euch leider nicht helfen, richtet euch doch an das lokale Unternehmen und die Behörden. Daraufhin postete einer der Leiharbeiter online: "Den Deutschen ist es egal. Wir müssen selber kämpfen!" Ende des Jahres 2017 übernahm FAW-Volkswagen die meisten LeiharbeiterInnen als direkt Beschäftigte, zahlte aber keine Entschädigung für die Zeit vorher. Dabei ging es teilweise um fünfstellige Euro-Summen, weil die Betreffenden jahrelang für den halben Lohn gearbeitet hatten. Einer der Aktivisten sitzt nun schon ein Jahr im Gefängnis, es gab kürzlich eine kleine Protestaktion vor dem VW-Werk in Hannover, um Unterstützung für seine Freilassung zu erwirken.


Diese Buchbesprechung gibt viele Einlicke in die chineschen Verhältnisse:
Zitat
China hat 1994/95 das deutsche Arbeitsrecht weitgehend übernommen, so daß die meisten rechtlichen Bedingungen ähnlich wie in Deutschland sind. Ein Unterschied ist jedoch, daß die meisten Gesetze in China eher also grobe Empfehlung verstanden werden, und dies nicht nur von den Unternehmern, sondern auch von den Beschäftigten. In der Realität leisten die meisten mehr als die offiziell vorgesehenen 36 Überstunden im Monat, und vor einigen Jahren haben viele sieben Tage die Woche gearbeitet, während es jetzt sechs sind. Auch gibt es sehr große regionale Unterschiede vor allem bei den Löhnen. In manchen Provinzen Zentralchinas verdienen die Leute nur halb so viel wie an der Küste, die Unterschiede im BIP sind so groß wie zwischen der Ukraine und der Schweiz.


Ich kann die Lektüre dieser ausführlichen Besprechung nur empfehlen:
http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/report/dbrb0077.html
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Fritz Linow


Beiträge: 1258


« Antworten #251 am: 21. Juli 2018, 18:34:18 »

Seit kurzem gibt es nun auch in Ruanda ein kleines Volkswagenwerk. Die dort zusammegebauten Autos sind unbezahlbar, darum geht es aber auch gar nicht. Volkswagen will laut Eigenaussage in Ruanda Mobilität verkaufen und vor allem neue Konzepte testen. Volkswagen hat dafür die Exklusivrechte erhalten, zum Beispiel wird Uber nicht in Ruanda zugelassen.
Das alles und mehr wird in einem Artikel der CDU-Parteizeitung taz wohlwollend beschrieben:
https://www.taz.de/VW-eroeffnet-Werk-in-Kigali/!5513939/

Ein kanadischer Professor und ehemaliger Berater Kagames sieht diese „fruchtbare“ Entwicklung etwas anders:

President Paul Kagame gave Rwanda to Volkswagen. Volkswagen will run Rwanda as taxi business. Volkswagen will own all cars and even hire drivers. (…) Very simply, Kagame gave Rwanda to Volkswagen to run a monopoly Uber type of scheme. Volkswagen will even employ the drivers, unlike Uber. Kagame threw over 500 Rwandan small businesses which run taxis under the bus. In Rwanda, each income earner supports eight dependents – meaning that Volkswagen is sending 4,000 people into poverty. Rwanda belongs to Volkswagen. Two questions remain unanswered: What is the kickback to Kagame? Is Kagame’s business empire, Crystal Ventures Ltd. somewhere in the background?
https://medium.com/@david.himbara_27884/kagame-gave-rwanda-to-volkswagen-a4993b464e68

Ein korrupter und despotischer Präsident hat das kleine Land an Volkswagen verkauft und Volkswagen kann nun machen, was es will.

Ein weiterer Grund für das preiswerte Engagement von Volkswagen in Ruanda, das schon einmal von der deutschen Kolonialmacht „profitieren“ durfte, könnte die Nähe zu den ostkongolesischen Konfliktgebieten sein, in denen die Konfliktmineralien abgebaut werden, die für die E-Mobilitätsoffensive überlebensnotwendig sind. Eigentlich ist es sogar sehr wahrscheinlich, da laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe eine 100%ige Unbedenklichkeit sowieso nicht geliefert werden kann und man deshalb tricksen muss, um die Spuren von Kinderarbeit und Ausbeutung zu verwischen. Da können die ruandischen Einflussmöglichkeiten nur nützlich sein.

Zu Ruanda:
Zitat
(...) Human Rights Watch überwacht die menschenrechtliche Situation in Ruanda bereits seit über 20 Jahren und beschreibt Folter und Misshandlung und die Straflosigkeit dieser menschenrechtlichen Vergehen als dauerhafte Probleme. Zwischen 2010 und 2016 seien unzählige, scheinbar gegen den Staat agierende Menschen unrechtmäßig verhaftet und während ihrer Haft durch Militärs oder Geheimdienstmitarbeiter gefoltert und misshandelt worden. (...)

https://oenz.de/ruanda/submission-committee-against-torture-rwanda

Bitterer Standpunkt zu den Präsidentschaftswahlen 2017:
https://oenz.de/sites/default/files/oenz-standpunkt_praesidentschaftswahl_in_ruanda_0.pdf

Propagandaartikel auf einer geisteskranken Seite von einem scheinbar geisteskranken Ex-Botschafter:
Zitat
...Paul Kagame sieht in Singapur sein Vorbild. All die Erfolge, die sich Singapur zugutehält – die fehlende Korruption, effiziente Bürokratie und Wirtschaft, Schutz der Umwelt – gehören auch zu den Zielen der Regierung Ruandas. Der Präsident schuf eine Leistungsgesellschaft, eine funktionierende Verwaltung und damit eine höhere Lebensqualität....
Nur einige notorisch-besserwisserische Kolumnisten versuchen die Politik des „aufgeklärten Autokraten“ Paul Kagame international herabzuwürdigen und relativieren die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge in Ruanda.
...Es fehlen grundlegende Freiheiten wie Presse- oder Versammlungsfreiheit. Auch gibt es keine offizielle Opposition. Aber das Positive überwiegt doch gewaltig...

https://www.achgut.com/artikel/ruanda_ein_leuchturm_fuer_ein_afrika

Zur angeblichen Korruptionsfreiheit:
http://www.therwandan.com/kagames-global-tour-continues-kagame-and-crystal-ventures-laughing-to-the-bank/

Zu den blühenden Landschaften:
https://qz.com/327694/why-i-quit-as-rwandan-president-paul-kagames-economic-advisor-tyranny-and-lies/

Soll sich doch jeder selber ein Bild machen, aber irgendetwas stimmt da nicht.



Die ganze Region ist so konfliktbeladen, dass für Außenstehende eine realistische Einschätzung kaum möglich ist.



« Letzte Änderung: 22. Juli 2018, 01:03:10 von Fritz Linow » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #252 am: 29. Juli 2018, 08:24:33 »

Neues von der VW Mafia:

Zitat
Ermittlungen gegen Winterkorn wegen angeblicher Steuerstraftaten

Gegen den früheren VW-Vorstandschef Winterkorn wird nun offenbar auch wegen des Verdachts auf Steuerstraftaten ermittelt.


Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" unter Berufung auf entsprechende Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig berichtet, geht es dabei um Überweisungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro auf Schweizer Konten während der vergangenen beiden Jahre. Dafür fällige Steuern sollen nicht bezahlt worden sein. Winterkorns Anwalt wies das zurück.

Gegen Winterkorn wird bereits wegen des Dieselskandals bei Volkswagen ermittelt. Falls ihm in diesem Zusammenhang Pflichtverletzungen nachgewiesen werden können, müsste er möglicherweise auch mit seinem Privatvermögen für entstandene Schäden haften.
https://www.deutschlandfunk.de/zeitungsbericht-ermittlungen-gegen-winterkorn-wegen.2932.de.html?drn:news_id=908456
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Nao


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« Antworten #253 am: 08. August 2018, 14:29:45 »

Zitat
VW in China
Wegen Lohnprotestes in Haft

Fu Tianbo war Leiharbeiter von Volkswagen in China. Dann setzte er sich für faire Bezahlung ein. Das hatte zwar Erfolg, doch Fu sitzt für seinen Protest nun im Gefängnis.



Demonstration für den Leiharbeiter Fu Tianbo vor dem VW-Werk in Emden. Foto: Karsten Weber/Labournet

Wie viel Einfluss hat der Volkswagen-Konzern auf seinen chinesischen Partner FAW? Wofür sind die Manager bereit, sich mit den Machthabern in China anzulegen, dem profitabelsten Automarkt der Welt? Die Freiheit eines einzelnen Leiharbeiters ist hier offenbar kein größeres Engagement wert. Fu Tianbo ist jedenfalls immer noch in Haft. Der einfache Arbeiter hatte es im vergangenen Jahr gewagt, einen Protest für gleiche Bezahlung zu organisieren. Die Polizei nahm ihn fest und verhörte ihn zunächst auf dem Werksgelände, bevor sie ihn mitnahm und in eine Zelle steckte. Seitdem bangen seine Kollegen und seine Familie um sein Schicksal.

Der Fall Fu Tianbo ist typisch für die Lage in China. Die Machthaber dort hassen Lohnproteste und freie Gewerkschaften. Sie lassen nur eine Form der Arbeitervertretung zu: die Gesamtchinesischen Generalgewerkschaften unter dem Dach der Kommunistischen Partei Chinas (KPCH). Diese Megagewerkschaft hat mehr als 130 Millionen Mitglieder und ist vom Staat gesteuert. Im realen Sozialismus sei weiterer Schutz der Arbeiter überflüssig, behauptet die Partei. Schließlich regiere ja bereits das Proletariat. Doch die KPCH ist längst eine Organisation der Bosse. Wer höheren Lohn fordert, wer gar Kritik am Management übt, stört das System. Und macht sich strafbar.

VW hält sich für machtlos

Fu Tianbo war Leiharbeiter, also von einer Drittfirma an seinen Arbeitsplatz entsandt. Diese Beschäftigungsverhältnisse gelten überall auf der Welt als besonders unsicher. Auch in der nordostchinesischen Stadt Changchun – und auch bei der Firma FAW-VW, einem Gemeinschaftsunternehmen des Volkswagen-Konzerns mit dem chinesischen Staatsbetrieb FAW. VW gehören 40 Prozent daran, FAW 60 Prozent – das Unternehmen ist also chinesisch dominiert und spielt nach chinesischen Regeln. Gemeinsam bauten VW und FAW eines der größten Autowerke der Welt auf.

Die Stadt Changchun ist ein Moloch, eine wahre Industriehochburg. Am Stadtrand rosten Ruinen der schmutzigen Schwerindustrie aus der Mao-Zeit vor sich hin. Die Stadt ist immer noch viel zu häufig in Smog gehüllt. Hier liegt seit 1955 der Sitz von First Auto Works, dem ersten Kraftfahrzeugkombinat der Volksrepublik China. Damals rollten die ersten Modelle der robusten Lastwagen, die zu den Arbeitspferden der chinesischen Entwicklung wurden, vom Band.

Sechzig Jahre später geht es FAW weiterhin gut. Eigentlich ein verkrusteter Staatsbetrieb, ist das Unternehmen zugleich ein Massenhersteller beliebter Autos. Dank VW. Denn die Deutschen produzieren in Changchun zusammen mit FAW den Golf, den Audi A3 und viele andere beliebte Modelle. Für beide Seiten ist die Fabrik eine Goldgrube.

Fu Tianbo und die anderen Leiharbeiter waren überzeugt, dass ihr Protest gleich mehrfach gerechtfertigt sei. Sie stellten fest, dass sie nur ungefähr die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft erhielten. Doch sowohl das ab 2016 geänderte chinesische Arbeitsrecht als auch die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ sehen im Wesentlichen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit vor.

Doch das ist nur Theorie. Wenn ein Arbeitskampf den mächtigen Funktionären der Staatsbetriebe nicht passt, dann sitzen sie am längeren Hebel. Fu und seine Kollegen verhandelten sieben Runden lang mit dem Management und zogen sogar vor Gericht – vergeblich. Dann organisierten sie einen Protest vor dem Werkstor.

Wenig später folgte Fus Festnahme. Der konkrete Vorwurf lautet „Störung der öffentlichen Ordnung“ – ein Vergehen, das die Staatsmacht bemüht, wenn sie gegen Demonstranten vorgeht. Dennoch handelt es sich um eine konkrete Straftat nach chinesischem Recht. „Da es sich um den Vorwurf der Störung der öffentlichen Ordnung handelt, hat Volkswagen leider keine Möglichkeit, sich hier aktiv für den Arbeiter der Leiharbeitsfirma einzusetzen“, teilt ein VW-Sprecher der Frankfurter Rundschau mit. Nach der Festnahme von Fu hat Volkswagen zwar reagiert und die betroffenen Leiharbeiter zu fairem Lohn fest einstellen lassen. Doch für Fu konnte das Unternehmen angeblich nichts mehr tun.

Fus Fall ist nicht vergessen

Doch sein Fall ist nicht vergessen: 2500 Kilometer weiter südlich, in der Handelsstadt Hongkong, bangt ein anderer Arbeiteraktivist um Fus Schicksal. Han Dongfang ist 55 Jahre alt und leitet dort die Organisation China Labour Bulletin, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Volksrepublik stark macht. Als 26-jähriger Arbeiter hatte Han es schon im Jahr 1989 gewagt, eine freie Gewerkschaft zu gründen und auf bessere Bezahlung zu pochen.

Seine Gruppe marschierte bei den Tiananmen-Protesten mit – und fand sich nach deren blutiger Niederschlagung in der Rolle verfolgter Staatsfeinde wieder. „Der Fall Fu Tianbo ähnelt meinem insofern, als wir beide Arbeiter in großen Staatsbetrieben waren“, sagt Han. „Und die Arbeiter im Nordwesten haben weiterhin eine starke Identität als Arbeiterklasse, so wie wir sie damals hatten.“ Doch die Verhaftung Fus sei deutlich ungerechter. „Wir hatten damals durchaus politische Ambitionen, während es Fu und seinen Mitkämpfern wirklich nur um einen zum Leben ausreichenden Lohn geht.“

Han Dongfang appelliert an die für Volkswagen zuständigen Gewerkschaften und den Betriebsrat, sich weiterhin eindeutig für Fu einzusetzen. „Wir haben eine hochgradig verschränkte Weltwirtschaft, und was in Changchun passiert, tangiert auch die Anteilseigner des Volkswagen-Konzerns, darunter das Land Niedersachsen“, sagt der Hongkonger Aktivist. Eine Option könne sein, dass Betriebsratsvertreter darauf bestehen, Fu zu besuchen. „Es geht hier nicht um Politik“, betont Han. „Es geht aber um das Image von VW und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter weltweit.“
http://www.fr.de/wirtschaft/vw-in-china-wegen-lohnprotestes-in-haft-a-1558610
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Onkel Tom


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« Antworten #254 am: 08. August 2018, 16:11:37 »

Na das hat ja lange gedauert, das sich die "Normalo-Presse" dafür interessiert.  Roll Eyes
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Lass Dich nicht verhartzen !
Kuddel


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« Antworten #255 am: 09. August 2018, 08:42:00 »

Ich finde den Bericht hervorragend!

Es ist gut den Konzern nicht nur wegen des "Dieselskandals" zu kritisieren.
Es ist wichtig, daß Fu Tianbo nicht vergessen wird.
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Fritz Linow


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« Antworten #256 am: 16. August 2018, 07:05:39 »

Fast wortgleicher FR-Artikel nun auch aus Augsburg:
Zitat
15.8.18
Herr Fu hofft auf Freiheit: Warum ein VW-Leiharbeiter in Haft sitzt

Fu Tianbo hat für das deutsch-chinesische Unternehmen FAW-VW gearbeitet. Mit seinen Kollegen forderte er mehr Lohn - und kam dafür ins Gefängnis.
(...)
https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Herr-Fu-hofft-auf-Freiheit-Warum-ein-VW-Leiharbeiter-in-Haft-sitzt-id51933701.html
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admin
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Beiträge: 2323


« Antworten #257 am: 21. August 2018, 13:52:29 »

Der Artikel ist nun in den Stuttgarter Nachrichten erschienen:

Zitat
„Wir haben eine hochgradig verschränkte Weltwirtschaft, und was in Changchun passiert, tangiert auch die Anteilseigner des Volkswagen-Konzerns, darunter das Land Niedersachsen“, sagt der Hongkonger Aktivist. Eine Option könne sein, dass Betriebsratsvertreter darauf bestehen, Fu zu besuchen.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.arbeitskampf-bei-vw-in-china-kampf-fuer-mehr-lohn-endet-im-gefaengnis.249b7d48-abc8-499f-88d1-4eaf365282ce.html

Das Erscheinen in einem Stuttgarter Blatt ist wichtig, da dort Daimler und Porsche produzieren. Die Diskussion unter Automobilarbeitern wird so weiter befeuert.
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Nikita


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« Antworten #258 am: 21. August 2018, 15:32:58 »

Fullquot des Artikels:


Zitat
Arbeitskampf bei VW in China
Kampf für mehr Lohn endet im Gefängnis
Von Finn Mayer-Kuckuk 20. August 2018 - 17:20 Uhr

Changchun - Wie viel Einfluss hat der Volkswagen-Konzern auf seinen chinesischen Partner FAW? Wofür sind die Manager bereit, sich mit den Machthabern in China anzulegen? Allem Anschein nach nicht für die Freiheit eines einzelnen Leiharbeiters. Fu Tianbo ist jedenfalls immer noch in Haft. Der Arbeiter hatte es im vergangenen Jahr gewagt, einen Protest für gleiche Bezahlung zu organisieren. Die Polizei nahm ihn fest und verhörte ihn zunächst auf dem Werkgelände, bevor sie ihn mitnahm und in eine Zelle sperrte. Seitdem bangen seine Kollegen und seine Familie um sein Schicksal.

Der Fall Fu Tianbo ist typisch für die Lage in China. Den Machthabern sind Lohnproteste und freie Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Sie lassen nur eine Form der Arbeitervertretung zu: die Gesamtchinesischen Generalgewerkschaften unter dem Dach der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Diese Megagewerkschaft hat zwar über 303 Millionen Mitglieder, ist aber vom Staat gesteuert. Im realen Sozialismus sei weiterer Schutz der Arbeiter überflüssig, behauptet die Partei. Schließlich regiere ja bereits das Proletariat. Doch die KPCh ist längst eine Organisation der Bosse. Wer höheren Lohn fordert, wer gar Kritik am Management übt, stört das System und macht sich strafbar.

Fu Tianbo war von einer Drittfirma an seinen Arbeitsplatz entsandt
Fu Tianbo war Leiharbeiter, also von einer Drittfirma an seinen Arbeitsplatz entsandt. Diese Beschäftigungsverhältnisse gelten weltweit als besonders unsicher; auch in der nordostchinesischen Stadt Changchun – und auch bei der Firma FAW-VW, einem Gemeinschaftsunternehmen des Volkswagen-Konzerns mit dem chinesischen Staatsbetrieb First Auto Works, kurz FAW. VW gehören 40 Prozent daran, FAW 60 Prozent – das Unternehmen ist also chinesisch dominiert und spielt nach chinesischen Regeln. Dennoch bauten die beiden Firmen gemeinsam eines der größten Autowerke der Welt auf.

Changchun ist ein Indus­triemoloch. Am Stadtrand rosten Ruinen der schmutzigen Schwerindustrie aus der Mao-Zeit vor sich hin. Die Stadt ist meist in Smog gehüllt. Hier liegt seit 1955 der Sitz von FAW, dem ersten Kraftfahrzeugkombinat der Volksrepublik China. Damals rollten die ersten Modelle der robusten Lastwagen vom Band, die zu den Arbeitspferden der chinesischen Entwicklung wurden. Sechzig Jahre später geht es FAW weiterhin gut. Eigentlich ein verkrusteter Staatsbetrieb, ist das Unternehmen zugleich ein Massenhersteller beliebter Autos. Dank VW – denn die Deutschen produzieren in Changchun zusammen mit FAW den Golf, den Audi A3 und viele andere beliebte Modelle. Für beide Seiten ist die Fabrik äußerst lukrativ.

Der Vorwurf lautet „Störung der öffentlichen Ordnung“
Fu Tianbo und die anderen Leiharbeiter waren überzeugt, dass ihr Protest gleich mehrfach gerechtfertigt sei. Sie stellten fest, dass sie nur ungefähr die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft erhielten. Doch sowohl das ab 2016 geänderte chinesische Arbeitsrecht als auch die Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern sehen im Wesentlichen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit vor.

Doch das ist alles nur Theorie. Wenn ein Arbeitskampf den mächtigen Funktionären der Staatsbetriebe nicht passt, dann sitzen sie am längeren Hebel. Fu und seine Kollegen verhandelten sieben Runden lang mit dem Management und zogen sogar vor Gericht – vergeblich. Dann organisierten sie einen Protest vor dem Werktor.

Wenig später folgte Fus Festnahme. Der konkrete Vorwurf lautet „Störung der öffentlichen Ordnung“ – ein Vergehen, das die Staatsmacht bemüht, wenn sie gegen Demonstranten vorgeht. Dennoch handelt es sich um eine konkrete Straftat nach chinesischem Recht. „Da es sich um den Vorwurf der Störung der öffentlichen Ordnung handelt, hat Volkswagen leider keine Möglichkeit, sich hier aktiv für den Arbeiter der Leiharbeitsfirma einzusetzen“, teilt ein VW-Sprecher unserer Zeitung mit. Nach der Festnahme hat VW zwar reagiert und die betroffenen Leiharbeiter zu fairem Lohn fest einstellen lassen, doch für Fu konnte das Unternehmen nichts mehr tun.

„Es geht aber um das Image von VW und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter weltweit.“
Doch sein Fall ist nicht vergessen: 2500 Kilometer weiter südlich, in der Handelsstadt Hongkong, bangt ein anderer Arbeiteraktivist um Fus Schicksal. Han Dongfang ist 55 Jahre alt und leitet dort die Organisation China Labour Bulletin, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Volksrepublik starkmacht. Als 26-jähriger Arbeiter hatte Han es schon im Jahr 1989 gewagt, eine freie Gewerkschaft zu gründen und auf bessere Bezahlung zu pochen.

Seine Gruppe marschierte bei den Tiananmen-Protesten 1989 mit – und fand sich nach deren blutiger Niederschlagung in der Rolle verfolgter Staatsfeinde wieder. „Der Fall Fu Tianbo ähnelt meinem insofern, als wir beide Arbeiter in großen Staatsbetrieben waren“, sagt Han. „Und die Arbeiter im Nordosten haben weiterhin eine starke Identität als Arbeiterklasse, so wie wir sie damals hatten.“ Doch die Verhaftung Fus sei deutlich ungerechter. „Wir hatten damals durchaus politische Ambitionen, während es Fu und seinen Mitkämpfern wirklich nur um einen zum Leben ausreichenden Lohn geht.“

Han Dongfang appelliert an die für VW zuständigen Gewerkschaften und den Betriebsrat, sich weiterhin eindeutig für Fu einzusetzen. „Wir haben eine hochgradig verschränkte Weltwirtschaft, und was in Changchun passiert, tangiert auch die Anteilseigner des Volkswagen-Konzerns, darunter das Land Niedersachsen“, sagt der Hongkonger Aktivist. Eine Option könne sein, dass Betriebsratsvertreter darauf bestehen, Fu zu besuchen. „Es geht hier nicht um Politik“, betont Han. „Es geht aber um das Image von VW und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter weltweit.“
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Kuddel


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« Antworten #259 am: 25. August 2018, 10:13:33 »

Zitat
Changchun
Freiheit für den VW-Leiharbeiter Fu Tianbo in China

Im nordchinesischen Changchun begannen im Jahr 2016 Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen einen Kampf dafür, dass sie gleich bezahlt werden wie ihre festangestellten Kollegen. Leiharbeiter bekommen nur ungefähr die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft.


Von wb, Freitag,  24.08.2018,  16:00 Uhr


Am 26. Mai 2017 wurden drei Leiharbeiter bei einer Protestaktion vor dem Werkstor festgenommen, darunter der gewählte Sprecher Fu Tianbo, der seitdem in Haft ist. Für das sozialimperialistisches China, das sich wahrheitswidrig als sozialistisches Land gibt, sind solche Arbeiterkämpfe eine "Störung der öffentlichen Ordnung“.

Doch der mutige Kampf von Fu Tianbo und seinen Mitstreitern stößt auf Solidarität unter Arbeitern und fortschrittlichen Menschen in der ganzen Welt. Dabei spielt eine Rolle, dass der Kampf gegen Leiharbeit, die ein Druckmittel für die Stammbelegschaften und eine Methode der Überausbeutung ist, zu einem internationalen Problem geworden ist. Die Organisierung der Solidarität ist deshalb für die Internationale Automobilarbeiterkoordination (IAC) und für die MLPD  selbstverständlich.

Am 29. Mai 2018 fand eine Solidaritätsaktion vor dem VW-Werk in Hannover statt. Dass VW angeblich keine Möglichkeit sieht, sich für Fu einzusetzen, stieß bei den solidarischen Kollegen auf komplettes Unverständnis und Kritik. Die VW-Führung ist als Mitinhaber von FAW-Volkswagen vollständig mitverantwortlich.

Die Organisation „China Labour Bulletin“ mit Sitz in Hongkong fordert auch die IG Metall und den Betriebsrat auf, sich für Fu stark zu machen. Konkret wird gefordert, dass ein Vertreter des Betriebsrates den Kollegen im Gefängnis besucht. Ein solcher Akt der Solidarität müsste eigentlich selbstverständlich sein. Dass dies bislang der Weltbetriebsrat unter Führung von Bernd Osterloh mit Verweis auf fehlende Informationen und Beweise abwimmelt, darf nicht hingenommen werden.
https://www.rf-news.de/2018/kw34/freiheit-fuer-den-vw-leiharbeiter-fu-tianbo-in-china
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Kuddel


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« Antworten #260 am: 25. August 2018, 11:37:01 »

Nun ist der Artikel des FR Journalisten auch in Österreich angekommen.

Zitat
Wie viel Einfluss hat der Volkswagen-Konzern auf seinen chinesischen Partner FAW? Wofür sind die Manager bereit, sich mit den Machthabern in China anzulegen? Für die Freiheit eines einzelnen Leiharbeiters offenbar nicht. Fu Tianbo ist jedenfalls immer noch in Haft. Der einfache Arbeiter hatte es im vergangenen Jahr gewagt, einen Protest für gleiche Bezahlung zu organisieren. Die Polizei nahm ihn fest und verhörte ihn zunächst auf dem Werksgelände, bevor sie ihn mitnahm und in eine Zelle steckte.

Quelle: https://www.sn.at/politik/weltpolitik/wegen-lohnforderung-in-haft-39150274
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Nao


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« Antworten #261 am: 20. September 2018, 15:20:45 »

Der Kampf geht weiter!

Auch mit der Übernahme von 900 Leiharbeitern in die Stammbelegschaft ist es Volkswagen nicht gelungen, die Arbeiter zum Schweigen zu bringen. Selbst die gnadenlose Inhaftierung (bereits 16 Monate!) des Sprechers der Leiharbeiter, Fu Tianbo, hatte nicht die erhoffte abschreckende Wirkung. Es haben sich weitere Beschäftigte des VW Werks Changchun zum Protest erhoben.


Arbeiterprotest am 16. September vor dem Regierungsgebäude in Changchun.

Weitere Beschäftigte, die outgesourct für das FAW-Volkswagen Joint Vernture großteils seit 10 Jahren arbeiten, fordern nun auch "Equal Pay", den gleichen Lohn wie die Stammbeschäftigten.

Sie bitten um internationale Solidarität und hoffen auf ein Interesse deutscher Medien.



Es muß auch von Deutschland aus Druck auf den Konzern entwickelt werden!
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Nao


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« Antworten #262 am: 23. September 2018, 11:29:42 »

Auf den T-Shirts steht in etwa:

Vorn:
Wir bitten die Regierung um die Durchsetzung unseres Rechts.

Auf dem Rücken:
FAW zahlt nicht gleich für die gleiche Arbeit. Das Gericht nimmt die Klage der Arbeiter nicht an. Rückzahlung meiner Blut- und Schweißlöhne!

Im Sprechchor werden diese Parolen wiederholt.
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Fritz Linow


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« Antworten #263 am: 27. September 2018, 23:46:09 »

Schleimige und widerwärtige Propaganda aus Volkswagen (Auszüge):
Zitat
Diskutieren auf Augenhöhe: Im Doppelinterview für die VW-Betriebsratszeitung „Mitbestimmen“ sprachen Konzernchef Herbert Diess (l.) und Betriebsratsboss Bernd Osterloh über die Herausforderungen, Chancen und Ausflüge mit dem Motorrad.

Richtig gestritten haben wir ja selten. Und ich muss sagen: Im Endeffekt habe ich immer Recht behalten (beide lachen).

In vielen Themen haben wir sehr ähnliche Einschätzungen. Von daher sollte es uns gelingen, Konflikte gemeinsam zu bewältigen.

Osterloh: Wir haben nach wie vor unsere Meinungsverschiedenheiten. Aber die tragen wir nicht öffentlich aus. Wenn wir solche Diskussionen führen, dann unter vier Augen.

Diess: Wir müssen aber auch sehen, dass uns das System der Mitbestimmung manchmal bremst. Hier kommt es auf eine gute Balance an, alle Interessen müssen vernünftig berücksichtigt werden. Aber ich glaube, ich komme in dem System ganz gut zurecht.

Da kommt ja ins Spiel, was ich an der Mitbestimmung schätze: Denn der Vorteil mit den hier handelnden Personen ist, dass man unternehmerisch denkende Vertreter der Mitbestimmung hat.

blablabla
http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Konzernchef-Diess-An-die-Mitbestimmung-hier-musste-ich-mich-erst-gewoehnen

Wer so offensichtlich und plump versucht, eine Einheitsfront zu bilden, hat Dreck am Stecken, aber so was von…
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Nao


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« Antworten #264 am: 16. Oktober 2018, 12:23:09 »

Zitat
Chinesische Leiharbeiter, die das VW-„Angebot“ angenommen hatten, protestieren nun wegen fortgesetzter Diskriminierung



Chinesische Leiharbeiter, die das VW-„Angebot“ angenommen hatten, protestieren nun wegen fortgesetzter DiskriminierungÜber die Proteste, die beim VW-Werk in Changchun im September 2018 organisiert worden waren, hatte LabourNet Germany bereits berichtet (siehe unten). Zumindest, was die Solidarität mit dem immer noch inhaftierten Anti-Zeitarbeitsaktivisten Fu Tianbo betrifft, der immer noch im Gefängnis ist (oder, gerüchteweise, unter Hausarrest) – und das Thema gewerkschaftlicher Solidarität von der BRD aus dabei ausnahmsweise ausgespart, weil immerfort Peinlichkeiten berichten… In dem Bericht „Volkswagen workers in Changchun continue their fight for equal pay“ am 11. Oktober 2018 im China Labour Bulletin https://www.clb.org.hk/content/volkswagen-workers-changchun-continue-their-fight-equal-pay wird nun darüber informiert, dass es neben dieser Aktion im September auch eine weitere nun im Oktober 2018 gegeben hat – und dass Gegenstand des Protests nicht nur die Solidarität mit dem Inhaftierten war, sondern ein (weiterer) Betrug der VW-Geschäftsleitung (samt diverser Betriebsgewerkschaften rund um die Welt). Es haben jene – ehemaligen – Zeitarbeiter protestiert, die im Januar 2018 das „entscheide Dich jetzt, sofort, oder hau ab!“-Angebot (das man laut dem – Älteren noch bekannten – Gewerkschafter Marlon Brando „nicht ablehnen kann“) angenommen haben (wozu auch gehörte, Verträge zu unterschreiben, die in der Kürze der gesetzten Frist mit Sicherheit nicht gelesen werden konnten).  Sie sind nämlich schlicht übers Ohr gehauen worden – eingruppiert in die niedrigste Lohngruppe, verdienen sie weiterhin deutlich weniger, als Kollegen, die dieselbe Arbeit festangestellt machen. Bis auf eine kleine Minderheit hatten damals nahezu alle der 2017 mehrfach protestierenden 3.000 Zeitarbeiter dieses sogenannte Angebot akzeptiert – um in den folgenden 9 Monaten zu merken, dass sich faktich nichts geändert hat, weswegen jetzt erneut protestiert wird… Siehe dazu auch einen (chinesischen, mit Videos für Nichtversteher) Bericht über die neuen Protestaktionen im September und Oktober 2018 und den Hinweis auf unseren letzten Bericht zum Kampf der Leiharbeiter bei VW China:
http://www.labournet.de/?p=138589
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Fritz Linow


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« Antworten #265 am: 19. Oktober 2018, 23:36:57 »

Angesichts der heutigen Co-Managerlöhne der Volkswagenbetriebsräte wirkt die damalige Empörung von 1970 fast schon niedlich:
Zitat
Bericht aus dem VW-Werk:
Korrumpierung der Betriebsräte


Der Vorstand der Volkswagenwerke AG hat mit dem gesamten Betriebsrat mit Wirkung vom 1.7.70 folgende Betriebsvereinbarung getroffen:
Die Betriebsräte aller Werke werden ab 1.7.70 freigestellt.
Sie werden zum gleichen Zeitpunkt Monatslohnempfänger.
Ihr Grundlohn wird obligatorisch und ausnahmslos auf 1.850,- DM festgesetzt und nach oben und unten je nach Betriebszugehörigkeit und der Funktion innerhalb des Betriebsrats gestaffelt. Sie erhalten fernerhin alle pauschal 17 Überstunden pro Monat vergütet, die BR-Spitze darüber hinaus (Vorsitzender, Betriebsausschuß und Hallenbetriebsräte) eine zusätzliche Leistungszulage von 10 Prozent.

Im Einzelnen sieht damit die Entlohnung so aus:

Ein neugewähltes BR-Mitglied erhält sofort - alles in allem . 1650,- DM Mindestlohn, die Betriebsratsspitze 2393,- DM. Die Wertigkeit bzw. Lohneinstufung wird gemeinsam von dem BR-Vorsitzenden und dem Leiter der Sozialabteilung „ausgehandelt“!

2/3 aller Betriebsräte kommen sofort von ca. 1200,- DM Brutto auf 2035,- DM. Insgesamt liegt die Lohnerhöhung der Betriebsräte auf Anhieb zwischen 450,- und ca. 1000,- DM.

Die finanzielle Regelung tritt rückwirkend ab 1. Januar 1970 in Kraft, die „Nachzahlung“ ist noch vor dem Urlaub durchgeführt worden.

Das alles ist mit Wissen, Hilfe und Unterstützung der IGM (die jeweiligen Bevollmächtigten und dem Bezirksleiter Grebenstein) ausgehandelt worden.

Die ofizielle Begründung (Schutzbehauptung) lautet:

Mit dem Inkrafttreten des Betriebsverfassungsgesetzes 1953 war die Konzentrierung der Wirtschaft nicht vorauszusehen und die schwere Arbeit des BR beruflich, wirtschaftlich oder finanziell nicht genügend berücksichtigt worden - also dringend reform- bzw. überholungsbedürftig, usw. usw.

Was sich innerhalb des Funktionärskörpers einerseits und der Belegschaft andererseits nach dem Bekannwerden im einzelnen abgespielt hat, dazu nur soviel - alles in allem setzt sich der Betriebsrat (einschließlich Organisation) mit dem Hintern auf deren Meinung, Verhalten oder Reaktion. Sie behaupten, die neue finanzielle Regelung wäre eine gewerkschaftliche Forderung - und damit basta!

Aber nicht genug mit der finanziellen Regelung: gleichzeitig wurde auch noch für „später“ mitgesorgt. Nach dem Ausscheiden eines Mitgliedes aus dem Betriebsrat muß die Firma dem Betreffenden seiner Bezahlung und seinem Wissen entsprechend einen gleichwertigen Arbeitsplatz anbieten! (Wenigstens das eines Meisters also!)

Alles in allem wird lediglich ein verstärkter Drang nach der „Futterkrippe“ mit all den absurdesten, unsaubersten, unlauteren Methoden innerhalb der Funktionäre die Folge bei allen nachfolgenden Betriebsratswahlen sein. Weil keiner erkennen will, daß mit der zu erwartenden Nivellierung des Betriebsverfassungsgesetztes (alle Macht den Räten) die Unternehmer jetzt schon vorsorglich die Betriebsräte auf ihre Seite und (erfolgreich) Einflußbereich „umfunktionieren“.

Bezieht jemand in der kommenden Betriebsversammlung dazu eine negative Stellung, hat er zwar die Massen (Belegschaft) im Moment hinter sich, aber bestimmt keinen dauernden Schutz oder Rückendeckung.

http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/1970/arpo-3-1970.pdf
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Fritz Linow


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« Antworten #266 am: 21. Oktober 2018, 15:24:45 »


http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/1957/arpo-2-1957.pdf
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Fritz Linow


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« Antworten #267 am: 23. Oktober 2018, 19:40:35 »

Vor 18 Jahren gab es in Südafrika fristlose Entlassungen. Die Haltung des damaligen Gesamtkonzernbetriebsrats weckt Erinnerungen an Volkswagen-FAW in China:

Zitat
Offener Brief an die GBR-Vorsitzenden von VW und an alle Vertrauensleute und Betriebsräte von VW

Lieber Kollege Volkert, lieber Kollege Uhl,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
(…)
Wie Ihr wisst, sind 1300 der 6000 Beschäftigten von der Werksleitung wegen ihrer Beteiligung am  Streik im Januar dieses Jahres fristlos entlassen worden.
(…)
Eine weitere Tatsache ist, dass  die  VW-Werksleitung  in  Südafrika  und  die  VW-Konzernleitung   durch ihr Vorgehen die gewerkschaftlichen Rechte der Belegschaft missachten und vorhandene solidarische Strukturen zersetzen.
(…)
Wir  bedauern und können nur schwer nachvollziehen, dass Ihr, soweit uns bekannt, bisher nichts unternommen habt, um Eure entlassenen Kolleginnen und Kollegen in Südafrika wirksam zu unterstützen und ihre bedingungslose Wiedereinstellung zu fordern. Sie haben  sich nichts zuschulden kommen lassen, als ihre Rechte zu verteidigen.
(…)
http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/2000/Arpo-2-00.pdf

Hans-Jürgen Uhl und Klaus Volkert waren ja dann später in die VW-Korruptionsaffäre verwickelt und wurden verurteilt.
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Fritz Linow


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« Antworten #268 am: 27. Oktober 2018, 14:43:15 »

Zitat
24.10.18
Südkoreaner suchen Ex-Chef von Audi

Die Behörden in Südkorea gehen wegen des Abgasskandals hart gegen Audi und VW vor. Ein Top-Manager brachte sich rechtzeitig in Sicherheit.
(...)
Audi wird zudem vorgeworfen, zum Zwecke der Täuschung der Behörden Fahrgestellnummern gefälscht zu haben. Das Unternehmen räumte ein, dass man diese „Folgestraftat“ begangen haben. Nun sorgt der ehemalige Audi-Manager Johannes Thammer für neue Schlagzeilen.
Thammer hat Südkorea im Sommer vergangenen Jahres verlassen – quasi auf das Versprechen hin, dass er zurückkehren werde. Doch das hat der Manager nicht getan, wie das Handelsblatt in seiner Dienstagausgabe berichtete. Der gebürtige Oberpfälzer hatte wichtige Termine in Deutschland angegeben, um Südkorea verlassen zu dürfen. Das Ausreiseverbot wurde unter der Bedingung aufgehoben, dass Thammer nach vier Tagen wieder zurückkehre. Doch nun ist der einstige Top-Repräsentant scheinbar von der Bildfläche verschwunden, wie das Handelsblatt recherchierte. Seinen Posten hatte der Manager bereits im Juli 2017 aufgegeben. Stattdessen sollte er eine neue Position in der Wolfsburger Konzernzentrale übernehmen. Ob er das tatsächlich getan hat, wollte Volkswagen dem Handelsblatt mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Führungskraft nicht verraten.
(...)
Thammer ist allerdings aus gesundheitlichen Gründen derzeit weder reise- noch verhandlungsfähig.(...)
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215641559/Suedkoreaner-suchen-Ex-Chef-von-Audi.html
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Nao


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« Antworten #269 am: 06. November 2018, 19:07:47 »

Zitat
Ungerechte Arbeitsbedingungen
VW bekommt neuen Ärger mit Leiharbeitern in China

VW hatte geglaubt, das Problem mit Leiharbeitern in China sei gelöst. Doch jetzt klagt eine neue Gruppe von Arbeitern über ungleiche Bezahlung.


ChangchunJahr für Jahr ließ sich Sun Haiyong aufs Neue vertrösten. „Du bist ja quasi ein Familienmitglied“, habe ihm die Werksleitung von First Automotive Works und Volkswagen (FAW-VW) gesagt. „Da machen ein, zwei Jahre doch keinen Unterschied, bis wir deinen Vertrag in eine reguläre Anstellung umwandeln.“

Doch das Versprechen wurde nie eingelöst. Als Sun es schließlich einforderte, sagte die Geschäftsführung, dass ihm dies nicht zustehe. Anfang 2018 wurde Sun entlassen – nach fünfzehn Jahren bei FAW-VW.

Nun sitzt der 38-Jährige in seiner Wohnung im fünften Stock einer Siedlung direkt vor den Toren des FAW-VW-Werkes. Sie ist vollgestellt mit Gegenständen, gekauft als er noch dachte, bis ans Lebensende sicher beschäftigt zu sein. Vor ihm liegen die Verträge aus seiner Zeit bei FAW-VW. Er will gemeinsam mit mehr als 200 Arbeitern FAW-VW verklagen. Sein Anliegen betreffe aber mindestens 2000 weitere Arbeiter, die sich in seiner Situation befänden, erzählt Sun.

Seit dem 31. Juli 2003 arbeitete er im FAW-VW-Werk als Schweißer. Ein Familienmitglied hatte ihm damals gesagt, dass er dort was zu tun gebe.

Im nordöstlichen Industriemoloch Changchun, wo einst die Schwerindustrie florierte und das Proletariat mit sicheren, unkündbaren Arbeitsplätzen, sogenannten „eisernen Reisschüsseln“, bis an Lebensende durch ihr Werk versorgt wurden, gab es nach dem Strukturwandel der 1990er-Jahre nicht viele andere Möglichkeiten für Menschen wie Sun.

Ohne viel nachzudenken unterschrieb er also den Einjahresvertrag beim FAW-VW Werk im Westen der Stadt. Schon damals wusste Sun, dass er als Leiharbeiter für dieselbe Arbeit weniger als die Stammbelegschaft verdienen würde.

„Aber es war vermutlich immer noch mehr als bei vielen anderen Arbeitern in der Region“, sagt Soziologie-Professorin Zhang Lu von der Temple University, die 2015 ein Buch über Automobilarbeiter in der Region veröffentlicht hat.

Für die ersten zehn Jahre war Sun bei der „FAW-VW GmbH Personalservice“ angestellt und wurde direkt an FAW-VW verliehen. Erst 2013 wurde sein Vertrag an „Changchun Regenbogen Personalentwicklung“ übertragen.

Die entsendete ihn prompt an „Changchun Bozhong Autoteile“ – einen der drei Dienstleister von FAW-VW. Seine täglichen Aufgaben und sein Arbeitsplatz blieben dabei immer gleich. Doch mit diesem Schritt wurde Sun vom Leiharbeiter zum sogenannten „Waibao“.

Übersetzt bedeutet Waibao so viel wie „Outgesourcter“. Während Leiharbeiter durch einen Dienstleister direkt an FAW-VW verliehen werden, arbeiten Waibaos für eine Firma, die sie wiederum an einen Subunternehmer ausleiht, der für FAW-VW arbeitet. Theoretisch kann dabei der FAW-VW-Arbeiter für das Montieren der Stoßstange vom Golf zuständig sein, während der „Waibao“ für weniger Lohn dieselbe Arbeit am Modell Bora verrichtet.

„Charta für Leiharbeit“

Suns Unterlagen zeigen, dass er für ein und denselben Posten in derselben Arbeitsgruppe weniger Gehalt als die Stammbelegschaft und die Leiharbeiter bekam. Während er 2015 nur 750 Euro pro Monat verdiente, kam ein regulärer Schweißer auf etwa 1600 Euro.

Das Outsourcen von Produktionsschritten an externe Dienstleister sei „industrieweit üblich“, lässt FAW-Volkswagen wissen und versichert zudem: „Auch wenn die Arbeiten teilweise direkt im Werk durchgeführt werden, handelt es sich jedoch um abgegrenzte Arbeitsfelder, die so nicht von einem festangestellten Arbeiter übernommen werden.

Man umgehe damit strengere Arbeitsgesetze, erklärt Soziologin Zhang. Anfang 2016 war in China ein Gesetz in Kraft getreten, das den Anteil der Leiharbeiter in Unternehmen auf zehn Prozent begrenzte.

Bestärkt durch diese Gesetzesänderung fingen im November 2016 tausende Leiharbeiter an, vor den Werkstoren von FAW-VW zu protestieren. Sie hatten teilweise über Jahrzehnte ungleiche Bezahlung und Behandlung für dieselbe Beschäftigung hingenommen.

Dabei heißt es schon seit 2008 im Artikel 63 des chinesischen Arbeitsvertragsgesetzes, dass „gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ gelte. Volkswagen selbst veröffentlichte eine weltweit geltende „Charta für Leiharbeit“, in der versprochen wurde, sich an diesen Grundsatz zu halten.

Nach zahlreichen Verhandlungsrunden bot die Geschäftsführung den Leiharbeitern schließlich reguläre Verträge an. Im Gegenzug sollten damit sämtliche vorherigen Forderungen, wie zum Beispiel Kompensationszahlungen für Differenzen bei der Entlohnung oder der Anrechnung von Arbeitsjahren und -erfahrung, abgegolten sein. Viele waren zwar über die Konditionen unglücklich, doch die rund 3000 Arbeiter unterschrieben dennoch, nur fünf weigerten sich.

Nun fordern Sun und seine Mitstreiter auch eine faire Kompensation. Denn entlassene Arbeiter bekamen nicht 30 sondern nur 15 Monate Gehalt ausgezahlt. Und über Jahre erhielten sie ja sogar weniger als die Leiharbeiter. Deshalb wollen sie, dass FAW-VW ihnen zumindest den Status von Leiharbeitern zugesteht. Doch die Schiedsstelle, die sie im Sommer 2017 aufsuchten, wies sie mit dem Hinweis zurück, dass sie nicht bei FAW-VW sondern Changchun Bozhong Autoteile beschäftigt seien.

Ähnlich argumentiert FAW-VW. Die Vertreter des Joint-Ventures betonen, dass man keinen Einfluss auf Suns Arbeitsverhältnis habe. „Ein Vertragsverhältnis zwischen FAW-Volkswagen und dem einzelnen Arbeiter des Dienstleisters besteht nicht“, heißt es.

Doch wie extern sind die Dienstleister, mit denen FAW-Volkswagen einen Vertrag geschlossen hat? „Changchun Bozhong Autoteile“ gehört laut Handelsregister der Gewerkschaft von FAW-VW. Ihr gesetzlicher Vertreter ist Fan Xijun. Er ist nicht nur Generalsekretär der kommunistischen Parteiorganisation und Vorsitzender der Gewerkschaft des FAW-VW-Werkes, sondern auch Vorstandsmitglied des Gemeinschaftsunternehmens.

Flexibilität in der Produktion


Zwar gilt der Allchinesische Gewerkschaftsbund (ACGB) mit formell mehr als 300 Millionen Mitgliedern als die größte Gewerkschaft der Welt, aber sie untersteht der Kommunistischen Partei und ist keine unabhängige Arbeitervertretung. „Sie schlagen sich meist sogar auf die Seite der Geschäftsführung und helfen den Unternehmen bloß noch profitabler zu werden, statt die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten“, meint Zhang.

Und die Macht von FAW ist groß. Im Volksmund heißt es: „Wenn FAW niest, dann ist Changchun erkältet.“ Es sei nicht verwunderlich, so Zhang, dass die lokale Regierung den größten Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt, an dem eine ganze Zuliefererindustrie hängt, zu schützen versucht.

Selbst das örtliche Gericht, vor dem Sun eine Klage eingereicht hat, findet immer wieder neue Ausreden, um den Fall zu verschieben. Telefonate bleiben unbeantwortet, der Sachbearbeiter ist unauffindbar. So verlässt das Anliegen der Arbeiter nie die Grenzen Changchuns. „Wir haben das Gefühl, dass wir alleine gelassen werden“, sagt Sun.

Doch er glaubt fest daran, dass die Deutschen ihm und seinen Leidensgenossen dabei helfen würden, gleiche Bezahlung zu erwirken. „Die Deutschen haben bloß keine Ahnung, was hier los ist“, sagt er.

Ob VW ahnungslos ist oder es bloß nicht so genau wissen will, lässt sich nicht ermitteln. China ist mit Abstand der größte Absatzmarkt für Volkswagen. Allein in den ersten neun Monaten 2018 verkaufte der Konzern hier mehr als drei Millionen Autos.

Seit einiger Zeit spricht Volkswagen gerne über „Flexibilität“ in der Produktion. Gemeint damit ist zum einen eine Fertigung, die je nach Bedarf auf verschiedene Modelle umschalten kann; zum anderen sind aber Beschäftigungsverhältnisse gemeint, die an die Marktnachfrage angepasst werden sollen.

Das Werk in Changchun, wo unter anderem der Golf, der Audi A3 und viele andere beliebte Modelle hergestellt werden, ist für Volkswagen sowie FAW äußerst gewinnbringend. Während man Investitionen und Profit teilt, bringen die westliche Konzerne Modelle, Technik und Produktionsmethoden ein.

Die chinesische Seite ist für Personal, Fabriken und oft auch den Vertrieb zuständig. Darauf verwies Volkswagen in der Vergangenheit immer wieder, wenn der Konzern auf die problematischen Arbeitsverhältnisse vor Ort angesprochen wurde. Schließlich sei man mit 40 Prozent auch nur Minderheitsbeteiligter. Nun heißt es von FAW-VW, man nehme „den Hinweis ernst und werden die Fälle umgehend prüfen“.

Wenn die Menschen in Changchun FAW-VW erwähnen, dann verkürzen sie es auf „Dazhong“, das chinesische Wort für Volkswagen. Wenn man die Einwohner nach dem Grund fragt, sagen sie, dass FAW zwar das Werk manage, aber dort VWs hergestellt werden. Und das sei schließlich die Quelle ihres Stolzes.
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/ungerechte-arbeitsbedingungen-vw-bekommt-neuen-aerger-mit-leiharbeitern-in-china/23243714.html?ticket=ST-5567860-ftQpeMbyjK6DAemEAfxO-ap2
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Fritz Linow


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« Antworten #270 am: 06. November 2018, 23:03:02 »

Zitat
Und die Macht von FAW ist groß. Im Volksmund heißt es: „Wenn FAW niest, dann ist Changchun erkältet.“
jetzt klauen die Chinesen auch noch unsere Sprichwörter.
Zitat
Doch er glaubt fest daran, dass die Deutschen ihm und seinen Leidensgenossen dabei helfen würden, gleiche Bezahlung zu erwirken. „Die Deutschen haben bloß keine Ahnung, was hier los ist“, sagt er.
Ob VW ahnungslos ist oder es bloß nicht so genau wissen will, lässt sich nicht ermitteln.

Natürlich werden die Wolfsburger helfen:
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« Antworten #271 am: 08. November 2018, 19:17:26 »

Zitat
Umstrukturierung - Konzernweiter Kampf bei VW - statt Standorterpressung

In den letzten beiden Tagen platzte eine neue Bombe bei VW.

Die Produktion des Passat soll im VW Werk Emden bis 2022 auslaufen. Vom Werk Hannover-Stöcken soll die Transporterproduktion bis 2024 in das Ford Werk in der Türkei verlegt werden (siehe Rote Fahne News).

Im Werk Emden arbeiten zur Zeit 11.000 Beschäftige, im Werk Hannover 16.000. Dazu kommen noch Tausende Arbeitsplätze bei Zulieferern in den beiden Regionen – so hat die Region Hannover nach offiziellen Angaben 23.470 Beschäftigte in der Automobilwirtschaft, in Emden führt bereits heute jeder Tag Kurzarbeit bei VW auch zu Kurzarbeit bei Tausenden Zuliefererarbeitsplätzen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw45/konzernweiter-kampf-statt-sich-in-den-einzelnen-werken-erpressen-lassen
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
Kuddel


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« Antworten #272 am: 11. November 2018, 19:23:43 »

Zitat
Baller, baller
Trocken. VW schießt in Mexiko auf Wolken. Bauern beklagen Ernteausfälle



Der Konzern hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet. Bei so gottgleicher Draufsicht ist Wettermachen der nächste logische Schritt


Volkswagen will nicht, dass noch mehr Journalisten kommen und sich den Stein des Anstoßes ansehen. Oder besser gesagt: die mehrere Meter hohe, trichterförmige Maschine, die auf einem Fabrikgelände in Puebla zwischen Tausenden von funkelnagelneuen Geländewagen steht. Und die für einen verheerenden Dürresommer in der Gegend verantwortlich sein soll.

Deshalb hat der deutsche Autobauer neben der Fabrik in Puebla, etwa 700 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, einen Graben in den eigentlich öffentlichen Feldweg gerissen, einen Meter tief. So sollen keine Autos mehr bis zu der Stelle am Maschendrahtzaun vorfahren können, von der aus man die sogenannte Anti-Hagel-Kanone sehen kann.

Alle paar Sekunden ein Knall


Genützt hat es wenig. Seit Anfang August berichteten zahlreiche mexikanische und deutsche Medien über die Kanone, die ein Gemisch aus Sauerstoff und Acetylen-Gas zur Explosion bringt und damit einen lauten Knall abfeuert, sobald sich am Himmel dunkle Wolken zusammenbrauen. Dadurch sollen diese aufgelöst und die in dieser Gegend Mexikos besonders häufigen Hagelschauer vertrieben werden, die laut VW allein 2016 Schäden in Höhe von 17 Millionen Euro an Neuwagen verursacht haben, die vor dem Werk geparkt waren. 2017 hat die Werksleitung die Hagelkanonen einrichten lassen, und seit Mai diesen Jahres wird die Technik der Wettermanipulation nun massiv eingesetzt. Seitdem klagen die Bauern in der Region über Dürre.

Die Maisfelder von Francisco Clemente liegen nur wenige hundert Meter Luftlinie von einer der Kanonen entfernt, im kleinen Ort La Resurrección. „In unserem Dorf leben wir alle von dem, was der Boden uns gibt“, sagt der 58-jährige Landwirt. „Normalerweise ernten wir auf einem Hektar etwa vier bis sechs Tonnen Mais. Davon essen wir, und was übrig bleibt, verkaufen wir. Mit der Dürre dieses Jahres haben wir aber so gut wie alles verloren.“ Für ihn und die anderen Bauern aus La Resurrección ist der Verantwortliche für die Trockenheit klar. „Die Regenwolken kommen immer vom Vulkan La Malinche, den man von der Stadt aus gut sehen kann. Sobald es da dunkel wird, beginnt VW wie verrückt in die Luft zu feuern, alle sieben Sekunden ein Knall, und das für zwei Stunden, und dann sind die Wolken verschwunden“, erzählt Francisco Clemente aufgebracht.

Von angeblichen Entschädigungsangeboten seitens VW, die es laut mexikanischer Presse gegeben haben soll, wissen er und die anderen Landwirte in La Resurrección nichts. „Mit uns hat die Firma nicht gesprochen. Und jedes Mal, wenn wir versuchen, die Schallkanone zu filmen, um zu zeigen, wie schnell sie die Wolken vertreibt, kommt der Wachschutz und vertreibt uns mit Beschimpfungen und Drohungen“, berichtet Francisco Clemente.

Die Campesinos sind sauer

Auch im etwa 30 Kilometer entfernten San Francisco Totimehuacán sehen sich die Bauern als Opfer der Umweltmanipulationen des deutschen Autobauers. Óscar Huey und Herón García stehen inmitten ihrer komplett ausgetrockneten Felder. Wütend hält Óscar Huey einen mittelfingergroßen Maiskolben in die Höhe. „Hier hätten wir schon vor zwei Wochen ernten sollen. Aber seit Anfang Mai hat es nicht geregnet und jetzt haben wir unsere ganze Ernte und alles, was wir in diesem Jahr in unsere Felder investiert haben, verloren.“

Obwohl die Gemeinde nicht in der Nähe des VW-Werks liegt, wo die Schallkanonen eingesetzt werden, sind sich die beiden sicher, dass diese für die Dürre verantwortlich sind. „Wir kennen den Regenzyklus hier genau. Und die Zeit zwischen Mai und August ist extrem wichtig für den Anbau. Natürlich gibt es manchmal trockenere Jahre. Aber dass es 60 Tage am Stück keinen Regen gibt, obwohl der Himmel immer wieder komplett von dunklen Regenwolken bedeckt ist? Das haben wir noch nie gehabt“, sagt Herón García.

Deshalb bereitet García eine Klage vor, mit der er von VW ein Ende des Einsatzes der Schallkanonen und Entschädigungszahlungen für die verlorene Ernte einfordern will. „VW geht es wie allen multinationalen Konzernen nur um Gewinn. Um ihre Autos vor dem Wetter zu schützen, verändern sie sogar den natürlichen Zyklus, der doch erst das Leben auf dieser Erde möglich macht“, sagt García kopfschüttelnd.

Dabei genießt der Konzern aus dem niedersächsischen Wolfsburg in Puebla eigentlich einen guten Ruf. Seit mittlerweile mehr als 50 Jahren gehört VW fest zur viertgrößten Stadt Mexikos. Mit mehr als 17.000 Angestellten und 460.000 hergestellten Autos pro Jahr ist das mexikanische Werk der wichtigste VW-Standort außerhalb Deutschlands. „Die Präsenz von VW ist wesentlich für die lokale Wirtschaft“, sagt Patricia Gutiérrez, Journalistin der linken Tageszeitung La Jornada. „Das heißt aber auch, dass VW großen Einfluss in der Stadt hat. Früher gab es manchmal Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft, aber an größere Skandale kann ich mich nicht erinnern. Diese Sache könnte zu einer echten Bewährungsprobe für VW in Puebla werden.“

Mittlerweile gehen mexikanische Medien von bis zu 10.000 betroffenen Bauern aus. Die Reaktion von Volkswagen war zunächst eher verhalten. Einen Tag nach einer Straßenblockade vor dem VW-Werk durch wütende Bauern am 8. August veröffentlichte der Konzern die einzige Pressemitteilung zu dem Thema. Darin erklärte VW angesichts der Proteste, die Schallkanonen solle nur noch manuell und im Fall von akut drohendem Hagel eingesetzt werden. Zudem kündigte der Autokonzern an, in Hagelnetze über seinen Parkplätzen zu investieren, behielt sich jedoch zugleich den Einsatz der Schallkanonen als weiteres Mittel gegen den Hagel vor.

Ende August hat es wieder geregnet in Puebla. Die Dürre scheint vorbei zu sein. Doch der Konflikt zwischen den lokalen Bauern und dem deutschen Autokonzern ist damit noch lange nicht beendet. „Wir fordern die Rücknahme der Genehmigung durch die Staatsregierung von Puebla“, sagt Francisco Clemente aufgebracht. „Die sollen einfach ein Hagelnetz spannen.“ Auch der Lokalpolitiker Rafael Ramírez setzt sich für die Zurücknahme der Genehmigung ein. „Es gibt andere Wege, die Autos zu schützen, die nicht in den natürlichen Kreislauf eingreifen. Hier darf die Regierung keine Zugeständnisse an VW machen, sondern muss sich auf die Seite der mexikanischen Bauern stellen“, fordert er.

Anfang Oktober wurde in lokalen Zeitungen berichtet, dass VW bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Erlaubnis für ein Hagelnetz gestellt hat, das den Einsatz der Schallkanone überflüssig machen soll. Es scheint, als hätten der öffentliche Druck und die Beschwerden der Bauern Früchte getragen.

Dabei ist alles andere als klar, ob die Hagelkanone überhaupt eine Wirkung hat. In einem dreiseitigen Gutachten vom 23. August, das die Nationale Autonome Universität Mexikos (UNAM) extra wegen des Konflikts in Puebla anfertigen ließ, kommen zwei Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es keine gesicherten Beweise dafür gebe, dass die Hagelkanone überhaupt einen Effekt hat.

Für die betroffenen Bauern ist das Gutachten wenig überzeugend. „Wir haben unser ganzes Leben lang Landwirtschaft betrieben. Wir wissen aus unserer Erfahrung heraus genau, wann es regnet und wann nicht“, meint Herón García aus Totimehuacán. „Wir brauchen mehr Untersuchungen zu dem, was genau diesen Sommer hier passiert ist.“

Deshalb dürfte es für VW trotz des späten Einlenkens in den nächsten Wochen und Monaten unbequem bleiben. In den mexikanischen Medien ist von ersten Forderungen über 3,2 Millionen Euro Entschädigung zu hören. Wie viele derartige Klagen auch immer darauf noch folgen, sicher ist: VW hat in diesem Sommer viele Sympathien in Mexiko verspielt.

Alexander Gorski arbeitet als freier Autor in Mexiko-Stadt

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/baller-baller
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Onkel Tom


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« Antworten #273 am: 11. November 2018, 22:46:59 »

Nee.. Echt jetzt ?

Hab nu bei Gokkelmaps gesucht und nix verdächtiges finden können..

https://www.google.com/maps/@19.1285513,-98.254082,761m/data=!3m1!1e3

Wenn was an dieser Anti-Hagel-Kanone dran ist, müsste mann sie ja anhand
ihrer Größe erkennen können und technich sinnvoll würde sie ja am besten im
Zentrum der Parkanlagen stehen..

Ob sich da ein "freier Jornalist" sich von camtrails.de und co hat inspirieren lassen
und freitag nimmt die Story so einfach ungeprüft an ?

Hmm, trotz VW-Geschummel und Co traue ich dem Artikel nicht so einfach
über den Weg..

Hab noch was gefunden, aber ob das wirklich den Tatsachen entspricht, zumal da
nur von "soll" geschrieben steht ?

https://amerika21.de/2018/08/211424/mexiko-puebla-vw-protest

Das Ding sieht ja eher aus wie ein Vogelschreck, damit die Autos nicht bekackt
werden.

Merkwürdig.  Roll Eyes
« Letzte Änderung: 11. November 2018, 22:50:43 von Onkel Tom » Gespeichert

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Kuddel


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« Antworten #274 am: 12. November 2018, 09:28:15 »

Ich halte die Medien "Freitag" und "Amerika21" für seriös. Insbesondere letzteres ist erhaben über jeglichen Aluhutvorwurf.
Es ist technisch eine real mögliche Geschichte, derer sich die chinesische Regierung seit Jahren bedient. Bei besonderen Anlässen, wie Olympischen Spielen oder wichtigen internationalen Wirtschaftsgipfeln, sorgt sie am Austragungsort für einen blauen Himmel.

Journalisten müssen Formulierungen wie "soll" verwenden, wenn sie es nicht mit der Rechtsabteilung des Konzerns zu tun haben wollen.

Zitat
ihrer Größe erkennen können und technich sinnvoll würde sie ja am besten im
Zentrum der Parkanlagen stehen..
Nein, chemische Substanzen werden weit vor dem Gelände in die Wolken geschossen, damit sie vorher abregnen.
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