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Autor Thema: PeP Experte: Massengehirnwäsche bei der Deutschen Post DHL Group  (Gelesen 33556 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 729


« am: 27. Januar 2016, 23:17:51 »

Der nächste Großangriff zielt diesmal nicht auf die Löhne und Arbeitsbedingungen, sondern direkt auf die Gehirne aller Postbeschäftigten. Wurde ja schon mal erwähnt: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=35.msg312824#msg312824

Zielgruppe der zweitägigen Seminare in den nächsten Jahren sind alle Unbefristeten und die Befristeten, die mindestens seit 12 Monaten ununterbrochen angestellt sind.
Laut Konzernbetriebsvereinbarung besteht keine Pflicht zur Teilnahme an diesen Seminaren, die aus 13 Modulen bestehen. Gleichzeitig steht da aber auch, dass eine Teilnahme aller Beschäftigten angestrebt wird.

Und nun zu den Modulen, die wohl dem Betriebsrat als Grobkonzept vorliegen. Es können sich also noch Sachen ändern. Es ist sehr viel Text, aber auch interessant, auf was für Ideen die Post kommt und welchen Aufwand sie betreibt, um die Belegschaft gleichzuschalten:

Modul 1:
„Unsere einzigartige Erfolgsgeschichte“ - Die Teilnehmer/innen lernen die 500 Jahre Erfolgsgeschichte des Unternehmensbereich PeP kennen.

Inhalte:
Alle Teilnehmer/innen werden herzlich zum Basis-Training willkommen geheißen und einander vorgestellt.
Gemeinsam werden die 500 Jahre Erfolgsgeschichte des Unternehmensbereiches PeP anhand einer großen Ausstellungswand erkundet.
Die Teilnehmer/innen tauschen sich zu ihren eigenen Geschichten um UB PeP aus: Wie lange bin ich schon im Unternehmen? An welche besonderen Ereignisse kann ich mich noch erinnern?
Die Teilnehmer/innen treten in 4 Gruppen in einem Quiz gegeneinander an: Welche Gruppe beantwortet 20 Fragen rund um den UB PeP am schnellsten?

Modul 2:
„PeP – Wir brauchen Experten!“ Die Teilnehmer/innen lernen den Trainingsverlauf der beiden Tage kennen und wissen, welche Inhalte sie im Training erwarten.

Inhalte:
Die Agenda des Trainings wird inhaltlich den Teilnehmer/innen vorgestellt.
Mit einem Film wird den Teilnehmer/innen das Motto, die Idee und die Bedeutung des PeP Experten vorgestellt:“ Besser werden. Bester bleiben.“
Mit einer Videobotschaft begrüßt Jürgen Gerdes die Teilnehmer/innen, bedankt sich für ihre Teilnahme und wünscht ihnen viel Spaß beim Basis-Training PeP Experte.

Modul 3:
PeP Experten für dynamische Märkte!“Die Teilnehmer/innen erweitern ihr Wissen über die Trends und Veränderungen in der Welt und können deren Auswirkungen auf dem Logistikmarkt nachvollziehen.

Inhalte:
Im Rahmen einer Kollage werden mit den Teilnehmer/innen relevante globale Veränderungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich besprochen.
Anhand der Kollage werden die Veränderungen diskutiert, die sich für die Logistik-Branche ergeben aund auch auf PeP Einfluss nehmen.
Jürgen Gerdes erläutert in einem Filmbeitrag, welche Herausforderungen er für das Unternehmen in der Zukunft sieht. Er beschreibt, mit welchen Innovationen und Maßnahmen Post – eCommerce -Parcel bereits in der Vergangenheit reagiert und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten hat und wie sich das in der Zukunft fortsetzen soll.
Anhand von beispielhaften Kundenprofilen erarbeiten die Teilnehmer/innen, wie sich die Kundenbedürfnisse gewandelt haben (insbesondere im Bereich der privaten Kunden).

Modul 4:
„PeP Experten sind Verantwortungs-Nehmer!“ Die Teilnehmer/innen können den Begriff des Verantwortungs-Nehmers einordnen und verstehen ihn in seiner Bedeutung für das Unternehmen.

Inhalte:
In einem Film stellen 3 Firmenkunden dar, was hat sich aus ihrer Sicht in den Märkten verändert, was hat das für Auswirkungen auf ihr Geschäft und welche Bedeutung hat das für Anforderungen an den Logistikmarkt hat.
Mit einem Filmbeispiel wird die Herangehensweise eines Verantwortungs-Nehmers vorgestellt. Im Anschluss tauschen tauschen sich die Teilnehmer/innen über ihr Verständnis dieser Herangehensweise aus.
In Kleingruppen diskutieren die Teilnehmer/innen, welche Bedeutung diese Herangehensweise für sie hat und wie sie in ihrem Umfeld wirken kann.
Mit einem Filmbeispiel wird die Herangehensweise eines Verantwortungs-Nehmers vorgestellt.
Die Teilnehmer/innen diskutiren die im Film gezeigten Beispiele und entwickeln gemeinsam eigene Ideen zur Umsetzung. Im Anschluss wählt jeder/e Teilnehmer/in aus einer Reihe von Bildkarten ein Symbol zur Erinnerung aus, welches für sie/ihn den Verantwortungs-Nehmer am besten zeigt.

Modul 5:
„PeP Experten gestalten unsere Zukunft!“ Die Teilnehmer/innen erleben, wie herausfordernd unternehmerisches Handeln sein kann, wenn gleichzeitig wirtschaftliches Denken und Handeln mit hohen Qualitätsstandards, Innovationen und exzellenter Kundenorientierung in Einklang zu bringen sind.

Inhalte:
Im Rahmen der Simulation „Burger mit Fritten, bitte!“ (Brettspiel) betreiben die Teilnehmer/innen einen eigenen Schnellimbiss. Sie erleben, wie herausfordernd unternehmerisches Handeln sein kann, wenn gleichzeitig wirtschaftliches Denken und und Handeln mit hohen Qualitätsstandards, Innovationen und exzellenter Kundenorientierung in Einklang zu bringen ist. Im Ergebnis erfahren sie, dass das Spannungsfeld dieser Aspekte nicht aufgelöst werden kann, sondern immer von neuem ausbalanciert werden muss.
In einem Film erläutern verschiedene Mitglieder des ExCom PeP, welche Bedeutung die Faktoren Wirtschaftlichkeit, Kundenorientierung, Innovation und Qualität für den UB PeP haben und wie sie diese Faktoren im Gleichgewicht halten.

Modul 6:
PeP Experten sind Lösungsfinder!“ Die Teilnehmer/innen können den Begriff des Lösungs-Finders einordnen und verstehen ihn in seiner Bedeutung für das Unternehmen.

Inhalte:
Die Teilnehmer/innen tauschen sich in Paaren zu einem „brillanten Moment“ (ein gelungenes Ergebnis am Arbeitsplatz) aus den letzten Woochen aus und tauschen sich über die eigenen Fähigkeiten aus, die diesen Moment zum Erfolg geführt haben.
Mit einem Filmbeispiel wird die Herangehensweise eines Lösungs-Finders vorgestellt. Im Anschluss tauschen sich die Teilnehmer/innen über ihr Verständnis dieser Herangehensweise aus.
In Kleingruppen diskutieren die Teilnehmer/innen, welche Bedeutung diese Herangehensweise für sie hat und wie sie in ihrem Umfeld wirken kann.
In einem weiteren Film werden konkrete Beispiele von Mitarbeitern/innen gezeigt, die als „Lösungs-Finder“ agieren.
Die Teilnehmer/innen diskutieren die im Film gezeigten Beispiele und entwickeln gemeinsam eigene Ideen zur Umsetzung. Im Anschluss wählt jeder/e Teilnehmer/in aus einer Reihe von Bildkarten ein Symbol zur Erinnerung aus, welches für sie/ihn den Lösungs-Finder am besten zeigt.

Modul 7:
„Rückblick mit PeP“ Die Inhalte des ersten Trainingstages werden zusammengefasst.

Inhalt:
Die Kernbotschaften der Module des ersten Tages werden zusammengefasst.
In Teams treten die Teilnehmer/innen gegeneinander an, um in einem Buzzer-Spiel ihr Wissen aus dem ersten Tag zu testen.

Modul 8:
„Kick-Start mit PeP“ Auftakt des zweiten Trainingstages

Inhalte:
Der Tag startet mit einem Rückblick auf das vorangegangene Geschäftsjahr: Eine Diashow hebt besondere Momente hervor (wird jährlich aktualisiert).
In Teams spielen die Teilnehmer/innen „Tabu“: Begriffe aus dem UB PeP müssen erklärt und erraten werden.

Modul 9:
PeP Experten zur erfolgreichen Umsetzung unserer Strategie“ Die Teilnehmer/innen verstehen ihren Einfluss auf die Ziele, die mit der Strategie „Focus-Connect-Grow“ verbunden sind.

Inhalte:
Mitglieder des Vorstandes erklären die drei Säulen der Strategie („Focus-Connect-Grow“). Sie erläutern, wie wichtig der Beitrag jedes einzelnen Mitarbeiters ist, wenn die damit verbundenen Ziele erreicht werden sollen.
Die Teilnehmer/innen erarbeiten durch ein Puzzle die Inhalte der drei Säulen.
In Kleingruppen besprechen die Teilnehmer/innen, zu zu welcher der drei Säulen sie selbst beitragen.

Modul 10:
„PeP Experten sind Veränderungs-Gestalter!“ Die Teilnehmer/innen können den Begriff des Veränderungs-Gestalters einordnen und verstehen ihn in seiner Bedeutung für das Unternehmen.

Inhalte:
Mit einer interaktiven Übung erleben die Teilnehmer/innen, wie Menschen auf Veränderungen reagieren.
Mit einem Filmbeispiel wird die Herangehensweise eines Veränderungs-Gestalters vorgestellt. Im Anschluss tauschen sich die Teilnehmer/innen über ihr Verständnis dieser Herangehensweise aus.
In Kleingruppen diskutieren die Teilnehmer/innen, welche Bedeutung diese Herangehensweise für sie hat und wie sie in ihrem Umfeld wirken kann.
In einem weiteren Film werden konkrete Beispiele von Mitarbeitern/innen gezeigt, die als Rollenmodelle in dieser Herangehensweise gesehen werden können.
Die Teilnehmer diskutieren die im Film gezeigten Beispiele und entwickeln gemeinsam eigene Ideen zur Umsetzung. Im Anschluss wählt jeder/e Teilnehmer/in aus einer Reihe von Bildkarten ein Symbol zur Erinnerung aus, welches für sie/ihn den Veränderungs-Gestalter am besten zeigt.

Modul 11:
„WIR machen Post – eCommerce – Parcel stark!“ Der bedeutsame Beitrag, den jeder/e einzelne Mitarbeiter/in für unsere verschiedenen Kunden leistet, wird dargestellt.

Inhalte:
In einem Film wird die enorme Leistung der Mitarbeiter/innen sowie die unterschiedlichen Produkte des UB PeP (Briefe, Pakete, Emails, der Postbus etc.) gezeigt und was sie bei unseren Kunden auslösen (Freude, Überraschung etc.)
Durch ein Puzzle wird beispielhaft eine vielfältige und zusammenhängende Przesskette nachgebaut, die verdeutlicht, wie unterschiedliche Bereiche am Ende alle in die gleiche Richtung arbeiten: In Richtung unserer Kunden.
In einem Film berichten verschieden Mitarbeiter/innen, was ihnen an ihrer Arbeit gefällt und warum sie jeden Tag wieder ihren Beitrag leisten.

Modul 12:
„PeP Experten sind Anpacker!“ Die Teilnehmer/innen erleben, wie gemeinsam mit Spaß angepackt werden kann und was man mit einer positiven Anpack-Mentalität erreichen kann.

Inhalte:
Ein Film stellt beispielhaft dar, dass die Entscheidung jedes Einzelnen, anzupacken und positive Dinge anzustoßen, eine große Wirkung haben kann.
In zwei Teams knobeln die Teilnehmer/innen auf Zeit bekannte Liedtexte aus, die sich die beiden Teams gegenseitig vorsingen.
In 3 Teams erarbeiten die Teilnehmer/innen bunte Kollagen, die eine mögliche Zukunft darstellen, die geprägt ist von positiven Anpackern.
In einem Film berichten die Mitarbeiter/innen aus dem Filmen Module 4,6 und 10, warum es ihnen wichtig ist, mit einer positiven Haltung anzupacken, Verantwortung zu nehmen, Lösungen zu finden und Veränderungen zu gestalten.

Modul 13:
„WIR! Die PeP Experten – Werden besser, bleiben Beste!“ Die Teilnehmer/innen werden für die erfolgreiche Teilnahme am Training zertifiziert.

Inhalte:
In Kleingruppen wiederholen die Teilnehmer/innen die Inhalte der 1,5 Tage des Basis-Trainings und fassen sie für sich zusammen.
Alle Teilnehmer/innen erhalten einen Abschlusstest und führen diesen durch. Der/die Moderator/in unterstützt bei Fragen.
In der großen Gruppe werden die Lösungen des Tests besprochen und die Teilnehmer/innen werten eigenständig ihr Ergebnis aus.
Die Moderatoren/innen gratulieren allen Teilnehmer/innen zur bestandenen Zertifizierung und überreichen jedem/r Teilnehmer/in den PeP EXPERTE Pass.
„Nachricht an mich selbst“ - alle Teilnehmer/innen schreiben anhand von 3 Leitfragen einen Brief an sich selbst. So werden die persönlichen Gedanken zum Training festgehalten und in einem Umschlag verschlossen. Dieser wird nach 4 Wochen zugestellt.

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Fritz Linow


Beiträge: 729


« Antworten #1 am: 28. Januar 2016, 12:52:01 »

Frank Appel sieht sich selber als „postheroischen Manager“.
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-531043.html

Postheroisches Management geht in etwa so:
Die postheroische Managementtheorie misstraut dem Ideal eines alles steuernden Entscheiders und ersetzt ihn durch das Zusammenspiel vieler Köpfe im Team. Die Funktion von Führungskräften besteht in der Moderation der internen und externen Kommunikation. Die Grenzen der Organisation werden als veränderbar verstanden.

Dazu gehört:
Schaffung von organisationalen und kommunikativen Strukturen im Unternehmen, die das Wissen aller Mitarbeiter abrufen, bündeln und koordinieren sowie in den entscheidenden Situationen verfügbar machen. Dies lässt sich auch als Dezentralisierung begreifen – getrieben von modernen Wissensmanagement- und Kommunikationstools.
 
Aufbau von Entscheidungsstrukturen, die es Mitarbeitern leicht machen, für das Unternehmen Verantwortung zu übernehmen, ohne aus der Rechenschaftspflicht entlassen zu werden.
http://www.humanresourcesmanager.de/ressorts/artikel/zeit-fuer-die-postheroische-fuehrung-10844


Daher passen diese Schlagwörter aus den einzelnen Seminarmodulen:

Ihr seid Verantwortungs-Nehmer!
Ihr seid Lösungs-Finder!
Ihr seid Veränderungs-Gestalter!
Ihr seid Anpacker!


Es geht darum, die Fähigkeit zur Lösung von Problemen nicht mehr an der Spitze einer Organisation zu monopolisieren, sondern sie an die Organisation zu delegieren und in ihr zu diffundieren.

 
An den Seminaren nehmen obere, mittlere und untere Ebene teil. Alle sollen  Verantwortungs-Nehmer, Lösungs-Finder, Veränderungs-Gestalter und Anpacker sein.
Im Rahmen des postheroischen Managements hat diese Gruppenzusammensetzung einen großen Vorteil: durch die Präsenz einer dritten Gruppe werden alle „fruchtbar beunruhigt“, denn: Dritte (sind) immer auch Ansatzpunkt für stabile Hierarchiebildungen, weil zwei Ebenen analog zum Herr/Knecht-Schema nicht stabil gehalten werden können, sondern je nach situativen Bedingungen "revolutionär" umgedreht werden können. Eine dritte Ebene jedoch hält die obere Ebene oben, weil ihre Leute dorthin wollen, und die untere unten, weil ihre Leute deren Konkurrenz fürchten.
http://www.bbb-beratungen.ch/Postheroische_Fuehrung_Dirk_Baecker.pdf

Mit der Pseudoeinbindung aller Mitarbeiter wird also eine Konkurrenz untereinander geschaffen, die unternehmerische Prozesse beschleunigt, gleichzeitig aber ein Aufbegehren lähmt, weil das klare Feindbild nicht mehr sichtbar ist. Die mittlere Ebene als Buckler nach oben und Treter nach unten ist da entscheidend.

Die Beschäftigten bei der Post sind immer noch sehr unzufrieden und es schwelt. Damit es in ein paar Jahren nicht nochmal zu einem Poststreik kommt, stellt das postheroische Management schon jetzt die Weichen, um die Belegschaft weiter zu spalten.
Eigentlich macht es Sinn, an diesen Seminaren freiwillig teilzunehmen, um mit total dämlichen Fragen und Beiträgen alles in die Länge zu ziehen und über die wirklichen Ziele aufzuklären.
Gespeichert
Fritz Linow


Beiträge: 729


« Antworten #2 am: 29. Januar 2016, 14:12:41 »

Diese Management- und Organisationstheorien sind eigentlich ganz interessant, um Erkenntnisse für Arbeitskämpfe zu gewinnen.
Normalerweise wird in einem Unternehmen Gehorsam gefordert, das aber bei Feierabend endet. Dieses Gehorsam setzt eine klare Definition voraus, wer was wann bestimmen und entscheiden kann. Nichts bleibt unbestimmt. Die Organisierung erfolgt durch Kommunikation von oben nach unten.
Beim postheroischen Management wird genau das Gegenteil gemacht. Alle sollen sich daran beteiligen, Lösungen zu finden. Widerspruch ist erwünscht. Dadurch wird Dynamik geschaffen und Stillstand vermieden. Es steht weniger die Durchsetzung vorgegebener Ziele im Vordergrund als vielmehr die Stärkung der Improvisationsfähigkeit, die dann bei Problemen abgerufen werden kann. Dadurch dass alle zur Achtsamkeit aufgefordert sind, ist im Problemfall eine Überkapazität an Ideen vorhanden. Es werden lauter kleine Manager und Macher geschaffen, die flexibel und spontan reagieren können, ohne dass Weisungen von oben zu kommen brauchen. Fehler sind da gar nicht so schlimm, weil sie neue Dynamik erzeugen. Die „fruchtbare Beunruhigung“ (=Angst vor Abstieg) ist genug Antrieb zur Eigeninitiative.
Diese geforderte Achtsamkeit und Aufmerksamkeit , wodurch man vom Unternehmen komplett eingenommen wird, kann „nur über Training, das heißt in allen kognitiven Dimensionen, emotional wie intellektuell, willkürlich wie unwillkürlich, vermittelt werden.“
(http://www.changex.de/Article/article_1933)
Und tatsächlich wird in diesen PeP-Experte-Seminaren nicht nur geredet, sondern auch gebastelt, gespielt, gesungen usw.
Ein weiterer wichtiger Punkt: durch die vielen kleinen Entscheider wird das Geschehen im Unternehmen unsichtbarer und unkontrollierbarer. Der Gegner ist nicht mehr offensichtlich.

Eigentlich zielt dieses ganze Konzept darauf ab, die Managementebene unter Druck zu setzen, kann aber auch bis ganz nach unten durchgezogen werden. Den letzten beißen die Hunde. Es wird nicht nur bei der Post, sondern auch bei ganz vielen anderen Unternehmen und Organisationen angewendet: Krankenhäuser, Callcenter, Jobcenter usw.

Für Arbeitskämpfe oder auch andere Konflikte hier in Deutschland könnte das folgendes bedeuten: da der Gegner auf Improvisation trainiert ist, stellt ein statischer Streik (Forderung, Warnstreik, Forderung, Warnstreik, Forderung, Streik, vor dem Werkstor stehen) keine Bedrohung dar. Der Gegner spielt da gerne mit und wird Lösungen finden. Die vielen kleinen Macher in einem Unternehmen, die eh schon die Solidarität untereinander untergraben, müssen als Gegner und nicht als mögliche Mitstreiter bestimmt und benannt werden. Die Eskalation sollte nicht sich langsam steigernd erfolgen, sondern mit voller Wucht an den Stellen passieren, wo die größte Improvisationsfähigkeit zu erwarten ist. Dadurch ist der Gegner gezwungen, schon früh seine Lösungsansätze offenzulegen, auf die man sich dann wiederum im weiteren Verlauf einstellen kann. Im besten Fall ist das schon im Vorfeld geschehen. Verdi zum Beispiel hat 3000 Angestellte, von denen einige sicherlich Zeit gehabt hätten, entsprechende Planspiele beim Poststreik letztes Jahr  durchzuexerzieren.
Letzendlich ist ein Arbeitskampf ein Kampf der Ideen. Die Unternehmen haben das frühzeitig erkannt und ihr Ideenpotential vervielfacht, während der DGB-Apparat an den alten hierarchischen Strukturen festhält und die Improvisationsfähigkeit der eigenen Mitglieder sträflich vernachlässigt.
Selbst mit diesen PeP-Experte-Seminaren ist die Post mal wieder einen Schritt voraus, während ver.di sich das „Ergebnis“ des Streiks immer noch schönsäuft.
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Fritz Linow


Beiträge: 729


« Antworten #3 am: 02. Februar 2016, 15:36:39 »

In Zusammenhang mit dieser Massengehirnwäsche und totalen Vereinnahmung fällt mir die Doku „Work Hard – Play Hard“ ein.

Wurde hier schonmal behandelt: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=25466.0

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Work_Hard_%E2%80%93_Play_Hard

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=TE0JKY5w9rM
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Fritz Linow


Beiträge: 729


« Antworten #4 am: 24. Mai 2016, 13:09:09 »

Für den Rotz gibt es sogar einen "Orden":

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fladenbrot


Beiträge: 2


« Antworten #5 am: 03. April 2017, 20:07:15 »

Die Aktion wurde bundesweit mit sofortiger Wirkung beendet !!!
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Fritz Linow


Beiträge: 729


« Antworten #6 am: 03. April 2017, 21:23:03 »

Die Aktion wurde bundesweit mit sofortiger Wirkung beendet !!!


Jepp, andere Affenveranstaltungen werden wohl auch eingestampft, was einerseits gut ist, andererseits aber Böses erahnen lässt. Das Arschloschpotential ist nachwievor sehr hoch und dann greift man halt noch stärker auf die klassischen Methoden zurück, z.B. wie hier:
http://betriebsgruppepostdienstenord.blogsport.eu/2017/01/03/unbezahlt-bei-dhl-arbeiten/

Ansonsten ist der Drops mit der Massengehirnwäsche noch lange nicht gelutscht:
« Letzte Änderung: 03. April 2017, 21:43:42 von Fritz Linow » Gespeichert
BGS
Polarlicht


Beiträge: 2604



« Antworten #7 am: 03. April 2017, 22:20:04 »

Haben die wirklich nicht genug Personal bei der Schneckenpost? Ein Brief vom Polarkreis nach Merkelsheim benötigt im Schnitt mehr als zehn Tage... .

Daran werden "PeP-Experten" mit Schwerpunkt im Bereich "Change Management" garantiert nix ändern.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12308



WWW
« Antworten #8 am: 04. April 2017, 09:34:22 »

Zitat
Daran werden "PeP-Experten" mit Schwerpunkt im Bereich "Change Management" garantiert nix ändern.
Nur wenn sie auch Briefe austragen! Grin
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
BGS
Polarlicht


Beiträge: 2604



« Antworten #9 am: 04. April 2017, 11:28:58 »

Zitat
Daran werden "PeP-Experten" mit Schwerpunkt im Bereich "Change Management" garantiert nix ändern.
Nur wenn sie auch Briefe austragen! Grin

Bestimmt "überkvalifiziert" Grin

Und unterbezahlt garantiert.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
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