Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: [1] |   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Studie zu Minijobs und Mindestlohn  (Gelesen 2485 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
dagobert


Beiträge: 4662


« am: 26. März 2017, 16:46:41 »

Zitat
Nachfolgestudie zur Analyse der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs) sowie den Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns

[...]
Ein signifikanter Anteil der befragten Arbeitnehmer (14,5 Prozent) gibt an, einen Stundenlohn unter 8,50 Euro zu erhalten. Für 17,1 Prozent dieser Arbeitnehmer gibt es legale Gründe für die relativ niedrigen Löhne; insbesondere Zeitungszusteller und Minderjährige sind häufig vertreten, Langzeitarbeitslose spielen hingegen keine Rolle. Somit gehören 82,9 Prozent der im Minijob Beschäftigten mit Löhnen unter 8,50 Euro zu keiner der Gruppen mit Ausnahmeregelung, so dass hier der Verdacht eines illegalen Unterschreitens des Mindestlohns besteht. Zusammengefasst bedeutet dies, dass 12,0 Prozent aller geringfügig Beschäftigten einen Lohn unter 8,50 Euro erhält und es hierfür keine Ausnahme- oder Übergangsregelung gibt.
[...]
Bei den gesetzlich vorgesehenen Leistungen zeigt sich (mit Ausnahme des Mutterschutzlohns), dass diese für mindestens jeden Dritten der Befragten möglich sind. Betriebliche Fortbildung, als freiwillige Zusatzleistung, kann ebenfalls von einem knappen Drittel der Befragten genutzt werden. Im Vergleich mit 2012 wird deutlich, dass die geringfügig Beschäftigten alle abgefragten Leistung im Jahr 2016 deutlich stärker als im Jahr 2012 nutzen. Bezahlter Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (mit der höchsten Steigerungsrate), Mutterschutzlohn, betriebliche Weiterbildung und Urlaubs- oder Weihnachtsgeld werden im Jahr 2016 von (mehr als) doppelt so vielen Befragten als im Jahr 2012 genutzt. Der Anteil derer, die keine Angaben zur Leistungsgewährung gemacht haben, geht für alle Leistungen, außer dem Mutterschutzlohn, im Jahr 2016 deutlich zurück. Ursachen dieser positiven Entwicklung sind vermutlich einerseits eine bessere Informationslage bei den geringfügig Beschäftigten, sowie die Aufzeichnungspflichten im Rahmen des Mindestlohngesetzes.

Obwohl die Entwicklung über die Zeit als sehr positiv zu bewerten ist, muss beachtet werden, dass es immer noch einen großen Anteil von geringfügig Beschäftigten gibt, denen die gesetzlichen Leistungen nicht gewährt werden. Die Kategorien „nicht möglich“ und „fehlende Angabe“ summieren sich für alle Leistungen zu mindestens 48 Prozent. Diese Kombination legt nahe, dass die Gewährung der Leistung für mindestens knapp die Hälfte der geringfügig Beschäftigten zum Zeitpunkt der Befragung nicht existent ist. Dies kommt am häufigsten bei der Entgeltfortzahlung an Feiertagen (68,6 Prozent) und am seltensten bei bezahltem Urlaub (48,0 Prozent) vor.

http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-projektberichte/rwi-pb_minijobs-mindestlohn.pdf
Gespeichert
Seiten: [1] |   Nach oben
Drucken
Gehe zu: