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Autor Thema: Leiharbeitstarifverträge ab 2017  (Gelesen 18834 mal)
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dagobert


Beiträge: 4240


« Antworten #50 am: 10. Dezember 2016, 19:37:13 »

Die Tarifkommission der IGM will sich im Januar mit dem Verhandlungsergebnis beschäftigen.
http://www.igmetall-zoom.de/images/Datei/IGM_Mehr_Geld_für_Leibeschäftigte.pdf
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piet


Beiträge: 206



« Antworten #51 am: 10. Dezember 2016, 20:11:32 »

Nur um es noch mal hervorzuheben: Die bundesweite Tarifkommission von ver.di hat einen Tag nach Abschluss der Verhandlungen das Tarifergebnis abgenickt: http://www.verdi.de/themen/nachrichten/++co++42c6e260-b881-11e6-ae90-525400b665de
Wie geht das innerhalb von 24 Stunden?Huh??
Bei der IG Metall gibt es zumindest lokale Arbeitskreise (wenn auch nicht viele), die die Möglichkeit haben vor Ort über diesen Abschluss zu diskutieren. Was dabei herauskommt, ist eine andere Frage. Denn zuletzt entscheiden die Vorstände der Einzelgewerkschaften über Tarifabschlüsse.
Siehe auch die Startseite von ZOOM: http://www.igmetall-zoom.de/
und diverse Beiträge im Forum von ZOOM: http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewforum.php?f=28&sid=0d5cdd0bc626aa5cfbbea8ad1fc210a5
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Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist alt.

Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi
kardeşçesine,
bu hasret bizim.

Nâzım Hikmet
Rappelkistenrebell


Beiträge: 2536



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« Antworten #52 am: 20. Dezember 2016, 19:34:40 »

Aus: Ausgabe vom 21.12.2016, Seite 8 / Inland

»Dieser Tarifvertrag verhindert ›Equal Pay‹«
Mit Zustimmung der Gewerkschaften kann Leiharbeitern gleicher Lohn für gleiche Arbeit verwehrt werden. Gespräch mit Mag Wompel
Interview: Johannes Supe



Öffentlich protestiert auch der Deutsche Gewerkschaftsbund gegen den Missbrauch von Leiharbeit, hier auf einer Demonstration in München (9. April)
Foto: Peter Kneffel/dpa-Bildfunk

Der Tarifvertrag Leiharbeit läuft Ende des Jahres aus, die Verbände des Deutschen Gewerkschaftsbundes, DGB, wollen ihn verlängern. Ende November wurde ein Verhandlungsergebnis erreicht. Künftig sollen die Löhne im Westen um etwa drei Prozent, im Osten um annähernd fünf Prozent steigen. Stellt Sie das Ergebnis zufrieden?

Absolut nicht. Wir sind sehr unzufrieden damit, dass es überhaupt zu einem Tarifergebnis gekommen ist, aber dazu gleich mehr. Dieses Ergebnis wurde schöngerechnet. Als Argument für den Tarifvertrag wurde angeführt, dass der in der Leiharbeit geltende Mindestlohn höher sein soll als der gesetzlich festgelegte. Doch der gesetzliche Mindestlohn wird im kommenden Jahr auf 8,84 Euro pro Stunde erhöht. Im neuen Tarifvertrag ist für den Osten als unterste Stufe ab kommendem März ein Betrag von 8,91 Euro vorgesehen. Doch dieser Mindestlohn tritt für die Leiharbeiter nur in der verleihfreien Zeit in Kraft. Und die versuchen die Unternehmen zu vermeiden. Ist die Zeitspanne etwa besonders groß, wird oft gekündigt und der Kollege wird später neu eingestellt.

Sie haben bereits angedeutet, dass Sie einen Tarifvertrag für Leiharbeiter völlig ablehnen.

Im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz steht, dass grundsätzlich für gleiche Arbeit auch gleicher Lohn gezahlt werden muss. 2004 wurde im Rahmen der Agenda 2010 aber eine Ausnahme geschaffen. Seitdem kann »Equal Pay« umgangen werden, wenn ein Tarifvertrag anderes regelt. Dazu muss man wissen, dass ein Leiharbeiter, der etwa in eine Fabrik geschickt wird, nicht nach der dort geltenden Regelung bezahlt wird, sondern nach dem Leiharbeitstarif. Die Lohnunterschiede für dieselbe Arbeit betragen dabei nach Zahlen der Bundesregierung bis zu 70 Prozent. Der Tarifvertrag verhindert also durch seine bloße Existenz »Equal Pay«.

Es gibt in der Bundesrepublik auch christliche Gewerkschaften. Wäre nicht zu befürchten, dass diese einer noch schlechteren Regelung zustimmen, wenn sich der DGB zurückzieht?

Das Argument wird auch dieses Jahr benutzt, auch gegenüber unserer Kampagne. Aber die Leiharbeitsbranche hat schlechte Erfahrungen mit den christlichen Gewerkschaften gemacht: Ein mit ihnen abgeschlossener Tarif wurde rückwirkend für ungültig erklärt. Hätte der DGB den Mut gehabt und wäre ersatzlos ausgestiegen, dann wäre wohl kein neuer Vertrag zustande gekommen.

Die jetzige Regelung gilt ab dem 1. Januar nicht mehr. Ein neuer Vertrag wird voraussichtlich aber erst ab 1. Februar gelten, bis dahin haben die Gewerkschaften Zeit für eine Beratung. Was passiert in der Zeit dazwischen?

Im Januar haben wir wohl einen tariflosen Zustand für die Leiharbeiter, die in der Zeit von den »Sklavenhändlern«, wie ich sie nenne, neu eingestellt werden. Wird ein solcher Leiharbeiter dann in einen Betrieb geschickt, müsste ihm eigentlich der gleiche Lohn wie den dortigen Kollegen gezahlt werden.

Der Leiharbeitstarif wird nicht von einer Gewerkschaft verhandelt, sondern von einem Tarifverbund, bestehend aus allen acht DGB-Verbänden. Was passiert, wenn sich eine der Gewerkschaften doch gegen eine Zustimmung entscheidet?

Die Frage wird im Moment heiß diskutiert. Es war bereits ein kleines Politikum, dass ver.di die verbleibende Zeit nicht für Debatten an der Basis genutzt hat. Die dortige Tarifkommission stimmte dem Ergebnis keine 24 Stunden nach dem Zustandekommen zu. Seitdem wird spekuliert: Wenn die anderen nicht mitziehen, gilt der Tarifvertrag dann dennoch im Einsatzgebiet von ver.di? In der IG Metall fordern einige Regionen Nachverhandlungen. Gibt es dann unterschiedliche Tarife? Beantworten kann ich das derzeit nicht.

Auf »Tarifvorbehalte« wie jenen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, SPD, künftig stärker setzen. Etwa wenn es um derzeit feste Regelungen zu Arbeitszeiten geht. Wie bewerten Sie das?

Es ist tatsächlich zu beobachten, dass die Politik derzeit dazu tendiert, in Gesetze solche Tarifvorbehalte einzubauen. Darauf beruht auch eine Hypothese, warum sich der DGB überhaupt auf eine Regelung wie jene in der Leiharbeit einlässt. Es soll nur nicht die Runde machen, dass diese Tarifverträge nichts verbessern. Eher sind die Gewerkschaften hier Verhinderer besserer Arbeitsbedingungen.

Mag Wompel ist verantwortliche Redakteurin von Labournet Germany und Leiterin der Kampagne gegen eine Verlängerung des Leiharbeitstarifvertrags

Labournet Germany organisiert eine Unterschriftenkampagne gegen das Zustandekommen des Leiharbeitstarifvertrags: labournet.de

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/12-21/035.php

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Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de
dagobert


Beiträge: 4240


« Antworten #53 am: 22. Januar 2017, 12:35:30 »

Die Tarifkommission der IGM will sich im Januar mit dem Verhandlungsergebnis beschäftigen.

Hat sie getan - und zugestimmt.
https://www.igmetall.de/neue-tarifvertraege-mehr-geld-fuer-leihbeschaeftigte-24576.htm

Lesenswerter Kommentar von ZOOM-Admin karla dazu:
http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=30&t=5451&start=30#p41204
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dagobert


Beiträge: 4240


« Antworten #54 am: 04. Juni 2017, 18:29:21 »

EG1 ist jetzt auch als rechtsverbindliche "Lohnuntergrenze" festgelegt.
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=29026.msg329180#msg329180
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Fritz Linow


Beiträge: 782


« Antworten #55 am: 30. Oktober 2017, 21:13:29 »

Linke Metaller sagen:

(...) Zugleich hat die IG Metall Gesetze unterstützt, die in die falsche Richtung gehen. Stichwort Stärkung der Betriebsrenten, statt der gesetzlichen Renten. Und sie hat Tarifverträge geschlossen, die Gesetze nicht verbessert haben. Stichwort Leiharbeit. (...)
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068454.ig-metall-tarifpolitik-ist-nicht-genug.html (30.10.17)

Der frühere erste Bevollmächtigte der IG Metall Heidenheim Andreas Strobel hält dagegen:

(...) Als weiteres Problemfeld sieht Strobel die Leiharbeit, gegen die und deren Folgen die IG Metall seit nunmehr 14 Jahren ankämpft. Zum Teil mit Erfolg, so der Redner, weil es gelungen sei, Tarifverträge abzuschließen und eine Regulierung der Leiharbeit zu erreichen. Dennoch: Leiharbeit bleibe weiter ein Segen für die Unternehmer und ein Feind der Arbeitnehmer. (...)
http://www.swp.de/heidenheim/lokales/heidenheim/ig-metall_-keine-angst-vor-digitalisierung-_-leiharbeit-bleibt-ein-rotes-tuch-16339999.html (28.10.17)

Total schizo, der Laden da.


« Letzte Änderung: 30. Oktober 2017, 21:15:01 von Fritz Linow » Gespeichert
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