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Autor Thema: HH 3.1. Stadtteilgruppen stellen sich vor  (Gelesen 1072 mal)
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admin
Administrator

Beiträge: 2300


« am: 24. Dezember 2017, 13:27:40 »

Einladung zum 158. Jour Fixe am Mittwoch, 03. Januar 2018 um 18 Uhr 30 im Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15 (Hofdurchgang)



Zitat
Selbstorganisierung rund um Alltagskämpfe

Vortrag und Diskussion mit verschiedenen Initiativen (aus: Bremen-Gröpelingen, HH-Wilhelmsburg -angefragt-, HH-St. Pauli)

In den letzten Jahren sind in vielen Städten unterschiedliche Initiativen entstanden, die den Aufbau von selbstorganisierten kollektiven und kämpferischen Strukturen rund um alltägliche Konflikte ins Zentrum ihrer politischen Aktivitäten stellen.


Strukturen, in denen Kämpfe gegen Ausbeutung auf dem Amt, der Arbeit, gegen Zwangsräumungen und Mieterhöhungen, rassistische Polizeikontrollen oder patriarchale Gewalt zusammen laufen und die in der Lage sind, eine solidarische Kultur hervorzubringen. Dazu zählen Initiativen wie Wilhelmsburg Solidarisch oder St. Pauli Solidarisch, die mit den Anlaufpunkten Räume geschaffen haben, in denen sich Menschen gemeinsam und solidarisch in Alltagskonflikten unterstützen, stärken und zur Wehr setzen.

Oder Solidarisch in Gröpelingen aus Bremen, die in ihrem Ansatz stärker auf den Stadtteil als Ort der Organisierung fokussieren und u.a. den Aufbau einer Stadtteilgewerkschaft anstreben.

Die verschiedenen Initiativen sind aus unterschiedlichen Gründen entstanden: teils aus Frustration und Kritik gegenüber einer an Kampagnen, Gipfelmobilisierungen und Szenepolitik orientierten radikalen Linken, die die Organisierung in alltäglichen Kämpfen eher sekundär betrachtet.

Teils aus der Erfahrung, dass Organisierungsansätze in den Betrieben aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung, Prekarisierung und Dominanz reformistischer Gewerkschaften schwierig geworden sind und zudem viele Menschen und Unterdrückungsformen außen vor lassen.

Auf der Veranstaltung stellen die drei genannten Initiativen ihre jeweiligen Ansätze vor, ihre Entstehungsgeschichte, zentralen Aktivitäten und Ziele.

Im Anschluss bleibt genug Zeit, um gemeinsam über Potentiale, Schwierigkeiten, offene Fragen und Lücken dieser Organisierungsansätze zu diskutieren.

https://gewerkschaftslinke.hamburg/event/jour-fixe-158/
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Fritz Linow


Beiträge: 1162


« Antworten #1 am: 10. Januar 2018, 22:36:49 »

Zitat
10.1.18
Revolutionäre Stadtteilarbeit

Drei Initiativen wollen Anwohner_innen über Hilfe bei Alltagsproblemen organisieren

Dass viele Menschen in Großstädten nicht einmal die eigenen Nachbarn kennen, ist mehr als nur Klischee. Linke Stadtteilprojekte möchten das ändern - indem sie Bewohner_innen zum solidarischen Miteinander einladen. Im Zuge einer Veranstaltung der Gewerkschaftslinken Hamburg stellten sich drei solcher Initiativen aus Hamburg und Bremen vor: Wilhelmsburg Solidarisch, St. Pauli Solidarisch und Solidarisch in Gröpelingen.

Gröpelingen ist nicht unbedingt einer der Bremer Stadtteile, die den Glanz vergangener Hansetage tragen. Viele Erwerbslose, hohe Kriminalität und soziale Probleme machen ihn zum vermeintlichen Problembezirk. Genau hier sind Stephan Heins und Sabine Zimmer aktiv. Mit der Initiative »Solidarisch in Gröpelingen« betreiben sie etwas, was Sabine Zimmer »revolutionäre Stadtteilarbeit« nennt. Angetrieben sahen sich die Bremer von zwei Faktoren. Einerseits sei man mit der radikalen linken Praxis unzufrieden gewesen. »Viele wollen von oben die Machtverhältnisse verschieben«, so Sabine Zimmmer, »Sie arbeiten oft gegen die Gesellschaft«.

Dazu kommt eine gewerkschaftliche Komponente: Gerade durch die Zunahme von Leiharbeit trauten sich viele Arbeiter_innen nicht mehr, sich zu organisieren, weiß Stephan Heins. Es sollte also eine Art Stadtteil-Gewerkschaft her. Die Idee: Man organisiert die Menschen einfach außerhalb der Arbeitsplätze und vermindert so die Gefahr, dass der drohende Jobverlust sie davon abhalten könnte, aktiv zu werden. Doch selbst abseits der Werktätigkeit stehe man hier bisweilen vor Problemen. Bei einer Zusammenkunft von Mieter_innen beispielsweise. »Erst bekamen wir einen Raum vom Quartiersmanagement für unser Projekt. Als man dort dann aber herausgefunden hat, dass wir eine Hausversammlung abhalten, hat man uns den Schlüssel direkt wieder abgenommen«, so Stephan Heins.

Die Ansprache der Menschen findet also direkt an deren Lebensmittelpunkt statt. Dabei geht es weniger um politische Mobilisierung, sondern vielmehr um Hilfe bei alltäglichen Problemen. Hartz IV, Mieterhöhung, Kündigungen. Gerade Gröpelingen als ethnisch vielfältiger Stadtteil sei für eine linke Gesellschaftsarbeit prädestiniert, findet Sabine Zimmer: »Leider haben nationalistische und religiöse Kräfte bereits ›gute Arbeit‹ geleistet.« Hier möchte man Alternativen bieten.

Die Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg ist ebenfalls sozial prekär. Hier gibt es seit 2014 die Stadtteil-Initiative »Wilhelmsburg Solidarisch«. Auch hier sind alle Bewohner_innen des Viertels eingeladen, bei individuellen Problemen zu einem der Treffen zu kommen. Schnell wird dann oft klar, dass diese Probleme eben weniger individueller, denn struktureller Natur sind. Um sich dagegen auch aktiv zur Wehr setzen zu können, gibt es bei »Wilhelmsburg Solidarisch« auch eine Kampf- und Streikkasse.

Doch nicht nur finanziell wird geholfen. An einem Bürotag werden unter anderem gemeinsam Briefe von Vermietern und Behörden geöffnet. »Viele haben alleine davor schon große Angst. Es könnte ja wieder eine Rechnung drin sein«, weiß Aktivistin Kathi aus Wilhelmsburg. Aus einer Enttäuschung vom radikallinken Aktivismus sei man hier aber nicht gestartet, so die Aktivist_innen. Vielmehr spielten Erfahrungen rund um Räumungen in Berlin eine Rolle. Dort habe es stadtteilübergreifende Organisationstreffen geben, die sehr viel Zeit in Anspruch genommen haben. Also habe man beschlossen, sich in den Vierteln auf einer überschaubaren Ebene zu organisieren.

Der Sprung über die Elbe nach Norden führt nach St. Pauli, wo sich jüngst ebenfalls eine linke Stadtteil-Initiative gegründet hat - nach Vorbild der Wilhelmsburger. »Wir sind keine Sozialberatung«, sagt Aktivist Philipp. Noch aber ist die Initiative von St. Pauli im Entstehen begriffen. Um die zehn Menschen kämen im Schnitt zu den Treffen. Kritisch sei es auf St. Pauli nicht nur um die steigenden Mieten bestellt. Auch rassistische Polizeikontrollen gehörten zu den Themen auf der Agenda. Im Gegensatz zur Insel Wilhelmsburg sind die Voraussetzungen rund um Hamburgs Vergnügungsviertel jedoch anders. Hier möchte man von anderen Stadtteilprojekten lernen. Sabine Zimmer aus der Bremen Initiative ist zuversichtlich: »In unserer Arbeit haben wir bereits jetzt gesehen, was mit linker Stadtteilarbeit möglich ist.«
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1075627.linke-basisarbeit-revolutionaere-stadtteilarbeit.html
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