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Autor Thema: Repression in China  (Gelesen 5493 mal)
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Nao


Beiträge: 140


« Antworten #25 am: 28. August 2018, 15:06:15 »

Zitat
Am Abend des 11. August wurde ich von meinen Eltern und Verwandten, die von üblen Mächten dazu verleitet worden waren, entführt. Bis jetzt bin stehe ich unter Hausarrest.
Ich bin Shen Mengyu



An jenem Abend saß in dem schwarzen SUV, in dem ich entführt wurde, außer meinen Eltern und Verwandten noch ein mir unbekannter Mann auf dem Beifahrersitz. Dieser etwa 50 Jährige mit dicken Augenbrauen begann sofort zu telefonieren als ich in dem Wagen gezwungen wurde. Es gelang mir noch ihm das Telefon aus der Hand zu schlagen, aber dann wurden mir die Hände gebunden. Ich spuckte ihm ins Gesicht, beschimpfte ihn, er sei nur ein Lakai übler Mächte.

Als ich später an einen anderen Ort verbracht wurde, saß der mittelalte Mann wieder auf dem Beifahrersitz und bezog dann die Nachbarwohnung.
Meine Freiheit ist krass beschnitten, selbst der Gang zur Dusche oder zum Klo wird überwacht und ich darf mein Zimmer nicht verlassen, denn an der Tür stehen immer ein Mann und eine Frau Wache. Und vor dem Haus stehen Tag und Nacht noch mehr Unbekannte. Aus ihren Gesprächen kann ich Wörter wie “Brigade” heraushören. Mein Telefon wurde mir auch genommen und in der Wohnung ist das Funksignal gestört.

Obwohl keine Nachrichten von außen zu mir durchkommen und ich vollkommen abgeschnitten von jeder Kommunikation bin, glaube ich unvermindert an den heldenhaften Kampf unserer arbeitenden Brüder und Schwestern. Denn laut meinen Entführern sind die 14 verhafteten Arbeiterinnen noch immer in Haft und diejenigen, die sich weigern Schuldeingeständnisse zu machen, sollen angeklagt werden.

Egal wie lange sie mich hier noch festhalten, ich werde meine Überzeugung nicht ändern. Unsere Solidaritätsgruppe ist da, um Arbeiter zu unterstützen, das ist vollkommen gerechtfertigt und legal. Die üblen Schergen haben keine legitimen Mittel, uns daran zu hindern, deswegen zwingen sie unsere Eltern ihre eigenen Kinder zu entführen. Meine Wohnbedingungen hier sind deutlich besser als im Polizeigewahrsam, das zeigt, was für ein schlechtes Gewissen sie offensichtlich haben.

Das Rad der Geschichte dreht sich weiter, ein paar Hanswürste der üblen Macht können es nicht aufhalten. Das Recht von Arbeiterinnen, eine Gewerkschaft zu gründen, steht schwarz auf weiß im Gesetz, das ist Gerechtigkeit, deswegen dürfen Arbeiter niemals verurteilt werden!
Singen wir gemeinsam unser “Lied vom Kampf der Jaisic-Arbeiterinnen”!
Die Arbeiter sind unschuldig! Lasst sofort alle Arbeiterinnen frei!
http://www.labournet.de/?p=136626
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Kuddel


Beiträge: 11608


« Antworten #26 am: 28. August 2018, 19:21:51 »

Also diese chinesischen Neo-Maoisten...
Ich fühle mich irgendwie wie vor 40 Jahren, als die ML-Gruppen noch von gewisser Bedeutung waren in Deutschland.
Ich nehme mal an, dieses Video ist etwas für Rappelkistenrebell.
https://de.labournet.tv/wir-kaempfen-bis-zum-ende
Ich sehe da eher unfreiwillige Komik bei all dem Pathos und dem Sound aus einem alten Propagandafilm.
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Fritz Linow


Beiträge: 1265


« Antworten #27 am: 29. August 2018, 15:21:35 »

Zitat
29.8.18
Streikführern droht die Verschleppung

In Shenzhen protestieren seit Wochen Arbeiter einer Fabrik. Die Behörden gehen rabiat dagegen vor. Und die Gewerkschaften sind oft den Bossen hörig.
(...)
Letztes Jahr sorgte ein ähnlicher Fall für Furore. Fu Tianbo war Leiharbeiter beim Gemeinschaftsunternehmen des staatlichen Autokonzerns FAW in der nordchinesischen Stadt Changchun.
(...)

http://taz.de/Arbeiterproteste-in-Suedchina/!5532091/
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Nao


Beiträge: 140


« Antworten #28 am: 30. August 2018, 16:45:03 »

Zitat
Protest vor der Chinesischen Botschaft in Berlin

Am 28. August 2018 haben etwa 30 Menschen vor der Chinesischen Botschaft in Berlin für die Freilassung der 14 Inhaftierten Jasic Arbeiter_innen und der noch festgehaltenen Unterstützer_innen demonstriert. Es wurden Grußbotschaften von Arbeiter_innen der Daimler Fabrik in Sindelfingen und von VW in Hannover vorgelesen.
https://de.labournet.tv/protest-vor-der-chinesischen-botschaft-berlin-0
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Nao


Beiträge: 140


« Antworten #29 am: 12. September 2018, 16:42:25 »

Zitat

Jasic ist kein Einzelfall:
Zunehmende Polizeirepression gegen aktive ArbeiterInnen in China



Eine der vielen LehrerInnendemos im Mai 2016 im Nordosten Chinas

Längere Zeit war es so gewesen, dass die polizeiliche Repression gegen die Bestrebungen zur basisgewerkschaftlichen Selbstorganisation in der VR China sich vor allem gegen die sogenannten Labour-NGO richteten, also jene Gruppierungen, in den Menschen aktiv daran arbeiteten, die gewerkschaftliche Selbstorganisation der Belegschaften – angesichts der faktischen Nichtexistenz wirklich gewerkschaftlicher Organisation in den Unternehmen – zu unterstützen. Nun war die Repression gegen die Unterstützungsgruppen der Jasic-Belegschaft auch dieses Mal ausgesprochen massiv und ist es immer noch, weswegen auch die Solidarität mit Belegschaft und UnterstützerInnen nach wie vor Not tut. Dass die Repression aber auch die Belegschaften selbst zunehmend trifft, wird in dem Artikel „Jasic not an isolated case: rare spike in arrests and violent police intervention to dissolve worker protests across China“ am 03. September 2018 im China Labour Bulletin externer Link zum Thema gemacht. Darin wird anhand zweier Belegschaftsproteste im August 2018, in den Provinzen Shenzhen und Yunnan, die eskalierende Polizeigewalt gegen die Belegschaften selbst dargestellt, wobei dazu nochmals ausdrücklich betont wird, dass seit langem Polizeieinsätze gegen aktive Belegschaften eher die Ausnahme und meist eher letzte Möglichkeit waren, was sich nun zu ändern scheint.
http://www.labournet.de/internationales/china/gewerkschaften-china/basisgewerkschaftliche-ansaetze/a-jasic-ist-kein-einzelfall-zunehmende-polizeirepression-gegen-aktive-arbeiterinnen-in-china/
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Nao


Beiträge: 140


« Antworten #30 am: 12. September 2018, 18:18:15 »

Bericht einer Solidaritätsaktion
...



...



Auf dem schwarzen Transparent steht: "INTERNATIONALE SOLIDARITÄT"

Die Fotos wurden in Chinesischen Sozialen Medien verbreitet.
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Nao


Beiträge: 140


« Antworten #31 am: 14. September 2018, 14:51:39 »



Der offene Brief zur Freilassung der in China verhafteten ArbeiterInnen, AktivistInnen und Studierenden:

https://actionnetwork.org/petitions/call-on-china-to-release-arrested-labour-activists/

Bitte unterzeichnen und weiterverbreiten.

Herzlichen Dank!
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Nao


Beiträge: 140


« Antworten #32 am: 26. September 2018, 10:10:44 »

Eine brauchbare Zusammenfassung aus der deutschen Presse:

Zitat
Proteste in Südchina: Arbeitsrecht auf Chinesisch

    Staat geht brutal gegen Arbeiterproteste vor
    Zwei Aktivisten sind spurlos verschwunden



In Shenzen fordern Demonstranten die Freilassung der bei den Arbeiterprotesten festgenommenen Aktivisten.

von Felix Lee

Proteste gibt es trotz der autoritären Führung in China viele. Immer wieder kommt es auch zu Streiks und Arbeiterprotesten. Allein 2017 sollen es Tausende gewesen sein. Die Zentralregierung lässt viele auch gewähren. Solange korrupte Unternehmer an den Pranger gestellt werden und Proteste auf einen Betrieb beschränkt bleiben, gehören sie zu den „inneren Widersprüchen“ eines Landes dazu, wie sie in den chinesischen Staatsmedien zuweilen bezeichnet werden. Schließlich ist die Volksrepublik „kommunistisch“.

Doch sobald sich Aktivisten vernetzen, es in anderen Landesteilen gar zu Solidaritätskundgebungen kommt, ist es mit der Toleranz rasch vorbei. Mit aller Härte wird dann gegen die Aktivisten vorgegangen. So auch in diesen Wochen beim Schweißmaschinenhersteller Jasic Technology in der südchinesischen Stadt Shenzhen.

Schlägertrupps schlagen Proteste nieder

Seit anderthalb Monaten kommt es vor den Fabriktoren des chinesischen Maschinenherstellers regelmäßig zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und ihren Unterstützern auf der einen Seite und der Unternehmensleitung und den Sicherheitskräften auf der anderen. Die Jasic-Arbeiter hatten es gewagt, eine eigene Vertretung zu gründen. Sie sehen ihre Rechte unzureichend vertreten. Das Management feuerte daraufhin sieben von ihnen.

Als die Arbeitnehmer Ende Juli erneut gegen ihre Firmenleitung auf die Straße gingen und die Wiedereinstellung forderten, schlugen privat angeheuerte Schlägertrupps der Firma mit Hilfe der Polizei den Protest nieder. Laut der in Hongkong ansässigen unabhängigen Arbeiterorganisation Sacom wurden 29 Demonstranten festgenommen. 14 von ihnen sind bis heute in Haft. Die Freigekommenen berichten von Misshandlungen.

Staatsführung zeigt sich alarmiert


In Chinas sozialen Medien sprach sich das brutale Vorgehen der Behörden rasch herum. Sacom zufolge forderten Demonstranten mehrfach vor der lokalen Polizeistation die Freilassung aller Aktivisten. Spätestens das alarmierte die Staatsführung. Mitte August war die Aktivistin Shen Mengyu noch auf einem Video zu sehen und hielt eine Rede: „Die Fabrik gibt den Arbeitern keine Gerechtigkeit, die Gesellschaft auch nicht.“ Laut Augenzeugen wurde sie eine knappe Woche später von drei unbekannten Männern gezwungen, in ein Auto zu steigen. Seitdem fehlt von ihr jede Spur.

Gewerkschaftsdachverband vom Staat gesteuert

Der Fall scheint typisch für die Lage in China. Offiziell ist die Volksrepublik ein Arbeiter- und Bauernstaat. Doch in der Realität lassen die Machthaber nur eine Form der Arbeitnehmervertretung zu: den allchinesischen Gewerkschaftsbund (ACFTU) unter dem Dach der kommunistischen Führung. Dieser Gewerkschaftsdachverband mit über 130 Millionen Mitgliedern wird vom Staat gesteuert. Seine Funktionäre vertreten oft die Interessen der Bosse.

Ähnlicher Fall im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr sorgte ein ähnlicher Fall für Furore. Fu Tianbo war Leiharbeiter beim Gemeinschaftsunternehmen des staatlichen Autokonzerns FAW (First Automotive Work) in der nordchinesischen Stadt Changchun. 40 Prozent des Unternehmens gehören Miteigentümer VW, 60 Prozent liegen bei FAW. Fu Tianbo hatte einen Protest organisiert, der für Leiharbeiter die gleichen Löhne wie die Festangestellten forderte.

Er und seine Mitstreiter waren überzeugt, ihr Protest sei gleich mehrfach gerechtfertigt. Sie stellten fest, dass sie nur etwa die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft erhielten. Dabei sehen sowohl das ab 2016 geänderte chinesische Arbeitsrecht als auch die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ im Wesentlichen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit vor.

Funktionäre am längeren Hebel

Doch das ist alles nur Theorie. Wenn ein Arbeitskampf den mächtigen Funktionären der Staatsbetriebe nicht passt, dann sitzen sie am längeren Hebel. Fu und seine Kollegen verhandelten sieben Runden lang mit dem Management und zogen sogar vor Gericht – vergeblich. Daraufhin organisierten sie einen Protest vor dem Werkstor.

Die Polizei nahm Fu wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ fest. Immerhin ließ VW die Leiharbeiter zu fairem Lohn inzwischen fest einstellen. Doch wie die Aktivistin Shen in Shenzhen bleibt auch Fu verschwunden.
https://www.suedkurier.de/ueberregional/wirtschaft/Proteste-in-Suedchina-Arbeitsrecht-auf-Chinesisch;art416,9879223
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