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Autor Thema: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie  (Gelesen 1818 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 895


« am: 23. August 2017, 21:59:17 »

Weil wegen der desolaten Arbeitsbedingungen in der Pflege die Leiharbeit als tolle Alternative von der Sklavenhändlerlobby propagiert wird, ist es Zeit, diesen Thread zu starten, um mal die ganze Verlogenheit der "Branche" und die Probleme dahinter genauer zu betrachten.

Zum Einstieg ein Erfahrungsbericht aus der Altenpflege:
Zitat
Ein Arbeitstag aus dem Leben einer Leasing-Kraft: „Ach, Multilind?“
„Ihr seid richtig faul. Wollt nicht arbeiten. Deshalb seid Ihr auch in der Zeitarbeit, weil Ihr so arbeitet, wie Ihr wollt.“ (...) Ich desinfizierte die Stellen und versorgte sie, soweit ich dazu berechtigt war. Und ich dokumentierte! Das war meine Rache. Und ich informierte die zuständigen Stellen im Haus. Denn ihre Aussage, dass wir Leasingkräfte nur faul seien, hingen mir immer noch im Ohr.(...)
https://frausofa.wordpress.com/2017/08/21/ein-arbeitstag-aus-dem-leben-einer-leasing-kraft-ach-multilind/

Ob dieser Blog von Frau Sofa nicht vielleicht selber nur Propaganda für Leiharbeit ist, möge sich später herausstellen.

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Fritz Linow


Beiträge: 895


« Antworten #1 am: 24. August 2017, 19:29:18 »

2011:
In gleich zwei Fällen wurden zu viele Altenpfleger über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert. Damit aber ist die regelmäßige Bezugspflege nicht unbedingt gewährleistet, schließlich wünscht sich jeder Pflegebedürftige einen festen Ansprechpartner.
http://www.bergedorfer-zeitung.de/archiv/titel/article112589982/Immer-mehr-Beschwerden-ueber-Pflegedienste.html

2014:
„Wir haben schon über das Arbeitsamt und Zeitarbeitsfirmen gesucht. Auch per Ebay und Facebook. Das hat alles nichts gebracht“, sagt Melzer.
https://www.hna.de/lokales/frankenberg/hatzfeld-eder-ort305263/diakoniestation-sucht-haenderingend-qualifiziertes-personal-4449372.html

2014:
„Es gibt zu wenige und darunter zu viele schlechte Pfleger für so viele Bewohner!“ Oft seien vorübergehend Angestellte von Zeitarbeitsfirmen dagewesen, die gar nichts mit der Branche zu tun hatten.
https://www.tz.de/muenchen/stadt/sendling-ort43335/ehefrau-bewohner-klagt-nach-skandal-muenchenstift-heim-3537469.html

2015:
„Vor allem im OP- und Intensivbereich tun die Kliniken viel, um die Lücken zu stopfen, gegenbenfalls mit Zeitarbeit“, bestätigt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe – Bundesverband (DBfK) gegenüber Medscape Deutschland.
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4903803

2016:
Um Pflegekräfte zu finden, bieten Zeitarbeitsfirmen und Einrichtungen allerlei Extras – vom nagelneuen iPhone über Antrittsprämien und Kita-Plätzen bis zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Nach Angaben von Verdi sind sogar schon Schweizer Zeitarbeitsfirmen im Norden aktiv, um Kräfte abzuwerben.
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Pflegekraefte-am-Ende-Sogar-zum-Demonstrieren-fehlt-die-Kraft

2017:
"Zeitarbeit gehört in der Pflegebranche verboten", sagt Katrin Dähn-Erler vom Travedomizil. Solche Pflegekräfte verdienten wesentlich besser, hätten zudem weniger Verantwortung für Bewohner und Betrieb, sagt Christine Berg, Chefin des Tobias-Hauses in Ahrensburg. "Wir müssen immer mal wieder auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen, dabei kosten sie uns das Doppelte und bringen weniger.“
https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article211506871/So-kaempfen-Stormarner-gegen-Pflegenotstand.html

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Fritz Linow


Beiträge: 895


« Antworten #2 am: 28. August 2017, 07:57:34 »

Aus einem Pflegeblog. Leiharbeiter pflegen nicht nur schlecht, sondern können bekanntlich auch hervorragend Belegschaften spalten:

Zitat
13.8.17
#Pflege: Aushilfen von Zeitarbeitsfirmen

(…) Was mich sehr ärgert und was ich auch nicht verstehen kann, dass auch Leute bei Zeitarbeitsfirmen eingestellt werden, die keine oder nur eine unzureichende Pflegeerfahrung haben. Und die sollen dann eine ganze Pflegekraft ersetzen. Es ist schließlich nicht unsere Aufgabe, die Aushilfen in den Basics der Pflege einzuarbeiten. Das haben die Firmen selbst zu leisten.(…)
Bewohner sind schlecht oder gar nicht versorgt, Betten schmutzig und nicht auf den Boden runtergefahren, Formulare wie Lagerungs- oder Trinkpläne nicht geführt, Vorlagen nicht gewechselt, Essen nur hingestellt und nicht angereicht, Urinbeutel nicht geleert, Müll nicht entsorgt, wichtige Auffälligkeiten wie Hautveränderungen, Wunden, Essens- und Trinkverweigerungen, Schmerzäußerungen, Durchfälle, Fieber etc… nicht an die verantwortliche Fachkraft weitergegeben.(…)
Sprich: unzuverlässige Aushilfen können uU lebensgefährlich für die Bewohner sein.(…)
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen. Wenn ich mir die Zeit nehmen muß, hinter denen herzuarbeiten, kann man sie sich auch sparen, dann kann ich gleich alles allein machen.(…)
Der Markt an verlässlichen guten Pflegekräften schwankt von knapp bis leergefegt. Aber kann das eine Rechtfertigung dafür sein, dass Zeitarbeitsfirmen jeden nehmen und in die Heime zu schwerkranken Menschen schicken, der einen Waschlappen gerade halten kann, aber der arbeitet wie er Lust hat und nicht wie er soll?(…)
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2017/08/13/pflege-aushilfen-von-zeitarbeitsfirmen/
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dejavu


Beiträge: 897



« Antworten #3 am: 28. August 2017, 12:49:38 »

Zitat
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen.
Bah, wenn ich das schon höre...
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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #4 am: 28. August 2017, 13:24:40 »

Genau das hab ich auch gedacht!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Rappelkistenrebell


Beiträge: 2665



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« Antworten #5 am: 31. August 2017, 08:05:56 »



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Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de
Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12816



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« Antworten #6 am: 31. August 2017, 08:58:32 »

Können wir die Wahlwerbung mal im dafür vorgesehenen Thread lassen, Rappelkistenrebell?
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Fritz Linow


Beiträge: 895


« Antworten #7 am: 05. Januar 2018, 16:44:24 »

Zitat
5.1.18
Zeitarbeiter - resigniert und gehetzt

Auf den ersten Blick hat Zeitarbeit viele Vorteile. Auf den zweiten Blick tun sich Abgründe auf, meint die Krankenschwester und Pflegepäddagogin Silke Doppelfeld.

Geschmack von Söldnertum...
Zeitarbeiter landen oft in problematischen Häusern...
Lonesome Cowboy...
Zeitarbeit macht das Leben hektischer...
Flucht in die Bindungslosigkeit...
Ständig müssen sich die "Gastarbeitenden" neu einfinden...
Zeitarbeiter kritisieren nicht...
Was ist moralischer Stress?...
https://www.pflegen-online.de/zeitarbeiter-resigniert-und-gehetzt
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Kuddel


Beiträge: 10467


« Antworten #8 am: 13. Januar 2018, 19:48:13 »

Zitat
Kreis Lörrach
Abschied von der Leiharbeit


Kreis Lörrach. Mit der gestrigen Vertragsunterzeichnung zwischen Klinikengeschäftsführer Armin Müller und Gewerkschafter Reiner Geis endete ein Jahrzehnt lang schwelender Konflikt zwischen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, wie Geis sagte. „Wir schaffen Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem bundesweit einmaligen Tarifbeispiel“, kommentierte er den Einstieg in den Branchentarif für bisherige Leiharbeiter von Data-Med. „Für uns ist Data-Med ein rotes Tuch gewesen“, so Geis weiter.

Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte. Außerdem entschieden sich die Kreiskliniken für die Schaffung des Gemeinschaftsbetriebs, weil man das Auslagern einzelner Arbeitsbereiche vermeiden wollte, sagte Müller vor den Medien. Und: Mit diesem Schritt habe man auch die Akquise von Arbeitskräften im Blick. „Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben“, sagte der Klinikengeschäftsführer, der trotz Lohn-Mehrkosten in Höhe 491 000 Euro in diesem Jahr die Wettbewerbsfähigkeit der Kreiskliniken betonte.

Laut Verdi bedeutet die Neuregelung für die ehemaligen Data-Med-Beschäftigte aus Küche, Reinigung, Service Empfang, Hauswirtschaft, Logistik und Administration eine finanzielle Verbesserung von rund fünf bis zehn Prozent und ein Einstieg in den branchenüblichen Tarifvertrag.

Im einzelnen wechseln Arbeitnehmer mit einer dreijährigen Ausbildung in drei Jahresschritten von der Service Gesellschaft zu den Kliniken des Landkreises. Konkret handelt es sich um 120 Mitarbeiter, darunter Informatiker, Kodierfachkräfte, Sozialarbeiter, Techniker und Physiotherapeuten, wie Aenne Hildemann-Groß, Leiterin Personal der Kreiskliniken, erklärte.

240 an- und ungelernte Mitarbeiter der Data-Med erhalten in der Kliniken Lörrach Service GmbH einen neuen Arbeitsvertrag, der sich nicht mehr am Tarif der Zeitarbeit orientiert. Betroffene erhalten unter anderem vier zusätzliche Urlaubstage, außerdem erfolgt ab Juli eine Zusatzversorgung in der Betriebsrente mit einem Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 20 Euro. Und: Reinigungskräfte werden vom Gebäudereinigertarif in den Service-Haustarif überführt. Eine dritte Gruppe betrifft die kreiseigenen Heime: Diese werden allen bei ihnen eingesetzten Pflegehelfern sowie Pflege- und Betreuungshilfskräften einschließlich Präsenzkräften ein volles Übernahmeangebot machen –­ebenfalls nach den Regelungen des Tarifvertrags des öffentlichen Diensts (TVöD). Betroffen von der Neuregelung sind insgesamt 600 Mitarbeiter.

Die Beschäftigten sollen an regulären Gehaltserhöhungen turnusmäßig teilnehmen, sieht der neue Tarifvertrag vor, Zuschläge für Erschwernisse und ungünstige Arbeitszeiten werden ebenfalls ermöglicht, wie Geis erläuterte. Die Gewerkschaft verstehe den neuen Vertrag als Hilfestellung für die Belegschaft, der ausbaufähig sei, wenn sich die Mitarbeiter dafür engagieren würden, hieß es weiter.

„Der Tarifvertrag ist durch alle Gremien gegangen und für gut befunden worden“, sagte Müller. Er betonte aus Arbeitgeberperspektive, dass man an die Grenze der Belastbarkeit gegangen sei. Fast alle Mitarbeiter hätten die neuen Arbeitsverträge bereits unterzeichnet. Damit konnte ein Schlussstrich unter die Diskussion um Data-Med gezogen werden. „Nun können wir uns auf das konzentrieren, was vor uns liegt“, verwies Müller auf den Bau des Zentralklinikums.

Die Mehrausgaben bei den Personalkosten bedeuten nicht, dass bei den Kliniken an anderer Stelle der Betrag eingespart werden muss: Insgesamt verbucht das kreiseigene Unternehmen Mehreinnahmen, sagte Müller. Entscheidend wird sein, wie sich die Umsatzsteigerungen in den nächsten Jahren entwickeln werden, verwies er auf die Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik. Hier sieht der Klinikengeschäftsführer bei der nächsten Bundesregierung Handlungsbedarf in Sachen Klinikenfinanzierung. „Wir haben uns gut behauptet, aber das System passt nicht mehr“, zeigte sich Müller kritisch. Er hofft auf die volle Refinanzierung der Tarifkosten.
https://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.kreis-loerrach-abschied-von-der-leiharbeit.2cae8d36-0c0b-4171-bf8a-eb226af702a3.html
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Fritz Linow


Beiträge: 895


« Antworten #9 am: 13. Januar 2018, 23:34:32 »

Zitat
„Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben“, sagte der Klinikengeschäftsführer (Armin Müller).

Sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, aber auch skeptisch sein, wenn ein Geschäftsführer so etwas faselt.

Armin Müller, Fuzzi der Sklavenbude Data-Med 2012:
Zitat
Dass neue Mitarbeiter der Kreiskliniken bei der Dienstleistungsgesellschaft Data-Med angestellt werden, sorgt schon länger für Unmut bei Beschäftigten. Denn die gleichzeitige direkte Beschäftigung von Kollegen durch die Kliniken kann als Etablierung eines Zwei-Klassen-Systems gesehen werden, das längerfristig mit kostengünstigeren Arbeitskräften die Stammbelegschaft verdrängt.

http://www.badische-zeitung.de/kreis-loerrach/erstmals-klagt-ein-ex-mitarbeiter-gegen-data-med--56178437.html

Armin Müller ist iGZ-Sklavenhändler bei Data-Med und gleichzeitig Klinikengeschäftsführer? Was geht denn da ab?

Zitat
Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte.


Ach so...

« Letzte Änderung: 14. Januar 2018, 00:07:33 von Fritz Linow » Gespeichert
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