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Autor Thema: Neues aus der Türkei...  (Gelesen 23338 mal)
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Rappelkistenrebell


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« Antworten #100 am: 25. Januar 2018, 10:53:39 »





http://tkp-almanya.org/haende-weg-von-syrien/

Mass fight between Turks, Kurds breaks out in Hannover airport
A mass brawl has broken out at a German airport, sparked by demonstrators protesting about Turkish military operation against Kurdish YPG forces

weiter im Text mit Bildern und Videos

http://news.sol.org.tr/mass-fight-between-turks-kurds-breaks-out-hannover-airport-173947

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Kuddel


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« Antworten #101 am: 25. Januar 2018, 12:20:55 »

...es gibt auch eine lange Tradition der Roten Hilfe in der Zusammenarbeit mit linken Kurden und Unterstützung des kurdischen Befreiungskampfes.

Es mag sein, daß deutsche Linke so oder so eingestellt mögen zu den momentanen militärischen Auseinandersetzungen. Ich halte die linken Gruppen nicht für so sonderlich wichtig.

Interessanter ist es, wie die Diskussionen verlaufen unter stinknormalen Deutschen, in der türkischen und kurdischen Community? Wenn diese Diskussionen scheiße verlaufen, wie kann man das ändern?

Mit diesem Rumgeholze mit dogmatischen Statements von dogmatischen Gruppen wird man nicht sonderlich viel Erfolg haben...
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Rappelkistenrebell


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« Antworten #102 am: 25. Januar 2018, 13:40:36 »

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Kuddel


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« Antworten #103 am: 26. Januar 2018, 14:08:08 »

Rappel,
mit diesen Dingen gewinnt man bestenfalls die Minderheit der politisch bewußten Menschen.
Gestern war ne recht gute Radioreportage mit Straßeninterviews zur Atmospäre hier nach den militärischen Auseinadersetzungen.
Es war so, wie ich befürchtet hatte und teilweise noch schlimmer. Plötzlich geht ein Riß durch Familien und Freundschaften. Auf einmal definiert man sich als türkisch und kurdisch, auch wenn man hier geboren wurde und kaum/kein türkisch/kurdisch spricht. "Ihr beleidigt misch, wie ihr meinen Präsidenten als Diktator und Terroristen beschimpft." Mein Präsident!?! Und das aus dem Mund irgendwelcher Teenager in der 3. Generation in Deutschland!?!

Wir haben kläglich versagt. Scheinbar gibt Nationalismus mehr Angebot zu Gemeinschaft und Selbstdefinition und Halt. Man definiert sich nicht als Norddeutscher, Berliner, als Arbeiter, Humanist oder Linker. Man definiert sich über ein Land, mit dem man im wirklichen Leben (fast) nichts zu tun hat.

Bei Durchschnittdeutschen scheint es auch eher eine Haltung von "interessiert mich nicht!" bis "Hoffentlich tragen die ihren Konflikt nicht zu uns!" zu geben. Letztendlich sollten wir uns überlegen, wie wir mit Durchschnittsmigranten und Durchschnittsdeutschen diskutieren können in dieser Sache und nicht nur im winzigen Kreis der Linken.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #104 am: 26. Januar 2018, 14:40:16 »

Türkische Nationalisten waren und sind schon immer genauso scheiße wie deutsche Nationalisten!
Wenn die den "Türken- Hitler" so toll finden, sollen sie doch in die Türkei auswandern!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
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« Antworten #105 am: 28. Januar 2018, 00:00:15 »

AFRÎN
Zehntausende protestieren in Köln gegen Erdogans Syrien-Invasion
Bis zu 50.000 Menschen haben heute friedlich in Köln gegen den Angriff des faschistischen Erdogan-Regimes auf die kurdische Region Afrîn in Nordsyrien demonstriert. Sie waren aus ganz Deutschland und zum Teil aus den Nachbarländern angereist - die Polizei ging brutal vor.


Von rog
Samstag,  27.01.2018,  17:50 Uhr


Zehntausende - darunter auch viele türkische Arbeiterinnen und Arbeiter demonstieren gegen Erdogans Syrienivasion

Schon am frühen Morgen hatte NRW-Innenminister, Herbert Reul (CDU), ein extrem undemokratisches Vorgehen seiner Polizei angekündigt. Schon kleine Fahnen, mit dem Bild des inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan nahm dann die Polizei zum Vorwand immer wieder die Demonstration zu stoppen. Was ist das für eine Demokratie, wo das Zeigen eines Bildes zur Straftat erklärt wird, die Polizeiübergriffe bis hin zu Wasserwerfereinsatz rechtfertigen würde.

 

Die NRW-Regierung passt sich damit voll in die Politik der Bundesregierung ein, die die Invasion in der Demokratischen Föderation Nordsyriens stillschweigend unterstützt. Immer wieder tönten auch die Rufe "Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt!" über den Zug. Damit kritisieren die Demonstranten die deutschen Waffenlieferungen an die Türkei. Immerhin nehmen auch in Deutschland produzierte Leopard-II-Panzern an der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion teil. Außerdem in der Kritik: die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung und EU für die Türkei.

Deutsche und migrantische Arbeiter haben die gleichen Interessen
Kämpferische Musik, Gesänge, Parolen und ein Meer an Fahnen prägen die Demonstration. Am offenen Mikro der MLPD und des Internationalistischen Bündnis sprechen fast ohne Unterbrechung Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Menschen. Unter anderem eine Ford-Arbeiterin aus Köln und Kollegen von Daimler aus Düsseldorf: „Es müssen sich noch mehr Menschen, die in Deutschland leben, an den Protesten beteiligen“. „Die deutsche Regierung paktierte mit der Türkei, Sie duldet den Angriff auf Afrin.“ Wir fordern den sofortigen Abbruch der Beziehungen zur faschistischen türkischen Regierung“.

 

Jubel brandet auf, als IGM-Gewerkschafter berichten, dass heute 24-Stunden-Streiks in der Tarifrunde beschlossen wurden. "Deutsche und migrantische Arbeiter haben die gleichen Interessen", so ein Redner. " Sowohl in den betrieblichen Kämpfen, wie im Widerstand gegen imperialistische Kriege".


Die Demonstranten ließen sich von den Schikanen der Polizei nicht provozieren, die die Demo kurz nach dem Start stoppten, weil angeblich verbotene Fahnen mitgeführt wurden. Eineinhalb Stunden war kein voran kommen mehr. Am offenen Mikrophon sprachen für die MLPD Horst Dotten und Ernst Herbert. Aber auch Vertreterinnen und Vertreter der Migrantenorganisationen DIDF, ATIF und AGIF, sowie der PYD Jugend. Die PYD ist die syrische Partei der Demokratischen Union und eine führende Kraft Nordsyrien. Auch ein Vertreter iranischer Kommunisten überbrachte seine Solidarität. Immer wieder sprachen auch Vertreterinnen und Vertreter der Nav-Dem. Sie bedankten sich für die Teilnahme des Lautsprecherwagens von MLPD und Internationalistischem Bündnis. Nav-Dem, das Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland, hatte zu der heutigen Demonstration aufgerufen.



Von wegen Öcalan-Fahnen konfiziert: Reuters dokumentiert, was die Polizei beschlagnahmt wirklich beschlagnahmt hat: Erdogan-Kritik

Telefonbericht
Ein Teilnehmer berichtet telefonisch: "Etwa auf der halben Strecke kesselte die Polizei die Spitze des Zuges ein. Die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer blieben so lange stehen, bis klar war, dass die Demonstranten an der Spitze wieder frei gekommen waren. Dann machte der Demozug nach einer Zwischenkundgebung kehrt. Eine Auflösung kommt nicht in Frage. Im Moment geht er wieder zurück zum Ebertplatz, um dort wie geplant die Abschlusskundgebung durchzuführen. Wir lassen uns auch nicht weiter provozieren, auch nicht von türkischen und anderen Faschisten, die einige Teilnehmer gerade attackierten. Wir bleiben friedlich und lassen uns nicht kriminalisieren. Gerade sind wir von Polizei umstellt, die eine Auflösung erzwingen will."

 

Die Redner der MLPD prangerten das imperialistische Komplott an. "Die deutsche Regierung ist eine der engsten Verbündeten des Erdogan-Regimes. Kurdische und türkische revolutionäre Organisationen werden von der Bundesregierung in Deutschland kriminalisiert und verfolgt. Die Bundesregierung heuchelt Eintreten für Humanität und Frieden und betreibt imperialistische und reaktionäre Politik," heißt es in der Erklärung der MLPD, die heute zu Tausenden auf der Demomstration verteilt wurde.

Intensive Diskussionen über den Imperialismus
Intensiv wurde über zum Teil vorhandene Illusionen einer friedlichen Ausbreitung von demokratischer Autonomie diskutiert. Keine imperialistische Macht ist und war je ehrlicher Verbündeter gerechter Befreiungskämpfe. Die MLPD verbreitete in verschiedenen Sprachen ihre aktuelle Broschrüre über die neuimperialistischen Länder, darunter die Türkei und eine neue Qualität der Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystem. "Besonders gut ließ sich die Broschüre verkaufen, weil sie eine Analyse vorlegt, warum die Türkei heute so aggressiv vorgeht", berichtet eine Korrespondentin. "Ich habe keinen Gesamtüberblick, aber ich habe selbst viele verkauft und auch andere gesehen. Wir haben außerdem viele Programme der MLPD verbreitet und Adressen bekommen, von Leuten die in der MLPD mitmachen wollen." Ein anderer berichtet, dass sich viele in die Listen des Internationalistischen Bündnis eingetragen haben.

 

Den ganzen Tag gab es vielsprachige und intensive Diskussionen unter den Teilnehmern über die Notwendigkeit des engen Zusammenschlusses und auch darum, sich im Internationalistischen Bündnis, in der MLPD oder dem Jugendverband REBELL zu organisieren. Zahlreiche neue Kontakte wurden gewonnen. Außer den Fahnen kurdischer Organisationen waren Fahnen der MLPD, des REBELL und der Linkspartei zu sehen. Viel Aufmerksamkeit zogen auch hunderte Luftballons in den kurdischen Farben, grün, gelb und rot auf sich, die sich in den sonnigen Himmel erhoben.

Es handelte sich um eine gezielte Provokation. Die Polizei versuchte eine Eklat herbeizuführen

Roland Meister, Rechtsanwalt vor Ort

Gegen 16.15 Uhr wurde über das offene Mikro bekannt gegeben, dass die Demo von der Demo-Leitung beendet wurde und sich alle geordnet entfernen sollen. Die Teilnehmer sind stolz auf ihre kämpferische und beeindruckende Demonstration.

 

Zuvor hatte allerdings die Polizei die friedliche Demonstration aufgelöst und ging gegen eine spontane Kundgebung vor, die gegen die Auflösung und Polizeischikanen protestieren wollte. Zu diesen Schikanen gehört auch, dass bereits im Vorfeld Busse und Züge aufgehalten wurden und so Tausende Teilnehmer von der Demo fern gehalten wurden. Der Rechtsanwalt, Roland Meister (MLPD), berichtet, dass die Polizei den ganzen Tag gezielt versucht hat, mit Provokationen einen Eklat herbeizuführen. 


Auf der ganzen Welt finden und fanden heute solche Demonstrationen statt - mit den gleichen Fahnen und Transparenten. Die NRW-Landesregierung - sicher mit Rückendeckung des Bundesinnenminsteriums - spielte heute eine Vorreiterrolle in der Unterdrückung der Solidaritätsbewegung mit Rojava und aller fortschrittlichen und revolutionären Menschen.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw04/zehntausende-protestieren-in-koeln-gegen-erdogans-syrieninvasion
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« Antworten #106 am: 28. Januar 2018, 00:01:59 »

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« Antworten #107 am: 28. Januar 2018, 01:30:46 »

Faschisten haben in Gewerkschaften nichts zu suchen.Das gilt auch für türkische Faschisten.... Angry

Nach Vortrag von Dagdelen  - Erdogan-Unterstützer rufen zu IG-Metall-Austritt auf

Von Lars Wienand

Weil die IG Metall die kurdischstämmige Abgeordnete Sevim Dagdelen eingeladen hat, laufen Erdogan-Anhänger Sturm. Sie organisieren eine Austrittskampagne.

Eigentlich ist die IG Metall mit Warnstreiks und Tarifkonflikt derzeit voll ausgelastet. Die Gewerkschaft findet sich nun aber auch mitten im hochgeputschten Streit um die türkische Offensive in der kurdisch dominierten Region Afrin in Syrien wieder. In sozialen Netzwerken hagelt es Kritik und Austrittsdrohungen, nachdem Funktionäre der deutschen Kleinpartei AD dazu aufgerufen haben. Die AD steht der türkischen Regierungspartei AKP von Recep Tayyip Erdogan nahe.

Auslöser ist, dass Sevim Dagdelen, Fraktionsvize der Linken im Bundestag, einen Vortrag "Für eine wirkliche Neuausrichtung der deutschen Türkei-Politik" halten durfte. Eingeladen hatte der von Kurden dominierte Ortsmigrantenausschuss in Salzgitter. Ein AD-Funktionär nennt die Kampagne gegen die Gewerkschaft in einem Tweet offen eine "politische Erziehungsmaßnahme".

Mehrere Musterschreiben für Austritte
Mehrere Deutschtürken haben Musterschreiben für einen Austritt bereitgestellt, in sozialen Netzwerken gibt es Dutzende Fotos von Austrittserklärungen. In der örtlichen IG-Metall-Geschäftsstelle stand das Telefon nach Informationen von t-online.de nicht still. Dort gingen auch beleidigende Anrufe ein. Auf der Facebook-Seite des Bundesvorstands wurden viele inhaltlich gleiche Postings gelöscht.

Die in Duisburg als Kind kurdischer Eltern geborene Dagdelen ist eine Reizfigur unter Deutschtürken. Sie ist entschiedene Erdogan-Kritikerin und hat das Buch "Der Fall Erdogan: Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft" geschrieben. Den Zorn von Teilen der Deutschtürken zog sie sich auch zu, als sie kürzlich im Bundestag die verbotene Flagge der Kurdenmiliz YPG zeigte, gegen die die Türkei die Offensive in Syrien gestartet hat. Dagdelen war dafür im Bundestag gerügt worden.

IG Metall: "Kritische Diskussionen aushalten"
Weil sie bei der IG Metall Salzgitter reden durfte, fahren Wortführer des Erdogan-Lagers deutschlandweit schweres Geschütz auf: Sie empfehlen den Austritt aus der Gewerkschaft, damit mit den Beiträgen "auch über Umwege keine terroristischen Vereinigungen unterstützt werden können", wie es in einer Erklärung heißt. IG-Metall-Mitglieder sollten sich "weder von ihr, noch dem Rest der deutschen PKK-Versteher zum Schweigen bringen lassen". 

Woher der Vorwurf rührt, IG-Metall-Mitglieder sollten zum Schweigen gebracht werden, ist nicht ersichtlich. Offenbar sollen aber Dagdelen Auftrittsmöglichkeiten genommen werden. Nach Informationen unserer Redaktion hat die IG Metall jedoch eine Absage der Veranstaltung nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Eine Sprecherin erklärte auf Anfrage von t-online.de, in einer vielfältigen Gewerkschaft mit über zwei Millionen Mitgliedern spiegelten sich gesellschaftliche Debatten. "Dazu gehört, als demokratische Organisation auch kritische Diskussionen zu schwierigen Themen auszuhalten und respektvoll zu führen“.

Dagdelen stritt mit Gabriel über YPG
Die YPG hat viele Überschneidungen mit der auch in Deutschland verbotenen PKK, die türkische Regierung setzt sie mit der PKK gleich. YPG-Kämpfer haben aber mit Unterstützung des Westens maßgeblich dazu beigetragen, den IS in Syrien zurückzudrängen. Dagdelen hatte das Verbot der Fahne daher "heuchlerisch" genannt.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte sie vorgeworfen, er mache sich zum "Büttel" des türkischen Präsidenten Erdogan. In der Ankündigung ihres Vortrags beklagt sie auch, der Einfluss des türkischen Präsidenten und seiner AKP-Regierung reiche "längst bis nach Deutschland, wo sie Andersdenkende und Oppositionelle ausspionieren und verfolgen".

Dagdelen hat wegen Morddrohungen Personenschutz, der AD-Gründer Ramazan Akbas (Facebook-Selbstbeschreibung: "Verbaler Zerstörer") hat gerade geschrieben, er erhalte "Nullkommagarnix" an Drohungen. Die Partei gründete sich nach der Bundestagsresolution zum türkischen Völkermord an den Armeniern 2016. Bei der Bundestagswahl plakatierte die Partei Bilder von Erdogan mit einem türkischen Slogan und holte bundesweit 0,1 Prozent der Stimmen.


Quelle

http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_83109288/erdogan-unterstuetzer-rufen-zu-ig-metall-austritt-auf-.html

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« Antworten #108 am: 28. Januar 2018, 12:33:38 »

Kein Verlust, wenn türkische Faschisten aus der Gewerkschaft austreten.
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« Antworten #109 am: 28. Januar 2018, 19:47:27 »

Genau so sehe ich das auch!
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« Antworten #110 am: 30. Januar 2018, 09:16:04 »

Aus: Ausgabe vom 30.01.2018, Seite 1   / Titel

Ankaras Dschihad
Die Türkei setzt in Syrien auf islamistische Terrorbanden, bombardiert Krankenhäuser und Schulen. Kurden melden sogar den Einsatz von Napalm



Halsabschneider als Verbündete: Tausende Söldner diverser Terrormilizen kämpfen an der Seite der Türkei im Krieg gegen Afrin
Foto: AP

Je länger der Angriffskrieg der Türkei gegen die selbstverwaltete Region Afrin im Norden Syriens andauert, desto verstörendere Einzelheiten über die Kriegführung Ankaras dringen an die Öffentlichkeit. In den vergangenen Tagen bombardierten die Kampfjets Erdogans nicht nur zivile Wohngebiete, sondern auch Infrastruktur und historische Ausgrabungsstätten: Ein Tausende Jahre alter Tempel nahe der Ortschaft Ain Dara und ein Krankenhaus in Dschindires wurden teilweise zerstört, in dem Dorf Gubele starben bei einem einzigen Angriff acht Zivilisten, darunter drei Frauen und zwei Kinder.

Am Sonntag soll nun die türkische Armee zusätzlich zu Flächenbombardements aus der Luft und Artilleriebeschuss an zumindest zwei Stellen Napalm eingesetzt haben. Rubar Berxwedan, ein Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG, bestätigte gegenüber junge Welt den Einsatz der international geächteten Waffe bei Kevire Ker und Gire Qestel (Bursaja), zwei strategisch wichtigen, umkämpften Hügeln. Die Brandbomben seien aus Hubschraubern abgeworfen worden.

Trotz einer breitangelegten Desinformationskampagne staatlicher türkischer Medien wird zudem immer deutlicher, wer die Hilfstruppen des türkischen Regimes in diesem Krieg stellt. Ein Teil jener nun unter dem Label »Freie Syrische Armee« versammelten Milizen hat sich bereits in vergangenen Schlachten in Syrien einen Namen gemacht. Mit dabei sind etwa Kämpfer der Harka Nur Al-Din Al-Senki. Die sunnitische Miliz war im Juli 2016 durch die auf Video festgehaltene Enthauptung des zwölfjährigen Abdullah Issa international bekannt geworden. Ebenso beteiligt sich Ahrar Al-Scharkija an der Invasion, eine kleine Abspaltung des Al-Qaida-Ablegers Nusra-Front. Eine Gruppe, die man hauptsächlich deshalb kennt, weil ihr Kommandant bei der Vergewaltigung eines Kindes gefilmt worden war. Fotos aus dem syrischen Dorf Kurni zeigen zudem Söldner der Dschaisch Al-Nukhba, eines Zusammenschlusses von fünf dschihadistischen Milizen, zu denen auch die Al-Qaida-Filiale Nusra zählte. Zudem dürften sich tschetschenische Terroristen dem »Heiligen Krieg« der türkischen Regierung angeschlossen haben. Das legt der Umstand nahe, dass auch Ankaras Hofpresse den Tod Muslim Al-Schischanis in Afrin vermeldete. Der tschetschenische Islamist stand auf der US-Sanktionsliste.

Andere prominente »Partner« der Türkei sind: Ahrar Al-Scham, Dschaisch Al-Nasr und jene syrischen Turkmenen-Milizen, die im November 2015 den Piloten eines von der Türkei abgeschossenen russischen Kampfjets ermordeten. Die Türkei bedient sich nicht nur islamistischer Banden, sondern innerhalb ihrer regulären Truppen auch faschistischer Kämpfer, die den sogenannten Grauen Wölfen nahestehen. Den charakteristischen Wolfsgruß dieser Ultranationalisten sieht man auf zahlreichen Fotos von der Front – unter anderem gezeigt von Soldaten, die auf deutschen »Leopard«-Panzern posieren und deutsche »G3«-Gewehre tragen.

Die Weltanschauung der von der Türkei versammelten Hilfstruppen unterscheidet sich kaum von derjenigen des »Islamischen Staates«. Viele der Gruppen wurden in früheren Phasen des Krieges um Syrien von den USA ausgebildet und bewaffnet. Die meisten dieser Formationen sind in den vergangenen Jahren geschwächt und zurückgedrängt worden. Nun hoffen sie, sich erneut an der Seite eines NATO-Staates in Syrien etablieren zu können.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326301.ankaras-dschihad.html

Aus: Ausgabe vom 30.01.2018, Seite 2   / Ausland

»Die Bevölkerung Afrins greift zu den Waffen«
Der Feldzug Erdogans überraschte die kurdischen Verteidigungseinheiten nicht. Sie vertrauen auf ihre eigene Stärke. Gespräch mit Michael Wilk
Int
erview: Gitta Düperthal


Bereit zur Verteidigung Nordsyriens gegen den türkischen Einmarsch: Arabische und kurdische Kämpfer in Hasaka
Foto: Rodi Said/ Reuters

Der türkische Angriffskrieg richtet sich nicht mehr nur gegen Afrin im Westen des nordsyrischen kurdischen Autonomiegebiets, sondern auch gegen weiter östlich nahe der Grenze zur Türkei gelegene Orte. Dort waren Sie als Arzt zuletzt 2017. Wie ist die Lage aktuell?

Im vergangenen Jahr war ich in Rakka, Kamischli, Derik und Serekaniye (arabisch: Ras Al-Ain, jW); dort gab es jetzt vereinzelt Attacken der türkischen Armee. Die Türkei hat über die Grenze Einrichtungen beschossen, die zum Teil bereits geräumt waren. In Serekaniye gab es Verletzte, berichten Freunde und Kollegen von der Hilfsorganisation Heyva Sor, dem Kurdischen Roten Halbmond. Die türkische Aggression gegen Afrin verschärft zwar die Krisensituation, doch die kurdischen Frauen- und Volksverteidigungseinheiten sind sich ihrer eigenen Stärke und Fähigkeiten bewusst; sie sehen die Lage besonnen und gefasst. Sie waren nicht überrascht worden; das hügelige Gelände in Afrin bietet gute Verteidigungsmöglichkeiten. Die Bevölkerung greift zu den Waffen, selbst ältere Frauen und Männer. Die Türkei greift dort auch an, weil hier keine Amerikaner stationiert sind, wie in anderen Teilen Rojavas.

Geht es den beteiligten Mächten – den USA, Russland, dem Iran –, die gerade zuschauen, darum, den emanzipativen und demokratischen kurdischen Einfluss zu mindern?

Die USA verfolgen eigene Interessen, wollen sich nicht vom NATO-Land Türkei distanzieren. Russland und Iran stützen das Assad-Regime – und sehen nun Söldnerdschihadisten, die sie sonst unter dem Label der »Freien Syrischen Armee« bekämpfen, im Kampf gegen die YPG gebunden. Dass die beteiligten Mächte nun den basisdemokratisch organisierten Kanton Afrin der türkischen und islamistisch orientierten Aggression preisgeben, ist auch deshalb tragisch: Dort sind Tausende Flüchtlinge untergekommen, in den vergangenen Jahren war es stets ruhig.

Wie viele Tote und Verletzte gibt es?

In Afrin gibt es bislang 150 verletzte und 41 tote Zivilisten, 43 Kämpferinnen und Kämpfer starben, sagten mir Quellen vor Ort. Über die Anzahl toter und verletzter türkischer Soldaten gibt es keine Angaben: Wenn der Deutschlandfunk auf Quellen aus Ankara bezugnehmend am Samstag nur drei Tote meldete, weist dies wohl darauf hin, dass sich der Krieg auch medial vollzieht. Die Zahl der eigenen Opfer wird heruntergerechnet, die des Gegners herauf. Siegessichere Präsentation ist Teil der Kriegspropaganda. Meine Gesprächspartner gehen davon aus, dass es hohe Verluste auf seiten der Angreifer in dem völkerrechtswidrig von der Türkei begonnenen Krieg gibt, vor allem unter den türkischen Al-Qaida nahestehenden Söldnertruppen.

Die kurdische Führung in Afrin fordert Damaskus auf, sich der türkischen Aggression entgegenzustellen und klarzumachen, dass sie keine türkischen Flugzeuge im syrischen Luftraum duldet …

Es geht wohl darum, eine Positionierung einzufordern; insbesondere die Attacken aus dem Luftraum sind gefährlich.

Was sagen Sie zur Berichterstattung hiesiger Medien? Die Kurden müssten »einen Blutzoll zahlen«, hieß es etwa im »Heute-Journal« des ZDF. Euronews berichtete aus der Perspektive der Türkei von »260 getöteten Extremisten«.

»Blutzoll« – wofür? Dafür, dass sie selbstbestimmt leben wollen? Die so bezeichneten Extremisten haben den IS vertrieben, als Partner der US-geführten Allianz. Die Zurückhaltung der USA und die Rolle Russlands sind ebenso unsäglich wie zynische Statements europäischer Politiker, die die Türkei »zur Mäßigung« aufrufen. Soll künftig »gemäßigter« bombardiert und getötet werden? Im Nachsatz heißt es stets, es handele sich um Terroristen der PKK. Gegenüber der PKK und der YPG ist eine politische Neubewertung notwendig, ohne Anbiedern an Erdogan: Der unmenschliche, barbarische Akt der Türkei ist als solcher zu geißeln. Er wendet sich zudem gegen die humanitäre Hilfe, die hierzulande für Rojava geleistet wird, um den demokratischen Aufbau und die Flüchtlingshilfe dort zu unterstützen. Erdogans Absicht ist, emanzipative Ansätze zu zerstören, etwa die Besetzung aller Institutionen mit einer Frau und einem Mann an der Spitze. Statt wachsweichem Herumeiern mit dem NATO-Bündnispartner gilt es, ihn unter Druck zu setzen, den völkerrechtswidrigen Krieg zu stoppen.


Michael Wilk ist Arzt und arbeitete seit 2014 immer wieder in der Demokratischen Konföderation Nordsyrien

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326305.die-bevölkerung-afrins-greift-zu-den-waffen.html
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« Antworten #111 am: 30. Januar 2018, 18:04:12 »

Zitat
Gelsenkirchen - Bis zu 1.000 Menschen bei ruhrgebietsweiter Montagsdemo für Afrîn

Die ruhrgebietsweite Gelsenkirchener Montagsdemonstration am 29. Januar stand ganz im Zeichen der Solidarität mit Afrîn gegen die türkische Invasion.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw05/feffbis-zu-1-000-menschen-bei-ruhrgebietsweiter-montagsdemo-fuer-afrin
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« Antworten #112 am: 30. Januar 2018, 18:44:23 »

Video mit Kobane-Lied in der Türkei ein Hit
Dienstag,  30.01.2018,  15:30 Uhr

Eine türkische Nachrichtenagentur, die über die große Demonstration am Samstag in Köln berichtete, stellte in ihrem Bericht ein Video online. Darin wird das Kobane-Lied gesungen. In der Türkei wird das Video massenhaft angeklickt. In der Überschrift heißt es: "Das Kobane Lied, das von deutschen Frauen gesungen wurde, hat viel Interesse geweckt."

 

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw05/video-mit-kobane-lied-in-der-tuerkei-ein-hit


UND HIER KANN MAN DAS LIED HÖREN  Afro


http://artihaber.org/kolndeki-afrin-yuruyusunde-alman-kadinlarin-kobane-sarkisi-buyuk-ilgi-gordu

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« Antworten #113 am: 01. Februar 2018, 19:19:39 »

Zitat
ICOR - „Stoppt den faschistischen Angriffskrieg auf Rojava/ Nordsyrien!“

„Efrîn wird leben!“, so ist die aktuelle Resolution der revolutionären Weltorganisation Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR) überschrieben, die aktuell veröffentlicht wurde. Die ICOR schreibt dazu:

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw05/stoppt-den-faschistischen-angriffskrieg-auf-rojava-nordsyrien
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« Antworten #114 am: 01. Februar 2018, 19:27:45 »

Die USA geben die Kurden trotz der türkischen Angriffe noch nicht auf.....


Kein kurzer Feldzug
Türkische Aggressionen gegen Afrin gehen weiter

Von Manfred Ziegler  |    Ausgabe vom 2. Februar 2018


Seit Beginn der Angriffe auf Afrin gab es bundesweit Solidaritätsaktionen wie hier am vergangenen Samstag in Köln (Foto: redpicture)

Die türkische Aggression gegen das kurdische Gebiet Afrin im Norden Syriens geht weiter. Syrische Medien sprachen am Sonntag von 86 getöteten Zivilisten und 200 Verletzten. Infrastruktur und Gebäude wurden beschädigt, der Verkehr kommt aufgrund der Angriffe zum Erliegen. Wie üblich sind die jeweils gemeldeten Verlustzahlen der gegnerischen und eigenen Truppen vollkommen widersprüchlich. Mit Sicherheit sind sie hoch.
Erdogans Anhänger unterstützen ihn in seinem Feldzug gegen die Kurden. Die Medien tun alles, um den Feldzug erfolgreich erscheinen zu lassen. Und Opposition darf es nicht geben. Die kemalistische Republikanische Volkspartei (CHP) unterstützt den Krieg. „Türkei an erster Stelle“ und „Wir unterstützen die Aktion“ sagt der Parteivorsitzende Kemal Kilicdaroglu. Soweit es überhaupt Stimmen gegen den Krieg gibt, werden sie unterdrückt. Dutzende Menschen, die sich in sozialen Medien gegen den Krieg aussprachen, wurden verhaftet.
Es sollte ein sehr kurzer Feldzug sein – doch im Moment sieht es nicht danach aus. Erdogan aber hat noch größere Ziele als Afrin. Manbidsch ist im Visier der türkischen Armee – obwohl dort Einheiten des NATO-Verbündeten USA stationiert sind. Und Erdogan fordert die USA sogar auf, ihre Truppen aus Manbidsch abzuziehen.
Medien wie die „New York Times“ beschworen noch beim Kampf um Raqqa in lyrischen Worten die Waffenbrüderschaft mit den Kurden, den „engsten Verbündeten der USA vor Ort“, die unterstützt von US-Artillerie und -luftwaffe den IS bekämpften. Heute fragen sie: „Wer sind die kurdischen Kämpfer – Verbündete oder Terroristen?“. Für die USA sind sie beides: die Türkei und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation – und die engen Verbindungen zwischen der PKK und den YPG sind kein Geheimnis.
Was Afrin betrifft, so sind die USA bemüht, sich zu distanzieren. General Kenneth F. McKenzie, ein Sprecher des Pentagon, erklärte gegenüber Medienvertretern: „Wir haben den Kurden in Afrin weder Ausrüstung geliefert, noch sie trainiert … Unsere Aufmerksamkeit richtet sich nur auf den Euphrat …“ Damit erhielt die Türkei freie Hand für ihre Aggression gegen Afrin.
Mehrmals gab es Medienberichte, die Verwaltung von Afrin hätte die syrische Regierung um Hilfe gebeten. In einer Klarstellung hieß es schließlich, die Verwaltung von Rojava habe nicht um die Unterstützung durch syrische Truppen gebeten, sondern um Anerkennung der „Demokratischen Föderation Nordsyrien“ – und um eine Flugverbotszone.
Militärstellungen bei Damaskus wurden von der US-amerikanischen und israelischen Luftwaffe bombardiert – ohne Folgen. Syrien wird jetzt nicht Krieg gegen die Türkei führen. Und die „Anerkennung der Demokratischen Föderation Nordsyrien“ kann allenfalls Teil einer politischen Lösung sein. So richtet sich die Aufmerksamkeit in Damaskus auf die Verhandlungen in Sotschi. Auch für diesen Kongress ist die Zusammenarbeit Russlands mit der Türkei unverzichtbar. Wie 1 600 andere Syrer sind Vertreter kurdischer Parteien zu diesem Treffen eingeladen, um über die Neugestaltung Syriens zu debattieren.
Die USA werden wegen Afrin keine Flugverbotszone gegen ihren NATO-Partner errichten und Erdogan wird sein Ziel, die YPG aus Afrin zu vertreiben, erreichen – wenn auch nicht in einem kurzen Feldzug.
Jenseits von Afrin werden die USA ihre Stützpunkte in Rojava nicht wegen Erdogan aufgeben. Und man darf das Bündnis zwischen USA und Kurden noch nicht abschreiben. Schließlich könnten die Kurden für die USA noch einmal nützlich sein: Um den Einfluss des Iran in Syrien zurückzudrängen.

Quelle

http://www.unsere-zeit.de/de/5005/internationale_politik/7630/Kein-kurzer-Feldzug.htm


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« Antworten #115 am: 02. Februar 2018, 09:26:37 »

Aus: Ausgabe vom 02.02.2018, Seite 2   / Inland

Zurückhaltend kritisch
Bundestag debattierte am Donnerstag über türkische Offensive in Nordsyrien. Linke verlangte klare Stellungnahme von der Regierung

Von Marc Bebenroth


Mit dem Tragen grün-rot-gelber Tücher, wie es diese Teilnehmerin einer Demo am 27. Januar auf dem Kopf hatte, wollte die Linksfraktion im Bundestag ihre Solidarität mit den Kurden in Afrin demonstrieren
Foto: Marius Becker/dpa

Auf Verlangen der Linksfraktion befasste sich der Bundestag am Donnerstag nachmittag in einer aktuellen Stunde mit der Haltung der Bundesregierung zum Einmarsch türkischer Streitkräfte in Syrien mit Panzern aus deutscher Produktion. Katja Kipping (Die Linke) eröffnete für ihre Fraktion die Debatte und erklärte, dass sie vor allem das Schweigen der Bundesregierung zu »Erdogans Angriffskrieg« und den getöteten Zivilisten wütend mache. Das Fehlen einer klaren Distanzierung wertete Kipping als »Kniefall« der Bundesregierung vor dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Notwendig sei das sofortige Ende des AWACS-Programms der Bundeswehr, so Kipping, da die Aufklärungsflüge den türkischen Truppen eine wichtige Grundlage für deren Militäroperationen liefern würden.

Eine Mehrzahl der Abgeordneten der Linksfraktion trug grün-rot-gelbe Halstücher, die Farben der kurdischen Volksverteidigungseinheiten. Roderich Kiesewetter (CDU), der nach Kipping zum Plenum sprach, wollte vom Bundestagspräsidium festgestellt wissen, ob die demonstrative Halsbekleidung als Uniformierung gelten kann. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), der diesen Teil des Sitzungstages leitete, wertete das Tragen der kurdischen Tücher als unzulässige Demonstration. Er verwies unter anderem auf »die Geschichte auch dieses Hauses« und bat um den Verzicht auf eine Uniformierung. Die meisten Abgeordneten der Linksfraktion legten daraufhin ihre bunten Stofftücher ab.

Das »türkische Vorgehen« wertete Kiesewetter als unangemessen. Das »Verhalten der Türkei« sei als völkerrechtswidrig zu bewerten. Einen Zusammenprall türkischer mit US-amerikanischen Truppen gelte es nach Ansicht des CDU-Politikers zu verhindern. Für die SPD mahnte Dagmar Freitag in der Debatte ein »mäßigendes Einwirken« auf die Türkei an.

Von den Regierungsfraktionen war insgesamt zu vernehmen, dass die Absage an das türkische Militär, die von Deutschland gelieferten »Leopard-2«-Panzer – anders als vereinbart – modernisieren zu lassen, der wichtigste politische Schritt gewesen sei. Grund für die zurückhaltende Kritik aus den Regierungsparteien dürfte auch die mit der Türkei getroffene Vereinbarung zur Verteilung von Asylsuchenden sein.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326515.zurückhaltend-kritisch.html

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« Antworten #116 am: 02. Februar 2018, 18:25:17 »

GELSENKIRCHEN
Videoreportage zur Efrîn-Montagsdemo

https://www.rf-news.de/videoreportage-zur-efrin-montagsdemo

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« Antworten #117 am: 05. Februar 2018, 09:46:25 »

Aus: Ausgabe vom 05.02.2018, Seite 1   / Titel

Aufschrei für Afrin
Tausende demonstrieren gegen Angriffskrieg der Türkei. BND an der Seite der US-Armee in Syrien aktiv. Russisches Kampfflugzeug abgeschossen
Von Nick Brauns



»Sie werden nicht durchkommen!« Auch in Berlin wurde gegen den türkischen Angriff demonstriert
Foto: Thorsten Strasas

Anlässlich eines internationalen Solidaritätstages für Afrin sind am Wochenende in vielen Städten Europas, aber auch in Amerika und Asien, Tausende Menschen gegen die Invasion der Türkei gegen den Distrikt im Norden Syriens auf die Straße gegangen. In Deutschland fanden Protestkundgebungen in mindestens 17 Städten statt, die größte mit nach Polizeiangaben mehr als 5.000 Teilnehmern am Sonnabend in Stuttgart und am Sonntag in Berlin.

Auch im Zentrum von Afrin selbst demonstrierten am Sonntag Zehntausende Menschen. »Wir werden den Besatzungsangriffen des türkischen Staates und seiner Söldner durch den Willen der Bevölkerung eine Niederlage zufügen«, hieß es dort. Aus anderen Teilen der Demokratischen Föderation Nordsyrien brachen Tausende Freiwillige an die Front auf, darunter Kämpfer des »Militärrates der christlichen Assyrer« aus Kamischli.

Dschihadisten ist es am Sonnabend erstmals in Syrien gelungen, ein russisches Kampfflugzeug abzuschießen. Die in geringer Höhe über der nordwestsyrischen Provinz Idlib fliegende Suchoi Su-25 wurde von einer tragbaren Rakete getroffen. Der mit dem Fallschirm abgesprungene Pilot sei nach der Landung »im Kampf mit Terroristen ums Leben gekommen«, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Zu dem Abschuss bekannte sich die in Idlib dominante Dschihadistenkoalition Hayat Tahrir Al-Scham (HTS), deren führende Gruppierung der Al-Qaida-Ableger Al-Nusra ist. Als Antwort beschossen russische Kriegsschiffe in der Nacht zum Sonntag Stellungen der HTS in Idlib mit Marschflugkörpern. Dabei wurden nach russischen Angaben mindestens 30 Dschihadisten getötet.

Unterstützt von der russischen Luftwaffe rücken syrische Regierungstruppen seit Wochen gegen die HTS in Idlib vor. Die türkische Armee ist in der Region entsprechend des Astana-Abkommens zur Absicherung einer Deeskalationszone stationiert und agierte bislang als faktische Schutzmacht der Al-Qaida. Aufgrund einer Abmachung mit Moskau hat Ankara inzwischen allerdings einen Großteil der unter seiner Kontrolle stehenden dschihadistischen Kampfgruppen aus Idlib abgezogen, um diese im Krieg gegen das benachbarte Afrin einzusetzen. Der Abschuss des Flugzeuges könnte ein Versuch der HTS gewesen sein, diese als Verrat an ihrer Hochburg Idlib empfundene Verständigung zwischen Moskau und Ankara zu durchkreuzen.

Bei den seit über zwei Wochen anhaltenden Angriffen auf Afrin sind bislang mehr als 150 Zivilisten getötet und rund 300 verletzt worden, teilte der Gesundheitsrat des Kantons am Wochenende mit. Die türkische Luftwaffe bombardierte erneut mehrere Dörfer, während sich Bodentruppen schwere Gefechte mit den kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ um strategisch wichtige Berge lieferten. Den YPJ gelang die Zerstörung eines weiteren »Leopard 2«-Panzers aus deutscher Produktion durch eine Panzerabwehrrakete. Ankara meldete, dass allein am Sonnabend sieben türkische Soldaten getötet worden seien.

Am Wochenende wurde zudem bekannt, das der Bundesnachrichtendienst (BND) tiefer als bislang zugegeben in den Syrien-Krieg verwickelt ist. Seit Oktober nehme der deutsche Auslandsgeheimdienst an der Operation »Gallant Phoenix« teil, schreibt das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Die vom Joint Special Operations Command der US-Streitkräfte von einer Militärbasis in Jordanien aus gesteuerte Einheit sammelt demnach Informationen über Kämpfer der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) in Syrien und im Irak.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326645.aufschrei-für-afrin.html
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« Antworten #118 am: 05. Februar 2018, 17:41:32 »

Marsch auf Efrîn hat Kobanê erreicht - Massenproteste im Irak
Die Solidarität mit dem Kampf der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), den Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG / YPJ) und dem Widerstand der Massen in Efrîn (Demokratische Föderation Nordsyrien) belebt sich weiter.


ffz
Montag,  05.02.2018,  15:00 Uhr


Der Marsch auf Efr1in hat gestern Kobanê erreicht (foto: ANF)

Neben den großen Protestaktionen die in vielen Städten Deutschlands und Europas stattfinden, gibt es in der Demokratischen Föderation Nordsyrien (Rojava) selbst einen großen Marsch auf Efrîn. (siehe Rote Fahne News) Dieser hat inzwischen Kobanê erreicht. Dazu schreibt die kurdische Nachrichtenagentur ANF : "Zehntausende Menschen, die sich aus Şengal und Cizîrê auf den Weg nach Efrîn gemacht haben, haben (gestern) Kobanê erreicht. Die Konvois aus Cizîrê und Şengal haben Kobanê erreicht. Dort wurden begeistert empfangen. Die Aktivistinnen und Aktivisten werden die Nacht in Kobanê verbringen und sich (am Montag)  auf den Weg nach Efrîn machen."

Auch in Efrîn selber zeigen sich Hunderttausende bereit für ihr Recht und ihre Freiheit zu kämpfen. so berichtet die Nachrichtenagentur ANHA: "'Unter dem Motto „Wir werden den Besatzungsangriffen des türkischen Staates und seiner Söldner durch den Willen der Bevölkerung eine Niederlage zufügen' hat heute Vormittag eine Massendemonstration in Efrîn begonnen.

Massenbewegung auch im Irak
Auch im Irak bildet sich eine Massenbewegung in Solidariät mit Efrîn. Dazu ANF: "Die Bevölkerung ist seit dem Beginn der Angriffe überall auf den Beinen. Von Pencwin bis Selehaddin, von Raperin bis Zaxo oder Germiyan, von Helepçe bis Hewlêr, überall finden in den Städten, Dörfern und Siedlungen Unterstützungsaktionen für Efrîn statt. Seit Beginn der Angriffe hat die Bevölkerung durch viele verschiedene Aktionen gezeigt, dass sie mit Efrîn zusammensteht. Die Jugend von Seyid Sadiq ist mit einer 12 Meter langen grün-gelb-roten Fahne, dem Symbol von Rojava, bis nach Silêmanî gelaufen. In Silêmanî und in Hewlêr fanden zwei große Demonstrationen statt. Neben den Demonstrationen und Kundgebungen finden täglich sehr viele verschiedene Aktionen zur Unterstützung Efrîns statt. In Helepçe haben die Dozentinnen und Dozenten der Raperin-Universität erklärt, dass sie für Efrîn stehen und sie, wenn nötig, bereit seien, in den Widerstand nach Efrîn zu gehen.'"

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw06/marsch-auf-efrin-hat-kobane-erreicht-massenproteste-im-irak-deutschlandweit-gehen-menschen-auf-die-strasse
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« Antworten #119 am: 08. Februar 2018, 00:33:47 »

Zitat
Verraten und verkauft

Türkei Mit deutschen Waffen schleift die türkische Armee in der syrischen Kurdenregion Rojava eine für den Nahen Osten einzigartige demokratische Selbstverwaltung

Vor drei Jahren wurde die Welt Zeuge, wie eine bunt gemischte Schar männlicher wie weiblicher Kämpfer, die meisten nur mit Kalaschnikows bewaffnet, einer gewaltigen Islamisten-Armee, die über Panzer, Artillerie und eine erdrückende logistische Überlegenheit verfügte, die Stirn bot. Die Verteidiger der nordsyrischen Stadt Kobane bestanden darauf, im Namen eines Experiments revolutionärer, feministischer Demokratie zu handeln. Aus exakt diesem Grund hatten die Islamisten geschworen, sie zu vernichten. Nachdem die Verteidiger Kobanes den Sieg davon getragen hatten, wurde die Schlacht vielerorts als eine gedeutet, die in der heutigen Welt einer klaren Konfrontation zwischen Gut und Böse am nächsten kam.

Derzeit passiert genau das Gleiche. Nur dass die Weltmächte dieses Mal klar auf Seiten der Aggressoren stehen. Schlimmer noch, sie tun das, weil die Aggressoren es fertig gebracht haben, die Welt davon zu überzeugen, dass die Angegriffenen zu fest an Ökologie, Demokratie und Frauenrechte glauben. Es geht um die Region Afrin, die von den gleichen YPG-Volks- und Frauenverteidigungseinheiten verteidigt wird, die schon Kobane hielten und danach die einzigen Streitkräfte in Syrien stellten, die willens waren, den Kampf ins Kernland des IS zu tragen. Im Kampf um dessen Hauptstadt Raqqa verloren sie Tausende Kämpferinnen und Kämpfer.

Ethnische Säuberung

Die Bevölkerung Afrins, eine Insel des Friedens und der Vernunft im syrischen Bürgerkrieg, die bis dahin nur für die Schönheit ihrer Berge und Olivenhaine berühmt war, hat sich seit Ausbruch des Bürgerkrieges fast verdoppelt. Hunderttausende zumeist arabische Flüchtlinge haben bei der ursprünglich überwiegend kurdischen Bevölkerung Zuflucht gesucht.

Zugleich nutzten die Bewohner Afrins Frieden und Stabilität, um den Prinzipien Geltung zu verschaffen, die innerhalb der kurdischen Region Rojava akzeptiert waren. Lokale Entscheidungen wurden an Nachbarschaftsversammlungen delegiert, an denen alle teilnehmen konnten. Nach dem Prinzip des „demokratischen Föderalismus“ entsendet jede dieser Versammlungen Delegierte an kommunale Räte. Während sonst in Rojava strikte Genderparität gilt, bei der jedes Amt zwei Inhaber – einen weiblichen und einen männlichen hat –, verfügen in Afrin Frauen über zwei Drittel der Ämter, was vielleicht weltweit einzigartig ist.

Dieses demokratische Experiment wird nun zum Ziel eines in keiner Weise provozierten Angriffs islamistischer Milizen, unter ihnen Veteranen des IS und von Al-Qaida sowie Mitglieder türkischer Todesschwadronen wie die berüchtigten Grauen Wölfe, die von deutschen Leopard-Panzern, F16-Jets und von Kampfhelikoptern der türkischen Armee Rückendeckung erhalten. Genauso wie der IS scheint diese Macht entschlossen zu sein, mit allen Standards zivilisierten Verhaltens zu brechen, indem Dorfbewohner mit Napalm angegriffen, Staudämme attackiert und unersetzbare archäologische Denkmäler in die Luft zerstört sprengt.

Präsident Erdoğan hat die Absicht, Afrin zu erobern, offen geäußert, was auf eine ethnische Säuberung der Region von ihren kurdischen Bewohnern hinausläuft. Erstaunlicherweise haben YPG und YPJ den Invasoren bis jetzt standgehalten. Dies geschah, obwohl sie durch ihre Feinde umzingelt sind und ohne den moralische Beistand einer einzigen Weltmacht auskommen müssen. Sogar die USA weigern sich, auch nur einen Finger für die Verteidigung Afrins zu rühren. Wenigstens fungieren deren Streitkräfte erfolgreich als menschlicher Schutzschild, der die Türkei davon abhält, in Gebiete, die noch immer von YPG-Milizen gegen den IS verteidigt werden, einzumarschieren.

Metamorphose der PKK

Der britische Außenminister Boris Johnson hat zu verstehen gegeben, dass die Türkei das Recht habe, ihre Grenzen zu sichern – eine Logik, nach der man auch eine Annexion Dovers durch Frankreich gutzuheißen könnte. Das Ergebnis ist eine äußerst bizarre Situation. Westliche Staatschefs, die Regierungen im Mittleren Osten regelmäßig dafür verurteilen, mangelnden Respekt für Demokratie und Frauenrechte an den Tag zu legen, scheinen beschlossen zu haben, dass dieser Angriff gerechtfertigt ist, wenn man sich damit zu sehr in die entgegengesetzte Richtung bewegt.

Um zu verstehen, wie das geschehen konnte, muss man zurück in die 1990er Jahre, als sich die Türkei in einem Bürgerkrieg mit dem militärischen Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK befand, damals eine marxistisch-leninistische Organisation, die einen eigenständischen kurdischen Staat forderte. Die PKK war nie eine Terrororganisation, die Bomben auf Marktplätzen zündete, aber Guerillakriege sind immer ein blutiges Geschäft.

Um die Jahrtausendwende unterzog sich die PKK einer tiefgreifenden ideologischen Transformation und verabschiedete sich von der Forderung nach dem eigenständigen Staat und von einem altmodischen Marxismus, um sich von nun an auf den Kampf gegen das Patriarchat und für eine Basisdemokratie zu konzentrieren. Teile dieser neuen Philosophie wurde in den Schriften des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan formuliert, der auch eine der Spitze der neuen PKK-Strategie stand, die in der Ausrufung eines unilateralen Waffenstillstands bestand und auf Friedensgespräche drängte, in denen sowohl über eine regionale Autonomie für die Kurden als auch über eine breitere Demokratisierung der türkischen Gesellschaft verhandelt werden sollte.

Diese Transformation betraf die kurdische Befreiungsbewegung nicht nur in der Türkei sondern auch im gesamten Mittleren Osten. Anstelle der Forderung nach einem kurdischen Staat begannen all jene, die sich von Öcalan angespornt sahen, eine radikale Dezentralisierung der Macht zu fordern und in Opposition zu jeglichem ethnischen Nationalismus zu treten, was letztendlich internationale Grenzen bedeutungslos machen würde.

Kaum ein Raunen

Die Antwort der türkischen Regierung bestand in einer intensiven Lobbykampagne, um international die Einstufung der PKK als „terroristische Organisation“ zu erhalten. Bis 2001 hatte Ankara erreicht, dass die Organisation auf die „Terrorliste“ der EU und der USA kam.

Selten zuvor war eine derartige Entscheidung so verheerend für die Aussicht auf Frieden. Sie erlaubte der türkischen Regierung, nach dem sie kurzzeitig die Bereitschaft zu Friedensgesprächen vorgetäuscht hatte, tausende Aktivisten, Journalisten, gewählte kurdische Bürgermeister und lokale Amtsinhaber, ja sogar den Vorsitzenden der zweitgrößten Oppositionspartei des Landes zu verhaften. Jedem wurde vorgeworfen, angeblich mit „Terroristen“ zu sympathisieren.

Aus der „internationalen Gemeinschaft“ war kaum ein Raunen zu vernehmen. Doch es gibt in der Türkei jetzt mehr inhaftierte Journalisten als in jedem anderen Land. Es entstand eine Situation Orwellschen Irrsinns: Sogar in großen Teilen Europas ist es praktisch illegal, wenn Mitglieder der PKK behaupten, dass sie keine „Terroristen“ seien, denn das fällt schon unter den Tatbestand „terroristischer Propaganda“. Die türkische Regierung zahlt Millionen an westliche PR-Firmen, die jeden, der nach mehr Bürgerrechten ruft, als „Terroristen“ verleumden.

Als krönende Absurdität hat das jetzt den Regierungen dieser Welt ermöglicht, untätig herumzusitzen, während die Türkei ohne jeden Anlass eine der wenigen friedlichen Oasen überfällt, die es in Syrien noch gibt. Und das nur, weil diejenigen, die dort leben – und die, wie jeder anerkennt, keinerlei institutionelle Verbindung zur PKK haben. Im Gegenteil, sie waren die einzigen, die – während die Türkei offen mit Terroristen wie dem IS kollaborierte – es ernsthaft mit Terroristen wie vom IS aufgenommen haben.

Welche Bedrohung?

Die religiösen Extremisten, von denen die derzeitige türkische Regierung dominiert wird, wissen nur zu gut, dass Rojava keine militärische Bedrohung darstellt. Dessen Bedrohung besteht darin, eine alternative Realität zu sein, der zu entnehmen ist, wie das Leben in der Region aussehen könnte. Rojava sendet eine Botschaft an alle Frauen im Mittleren Osten: Wenn ihr euch erhebt, um eure Rechte einzufordern, ganz zu schweigen vom bewaffneten Aufstand – die wahrscheinliche Folge wird sein, dass ihr verstümmelt und getötet werdet, während keine der Mächte, die so gern über Menschenrechte reden und die Freiheit der Frau predigen, auch nur den kleinsten Einwand vorbringen wird. Für eine solche Strategie gibt es ein Wort: „Terrorismus“ – im Gegensatz zu all dem, was die YPG tut. Die Türkei folgt dem Kalkül, Schrecken zu säen. Die Frage ist: Warum macht der Rest der Welt dabei mit?

gefunden auf den NDS:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=42293#h13
und gelesen beim Freitag:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/copy_of_verraten-und-verkauft-1
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« Antworten #120 am: 08. Februar 2018, 13:54:57 »

Guter Artikel.
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« Antworten #121 am: 08. Februar 2018, 19:52:48 »

EFRÎN-SOLIDARITÄT

Unterstützung für Efrîn kommt aus Minbic – Faschistisches Regime streut Gräuelpropaganda

Nicht nur in Efrîn sind die Massen zu Zehntausenden auf der Straße, um gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der faschistischen Türkei zu protestieren. Aktuell erreichen auch Meldungen über Massenproteste und Unterstützung für Efrîn aus der vorwiegend arabisch bewohnten Stadt Minbic die Medien.

Von ffz
Donnerstag,  08.02.2018,  14:18 Uhr


Massenprotest in Minbic (foto: ANF)

So berichtet die kurdische Agentur ANF: „Mit einer Demonstration haben Jugendliche in der überwiegend arabisch bevölkerten Stadt Minbic ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, am Widerstand in Efrîn teilzunehmen. Die Demonstrantinnen und Demonstranten, darunter auffällig viele Frauen, trugen Waffen und Fahnen des Militärrats von Minbic.“

Mutiger Abwehrkampf in Efrîn
Währenddessen befinden sich die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) und die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten(YPG/YPJ) weiterhin im mutigen Abwehrkampf in Efrîn. So berichtet ANF heute, dass die am Mittwochabend begonnen Artillerieangriffe des türkischen Militärs und der sie begleitenden faschistischen Banden auf den Bezirk Şiyê weiterhin anhalten. Erneut haben SDF und YPG/YPJ verschiedene türkische Panzer zerstört.

Erdogan-Regime lügt
Um die eigenen militärischen Misserfolge zu verwischen streut das faschistische Erdogan-Regime jetzt Gräuelpropaganda in die Medien: Angeblich hätten YPG/YPJ Chlorgas eingesetzt. Das dementierte YPG-Sprecher Nuri Mehmud gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur ANHA umgehend. „Das türkische Regime lanciere Falschmeldungen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Dem türkischen Militär sei es trotz technischer Überlegenheit nicht gelungen, gegen den Widerstand in Efrîn anzukommen. … Der türkische Staat versuche damit, die Augen der Weltöffentlichkeit von dem eigenen Verhalten abzulenken und die Massaker an der Zivilbevölkerung zu vertuschen“, so ANHA.

Aktualisierter Aktionsplan für Proteste von NAV-DEM
Der kurdische Dachverband NAV-DEM hat den bundesweiten Aktionsplan für Proteste gegen die türkische Militärintervention in Nordsyrien aktualisiert. Heute finden Kundgebungen und Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, Goslar und Münster statt. Diese und weitere Termine sind hier auf der Webseite der Nachrichtenagentur ANF zu finden.

https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/efrin-aktionsplan-in-deutschland-1812

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw06/unterstuetzung-fuer-efrin-kommt-aus-minbic-faschistisches-regime-streut-graeuelpropaganda
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« Antworten #122 am: 09. Februar 2018, 10:00:43 »

Aus: Ausgabe vom 09.02.2018, Seite 8   / Ausland

»Dann müssen wir uns verteidigen«
Internationalisten wollen in Nordsyrien Ökokooperative aufbauen. Angriff der Türkei erschwert das Projekt. Gespräch mit Agit Berxwedan
Interview: Peter Schaber



Foto: Internationalist Commune of Rojava

Die Internationalistische Kommune Rojavas, ICR, arbeitet vor allem als zivile Struktur. Dennoch bleibt sie natürlich nicht vom Einmarsch der Türkei im Norden Syriens unberührt. Welchen Einfluss hat der Krieg?

Unsere Kommune liegt im Kanton Cizire, also noch sind wir ein Stück weit weg vom Krieg. Es gab aber bereits einzelne Provokationen der Türkei in der Nähe von Derik und in der Stadt Kamischli. Dort trafen Mörsergranaten ein Wohnhaus.

Die Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung im Kanton Cizire reagieren auf den Krieg. So wurde eine generelle Mobilmachung angeordnet, d. h. die Bevölkerung aufgefordert, sich den Selbstverteidigungsstrukturen anzuschließen. Viele sind diesem Aufruf gefolgt.

Wir sind ja für zivile Arbeiten nach Rojava gekommen und sind da auf ganz unterschiedlichen Feldern aktiv: in der Jugendarbeit, in den Frauenstrukturen und im Bereich Ökologie. Das ist nun schwieriger geworden, da es jederzeit zu einem direkten Angriff der Türkei kommen kann. Aber wir haben uns auf eine solche Situation vorbereitet. Uns ist klar: Wenn der faschistische türkische Staat auch hier direkt angreift, werden wir uns verteidigen müssen. Dann werden wir an der Seite der Bevölkerung stehen.

Sie hatten vor, Anfang Februar eine breite internationale Kampagne unter dem Titel »Make Rojava Green Again« zu starten. Da sollte es um die Wiederaufforstung Nordsyriens gehen. Wird die Kampagne trotz des Krieges durchgeführt?

Einige Ziele dieser Kampagne, konkret zum Beispiel der Aufbau einer Baumschule, sind in dieser Situation nicht möglich. Zudem wollten wir 2.000 Bäume auf unserem Akademiegelände pflanzen, was sich auch verschieben wird. Ein Hauptaspekt der Kampagne ist aber, langfristig eine Brücke zwischen den Strukturen hier und Menschen auf der ganzen Welt zu sein. Das geht über den Austausch von technischem Wissen, ideologische Diskussionen und natürlich auch finanzielle Unterstützung. Und diese Arbeit werden wir weitermachen. Wir geben mit der Kampagne den Menschen die Möglichkeit, direkt die ökologischen Arbeiten der demokratischen Selbstverwaltung zu unterstützen. So werden wir mit dem Komitee für Naturschutz Ende des Jahres ein Naturschutzgebiet aufforsten.

Warum hat die ICR als Internationalistische Kommune diese Kampagne begonnen? Wie stellt sich die ökologische Lage in Rojava dar?

Sie leidet unter globalen Problemen wie dem Klimawandel und ist geprägt durch die Politik des syrischen Regimes und der Türkei. Damaskus hat Rojava immer als eine Kolonie verstanden, die ausgebeutet werden kann. Rohstoffe, insbesondere Öl, wurden gefördert und die Landwirtschaft über Monokulturen auf den Export ausgerichtet. Durch die Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden und Dünger im Kanton Cizire wurden die Böden zerstört.

Die Türkei hat in den letzten Jahrzehnten über den Bau von Megastaudämmen begonnen, die Wassermenge der Flüsse, die nach Syrien und in den Irak fließen, zu kontrollieren und zu minimieren. Sie nutzt das Wasser als Waffe gegen die Revolution in Rojava.

Wie kann man die Kampagne, aber auch generell die ökologischen Projekte in Rojava unterstützen?

Grundsätzlich wollen wir einen neuen Internationalismus beleben, welcher die Trennung von Kämpfen überwinden kann, sowohl geographisch als auch ideologisch. Das geschieht zum einen durch Entwicklung eines gemeinsamen Bewusstsein, also eines Verständnisses der Welt, in welcher wir heute leben. Denn die kapitalistische Moderne kann nicht nur aus einer Perspektive verstanden werden, noch gibt es den einen überall richtigen Kardinalsweg zu einer sozialistischen Gesellschaft. Gegenseitige Bezugnahme ist wichtig. Sich gegenseitig in den lokalen Kämpfen zu stärken und aus diesen einen gemeinsamen Kampf zu entwickeln.

Die Kampagne »Make Rojava Green Again« ist zudem eine Einladung an alle, an der Diskussion und dem Aufbau einer ökologischen Gesellschaft teilzunehmen. Zentral ist natürlich auch, dass Menschen hierherkommen und mithelfen.

Agit Berxwedan ist Mitglied der Internationalistischen Kommune Rojavas (ICR), eines Zusammenschlusses von Linken aus aller Welt in der Demokratischen Konföderation Nordsyrien

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326965.dann-müssen-wir-uns-verteidigen.html

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« Antworten #123 am: 09. Februar 2018, 20:59:48 »

us: Ausgabe vom 10.02.2018, Seite 8   / Ausland

»Der Widerstand hier wird weitergehen«
Der türkische Angriffskrieg gegen das nordsyrische Afrin dauert an. Doch die Zivilbevölkerung lässt sich nicht vertreiben. Gespräch mit Siya Nebi
Interview: Peter Schaber



Kalkül Erdogans geht nicht auf: Türkische Armee und »FSA« nehmen gezielt Zivilisten ins Visier. Doch die Bevölkerung denkt gar nicht daran, zu fliehen
Foto: ANF Images

Sie arbeiten seit einigen Tagen direkt in der Provinz Afrin, gegen die sich die Aggression Ankaras richtet. Wie stellt sich die militärische Lage aus Ihrer Perspektive dar?

Wir versuchen, uns einen Überblick zu verschaffen, aber manche Gebiete sind schwer zugänglich. Für die vergangenen zwei Tage kann ich sagen, dass es in den Gegenden um Bilbile, Siye und Rajo Gefechte gab. Dabei wurde in einem Dorf bei Bilbile ein Söldner der Nusra-Front verwundet und verhaftet. Sein Name ist Abdul Kader Ismail. Auch in Kevire Ker gibt es Auseinandersetzungen. Dabei wurden militärische Fahrzeuge zerstört. Die Kämpfe dauern an, es wird ständig bombardiert.

Bislang gibt es keinerlei Änderung in der Haltung internationaler Mächte oder der Anti-IS-Koalition, die die Türkei gewähren lassen. Aber die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ sowie die Syrischen Demokratischen Kräfte, SDK, leisten erbitterten Widerstand. Dieser nehme, so versichern uns Kämpfer dieser Formationen, derzeit eher noch zu. Die Motivation der Verteidiger Afrins ist sehr hoch. Ebenfalls hoch sind die Verluste bei den Angreifern. Die genauen Zahlen sind kaum herauszufinden, aber deutlich ist, dass die türkischen Medien da stark manipulieren.

Wie reagiert die lokale Bevölkerung? Wir haben ja die Bilder großer Demonstrationen gegen den türkischen Einmarsch in den letzten Tagen gesehen …

Wir haben hier ständig Kontakt mit der Zivilbevölkerung. Die Stimmung unter den Menschen ist sehr kämpferisch. Vor allem in Afrin-Stadt geht das normale Leben fast ungebrochen weiter. Ein Unterschied ist, dass einige Familien mehr hier sind, nämlich die aus jenen Dörfern, die ständig bombardiert werden und in denen man nicht bleiben kann. Es gibt in Afrin auch keine Panik. Die Bevölkerung ist gut organisiert und verfolgt natürlich, was passiert. Schon deshalb, weil ja aus beinahe jeder Familie Verwandte an der Front kämpfen.

Aber natürlich hat der Krieg auch Auswirkungen auf das zivile Leben. Die Schulen mussten geschlossen werden. Die Kinder beschweren sich zwar darüber, aber sogar sie sind in der Lage, die Situation zu verstehen. Die Familien reagieren darauf, indem sie in den Kommunen oder in den eigenen Häusern den Unterricht der Kinder fortsetzen.

Die Solidarität unter den Menschen Syriens ist auch hervorzuheben. In den vergangenen Wochen sind von überallher Kurden, Assyrer, Araber gekommen: Aus Kobani und Derik, aus Manbidsch und Rakka. Auch das hat eine große Wirkung auf die lokale Bevölkerung.

Immer wieder gibt es Berichte von Menschenrechtsverstößen der türkischen Truppen. Wie führt Ankara diesen Krieg?

Was die Türkei hier tut, liegt offen zutage. Es wurden Videos veröffentlicht, die etwa zeigen, wie türkische Soldaten Leichen gefallener YPG- und YPJ-Mitglieder schänden. Außerdem werden Waffen eingesetzt, deren Wirkungsweise Napalm ähnlich ist. Hierfür gibt es Augenzeugen. Auch die Ärzte, die Verletzte dieser Angriffe behandelt haben, sagen, dass irgendeine unkonventionelle Waffe eingesetzt wurde. Was auch immer da benutzt wurde, wird weiterhin benutzt. Bis jetzt konnte man aber nicht konkret zuordnen, was hier eigentlich genau eingesetzt wird.

Bei den Angriffen auf grenznahe Dörfer sind zudem viele Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder, ums Leben gekommen. Die türkische Propaganda behauptet, hier die Sicherheit ihres eigenen Landes gegen irgendwelche »Terroristen« zu verteidigen. Das ist natürlich nicht der Fall. Sie greifen die Menschen an, die hier leben: Kurden, Araber, verschiedene andere Volksgruppen.

Noch hält Afrin stand. Aber wie wird die Lage sich entwickeln? Denken Sie, Erdogan wird den Rückzug antreten?

Das ist eine Frage, die sich alle stellen. Die kurdische Bewegung spricht vom »Dritten Weltkrieg«, der sich hier in der Region abspielt, weil so viele verschiedene Kräfte hier versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Die Beziehungen zwischen den imperialistischen Kräften hier sind auch andauernden Veränderungen unterworfen. Das macht es schwierig, einzuschätzen, was passieren wird. Das einzige, was man sagen kann: Der Widerstand hier wird bis zum Ende weitergehen.

Siya Nebi arbeitet für das Information Center of Afrin Resistance (ICAR) als Frontreporterin in dem nordsyrischen Kanton Afrin

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/327034.der-widerstand-hier-wird-weitergehen.html

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« Antworten #124 am: 12. Februar 2018, 22:47:27 »

Aus: Ausgabe vom 13.02.2018, Seite 1   / Titel

Kriegsgegner verfolgt
Die türkische Regierung geht hart gegen Kritiker ihres Syrien-Feldzuges vor: Terrorverfahren gegen neue HDP-Vorsitzende eröffnet
Von Peter Schaber



Erdogan-Regime gegen Opposition: Türkische Polizei verhindert Demonstration vor dem HDP-Büro in Diyarbakir
Foto: REUTERS/Sertac Kayar/File Photo

Die Reaktion der Behörden blieb nicht lange aus: Kaum 24 Stunden, nachdem die Demokratische Partei der Völker (HDP) im Rahmen ihres dritten Parteikongresses am vergangenen Wochenende zwei neue Vorsitzende gewählt hatte, leitete die türkische Generalstaatsanwaltschaft gegen eine der beiden, Pervin Buldan, ein Verfahren ein. Der Vorwurf war vorhersehbar: Unterstützung des »Terrorismus«, womit der Kampf der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für eine Demokratisierung der Türkei gemeint ist. Buldan ist damit in guter Gesellschaft: Neben Tausenden weiteren HDP-Mitgliedern und -Sympathisanten sitzen ihre zwei prominenten Vorgänger, Selahattin Demirtas und Figen Yüksedag, aufgrund derselben Anschuldigungen seit nunmehr über einem Jahr in Haft.

Den politischen Hintergrund des Verfahrens gibt eine Rede Pervin Buldans auf dem HDP-Kongress ab. »Frau Buldan hat, im Namen der Partei, ihre Haltung zu der türkischen Invasion in Afrin formuliert. Das reichte aus. Sofort eröffneten die Behörden ein Verfahren. Sie fürchten, dass unter Führung der Demokratischen Partei der Völker eine große Antikriegskoalition entstehen könnte«, erklärt Sinan Önal, Deutschland-Vertreter der HDP, am Montag gegenüber junge Welt.

Seit Beginn der Militäroffensive gegen den mehrheitlich kurdischen Kanton Afrin im Norden Syriens am 20. Januar hat sich das Klima innerhalb der Türkei erneut verschärft. Am Montag bekundete das Innenministerium bislang 666 Menschen wegen ihrer Äußerungen gegen den Krieg festgenommen zu haben, die Mehrheit davon wegen Statements im Internet.

Das harte Durchgreifen im Land dürfte auch mit dem Versagen der technisch hochgerüsteten Streitmacht in Afrin zu tun haben. Nach über drei Wochen schwerer Gefechte sind die Gebietsgewinne der Invasionsarmee gering. Weit über ein Dutzend Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie zwei Kampfhubschrauber und eine bewaffnete Drohne sind durch die Volksverteidigungs- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ bislang abgeschossen worden. Alleine in der vergangenen Woche seien Angaben der Demokratischen Kräfte Syriens (SDK) zufolge 130 türkische Soldaten getötet worden.

Das Ausbleiben militärischer Erfolge kompensiert Ankara mit nationalistischer Hetze im Land. Kriegsgegner würden »einen hohen Preis« bezahlen, hatte Erdogan angekündigt. Die Marschrichtung der Medienberichterstattung der ohnehin auf Obrigkeitshörigkeit abgerichteten türkischen Presselandschaft gab die Regierung in einem 15-Punkte-Plan vor. Und türkische Nationalisten mobilisierten massenhaft zu der Social-Media-Kampagne »Syrien soll brennen, Afrin soll vernichtet werden«.

HDP-Sprecher Önal sieht wegen ihrer besonderen Beziehungen zu Ankara auch Berlin in der Pflicht: »Wenn die deutsche Regierung nicht reagiert, hilft sie dabei, dass Erdogan und seine nationalistischen, rassistischen Partner ihre Diktatur so fortsetzen.« Es seien nun drastische Schritte nötig: »Wir fordern die deutsche Regierung auf, alle Beziehungen zur türkischen Regierung abzubrechen. Und das solange, bis ein Demokratisierungsprozess, Friedensgespräche und Schritte zur Lösung der kurdischen Frage eingeleitet sind.«

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/327151.kriegsgegner-verfolgt.html

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