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Autor Thema: Zur Geschichte des Forums  (Gelesen 573 mal)
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Administrator

Beiträge: 2209


« am: 26. März 2018, 15:07:35 »

Ich habe nicht die Zeit, die ich gern hätte. Im Dezember 2017 hatte chefduzen seinen 15. Geburtstag und zu diesem Anlaß wollte ich eine Rückblick auf die Erfahrungen mit dem Forum formulieren. Ich bin nicht dazu gekommen.

Doch nun hat ein Mitstreiter mit knallenden Türen und ohne Diskussion das Forum nach fast 13.000 Postings verlassen. Das ist für mich der Grund, mir die Zeit zu nehmen, ein wenig zu erzählen, wie es zu diesem Forum gekommen ist und wie die Ideen dahinter aussehen. In der Zusammenarbeit beim Forenbetrieb gab es ein Kommen und Gehen. Manchmal endete es im Streit, oft weiß ich nicht einmal warum man ging und einige vermisse ich sehr.

Es ist wohl wichtiger, als mir klar war, noch einmal die Grundidee hinter diesem Forum zu beschreiben. Die Ungerechtigkeiten in dieser Gesellschaft sind offensichtlich. Die Umweltzerstörung hat bedrohliche Ausmaße angenommen, die sozialen Unterschiede wachsen ins Unermeßliche. Das alles ist nicht gottgegeben und nicht so, „weil wir Menschen nun einmal so sind“, wie neoliberale Propagandisten behaupten. Diese Ungerechtigkeiten und wachsenden sozialen Probleme haben System, sie sind das Ergebnis dieses Wirtschaftssystems. Das muß man nicht hinnehmen und das wollte  und will ich nicht. Ich akzeptiere kein Gesellschaftssystem, das auf Selbstzerstörung programmiert ist und Mensch und Natur in den Abgrund reißt. Es geht mir nicht um irgendeinen politisch ideologischen Scheiß,  es geht mir um Menschlichkeit in einer Gesellschaft, die nicht auf Profitmaximierung programmiert ist, sondern auf menschliche Bedürfnisse.

Eine Gesellschaft kann man nicht allein ändern, doch konnte ich beim besten Willen keine Gruppe oder Bewegung finden, der ich mich anschließen mochte. Ich fand die Aktivitäten linker Gruppen so hilflos und bisweilen idiotisch, da wollte ich nichts mit zu tun haben. Vor einer Demo zu jeweils angesagtem Thema (Weltwirtschaftsgipfel, Anti-AKW oder Braukohleabbau oder Naziaufmarsch) gibt es stets hektische Betriebsamkeit, um danach in ein Loch zu fallen und nach einem neuen Thema zu suchen. Nicht, daß diese Themen keine Guten Gründe für Protest darstellten, das Problem sehe ich darin, daß diese Proteste an den gesellschaftlichen Machtverhältnissen nichts ändern.

Ich dachte, wenn es nicht möglich ist, gemeinsam mit Linken gegen die herrschenden Verhältnisse zu kämpfen, dann würde ich mit den unter den Auswirkungen des Kapitalismus Leidenden diskutieren, wie man sich gemeinsam wehren kann. Es machte mir mehr Sinn mit eher unpolitischen Menschen zu reden, ob man anhand von Problemen mit Arbeit und Kohle nicht zu gemeinsamen Antworten und Aktivitäten kommen könnte. Ganz lebensnah und ohne politischen und moralischen Klimbim. Ich entschied mich zu einem regelmäßigen Treffen als Stammtisch der Ausgebeuteten für Alltagsprobleme im Zusammenhang mit Arbeit, Arbeitslosigkeit und Verarmung.

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich von den Netslaves, einem amerikanischen Internetforum, in dem sich IT Beschäftigte organisierten, als nach dem Platzen der Dotcom-Blase ein Großteil entlassen werden sollte. Ich war begeistert, wie man diskutierte, wie man mit dem Rausschmiß umgehen sollte, was man für sich dabei herausschlagen konnte. Man war dabei undogmatisch und radikal, unterhielt sich gleichzeitig über den eigenen Alltag, berichtete über Konzertbesuche und machte sich Gedanken über den Lauf der Dinge. Ich war beeindruckt. So etwas wollte ich auch. Nur hatte ich keine Ahnung von Computern und vom Internet. Ich hangelte mich über ein Jahr lang durch die Polititszene in der Hoffnung, dort jemanden zu finden, der helfen könnte diese Idee umzusetzen. Ich hatte mit heißer Luft und leeren Versprechungen am laufen Meter zu tun bis einer wirklich bereit war, ein solches Forum aufzubauen. Ich bat ihn darum es anzumelden, doch glücklicherweise war er ein Schisser und wollten seinen Namen nicht in diesem Zusammenhang sehen und fürchtete Ärger. Das sollte sich als glückliche Fügung für das Forum sein, es würde sonst wohl nicht mehr existieren. Ich empfand die Zusammenarbeit zunächst sehr angenehm. Er wollte sich aus den inhaltlichen Dingen weitgehende heraushalten und sah sich eher für den technischen  Betrieb zuständig. Er war dabei sehr engagiert. Der Betrieb war recht schleppend, ich freute mich über jeden Beitrag. Erst als ein Sklavenhändler einen Beitrag gelöscht haben wollte, kam langsam Leben in die Bude. Wir hatten keinerlei Ahnung, wie die juristische Situation eines solchen Forums aussah. Meine Freundin sagte mir, „wenn du den Beitrag rausnimmst, sind wir geschiedene Leute!“. Ich hatte eh keine Lust mich einem Ausbeuter zu beugen. Ich ahnte auch nicht, mit welchen Geschossen die Justiz einem Ausbeuter zur Hilfe eilen sollte. Da kam von einem Gericht die Androhung für 6 Monate in den Knast zu gehen, wenn der Beitrag nicht aus dem Forum verschwindet. Wir hatten da auch Neuland betreten, Konflikte im Internet mit Wirtschaftsunternehmen wurden bis dato nicht juristisch ausgefochten. Die Maintreammedien sprangen drauf an, die Süddeutsche berichtete in ihrer Printausgabe, stern.de und da Handelsblatt auch. Es gab eine Welle der Solidarität, die Besucherzahlen bei chefduzen.de schnellten in unglaubliche Höhen. Mein Mitstreiter meinte, „was da passiert ist Popkultur! Man, du bist jetzt ein Popstar!“ Da war es um ihn geschehen. Er wollte auch ein Popstar werden. Er hielt sich nicht mehr an Absprachen, die beim Stammtisch gemacht wurden und verfaßte ein Flugblatt mit seinem Namen und seiner Adresse darauf, um auch in den Fokus des medialen Interesses zu kommen. Er hatte zwar eine Anzeige innerhalb von 48 Stunden für dieses Flugblatt bekommen, doch die Medien interessierten sich nicht dafür. Seit dem gab es keine erträgliche Zusammenarbeit mehr. Er begann mich im Forum zu mobben, machte sich über jeden meiner Fehler lustig und wies die Community darauf hin, was für ein ahnungsloser Trottel ich in digitalen Dingen war. Er wollte das Forum unbedingt übernehmen und versuchte mir das Leben bei CD schwer zu machen und weitete das Mobbing auf andere Netzportale aus. Er ging davon aus, daß ich ohne seine Hilfe nicht weitermachen könnte. Es gipfelte darin, daß er meinen Admin-Account hackte und mir den Zugang zum Forum sperrte. Das war das Ende der Zusammenarbeit. Er hatte sich getäuscht. Ich lernte ein paar Grundbegriffe für den Forenbetrieb und fand neue Mitstreiter.

Das Forum hat sich längst auf hohem Niveau und gutem Traffic eingepegelt. Zur Einführung von Hartz IV machte ich 2005 ein
Hörstück
zur sozialen Situation in Deutschland, das als Beileger CD zur Zweitschrift WILDCAT veröffentlicht worden ist und bei verschiedenen Bürgerradios in Deutschland und Österreich über den Äther ging. Chefduzen.de fand viel Beachtung als Stimme der Ausgebeuteten. In Österreich und der Schweiz wurden Schwesterforen eröffnet.

(Dieser Bericht soll in mehreren Kapiteln fortgesetzt werden. Bitte geduldet euch ein wenig. Bei meiner knappen Zeit könnte es jeweils ein Weilchen dauern.)
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