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Autor Thema: Religion & Politik  (Gelesen 570 mal)
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6412


« am: 26. Juli 2018, 10:43:52 »

Fritz Linow hat den Palästinakonflikt-Diskussionsstrang ein wenig mit-zerschossen mit dem Gedankenausflug in die Rolle der Religion.
Doch die Gedanken waren durchaus inspirierend.

Diese Wunsch nach Trennung von Politik und Religion ist meiner Meinung ein Fehler und geboren aus dem verständlichen Willen in der Zeit der Aufklärung, die Fesseln der Macht zu sprengen. Dabei ging man aber damals davon aus, dass sich der Mensch entsprechend entlang eines Idealtypus entwickelt und er irgendwann einmal schon alleine aufgrund seiner Vernunftbegabung Religion als Mumpitz betrachtet. Seitdem sind 300 Jahre vergangen und die Aufklärung ist für’n Arsch.

Das Bedürfnis nach Religion/Glauben hat sich immer in den bestehenden Machstrukturen eingenistet und wurde dementsprechend missbraucht, egal ob es jetzt als Staatsreligion, als geduldete Religion oder ausdrücklich als entscheidungsferne und somit absolut private Religion behandelt wurde. Selbst bei größtem Widerstand ist Religion auf einmal integrierender Bestandteil der Herrschaftsstrukturen geworden. Gerade beim Christentum gibt es da die dollsten Geschichten. Und ansonsten enstehen halt Strukturen, die trotz aller Religionsferne auch nicht unbedingt geil sind.

Eine bloße Trennung von Politik und Religion hilft da also nicht weiter, weil damit lediglich eine Politik, die nichts anderes als Gier im Sinn hat, die Entscheidungen trifft, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme der Religion. Da aber Religion trotz aller strikten Trennungswünsche immer auch Einfluss auf die Politik hat, macht es Sinn, die Leute mit ihrem Religionsbedürfnis ernstzunehmen. Zumindest in Bezug auf das Christentum wurde da irgendwie ziemlich viel Potential gleich zu Anfang und immer wieder zwischendurch bis hin zu einem marxistisch-leninistischen Vulgäratheismus vergeudet.

Im Forum wurde oft die negative Rolle von Religionen in der Gesellschaft erwähnt. Fritz regt an, auch über das positive Potential von Religionen zu diskutieren. Dafür habe ich nun diesen Thread eröffnet. Passend zum Thema lief dieser Tage ein Radiobeitrag im DLF, aus dem ich hier zitieren möchte:
Zitat
Don Andrea Gallo nahm nie ein Blatt vor dem Mund. Er starb 2013 im Alter von 84 Jahren. Er war katholischer Geistlicher und überzeugter Kommunist. Ein Mann, der unbequem war:

"Das ist doch ein Geschenk Gottes, die Homosexualität! Es ist doch Gottes Wille, wenn wir unsere eigene Sexualität ausleben. Dass Homosexuelle ausgegrenzt werden - wieso? Jesus spricht nie über Homosexualität."

Don Andrea Gallo bezeichnete sich auch als anarcho-christlich und als Radikalpazifist. Don Gallo war ständig Gast im Fernsehen und im Rundfunk. Seine Kirche versuchte immer wieder, ihn auf den ihrer Meinung nach rechten Weg zu bringen und sich nicht mehr für Homosexuelle, illegale Einwanderer, für Prostituierte, Transsexuelle und Streikende in Fabriken einzusetzen. Ohne Erfolg. Er ließ sich nicht bändigen.

Don Gallo war so berühmt in Italien, dass der ehemalige Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, nach Genua fuhr, um die Predigt zu halten bei der Trauerzeremonie für den verstorben Quergeist. Bagnasco als Repräsentant einer Kirche, die Don Gallo Zeit seines Lebens Steine in den Weg legte, wurde ausgepfiffen.

Der Kardinal musste seine Predigt abbrechen. Die Anhänger Don Gallos sangen in der Kirche lautstark das italienische Partisanenlied "Bella Ciao".

Der Bericht erwähnte weitere Freigeister in der Kirche:
Zitat
Don Antonio Belli etwa, dem 1993 verstorbenen radikal-kommunistischen Arbeiterpriester im apulischen Alessano. Oder Don Puglisi, der in Palermo gegen die Mafia kämpfte und dafür sein Leben ließ. Oder auch Don Oreste Benzi, der bis zu seinem Tod 2007 in offenem Widerspruch zu seinen kirchlichen Vorgesetzten nachts jene Straßen in Rimini aufsuchte, auf denen illegale Einwanderinnen, von Menschenschmugglern dazu gezwungen wurden, als Prostituierte zu arbeiten.
oder
Zitat
Italiens unbestritten radikalster Gottesnarr heißt Biagio Conte, Bruder Biagio genannt, und ist kein geweihter Priester und auch kein Ordensmann. Er ist ein selbsternannter Straßengeistlicher in Palermo, der sich wie ein mittelalterlicher Franziskaner kleidet. Mit seinen medial perfekt in Szene gesetzten Hungerstreiks gelingt es dem 54jährigen immer wieder, dass Stadt und Diözese Palermo ihm und seiner Gemeinschaft Wohnungen und ganze Gebäude gratis zur Verfügung stellen. Dort kümmert sich der auf Sizilien bereits wie ein Heiliger verehrte Pseudo-Mönch um Obdachlose, Arme, Prostituierte und andere sozial Ausgegrenzte. Seit kurzem auch mit dem Segen des Erzbischofs von Palermo und – wie es aus der Diözese heißt, auch inoffiziell mit dem Segen von Papst Franziskus.
https://www.deutschlandfunk.de/papst-wertet-kirchliche-quergeister-auf-franziskus-und-die.886.de.html?dram:article_id=423614
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kuddel


Beiträge: 11599


« Antworten #1 am: 12. Oktober 2018, 18:53:56 »

Zitat
Sozialpfarrer:
Kirche schweigt zu Ausbeutung
Hat die Kirche Angst?


Welche Rolle hat die Kirche im Arbeitsleben der Gläubigen? Sozialpfarrer Peter Kossen meint, sie halte sich zu sehr raus und setze sich nicht ausreichend gegen menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse ein. Für ihn ist das eine Frage der Glaubwürdigkeit.

weiter: https://www.domradio.de/themen/bist%C3%BCmer/2018-10-11/sozialpfarrer-kirche-schweigt-zu-ausbeutung
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Kuddel


Beiträge: 11599


« Antworten #2 am: 18. Oktober 2018, 08:50:35 »

Zitat
Kirchen halfen Kriegsverbrechern
Barmherzigkeit für Massenmörder

Sie trugen Schuld an Massakern und Deportationen - und fanden Beistand bei Bischöfen. Irritierend energisch verlangten christliche Würdenträger die Freilassung von Nazitätern.
http://www.spiegel.de/einestages/ns-verbrecher-die-barmherzige-hilfe-der-kirchen-a-1233489.html
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Kuddel


Beiträge: 11599


« Antworten #3 am: 27. Oktober 2018, 09:27:08 »

Zitat
Argentinien
Öffentliche Kirchenaustritte als Protestaktion

Im Heimatland des Papstes werben Laizisten für den kollektiven Kirchenaustritt: Sie werfen der Institution eine unzulässige Einmischung in die politische Debatte vor. Mehrere Tausend Katholiken sind dem Aufruf schon gefolgt – auch aus Protest gegen die Vertuschung von Missbrauch durch die Kirche.
https://www.deutschlandfunk.de/argentinien-oeffentliche-kirchenaustritte-als-protestaktion.886.de.html?dram:article_id=429078
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Fritz Linow


Beiträge: 1258


« Antworten #4 am: 01. November 2018, 16:01:49 »

Zitat
Religiöse Linke in den USA

Mit Marx und Bibel gegen Trump

Die 70-jährige Maxine Phillips gehört den religiösen Sozialisten an. Seit Trumps Präsidentschaft haben auch sie deutlichen Zulauf.
(...)
http://taz.de/Religioese-Linke-in-den-USA/!5543961/
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