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Autor Thema: Weihnachtsgeschenk nach VW-Art  (Gelesen 1124 mal)
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dagobert


Beiträge: 4101


« am: 20. Dezember 2015, 14:33:29 »

Zitat
Keine Feiertage für VW-Leiharbeiter

Im Werk Zwickau des Automobilriesen müssen 600 angemietete Beschäftigte um ihre Arbeit bangen

Volkswagen steckt wegen der Abgasmanipulationen in der Krise. Um den Konzern durch die drohenden Milliardenklagen zu lotsen, haben Eigentümer und Management beschlossen, einen »Sparkurs« zu fahren. Und wie immer trifft es die Schwächsten zuerst: Die sogenannten Leiharbeiter. Im Werk Zwickau stehen 600 von ihnen nicht vor einer besinnlichen Weihnachtszeit, sondern sehen einer unsicheren Zukunft entgegen.

Denn der Konzern hat beschlossen, eines der Lieblingsprojekte des früheren »Patriarchen« und Großaktionärs Ferdinand Piëch zu begraben: die Luxuslimousine Phaeton. Die Verträge der 600 Kollegen sollen 2016 in zwei Stufen auslaufen, berichtete der VW-Betriebsrat am Dienstag unter Berufung auf Pläne des Vorstands der VW-Kernmarke. Das Gremium fordert, alternative Aufgaben im Konzern für die Betroffenen zu prüfen. Nach Auskunft des Betriebsratschefs von VW-Sachsen, Jens Rothe, gibt es beim Schwesterunternehmen Porsche, womöglich auch bei der Konzerntochter Audi Bedarf. In Zwickau wird die Karosserie für den Phaeton gefertigt, die Endfertigung erfolgt in der »Gläsernen Manufaktur« in Dresden. Die Leiharbeiter in Zwickau hatten am Dienstag bei einer Versammlung von den Plänen erfahren – gut eine Woche vor Weihnachten. Noch im September lagen für das kommende Jahr Pläne für eine Weiterentwicklung des Phaeton in der VW-Schublade. Doch die »Neuausrichtung« des Konzerns infolge des Abgasskandals warf diese über den Haufen.

Der Phaeton bekommt nun keinen herkömmlichen Nachfolger mit einem Verbrennungsmotor, sondern wird zum Elektroauto mit Batterieantrieb. Das soll laut Konzernangaben aber frühestens 2019 klappen. VW-Konzernbetriebsratschef und Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh sagte der Emder Zeitung (Dienstagausgabe): »Derzeit sagt der Vorstand nur, dass die Stammbelegschaft sicher ist.« »Ich habe für das Werk Wolfsburg gesagt, dass wir jedenfalls für das erste Quartal 2016 sagen können, dass es keine Veränderungen für die Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen geben wird. Das gilt auch für den Standort Emden.« Osterloh stellte zudem Forderungen für die Konzerntochter Autovision, über die Großteile der Leiharbeit laufen. Er erwarte vom Konzernvorstand, »dass er der 100prozentigen VW-Tochter Autovision Beine macht und sie auffordert, mehr Geschäft auf dem Drittmarkt zu generieren«. (dpa/jW)
https://www.jungewelt.de/2015/12-17/042.php
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Fritz Linow


Beiträge: 729


« Antworten #1 am: 05. August 2017, 08:59:34 »

Zitat
3.8.17
Viele Ex-Mitarbeiter der Autovision erhalten keine Prämie

Wer vor dem 28. Februar gehen musste, hat keinen Anspruch auf die 375 Euro.

Die Frustration ist groß bei vielen Mitarbeitern der Autovision Zeitarbeit. Volkswagen baut nach und nach alle Leiharbeitsjobs ab. Wer will, kann sich derzeit noch in befristete Projekte bei VW in Hannover oder Kassel oder auch zu Porsche vermitteln lassen. Jetzt sorgt eine Stichtagsregelung bei der Ausschüttung der Anerkennungsprämie für 2016 für zusätzlichen Ärger gerade bei diesen ehemaligen Mitarbeitern.

Die Prämie ist bei der Autovision eine freiwillige Leistung. In den Verhandlungen habe die Geschäftsführung die Auszahlung der Prämie in Höhe von 375 Euro an die Akzeptierung einer Stichtagsregelung gekoppelt, erläutert Autovision-Betriebsratschef Ali Naghi von der IG Metall. Trotz zäher Verhandlungen sei die Autovision nicht bereit gewesen, diese Koppelung aufzugeben. Im Ergebnis gehen jetzt alle Mitarbeiter, die am 28.Februar dieses Jahres nicht mehr an Bord waren, leer aus.

Die Geschäftsführung schilderte den Sachverhalt auf Anfrage unserer Zeitung so: „Unternehmensleitung und Betriebsrat der Autovision Zeitarbeit GmbH & Co. OHG haben in einer Betriebsvereinbarung für das Jahr 2016 eine Anerkennungsprämie in Höhe von 375 Euro brutto für alle aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vereinbart. Bei der Prämie handelt es sich um eine ausschließlich freiwillige Leistung des Unternehmens ohne tarifvertraglichen oder arbeitsvertraglichen Bezug. Voraussetzung für die Zahlung ist, dass das Arbeitsverhältnis mindestens bis zum 28. Februar 2017 bestanden hat.“

Dieses Verfahren sorgt an den deutschen VW-Standorten, an denen Zeitarbeitnehmer im Einsatz sind, für tiefe Verstimmung. Auf der Betriebsversammlung im Werk Kassel wurde das Thema von Leiharbeitern angesprochen. Vertrauensleute nannten die Regelung „eine absolute Frechheit“. Alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen hätten ihren Beitrag für das Geschäftsjahr 2016 geleistet. Besonders bitter sei das für jene Mitarbeiter, die die befristeten Jobs angenommen hätten. Sie erhielten weder den Bonus der Autovision noch den von Volkswagen. Angesprochen wurde auch die Verantwortlichkeit von Volkswagen, da die Autovision deren 100-prozentige Tochter sei.

Die Autovision schreibt dazu: „Einzelne ehemalige Mitarbeiter, die vor dem 28. Februar 2017 ausgeschieden sind und nach der Betriebsvereinbarung keinen Anspruch auf die Prämie haben, meldeten sich bei der Autovision Zeitarbeit. Ihnen wird die Situation entsprechend erläutert.“

Naghi ist anzumerken, dass er unzufrieden ist mit dem erzielten Kompromiss. Die Enttäuschung der betroffenen Kollegen sei nur zu verständlich. Aber die Verhandlungsposition des Betriebsrates sei schwach gewesen, weil es sich bei der Prämie eben um eine freiwillige Leistung handele. Deshalb konnten sich die Arbeitnehmervertreter auch nicht auf Urteile von Arbeitsgerichten berufen, die Stichtagsregelungen ausdrücklich ausschließen.

Rund 500 Verträge von Zeitarbeitnehmern der Autovision sind im ersten Halbjahr im Stammwerk nicht verlängert worden (wir berichteten). Betriebsrat, VW-Personalwesen und der Verleiher haben sich darum bemüht, den Betroffenen Anschlussverträge zu vermitteln. Das ist in der überwiegenden Zahl der Fälle gelungen: 430 arbeiten aktuell mit Zeitverträgen im VW-Werk Kassel, bei Nutzfahrzeuge in Hannover und bei der Konzerntochter Porsche in Zuffenhausen. Dass ihre Leistung jetzt nicht durch eine Prämie anerkannt wird, dürfte für Verbitterung sorgen.

Die Zahl der Zeitarbeitnehmer der Autovision ist innerhalb von anderthalb Jahren von 11 000 auf rund 4300 abgeschmolzen. Die Zukunftsperspektiven sind bei weitem nicht mehr so gut wie in den Vorjahren. Da hatte Volkswagen Tausende von Zeitarbeitnehmern nach Ablauf der Projekte in feste Arbeitsverhältnisse übernommen.Der Betriebsrat hat die Geschäftsführung der Autovision Zeitarbeit kürzlich aufgefordert, sich auf dem Drittmarkt – also bei Firmen außerhalb von VW – nach Jobs umzusehen. Früher hatte die Autovision diesen Drittmarkt durchaus erfolgreich bespielt. Doch nachdem die Zeitarbeiternehmer in den Boomjahren von 2007 bis 2015 nur noch bei VW tätig waren, ist das nun nicht so einfach. „Das ist eine schwierige Situation“, räumt auch Betriebsratschef Ali Naghi ein.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211465249/Viele-Ex-Mitarbeiter-der-Autovision-erhalten-keine-Praemie.html
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