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Autor Thema: Das Sein und das Bewußtsein  (Gelesen 9246 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
admin
Administrator

Beiträge: 2329


« am: 15. Januar 2003, 19:36:49 »

Ich kenne einige aus der früheren Politszene, die inzwischen selbstständige Unternehmer sind. Früher wollten sie die politisch radikalsten sein und nie arbeiten. Dann schien eine Firmengründung die beste Möglichkeit einen 40Std Job zu vermeiden. Und irgendwie lief´s nicht wie geplant und es mußte weit über 40Std gearbeitet werden. Dann wurden ehemalige Kumpels und Genossen gefeuert, weil sie nicht so mitzogen, wie es die wirtschaftlichen Bedingungen erforderten.

Keiner von ihnen gibt es zu, aber im Kopf hat sich Wesentliches geändert, sie sind richtige Arschlöcher geworden, sie halten sich noch ganz für die Alten, weil sie ja noch gegen Atomkraft und Nazis (völlig unverfängliche Themen!) sind.

Es ist wie im Lehrbuch: Gevattern Marx sagte schon: "Das Sein bestimmt das Bewußtsein".
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DaddyCool
Gast
« Antworten #1 am: 26. März 2003, 17:39:28 »

In meinem Bekanntenkreis aus der HipHop Szene haben einige sich selbstständig gemacht. Sie fühlen sich irgendwie ausserhalb oder gegen das System. In ihren Firmennamen ist dann meist etwas mit "crime", "revolution" oder "destroy".

Ich seh sie ständig arbeiten. Sie kennen keinen Feierabend und kein wochenende. Kommen trotzdem auf keinen grünen zweig. Das kann es doch auch nicht sein!?!
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XHess


Beiträge: 10


« Antworten #2 am: 02. März 2004, 03:16:00 »

Die Frage ist ob sie sich wohl dabei fühlen und ob es Ihnen das Spass macht so zu schufften. Wenn ja werden Sie dieses auch nach aussen projezieren, wenn nicht dann auch aber mit sicherheit anders als wie sie es vor hatten.
Gott Sei Dank gibt es immer noch Firmen und Menschen in Firmen die dieses dann auch erkennen. Das Gute! Smiley

greetz XHess
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20 Freaks
Gast
« Antworten #3 am: 15. Mai 2009, 10:27:32 »

Na ja, also die Hip Hop Typen kann ich schon verstehen. Ich persöhnlich bin Freier Künstler und "Arbeite" von Früh bis spät. Also ich finde, das ist der beste Beweiß für Alexander Bergmans Philosophie, die meint, das der Mensch Arbeit braucht und Arbeit auch gern hat, solange er sich in ihr verwirklichen kann und sein eigener Herr dabei ist und außerdem muss man sich auch fragen was wir eigentlich unter "Arbeit" verstehen. Nicht alle Sachen die für das Gesellschaftliche Zusammenleben wichtig und notwendig sind, werden auch offiziell als "Arbeit" gehandhabt.

Wenn man sich allerdings wie der Admin beschreibt irgendwo hineinbegiebt und nach und nach mit kleinen Kompromissen seine Sehnsüchte aufgibt um sich einer übermächtigen Wirtschaftsideologie zu beugen, dann ist das Feigheit.
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Strombolli
Jeheimrat


Beiträge: 6738



« Antworten #4 am: 04. Juni 2009, 20:25:15 »

Freie Künstler .... Entscheidend ist ja da auch noch der psychische Aspekt. Die Künstler jedweder Art ... machen den Kaspar/Clown, erfreuen in irgendeiner Form die Menschen, werden saumäßig bezahlt, in "Scheinselbstständigkeits-Arbeitsverhältnisse" auf Honorar/Gagenbasis gepresst... die Künstlersozialkasse quengelt "sie sind doch gar kein Künstler" ... der Auftraggeber will auf dem Vertrag ne Klausel, dass man "nicht künstlerisch tätig war" ...

Dann fährt der Künstler nach Hause. Hat seine Zielgruppe glücklich gemacht, möglicherweise im direkten Vergleich zu am selben Tag arbeitenden gleichartigen Künstlern noch Bester gewesen, wurde vom Auftraggeber jedoch wie ein Stück Dreck oder der letzte unausgebildete Studenten-Hilfsarbeiter behandelt, räudig bezahlt ... Denkt über seinen Status als letzter Arsch nach ... Ist aber trotzdem irgendwie glücklich, kreativ tätig sein zu dürfen.

Was wiegt nun mehr? Gesellschaftliche Anerkennung durch seine Kunstkonsumenten, den jeweiligen Auftraggeber, das Geld... ?

Sie fallen vom Hochgefühl des Gefeiertseins ins tiefe Loch der Einsamkeit. Bei den grossen "Künstlern" gleicht das Geld dies aus, aber bei den zahllosen kleinen "Künstlern" aller möglichen Genre...

Es ist nicht leicht ein Clown zu sein...

Es fällt verdammt schwer den Hampelmann zu machen, ob bei den Nazis, den DDR-Fuzzies oder in der jetzigen bunten Republik!
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Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
Permanent angelogen & VERARSCHT IN DEUTSCHLAND! - Ich habe mit Dir fertig
Kuddel


Beiträge: 11690


« Antworten #5 am: 21. Mai 2012, 20:01:11 »

http://guerillero.com

gleich werd ich vollends bekloppt!
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Kuddel


Beiträge: 11690


« Antworten #6 am: 27. Juli 2018, 07:59:46 »

Zitat
Im Neoliberalismus darfst du dein eigener Chef sein

Einer neuen Studie zufolge gibt es einen alarmierenden Anstieg einer neuen Form psychischer Belastung. Nennen wir sie „neoliberaler Perfektionismus“.

Eine neue Studie von Thomas Curran und Andrew Hill, veröffentlicht in der Zeitschrift „Psychological Bulletin“, kommt zu dem Ergebnis, dass der Perfektionismus sich immer weiter ausbreitet. Die beiden britischen Psychologen stellen fest, dass „diese Generation junger Menschen wahrnimmt, dass andere mehr von ihnen verlangen, dass sie mehr von anderen verlangen, und dass sie mehr von sich selbst verlangen“.

Bei der Identifizierung der Ursachen für dieses wachsende Streben nach Exzellenz nehmen Curran und Hill kein Blatt vor den Mund: Der Neoliberalismus ist treibende Kraft dieser Entwicklung. Die neoliberale Ideologie fördert Konkurrenzkampf, ist hinderlich für Kooperation, steht für Ehrgeiz und verknüpft Selbstwert mit beruflichen Erfolgen. Es überrascht nicht, dass in Gesellschaften mit diesen Wertvorstellungen die Menschen anderen gegenüber sehr bewertend und selber sehr ängstlich gegenüber Bewertung werden.
(...)
Perfektionismus führt dazu, dass wir uns verächtlich gegenüberstehen, Angst voreinander haben und bestenfalls verunsichert sind. Er unterbindet die Arten von Solidarität und kollektiver Handlung, welche notwendig sind, um gegen den neoliberalen Kapitalismus vorzugehen, der gerade diesen Perfektionismus hervorbringt.

Das einzige mögliche Gegenmittel zur gesellschaftlichen Atomisierung und zum entfremdenden Perfektionismus ist es, dem absoluten Individualismus eine Absage zu erteilen und kollektive Werte wieder in unsere Gesellschaft einzuführen. Das ist eine Aufgabe gewaltigen Ausmaßes – vor dem Hintergrund der neoliberalen Umklammerung, die auch unsere Psychen in Mitleidenschaft zieht, ist es allerdings der einzige Weg vorwärts.
https://adamag.de/neoliberalismus-perfektionismus-callout-entfremdung-psychologie
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