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Autor Thema: Stadtteilarbeit  (Gelesen 1175 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11226


« am: 17. Dezember 2017, 16:38:31 »

Ein vielversprechender Ansatz:
Es geht um radikale Stadtteilarbeit, die weniger auf klassische Themen wie Wohnen und Miete abzielt, sondern es gilt eine Art Stadtteilgewerkschaft aufzubauen. Gemeint ist damit, daß es um soziale Probleme gehen soll und das Problem der Ausbeutung. Da prekäre Jobs, oft befristet, manchmal im Graubereich der Schwarzarbeit oder immer an anderen Einsatzorten in der Leiharbeit, eine Organisierung am Arbeitsplatz fast unmöglich machen, wird der Wohnort zu dem Zusammenhang, der bleibend ist und an dem man die Menschen erreichen kann.

Gröpelingen als ehemaliger Werftarbeiterstadtteil in Bremen, ist nach der Schließung der Werft ein Bezirk mit weit verbreiter Armut und einem hohen Migrantenanteil.

Zitat
„Solidarisch in Gröpelingen“
Gemeinsam stark

Im Bremer Westen wächst die neue Stadtteilgewerkschaft „Solidarisch in Gröpelingen“ heran und will gemeinsam für die Sache kämpfen.



"Supersache": Viele Gröpelinger haben Stephan Heins und Sabine Zimmer schon ihr Herz ausgeschüttet.

„Hallo – haben Sie mal einen Moment Zeit?“ Wenn die Gruppe „Solidarisch in Gröpelingen“ im Stadtteil ihr weißes Zelt aufschlägt und Flyer in den verschiedensten Sprachen verteilt, dann dauert es meist nicht lange, bis Passanten neugierig zuhören und ihren Gesprächspartnern ihr Herz ausschütten. Von Schikanen durch den Arbeitgeber ist dann zum Beispiel zu hören, von Problemen mit dem Amt oder von der Wohnungsbaugesellschaft, die ihre Mieter in schimmeligen Wohnungen sitzen lässt. Erst kürzlich war es an einem Sonnabendnachmittag wieder so weit: Beim Eingang in den Grünzug an der Ecke Moorstraße / Selsinger Straße sprachen sechs Mitglieder der Gruppe Vorübergehende an und erzählten ihnen von ihrer Idee: „Wir wollen Leute zusammenbringen und versuchen, gemeinsam für unsere Sache zu kämpfen.“ Spontane Reaktion eines Angesprochenen: „Supersache – genau das brauchen wir hier in Gröpelingen!“ Es gab aber auch zurückhaltendere Stimmen: „Ich glaube mal, das wird nix!“

Wer weiß. Denn die Gruppe ist höchst rührig und tut viel für ihr erklärtes Ziel: sich gemeinsam organisieren. Seit den ersten zarten Anfängen vor einem guten halben Jahr wächst „Solidarisch in Gröpelingen“ beständig und über die Stadtteilgrenzen hinaus. Menschen verschiedenster Nationalitäten machen mit, und neben Leuten aus Gröpelingen und Walle kommen regelmäßig Engagierte aus der Neustadt, aus dem Steintor, aus Woltmershausen und Huchting. Darunter viele, die in der einen oder anderen Weise von Parteipolitik, Gewerkschaften oder anderen etablierten Organisationen enttäuscht sind. „Das ist mir zu weit von der Realität entfernt“, erzählt zum Beispiel ein junger Mann. Eine Frau ergänzt: „Es geht darum, dass Politik wieder zu uns Menschen zurückfindet und dass wir selbst unseren Alltag gestalten.“

Mit dabei ist Stephan Heins, der sich auch als Parteiloser im Gröpelinger Beirat engagiert. „Ich lebe seit vielen Jahren in Gröpelingen und sehe, wie es für viele im Stadtteil immer schwieriger wird“, erzählt er. „Wenn man hinter die Fassaden schaut, dann sieht man viele Probleme. ‚Solidarisch in Gröpelingen‘ möchte die Vereinzelung der Menschen hier in Gröpelingen aufheben und einen kollektiven Zusammenhalt schaffen.“ Dabei gehe es darum, gemeinsam Probleme zu lösen, Erfahrungen weiterzugeben und als Nachbarn – egal aus welchem Land – wieder mehr zusammenzuwachsen.

Zusammenhalt der Gröpelinger

„Wir haben irgendwann gemerkt, dass das Miteinander verloren gegangen ist“, sagt Stephan Heins. Zwar höre man immer wieder vom großen Zusammenhalt der Gröpelinger – diesen gebe es aber in einzelnen Quartieren inzwischen nicht mehr, ergänzt Sabine Zimmer: „Das liegt zum Beispiel daran, dass die Mieter in manchen Nachbarschaften häufig wechseln. Es gibt zwar durchaus innerhalb einzelner Communitys enge Strukturen, aber nicht darüber hinaus.“

Probleme mit dem Amt, mit der Arbeit oder was auch immer ließen sich aber nur mit vereinten Kräften lösen, sind Heins und Zimmer überzeugt: „Wir wollen deshalb eine Struktur aufbauen, um uns gegenseitig zu helfen, zu unterstützen und zu ergänzen.“ Dabei könnten zum Beispiel gemeinsame Aktionen organisiert werden oder es könnten Erfahrungen weitergegeben werden, wenn es um Probleme gehe, die auch jemand anderes aus der Gruppe schon einmal hatte. Einen konkreten Fall gab es schon, dem die Gruppe gemeinschaftlich eine Wende zum Positiven geben konnte: Eine Leiharbeitsfirma hatte sich einer erkrankten Mitarbeiterin entledigt, indem ihr eine Selbstkündigung zur Unterschrift vorgelegt worden war. Was sie da unterschrieb, wurde der Frau dabei allerdings nicht erklärt. Das Jobcenter verhängte daraufhin eine Sperrfrist für ihr Arbeitslosengeld; bei Solidarisch in Gröpelingen wurde ihr geholfen, dagegen Widerspruch einzulegen. „Wir haben ihr außerdem angeboten, mit ihr zum Arbeitgeber zu gehen“, erzählen Stephan Heins und Sabine Zimmer. Dies sei dann aber nicht mehr nötig gewesen.

Das Thema Zeitarbeit beschäftigt die Gruppe derzeit besonders intensiv. Hintergrund ist eine Gesetzesänderung im April. Demnach müssen alle, die länger als neun Monate in einem Betrieb arbeiten, denselben Lohn wie ihre festangestellten Kollegen bekommen. Dies führt Stephan Heins zufolge dazu, dass viele Unternehmen Leiharbeitern zum Jahresende gekündigt hätten, um neue einzustellen. Kürzlich hat die Gruppe rund ums Güterverkehrszentrum Flyer verteilt, um auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen und dagegen aktiv zu werden. Denn, so Heins: „Leiharbeit nutzt diejenigen aus, die so arbeiten müssen, und bedroht auch die Arbeitsbedingungen der Festangestellten.“

Bei aller Fachkenntnis – eine Beratungsstelle kann und will Solidarisch in Gröpelingen ausdrücklich nicht sein. „Es geht nicht um eine Dienstleistung oder um Sozialarbeit, sondern darum, zusammen aktiv zu werden“, betonen Heins und Zimmer. Wichtig sei der Gruppe außerdem, sich nicht ausschließlich mit Problemen zu beschäftigen. Deshalb lädt die Stadtteilgewerkschaft auch regelmäßig zu Filmabenden ein und schafft daneben Möglichkeiten, sich über kulturelle Themen auszutauschen, zusammen zu kochen oder sich einfach nur mal so im „Café Solidarisch“ zu treffen. Das findet momentan noch im „Mosaik“ am Liegnitzplatz und im Bewohnertreff an der Rostocker Straße statt. Geplant ist, demnächst einen eigenen Stadtteilladen als Treffpunkt zu eröffnen. Und auch auf Facebook ist die Gruppe natürlich vertreten. Für die Zukunft gibt es ambitionierte Pläne: „Es wäre schön, wenn es ähnliche Zusammenschlüsse irgendwann zum Beispiel auch in Hemelingen oder Huchting gäbe“, sagt Sabine Zimmer.
https://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/stadtteile-bremen-west_artikel,-gemeinsam-stark-_arid,1669298.html

Der in dem Text erwähnte Stadtteilladen ist bereits gefunden und angemietet. Die Gruppe kriegt mit hilfe eines Unterstützerkreises die nicht unerhebliche Miete zusammen.

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Kuddel


Beiträge: 11226


« Antworten #1 am: 12. Februar 2018, 18:44:37 »

Zitat
Revolutionäre Stadtteilarbeit
Drei Initiativen wollen Anwohner_innen über Hilfe bei Alltagsproblemen organisieren


    Von Florian Kastl


Dass viele Menschen in Großstädten nicht einmal die eigenen Nachbarn kennen, ist mehr als nur Klischee. Linke Stadtteilprojekte möchten das ändern - indem sie Bewohner_innen zum solidarischen Miteinander einladen. Im Zuge einer Veranstaltung der Gewerkschaftslinken Hamburg stellten sich drei solcher Initiativen aus Hamburg und Bremen vor: Wilhelmsburg Solidarisch, St. Pauli Solidarisch und Solidarisch in Gröpelingen.

Gröpelingen ist nicht unbedingt einer der Bremer Stadtteile, die den Glanz vergangener Hansetage tragen. Viele Erwerbslose, hohe Kriminalität und soziale Probleme machen ihn zum vermeintlichen Problembezirk. Genau hier sind Stephan Heins und Sabine Zimmer aktiv. Mit der Initiative »Solidarisch in Gröpelingen« betreiben sie etwas, was Sabine Zimmer »revolutionäre Stadtteilarbeit« nennt. Angetrieben sahen sich die Bremer von zwei Faktoren. Einerseits sei man mit der radikalen linken Praxis unzufrieden gewesen. »Viele wollen von oben die Machtverhältnisse verschieben«, so Sabine Zimmmer, »Sie arbeiten oft gegen die Gesellschaft«.

Dazu kommt eine gewerkschaftliche Komponente: Gerade durch die Zunahme von Leiharbeit trauten sich viele Arbeiter_innen nicht mehr, sich zu organisieren, weiß Stephan Heins. Es sollte also eine Art Stadtteil-Gewerkschaft her. Die Idee: Man organisiert die Menschen einfach außerhalb der Arbeitsplätze und vermindert so die Gefahr, dass der drohende Jobverlust sie davon abhalten könnte, aktiv zu werden. Doch selbst abseits der Werktätigkeit stehe man hier bisweilen vor Problemen. Bei einer Zusammenkunft von Mieter_innen beispielsweise. »Erst bekamen wir einen Raum vom Quartiersmanagement für unser Projekt. Als man dort dann aber herausgefunden hat, dass wir eine Hausversammlung abhalten, hat man uns den Schlüssel direkt wieder abgenommen«, so Stephan Heins.

Die Ansprache der Menschen findet also direkt an deren Lebensmittelpunkt statt. Dabei geht es weniger um politische Mobilisierung, sondern vielmehr um Hilfe bei alltäglichen Problemen. Hartz IV, Mieterhöhung, Kündigungen. Gerade Gröpelingen als ethnisch vielfältiger Stadtteil sei für eine linke Gesellschaftsarbeit prädestiniert, findet Sabine Zimmer: »Leider haben nationalistische und religiöse Kräfte bereits ›gute Arbeit‹ geleistet.« Hier möchte man Alternativen bieten.

Die Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg ist ebenfalls sozial prekär. Hier gibt es seit 2014 die Stadtteil-Initiative »Wilhelmsburg Solidarisch«. Auch hier sind alle Bewohner_innen des Viertels eingeladen, bei individuellen Problemen zu einem der Treffen zu kommen. Schnell wird dann oft klar, dass diese Probleme eben weniger individueller, denn struktureller Natur sind. Um sich dagegen auch aktiv zur Wehr setzen zu können, gibt es bei »Wilhelmsburg Solidarisch« auch eine Kampf- und Streikkasse.

Doch nicht nur finanziell wird geholfen. An einem Bürotag werden unter anderem gemeinsam Briefe von Vermietern und Behörden geöffnet. »Viele haben alleine davor schon große Angst. Es könnte ja wieder eine Rechnung drin sein«, weiß Aktivistin Kathi aus Wilhelmsburg. Aus einer Enttäuschung vom radikallinken Aktivismus sei man hier aber nicht gestartet, so die Aktivist_innen. Vielmehr spielten Erfahrungen rund um Räumungen in Berlin eine Rolle. Dort habe es stadtteilübergreifende Organisationstreffen geben, die sehr viel Zeit in Anspruch genommen haben. Also habe man beschlossen, sich in den Vierteln auf einer überschaubaren Ebene zu organisieren.

Der Sprung über die Elbe nach Norden führt nach St. Pauli, wo sich jüngst ebenfalls eine linke Stadtteil-Initiative gegründet hat - nach Vorbild der Wilhelmsburger. »Wir sind keine Sozialberatung«, sagt Aktivist Philipp. Noch aber ist die Initiative von St. Pauli im Entstehen begriffen. Um die zehn Menschen kämen im Schnitt zu den Treffen. Kritisch sei es auf St. Pauli nicht nur um die steigenden Mieten bestellt. Auch rassistische Polizeikontrollen gehörten zu den Themen auf der Agenda. Im Gegensatz zur Insel Wilhelmsburg sind die Voraussetzungen rund um Hamburgs Vergnügungsviertel jedoch anders. Hier möchte man von anderen Stadtteilprojekten lernen. Sabine Zimmer aus der Bremen Initiative ist zuversichtlich: »In unserer Arbeit haben wir bereits jetzt gesehen, was mit linker Stadtteilarbeit möglich ist.«
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1075627.linke-basisarbeit-revolutionaere-stadtteilarbeit.html
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Kuddel


Beiträge: 11226


« Antworten #2 am: 12. Februar 2018, 18:51:40 »

Da will Kiel natürlich nicht hintenan stehen.

In informeller Form gab es das schon länger, doch nun gibt es revolutionäre Stadtteilarbeit unter eigenem Label und mit festen Terminen:

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Kuddel


Beiträge: 11226


« Antworten #3 am: 15. Juni 2018, 13:58:20 »

Zitat
Gemeinsam gegen Jobcenter und Verdrängung
Die »Solidarische Aktion Neukölln« will Nachbar_innen organisieren, ohne dabei bloße soziale Arbeit zu verrichten


»Das Jobcenter nervt? Deine Miete wurde erhöht? Dein Chef stresst Dich?« Falls das zutreffe, dann solle man zur »Solidarischen Aktion Neukölln« (SolA) kommen. Ein Flyer mit dieser Einladung wird seit einigen Wochen regelmäßig vor Jobcentern, auf Märkten und öffentlichen Plätzen in dem Berliner Stadtteil verteilt. An der verantwortlichen Initiative, die sich im vergangenen Jahr gegründet hat, beteiligen sich nach eigener Aussage Menschen, die in Neukölln wohnen und sich in der Vergangenheit mit ebenjenen Jobcentern, Chefs oder Vermieter_innen auseinandersetzen mussten. Dabei hätten sie die Erfahrung gemacht, dass man alleine wenig erreichen kann und sich daher zusammenschließen müsse.

»Nachbar_innen helfen Nachbar_innen«, beschreibt Anne Seeck, die zu den Mitbegründerinnen der SolA gehört, das Grundprinzip ihrer Stadtteilarbeit. Um bloße soziale Arbeit geht es ihr aber nicht. »Wir unterstützen uns bei unseren Problemen.«

Zu den Neuköllner_innen, die sich von dem Angebot angesprochen fühlten, gehören laut der Gruppe auch Mieter_innen, denen im Februar 2018 Gas, Wasser und Heizung abgestellt wurden. Aktuell unterstützt die Initiative eine Mieterin, die eine Kündigung wegen Eigenbedarfs erhalten hat, nachdem sie eine Mieterhöhung erfolgreich verhinderte. Die SolA mobilisierte zum Kündigungsprozess vor das Amtsgericht.

Die Gruppe versucht auch, im Stadtteil politisch zu intervenieren. So sagte die Neuköllner Zeitung »Kiez und Kneipe« im Mai 2017 eine Veranstaltung mit dem AfD-Rechtsaußen-Politiker Andreas Wild ab, nachdem die SolA einen Aufruf gegen die Veranstaltung verfasst hatte. Als dann im Herbst 2017 bekannt wurde, dass ein Start-up-Unternehmen in der Alten Post in Neukölln sein Domizil eröffnen wollte, forderte die SolA »Wohnungen für alle statt Start-up-Kultur«.

Auch an der Mobilisierung zur berlinweiten Mieter_innendemonstration im April 2018 beteiligte sich die Gruppe. Unter dem Motto »5000 Flyer für Neukölln« sprachen die Aktivist_innen zahlreiche Menschen an, die sich vorher noch nie an einer Demonstration beteiligt hatten. Für Matthias L., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist dies ein zentrales Moment bei der Arbeit von SolA. »Wer sich mit anderen zusammen gegen Schikanen im Job oder beim Vermieter wehrt, geht dann bestenfalls auch auf eine Demonstration gegen hohe Mieten oder fordert die Enteignung der Deutsche Wohnen«, hofft der Aktivist. Matthias L. hatte einige Jahre im Berliner »Bündnis gegen Zwangsräumung« mitgearbeitet, ehe er Teil der Neuköllner Initiative wurde.

In der letzten Zeit haben viele außerparlamentarische Linke den Stadtteil als Ort der Organisierung neu entdeckt. Die Bremer Gruppe »kollektiv« stellte in einem Text die These auf, dass die Selbstorganisierung in den Betrieben durch den neoliberalen Umbau der Arbeitsorganisation und die Flexibilisierung der Belegschaften schwieriger geworden sei. Deswegen seien vor allem arme Stadtteile wieder verstärkt in den Fokus linker Organisierungsarbeit gerückt. Damit solle verhindert werden, dass der in vielen Betrieben erfolgreiche neoliberale Umbau auch in diesen Stadtteilen zum Tragen komme.

Die Organisierungsversuche finden so in vielen Orten Deutschlands statt. Schon einige Jahre engagiert sich etwa das Bündnis »Hände weg vom Wedding« in dem ehemaligen Berliner Arbeiterstadtteil. Nicht erfolglos, wie sich an der alljährlichen Stadtteildemonstration am 30. April zeigt. Mittlerweile wächst der Kreis der Gruppen aus dem Kiez, die sich an der Vorbereitung der Demonstration beteiligen. Die Hamburger Initiative »Wilhelmsburg solidarisch« will ebenfalls ein Anlaufpunkt für Menschen des proletarischen Stadtteils bei »Problemen rund um Arbeit, Aufenthalt, Jobcenter und Wohnen« werden. Offen bleibt, ob es den Projekten gelingt, sich langfristig in den Stadtteilen zu etablieren und auch untereinander von Erfolgen wie Misserfolgen zu lernen.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1090992.gemeinsam-gegen-jobcenter-und-verdraengung.html
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Kuddel


Beiträge: 11226


« Antworten #4 am: 18. Juli 2018, 20:44:30 »

Ein paar Eindrücke von der Stadtteilarbeit in Bremen-Gröpelingen...

















usw., usf. in mehreren weiteren Sprachen.



Die aktuellen Termine...




Die Facebookseite: https://www.facebook.com/Solidarisch-in-Gr%C3%B6pelingen-239290850012710/
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Kuddel


Beiträge: 11226


« Antworten #5 am: Gestern um 10:49:50 »

Ein weiterer Besuch bei den Bremern.
Die "Stadtteilgewerkschaft" war beim letzten öffenlichen Termin gut besucht, bis zum letzten Stuhl besetzt.
Die meisten waren in Mietfragen da. Es lauft ja die Vonovia Kampagne, der Wohnungskonzern hat schließlich den halben Stadtteil aufgekauft.
Bei Arbeiterthemen waren es eher Leute, die zum persönlichen Umfeld der Aktivisten gehören.
Doch es tauchte auch ein BLG (Bremer Lagerhaus Gesellschaft - börsennotierter Großlogistiker) Arbeiter auf. Er kam nicht auf die zahlreich verteilten Flug- und Faltblatter hin, sondern auf eine Leihkeule. Er war so begeistert davon, daß er meinte, man muß jetzt auch etwas machen. In der Leihkeule gab es keine Bremer Kontaktadresse, doch er fragte sich durch und wurde auf Bremen macht Feierabend/Solidarisch in Gröpelingen verwiesen.

Es beginnt also dann zu funzen, wenn es ein Geflecht an Strukturen gibt. Die Leihkeule. Leute, die sie verteilen. Lokale Gruppen. Einen Treffpunkt und regelmäßige Termine, wo man die Aktiven treffen kann.

Es wurde auch diskutiert, wie man das Wort "Stadtteilgewerkschaft" mit Leben erfüllt. Als wichtigste Voraussetzung sieht man eine Verbindlichkeit in der Sache. Man muß den Leuten vermitteln, daß hier ein Zusammenschluß von Menschen entsteht, der füreinander einsteht. Es soll eine Mitgliedschaft ermöglicht werden. Es gab aus den Betrieben bereits die Frage, ob man "Mitglied" werden könne. Es geht dabei nicht um Mitgliedsbeiträge. Wer mitglied wird, soll Teil eines Informationsnetzwerks werden. Statt durch Geldbeiträge die Sache zu unterstützen, soll jedes Mitglied sich aufgefordert fühlen, sich praktisch zu beteiligen, bei Protesten und Aktionen dabeizusein und mit Berichten aus dem eigenen Betrieb auch die anderen auf dem Laufenden zu halten.

Vielversprechender Ansatz. Mal sehen, wie sich das praktisch entwickelt.
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