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Autor Thema: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie  (Gelesen 5218 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 1298


« am: 23. August 2017, 21:59:17 »

Weil wegen der desolaten Arbeitsbedingungen in der Pflege die Leiharbeit als tolle Alternative von der Sklavenhändlerlobby propagiert wird, ist es Zeit, diesen Thread zu starten, um mal die ganze Verlogenheit der "Branche" und die Probleme dahinter genauer zu betrachten.

Zum Einstieg ein Erfahrungsbericht aus der Altenpflege:
Zitat
Ein Arbeitstag aus dem Leben einer Leasing-Kraft: „Ach, Multilind?“
„Ihr seid richtig faul. Wollt nicht arbeiten. Deshalb seid Ihr auch in der Zeitarbeit, weil Ihr so arbeitet, wie Ihr wollt.“ (...) Ich desinfizierte die Stellen und versorgte sie, soweit ich dazu berechtigt war. Und ich dokumentierte! Das war meine Rache. Und ich informierte die zuständigen Stellen im Haus. Denn ihre Aussage, dass wir Leasingkräfte nur faul seien, hingen mir immer noch im Ohr.(...)
https://frausofa.wordpress.com/2017/08/21/ein-arbeitstag-aus-dem-leben-einer-leasing-kraft-ach-multilind/

Ob dieser Blog von Frau Sofa nicht vielleicht selber nur Propaganda für Leiharbeit ist, möge sich später herausstellen.

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Fritz Linow


Beiträge: 1298


« Antworten #1 am: 24. August 2017, 19:29:18 »

2011:
In gleich zwei Fällen wurden zu viele Altenpfleger über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert. Damit aber ist die regelmäßige Bezugspflege nicht unbedingt gewährleistet, schließlich wünscht sich jeder Pflegebedürftige einen festen Ansprechpartner.
http://www.bergedorfer-zeitung.de/archiv/titel/article112589982/Immer-mehr-Beschwerden-ueber-Pflegedienste.html

2014:
„Wir haben schon über das Arbeitsamt und Zeitarbeitsfirmen gesucht. Auch per Ebay und Facebook. Das hat alles nichts gebracht“, sagt Melzer.
https://www.hna.de/lokales/frankenberg/hatzfeld-eder-ort305263/diakoniestation-sucht-haenderingend-qualifiziertes-personal-4449372.html

2014:
„Es gibt zu wenige und darunter zu viele schlechte Pfleger für so viele Bewohner!“ Oft seien vorübergehend Angestellte von Zeitarbeitsfirmen dagewesen, die gar nichts mit der Branche zu tun hatten.
https://www.tz.de/muenchen/stadt/sendling-ort43335/ehefrau-bewohner-klagt-nach-skandal-muenchenstift-heim-3537469.html

2015:
„Vor allem im OP- und Intensivbereich tun die Kliniken viel, um die Lücken zu stopfen, gegenbenfalls mit Zeitarbeit“, bestätigt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe – Bundesverband (DBfK) gegenüber Medscape Deutschland.
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4903803

2016:
Um Pflegekräfte zu finden, bieten Zeitarbeitsfirmen und Einrichtungen allerlei Extras – vom nagelneuen iPhone über Antrittsprämien und Kita-Plätzen bis zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Nach Angaben von Verdi sind sogar schon Schweizer Zeitarbeitsfirmen im Norden aktiv, um Kräfte abzuwerben.
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Pflegekraefte-am-Ende-Sogar-zum-Demonstrieren-fehlt-die-Kraft

2017:
"Zeitarbeit gehört in der Pflegebranche verboten", sagt Katrin Dähn-Erler vom Travedomizil. Solche Pflegekräfte verdienten wesentlich besser, hätten zudem weniger Verantwortung für Bewohner und Betrieb, sagt Christine Berg, Chefin des Tobias-Hauses in Ahrensburg. "Wir müssen immer mal wieder auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen, dabei kosten sie uns das Doppelte und bringen weniger.“
https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article211506871/So-kaempfen-Stormarner-gegen-Pflegenotstand.html

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Fritz Linow


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« Antworten #2 am: 28. August 2017, 07:57:34 »

Aus einem Pflegeblog. Leiharbeiter pflegen nicht nur schlecht, sondern können bekanntlich auch hervorragend Belegschaften spalten:

Zitat
13.8.17
#Pflege: Aushilfen von Zeitarbeitsfirmen

(…) Was mich sehr ärgert und was ich auch nicht verstehen kann, dass auch Leute bei Zeitarbeitsfirmen eingestellt werden, die keine oder nur eine unzureichende Pflegeerfahrung haben. Und die sollen dann eine ganze Pflegekraft ersetzen. Es ist schließlich nicht unsere Aufgabe, die Aushilfen in den Basics der Pflege einzuarbeiten. Das haben die Firmen selbst zu leisten.(…)
Bewohner sind schlecht oder gar nicht versorgt, Betten schmutzig und nicht auf den Boden runtergefahren, Formulare wie Lagerungs- oder Trinkpläne nicht geführt, Vorlagen nicht gewechselt, Essen nur hingestellt und nicht angereicht, Urinbeutel nicht geleert, Müll nicht entsorgt, wichtige Auffälligkeiten wie Hautveränderungen, Wunden, Essens- und Trinkverweigerungen, Schmerzäußerungen, Durchfälle, Fieber etc… nicht an die verantwortliche Fachkraft weitergegeben.(…)
Sprich: unzuverlässige Aushilfen können uU lebensgefährlich für die Bewohner sein.(…)
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen. Wenn ich mir die Zeit nehmen muß, hinter denen herzuarbeiten, kann man sie sich auch sparen, dann kann ich gleich alles allein machen.(…)
Der Markt an verlässlichen guten Pflegekräften schwankt von knapp bis leergefegt. Aber kann das eine Rechtfertigung dafür sein, dass Zeitarbeitsfirmen jeden nehmen und in die Heime zu schwerkranken Menschen schicken, der einen Waschlappen gerade halten kann, aber der arbeitet wie er Lust hat und nicht wie er soll?(…)
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2017/08/13/pflege-aushilfen-von-zeitarbeitsfirmen/
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dejavu


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« Antworten #3 am: 28. August 2017, 12:49:38 »

Zitat
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen.
Bah, wenn ich das schon höre...
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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #4 am: 28. August 2017, 13:24:40 »

Genau das hab ich auch gedacht!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Rappelkistenrebell


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« Antworten #5 am: 31. August 2017, 08:05:56 »



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Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #6 am: 31. August 2017, 08:58:32 »

Können wir die Wahlwerbung mal im dafür vorgesehenen Thread lassen, Rappelkistenrebell?
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Fritz Linow


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« Antworten #7 am: 05. Januar 2018, 16:44:24 »

Zitat
5.1.18
Zeitarbeiter - resigniert und gehetzt

Auf den ersten Blick hat Zeitarbeit viele Vorteile. Auf den zweiten Blick tun sich Abgründe auf, meint die Krankenschwester und Pflegepäddagogin Silke Doppelfeld.

Geschmack von Söldnertum...
Zeitarbeiter landen oft in problematischen Häusern...
Lonesome Cowboy...
Zeitarbeit macht das Leben hektischer...
Flucht in die Bindungslosigkeit...
Ständig müssen sich die "Gastarbeitenden" neu einfinden...
Zeitarbeiter kritisieren nicht...
Was ist moralischer Stress?...
https://www.pflegen-online.de/zeitarbeiter-resigniert-und-gehetzt
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Kuddel


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« Antworten #8 am: 13. Januar 2018, 19:48:13 »

Zitat
Kreis Lörrach
Abschied von der Leiharbeit


Kreis Lörrach. Mit der gestrigen Vertragsunterzeichnung zwischen Klinikengeschäftsführer Armin Müller und Gewerkschafter Reiner Geis endete ein Jahrzehnt lang schwelender Konflikt zwischen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, wie Geis sagte. „Wir schaffen Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem bundesweit einmaligen Tarifbeispiel“, kommentierte er den Einstieg in den Branchentarif für bisherige Leiharbeiter von Data-Med. „Für uns ist Data-Med ein rotes Tuch gewesen“, so Geis weiter.

Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte. Außerdem entschieden sich die Kreiskliniken für die Schaffung des Gemeinschaftsbetriebs, weil man das Auslagern einzelner Arbeitsbereiche vermeiden wollte, sagte Müller vor den Medien. Und: Mit diesem Schritt habe man auch die Akquise von Arbeitskräften im Blick. „Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben“, sagte der Klinikengeschäftsführer, der trotz Lohn-Mehrkosten in Höhe 491 000 Euro in diesem Jahr die Wettbewerbsfähigkeit der Kreiskliniken betonte.

Laut Verdi bedeutet die Neuregelung für die ehemaligen Data-Med-Beschäftigte aus Küche, Reinigung, Service Empfang, Hauswirtschaft, Logistik und Administration eine finanzielle Verbesserung von rund fünf bis zehn Prozent und ein Einstieg in den branchenüblichen Tarifvertrag.

Im einzelnen wechseln Arbeitnehmer mit einer dreijährigen Ausbildung in drei Jahresschritten von der Service Gesellschaft zu den Kliniken des Landkreises. Konkret handelt es sich um 120 Mitarbeiter, darunter Informatiker, Kodierfachkräfte, Sozialarbeiter, Techniker und Physiotherapeuten, wie Aenne Hildemann-Groß, Leiterin Personal der Kreiskliniken, erklärte.

240 an- und ungelernte Mitarbeiter der Data-Med erhalten in der Kliniken Lörrach Service GmbH einen neuen Arbeitsvertrag, der sich nicht mehr am Tarif der Zeitarbeit orientiert. Betroffene erhalten unter anderem vier zusätzliche Urlaubstage, außerdem erfolgt ab Juli eine Zusatzversorgung in der Betriebsrente mit einem Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 20 Euro. Und: Reinigungskräfte werden vom Gebäudereinigertarif in den Service-Haustarif überführt. Eine dritte Gruppe betrifft die kreiseigenen Heime: Diese werden allen bei ihnen eingesetzten Pflegehelfern sowie Pflege- und Betreuungshilfskräften einschließlich Präsenzkräften ein volles Übernahmeangebot machen –­ebenfalls nach den Regelungen des Tarifvertrags des öffentlichen Diensts (TVöD). Betroffen von der Neuregelung sind insgesamt 600 Mitarbeiter.

Die Beschäftigten sollen an regulären Gehaltserhöhungen turnusmäßig teilnehmen, sieht der neue Tarifvertrag vor, Zuschläge für Erschwernisse und ungünstige Arbeitszeiten werden ebenfalls ermöglicht, wie Geis erläuterte. Die Gewerkschaft verstehe den neuen Vertrag als Hilfestellung für die Belegschaft, der ausbaufähig sei, wenn sich die Mitarbeiter dafür engagieren würden, hieß es weiter.

„Der Tarifvertrag ist durch alle Gremien gegangen und für gut befunden worden“, sagte Müller. Er betonte aus Arbeitgeberperspektive, dass man an die Grenze der Belastbarkeit gegangen sei. Fast alle Mitarbeiter hätten die neuen Arbeitsverträge bereits unterzeichnet. Damit konnte ein Schlussstrich unter die Diskussion um Data-Med gezogen werden. „Nun können wir uns auf das konzentrieren, was vor uns liegt“, verwies Müller auf den Bau des Zentralklinikums.

Die Mehrausgaben bei den Personalkosten bedeuten nicht, dass bei den Kliniken an anderer Stelle der Betrag eingespart werden muss: Insgesamt verbucht das kreiseigene Unternehmen Mehreinnahmen, sagte Müller. Entscheidend wird sein, wie sich die Umsatzsteigerungen in den nächsten Jahren entwickeln werden, verwies er auf die Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik. Hier sieht der Klinikengeschäftsführer bei der nächsten Bundesregierung Handlungsbedarf in Sachen Klinikenfinanzierung. „Wir haben uns gut behauptet, aber das System passt nicht mehr“, zeigte sich Müller kritisch. Er hofft auf die volle Refinanzierung der Tarifkosten.
https://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.kreis-loerrach-abschied-von-der-leiharbeit.2cae8d36-0c0b-4171-bf8a-eb226af702a3.html
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Fritz Linow


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« Antworten #9 am: 13. Januar 2018, 23:34:32 »

Zitat
„Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben“, sagte der Klinikengeschäftsführer (Armin Müller).

Sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, aber auch skeptisch sein, wenn ein Geschäftsführer so etwas faselt.

Armin Müller, Fuzzi der Sklavenbude Data-Med 2012:
Zitat
Dass neue Mitarbeiter der Kreiskliniken bei der Dienstleistungsgesellschaft Data-Med angestellt werden, sorgt schon länger für Unmut bei Beschäftigten. Denn die gleichzeitige direkte Beschäftigung von Kollegen durch die Kliniken kann als Etablierung eines Zwei-Klassen-Systems gesehen werden, das längerfristig mit kostengünstigeren Arbeitskräften die Stammbelegschaft verdrängt.

http://www.badische-zeitung.de/kreis-loerrach/erstmals-klagt-ein-ex-mitarbeiter-gegen-data-med--56178437.html

Armin Müller ist iGZ-Sklavenhändler bei Data-Med und gleichzeitig Klinikengeschäftsführer? Was geht denn da ab?

Zitat
Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte.


Ach so...

« Letzte Änderung: 14. Januar 2018, 00:07:33 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #10 am: 05. März 2018, 13:53:54 »

Die lieben Kosten, achherje:

Zitat
4.3.18
Klinikverbund Gesundheit Nord

Leiharbeit treibt die Kosten in die Höhe

Arbeiten an der Belastungsgrenze, Extra-Schichten und Unterbesetzung: Immer häufiger wechseln Ärzte oder Gesundheits- und Krankenpfleger freiwillig von der Festanstellung im Krankenhaus in die Leiharbeit. Entsprechende Meldungen gibt es bundesweit immer wieder. In Bremen ist die Leiharbeit ein großes Thema durch die Krise des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno). Die angeschlagene städtische Krankenhausgesellschaft hat das Beschäftigungsverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Zeitarbeitsfirmen, auch Arbeitnehmerüberlassung genannt, als einen der Hauptfaktoren ausgemacht, der die Bilanz ins Minus trieb. Die allgemeine Zahl der Leiharbeiter in ganz Deutschland steigt. Aber wie stellt sich die Situation in Bremen tatsächlich dar? Und was bedeutet sie für den Gesundheitsbereich?
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-leiharbeit-treibt-die-kosten-in-die-hoehe-_arid,1706707.html
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Fritz Linow


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« Antworten #11 am: 26. März 2018, 20:50:51 »

Kleiner Propagandaartikel für Leiharbeit in der Pflege beim MDR:

Zitat
25.3.18
Immer mehr Pfleger flüchten in Leiharbeit

Immer mehr Krankenpfleger entscheiden sich für einen Wechsel in die Leiharbeit. Die Zeitarbeitsfirmen werben mit weniger Arbeitsstress bei gleichem Lohn. Das lassen sich viele nicht zweimal sagen.
(...)
Der Chef des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), Sebastian Lazay, sagte MDR AKTUELL: "Wir sehen uns auch ein wenig als Anwälte der Beschäftigten. Wenn die Pflegeeinrichtung Doppelschichten verlangt, sagen wir Nein." Denn wenn man keine glücklichen Mitarbeiter habe, dann seien sie weg, sagt Lazay.
(...)
In vielen Krankenhäusern sei die Not inzwischen so groß und die Stammbelegschaft so knapp ausgestattet, meint die Sprecherin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Johanna Knüppel, "dass sie bei kurzfristigen Personalausfällen gar nicht mehr anders können, als auf Leiharbeit zurückzugreifen, auch wenn sie viel Geld kostet." Das sei in der Gesamtrechnung dennoch billiger, als Betten oder Plätze unbelegt lassen zu müssen, so Knüppel.
(...)

https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/pflege-pflegekraft-leiharbeit-zeitarbeit-100.html

Die Verlogenheit der Sklavenhändler ("Anwälte der Beschäftigten") und der Kostendruck der Krankenhäuser ("immer noch billiger als leere Betten") wird wenigstens dokumentiert.

« Letzte Änderung: 31. März 2018, 21:03:00 von Fritz Linow » Gespeichert
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« Antworten #12 am: 27. März 2018, 07:48:38 »

Eine Bekannte hat auch vorletztes Jahr ihren Festvertrag gekündigt gehabt und arbeitet nun als Altenpflegerin über Zeitarbeit.Besseres Geld und keine 60-70 Stundenwochen mehr.Sie macht nur noch den vereinbarten Stundendienst und fährt damit besser.
Das Problem ist auch,daß sich keiner wehrt,kaum jemand in der Gewerkschaft ist,ständig Personal unterbesetzt ist und die Bosse die Ersteller von Überlastungsanzeigen unter Druck setzen oder unter fadenscheinigen und konstruierten Vorwänden wie zB ein fingierter Diebstahl,kündigen.Auch werden diese Leute als "Nestbeschmutzer" von der Geschäftsführung dargestellt und von anderen Kollegen gemobbt.
Diese sind es gewohnt bei Krankheit deren Arbeit mitzumachen und bis in de Puppen Überstunden zu schieben.Auch werden diese teilweise falsch aufgeschrieben.Anders ist es nicht möglich und von der Heimleitung auch so gewollt.
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« Antworten #13 am: 29. März 2018, 07:33:33 »

Dazu gibt es bei Labournet ein Dossier

Überlastung treibt Krankenpflegekräfte in die Leiharbeit

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeit/ueberlastung-treibt-krankenpflegekraefte-die-leiharbeit/
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« Antworten #14 am: 31. März 2018, 11:47:27 »

Zitat
...und arbeitet nun als Altenpflegerin über Zeitarbeit.Besseres Geld und keine 60-70 Stundenwochen mehr.


Das ist dann wohl ein Ausreißer nach oben vom Gehalt her. Insgesamt verdienen Leiharbeiter im Pflegebereich weniger.

Zitat
31.3.18
(...)
Im Pflegebereich wird immer häufiger auf Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter zurückgegriffen, um die Personallücken zu schließen. Im vergangenen Jahr waren bundesweit 10.181 Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege, bei Rettungsdiensten und der Geburtshilfe als Leiharbeitskräfte tätig. 2014 waren es erst 7374 und damit 2800 weniger als 2017 gewesen. Im Bereich der Altenpflege gab es im Jahr 2017 mehr als 7500 Leiharbeitskräfte, drei Jahre zuvor waren es erst 5850 gewesen. Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die der PNP vorliegt.

Leiharbeitskräfte verdienen deutlich weniger als regulär Beschäftigte. Bei Vollzeit lag deren Bruttolohn in den Bereichen Pflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe Ende 2016 bei 3203 Euro monatlich. Bei Leiharbeitskräften waren es nur 2579 Euro, wie aus den Zahlen der Bundesarbeitsagentur weiter hervorgeht. 28,9 Prozent der Leiharbeitskräfte in Pflegeberufen lagen sogar unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle von 2088 Euro. Bei den Stammbeschäftigten waren es nur elf Prozent.

Besonders wenig wird in der Altenpflege verdient. Der Bruttomonatsverdienst für Vollzeitbeschäftigte lag Ende 2016 bei 2436 Euro. Leiharbeitskraft in Vollzeit erhalten im Durchschnitt nur 2131 Euro brutto im Monat. Fast die Hälfte von ihnen (47,8 Prozent) lag damit im Niedriglohnanteil.
(...)

http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2891984_Linksfraktion-kritisiert-Immer-mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege.html
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Fritz Linow


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« Antworten #15 am: 03. April 2018, 14:09:31 »

Zitat
3.4.18
Wie Leiharbeitsfirmen den Markt für Pflegekräfte aufmischen

Leiharbeitsfirmen rollen den Markt für Pflegekräfte auf, weil sie besser zahlen. Die Heime geraten dadurch in einen Teufelskreis.

(...)
Eine besondere Rolle spielen die Zeitarbeitsagenturen. „Wenn uns Mitarbeiter wegbrechen, kaufen wir dort für sehr viel Geld die Pflegekräfte ein, um die strengen Personalvorgaben zu erfüllen“, sagt Härtel-Lenssen. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war das noch anders. Da standen die Zeitarbeitnehmerinnen auf der Matte, weil sie sich um eine Festanstellung im Wohnpark bewerben wollten. Inzwischen läuft es andersrum.
(...)
Ein wichtiger Grund ist, dass die Zeitarbeitsfirmen deutlich besser bezahlen. Während etwa in der Metall-Industrie Leiharbeitnehmer eher mit weniger Geld nach Hause gehen als die Stammbelegschaft, läuft es bei der Pflege inzwischen umgekehrt.
(...)
Sylvia Bühler, für die Pflege zuständiges Vorstandsmitglied bei der Gewerkschaft Verdi, kann den neuen Trend bestätigen. „Aktuell werden nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit 21.484 Pflegekräfte über Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt.“ Ein Plus von 20 Prozent innerhalb eines Jahres.
(...)

http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/konkurrenz-im-altenheim-wie-leiharbeitsfirmen-den-markt-fuer-pflegekraefte-aufmischen/21135384.html
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Fritz Linow


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« Antworten #16 am: 06. April 2018, 13:59:54 »

Der VDAB ist der Lobbyverband für gut 1.600 Mitgliedsunternehmen der ambulanten und stationären Alten- und Behindertenhilfe.

Zitat
5.4.
VDAB: Kostenträger sind verantwortlich für stark ansteigende Leiharbeit in der Langzeitpflege
(…)
Die Verantwortung für das Anwachsen der Leiharbeit liegt eindeutig bei den Kostenträgern.
(…)
https://www.vdab.de/presse/pressemitteilungen/news/vdab-kostentraeger-sind-verantwortlich-fuer-stark-ansteigende-leiharbeit-in-der-langzeitpflege/


Zitat
Der VDAB vertritt bundesweit konsequent die Interessen der Unternehmen in der Privaten Professionellen Pflege.

Da die Interessen der Unternehmen darin bestehen, Gewinn zu machen und möglichst wenig an die Beschäftigten abzugeben, ist es irgendwie billig, die alleinige Schuld auf die Kostenträger/Krankenkassen zu schieben. Die Betreiber geizen mit jedem Scheiß herum, und jetzt, wo sie feststellen, dass Leiharbeit doch teurer ist, soll gefälligst mehr Geld fließen, damit der Gewinn stimmt.
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« Antworten #17 am: 18. Oktober 2018, 09:15:54 »

Zitat
18.10.18
Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu
(...)
Insidern zufolge war insbesondere der Monat September für die Geno ein Schlag ins Kontor, nicht zuletzt infolge schlechter Personalsteuerung. Auf Betreiben der Geschäftsführung sei die vergleichsweise teure Leiharbeit in diesem Monat drastisch zusammengestrichen worden. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Häuser. An mehreren Standorten mussten zeitweise Stationen geschlossen werden, auf denen dann in der Folge auch keine Erträge erwirtschaftet werden konnten.
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremer-kliniken-steuern-auf-rekorddefizit-zu-_arid,1776645.html
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« Antworten #18 am: 10. November 2018, 22:01:58 »

Zitat
29.10.18
Zeitarbeit lohnt sich nicht wirklich!
(...)
Es liegt allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber und den dahinter stehenden Heuschrecken, diese Situation zu ändern. Denn, wenn die maßgeblichen Akteure sich dieser Situation fügen, die Rahmenbedingungen ändern, dann werden sie so ihre Pflegekräfte halten und neue hinzu gewinnen können. Maßgeblich sind hier die Zahlen: Gehalt, Dienstplan, Sicherheit.

Solange das Argument der Pflegekräfte in der Zeitarbeit lautet: „Ich habe Freiheiten über meinen Dienstplan!“ in Kombination „Ich habe mehr Netto als Ihr auf dem Konto“ bei den Leasingkräften als Argumente vorherrschen, wird die Zeitarbeit in der Pflege weiterhin immense Gewinne abschöpfen. Gewinne, die die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen viel besser für das eigene Personal verwenden könnten, wenn nicht die Dividende um die Ecke schaut.
https://frausofa.wordpress.com/2018/10/29/zeitarbeit-lohnt-sich-nicht-wirklich/

Es liegt natürlich nicht allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber, aber immerhin wird die Pest der Leiharbeit nun auch von den Pflegenden selber kritisch gesehen.
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« Antworten #19 am: 13. November 2018, 20:41:06 »

Zitat
Fluch oder Segen der Zeitarbeit im Gesundheitssektor und der daraus resultierende Pflegenotstand

Der in der Bevölkerung stellenweise diskutierte Pflegenotstand hat nach Ansicht des Autors nicht nur die Ursache in der demographischen Bevölkerungsentwicklung, sondern auch im massiven Anstieg der Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) der letzten Jahre.
(...)
Sitzt man im Jahr 2018 zusammen um zu beratschlagen, wie man denn den Pflegenotstand zu lösen gedenkt, ist niemand auch nur im Ansatz in der Lage, auch nur zu erkennen, dass wir uns unser Problem selbstmachen.
Es sind nicht nur die renditeorientierten Träger, es sind auch die renditeorientierten Unternehmen, die sich fleissig am Topf der Solidargemeinschaft bedienen.
Deshalb muss die Konsequenz lauten, dass – ähnlich wie in der Baubranche – es ein Verbot der ANÜ und der Werkverträge geben muss.
http://www.labournet.de/?p=139953

Die Leiharbeitsbranche (die eigentlich keine Branche ist) versucht sich im Gesundheitswesen als die bessere Alternative darzustellen. Der Schuss geht nach hinten los, wenn noch viel mehr deutlich gemacht wird, dass die Sklavenhändler die Situation schamlos ausnutzen. Gerade beim emotionalen Thema "Pflegenotstand" müsste das eigentlich möglich sein. Ob jetzt ein Verbot der ANÜ in der Pflege sinnvoll ist? Schwierig. Wer will es einem verdenken, wenn er anderswo mehr verdient und bessere Bedingungen hat.
« Letzte Änderung: 13. November 2018, 20:52:13 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


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« Antworten #20 am: 19. November 2018, 08:55:46 »

Zitat
19.11.18
Trier. Die Besetzung von offenen Stellen in der Pflege stellt die Kliniken in der Region vor große Herausforderungen.
(...)
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. „Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann.“ Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

„Wir stehen erst am Anfang des Mangels, aber schon mitten in der Katastrophe“, lautet das ernüchternde Fazit von Jogerst-Ratzka.
https://www.volksfreund.de/region/die-besetzung-von-offenen-stellen-in-der-pflege-stellt-die-kliniken-in-der-region-vor-grosse-herausforderungen_aid-34569519
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dejavu


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« Antworten #21 am: 19. November 2018, 20:32:53 »

Zitat
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. „Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann.“ Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
« Letzte Änderung: 19. November 2018, 20:38:17 von dejavu » Gespeichert

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Fritz Linow


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« Antworten #22 am: 19. November 2018, 20:54:20 »

Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Die Leihbuden kaufen sozusagen den Markt auf in dem Wissen, dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss. Dass Betreiber und Krankenhäuser auch nur die Kohle im Sinn haben, wird stillschweigend übergangen.
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dejavu


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« Antworten #23 am: 19. November 2018, 21:31:11 »

Zitat
dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss.
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
So nach dem Motto: Gehen sie doch zur Leihbude xy und schauen sie mal was sie da bezahlen.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
« Letzte Änderung: 19. November 2018, 21:43:00 von dejavu » Gespeichert

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Fritz Linow


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« Antworten #24 am: 19. November 2018, 21:46:21 »

Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
In weiten Teilen der Gesundheitsberufe bekommen sie doch auch als Leiharbeiter mehr. Und ja, es spricht sich am Markt rum. Da man aber in der Pflege nicht so einfach die Patienten liegen lassen kann, nutzen die Sklavenhändler diese Situation (noch) aus und verlangen absurde Summen für ihre Ware. Dieses Geld fehlt den Betreibern dann wiederum, um selber bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sagen sie zumindest. Dass sie sich jahrzehntelang einen Dreck darum geschert haben, steht auf einem anderen Blatt.
« Letzte Änderung: 19. November 2018, 21:50:23 von Fritz Linow » Gespeichert
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