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Autor Thema: Kritik an linken Projekten  (Gelesen 1659 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11714


« am: 25. Juli 2018, 21:31:14 »

Es gibt wohl einen Hang zu einem geschlossenen Weltbild.
Menschen suchen etwas, was ihnen einen inneren Halt gibt.
Manchmal funktionieren linke Weltbilder auch wie Religionen.

Würde man sich kritischer mit linken Projekten auseinandersetzen, wüde man es den Reaktionären nicht so leicht machen.
Das große Projekt "Kommunismus" wurde in der Sowjetunion und China und im gesamten Ostblock nicht umgesetzt. Es wurde die Arbeiterklasse entmachtet, eine Parteiclique übernahm die Macht.

Auch in Spanien lief es bei der anarchistischen Verwaltung nicht immer so toll, wie es in der anarchistischen Geschichtsschreibung geschildert wird.

...Von absurd dadaistischen Herrschaftsformen, wie in Nord Korea und von den Roten Khmer in Kambodscha, mal ganz abgesehen...

Wenn man die Scheiße nicht kritisch aufarbeitet, gibt man den Reaktionären Recht mit ihren propangandistischen Angirffen gegen die brutale Realität von Stalinismus und Maoismus. Vieles, was unter den Vorzeichern eines Weges in eine bessere Welt gemacht wurde, war nicht akzeptabel und hatte nichts mit den ursprünglichen Ideen einer besseren und solidarischen Welt zu tun.

Es ist auch jetzt notwendig, kritisch auf das zu blicken, was sich in Lateinanmerika abspielt. Nicaragua war ein Land der Hoffnung mit seiner sandinistischen Revolution.
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Venezuela unter Chaves fand man hierzlande toll. Das, was sich dort entwickelt hat, kann man aber heute keinesfalls gut finden. Ich vermisse eine linke Kritik an diesen Entwicklungen.

Ich denke mal, wenn wir die Entwicklungen in Kobane nicht kritisch untersuchen, werden wir auch bald mit einem großen Katzenjammer erwachen.

DKP und Junge Welt, versuchen den letzten Scheiß schönzulügen.
Deshalb habe ich diesen Thread eröffnet: Für eine (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit linken Projekten.
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Kuddel


Beiträge: 11714


« Antworten #1 am: 29. Juli 2018, 11:55:20 »

Zitat
„Für mich“, heißt es im Brief eines Freundes aus dem Jahr 1980, „erfüllt sich mit Nicaragua auch eine Utopie. Und es gibt mir die Hoffnung, dass sich irgendwann auch hier noch einmal etwas bewegt.“ Knapper war kaum zu formulieren, was mit dem revolutionären Nicaragua einmal verbunden wurde.
(...)
Nicaragua war bedroht. Und wir eilten zu Hilfe!

300 Solidaritätskomitees allein in der Bundesrepublik waren die Antwort auf den Sieg der Sandinisten und die drohende US-Invasion. Ihre Mitglieder kamen von überall her, aus den Gewerkschaften, den Schulen und Unis, den Kirchen, natürlich auch aus der Linken.
(...)
Doch sie war zu schön, diese Revolution, als dass sie hätte verraten werden dürfen, selbst wenn die reale Erfahrung vor Ort dem eigenen Idealbild nicht immer standhielt. Nicaragua brachte die längste und breiteste politische Solidaritätsbewegung (gut 15.000 Brigadisten reisten dorthin) in der Bundesrepublik hervor, und die meisten Aktiven von damals dürften auch heute noch von Nachrichten aus diesem Land berührt sein.
https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/subbotnik-im-sueden
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« Antworten #2 am: 29. Juli 2018, 13:12:46 »

Zum Thema "Rote Khmer" kann ich das Buch "Das Kambodscha-Drama" von Alexander Goeb aus dem linken Laika-Verlag empfehlen:
https://shop.laika-verlag.de/shop/allgemein/das-kambodscha-drama
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« Antworten #3 am: 30. Juli 2018, 07:35:41 »

Es ist gut, richtig und wichtig, daß es die Revolution in Nicaragua gegeben hat.
Es war auch positiv, daß in Venezuela Hugo Chávez 1989 zum Präsidenten gewählt worden ist.  Seine erklärten Ziele waren der Kampf gegen Korruption, die Schaffung und Stärkung direkt-demokratischer Partizipationsmöglichkeiten im politischen System sowie die Gewährleistung und Verteidigung der nationalen und ökonomischen Unabhängigkeit.

Länder, die versuchen aus der kapitalistischen Logik auszuscheren, stehen unter starkem internationalen Druck. Insbesondere die USA sind interessiert daran, daß solche Projekte scheitern. Doch nicht alles, was zum Niedergang dieser hoffnungsvollen Ansätze geführt hat, ist mit internationalem Druck, Wirtschaftsboykotten und Einflußnahmen ausländischer Geheimdienste zu erklären. Vieles verlief an Anfang an nicht so positiv, wie die Solidaritäsgruppen berichtet haben und die Linken hierzulande nur zu gern glaubten.

Was wir heute in Nicaragua und Venezuela erleben, ist ein echtes Desaster. Wir müssen uns intensiv damit auseinandersetzen, um es zu verstehen. Sonst werden wir ähnliches wieder und wieder erleben.

Die Negativnachrichten von dort sind keine Erfindung westlicher Propagandamedien.
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« Antworten #4 am: 05. August 2018, 08:53:02 »

Zu Venezuela ein passender Artikel:
Zitat
Der Ruin Venezuelas hat nichts mit einem "Sozialismus" oder einer "Revolution" zu tun

Die Analyse der bolivarischen Wirtschaftspolitik zeigt, wie weit entfernt diese von einer auf "Entwicklung" ausgerichteten oder gar sozialistischen Politik ist
...


Quelle: amerika21

Noch ein grundsätzlicher zum Thema:
Zitat
Lateinamerika ist von Rückschritt bedroht

Die progressiven Regierungen in Lateinamerika laufen Gefahr, dem Widerspruch zwischen einer linken Politik und einer rechten Ökonomie zu erliegen
...

Quelle: amerika21
« Letzte Änderung: 05. August 2018, 09:03:31 von Troll » Gespeichert

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Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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« Antworten #5 am: 05. August 2018, 12:27:59 »

Diese ganzen progressiven Regierungen haben den Fehler gemacht, die Eigentumsverhältnisse nicht anzugehen.
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« Antworten #6 am: 06. August 2018, 08:24:17 »

Ja, und ich glaube das würde die kapitalistische Welt mehr in Aufruhr bringen und eine vielfaches an Gegenwind erzeugen als ein paar sterbliche Sozialisten.
Kapitalismus ist eine Mimose die hysterisch auf eventuell möglichen Machtverlust reagiert.
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Kuddel


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« Antworten #7 am: 15. August 2018, 17:43:50 »

Zitat
„Stoppe sofort die Repression!“

 „Ich verlange, dass diese Repression sofort aufhört, unter der unsere Bevölkerung leidet. Schon seit mehreren Monaten kommt es im ganzen Land zu Massakern, Entführungen, Festnahmen und Folterungen.“ Das forderte der nicaraguanische Dichter, Theologe und Schriftsteller Ernesto Cardenal in einem offenen Brief an den Präsidenten Daniel Ortega. Ortega wird vorgeworfen, die gewaltsame Unterdrückung der Proteste gegen die Regierung angeordnet zu haben.

Der 93-jährige Cardenal sparte auch nicht mit Kritik an der Vizepräsidentin und Ehefrau Ortegas, Rosario Murillo. „Sowohl Rosario Murillo als auch Daniel Ortega führen sich auf, als gehöre ganz Nicaragua ihnen“, so der Dichter, der 2012 den Reina-Sofía-Preis gewonnen hat.

„Nicaragua braucht Frieden und nochmals Frieden“

Bereits am 21. Juli hatte der brasilianische Befreiungstheologe und Menschenrechtler Leonardo Boff ein Statement veröffentlicht: „Ich bin perplex angesichts der Tatsache, dass eine Regierung, die Nicaragua befreit hat, in der Lage ist, die Praktiken des ehemaligen Diktators nachzuahmen“, schrieb Boff. „Die Macht ist nicht dazu da, über dem Volk ausgeübt zu werden, sondern ihm mit Gerechtigkeit und Frieden zu dienen. Nicaragua braucht den Dialog, aber vor allem müssen die repressiven Kräfte aufhören zu töten. Das ist inakzeptabel. Nicaragua braucht Frieden und nochmals Frieden.“

Die Proteste haben Mitte April mit Demonstrationen gegen eine geplante Reform der Sozialversicherung begonnen. Seitdem fordert die Protestbewegung in Nicaragua den Rücktritt Ortegas, dem nach elf Jahren als Regierungschef Korruption und Machtmissbrauch vorgeworfen werden. Die Repression gegen die Protestierenden hat bereits mehr als 300 Tote gefordert.
https://www.npla.de/poonal/stoppe-sofort-die-repression/

Zitat
Ernesto Cardenal Martínez (* 20. Januar 1925 in Granada, Nicaragua) ist ein nicaraguanischer suspendierter katholischer Priester, sozialistischer Politiker und Dichter. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie und gilt neben Rubén Darío als einer der bedeutendsten Dichter Nicaraguas. Im Zuge der erfolgreichen Revolution in Nicaragua durch die Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) war er zwischen 1979 und 1987 Kulturminister von Nicaragua.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernesto_Cardenal
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Kuddel


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« Antworten #8 am: 21. August 2018, 12:19:54 »




Anläßlich des Jahrestages der Niederschlagung des Prager Frühlings:

Zitat
Der Prager Frühling ist die Bezeichnung für das Streben der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KPČ) unter Alexander Dubček im Frühjahr 1968, ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzusetzen, sowie vor allem die Beeinflussung und Verstärkung dieser Reformbemühungen durch eine sich rasch entwickelnde kritische Öffentlichkeit.

Die Stimmung in der Bevölkerung war überwiegend „Zustimmung zum Sozialismus, allerdings nur zu einem reformierten, demokratischen (nicht 'Abschaffung des Sozialismus'). Bei einer Umfrage im Juli 1968 sprachen sich 89 % der tschechoslowakischen Bevölkerung für eine Beibehaltung des Sozialismus aus. “Das grundlegende Ziel war also, einen neuen Sozialismus zu denken, „ohne selbsternannte Führer […], ohne graue Arbeitsstätten und ohne gefühlslose Bürokratie“. Im Gegenzug sollte der „Mensch Wert über allen Werten sein“.

Die Freiheit von Presse, Wissenschaft, Information und Reisen waren wichtige Schritte auf dem Weg zum angestrebten kulturellen Pluralismus. Noch im Februar 1968 hatte Dubček die Pressezensur aufgehoben. In den Medien des Landes fand daraufhin eine „wahre Informationsexplosion“ statt. Dementsprechend wurde das Aktionsprogramm in der Öffentlichkeit wenig begeistert, sondern vielmehr als selbstverständlich aufgenommen, die Meinungsführerschaft hatte inzwischen von der Partei zum Volk gewechselt.

Der Stern berichtete in seiner Ausgabe Nr. 36 vom 8. September 1968, über die Aktivitäten des „Sendebataillons 701“ für Psychologische Kampfführung der Bundeswehr, welches während des Prager Frühlings mit Geheimsendern wie „Freies Radio Tschechoslowakei“ „Freies Radio Nordböhmen“ und „Radio Nummer sieben“ auf den Frequenzen ausgeschalteter ČSSR-Stationen sendete. Dabei wurden u. a. Falschmeldungen durchgegeben, z. B. das Dubček ermordet sei oder ein Kinderkrankenhaus in Prag zusammengeschossen wäre. Der Stern dementierte diesen Bericht später, aber es wurden auf Grund des Artikels gegen die Zeitschrift Vorwürfe des Landesverrats erhoben.

In der Nacht zum 21. August 1968 marschierten etwa eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die Tschechoslowakei ein und besetzten innerhalb von wenigen Stunden alle strategisch wichtigen Positionen des Landes. Es war die größte Militäroperation in Europa seit 1945

Beim Einmarsch starben 98 Tschechen und Slowaken sowie etwa 50 Soldaten der Invasionstruppen.

Am 23. August, zwei Tage nach Beginn der Intervention, wurde Präsident Ludvík Svoboda offiziell zu Verhandlungen nach Moskau gerufen, an denen auf seine Forderung hin – zunächst nur inoffiziell – auch die in Haft gehaltenen Regierungsmitglieder um Dubček teilnahmen.

Das drei Tage später verabschiedete Moskauer Protokoll enthielt eine Aufhebung fast aller Reformprojekte. Mit diesem Ergebnis einer faktischen Kapitulation im Gepäck kehrte Dubček, der vorerst noch in seinen Ämtern belassen wurde, nach Prag zurück, wo er zunächst noch einmal begeistert empfangen wurde. Bald darauf wurde der Bevölkerung der ČSSR klar, dass der „Prager Frühling“ vorbei war.

Als Folge der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Truppen der Staaten des Warschauer Paktes verließen zehntausende Menschen, in erster Linie Facharbeiter und Intellektuelle, das Land. Allein nach Österreich flüchteten rund 96.000 Menschen, weitere 66.000 Urlauber kehrten nicht aus Österreich in die Tschechoslowakei zurück. Im Zuge der von Husák initiierten Säuberungen innerhalb der Kommunistischen Partei wurde knapp einer halben Million Parteimitgliedern das Parteibuch entzogen.

Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der Student Jan Palach aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings auf dem Wenzelsplatz. Einen Monat später verbrannte sich dort auch Jan Zajíc.
gekürzt aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Fr%C3%BChling

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Kuddel


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« Antworten #9 am: 28. August 2018, 10:59:58 »

Nicaragua

Zitat
...außerdem möchte  ich auf was anderes hinweisen: daß sich bestimmte teile der linken, so DKP, UZ, auch personen der linkspartei und jetzt auch die Nachdenkseiten auf die seite von ortega schlagen. die genossin sissi karnehm-wolf aus göttingen bat mich, einen bericht zu nicaragua, in dem auch auf die weiterverbreitung eines artikels aus der UZ bei nachdenkseiten bezug genommen wird, an diese weiterzuleiten. (bisher habe ich noch keine antwort von nachdenkseiten).

Zitat
liebe genossen von den nachdenkseiten.

auf euren abdruck des UZ-artikels in den nachdenkseiten bekomme ich von sissi karnehm-wolf folgende mail,  die ich euch zusende. mit der bitte, sie zu veröffentlichen. falls man sich die maxime von rosa luxemburg  "zu sagen was ist, ist die revolutionärste tat" zu eigen macht, gehört dazu, auch andere meinungen als  die aus der UZ  zu veröffentlichen.

wenn eure leserin S.R. schreibt: Viele interessante aktuelle Fakten aus erster Hand zur derzeitigen Situation in Nicaragua, die man in den deutschsprachigen Mainstreammedien so umfassend und wahrheitsgetreu, in den richtigen Zusammenhängen dargestellt, nicht findet
so gehören in diese kategorie auch die berichte von prof. dr. manfred liebel und matthias schindler (gründer des hamburger nicaragua-vereins), die lange in nicaragua waren und jetzt ständigen kontakt dorthin haben.
 
ihr findet diese berichte hier: https://gewerkschaftslinke.hamburg/2018/07/25/nicaragua-und-die-linke-unterdrueckung-kritik-sozialismus-und-demokratie/
(matthias schindler stellt euch seinen bericht für die nachdenkseiten gern zur verfügung!)


und hier das interview mit manfred liebel:
https://www.ila-web.de/ausgaben/417/zwischen-politischem-aufbruch-und-angst

gruß von dieter wegner, jour fixe gewerkschaftslinke hamburg
Dieter Wegner, Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg
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Kuddel


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« Antworten #10 am: 30. August 2018, 07:53:16 »

Zitat
»Ich hoffe, die Welt hört uns«

Vier Monate nach der Rebellion gegen die Regierung Ortega in Nicaragua herrscht die Normalität der Repression

...
Das jüngste Aufbegehren gegen die Regierung entzündete sich im April an einer allzu zögerlichen Reaktion auf einen Großbrand im Biosphärenreservat Indio Maíz. Es folgte eine per Dekret verordnete Reform des Sozialsystems. Die Rentenbeiträge sollten steigen, die ohnehin kargen Pensionen gekürzt werden. Friedliche Demonstrationen, vornehmlich angeführt von Studenten und Rentnern, wurden von Anhängern der sandinistischen Jugendorganisation (JS) und der Polizei blutig niedergeschlagen. Wachsende Proteste mündeten rasch in einer Massenbewegung, die den Rücktritt des autokratisch regierenden Ehepaars fordert. Bereits Anfang Juni hatten Regierungsgegner 70 Prozent der Haupttransportwege des Landes mit Straßensperren lahmgelegt. In Masaya, wo die Konfrontationen mitunter am heftigsten ausfielen, erklärten dessen Bewohner ihre Stadt zum »Freien Territorium«.
...
Drei Monate lang bot Masaya den unablässigen Angriffen seitens der Polizei und regimetreuen paramilitärischen Gruppen die Stirn. Erst als die Regierung im Rahmen einer landesweiten »Säuberungsoperation« jeglichen Ausdruck des Protests von der Straße zu verbannen suchte, wurde die Stadt durch eine über 1500 Mann starke Offensive zurückerobert. Er habe vom Präsidentenehepaar den Befehl erhalten, so Ramón Avellán, Generalkommissar der örtlichen Polizei, die Stadt »zu säubern, koste es, was es wolle«. Am 23. August wurde der als Symbol der Repression geltende Avellán zum Vizechef der Polizei befördert.
...
Seit August hat die offiziöse Repression neue Formen angenommen. Die zunehmende Bedrohung durch den Staatsapparat und die Kriminalisierung oppositioneller Sektoren bestimmen die aktuelle Phase der Krise. Diese Umstände haben mitunter zur vorübergehenden Schließung des Sitzes der nicaraguanischen Vereinigung für Menschenrechte (ANPDH) und zur Flucht ihres Leiters, Álvaro Leiva, nach Costa Rica geführt.
...
Weiterhin finden, der »Normalität« zum Trotz, Märsche statt - zumeist beschattet von Polizei und Paramilitärs. Willkürliche Verhaftungen von Demonstrierenden gehören in Folge dessen zur Tagesordnung. Die Protestzüge fordern die Befreiung der politischen Gefangenen und eine Wiederaufnahme des Mitte Mai initiierten Friedensdialoges. »Ich hoffe, die Welt hört uns«...
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1098751.proteste-in-nicaragua-ich-hoffe-die-welt-hoert-uns.html
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« Antworten #11 am: 30. August 2018, 19:56:31 »

Jörg Weidemann spricht Klartext

Internationalistisches Bündnis statt reformistische Sammlungsbewegung
Seit einigen Wochen kursiert die sogenannte linke Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und anderen durch die Medien.

Wenn sich – wie behauptet – dort bereits Zehntausende im Interne eingetragen haben, zeigt das den Wunsch vieler Menschen, der Rechtsentwicklung der Regierung und der bürgerlichen Parteien, der AfD, Pegida und anderen ultrareaktionären und faschistoiden Kräften etwas entgegenzusetzen.

Aber steht  das  überhaupt auf der Agenda von Sahra Wagenknecht und Co.? Erklärtermaßen geht es ihnen um eine linke Mehrheit im Bundestag mit Kräften aus der SPD und den Grünen.

Also eine Neuauflage rot-grüner Regierungspolitik. Die hatten wir doch schon mal ... 1998, als Gerhard Schröder (SPD) und Joschka Fischer (Grüne) an die Regierung kamen. Mit dabei war anfangs auch Oskar Lafontaine als Finanzminister. Er weiß also genau, was er da plant.

Es war nicht zufällig diese rot-grüne Regierung, die in Jugoslawien den ersten Angriffskrieg mit deutscher Beteiligung nach dem II. Weltkrieg vom Zaun brach. Die Regierung, die die Agenda 2010 an den Start brachte. Bisherige Landesregierungen mit Beteiligung der Linkspartei lassen auch nicht gerade hoffen, dass sie einen anderen Kurs fährt, wenn sie einmal in der Regierung ist.

,,Es braucht eine starke Kraft gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und ihre Faschisierung des Staatsapparats, aber das will Sahra Wagenknecht mit ihrer Sammlungsbewegung gar nicht sein.
 Jörg Weidemann, Mitglied des Zentralkomitees der MLPD

Es braucht eine starke Kraft gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und ihre Faschisierung des Staatsapparats, aber das will Sahra Wagenknecht mit ihrer Sammlungsbewegung gar nicht sein. In weiser Voraussicht gründete die MLPD mit anderen bereits 2016 das Internationalistische Bündnis gegen den Rechtsruck der Regierung: „Ohne Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse kann in der heutigen Zeit kein einziges grundlegendes Problem gelöst werden," heißt es in den Gründungsdokumenten des Internationalistischen Bündnisses.

Auch darum geht es Wagenknecht und Co. eben nicht. Sie wollen alte reformistische Illusionen von der „Erneuerung des Sozialstaats und eine friedliche Außenpolitik1“ wieder aufwärmen. Selbstverständlich auf kapitalistischer Grundlage. Wagenknecht garniert das mit nationalistischen Positionen in der Flüchtlingspolitik, um auch AfD-Wähler zu gewinnen – statt sie zu überzeugen und ihnen zu helfen, mit rechter Demagogie fertigzuwerden.

Die MLPD und das Internationalistische Bündnis arbeiten im Kampf gegen die gefährliche Rechtsentwicklung auf der Grundlage des Kampfes mit anderen gerne und gleichberechtigt zusammen – auch mit Leuten aus der Sammlungsbewegung, den Grünen,  von Linkspartei oder der SPD. Aber für eine Neuauflage der längst gescheiterten kapitalistischen Lebenslügen sind wir nicht zu haben.



Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw35/internationalistisches-buendnis-statt-reformistische-sammlungsbewegung
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« Antworten #12 am: 31. August 2018, 16:27:38 »

LINKE SAMMLUNGSBEWEGUNG #AUFSTEHEN“
Zurück zum "vermeintlich besseren" Kapitalismus?

Am 4. September will Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, das Projekt „#Aufstehen“ der Öffentlichkeit präsentieren.

Zitat

"Linke Sammlungsbewegung"? - Revolutionäre Kräfte werden nicht angesprochen!
Bei der von Sahra Wagenknecht als „linke Sammlungsbewegung“ bezeichnete Bewegung wird allerdings ein ganz anderes Fass aufgemacht. Dabei ist schon der Begriff „links“ irreführend, wenn revolutionäre Kräfte gar nicht angesprochen und die Bewegung insbesondere Mitglieder aus der SPD, den Grünen und der Linkspartei ansprechen soll. Im Mittelpunkt steht das Schüren neuer parlamentarischer Hoffnungen....

Zitat

Alter Wein in neuen Schläuchen
Die reformistischen Illusionen sind alter Wein in neuen Schläuchen: „Die Sammlungsbewegung soll all diejenigen zusammenführen, die sich eine Erneuerung des Sozialstaats, ein Zurück zur "Entspannungspolitik" Willy Brandts und ein verantwortungsvolles, naturverträgliches Wirtschaften wünschen.“¹ Willy Brandt betrieb keine "Entspannungspolitik" sondern die wirtschaftliche Durchdringung mit dem bürokratischen Kapitalismus. Er steht auch für Berufsverbote gegen fortschrittliche, revolutionäre und marxistisch-leninistische Lehrkräfte im Massenumfang.


Zitat

Ablenkung von der einzig notwendigen Konsequenz
Die „neue Idee“ von Sahra Wagenknecht zielt so vor allem darauf ab, von der einzig notwendigen Konsequenz abzulenken. Dass sich die Menschen im Kampf gegen Monopole und Staat zusammenschließen und den Kampf für den Sozialismus aufnehmen.


Wer gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und gegen AfD und Co etwas machen will, dem ist geraten, nicht zum x-ten Mal auf eine angebliche soziale und friedliche Wandlungsfähigkeit des Kapitalismus zu setzen, sondern selbst politisch aktiv zu werden, die Bewegung des Internationalistischen Bündnisses zu unterstützen und die wissenschaftlich geführte Kapitalismuskritik mit den Schlussfolgerungen daraus für den Kampf für den Sozialimus/Kommunismus der MLPD zu stärken.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw35/zurueck-zum-kapitalismus
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« Antworten #13 am: 31. August 2018, 19:01:31 »

Ich würde "Aufstehen" jetzt nicht pauschal verdammen, sondern erst mal abwarten, was die Bewegung in der Praxis so macht.
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« Antworten #14 am: 01. September 2018, 08:46:58 »

Zitat
Aufstehen für Pegida
Die neue »Sammlungsbewegung« von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine ist kein Gegenentwurf zu AfD und Pegida, sondern deren Ausweitung in linke Milieus.

https://jungle.world/artikel/2018/33/aufstehen-fuer-pegida
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
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