Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: [1] |   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Re:Truckerstreik im Iran  (Gelesen 1172 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Fritz Linow


Beiträge: 1264


« am: 30. Mai 2018, 16:29:41 »

Im Iran scheint es eine ähnliche Entwicklung zu geben:
Zitat
May 28, 2018 - Reports from a variety of Iran’s cities on Monday indicate truckers are continuing their nationwide protests and a growing general strike. These protests have expanded to 242 cities in all of Iran’s 31 provinces.
https://english.mojahedin.org/i/irans-truckers-continue-nationwide-strike-into-seventh-day
Gespeichert
Fritz Linow


Beiträge: 1264


« Antworten #1 am: 03. Juni 2018, 09:51:26 »

Die International Brotherhood of Teamsters erklärt sich solidarisch mit den streikenden Truckern im Iran:
https://teamster.org/sites/teamster.org/files/180529_iran_truckers.pdf

Nebenbei ist die Geschichte der Teamsters ja wohl eine der geilsten Räuberpistolen, die es gibt:
https://de.wikipedia.org/wiki/International_Brotherhood_of_Teamsters
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #2 am: 03. Juni 2018, 14:21:31 »

Nebenbei ist die Geschichte der Teamsters ja wohl eine der geilsten Räuberpistolen, die es gibt
Wohl wahr. Wohl wahr!

Zitat
The Teamsters, a trade union like no other
https://www.independent.co.uk/news/world/americas/the-teamsters-a-trade-union-like-no-other-1924647.html

Es gibt auch eine wirklich sehenswerte Hollywoodverfilmung der Räuberpistole mit Jack Nickolson als Jimmy Hoffa.



https://de.wikipedia.org/wiki/Jimmy_Hoffa_(Film)
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #3 am: 12. Juni 2018, 11:53:47 »

Zurück zum Iran:

Zitat
    (freie Übersetzung)
   Irans Trucker setzen landesweiten Streik den siebten Tag fort

    Berichte aus einer Vielzahl von iranischen Städten am Montag zeigen, dass Fernfahrer ihre landesweiten Proteste und einen wachsenden Generalstreik fortsetzen. Diese Proteste haben sich auf 242 Städte in allen 31 Provinzen Irans ausgeweitet. Auch Busfahrer in verschiedenen Städten schließen sich dieser wachsenden Bewegung an und drücken ihre Solidarität aus.

    Kleinbusfahrer in Yazd, Zentral-Iran, wurden beobachtet, wie sich in Solidarität für die Lastwagenfahrer sammeln mit einer Versammlung vor der städtischen Straßen- & Transport- Behörde. Irans Lkw-Fahrer protestieren gegen niedrige Löhne, explodierende Preise für Ersatzteile und andere Gebühren in diesem Beruf. Die LKW-Fahrer haben eine vollständige Liste ihrer berechtigten Forderungen zur Verfügung gestellt:

  • Eine Lohnerhöhung von mindestens 50 Prozent für in- und ausländische Transporte.
  • Erhöhung der monatlichen Kraftstoffration, so dass die Fahrer nicht gezwungen sind, Kraftstoff zu Tankstellenpreisen zu kaufen.
  • Das Privatleben der Fahrer respektieren
  • Verabschiedung eines neuen Gesetzes zur Senkung der Provision von 14 Prozent auf sieben Prozent
  • Die Behörden überwachen die von den Fahrern erhaltenen Provisionsgebühren, insbesondere an den Terminals in Großstädten wie Teheran, Yazd, Bandar Abbas, Kerman und weiteren
  • Die Löhne der Fahrer sollten nach Tonnen / Kilometer bezahlt werden, so dass die Rechte der Fahrer und des Ladungsinhabers gleichermaßen respektiert werden.
  • Senkung der Sozialversicherungssätze und Einbeziehung des Fahrens als harte Aufgabe, um eine spezielle Deckung zu erhalten
  • Senkung Mautgebühren, Senkung jährliche LKW-Steuern
  • Senkung Mautgebühren, Senkung jährliche LKW-Steuern
  • Bildung einer Fraktion im Parlament des iranischen Regimes, um die große Transportindustrie des Landes zu unterstützen
   
    Menschen aus allen Gesellschaftsschichten protestieren und stellen Forderungen. Die Taxifahrer in Teheran und Isfahan streiken ebenfalls und drücken ihre Solidarität mit ihren LKW-Kollegen aus. Studenten der Teheraner Kunstuniversität sammelten sich gestern und protestierten gegen die Verlegung ihrer Schule an einen anderen Ort. Solche Proteste werden zu einer großen Belastung für die iranischen Behörden. Sicherheitskräfte des iranischen Regimes beabsichtigen, Proteste "entschlossen zu begenen", so ein Sprecher der Justiz am Sonntag. Kundgebungen und Demonstrationen breiten sich als Wellen im ganzen Land aus, wobei die Menschen die großen wirtschaftlichen Probleme hinweisen und den Protesten einen politischen Charakter geben.
https://english.mojahedin.org/i/irans-truckers-continue-nationwide-strike-into-seventh-day

Da ich die Situation im Iran nicht kenne, hatte ich Probleme einige der Forderungen vernünftig zu übersetzen.



Zitat
Tausende Taxifahrer im Iran und Ostkurdistan im Streik

Die Aktionen der Taxifahrer im Iran und Ostkurdistan gehen weiter. In der ostkurdischen Stadt Kirmaşan nahmen gestern mehr als 10.000 Taxifahrer am Streik teil.


In Ostkurdistan und im Iran sind zehntausende Taxifahrer im Streik. In der Provinz Kirmaşan versammelten sich am Donnerstag die Taxifahrer der gleichnamigen Provinzhauptstadt vor dem Büro der Taxigewerkschaft und erklärten ihre Teilnahme am Boykott.
Nach den Lastwagen- und Tankerfahrern haben nun auch die Taxifahrer mit einem Streik für die Absenkung der Benzinpreise begonnen. Die Taxifahrer erklärten, dass sie mit ihrer Aktion auch die Proteste der Fernfahrer unterstützen wollen.
Gleich zu Beginn der Aktion versuchten iranische Sicherheitskräfte die Protestierenden zu zerstreuen, konnten die Auflösung aber aufgrund des entschlossenen Widerstands der Taxifahrer nicht durchsetzen.
https://anfdeutsch.com/kurdistan/tausende-taxifahrer-im-iran-und-ostkurdistan-im-streik-4787

Zitat
Streiks im Iran weiten sich aus

Seit über zehn Tagen streiken im Iran landesweit LKW-Fahrer, kürzlich schlossen sich unzählige Taxifahrer an, nun erklären sich auch die Busfahrer solidarisch. Es hadnelt es um einen der größten Streiks seit Ausrufung der Islamischen Republik und schon fragen erste Stimmen, ob, sollte er sich noch weiter ausweiten, dies gar zum Sturz des Regimes führen könnte.

https://jungle.world/blog/von-tunis-nach-teheran/2018/06/streiks-im-iran-weiten-sich-aus

Ein Video einer Straßenblockade der LKW Fahrer: https://www.youtube.com/watch?v=QCa7OvrHwVM
Beeindruckende Streikbeteiligung: https://www.youtube.com/watch?v=o5wGa8jhcTw
Stimmung bei der Streikversammlung: https://www.youtube.com/watch?v=qi-S0K73Ufw
Improvisierte Straßensperre: https://www.youtube.com/watch?v=kvkOlqdlAMc
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #4 am: 12. Juni 2018, 12:06:16 »

Zitat
Iran: Arbeiterklasse gegen Ayatollah



"In den letzten Monaten wurde der Iran von einer wachsenden Streikwelle erfasst. Der iranische Sozialist Peyman Jafari sprach mit uns über eine Serie kämpferischer Streiks, die den Staat erschüttern, und wie die Aktionen der Arbeiterinnen und Arbeiter eine Vision für die Zukunft bieten.


marx21: Was ist los im Iran?

Peyman Jafari: Eine wachsende Streikwelle hat in den vergangenen Monaten das Land erfasst. Lehrerinnen und Lehrer streiken für höhere Löhne. Arbeiter in kleineren Städten haben für die Auszahlung ihrer Lohnrückstände gestreikt – wie gegenwärtig 900 Arbeiter des Hepco Bauunternehmens, die sogar Bahnstrecken besetzten. Die jüngste Aktion ist die der LKW-Fahrer. Und die ist wahrlich massiv. Sie begann in einer Provinz am 22. Mai und breitete sich zu einem landesweiten Streik in ganz Iran aus. Es ist ein mächtiger Streik, der auch die Energieversorgung trifft, sodass es in mehreren Städten zu Engpässen kommt.

Es hat auch viele Solidaritätsaktionen seitens anderer Arbeiter gegeben. LKW-Fahrer haben wichtige Verbindungsstraßen blockiert, und es wird davon berichtet, dass Taxi- und Kleinbusfahrer sich ihnen zugesellt haben. Die Mehrheit der LKW-Fahrer besitzt ihren eigenen LKW, sie arbeiten aber in der Mehrzahl für die Regierung. Ihre Forderungen umfassen Lohn, Gebühren und Steuern, denn die Preise sind gestiegen, ihre Löhne aber nicht. Die Tatsache, dass sie ihre eigenen LKWs besitzen, hat paradoxerweise ihren Streik effektiver gemacht, denn er wird für sie dadurch leichter zu kontrollieren. Wenn es sich nur um ein oder einige wenige Unternehmen handelte, könnte der Staat viel leichter intervenieren. Eben weil es sich aber um selbständige Eigentümer handelt, ist es schwieriger, die Polizei gegen sie einzusetzen – wobei das mittlerweile auch geschieht.

Wie hat der Staat reagiert?

Der Staat hat den LKW-Fahrern gegenüber einige Zugeständnisse gemacht. Er hat die Preise für Kraftstoffe und für die zu entrichtenden Gebühren um rund 20 Prozent gesenkt. Das ist ein Teilsieg für die LKW-Fahrer. Zugleich hat aber der Staat versucht, die Streiks zu zerschlagen, indem er Streikbrechern Schutz bietet und auch regierungseigene LKWs einsetzt, um Treibstoffe zu transportieren. Und in der vergangenen Woche hat er noch mehr Polizei eingesetzt, um die LKW-Streiks zu brechen. Streikende von Hepco und streikende Lehrer wurden auch verhaftet, angeklagt und eingekerkert. Die Streikenden sind aber standhaft geblieben und das ist es was zählt.

Vor welchem Hintergrund finden die jüngsten Aktionen statt?

Es hängt mit dem Regierungsprogramm der Privatisierungen und Wirtschaftsreformen zusammen. Seit 10 oder 15 Jahren hat es eine leise Welle der Privatisierungen und »Teilprivatisierungen« gegeben, wobei Industrien von Staatsbeamten oder anderen staatlichen Institutionen aufgekauft werden. Die Regierung hat die Verfassung geändert, um Privatisierungen zu erleichtern. Unter der Vorgängerregierung von Mahmoud Ahmadinedschad machten Verfassungsänderungen privaten Investoren den Weg für Investitionen im Staatssektor frei. Das Hauptproblem dabei ist der sinkende Schutz für die Arbeitnehmer. Die Arbeitsgesetzgebung wurde so verändert, dass sie nicht mehr für kleinere Betriebe gilt. Dabei ist die gesamte Wirtschaft von Kleinstbetrieben und -fabriken mit zehn oder so Arbeitern dominiert.

Die Folge ist eine weitgehende »Flexibilisierung« des Arbeitsmarkts, sodass mittlerweile ein enormer Anteil der Arbeiterschaft nur noch Zeitverträge hat. Die gegenwärtige Regierung von Hassan Rouhani zeigt sich offener für soziale Reformen und räumt etwas mehr Freiheiten ein. Aber sie verfolgt eine harte neoliberale Politik von Privatisierungen, Preissteigerungen und immer mehr Zeitverträgen. Sogar das Gesundheits- und das Bildungswesen sind von Privatisierungen erfasst.

Die Streiks bei Hepco sind der jüngste Versuch, diesen Prozess aufzuhalten. Hepco wurde im Jahr 2007 privatisiert. Seitdem wurden tausende Arbeiter entlassen und die Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert. Die Streikenden fordern die Wiederverstaatlichung von Hepco, wofür sie Unterstützungen von Arbeitern im Privatsektor bekommen haben.

Wie wirken sich die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aus?

Das Leben ist schwieriger geworden. Die Preise sind infolge der Sanktionen gestiegen, und das trifft die Menschen aus der Arbeiterklasse. Die Situation wird sich noch verschärfen, wenn die von Trump wiedereingeführten Sanktionen greifen. Sie werden aber womöglich wegen der gegenwärtigen internationalen Lage nicht die gleichen Auswirkungen haben wie vor zwei Jahren. Der Streitpunkt Iran zeigt, dass die Großmachtpolitik immer noch allgegenwärtig ist.

Der Streit zwischen Europa und den USA hatte sich zuvor schon verschärft. Wir sollten ihn nicht größer machen, als er ist, aber der Riss über die Frage des Umgangs mit dem Iran vertieft sich sichtbar. Es wird für Trump schwieriger, einheitliche Sanktionen durchzusetzen, weil manche Länder Asiens sich weigern, sie zu implementieren. Indien hat verkündet, es wolle weiterhin iranisches Öl kaufen. Die Sanktionen werden sicherlich das Land treffen, aber nicht im gleichen Ausmaß wie vor wenigen Jahren. Für iranische Arbeiter ist es dennoch wichtig, dass sie sich gegen die Sanktionen positionieren.

Zugleich sollten sie aber auch die Korruption im Lande anprangern, die vielen Privatisierungen, und die Tatsache, dass die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung kaum Steuern zahlen. Das sind die zentralen Fragen, die aufgeworfen gehören, um ganz konkret den Antiimperialismus mit Antikapitalismus in Einklang zu bringen.

Gibt es einen roten Faden zwischen den Protesten heute und denen im vergangenen Dezember und Januar?

Ja, wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage. Die Menschen haben es satt, immer wieder um Arbeitsverträge und Löhne kämpfen zu müssen. Die Proteste des Dezembers verflüchtigten sich allerdings sehr schnell. Beteiligt hatten sich vor allem Arbeitslose, die es schwerer haben, zusammenzuhalten. Was wir jetzt erleben, sind Aktionen am Arbeitsplatz, die einen längeren Atem entfalten und die Grundlage für die Schaffung neuer Organisationen bilden können. Vor wenigen Wochen gab es Proteste in der Stadt Kazeroun, weil der Staat den Bezirk neu aufteilen wollte. Das ist ein Beispiel dafür, wie relativ belanglose Fragen die Wut der Menschen entzünden können und sie auf die Straße in Konfrontationen mit der Polizei bringen. Als die Polizei gewalttätig wurde, war die Antwort der Bevölkerung, das Polizeirevier niederzubrennen. Darauf schoss die Polizei auf die Demonstranten und töteten einige. Die Lage in diesen Kleinstädten ist explosiv.

Dann gab es Anfang Mai die alljährlichen Festlichkeiten, die das Staatsoberhaupt Ayatollah Khamenei veranstaltet. Ein unabhängiger Student hielt eine Rede, in der er die Repression und die neoliberale Politik offen anprangerte – aber auch die westliche Intervention und Sanktionen. Das ist sehr wichtig, denn man darf den Kampf gegen Neoliberalismus und die staatlichen »Reformen« nicht getrennt vom Kampf gegen den Imperialismus führen. Seit Trumps Machtantritt bereiten sich manche pro-imperialistische Kräfte darauf vor, unter dessen Ägide das Regime zu stürzen. Der Student wurde für seine Positionierung daher von letzteren attackiert, nicht nur von den Unterstützern Khameneis.

Welche Zukunft siehst du für die Kämpfe im Iran?

Die iranischen Gewerkschaften sind sehr schwach. Und die Repressionen sind sehr hart. Daher sollten wir nicht überoptimistisch sein. Aber diese Streiks zeigen, dass Arbeiter und Arbeiterinnen die führende Rolle im Iran spielen und den Staat am empfindlichsten treffen können. Sie stellen auch das in den westlichen Medien transportierte Klischee über den Iran in Frage.  Frauen wehren sich gegen den Kopftuchzwang. Auch eine sehr begrüßenswerte Entwicklung. Sogar die Frauen, die das Kopftuch tragen wollen, sagen, Frauen müssen das Recht haben, sich selbst zu entscheiden. Als Linke müssen wir den Kampf der Frauen unterstützen. Wir dürfen die Frage nicht der proimperialistischen Rechten überlassen.

Das Problem ist, dass der Westen nur deshalb auf dieses Thema fokussiert, weil es sich so nahtlos in die gängigen islamophoben Schilderungen des Irans einfügt. Manche Islamophoben in den Medien haben das Thema in Beschlag genommen. Die Aktionen der Arbeiterinnen und Arbeiter hingegen werden weitgehend ignoriert, weil sie zeigen, wie die Iraner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und für ein besseres Leben kämpfen können. Diese Kämpfe zeigen, dass wir Grund für Hoffnung auf Veränderung von unten haben – ohne auf den Westen zu schielen."
https://www.marx21.de/iran-streik-proteste-ursachen/
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #5 am: 12. Juni 2018, 18:09:18 »

Zitat
Schulterschluss mit den Bürgern im Iran

LKW-Fahrer streiken – Das Regime hat offensichtlich den Druck gespürt. Es ist daher wichtig, dass die Regierungen in aller Welt sich an der Seite der iranischen Bürgerproteste stellen.


Am 5. Juni streikten die Lastwagenfahrer im Iran am 15. Tag in Folge. Zehntausende Schwerlastwagenfahrer in fast 300 Städten des Landes nehmen ebenfalls an dem landesweiten Streik teil.

Videos und Fotos, die vom Streik gemacht wurden, gehen durch die sozialen Medien. Sie zeigen, dass der Protest ein Teil des Volksaufstandes des iranischen Volkes ist und dass auch er sich extrem schnell verbreitet hat und gut organisiert ist. Dies bedeutet ein größeres Problem für das Regime im Gegensatz zu einem lokalen Streik mit wenig organisierten Strukturen.

In der Zeit des Streiks haben sich Lastwagenfahrer aus aller Welt solidarisch mit den streikenden iranischen Kollegen gezeigt. Sie sendeten Nachrichten über die sozialen Medien oder schickten Briefe an ihre Regierungsvertreter. Das zeigt nicht nur, dass sie an der Seite des iranischen Volkes stehen, sondern dass sie auch gegen das korrupte Regime sind.

James Hoffa, der Generalpräsident von Teamsters – einer der größten Arbeitergewerkschaften in den USA – sendete einen Brief an Abolfazl Mehrabadi, den stellvertretenden Direktor für iranische Angelegenheiten in der pakistanischen Botschaft in Washington DC, in dem er seine Unterstützung für den Streik im Iran ausdrückte.

Er schrieb:“ Die iranischen Lastwagenfahrer streiken in 25 Provinzen und 160 Städten. Sie protestieren gehen niedrige Löhne, steigende Kosten, steigende Straßengebühren und andere Abgaben. Teamsters steht in Solidarität mit unseren iranischen Brüdern und Schwestern! Wir fordern die iranische Regierung auf, sich die Sorgen der streikenden Lastwagenfahrer anzuhören und ihre Forderungen zu erfüllen. Sie haben ein internationales Recht auf Versammlungs-, Rede- und Meinungsfreiheit und auf Verhandlungen über ihre Forderungen.“

Warum streiken die Lastwagenfahrer?

Es gibt viele Gründe, warum die Lastwagenfahrer streiken. Wichtige Punkte sind steigende Straßengebühren, Versicherungsbeiträge, Wartungskosten und repressive Maßnahmen gegen die Lastwagenfahrer durch unterdrückende Sicherheitskräfte. Es geht auch um zu geringe Löhne und Pensionen. Doch am Ende geht es vor allem darum, dass das korrupte Regime nicht gewillt ist, sich um die Belange der Bürger zu kümmern.

Der Menschenrechtsaktivist Heshmat Alavi schreibt dazu:“ Im Iran arbeiten rund 370.000 Lastwagenfahrer, die Waren durch das ganze Land befördern. Immer mehr Fahrer begreifen, wie ungerecht ihre Bedingungen sind und dass diese viel zu lange nicht behoben wurden. Jetzt stehen sie alle zusammen Seite an Seite und sie wissen, dass so ihre Stimmen in der internationalen Gemeinschaft am lautesten gehört werden.“



Zudem schließen sich immer mehr Menschen aus Solidarität ihrem Streik an. Dazu gehören unter anderem Taxifahrer und sogar Unternehmer wie Besitzer von Hühnerfarmen. Je mehr der Streik eskaliert, desto schwerer wird es für das Regime, ihn zu unterdrücken. Das iranische Volk muss sich zusammenschließen und gemeinsam gegen das Regime kämpfen und jedes Video, welches über die sozialen Medien verbreitet wird, hilft dabei.

Die streikenden Lastwagenfahrer dürfen sich dabei nicht von den falschen Versprechungen der iranischen Regimevertreter blenden lassen. Der Streik ist ein Problem für sie und selbst die Aussagen der Regimevertreter machen deutlich, dass das Regime den Druck spürt. Es ist daher wichtig, dass die Regierungen in aller Welt sich ebenfalls an der Seite der iranischen Bürgerproteste stellen.
https://www.freitag.de/autoren/dabiran/schulterschluss-mit-den-buergern-im-iran

! No longer available
Gespeichert
Fritz Linow


Beiträge: 1264


« Antworten #6 am: 26. Juni 2018, 21:17:02 »

Kann es sein, dass es im Iran gerade richtig abgeht? Die sogenannten sozialen Medien sind jedenfalls voll mit Protest- und Prügelbildern.
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #7 am: 29. September 2018, 20:05:50 »

Es ist im Iran eine neue Streikwelle der LKW Fahrer angerollt.
Die Infos kommen direkt von einem iranischen Kollegen. Es gibt noch keine Berichte in deutschsprachigen Medien. Ich habe aber die ersten englischsprachigen Nachrichten dazu entdeckt.

Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #8 am: 30. September 2018, 16:12:35 »

Ein paar selbstgemachte dilettantische Übersetzungen von Teilen englischsprachiger Berichte:

Zitat
Straßennutzer sind gestrandet, als Tankwagenfahrer im Iran in den Streik treten

Große Warteschlangen haben sich vor den Tankstellen im Iran gebildet, als Treibstoff Tankwagenfahrer in den Streik traten, berichtete die Agentur Anadolu.

Die Fahrer streiken, um bessere Arbeitsbedingungen, berichteten lokale Medien.

Iranische Tankwagenfahrer protestierten im Mai gegen den Anstieg von Versicherungspreisen, Gebühren für Genehmigungen, hohe Provisionssätze, die hohen Kosten für Ersatzteile und steigende Betriebskosten angesichts ihrer festen Löhne.

Die iranische Regierung hat zugesagt, ihre Probleme zu lösen, aber bisher wurde nichts unternommen.

Der Iran erlebte Ende Dezember und Anfang Januar landesweite Proteste wegen der sich verschlechternden Wirtschaftslage. Die USA verhängten im August neue Sanktionen gegen Teheran...
https://www.middleeastmonitor.com/20180925-road-users-stranded-as-oil-truck-drivers-strike-in-iran/

Zitat
Die jüngsten Arbeitskampfmaßnahmen von Tankwagenfahrern im Iran kommen weniger als zwei Monate nach der ersten Sanktion der USA gegen den Iran und nur sechs Wochen vor der zweiten Runde der Sanktionen, einschließlich der wichtigsten Einnahmequelle des Iran - der Ölexporte -.

In den vergangenen Monaten ist die iranische Wirtschaft ins Stocken geraten, und ihre Währung, der Rial, hat diese Woche gegenüber dem US-Dollar einen neuen Tiefststand gegenüber dem inoffiziellen Wechselkurs erreicht.

Laut Angaben des amerikanischen Ökonomen Steve Hanke von der Johns Hopkins University, lag die jährliche Inflationsrate des Iran am Montag bei 293 Prozent - ein Allzeithoch.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verursachen einen Anstieg der Preise, einschließlich Windeln. Es gibt auch einen Mangel an vielen Gütern, und die iranischen Behörden führen Razzien durch, um gegen das illegale Horten von raren und teuren Gegenständen wie Windeln mit Beschlagnahmungen vorzugehen.

Die Sanktionen gegen das iranische Öl werden nun voraussichtlich mehr als 1 Million Barrel pro Tag vom Ölmarkt abziehen, verglichen mit früheren Aktionen von rund 500.000 Barrel, bevor die Vereinigten Staaten Anzeichen dafür zeigten, dass Ausnahmen kaum oder gar nicht erlassen würden .

Obwohl die iranischen Ölexporte wahrscheinlich nicht auf Null fallen, könnten sie sich auf 1 Million bpd-1,3 Millionen bpd halbieren, sagte Ben Luckock, Co-Leiter des Ölhandels beim Rohstoffhändler Trafigura, S & P Global Platts diese Woche.
https://oilprice.com/Latest-Energy-News/World-News/Fuel-Supplies-Tight-As-Oil-Truck-Drivers-Go-On-Strike-In-Iran.html

Zitat
Iranische Trucker starten einen weiteren Streik gegen steigende Kosten

Iranische Lkw-Fahrer haben einen weiteren landesweiten Streik begonnen, um gegen steigende Kosten zu protestieren, drei Monate nach dem vorherigen langandauernden Streik, der internationale Unterstützung erhielt und Engpässe an Tankstellen verursachte.

Videoclips, die online von streikenden iranischen LKW-Fahrern gepostet und von der persischen Voice of America verifiziert wurden, zeigten, dass Lastwagen am Mittwoch in mindestens sechs Regionen stillstehen: Ahvaz, Ardabil, Borujerd, Qazvin, Shahreza und Urmia. Es war der vierte Tag in Folge, an dem VOA Persien Berichte über weitverbreitete Streiks von Truckern im Iran bestätigte.

Iranische Trucker sagen, sie protestieren gegen das Lohnniveau, das sie als unfair niedrig erachten, da die Kosten für Teile und Vorräte wie Reifen länger andauern.

In einem von mehreren Videos, die an die persische Voice of Amercica Persian geschickt wurden, filmte ein streikender Fahrer in der nördlichen Provinz Qazvin abgestellte Lastwagen.

Ein anderes Video, das von einem iranischen Trucker erzählt wurde, der arabisch spricht, zeigte Lastwagen, die in der südwestlichen Provinz Ahvaz, still standen, in der viele der Minderheit  iranischer Araber lebten.

Ein drittes Video zeigte Lastwagen auf einem Frachtterminal in der zentraliranischen Stadt Shahreza in der Provinz Isfahan.
(...)
Ähnliche Beschwerden über steigende Kosten und stagnierende Löhne veranlassten iranische Trucker, am 22. Mai in mehreren Teilen des Landes einen Streik zu beginnen.

Der mehrwöchige Streik erhielt Unterstützungsbekundungen der in London ansässigen Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF), die 19 Millionen Arbeitnehmer in 140 Ländern vertritt, und der International Brotherhood of Teamsters, die amerikanische und kanadische Transport- und Lieferkettenarbeiter vertritt .

Die Beteiligung von Tankwagenfahrern am Streik führte zu Engpässen an iranischen Tankstellen in einigen iranischen Städten.

Iran hat in diesem Jahr häufig landesweite Proteste erlebt, an denen sich Iraner beteiligten, die über die lokalen und nationalen Beamten und Wirtschaftsführer verärgert waren, denen sie Misswirtschaft, Korruption und Unterdrückung vorwerfen.
https://www.voanews.com/a/iranian-truckers-launch-another-prolonged-strike-to-protest-rising-costs/4589270.html
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #9 am: 05. Oktober 2018, 17:12:36 »

Zitat


Arbeitskampf Iran:
Erneut massiver Streik von LKW-Fahrern – Generalstaatsanwalt droht mit dem Tod

Zweite Streikwelle von LKW-Fahrern im Iran


Seit neun Tagen streiken LKW-Fahrer im Iran – bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Mittlerweile hat sich der Streik auf 236 Städte in rund 30 Provinzen ausgedehnt. Das iranische Regime reagierte mit Verhaftungen und der Generalstaatsanwalt kündigte an, Streikende auch mit dem Tode bestrafen zu wollen.

LKW stehen still

Der Streik begann am 22. September und weitete sich immer weiter aus. Im Land gibt es rund 400.000 LKW-Fahrer. Auf Videos ist zu sehen, wie hunderte LKW ungenutzt auf Wüstengelände stillstehen. Aufgrund des Streiks kam es zu massiven Einschränkungen auf dem Lebensmittelmarkt, so kam vielerorts  zu Tomaten- und Kartoffelknappheit.

Bereits Ende Mai war es zu ähnlichen Streiks gekommen, so dass damals Tankstellen kein Benzin mehr ausgeben konnten. Seitdem hat sich die Lage jedoch nicht verbessert, so dass die LKW-Fahrer nun erneut in den Streik getreten sind. Sie protestieren v.a. gegen niedriges Gehalt, hohe Preise für Ersatzteile und Behörden, die nicht auf ihre Forderungen reagieren.

Todesstrafe für Streikende

Der Streik setzt die Wirtschaft und die schiitisch-fundamentalistische Regierung im Iran massiv unter Druck. Diese reagiert mit heftiger Repression. Bisher wurden 127 LKW-Fahrer festgenommen. Generalstaatsanwalt Mohammad Jafar Montazeri sagte letzte Woche, dass protestierende Fahrer unter den strengen Gesetzen gegen Straßenraub zu Tode verurteilt werden könnten.

Am Sonntag wurden nun von einem Spezialgericht tatsächlich drei Personen zum Tode verurteilt – wegen „ökonomischer Verbrechen“ und „Korruption“. Weitere 32 Personen wurden aus ähnlichen Gründen mit zu bis zu 20 Jahren Haft bestraft. Alle Namen wurden nicht veröffentlicht, so dass unklar ist, ob es sich dabei um Streikende handelt oder es um andere Fälle geht.

Schweigen und Solidarität

Die Streiks wie auch die massive Repression werden derweil in deutschen und internationalen Medien sowie von PolitikerInnen kaum thematisiert. Einige  Solidaritätsaktionen jedoch gibt es: So unterstützten auch Truck-Fahrer aus den Niederlanden den Streik mit einem Hup-Konvo
https://perspektive-online.net/2018/10/iran-erneut-massiver-streik-von-lkw-fahrern-generalstaatsanwalt-droht-mit-dem-tod/
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #10 am: 11. Oktober 2018, 20:12:25 »

Zitat
Streiks und Proteste im Iran halten an
Oktober 11, 2018

Weitere Branchen schließen sich den Streiks gegen die schlechten Lebensbedingungen an.
Seit nun mehr drei Wochen hakten die Proteste und Streiks der LKW-Fahrer im Iran an. Trotz Massenfestnahmen, Polizeigewalt und Todesdrohungen gehen die Proteste weiter. Insbesondere durch neue Sanktionen hat sich die Lage der ArbeiterInnen im Iran deutlich verschlechtert. Durch die immer schneller steigende Inflation steigen die Preise für Nahrungsmittel und Mieten immer weiter an. Die LKW-Fahrer kündigten an, ihren Streik weiter zu führen, bis ihre Forderungen erfüllt sind.
Am vergangenen Montag schlossen sich viele Ladenbesitzer einem vor allem über soziale Medien verbreiteten Aufruf zu einem landesweiten Streik an. In mindestens 50 Städten in 21 Provinzen des Iran soll es zu großflächigen Streiks gekommen sein. Viele Ladenbesitzer öffneten ihre Läden nicht, dies betraf auch die großen Basare, etwa in der Hauptstadt Teheran oder anderen Großstädten.
Besonders betroffen von dem Streik waren die Provinzen Ost-Aserbaidschan und die kurdischen Gebiete. Auch am Dienstag wurde der Streik in vielen Städten weiter fortgesetzt.
Auch der Koordinationsrat der iranischen Kulturorganisationen hat am 10. Oktober ein Aufruf für landesweite Streiks der LehrerInnen veröffentlicht. Die Organisation ruft ab kommender Woche alle LehrerInnen im Iran zu einem landesweiten Streik auf. Sie prangern insbesondere den geringen Lohn der Lehrkräfte an, der bei den steigenden Preisen nicht reicht um die Kosten für Lebensmittel und steigen Mieten zu bezahlen. Ebenso greifen sie die miserable Lage der Schulgebäude und ihrer Ausstattungen an.
https://perspektive-online.net/2018/10/streiks-und-proteste-im-iran-halten-an/
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #11 am: 13. Oktober 2018, 13:29:53 »

Habe gerade von einem iranischen Kollegen gehört, es seien 17 Todesstrafen gegen Streikende verhängt worden.
Ich habe noch keine Meldungen dazu im Netz gefunden.
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11606


« Antworten #12 am: 14. Oktober 2018, 18:54:59 »

USA


Dänemark



Niederlande
https://twitter.com/mahsti25metana1/status/1046088557587238912?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1046088557587238912&ref_url=https%3A%2F%2Fperspektive-online.net%2F2018%2F10%2Firan-erneut-massiver-streik-von-lkw-fahrern-generalstaatsanwalt-droht-mit-dem-tod%2F

Gespeichert
Seiten: [1] |   Nach oben
Drucken
Gehe zu: