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Autor Thema: Werkstätten für Behinderte WfbM  (Gelesen 4132 mal)
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counselor


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« am: 16. Juni 2017, 13:16:47 »

Zitat
Arbeitsbedingungen für Behinderte
Ausgenutzt statt ausgebildet


Werkstätten sollen Menschen mit Behinderung fit für den Arbeitsmarkt machen. Was sie eigentlich machen, weiß keiner, wie die Regierung zugibt.

MÜNCHEN taz | Sie drücken Gummischeiben in Deckel. Den ganzen Tag. Jeden Tag. Sie bekommen dafür weniger als den Mindestlohn und ihr Auftraggeber wird vom Staat belohnt. Was sie dabei lernen: Es gibt ein Produkt namens Bördelscheibe. Was sie nicht lernen: Fähigkeiten, die ihnen zu einem richtigen Job verhelfen könnten.

Dass Menschen mit Behinderung so ihre Zeit in den Werkstätten verbringen, die sie eigentlich weiterbilden sollen, wird sich nicht ändern. Zumindest suggeriert das die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Anlass für die Anfrage war unter anderem eine Fernsehsendung im Februar: Das Team Wallraff hatte undercover in drei Behinderteneinrichtungen recherchiert. Die eingangs beschriebene Misere wurde verdeckt gefilmt und durch heimlich aufgenommene Zitate von Betreuer*innen ergänzt.

Aufgabe der Werkstätten ist laut dem Sozialgesetzbuch, eine „angemessene berufliche Bildung“ anzubieten. Laut dem Team-Wallraff-Bericht wird den Betroffenen aber jegliche Weiterbildung verwehrt, weil sie Industrie-Aufträge abarbeiten müssen.

Die Werkstätten seien durchaus „ein Teil des inklusiven Arbeitsmarkts“, schreibt die Regierung, die keinen Reformbedarf sieht. Sie seien angehalten, mit Betrieben zusammenzuarbeiten, müssten „Rahmenlehrpläne“ erstellen und würden „beispielsweise Staplerscheine, Sprach- oder EDV-Kurse“ anbieten. Ob diese Vorgaben eingehalten werden, werde nicht regelmäßig geprüft, nur bei der Eröffnung der Werkstatt und bei Beschwerden.

Allerdings prophezeit das Schreiben, dass „gerade junge behinderte Menschen“ sich sowieso „mehr und mehr dafür entscheiden werden, gar nicht erst in eine Werkstatt für behinderte Menschen zu gehen“. Denn ab nächstem Jahr zahlt der Staat 70 Prozent des Lohns, wenn Betroffene in einem Betrieb statt in einer Werkstatt arbeiten. Ansonsten sei das Ziel der Werkstätten, „Menschen, die wegen ihrer Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, Beschäftigung zu bieten“.
Ernüchternde Antworten

Solche Hinweise darauf, dass die Einrichtungen eher Abstellgleis denn Karrierestation sein sollen, erhärten die Kritik von Corinna Rüffer. Die Bundestagsabgeordnete ist Sprecherin für Behindertenpolitik der Grünen-Fraktion und hat die Anfrage gestellt. „Die Antworten der Bundesregierung sind ernüchternd“, kommentiert Rüffer. Ihr zufolge verlassen weniger als ein Prozent der Mitarbeiter*innen jährlich die Werkstätten, um einen bezahlten Job anzutreten. Das Arbeitsministerium kann diesen Prozentsatz nicht bestätigen. Man werde aber künftig die „Teilhabe am Arbeitsleben beobachten“.

Im Wallraff-Film kommt eine Mitarbeiterin vor, die von ihren Betreuer*innen misshandelt wird: Sie lachen, als sie ausrutscht, demütigen sie mit sexualisierten Anspielungen und setzen sich zum Spaß auf ihren Schoß. Auf die Frage, wie emotionale Gewalt künftig verhindert wird, beschreibt die Regierung zwei Vorsorgemaßnahmen: Erstens dürften Werkstätten seit Januar keine vorbestraften Betreuer*innen mehr beschäftigen. Zweitens wurden Frauenbeauftragte ernannt. „Das ist lächerlich“, kommentiert Rüffer. Die Frauenbeauftragten seien bislang nicht für solche Aufgaben ausgebildet und die Anzahl bewege sich „im niedrigen zweistelligen Bereich“.

Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. arbeiten bundesweit knapp 309.000 Menschen in 680 Werkstätten.


Quelle: http://www.taz.de/!5420731/
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« Antworten #1 am: 04. März 2018, 12:56:44 »

Zitat
Menschenrechtliche Bedenken

Dennoch ist das System der Behindertenwerkstätten aus menschenrechtlicher Perspektive bedenklich:
Erstens arbeiten Menschen mit Behinderungen dort in einer Art Sonderwelt, isoliert von Menschen ohne Behinderung. Zweitens haben die Beschäftigten oft keine andere Wahl – entweder, weil ihnen mangels anderer Ausbildungsperspektiven von vornherein keine Alternative bleibt, oder, weil kein Weg aus der Werkstatt wieder heraus führt. Und drittens erhalten sie für ihre Tätigkeit keine auskömmliche Entlohnung, sondern nur ein sehr geringes Entgelt: Das durchschnittliche Monatsentgelt eines Werkstattbeschäftigten betrug 2014 rund 181 Euro.(4) Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht für Werkstattbeschäftigte. Dies wird damit begründet, dass die Werkstattbeschäftigung kein Arbeitsverhältnis sei, sondern ein arbeitnehmerähnliches Beschäftigungsverhältnis, bei dem die Arbeitsleistung nicht im Vordergrund stehe. Ziel sei die Wiedereingliederung ins Arbeitsleben mithilfe eines Beschäftigungsangebots.

All das steht im Widerspruch zu dem, was das Menschenrecht auf Arbeit und Beschäftigung, das für alle Menschen gleichermaßen gilt, besagt. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gibt vor, dass auch Menschen mit Behinderungen ein Recht auf Arbeit haben. Dieses beinhaltet "die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, inklusiven und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird" (Artikel 27 UN-BRK). Die UN-BRK besagt dagegen nicht, dass dieser Anspruch über exklusive Beschäftigungsangebote in Werkstätten eingelöst werden soll.


Quelle: http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/monitoring-stelle-un-brk/staatenpruefung/positionen-der-monitoring-stelle/werkstaetten/
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« Antworten #2 am: 17. März 2018, 15:35:00 »

Der "Lohn" in den Behindertenwerkstätten liegt unter dem Existenzminimum. Die Arbeiter werden zur Sicherung des physischen Minimums an den Sozialstaat verwiesen. Das hat eine historische Parallele:

Zitat
Dies historische oder gesellschaftliche Element, das in den Wert der Arbeit eingeht, kann gestärkt oder geschwächt, ja ganz ausgelöscht werden, so daß nichts übrigbleibt als die physische Grenze. Während der Zeit des Antijakobinerkriegs - unternommen, wie der alte George Rose, dieser unverbesserliche Nutznießer der Steuern und Sinekuren, zu sagen pflegte, um die Tröstungen unsrer heiligen Religion vor den Übergriffen der französischen Ungläubigen zu schützen - drückten die ehrenwerten englischen Pächter, die in einer unsrer frühern Zusammenkünfte so zart angefaßt worden sind, die Löhne der Landarbeiter selbst unter jenes rein physische Minimum, ließen aber den für die physische Fortdauer des Geschlechts notwendigen Rest vermittels der Armengesetze aufbringen. Dies war eine glorreiche Manier, den Lohnarbeiter in einen Sklaven und Shakespeares stolzen Freisassen in einen Pauper zu verwandeln.


Quelle: http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_101.htm#K14

Zitat
Die Linke fordert genaue Betrachtung der WfbM

Im Jahr 2015 waren demnach 281.512 Menschen mit Behinderung zur Arbeits- und Berufsförderung in den Werkstätten tätig. 2012 arbeiteten dort erst 268.111. Werkstätten bieten schwerbehinderten Menschen einen Schutzraum (so argumentieren die Befürworter der Einrichtungen) – doch der Lohn ist karg. Die Betroffenen verdienen im Schnitt 179,83 Euro pro Monat. Der Verdienst änderte sich über die vergangenen Jahre kaum. Seit 2011 schwankte er zwischen 179,65 und 185,58 Euro ... Nicht akzeptabel sei es, Menschen mit Behinderungen in Werkstätten den Mindestlohn pauschal vorzuenthalten.


Quelle: http://rollingplanet.net/die-erschreckende-bilanz-der-behindertenwerkstaetten/
« Letzte Änderung: 17. März 2018, 17:29:57 von counselor » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 20. März 2018, 20:43:46 »

Zitat
Werkstattbeschäftigte besser entlohnen

Berlin (kobinet) Die Forderung von Michael Müller, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, ein solidarisches Grundeinkommen gegen Arbeitsleistung zu entwickeln, bietet nach Ansicht der Bundesvereinigung Lebenshilfe große Chancen für Menschen mit Behinderung. Fast 300.000 Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten nach ihren Kräften und Möglichkeiten zumeist in Vollzeit. „Das Werkstattentgelt ist angesichts dieser Leistung der behinderten Menschen nur ein Taschengeld", erklärt heute Bundesvorsitzende Ulla Schmidt.

„Wie ich aus vielen Gesprächen mit Betroffenen weiß, fehlt den Menschen mit Behinderung damit die gesellschaftliche Wertschätzung für ihre Arbeitsleistung. Hier braucht es ein neues Lohnmodell. Mit einem solidarischen Grundeinkommen wären behinderte Menschen in der Lage, ihr Leben stärker selbstbestimmt zu gestalten", so Schmidt.

Die Lebenshilfe fordert, Modelle der veränderten Werkstattentlohnung zu prüfen. Das am Wochenende von Michael Müller erneut ins Gespräch gebrachte solidarische Grundeinkommen gegen Arbeitsleistung bietet dafür einen Anknüpfungspunkt. Aktuell erhalten Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen durchschnittlich 185 Euro im Monat – dazu noch Grundsicherung für ihren Lebensunterhalt, auf das das Entgelt angerechnet wird. Ein solidarisches Grundeinkommen wäre ein Modell, das hier zu Vereinfachungen führen würde.

Quelle: https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/37754/Werkstattbesch%C3%A4ftigte-besser-entlohnen.htm
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« Antworten #4 am: 06. April 2018, 14:50:20 »

Zitat
Wenig Lohn für gute Arbeit

Berlin (kobinet) In den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen wird gute Arbeit geleistet. Dafür gibt es jedoch geringen Lohn. Einen Überblick dazu liefert die aktuelles Ausgabe der "Berliner Behindertenzeitung".


Quelle: https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/37841/Wenig-Lohn-f%C3%BCr-gute-Arbeit.htm

http://berliner-behindertenzeitung.de/2018/04/03/werkstaetten-fuer-behinderte-menschen-im-ueberblick/
« Letzte Änderung: 06. April 2018, 15:46:23 von counselor » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 08. Mai 2018, 19:03:52 »

Zitat
Arbeitsmarkt ist exklusiv

Berlin (kobinet) Der - Arbeitsmarkt ist exklusiv statt inklusiv das stellte DGB-Vorstandmitglied Annelie Buntenbach anlässlich des europaweiten Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai in Berlin fest.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38021/Arbeitsmarkt-ist-exklusiv.htm
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« Antworten #6 am: 31. Mai 2018, 00:19:37 »

Zitat
60 Millionen € für meist aussondernde Einrichtungen in Bayern

(München) Das bayerische Staatsministerium brüstet sich in zahlreichen Pressemitteilungen mit der finanziellen Unterstützung von angeblichen inklusiven Wohn- und Arbeitsplätzen im Freistaat. Auch dieses Jahr scheint die vorrangige Förderung der Einrichtungen von Trägern der klassischen Wohlfahrt munter weiter zu gehen.

Während die UN-Behindertenrechtskonvention weitgehend nicht in Deutschland und auch in Bayern umgesetzt wird, prahlt die neue bayerische Sozialministerin Schreyer mit millionenfachen Ausgaben ihres Ministeriums für inklusive Projekte, zumindest was der bayerische Freistaat darunter versteht.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38140/60-Millionen-%E2%82%AC-f%C3%BCr-meist-aussondernde-Einrichtungen-in-Bayern.htm
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« Antworten #7 am: 13. Juni 2018, 03:55:42 »

Zitat
Menschen statt Bürokratie in den Mittelpunkt stellen

Gütersloh (kobinet) Der Inklusionsbotschafter Jürgen Linnemann fordert, dass die Bürokratie in Werkstätten für behinderte Menschen abgebaut wird und dafür wieder mehr Zeit für die Menschen mit Behinderung in Werkstätten zur Verfügung steht. Die Werkstatt müsse ihrem Auftrag als Rehabilitationseinrichtung wieder stärker gerecht werden, betonte er gegenüber den kobinet-nachrichten.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38208/Menschen-statt-B%C3%BCrokratie-in-den-Mittelpunkt-stellen.htm
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« Antworten #8 am: 27. Juli 2018, 14:21:12 »

Zitat
ISL fordert Transparenz und angemessene Gehälter

Kassel (kobinet) Wenn Wohlfahrtsverbände angemessene Gehälter fordern, meinen sie in der Regel, dass es eine bessere Bezahlung für die in der sozialen Arbeit Tätigen geben muss. Dabei hapert es noch in vielen Bereichen erheblich. Angesichts immer wieder auftretender Skandale wegen überhöhter und unangemessener Gehälter, wie derzeit bei der Chefin der Duisburger Werkstatt für behinderte Menschen mit einem Gehalt von ca. 350.000 Euro pro Jahr, fordert der Behindertenverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), nun jedoch, dass die Angemessenheit von Gehälter, die überhöht sein könnten, überprüft und transparent gestaltet werden muss.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38450/ISL-fordert-Transparenz-und-angemessene-Geh%C3%A4lter.htm
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« Antworten #9 am: 31. Juli 2018, 17:41:33 »

Zitat
Dieses System muss abgeschafft werden

Berlin (kobinet) Ein empörter Aufschrei hallt im Sommerloch durchs Land: Die Chefin einer Duisburger Behindertenwerkstatt genehmigt sich mehr als 350.000 Euro Gehalt pro Jahr. Hinzugefügt wird, dass 100.000 bis 120.000 Euro pro Jahr "üblich" seien. "Das ist fast das hundertfache des Entgelds der Werkstattbeschäftigten", schreibt Dr. Ilja Seifert in einer Reaktion auf die Berichterstattung zum überhöhten Gehalt der Werksattleiterin.

"Dabei zeigt sich hier leider nur, dass die Institutionalisierung der Behindertenverwalterei den Verlockungen der neoliberalen Selbstbereicherungsideologie keinen ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen in der Lage ist. (Das hohe individuelle Engagement vieler einzelner Angestellter erkenne ich jederzeit an.) Das ist unverschämte Bereicherung unter dem Deckmäntelchen der sinnvollen Tagesstrukturierung für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen. Ich will meine Meinung/Erfahrung nicht verheimlichen: Dieses System gehört abgeschafft! Was als gemeinnützige Selbsthilfe begann, mutierte über Wohlfahrtsfirma und kommunale Sozialmafia zu nutzlosen Selbstbedienungskonzernen, die sich gemeinerweise hinter behinderten Menschen verschanzen, denen sie zwischen 80 und 180 Euro monatlich 'gönnen'", schreibt Ilja Seifert in einer Stellungnahme für die kobinet-nachrichten.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38463/Dieses-System-muss-abgeschafft-werden.htm
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« Antworten #10 am: 08. August 2018, 13:57:10 »

Zitat
Bayern setzt auf Werkstätten

München (kobinet) In seinen abschließende Bemerkungen über den ersten Staatenbericht Deutschlands hat der Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen am 13. Mai 2015 u.a. "die schrittweise Abschaffung der Werkstätten für behinderte Menschen durch sofort durchsetzbare Ausstiegsstrategien und Zeitpläne sowie durch Anreize für die Beschäftigung bei öffentlichen und privaten Arbeitgebern im allgemeinen Arbeitsmarkt" empfohlen. Der Weg von Genf nach München scheint allerdings weiter als erwartet zu sein, denn die bayerische Sozialministerin fördert nicht nur den Bau neuer Werkstätten, sondern preist diese in den höchsten Tönen, wie kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul in seinem Kommentar feststellt.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38509/Bayern-setzt-auf-Werkst%C3%A4tten.htm
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« Antworten #11 am: 09. August 2018, 12:12:45 »

Zitat
Kündigung - Duisburger Werkstatt-Chefin Rogg fristlos entlassen

Duisburg.  Die Geschäftsführerin der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, Roselyne Rogg, ist fristlos entlassen worden. Sie bezog 376.000 Euro jährlich.

Quelle: https://www.nrz.de/staedte/duisburg/duisburger-werkstatt-chefin-rogg-fristlos-gekuendigt-id215044003.html

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« Antworten #12 am: 11. August 2018, 17:36:28 »

Zitat
Chefin von Duisburger Werkstatt fristlos entlassen

"Meine Leistungen rechtfertigen mein Gehalt“, wird Roselyne Rogg in einem Bericht der Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung (NRZ) zitiert. Ein Unrechtsbewusstsein über zu hohe Gehaltszahlungen in einer sozialen Organisation scheint bei ihr also nicht vorzuliegen. Beim Duisburger Werkstätten-Skandal geht es jedoch um viel mehr als eine überbezahlte Geschäftsführerin - es geht um ein System, das so abgeschafft gehört und durch echte Alternativen für behinderte Menschen schon längst ersetzt werden sollte...

...Behindertenpolitisch interessant wird es an dem Punkt, wie Roselyne Rogg die Erhöhungen ihres Gehaltes rechtfertigt. Im Bericht der NRZ klingt dies so, „dass die Werkstatt besser da steht, als je zuvor“. Die Einnahmen hätten sich seit 2009 von 18 auf 26,7 Millionen Euro um 49 % erhöht. Die Umsatzerlöse sind in der Zeit von 1,1 auf 2,7 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der beschäftigten Menschen mit Behinderung sei um 20 Prozent auf 1.106 angewachsen. So wird die bisherige Geschäftsführerin zitiert. Immerhin wird in dem NRZ-Artikel auch darauf hingewiesen, dass die behinderten Beschäftigten in der Duisburger Werkstatt "weniger als in anderen Werkstätten im Landesvergleich verdienen“. Und hier fragt man sich nun, welche Kriterien für die Entlohnung von Führungskräften und für die Beurteilung des Erfolgs einer Werkstatt für behinderte Menschen zugrunde gelegt werden. Ein Anreiz für eine möglichst gute Bezahlung von Leitungskräften scheint demnach zu sein, dass man immer mehr behinderte Menschen aufnimmt, anstatt diese auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren, wie es der eigentliche Auftrag der Werkstätten eigentlich ist..

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38528/Chefin-von-Duisburger-Werkstatt-fristlos-entlassen.htm

Es geht also nicht um die Menschen in der WfbM und deren Integration in die Gesellschaft, sondern um Geschäftemacherei mit Staatsknete und Profitmaximierung durch die Wohlfahrtskonzerne AWO, Diakonie und Lebenshilfe auf dem Buckel der Behinderten.

Daher muß dieses System weg zugunsten einer wirklichen Einbeziehung der alten, kranken und behinderten Menschen in das gesellschaftliche Leben auf Kosten der Banken und Konzerne.
« Letzte Änderung: 11. August 2018, 17:45:08 von counselor » Gespeichert

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« Antworten #13 am: 12. August 2018, 19:15:46 »

Die Zahlen sind interessant. Sie geben einen Einblick in die Ausbeutung einer solchen Werkstatt. Geht man von einem durchschnittlichen Verdienst je Behinderten von € 180,00 monatlich aus (über Jahre stagnierende oder gar fallende Löhne sind Realität in den Werkstätten), so ergibt sich folgende Schätzung:

                                      2009            2018
Umsatz (in Mio €)          18,0              26,7
Lohnkosten (in Mio €)    1,991520     2,388960
Lohnkostenanteil
am Umsatz in %            11,06            8,95
Umsatz pro Be-
hindertem (in Tsd €)      19,528         24,141

Demnach stieg die Ausbeutung in der Werkstatt in den neun Jahren geschätzt um ca. 20 bis 24 %.

Aus der in den Werkstätten üblichen 31,59-h-Woche ergibt sich, dass die Behinderten bei einem Stundenlohn von etwa 1,42 € in einer Stunde durchschnittlich € 15,92 erwirtschaften. Zur Erwirtschaftung ihres Lohnes arbeiten sie also nur fünf Minuten pro Stunde. Die restlichen 55 Minuten arbeiten sie für den Profit der Werkstatt.
« Letzte Änderung: 12. August 2018, 22:18:44 von counselor » Gespeichert

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« Antworten #14 am: 13. August 2018, 18:17:19 »

Hochgradig kriminell scheinen diese Vorgänge.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
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« Antworten #15 am: 14. August 2018, 04:49:03 »

Zitat
Bereits 2009 Finanzskandal bei Duisburger Werkstatt

Duisburg (kobinet) Dass es sich im Werkstätten-Skandal von Duisburg nicht nur einfach um eine Geschäftsführerin handelt, die viel zu viel Geld verdient, sondern dass dort schon länger der Wurm drin ist und der Aufsichtsrat hier seiner Aufsichtspflicht nicht gerecht wird, zeigt ein neuer Bericht der Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung (NRZ) vom 10. August 2018 mit der Überschrift "Finanzskandal bei der Duisburger Werkstatt gab es schon 2009". Der Bericht zeigt nach Ansicht der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in erschreckender Weise auf, warum weitgehend aus öffentlichen Mitteln geförderte System der Werkstätten für behinderter Menschen dringend einer Reform und vor allem konsequenter Kontrollen bedarf.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38533/Bereits-2009-Finanzskandal-bei-Duisburger-Werkstatt.htm
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« Antworten #16 am: 15. August 2018, 20:33:27 »

Zitat
Behindertenwerkstatt - Staatsanwälte ermitteln im Fall der Werkstatt-Chefin Rogg

Duisburg.  Verdacht der Untreue: Im Fall um die wegen zu hohen Gehalts entlassene Chefin der WfbM in Duisburg ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Quelle: https://www.waz.de/staedte/duisburg/staatsanwaelte-ermitteln-im-fall-der-werkstatt-chefin-rogg-id215094337.html

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« Antworten #17 am: 18. August 2018, 09:11:33 »

Zitat
Werkstatt für Behinderte - Duisburger Werkstatt zahlt Behinderten weniger als üblich

Duisburg.   Die Duisburger WfbM zahlt ihren Mitarbeitern mit Behinderung weniger Gehalt im Vergleich zu anderen Werkstätten. Sagt die Stadt, ohne Begründung.

Quelle: https://www.nrz.de/staedte/duisburg/eine-komplizierte-gehaltsfrage-in-der-duisburger-wfbm-id215100209.html
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« Antworten #18 am: 25. August 2018, 08:30:45 »

Zitat
Duisburger Gehaltsskandal: WfbM: Mitarbeiter verdienen wenig

Duisburg - In der Gehaltsaffäre um die ehemalige WfbM-Geschäftsführerin wird jetzt bekannt, dass die Mitarbeiter weniger als andere in vergleichbaren Einrichtungen verdienen...

Während die Werkstätten laut Aussagen des Landschaftsverbandes Rheinland seit August 2016 im Durchschnitt zwischen 85 und 500 Euro je nach Behinderungsgrad ihren Beschäftigten zahlen, wurden 2016 in der Duisburger WfbM ein durchschnittlicher Arbeitslohn von 1522 Euro pro Jahr mit einer Spanne von 75 bis 225 Euro pro Monat gezahlt. Der rheinlandweite Jahresdurchschnittslohn lag dagegen bei rund 2.175 Euro.

Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/duisburg-wfbm-mitarbeiter-verdienen-weniger-als-andere_aid-28614295

Damit erhalten die Behinderten in dieser Werkstatt skandalöse Löhne in Höhe von € 126,83 monatlich durchschnittlich. Bei einer 31,59-h-Woche macht das einen Lohn von 1,00 €/Stunde.

Dieses Werkstättensystem gehört weg zugunsten einer wirklichen Einbeziehung der alten, kranken und behinderten Menschen in das gesellschaftliche Leben auf Kosten der Banken und Konzerne.
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« Antworten #19 am: 19. September 2018, 18:50:18 »

Zitat
LINKE: Teilhabe am Arbeitsleben verbessern

3. Hinsichtlich der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), die immerhin 300.000 Beschäftigte zählen, ignoriert die Bundesregierung weiterhin den entsprechenden UN-Fachausschuss vollständig, der die Segregation auf dem Arbeitsmarkt kritisiert. Der Ausschuss fordert die Schaffung eines inklusiven Arbeitsmarktes und die Entwicklung von Ausstiegsstrategien und Anreizen, um ihnen einen Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Es ist untragbar, dass darüber hinaus zu diesem Übergang noch keine konkreten Zahlen vorliegen. Das Budget für Arbeit kann nur ein erster Schritt sein und muss bedarfsgerecht ausgestaltet werden.

Die durchschnittliche Entlohnung in den WfbM ist im Jahr 2017 mit 182 Euro erbärmlich gering, zumal nicht nur in Duisburg das Leitungspersonal völlig überzogene Bezüge erhielt. Angesichts dieser skandalösen Diskrepanz fordern wir eine schrittweise Umgestaltung der Werkstätten und dabei eine tarifliche Entlohnung der dort beschäftigten Menschen; zugleich müssen überhöhte Gehälter für LeiterInnen von WfbM unverzüglich abgeschafft werden."

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38704/LINKE-Teilhabe-am-Arbeitsleben-verbessern.htm
« Letzte Änderung: 19. September 2018, 19:21:26 von counselor » Gespeichert

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« Antworten #20 am: 19. Oktober 2018, 15:03:38 »

Zitat
#InclusionMeAndYou

...Der zentrale Konflikt begründet sich darin, dass Inklusion ohne einen gleichzeitigen Abbau von Sonderwelten nicht zu haben ist. Wer vollmundig nach Inklusion ruft, aber gleichzeitig den Erhalt (und den weiteren Ausbau) von Sonderwelten fordert, der muss sich nicht wundern, wenn genau das passiert was er will: nämlich nichts.

Womit wir bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM) wären. In ihrer Stellungnahme vom 01. Oktober 2018 zur Staatenprüfung der Bundesrepublik Deutschland führt die BAG WfbM aus: „Werkstätten sind Teil der Lösung … denn sie machen den Arbeitsmarkt in Deutschland erst inklusiv.“

Bis zum Beweis dieser Aussage ist ihr scharf zu widersprechen. Dass die Stellungnahme auch von „Werkstatträte Deutschland“ mitgetragen wird, macht es nicht besser. Im Gegenteil. Das hinterlässt obendrein noch so etwas wie ein Geschmäckle. Welche Definition von Inklusion liegt dieser Aussage zugrunde und welche Definition von Inklusion haben die Verfasser der UN-BRK? Das scheint nicht deckungsgleich zu sein.

Die Stellungnahme dürfte den Werkstätten eine kleine Verschnaufpause bescheren, entbindet sie aber nicht von der Verpflichtung, die UN-BRK umzusetzen. Dem Thema „Inklusion“ jedenfalls, und all den Menschen, die in der Sozialen Arbeit tätig sind und/oder ihre Leistungen in Anspruch nehmen, dürfte sie vermutlich einen Bärendienst erweisen...

Quelle: https://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/kolumne/38879/MeAndYou.htm
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« Antworten #21 am: 28. Oktober 2018, 08:14:58 »

Zitat
Bayern investiert munter weiter in Werkstätten

Bruchberg, Landkreis Ansbach (kobinet) Als ob es die Empfehlungen des Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen nicht gäbe, investiert Bayern weiter in den Neubau von Werkstätten für behinderte Menschen und wird nicht müde dies mittels Pressemitteilungen als gute Tat zu verkünden. So freut sich die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer sehr, dass das Land den Neubau einer Werkstatt des Evangelisch-Lutherischen Diakoniewerkes Neuendettelsau in Bruckberg mit bis zu 2.265.900 Euro fördern kann damit dort 70 sogenannte Arbeitsplätze in Werkstätten für behinderte Menschen geschaffen werden.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38930/Bayern-investiert-munter-weiter-in-Werkst%C3%A4tten.htm
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« Antworten #22 am: 03. November 2018, 21:15:58 »

Zitat
Mindestens Mindestlohn für Werkstatt-Beschäftigte

Berlin (kobinet) Deutschland soll behinderten Mitarbeiter*innen in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) den vollen Arbeits- und Sozialrechtschutz garantieren einschließlich des Mindestlohns. Diese Forderung des UN-Fachausschusses zum Sozialpakt vom Oktober 2018 wird von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) begrüßt. Der Fachausschuss hatte geprüft, ob und wie Deutschland die Verpflichtungen aus dieser Menschenrechtskonvention erfüllt, in der die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte festgeschrieben sind.

Quelle: https://kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/38971/Mindestens-Mindestlohn-f%C3%BCr-Werkstatt-Besch%C3%A4ftigte.htm
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« Antworten #23 am: 20. November 2018, 21:31:22 »

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Gehalts-Skandal bei Duisburger Werkstätten: Stadt Duisburg fordert offenbar 760.000 Euro Schadenersatz

Duisburg Im Streit um überhöhte Gehaltszahlungen an die frühere Geschäftsführerin der Duisburger Werkstätten scheint die Stadt nun ernst zu machen. Neben Roselyne Rogg steht der ehemalige Aufsichtsratschef im Fokus.

Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/wfbm-in-duisburg-stadt-fordert-760000-euro-von-roselyne-rogg_aid-34584465
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« Antworten #24 am: 23. November 2018, 23:26:32 »

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Mindestens Mindestlohn für Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen

Anerkennung der Arbeitsleistung, Inklusion in die Arbeitswelt und Zahlung von Mindestlohn sind Forderungen von Menschen mit Behinderung. Den aktuellen Mindestlohn erhalten Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen bei weitem nicht. Christina hat sich mit Sigrid Arnade unterhalten, der Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben, die die Forderung nach Mindestlohn für Werkstattbeschäftigte unterstützt. Zunächst erklärt Arnade, welche Entstehungsgeschichte die Werkstätten haben und welche Ideen hinter diesen Einrichtungen stehen.

Quelle: https://radiocorax.de/mindestens-mindestlohn-fuer-beschaeftigte-in-werkstaetten-fuer-behinderte-menschen/
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