Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: [1] |   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Osteuropa  (Gelesen 1048 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Kuddel


Beiträge: 11461


« am: 15. August 2018, 11:00:23 »

Es gibt bereits den Thread "Klassenkämpfe im ehemaligen Ostblock". Es ist wohl ein weitaus größeres Thema.



In osteuropäischen Ländern wird gegen Korruption gekämpft, im Polen gab es rieseige Frauendemos. Es gibt spannende Entwicklungen in der Kultur, speziell im sehr lebendigen subkulturellen Bereich. Wir haben keine Ahnung davon.

Ich habe vor kurzem mit einer polnischen Aktivistin gesprochen und sie sagte, die deutsche Linke wolle von Osteuropa partout nichts wissen.

Nach dem Zusammenbruch des "real existiereden Sozialismus" gab es erstmal schreckliche Entwicklungen. Konsumgüter wurden vergöttert, doch als man sie nicht bekommen (sich nicht leisten) konnte, wandte man sich dem nationalistischen und religösen Wahn zu. Dem kann man auch ohne Kohle nachgehen. Doch Nationalismus und beten befriedigt auf Dauer auch nicht. Jetzt gibt es spannende Entwicklungen, von denen wir herzlich wenig mitbekommen. Ein Austausch und eine Zusammenarbeit von politischen Aktivisten und Bewegungen wäre für beide Seiten hilfreich. Bei Amazon gibt es solche Ansätze bereits.

Ich hoffe, wir können mehr Interesse für diese unruhige Region wecken und Kontakte knüpfen, auch zu Arbeitern aus Osteuropa, die versuchen sich hier durchzuschlagen.


Gespeichert
counselor


Beiträge: 3315



« Antworten #1 am: 15. August 2018, 16:10:12 »

Ich hoffe, wir können mehr Interesse für diese unruhige Region wecken und Kontakte knüpfen, auch zu Arbeitern aus Osteuropa, die versuchen sich hier durchzuschlagen.
Das hoffe ich auch. Vorgestern ergab sich auf der Montagsdemo ein Kontakt zu einem rumänischen Arbeiter, der einiges berichtete zu der beschissenen Situation in Rumänien und seiner beschissenen Situation in Deutschland.
Gespeichert

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6401


« Antworten #2 am: 16. August 2018, 12:56:53 »

Das westliche Kapital hat in Osteuropa investiert.
Das letzte was es braucht, ist Klassenkampf. Wenn die Waffen Nationalismus und Religion langsam stumpf werden, um die Bevölkerung ruhig zu halten, versucht man es mit rechtsradikalen Tendenzen und mit einem totalitären Staat. Der Springerkonzernen hat viele wichtige Medien Osteuropas aufgekauft. Der Rechtsruck von Oben soll vorangetrieben werden:
Zitat
Der ungarische Rundfunk vermittelt ein verzerrtes Deutschlandbild: Das ganze Land habe vor Flüchtlingen und Zuwanderung kapituliert. Das bezeugen vermeintlich zufällig ausgewählte Bürger, Anwälte und Experten in den Berichten. Tatsächlich sind viele der Befragten AfD-Lokalpolitiker.
https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2018/08/10/ungarn-die-geheime-afd-show/
Gespeichert

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kuddel


Beiträge: 11461


« Antworten #3 am: 17. September 2018, 10:37:57 »

Wir sollten eine öffentliche Diskussion zu dem Thema führen und nicht darauf warten, daß die bürgerlichen Medien oder gar die AfD diese Aufgabe übernehmen.

Die ZEIT hat sich bereits an der Diskussion versucht:
Zitat
EU-Bürger aus Osteuropa suchen in Österreich und Deutschland zunehmen Jobs. Oft finden sie über den "Arbeiterstrich" körperliche Tätigkeiten, die schlecht bezahlt sind. Während die Wirtschaft davon profitiert, stellen andere die Arbeitsmarktöffnung infrage.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/leserdiskussion-arbeitskraefte-aus-dem-osten-chance-oder-ausbeutung-1.4113233

Die Formulierung der Zeit ist schon idiotisch, entweder man freut sich über die Profite der Wirtschaft oder man stellt die Arbeitsmarktöffnung in Frage!?! Meine Interessen entsprechen nicht den Interessen der Wirtschaft. Ich stelle mich jedoch nicht gegen eine Öffnung des Arbeitsmarktes, sondern sich stelle das Konzept von Grenzen grundsätzlich in Frage.
Die bisherigen Leserbriefe in der Rubrik sind relativ vernünftig.
Aber hier standen mir doch die Haare zu Berge:
Zitat
Meine Putzfrau, eine Polin mit Abitur, sagte mir kürzlich, Politik interessiere sie nicht.
Ich antwortete ihr, wenn sie sich für Politik interessieren würde, und nicht zu den 50 % Nichtwählern in Polen gehörte, würde sie nicht länger mein Klo putzen müssen, hätte in Polen ein eigenes Haus, und würde dort ihre Klos von einer Ukrainerin, oder Weissrussin putzen lassen.

Ich halte Wahlen nicht für das einzige Mittel, die Verhältnisse zu ändern und schon gar nicht für das wichtigste. Ich halte es auch nicht für ein erstrebenswertes Ziel, jemanden zu haben, der unter einem steht und deshalb das Klo putzen muß. Man muß damit klarkommen, seinen eigenen Scheiß wieder wegzumachen.
Gespeichert
Fritz Linow


Beiträge: 1199


« Antworten #4 am: 17. September 2018, 14:09:57 »

Wenn da immer von Arbeiterstrich die Rede ist, muss man sich das nicht unbedingt immer so vorstellen, als ob die Arbeiter wie die Bordsteinschwalben an der Straße stehen und die Freier dran vorbei fahren. Die Vermittlungen laufen über mafiöse, halbseidene bis hin zu „seriösen“ Firmen. Für Außenstehende ist dieses Geflecht kaum durchschaubar. Davon profitieren die üblichen Subunternehmerketten, die Auftraggeber (auch die Kommunen), soziale Treffpunkte wie Kneipen, Vermieter, Private, die sich eine Putzkraft gönnen, und nicht zuletzt die Osteuropäer auch selber, solange es einigermäßen läuft.
Wie das alles für die abstrakte Gesamtwirtschaft gut sein soll, leuchtet mir nicht ein, ist aber auch egal, weil es ja eigentlich vielmehr darum gehen müsste, eine gemeinsame Gegenwehr zu entwickeln. Es gibt ja einige gute Ansätze. Da es die Arbeitnehmerfreizügigkeit nunmal gibt, auch um eine Reserve billiger Arbeitskräfte zu haben, muss halt eine grenzübergreifende Gegenwehrfreizügigkeit her. So einfach, so schwer.
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11461


« Antworten #5 am: 28. September 2018, 11:49:40 »

In China haben die kämpferischen Arbeiter*innen so kräftige Lohnerhöhungen erkämpft, daß das Land immer weniger zu den Billiglohnländern gehört.
In Osteuropa liegen die Löhne derweil niedriger, als in China: "Schlimmer als in Kambodscha"

Zitat
Ausbeutung in Bulgariens Textilindustrie?

Billiglohnland Bulgarien: Dort lassen internationale Bekleidungsunternehmen für ihre Kollektionen schneidern: Die Arbeiter bekommen nur wenig Geld und leiden unter schlimmen Arbeitsbedingungen.




Gotse Deltchev - eine bulgarische Kleinstadt an der Grenze zu Griechenland, junge Menschen sucht man hier fast vergebens. Die meisten zieht es in die Hauptstadt Sofia oder gleich nach Deutschland oder England auf der Suche nach besseren Jobs. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Einer der größten Arbeitgeber ist das Textilunternehmen Pirintex. Täglich strömen morgens um 6 Uhr tausende von Arbeitern in die Werkhalle am Rande der Stadt . Genäht wird im Zwei-Schicht-Betrieb: Herrenbekleidung wie Anzüge und Hosen oder Damenmode.

Der deutsche Unternehmer Bertram Rollmann suchte Anfang der 90er Jahre nach einem neuen Standort für sein Textilunternehmen gesucht, zuvor hatte er eine Bekleidungsfabrik in Griechenland geleitet. Bulgarien und Rumänien hätten damals gute Möglichkeiten geboten: niedrige Löhne und kurze Wege nach Westeuropa.

Im Schnitt zahlt er seinen 3000 Arbeitern inzwischen bis zu 350 Euro netto und gilt heute in Bulgarien als vorbildlich. "Wir zahlen überdurchschnittlich, weil wir überdurchschnittlich viel verlangen von unseren Mitarbeitern," sagt Rollmann und meint damit vor allem die hohe Flexibilität, die er seinen Arbeitern abverlangt.

Ausbeutung an der Nähmaschine

Und genau diese Flexibilität ginge zu weit, sagt Maria Vanatova, die wir nach der Schicht außerhalb der Fabrik treffen. Sie arbeitet seit über zehn Jahren bei Pirintex. Zu oft müsse an Samstagen gearbeitet werden, es gebe Mitarbeiter, die nicht einmal mit ihren Familien in den Sommerferien verreisen könnten, weil es zu viele Aufträge gebe.

 Außerdem seien die Arbeitsbedingungen hart. "Leitende Mitarbeiter stoppen unsere Zeit aus, wir können die Vorgaben nicht einhalten", sagt sie. Der Lohn werde nach Vorgaben bezahlt, wenn z.B. in einer bestimmten Zeit nicht eine bestimmte Anzahl von Kleidungsteilen fertig sei, gebe es keine Zuschläge, sondern nur ein sehr niedriges Grundgehalt.

Schlimmer als in Kambodscha

Das sei kein Einzelfall, meint Bettina Musiolek von der "clean clothes campaign". Diese Nichtregierungsorganisation beobachtet weltweit die Bedingungen in der Textilindustrie. In einer am25. September veröffentlichten Untersuchung hat sie die Arbeitsbedingungen von Textilarbeitern in Indien, der Türkei, Kambodscha und Bulgarien verglichen.

"Es hat mich schockiert, dass ausgerechnet in Bulgarien die Bedingungen am schlimmsten sind. In manchen Fabriken müssen die Arbeiter sieben Tage am Stück 12 Stunden täglich arbeiten", so Musiolek. Damit sei die Situation viel dramatischer als in Asien.

Hinzu käme der geringe Lohn. Bei Zuliefererbetrieben der schwedischen Modemarke H&M in Bulgarien etwa entspreche er nur 10 Prozent der sogenannten living wage, dem nach Berechnung der Gewerkschaft "existenzsichernden Lohn". Das bedeute, dass die Menschen nicht annähernd von ihren Gehältern leben könnten.

Vielleicht könnte man ja mehr bezahlen?

Das bestätigt auch Arbeiterin Maria Vanatova bei Pirintex. Ihre Freunde pendelten täglich  ins krisengeplagte Griechenland, um dort zu arbeiten, oder sie seien nach Zypern ausgewandert. Sie sei nur wegen der Familie in Bulgarien geblieben. Die Arbeit mache ihr trotzdem Spaß - vor allem wegen der Kollegen. Sie rät aber ihren eigenen Kindern, das Land zu verlassen.

Auch Textilunternehmer Bertram Rollmann kämpft mit Problemen - er hat hunderte Arbeiter in den letzten zwei Jahren verloren und findet keinen Nachwuchs mehr. In seinem Ausbildungszentrum bleiben viele Nähmaschinen verwaist, nur sieben Auszubildende gibt es noch im Betrieb, Platz hätte er für knapp 30. Die Löhne erhöhen will er trotzdem nicht. Den Vorwurf, dass die Branche noch mehr zahlen müsse, um die Leute zu halten, lässt er nicht gelten.

Warten auf ein Signal

Der schwedische Konzern H&M hat schon 2013 versprochen, darauf zu drängen, dass seine Zulieferer ihren Arbeitern wenigstens existenzsichernde Löhne zahlen.  Doch da ist noch zu wenig passiert, resümiert Bettina Musiolek von der "clean clothes campaign", bestätigt durch die neuste Untersuchung in Bulgarien.

Aber sie ist zuversichtlich: Wenn große Unternehmen wie H&M ernst machten mit den Forderungen an ihre Zulieferer, mehr zu zahlen und sie gleichzeitig bereit wären, dafür auch höhere Preise zu akzeptieren, dann könnte das Signalwirkung in der ganzen Branche haben.
https://www.dw.com/de/ausbeutung-in-bulgariens-textilindustrie/a-45651579

Das Video dazu:
https://www.dw.com/de/kleidung-made-in-europe-nicht-unbedingt-besser/av-45641498

"...für Luxusmarken... vor allem zum Verkauf in Deutschland"
Das widerlegt das Argument, hauptsächlich die prolligen KIK Kunden befeuerten die Ausbeutung in der Textilindustrie. Die wohlhabenderen sollten nicht auf dem moralisch hohen Roß sitzen, auch ihr Geld fließt in die Extremausbeutung.

Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11461


« Antworten #6 am: 29. September 2018, 13:09:18 »

Als Politik und Medien des Westens "Freiheit!" jubelten, als der Eiserne Vorhang gefallen ist, meinten sie die Freiheit des Organisierten Verbrechens, der Freien Marktwirtschaft:

Zitat
Journalistenmord:
Drei Verdächtige im Mordfall Kuciak angeklagt
Der slowakische Journalist Ján Kuciak war im Februar zusammen mit seiner Verlobten erschossen worden. Er hatte zu Verbindungen zwischen Mafia und Regierung recherchiert.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-09/journalistenmord-jan-kuciak-slowakei-verdaechtige-anklage
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11461


« Antworten #7 am: 06. Oktober 2018, 12:35:18 »

Zitat
Ein Film als Katalysator

Der polnische Regisseur Wojciech Smarzowski rüttelt mit seinem Spielfilm „Klerus“ an der Autorität der katholischen Kirche in seiner Heimat - und die Menschen stürmen die Kinos.




Alles eine Verschwörung – wettern die rechten Blätter, rechtskonservative Politiker und Geistliche in Polen. Verschworen haben sich demnach eine diffuse liberale Linke und die Filmemacher des Spielfilms „Kler“, übersetzt: der Klerus. Denn es könne ja kein Zufall sein, dass die weltweite Pädophilen-Debatte in der Romkirche just mit der Premiere des kirchenkritischen Kassenschlagers von Regisseur Wojciech Smarzowski zusammenfällt.

„Der Film ist als ein Schlag gegen die Kirche, die Religion und die Gläubigen gedacht“, schreibt Elzbieta Królikowska-Avis im regierungsnahen Onlineportal Wpolityce. Die wichtigste Nachrichtensendung im von der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kontrollierten Staatsfernsehen TVP spricht von „angeblichen Eliten, die die katholische Kirche angreifen“ – und vom deutschen Springer-Konzern, der den Film in seinen Medien an der Weichsel „promote“.

Worüber sich die Rechtskonservativen und Nationalisten derart echauffieren, ist in der Tat ein künstlerisch höchst radikaler und offenbar wirkungsvoller Hieb gegen die katholische Kirche Polens. Der Film, der in manchen Kinos wegen des Besucherandrangs mehr als 20 Mal am Tag gezeigt, in einigen konservativ regierten Kommunen in stadteigenen Kinos indes boykottiert wird, hat bereits eine Woche nach seiner Premiere den Allzeit-Zuschauerrekord gebrochen.
(...)
weiter: http://www.fr.de/kultur/kino/kino-ein-film-als-katalysator-a-1595602
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11461


« Antworten #8 am: 07. Oktober 2018, 09:23:02 »

Zitat
Trotz aller politischen Querelen investiert die deutsche Industrie kräftig in Ungarn und stärkt damit das Regime.
...
BMW will für eine Milliarde Euro ein neues Werk in Europa bauen.
...
Ungarn zählt gerade in der Amtszeit Orbáns zu den bevorzugten Investitionsländern der deutschen Industrie in Europa. In den vergangenen Jahren hätten deutsche Unternehmen jeweils rund eine Milliarde Euro in dem Land investiert, sagt Dirk Wölfer von der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) in Budapest. Nicht nur die Autobauer Audi und Daimler, sondern in der Folge auch deren Zulieferer aus Deutschland hätten stetig investiert. Hinzu kämen viele kleinere Firmen, die der Inlandsmarkt des Zehn-Millionen-Einwohner-Landes interessiere.
...
für Investoren rollt Orbán den allerfeinsten roten Teppich aus: Der Körperschaftsteuersatz ist mit nur neun Prozent der niedrigste in der EU, und bei Großinvestitionen könne dieser Satz sogar unter bestimmten Bedingungen noch weiter gesenkt werden, berichtet Handelskammer-Experte Wölfer. Zudem seien die Sozialabgaben seit 2017 von 27,5 auf 19,5 Prozent gesenkt worden. "Das freut die Arbeitgeber." Hinzu komme der gute Ausbildungsstand der Fachkräfte.
...
Und über die konkrete Förderung durch den ungarischen Staat habe man "gegenseitiges Stillschweigen vereinbart". Wenn also Grundstücke günstig verkauft werden, Industriegelände mit Strom, Wasser sowie Straßen- und Bahnanschlüssen auf Staatskosten erschlossen und neue Berufsschulen eingerichtet werden, dann wirkt das für die Investoren aus dem Ausland wie ein massiver geldwerter Vorteil.
...
Ende Juli legte Daimler den Grundstein für sein zweites Werk im ungarischen Kecskemét. "Wir planen, in den nächsten Jahren rund eine Milliarde Euro in das neue Werk in Kecskemét zu investieren", sagte Mercedes-Produktionsvorstand Markus Schäfer im Beisein des ungarischen Außenministers Péter Szijjártó, der dies sogleich als "Beweis für die erfolgreiche Wirtschaftspolitik der Regierung" wertete.
...
Bis heute betragen die ungarischen Löhne im Schnitt nur etwa 25 Prozent der deutschen, belegt eine Statistik der OECD.
...
Den Anfang der Großinvestitionen in Ungarn machte die VW-Tochter Audi. Am 20. September feierte Audi Hungaria im westungarischen Győr sein 25-jähriges Produktionsjubiläum. Alle waren da: an der Spitze der deutschen Delegation Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess, der kommissarische Audi-Lenker Bram Schot und Audi-Betriebsratschef Peter Mosch. Der Bürgermeister von Győr und Außenminister Péter Szijjártó führten die ungarische Seite an.

Mittlerweile steht in Győr das größte Motorenwerk des VW-Konzerns, parallel werden Audi-Modelle montiert. Vor Kurzem startete dort die Produktion von E-Motoren für den ersten Batterie-Audi (e-tron), und seit wenigen Tagen läuft dort auch der SUV Audi Q3 vom Band. "Dafür wurde natürlich kräftig investiert", freut sich Péter Lőre, Sprecher von Audi Hungaria. Mit seinen 12.900 Mitarbeitern sei Audi das zweitgrößte Industrieunternehmen im Land
...
Und schließlich ist das Land seit Langem einer der größten EU-Netto-Profiteure. In den letzten Jahren kassierte Ungarn jeweils zwischen drei und vier Milliarden Euro netto von der EU.
...
https://www.zeit.de/2018/41/ungarn-viktor-orban-investment-deutschland-doppelstandard
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11461


« Antworten #9 am: 08. Oktober 2018, 11:48:25 »

Endlich ist die Freiheit des Westens im Osten angekommen:
Zitat
Bulgarien
TV-Journalistin vergewaltigt und ermordet



In Bulgarien ist die TV-Journalistin Wiktorija Marinowa in der Donaustadt Russe ermordet aufgefunden worden. Die 30-Jährige soll über Betrug mit EU-Fördergeldern recherchiert haben.
http://www.fr.de/politik/bulgarien-tv-journalistin-vergewaltigt-und-ermordet-a-1597275
Gespeichert
Panait Musoiu


Beiträge: 1


« Antworten #10 am: 14. Oktober 2018, 11:38:46 »

Das Land ist ein beliebter Tummelplatz des internationalen Kapitals. Es herrscht Goldgräberstimmung.

Zitat
Rumänien:
Was tun, wenn die Arbeiter fehlen?


Rumäniens Wirtschaft hat sich von ihrer Krise erholt und wuchs letztes Jahr mit sieben Prozent überdurchschnittlich. Fast 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, die geografische Nähe und tiefe Lohnkosten machen Rumänien zu einem attraktiven Standort für Schweizer Unternehmen. Sie sehen grosses Potenzial in Rumänien. Ein Problem gibt es jedoch: Für die vielen Arbeitsstellen finden sich kaum Arbeitskräfte. Auf einer Wirtschaftsmission mit Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch hat sich gezeigt: Gelingt es Rumänien, seine strukturellen Probleme zu lösen, würde das Land attraktiver werden – nicht nur für hier tätige Unternehmen, sondern insbesondere auch für die Rumänen selbst.

«Wir hätten in Rumänien mehr als unsere 100 Angestellten, wenn wir sie finden würden», sagte der Vertreter einer Schweizer IT-Firma. Die Teilnehmenden der Wirtschaftsmission mit Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch in Rumänien erfahren während ihrer zweitägigen Reise, dass die Talentknappheit jedoch nicht nur den IT-Sektor, sondern sämtliche Branchen betrifft. Sogar der Inhaber einer kleinen Bäckerei 60 Kilometer ausserhalb Bukarests meinte, er habe die Teigwalze vor allem deshalb gekauft, «weil wir hier keine Leute gefunden haben, die die Arbeit machen würden».

Rumänien als siebtgrösster Markt Europas

Ein Report ehrte Rumänien denn auch jüngst mit einer besonderen Auszeichnung: als Land mit dem höchsten Talentemangel Europas. Das klingt paradox für viele Länder, die von zu vielen Arbeitsstellen nur träumen können. Hier aber ist der Mangel eine echte Herausforderung. Denn die Unternehmen investieren gerne in das Land, und sie sehen auch sehr viel Potenzial in der Zukunft: Rumänien ist mit seinen fast 20 Millionen Einwohnern der siebtgrösste Markt Europas. Die Mittelklasse wächst und die Lohnkosten sind im europäischen Vergleich tief. Viele Leute sind gut ausgebildet, sprechen sehr gut Englisch. Und, so erfährt die Delegation, sie sind hochmotiviert und kulturell der Schweiz ähnlich, weshalb es im Arbeitsalltag seltener zu Missverständnissen kommt.
 
Hoher Reformbedarf bei der Infrastruktur

Die einen begegnen dem Arbeitskräftemangel, indem sie wie der Bäcker Prozesse digitalisieren, soweit sie können. Denn Kapital ist gut erhältlich. Die anderen versuchen mit hohen Löhnen zu locken. Doch nicht einmal das hält die Leute davon ab, zu gehen: Auch wenn viele Rumänen gerne in ihrer Heimat und nahe bei ihrer Familie leben würden, wandern sie oft ins nahe Westeuropa ab. Die rumänische Wirtschaft ist zwar letztes Jahr mit sieben Prozent überdurchschnittlich gewachsen. Das Wachstum basiert aber hauptsächlich auf Konsum und das Land kämpft mit strukturellen Herausforderungen. Grosser Reformbedarf besteht etwa bei der Verkehrsinfrastruktur, im Gesundheitsbereich und beim Bildungssystem. Der hohe bürokratische Aufwand und die mangelnde Planbarkeit aufgrund sich häufig ändernder rechtlicher Rahmenbedingungen erschweren den unternehmerischen Alltag zusätzlich.

Einige Reformen bereits in Gang gesetzt


Bei Gesprächen mit dem rumänischen Minister für Business Environment, Commerce and Entrepreneurship, Ștefan-Radu Oprea, und dem Wirtschaftsminister Dănuț Andrușcă zeigt sich, dass die Politik viele Probleme erkannt hat. Dank einem neuen Public-Private-Partnership-Gesetz soll beispielsweise die Infrastruktur verbessert werden. Vor wenigen Monaten wurde InvestRomania gegründet, ein «one-stop-shop» für ausländische Investoren, um deren Probleme rasch lösen zu können. Gelingt es der Regierung, diese und weitere wichtige Reformen umsetzen zu können, erhielten die Unternehmen wichtige Anreize, in den bereits jetzt attraktiven Standort Rumänien noch mehr zu investieren.
https://www.economiesuisse.ch/de/artikel/rumaenien-was-tun-wenn-die-arbeiter-fehlen
Gespeichert
Seiten: [1] |   Nach oben
Drucken
Gehe zu: