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Autor Thema: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage  (Gelesen 3141 mal)
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tleary


Beiträge: 589


« Antworten #25 am: 01. Juni 2018, 07:27:44 »

Ich finde grundsätzlich höhere Löhne für Leiharbeiter im Vergleich zu Interne(gleiche Ausbildungsstufe) viel realistischer.
Bitte sei' nicht so "sozialdemokratisch", sonst hast du bei uns gleich verschissen!

"Seien wir realistsch: Verlangen wir das UNMÖGLICHE!" Smiley
(Frei nach Che Guevara)

Hier herrscht ja der Pessimismus in reinster Form.
Unser Pessimismus speist sich aus dem Realismus der realen Kräfteverhältnisse im Kapitalismus reinster Prägung.

Zitat
Es geht auch schon in Richtung Depression und Antriebslosigkeit.
Die Pessimisten sind eindeutig in der Mehrzahl.
Wie wär's mit einer Petition "gegen Depression und Antriebslosigkeit im Alltag"? - Die hätte wegen ihrer Inhaltslosigkeit bestimmt größere Chancen beim Petitionsausschuss durchzukommen.

Zitat
Mit so einer Einstellung bleibt alles beim Alten oder wird noch schlechter.
Jetzt sind wir schuld, wenn deine Petition erfolglos bleibt.

Menno, du machst es uns wirklich einfach, deine "Forderung" zu blamieren. - Das muß nächstes Mal besser werden, mit mehr Elan und noch mehr Opitimismus! Wie wär's Mai 2019, so bald die alte Petition abgelaufen ist, gleich wieder dieselbe raushau'n an den BT? Macht dann bestimmt Eindruck. - Und DIE kann dann von den Medien nicht mehr einfach so ignoriert werden. Gaaaanz bestimmt!!!
« Letzte Änderung: 01. Juni 2018, 07:46:47 von tleary » Gespeichert

"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
Festusfestus


Beiträge: 14


« Antworten #26 am: 01. Juni 2018, 08:53:19 »

Offensichtlich ist es noch zu billig, wenn es so boomt.
In einer freien Marktwirtschaft steigt dann normalerweise der Preis .
Es muss halt noch viel teurer werden damit der Leiharbeiter davon auch profitiert und die Leiharbeit weniger wird.
So kann man dann indirekt auch Leiharbeit abschaffen. smiley
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tleary


Beiträge: 589


« Antworten #27 am: 01. Juni 2018, 09:30:00 »

Die Leiharbeit für den Ausleiher mag momentan teuerer werden. Aber der "Zwischenhändler" steckt den höheren Preis in Form von Extraprofiten ein. Außerdem wird dank staatlicher Unterstützung (Arbeitsagentur) das Angebot an Leihsklaven weiterhin hochgehalten, und damit der "Preis für die Arbeit" niedrig.
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"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
Festusfestus


Beiträge: 14


« Antworten #28 am: 01. Juni 2018, 09:42:39 »

Mein Ansatz ist eigentlich ganz einfach und simpel, der keiner weiteren Erklärung bedarf.
Ich weiß jetzt partout nicht was man daran nicht nachvollziehen kann.  Huh?
Entweder man will es aus Prinzip nicht verstehen, weil man grundsätzlich gegen alles ist  oder......

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Kuddel


Beiträge: 10999


« Antworten #29 am: 01. Juni 2018, 10:30:17 »

Moin Festus,
ich find es ja gut, wenn man mehr über die Leiharbeit diskutiert. Eine Petition kann ein Aufhänger sein, um eine solche Diskussion zu führen. In dieser Hinsicht denke ich, eine Petition kann nicht schaden. Ich war aber bei mehr praktischen Dingen, wie einem Infotisch gegen Leiharbeit, aktiv. Die Leute haben gern die Flugblätter genommen, waren sowieso gegen Leiharbeit, fragten dann aber, wo man denn unterschreiben kann. Irgendwie sind in heutigen Zeiten Petionen wohl das einzige, was man sich als Widerstandsform vorstellen kann. Das ist absolut deprimierend!

Widerstand bedeutet, daß man sein Verhalten ändert, daß man mit anderen diskutiert und sich zusammenschließt. Leiharbeiter können vieles machen, was jenseits von Streik und anderen gewerkschaftlichen Methoden liegt. Man kann langsam arbeiten, schlecht arbeiten, Ausschuß porduzieren, Überstunden und Samstagsarbeit gemeinsam verweigern, der PKW mit dem man in Fahrgemeinschaft zum Einsatzort fährt, kann kaputtgehen, man kann sich kollektiv krank schreiben lassen und vieles mehr. Das muß diskutiert werden und man muß sehen, was in dem jeweiligen Betrieb am meisten Wirkung zeigt.

Für mich ist die ablehnde Haltung auch keinswegs ein Ausdruck von Resignation. Ich denke, viele wünschen sich einfach mehr, etwas, was mehr Biß und Wirkung hat als so eine olle Petition.

Dein Frankreichbeispiel ist für mich auch kein erstrebenswertes Ziel. Für die Wirtschaft dort ist Leiharbeit noch immer attraktiv und lukrativ. Und unter den Arbeitern ist sie noch immer verhaßt, auch mit den 10%+. Bei Demos werden noch immer Sklavenhändlerbüros zertrümert.

Dein Argument, diese Forderung sei eher "realistisch" finde ich verdammt schwach. Wahlrecht, Streikrecht, all diese Dinge galten auch mal als zu utopisch und völlig unrealistisch. Es ist immer nur die Frage, ob man etwas wirklich durchsetzen will und ob man ausreichende Druckmittel zu Durchsetzung hat.

Und jetzt möchte ich auch erklären, warum ich Leiharbeit grundsätzlich ablehne und sie nicht verbessern will:

  • Ich habe die Scheiße selbst unfreiwillig erlebt. Gut 50% aller Jobs, die ich gemacht habe, waren in der Leiharbeit. Es wurden keine anderen Jobs angeboten.
  • Leiharbeit spaltet die Belegschaften. Wenn Belegschaften nicht gespalten sind, können sie sich besser wehren. Dann gäbe es bessere Arbeitsbedingungen für alle.
  • Wenn es Arbeiter 1. und 2. Klasse gibt, bekommen es die Betroffenen auch zu spüren, nicht nur von Vorgesetzten. Es gibt gute Kollegen in den Stammbelegschaften, es gibt aber welche, die lassen den eigenen Frust an Leiharbeitern aus.
  • Leiharbeit ermöglicht den Unternehmen, die Belegschaft in absoluter Flexibilität den Produktionsanforderungen anzupassen. Das bedeutet 100% Arbeitsbelastung für alle jederzeit. In den Zeiten, in denen es nur eine Belegschaft gab, mußte sie so groß sein, daß auch Produktionsspitzen mit ihr bewältigt werden konnte. Jenseits der Produktionsspitzen wurde eine ruhige Kugel geschoben. Arbeitsdruck und Arbeitstaktung konnten nur mit der Scheißleiharbeit für alle angezogen werden. Stammbelegschaft und Leiharbeiter sind gleichermaßen Opfer dieser Personalpolitik. Die explosionsartige Ausweitung von arbeitsbedingten Erkrankungen kommen nicht von ungefähr.
  • Wenn Kollegialität und Freundschaften entstehen, werden sie durch andere Arbeitseinsatzorte wieder auseinandergerissen
  • Andere Einsatzbetreibe, andere Bedingungen und Anforderungen, andere Einsatzorte, all das bedeutet eine Dauerbelastung und man kann sein Leben nicht so planen, wie jemand, der nicht befürchten muß, an einem entfernten Einsatzort eingesetzt zu werden (manchmal ohne Vorwarnung).


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Festusfestus


Beiträge: 14


« Antworten #30 am: 01. Juni 2018, 10:57:36 »

Ich bin kein Fan von Leiharbeit!!
Ich hasse sie auch.
Ich will sie auch nicht verbessern, aber es wäre ein Regulativ.
Ich bin selbst bei einem Ingenieurdienstleister.

Streik oder ähnliche Maßnahmen ist auch ein Weg, aber das ist meistens auch mit finanziellen Einschnitten für einen selbst verbunden.

Olle Petition hin oder her.
Wenn eine Petition durch die Decke geht kann sie schon was bewirken und für den Einzelnen ist der Aufwand sehr gering.
Ich habe das jetzt auch zum ersten Mal gemacht und keine Erfahrungswerte wie ich die Massen erreiche.
Vielleicht gibt es ja noch eine Kettenreaktion.  Wink
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Kuddel


Beiträge: 10999


« Antworten #31 am: 01. Juni 2018, 11:22:37 »

Ich wollte dich auch nicht bremsen.
Ich will einfach mehr.
Wenn ein Petition eine Diskussion auslöst, ist es schonmal eine gute Sache.
Wenn die Petition durch die Decke gehen würde, würde sie jedoch von der Sklavenhändlerbranche ignoriert werden.
Deshalb wollte ich daran erinnern, daß man bei solchen Ideen auch gleich an Druckmittel denken sollte, sonst bleibt die beste Forderung nur ein frommer Wunsch.
Ich sagte bereits, es gibt auch andere Druckmittel als den Streik.
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Festusfestus


Beiträge: 14


« Antworten #32 am: 01. Juni 2018, 13:33:55 »

Wenn eine Petition durch die Decke geht dann wird sie auch im Bundestag verhandelt.
Wenn  z.B SPD den Druck der Masse hinter einer Petition spürt dann werden sie sich auch bewegen.
Und gerade die SPD hat ja einiges wieder gut zumachen.
Gesetze kann die Sklavenhändlerbranche nicht ignorieren, sofern keine Schlupflöcher vorhanden sind.
Der Druck muss einfach auf allen Kanälen höher werden, sei es nun durch eine Petition, Streik, Flugblätter , Initiativen  usw.
Die Sklavenhändlerbranche würde ich lieber heute als morgen den Garaus machen. Aber wie soll das realistisch funktionieren ?

Über einen höheren Lohn, der gesetzlich vorgeschrieben ist würde sich das automatisch von selbst regeln.

Leider bin ich kein PR Experte und ich weiß nicht wirklich wie ich viele Menschen erreiche.
Wenn einer Tipps hat -nur zu !
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counselor


Beiträge: 2964



« Antworten #33 am: 01. Juni 2018, 15:03:57 »

Die SPD erweckt immer nur den Anschein, als würde sie sich die Kritiken der Massen zu eigen machen und sie poliert gerne die Lebenslüge vom "Sozialstaat" auf. In Wirklichkeit setzt sie sich aber für die Interessen der Banken und Konzerne ein und baut rigoros soziale Reformen ab. Von dieser Partei würde ich mir nichts erwarten in punkto Zeitarbeit.
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
Festusfestus


Beiträge: 14


« Antworten #34 am: 01. Juni 2018, 15:08:09 »

Die SPD reagiert aber momentan mit.
Ich denke, ich kann mir trotz allem mehr von der SPD als von der CDU erwarten .

Ich bin aber kein SPD Wähler.
Ich wähle schon immer die Linke auch als sie noch PDS hieß.
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Onkel Tom


Beiträge: 3518



« Antworten #35 am: 02. Juni 2018, 09:49:52 »

Festus.Vielen dank für deinen Mut, überhaupt so eine Pedition zu starten.
Das du es damit gut gemeint hast, verstehe ist und wollte dich in diesem
Bereich nicht persönlich angreifen..

Nun, ich habe auch reichlich Erfahrungen rund um Erwebslosigkeit und
"Verunsicherung" durch Leiharbeit gesammelt und möchte mich jetzt nicht
darüber auskotzen, was ich so im Punkto Leiharbeit erleben musste.

Fakt ist meiner Meinung nach, Sobald eine 3.Person an einem Arbeitsverhältnis
zwichen AG und AN oder auch umgekehrt daran mit verdienen will, geht dies
immer zu Lasten, der seine Arbeitskraft veräußert.

Mal daran denken, das derjenige, der seine Arbeitskraft veräußert, realistisch
betrachtet der Arbeitgeber ist, könnte der Erkenntnis von Sinnlosigkeit der
Leiharbeit gedanklich auf die Sprünge helfen..

Bestimme selbst Dein Preis ! Aber mit der Existenz von "Arbeitskraftmaklern",
die auf das Ausstechen von Konkurenz fixiert sind, kannst Du für dich kaum
ein guten (Arbeits)preis aushandeln..

Leiharbeit ist wie ne Pest und ohne dessen Verbot mutiert es weiter nach dem
Motto "Wir finden immer Schleichwege, Arbeitskräfte aus zu beuten"..

 Wink
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Lass Dich nicht verhartzen !
dagobert


Beiträge: 4504


« Antworten #36 am: 02. Juni 2018, 15:44:18 »

Wenn der Entleiher-Betrieb mehr als für Interne bezahlen muss, dann entleiht er auch nur im Notfall.
-> Die Leiharbeit wird automatisch sehr stark zurückgehen.
Ein schöner Traum ...
Wenn eine Petition durch die Decke geht dann wird sie auch im Bundestag verhandelt.
Verhandelt, abgehandelt, abgelehnt, vergessen.
Wenn  z.B SPD den Druck der Masse hinter einer Petition spürt dann werden sie sich auch bewegen.
Die SPD spürt seit der Hartz IV-Einführung den Druck der Massen, bei fast jeder Wahl schneiden sie schlechter ab als beim letzten Mal.
Trotzdem halten sie immer noch an Hartz IV fest.
Wo ist da Bewegung?
Gesetze kann die Sklavenhändlerbranche nicht ignorieren, sofern keine Schlupflöcher vorhanden sind.
Aber sicher können die das, ich erinnere an den Umgang mit den Arbeitszeitkonten bei Nichteinsatz.
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tleary


Beiträge: 589


« Antworten #37 am: 03. Juni 2018, 08:09:30 »

Kuddel hat es hiermit eigentlich perfekt zusammengefasst:
Und jetzt möchte ich auch erklären, warum ich Leiharbeit grundsätzlich ablehne und sie nicht verbessern will:

  • Ich habe die Scheiße selbst unfreiwillig erlebt. Gut 50% aller Jobs, die ich gemacht habe, waren in der Leiharbeit. Es wurden keine anderen Jobs angeboten.
  • Leiharbeit spaltet die Belegschaften. Wenn Belegschaften nicht gespalten sind, können sie sich besser wehren. Dann gäbe es bessere Arbeitsbedingungen für alle.
  • Wenn es Arbeiter 1. und 2. Klasse gibt, bekommen es die Betroffenen auch zu spüren, nicht nur von Vorgesetzten. Es gibt gute Kollegen in den Stammbelegschaften, es gibt aber welche, die lassen den eigenen Frust an Leiharbeitern aus.
  • Leiharbeit ermöglicht den Unternehmen, die Belegschaft in absoluter Flexibilität den Produktionsanforderungen anzupassen. Das bedeutet 100% Arbeitsbelastung für alle jederzeit. In den Zeiten, in denen es nur eine Belegschaft gab, mußte sie so groß sein, daß auch Produktionsspitzen mit ihr bewältigt werden konnte. Jenseits der Produktionsspitzen wurde eine ruhige Kugel geschoben. Arbeitsdruck und Arbeitstaktung konnten nur mit der Scheißleiharbeit für alle angezogen werden. Stammbelegschaft und Leiharbeiter sind gleichermaßen Opfer dieser Personalpolitik. Die explosionsartige Ausweitung von arbeitsbedingten Erkrankungen kommen nicht von ungefähr.
  • Wenn Kollegialität und Freundschaften entstehen, werden sie durch andere Arbeitseinsatzorte wieder auseinandergerissen
  • Andere Einsatzbetreibe, andere Bedingungen und Anforderungen, andere Einsatzorte, all das bedeutet eine Dauerbelastung und man kann sein Leben nicht so planen, wie jemand, der nicht befürchten muß, an einem entfernten Einsatzort eingesetzt zu werden (manchmal ohne Vorwarnung).
Ein Außenstehender wie ich, der noch nie in der Leiharbeit war, kommt auf solche Gesichtspunkte gar nicht. Man hat zwar grundsätzlich Vorbehalte gegen die LA, aber eben NUR weil man von der Leiharbeit im persönlichen und medialen Umfeld noch nie etwas Positives gehört hat. Vollzieht man die Punkte von Kuddel nach, macht Leiharbeit den darin arbeitenden auf Dauer zwangsläufig auch PSYCHISCH KRANK. Menschen sind nun einmal soziale Wesen, die gerne in "der Masse mitschwimmen" (und das ist jetzt gar nicht negativ gemeint). Dürfen sie das nicht, wird ihnen also tagtäglich klargemacht, daß sie nicht zum "Kollektiv" (der Betriebsgemeinschaft) dazugehören, ausgegrenzt sind und weniger Rechte haben, werden sie frustriert und fallen in eine Depression. Das kann man auch mit einem noch so hohen "Erschwerniszuschlag" nicht wett machen, weil sich das eben auf der psychosozialen Ebene abspielt.
Ergo: => Leiharbeit NICHT VERBESSERN, sondern VERBIETEN!!!

P.S.:
.... und als nächstes knöpfen wir uns dann die LOHNarbeit vor. Cheesy - Leiharbeit ist nämlich nur eine noch menschenunwürdigere Ausprägung davon.
« Letzte Änderung: 03. Juni 2018, 08:11:58 von tleary » Gespeichert

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