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Autor Thema: STUDIE: Verbrechen der Katholischen Kirche in Deutschland  (Gelesen 2452 mal)
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Martin Mitchell


Beiträge: 1489


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« am: 14. September 2018, 01:11:24 »

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DIE KATHOLISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND UND DAS AUSMAß IHRER VERBRECHEN

KINDESMISSBRAUCH IN DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND ZWISCHEN 1946 UND 2014 (NUR DAS WAS VON DEN OBEREN ZUGEGEBEN WIRD)


[ QUELLE: https://www.zeit.de/2018/38/sexueller-missbrauch-bischoefe-kirche-studie ]

TEILAUSZUG AUS EINEM SEHR, SEHR LANGEN AUFSCHLUSSREICHEN ARTIKEL - EINER SEHR VERLÄSSLICHEN QUELLE:

Zitat
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Sexueller Missbrauch

Das Ausmaß des Verbrechens

Über vier Jahre lang haben die deutschen Bischöfe sexuelle Gewalt in der Kirche systematisch erforschen lassen. Wir veröffentlichen erste Ergebnisse der Studie.

Von Evelyn Finger und Veronika Völlinger

[ „Evelyn Finger - Verantwortl. Redakteurin im Ressort Glauben und Zweifeln, DIE ZEIT“ - Siehe @ https://www.zeit.de/autoren/F/Evelyn_Finger/index.xml ]
[ „Veronika Völlinger – Freie Journalistin“ - Siehe @ https://www.zeit.de/autoren/V/Veronika-_Voellinger/index ]

12. September 2018 / DIE ZEIT Nr. 38/2018, 13. September 2018 /
419 Kommentare [ ständig zunehmend ]


Zum ersten Mal gesteht die katholische Kirche in Deutschland ein, was sie erst jahrelang vertuscht und dann weiter beschönigt hat. Zum ersten Mal ließ sie den Kindesmissbrauch in ihren eigenen Reihen flächendeckend untersuchen. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen der ZEIT exklusiv vor. Sie zeigen: 1670 Kleriker wurden zwischen 1946 und 2014 als Missbrauchsbeschuldigte innerhalb ihrer Kirche aktenkundig. 3677 Kinder und Jugendliche wurden nach Lage der Akten mutmaßlich zu Opfern. 4,4 Prozent aller Kleriker sollen im genannten Zeitraum Minderjährige sexuell missbraucht haben. "Diese Zahl stellt eine untere Schätzgröße dar", heißt es in einer offiziellen Zusammenfassung der Studie.

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DAS AUSMAß DER VERBRECHEN:


3677 Opfer von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen.

1670 Täter haben mutmaßlich missbraucht. Beschuldigte sind Priester, Ordensmänner und Diakone.

4,4 Prozent aller Kleriker der deutschen Bistümer waren mutmaßlich Missbrauchstäter.


––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Mit anderen Worten: Hinter den wichtigsten Zahlen, die hier erhoben wurden, steht ein unsichtbares "mindestens". Viereinhalb Jahre lang haben sieben deutsche Forscher, fünf wissenschaftliche Mitarbeiter und ungezählte Hilfskräfte Akten analysiert und Interviews geführt. Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sollten sie vor allem zwei Fragen beantworten: Wie groß war das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs? Welche Besonderheiten der katholischen Kirche haben die Taten und ihre Vertuschung begünstigt?

Ergebnis: Was man bislang nur ahnte, was an dramatischen Einzelfällen bekannt und in Einzelstudien belegt war, wird nun weit übertroffen, allein durch die Zahlen der Opfer und der Täter. Sie sind alarmierend, auch weil die Forscher immer wieder betonen, das "Dunkelfeld" des Kindesmissbrauchs sei groß und die wahren Zahlen lägen erfahrungsgemäß "höher". Die Wahrheit ist also noch schlimmer.

Auf mehr als 350 Seiten wird nun der sexuelle Missbrauch im Verantwortungsbereich der DBK dokumentiert. Die Forscher tun das nüchtern, präzise, detailgenau. 27 Bistümer hatten sich vertraglich verpflichtet, am Projekt teilzunehmen. Doch ein Grundproblem bleibt: die Abhängigkeit der Ergebnisse von den Bischöfen. Daran war die Studie im ersten Anlauf gescheitert, weil der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer, der zunächst eine Studie für die DBK machen wollte, die Forschungsbedingungen unzumutbar fand. Zu Recht. Er wehrte sich dagegen, dass die Kirche den gültigen Vertrag nachträglich mit dem Ziel ändern wollte, die Forschungstexte zu kontrollieren und ihre Veröffentlichung "aus wichtigem Grund" sogar völlig verbieten zu dürfen. Außerdem kritisierte er die Vernichtung von Akten und den Widerstand der Kirche gegen eine unabhängige Aktenanalyse durch ehemalige Richter und Staatsanwälte.

Die letzten beiden Kritikpunkte werden nun bestätigt – und zwar durch die Studie selbst. Darin heißt es: "In einigen Fällen fanden sich eindeutige Hinweise auf Aktenmanipulation." Außerdem habe es "explizit die Information" aus zwei Bistümern gegeben, "dass Akten- oder Aktenbestandteile mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet wurden". Neben der Aktenvernichtung wird auch das Blockieren einer unabhängigen Einsicht in die vorhandenen Bistumsakten belegt. In der Zusammenfassung der Studie steht auf Seite eins: "Das Forschungsprojekt hatte keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche. Archive und Dateien der Diözesen wurden von Personal aus den Diözesen oder von diesen beauftragten Rechtsanwaltskanzleien durchgesehen."

Die Forscher haben Fragebögen entwickelt, anhand derer die Mitarbeiter in den Bistümern die Akten auswerten. Sie tragen Daten über die Betroffenen und die Beschuldigten ein, sie kreuzen Kategorien an, mit denen sich der genaue Ablauf der Tat beschreiben lässt. Und sie notierten, wie die Kirche auf Vorwürfe reagiert hat. Die ZEIT konnte mehrere solcher Erhebungsbögen einsehen, teilweise sind sie bis zu 50 Seiten lang.

So wertete man insgesamt 38.156 Personal- und Handakten aus. Aber: Keiner der Wissenschaftler hat in den kirchlichen Archiven je Akten in der Hand gehabt. Deshalb ist die Studie nicht wirklich unabhängig. Die aufzuklärende Institution hat die Aufklärung kontrolliert. Das unterscheidet sie fundamental von der Missbrauchsstudie der Grand Jury in Pennsylvania, die im August Aufsehen erregte. [ Siehe @ https://www.zeit.de/2018/35/sexueller-missbrauch-pennsylvania-katholische-kirche ] Das unterscheidet sie auch von der Missbrauchsstudie der Royal Commission in Australien, die Ende 2017 erschien. Allerdings: In Deutschland darf die Staatsanwaltschaft nur ermitteln, wenn ein Fall nicht verjährt ist.

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FORTSETZUNG AUF ZWEI WEITEREN SEITEN:

NÄCHSTE SEITE [Seite 2]: Spezifika des sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche [ Siehe @ https://www.zeit.de/2018/38/sexueller-missbrauch-bischoefe-kirche-studie/seite-2 ]


NÄCHSTE SEITE [Seite 3]: 969 der Missbrauchten waren Ministranten [ Siehe @ https://www.zeit.de/2018/38/sexueller-missbrauch-bischoefe-kirche-studie/seite-3 ]

Siehe diesbezüglich auch Humanistischer Pressedienst (hpd) (12.09.2018) »Tausende sexuelle Übergriffe« - »STUDIE: Missbrauch in der Kirche dauert offenbar noch an« @ https://hpd.de/artikel/studie-missbrauch-kirche-dauert-offenbar-noch-an-15944 (und siehe auch die dortigen dazugehörenden Kommentare) 

Beschlagwortet mit TAGS/LABELS: Katholische Kirche, Verbrechen, Diözese, Kindesmissbrauch, Deutsche Bischofskonferenz, Christian Pfeiffer, Sexueller Missbrauch, Missbrauch, sexuelle Gewalt, von den Oberen zugegeben, vertuscht, beschönigt, Kleriker, Missbrauchsbeschuldigte, Minderjährige, Kinder, Jugendliche, sexuell missbraucht, Ausmaß der Verbrechen, Verbrechen, Opfer, Täter, missbraucht, Priester, Ordensmänner, Diakone, Missbrauchstäter, Taten, Vertuschung, Vertuschung begünstigt, Kriminologe Christian Pfeiffer, Vernichtung von Akten, Widerstand der Kirche, unabhängige Aktenanalyse, Richter und Staatsanwälte, Aktenmanipulation, Akten, vernichtet, Aktenvernichtung, unabhängigen Einsicht, verhindert, vorhandenen Bistumsakten, Einsicht, Zugriff, Originalakten, blockiert, blockieren, nicht wirklich unabhängig,
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« Letzte Änderung: 14. September 2018, 10:06:04 von Martin Mitchell » Gespeichert

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Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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« Antworten #1 am: 15. September 2018, 07:00:48 »

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Missbrauchsstudie der Kirche: Zu kurz gegriffen

QUELLE: SZ.de - Süddeutsche Zeitung @ https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauchsskandal-die-kirche-weigert-sich-die-kontrolle-abzugeben-1.4129180 :

Zitat
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13. September 2018, 16:55 Uhr

Missbrauchsskandal

Die Kirche weigert sich, die Kontrolle abzugeben

[ PHOTO: „Zahlreiche Akten und Archive hat die Kirche für ihre Missbrauchsstudie nicht geöffnet. (Foto: picture alliance / dpa)]

Taten wurden oft vertuscht, die Täter selten bestraft, den Opfern noch seltener geholfen. Die groß angekündigte Missbrauchsstudie der katholischen Kirche greift viel zu kurz. Besser wäre die Untersuchung einer unabhängigen Stelle gewesen.

Kommentar von Matthias Drobinski
[Studium Geschichte, katholische Theologie und Germanistik in Gießen und Mainz; Hamburger Journalistenschule, Redakteur bei Publik-Forum, Zeitung kritischer Christen, seit 1997 bei der Süddeutschen Zeitung“. ]

Für Journalisten ist es schön, wenn sie interne Dokumente in die Hand gedrückt bekommen - für die katholische Bischofskonferenz aber ist es desaströs, dass die Ergebnisse ihrer groß angekündigten Missbrauchsstudie nun vorab in der Öffentlichkeit sind. Ihr ist die Deutungshoheit über die Ergebnisse aus der Hand genommen, wohl auch aus der Angst, diese Deutung könnte allzu freundlich und zu wenig selbstkritisch ausfallen.

Denn die Ergebnisse der Studie sind deprimierend: Sexuelle Gewalt durch Priester gab es in großem Ausmaß in Deutschland, die Taten wurden oft vertuscht, die Täter selten bestraft, den Opfern noch seltener geholfen. Und was sich da in den Akten gefunden hat, zeigt längst nicht das Ausmaß des Skandals. Es sind Akten über Täter verschwunden und auch vernichtet worden. Und längst nicht alle Fälle sind aktenkundig geworden - weil es den Tätern gelang, die Opfer, ihre Eltern, alle, die etwas wussten oder ahnten, stumm und schweigend zu halten.

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Akten, die erschüttern

Eine groß angelegte Studie zeigt: Das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Priester und Ordensleute war immens - und noch immer tut sich die katholische Kirche schwer, die Fälle aufzuarbeiten. Von Matthias Drobinski mehr ... [ Siehe @ https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-akten-die-erschuettern-1.4127434 ]


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Die Studie hat noch andere Grenzen. Nur ein Drittel der Bistümer stellte alle Akten bis zurück ins Jahr 1946 zur Verfügung, und es entschieden nicht die Forscher, sondern Kirchenangestellte, welche Dokumente in die Forschung einfließen durften. Es wurden die Frauen- und Männerorden ausgeklammert, an deren Schulen und Internaten zahlreiche Übergriffe geschahen, es kommen die Heimkinder nicht vor, die oft noch brutaler misshandelt werden als die Kinder aus besserem Haus Die Forscher haben getan, was sie konnten, sie haben viele Betroffene befragt und deren manchmal lebenslanges Leid dokumentiert. Sie sind aber dort gescheitert, wo die Kirche sich weigerte, die Kontrolle abzugeben.

Es wäre deshalb besser gewesen, eine komplett von den Kirchen unabhängige Kommission hätte den Fall übernommen. Der Schmerz wäre noch größer geworden, als er es jetzt schon ist - der Glaubwürdigkeitsgewinn aber auch.

Aufklärung von innen heraus funktioniert selten; sie muss jetzt nach außen verlagert werden - in Deutschland, aber auch weltweit. Nur dann wird die Kirche an die Ursachen für die sexualisierte Gewalt herankommen, die im System selber liegen: die Tabuisierung, Verdrängung, gar Verteufelung der Sexualität, besonders der Homosexualität; die falsche Heiligung der Instituion und ihrer Priester, das männerbündische Denken, die seelenfressende Einsamkeit nicht weniger Zölibatärer, das Ineinander von Religion und Macht. Und nur dann wird sie wirklich die Schuld sühnen können, die sie da auf sich geladen hat.

[ PHOTO ]

Franziskus ist Lösung und Problem in einem

Das Ringen um die Zukunft der katholischen Kirche ist in vollem Gange. Der Papst muss Skandale aufklären. Sich selbst schonen darf er dabei nicht. Kommentar von Matthias Drobinski mehr ... [ Siehe @ https://www.sueddeutsche.de/panorama/krise-im-vatikan-franziskus-ist-loesung-und-problem-in-einem-1.4117748 ]

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« Letzte Änderung: 15. September 2018, 07:05:15 von Martin Mitchell » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 17. September 2018, 01:02:11 »

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»Leaked German abuse report shows manipulation from both bishops and scientists« (Friday, 14 September 2018) @ https://www.lifesitenews.com/blogs/leaked-german-abuse-report-shows-manipulation-from-both-bishops-and-sc gleichlautender Bericht in englischer Sprache). Berichterstattung aus den Vereinigten Staaten von Dr. Maike Hickson (geboren und aufgewachsen in Hannover, Bundesrepublik Deutschland). DIES IST DAS ORIGINAL DER BERICHTERSTATTUNG IN ENGLISCH.

»Wie aussagekräftig ist der – geleakte – Mißbrauchsbericht, den die deutsche Bischofskonferenz in Auftrag gegeben hat?« (Samstag, 15. September 2018) @ https://beiboot-petri.blogspot.com/2018/09/wie-aussagekraftig-ist-der-geleakte.html (gleichlautender Bericht in deutscher Sprache). Berichterstattung aus den Vereinigten Staaten von Dr. Maike Hickson (geboren und aufgewachsen in Hannover, Bundesrepublik Deutschland). DIES IST DIE OFFIZIELLE ÜBERSETZUNG DER BERICHTERSTATTUNG INS DEUTSCHE:

Zitat
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Samstag, 15. September 2018

Wie aussagekräftig ist der – geleakte – Mißbrauchsbericht, den die deutsche Bischofskonferenz in Auftrag gegeben hat?

Dr. Maike Hickson kommentiert für LifeSiteNews den Mißbrauchsbericht, der im Auftrag der deutschen Bischöfe erstellt wurde und der etliche Fragen aufwirft.
Hier geht´s zum Original: klicken [ bzw. diese URL anklicken: https://www.lifesitenews.com/blogs/leaked-german-abuse-report-shows-manipulation-from-both-bishops-and-sc ]


"DER GELEAKTE DEUTSCHE MISSBRAUCHSBERICHT ZEIGT MANIPULATIONEN SOWOHL DURCH DIE BISCHÖFE ALS AUCH DURCH DIE WISSENSCHAFTLER"

"LifeSiteNews liegt eine 8-seitige Zusammenfassung der deutschen "MHG-Studie"  zum klerikalen sexuellen Mißbrauch Minderjähriger vor, der am 12. September geleakt wurde. Die Zusammenfassung macht klar, daß die deutschen Bischöfe bei der Handhabung der Mißbrauchsfälle sehr nachlässig waren. Zur selben Zeit scheint der Bericht selbst auch seine eigenen Fehler zu haben, weil er das Problem vom Aspekt der priesterlichen Homosexualität wegzulenken versucht.

Kein anderer als Professor Christian Pfeiffer- der Kriminologe, der dieses gesamte Forschungsprojekt zuerst leitete, dann aber wegen seiner Weigerung, seine Ergebnisse vor der Veröffentlichung durch die deutschen Bischöfe bewerten zu lassen, ausgeschlossen wurde, hat sich am 12. September mit einigen kritischen Bemerkungen über den geleakten Bericht zu Wort gemeldet. Im Gespräch mit der New York Times [ Siehe @ https://www.nytimes.com/2018/09/12/world/europe/german-church-sex-abuse-children.html ] besteht Pfeiffer darauf, daß das Ausmaß des Mißbrauchsproblems immer noch unterschätzt wird.

"Der Bericht zeigt nicht das volle Bild und ist nicht völlig unabhängig" sagte er. Pfeiffer weist darauf hin, daß die Untersucher keinen direkten Zugang zu den Kirchenakten hatten und sich auf das Kirchenpersonal verlassen mußten, das die Fragebögen für sie ausfüllte. Der Bericht fand auch Beweise dafür, daß Akten, die den Mißbrauch Minderjähriger betreffen oft manipuliert oder zerstört wurden- wie Pfeiffer zeigt. Nach der New York Times beschloss Pfeiffer am Ende, sich zu weigern, an diesem Projekt teilzunehmen "weil die Kirche sich das Recht vorbehalten wollte, die Resultate der Untersuchung zu kontrollieren- und unter bestimmten Umständen sogar ihre Veröffentlichung zu verhindern."

Diese Statement von Professor Pfeiffer macht klar, daß die deutschen Bischöfe - unter der Leitung sowohl des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx als auch von Bischof Stephan Ackermann, dem für die Handhabung von Fällen sexuellen Mißbrauchs zuständigen Bischof - fälschlicherweie versuchten, das Ergebnis des Forschungsprojektes zu kontrollieren, für das sie bis zu 1,1 Million € bezahlten.

Die strikt vertrauliche Zusammenfassung des Mißbrauchsberichtes, die LifeSiteNews sich beschaffen konnte, zeigt, daß es von Seiten der deutschen Bischöfe schwere Versäumnisse gab, Z.B. sagt die Untersuchung, daß wenn es nicht eigene kirchliche rechtliche Prozeduren gegeben hätte, Mißbrauchsopfern Schmerzensgeld anzubieten (wie erst 2011 bestätigt) und eigene Akten,  50% der Fälle nicht aufgedeckt und den Forschern bekannt geworden wären, weil die Beschwerden über den Mißbrauch nie in den Personalakten der mißbrauchenden Priester auftauchten.

Wenn man "nur die Personalakten der mißbrauchenden Priester untersucht hätte", erklären die Untersucher, "wäre die Hälfte der Fälle nicht entdeckt worden." Für die Untersucher kann diese Tatsache allein Einsicht in "die Zahl unbekannter Fälle geben."

Zusätzlich zu diesen schwerwiegenden Versäumnissen, weisen die Untersucher auch darauf hin, daß die Bischöfe mißbrauchende Priester von 1946 bis 2014 oft in andere Gemeinden versetzten oder andere Diözesen, anstatt sie streng zu bestrafen. Solche Versetzungen geschahen signifikant häufiger ohne der Zielgemeinde ausreichende  Informationen über die Vorwürfe und die möglichen Risiken im Hinblick auf eine Wiederholung der Verbrechen zu geben."

Die Forscher fanden auch "Hinweise, daß Personalakten und andere Dokumente, die zu dieser Untersuchung führten, zu einem früheren Zeitpunkt zerstört oder manipuliert wurden." Wichtig ist auch die Tatsache, daß "alle Informationen über nachgewiesene Fälle sexuellen Mißbrauchs zuerst anonym weitergegeben wurden und erst dann vom Kirchenpersonal.

So - erklären die Untersucher- daß am Anfang ihrer Zusammenfassung die Information "durch die Perspektive dieser Personen, die mit den Daten umgingen, beinflußt wurden."

Außerdem "blieben alle Fälle und betroffenen Personen (Beschuldigte und Opfer) für das Untersuchungsteam anonym. "So kann dieses Fehlen eines direkten Zugangs zu den Mißbrauchsakten selber, die Ursache für die Ungenauigkeit dieser Untersuchung sein.

Die Untersucher erkennen an, daß die Mehrheit der Mißbrauchsopfer männlich war, argumentieren aber für die Ordinierung von Homosexuellen.

[ … Dies ist der nächste Teil dieser Berichterstattung … ]

Marx und Ackermann haben eine Geschichte in der unzureichenden Handhabung von Mißbrauchsfällen.

[ … Dies ist der nächste und letzte Teil dieser Berichterstattung … ]

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« Antworten #3 am: 27. September 2018, 02:25:54 »

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Was der Vatikan jetzt selbst bezüglich der deutschen »Studie bezüglich den Verbrechen der Katholischen Kirche in Deutschland« berichtet (und, wer weiß, möglicherweise jetzt sogar eingesteht):

Zitat
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Der Newsletter von Vatican News
[ das mehrsprachige Nachrichtenportal des Vatikans ]
[ Siehe WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/Vatican_News (Stand: 24. Juni 2018) ]



Newsletter 25/09/2018


Marx: Missbrauch auch bei Jugendsynode ein Thema


Das erklärte Kardinal Reinhard Marx bei der Vorstellung der Missbrauchs-Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ an diesem Dienstag in Fulda.
[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-09/missbrauch-deutschland-vatikan-jugend-bischofskonferenz-studie.html ]



SCHWERPUNKT MISSBRAUCHSSTUDIE


[ FOTO: „Haben die Studie am Dienstag vorgestellt: Der Forscher Harald Dreßing (l), Kardinal Reinhard Marx (m) und Bischof Stephan Ackermann (r)“ ]

Forscher: Kirchliche Strukturen können Missbrauch begünstigen

Ein vernichtendes Zeugnis zum Umgang mit Missbrauch haben die Verfasser der MHG-Missbrauchsstudie der deutschen katholischen Kirche der Vergangenheit ausgestellt.
[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-09/deutschland-missbrauch-studie-mhg-dressing-strukturen.html ]



[ FOTO: „Bischof Stephan Ackermann, in der DBK zuständig für Kinderschutz und die Aufklärung von Missbrauch“ ]

MHG-Missbrauchsstudie: Eine Hilfe zum Fragenstellen

„Sexueller Missbrauch ist vor allem auch Missbrauch von Macht“: Die Studie, die die deutschen Bischöfe zum Thema Missbrauch bei einem Forscherkonsortium in Auftrag gebeben hatten, legt erste ausführliche Ergebnisse vor.
[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-09/deutschland-bischofskonferenz-missbrauch-studie-mhg-vorstellung.html ]



[ FOTO: „Reinhard Kardinal Marx im Fuldaer Dom“ ]

D: Beginn der Herbstvollversammlung der Bischöfe

Beim Eröffnungsgottesdienst im Fuldaer Dom hat der Vorsitzende der Konferenz, Reinhard Kardinal Marx, die „schweren Sünden der Kirche“ in Hinblick auf den Missbrauchsskandal eingeräumt.
[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-09/deutschland-fulda-2018-herbstvollversammlung-bischoefe-beginn.html ]



[ FOTO: „Bundestag in Berlin“ ]

Bundesregierung: Staat und Kirche müssen bei Missbrauchs-Aufarbeitung zusammenarbeiten

Der Gedanke, dass noch heute Menschen in der Kirche Verantwortung tragen, die Kinder sexuell missbraucht haben, sei für sie unerträglich, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Dienstag in Berlin.
[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-09/regierung-staat-kirche-zusammenarbeit-aufklaerung-missbrauch.html ]



[ FOTO: „Am Dienstag wird die Missbrauchsstudie in Fulda vorgestellt“ ]

D: Laien fordern Aufbruch „klerikaler Führungs- und Leitungsstrukturen“

Mit Blick auf die Missbrauchsstudie fordert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) strukturelle Reformen in der Kirche.
[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-09/deutschland-laien-forderung-umdenken-kirche-missbrauch.html ]

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QUELLE : Der Newsletter von Vatican News, den ich regelmäßig per Email bekomme.
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« Letzte Änderung: 27. September 2018, 03:28:35 von Martin Mitchell » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 30. September 2018, 14:21:27 »

Zitat
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Frankfurter Allgemeine - Inland

[ QUELLE: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/roerig-kirche-soll-missbrauchsopfer-entschaedigen-15805587.html ]

REGIERUNGSBEAUFTRAGTER RÖRIG

[ der Bundesregierung Deutschland ]


Kirche soll Missbrauchsopfer entschädigen

Aktualisiert am 25.09.2018 - 10:04

[ FOTO zeigt Johannes-Wilhelm Rörig in seinem Dienstanzug ]


Die Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche soll an staatliche Behörden übergeben werden, fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung. Das sei eine offene Wunde, sagt er.

Johannes-Wilhelm Rörig, Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, hat die katholische Kirche in Deutschland zu Entschädigungszahlungen aufgefordert. „Das ist noch eine offene Wunde“, sagte Rörig am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Mit der Frage, was hier angemessen sei, müsse sich die Deutsche Bischofskonferenz in Fulda beschäftigen.

Dort wird heute die STUDIE zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche vorgestellt. Sie ersetzt keine strafrechtlichen Ermittlungen; die meisten Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit sind sowieso schon lange verjährt.


Rörig forderte die Kirche trotzdem auf, die weitere Aufarbeitung der Missbrauchsfälle staatlichen Behörden zu übergeben. Dies sollten Kirche, Bund und Länder vertraglich regeln, bekräftigte er. Ermittler müssten dadurch Zugang zu kirchlichen Archiven bekommen. Täter müssten benannt werden. Die katholische Kirche habe Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren, weil einzelne Personen nicht zur Verantwortung gezogen worden seien.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie waren bereits vorab bekannt geworden. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben.

[ FOTO zeigt Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising in seiner vollen Regalia --- „Missbrauchs-Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit“ soll er gesagt haben ]

Quelle: dpa

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MEHR ZUM THEMA


STUDIE ÜBER KINDESMISSBRAUCH
Über die Täter
[ Siehe @ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/studie-ueber-kindesmissbrauch-wie-gehen-dioezesen-mit-faellen-um-15801617.html ]
LIDIA ROSENFELDER


UMGANG MIT MISSBRAUCHSFALLEN
Die Unfähigkeit zu praktischen Konsequenzen
[ Siehe @ http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/missbrauchsfaelle-und-moralische-lethargie-in-der-kirche-1967380.html ]
PROFESSOR DR. FRANZ-XAVER KAUFMANN


VOR DER BISCHOFSKONFERENZ
Wider den Größenwahn
[ Siehe @ http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/vor-der-bischofskonferenz-wider-den-groessenwahn-15803119.html ]
CHRISTIAN GEYER


STUDIE SEXUELLER MISSBRAUCH
Bis an die Wurzel der Kirche
[ Siehe @ http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/katholische-kirche-studie-liefert-zahlen-zu-missbrauchsvorwuerfen-15793222.html ]


NACH MISSBRAUCHSSTUDIE
Eltz will freiwilliges Zölobat für Priester
[ Siehe @ http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/missbrauchsstudie-eltz-will-freiwilliges-zoelibat-fuer-priester-15792976.html ]
TOBIA RÖSMANN, PETER EISENHUT


KATHOLISCHE KIRCHE
Voderholzer: Missbrauchsstudie sofort allen Bischöfen zusenden
[ Siehe @ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/voderholzer-missbrauchsstudie-allen-bischoefen-zusenden-15792454.html ]

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Nochmals: „Johannes-Wilhelm Rörig ist“ „der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung“, der sich zu diesen Angelegenheiten bezüglich dem Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche äußert und Maßnahmen dagegen vorschlägt und einfordert.
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« Letzte Änderung: 01. Oktober 2018, 06:06:12 von Martin Mitchell » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 04. Oktober 2018, 01:32:03 »

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Insgesamt bisher nur neun Kommentare. Der jetzt hier wiedergegebene Kommentar ist ein Kommentar abgegeben von einer Frau »annen anne Nerede« am 26. September 2018 um 13:20 Uhr ( Permanenter Link: https://hpd.de/comment/38298#comment-38298 ) zu dem darauffolgenden Artikel im hpd - Humanistischer Pressedienst :

Zitat
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Wie kann man diesen Artikel deutschlandweit massenhaft verbreiten und insbesondere all den verdummbibelten Journalisten und Bundestags-und Landtagsabgeordneten nahe bringen? Die wissen das alles ja nicht......
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Dieser Artikel selbst ist hier zu finden: https://hpd.de/artikel/sieg-des-katholizismus-und-dem-verlust-an-menschlichkeit-15987

Zitat
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hpd - Humanistischer Pressedienst :

Vom Sieg des Katholizismus und dem Verlust an Menschlichkeit

Von: Rolf Bergmeier

26. SEP 2018

Schlagworte: Katholizismus, Geschichte


Im Jahre 385 rollen die Köpfe. Priscillian, Bischof von Faro (Portugal), ein Christ, wenngleich nicht katholischer Art, und weitere sechs Männer seiner Umgebung werden in Trier öffentlich hingerichtet. Ihr Verbrechen: Sie fordern unter Verweis auf die Briefe des Paulus Ehelosigkeit und Verzicht auf Fleisch und Wein, ein Ende der Sklaverei und die Gleichstellung von Frauen. Das ist zu viel. Gerade ist der Katholizismus zur Staatsreligion erhoben worden, gerade wurde die unsterbliche Wahrheit per Dekret verkündet, und immer noch erheben die Schlangen der Häresie ihre Köpfe.

Todesurteil, Enthauptung mit dem Schwert, ist die einsame Entscheidung eines römischen Kaisers, der sich auf ein Gesetz beruft, kaum ein Dutzend Zeilen lang, das das Weltgeschehen neu ordnen wird. Cunctos populos heißt das Gesetz, das den Katholizismus zur alles beherrschenden Religion macht: "Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat. Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen katholische Christen heißen dürfen; die anderen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen." Der Erlass wird das Schicksal Europas entscheiden und die größte Landschaftsveränderung seit Beginn des römischen Imperiums einleiten. Er wird tiefgreifende Spaltungen und Zerwürfnisse provozieren, Religionskriege entfesseln, Kreuzzüge heiligen, Kulturen vernichten und Mitteleuropa klerikalisieren, enturbanisieren und feudalisieren. Er ist ein Sieg des Katholizismus und der Verlust an Menschlichkeit.

Staatskirche

So wird der Katholizismus zur Staatsreligion: Kein Petrus, auf dessen Felsen die Kirche erbaut wurde, lässt sie zur Weltmacht aufwachsen, kein Papst, der im entfernten Rom residiert, keine Mehrheit aufgebrachter Katholiken, sondern ein selbst ermächtigter Kaiser, Theodosius I., gibt anno 380 dem Katholizismus Namen und Macht. Ohne Not unterwerfen sich die Kaiser fortan den katholischen Dogmen und leiten ihr Handeln nicht mehr vom römischen Geist der Verantwortung gegenüber den Vorfahren und der Gemeinschaft ab, sondern von kirchlichen Befindlichkeiten. Nicht mehr jene kleine griechische Polis dient als Vorbild politischen Handelns, die sich im Jahre 490 v. u. Z. gegen ein asiatisches Weltreich aufopfert, um der Gemeinschaft das Überleben zu sichern (und "nebenbei" die Idee der politischen Freiheit weiterreicht), sondern eine selbstbewusst auftretende Kirche, die verlangt, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen, die von "Gemeinschaft" spricht, aber diese als eine Gemeinschaft unter Führung der Bischöfe versteht, als eine Herde von Schafen, die von Hirten geführt werden muss. Schließlich fordert Papst Gregor VII. im Dictatus Papae in unüberbietbarer Weise die völlige Unterwerfung: "Dass er [der Papst] allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann, dass alle Fürsten nur des Papstes Füße küssen, dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen". Von diesem schwersten aller Schläge gegen jeden Gesellschaftsvertrag, gegen den demokratischen Gedanken, gegen die griechische Polis, gegen die römische res publica, gegen die Mündigkeit der Bürger wird sich die westliche Welt bis 1789 nicht mehr erholen.

Feudalismus

Der Wandel geht voll zulasten der Bevölkerung. Ein Jahrtausend lang versinkt das katholische Mitteleuropa in eine geistes- und naturwissenschaftliche Finsternis. Katholische Bischöfe und von Gott eingesetzte Fürsten, die die überragende Bedeutung von Städten als Motor der Innovationen nicht erkennen, werden Mitteleuropa bis zur Renaissance wirtschaftlich lahmlegen.

Aus der Synthese von Thron und Altar, aus Bildungsfinsternis und Herr­schaftsanspruch, aus Kriegsgewinnen und Akkumulation eroberter Immobilien in den Händen der obersten Schicht wächst eine der abträglichsten Wirtschaftsformen der Menschheitsgeschichte auf: der Feudalismus mit Grundherrschaft, Leibeigenschaft und Schollenpflicht. Friedrich Engels charakterisiert ihn wie folgt: "Der Feudalherr bezog von seinen Leib­eignen alles, was er brauchte; entweder in der Form von Arbeit oder in der von fertigem Produkt; die Weiber spannen und woben den Flachs und die Wolle und machten die Kleider; die Männer bestellten das Feld; die Kinder hüteten das Vieh des Herrn, sammelten ihm Waldfrüchte, Vogelnester, Streu; die ganze Familie hatte außerdem noch Korn, Obst, Eier, Butter, Käse, Geflügel, Jungvieh und was nicht alles noch einzuliefern. Jede Feudalherrschaft genügte sich selbst; Europa war auf eine niedrige Stufe herabgedrückt."

Ein stetig wachsender Anteil des Grundbesitzes wandert in die Hände der katholischen Kirche, fränkischer Könige und in die Taschen großer Gutsbesitzer. Der unterste Stand, im wesentlichen "Zins"-Bauern, Unfreie bzw. Leibeigene ("Hörige"), besorgt die täglichen Arbeiten auf dem Hof und den Feldern. Unfreie repräsentieren etwa neunzig Prozent der Bevölkerung, leisten die Kärrnerarbeit und erbringen fast sämtliche Dienstleistungen. Von ihnen wird neben Naturalien- und Fiskalienabgaben regelmäßig eine dreitägige Fronarbeit pro Woche für den Gutsherrn verlangt, zusätzlich einige Wochen Fronarbeit bei der Herbst- und Frühjahrsbestellung. Sie müssen angesichts der dauerhaften Verpflichtung zum Kriegsdienst froh sein, ausreichend Getreide für den eigenen Gebrauch und als Futtermittel für wenige Tiere zu erwirtschaften. Die Belastungen sind so groß, dass viele Bauern kaum noch den Unterhalt der eigenen Familie bestreiten können und in Armut und in die Arme der Wohlhabenden getrieben werden. Dort tauschen die verarmten Bauern ihren Besitz gegen Knechtschaft, später gegen den Status von Hörigen ein und werden im Regelfall wie Immobilien gehandelt und bei Verkauf eines verliehenen Gutes gemeinsam mit dem Gut verkauft. Dieser Feudalismus drückt das Land in eine tiefe Depression.

Diese nahezu bedingungslose Unter­ordnung Halbfreier und Leibeigener unter einem Grundherrn und deren Ausbeutung wird von der Kirche "als von Gott in seiner vergeltenden Gerechtigkeit" begründet und in den eigenen Liegenschaften angewendet. Nach Gregor von Nazianz, Bischof von Konstantinopel, ist die Ständeordnung vorbestimmt. Gott selbst habe gewollt, dass, "die einen, für die es so nützlich ist, geweidet und regiert und durch Wort und Tat zur Pflicht angehalten werden, die anderen aber, welche sich vor dem Volke durch Tugend und durch innige Beziehung zu Gott auszeichnen, Hirten und Lehrer seien". Bischof Burchard von Worms bestätigt die für Kirche und weltliche Herrscher angenehme Interpretation: "Um der Sünde willen, vom Menschen ausgegangen, hat der gerechte Gott das Leben der Menschen unterschiedlich gestaltet, indem er die einen zu Knechten, die anderen zu Herren bestimmt hat, auf dass durch die Gewalt der Herrschenden den Knechten die Freiheit, übel zu tun, beschränkt wird". Verweigerern wird eingeschärft: "Ihr sollt den Priestern gehorsam sein, bereitwillig auf sie hören und den Zehnten Gott getreulich erstatten. Denn wer den Zehnten zurückhält, begeht Raub am Eigentum Gottes". Wer sich dennoch gegen die Zinszahlungen aufbäumt, wird exkommuniziert und sonntags unter Glockengeläut und in aller Öffentlichkeit durch namentliche Benennung diskriminiert oder geht nach dreimaliger Ermahnung in das Eigentum des Klosters über.

So bedienen sich beide, weltliche und kirchliche Machtträger, ohne Hemmungen der Arbeitskraft der Bevölkerung. Zwar zwingen die durch ständige Kriegszüge verursachten Hungersnöte (793), Zinswucher, Getreidespekulationen und überhöhte Preise Karl I. zum Handeln, aber letztlich ist die Macht der kirchlichen und weltlichen Gutsherren zu groß und der von den Kanzeln gepredigte Aufruf, das Schicksal der Armen sei von Gott vorherbestimmt, für einen organisierten Aufstand zu mächtig. Die Menschen fühlen sich nicht mehr als "Volk", eher als "Zubehör der Herrschenden" (Matthias Springer). Zudem hilft eine starke Armee, die von den Bischöfen und Äbten durch Gestellung kircheneigener Regimenter unterstützt und mit einem Schwur an die Feudalherrscher gebunden wird, die soziale Struktur militärisch abzusichern.

Reichtum der Kirche

Gewinner ist vor allem die katholische Kirche. Die schiere Masse an Kirchen und Klöstern – zwischen 1050 und 1350 werden alleine in Frankreich 80 Kathedralen, 500 Kirchen und Zehntausende von Gemeindekirchen gebaut – ist ein Hinweis, warum sich das Mittelalter auf dem Weg in die wirtschaftliche Not befindet: Geld kann man nur einmal ausgeben. Was oben "verprasst" und in Kirchenanlagen verbaut wird, fehlt unten. Ein arabischer Gesandter berichtet über das im Jahre 774 gegründete Kloster Fulda: "Nie sah ich in allen Ländern der Christen eine größere [Kirche] als sie, noch eine reichere an Gold und Silber. Die meisten ihrer Gefäße sind von Gold und Silber. Ferner ist dort ein Götzenbild aus Gold, dessen Gewicht 300 [Pfund] beträgt, mit Hyazinthen und Smaragden besetzt."

Einen Vermögenssprung erwartet die Kirche unter den Karolingern. Pippin, seit 751 König der Franken und Vater Karls des Großen, schenkt dem Papst halb Italien und unter Karl I. wächst das Kirchenvermögen durch Überschreibung von Grundstücken mitsamt Dörfern und Einwohnern zum größten Grundbesitz im Franken­reich auf. Die Abtei Prüm hat im 9. Jahrhundert Grundbesitz vom Rhein bis zur Bretagne und ein ganzer geografischer Landstrich entlang des linken Rheinufers, von Basel bis Köln, geht in den Besitz der katholischen Bistümer über und erwirbt sich den Namen "Pfaffengasse". Und wer den Starnberger See besucht, stellt nach kurzer Recherche fest, dass der See fast vollständig einem halben Dutzend Klöstern gehört hat, mit Ländereien, Fisch- und Marktrechten. Bistümer und Klöster vermehren ihren Güterbestand enorm, wohl auch durch Ausmalung der Höllenqualen und himmlischen Strafen.

Zur Bewirtschaftung der Klöster wird auf die Schaffenskraft externer und abhängiger Menschen zurückgegriffen. Ohne eine Heerschar von Abhängigen und Hörigen sind die Kloster-Latifundien gar nicht zu bewirtschaften. Einer der Spitzenreiter dürfte dabei das Kloster von Saint-Germain-des-Prés sein, dessen Polyptychon, ein mehrteiliges Bestands- und Leistungs­verzeichnis, um 825 mehr als 10.000 Hörige verzeichnet. Den klösterlichen Großgrundbesitzern stehen die Verlierer der mittelalterlichen Gesell­schaft gegenüber, die Masse der "kleinen Leute", die meist froh sind, über den Winter zu kommen. Sie sind es, die die großartigen Anlagen mit ihrer Arbeitskraft bezahlen.

Der Verfall der Städte

Innerhalb eines Jahrhunderts verwahrlosen fast alle Erbstücke, die die Römer hinterlassen haben. Öffentliche Bibliotheken und Theater werden geschlossen, "die Wunderbauten der Wasserleitungen" verfallen, Tempel werden zu Steinbrüchen und Bibliotheken dienen als Lieferanten für preiswertes Pergament. Öffentliche Schulen, die im römischen Reich zur Sicherung der durchorganisierten Bürokratie und des bis in viele Einzelheiten geordneten Rechtswesen unverzichtbar gewesen sind, laufen aus, und an ihre Stelle treten nicht-öffentliche Schulen mit einem auf den Klerus ausgerichteten Ausbildungssystem. Das bisher bestens gewartete Verkehrswegesystem, unverzichtbar für Kommunikation und den Fernverkehr von Militär, Post und Handel, bricht mit dem Ende des 6. Jahrhunderts zusammen. Es bleiben wenige Teilstücke und Regionalstraßen, die sich ihre eigenen Wege suchen, wenn die bisherigen Straßen durch allzu viele Schlaglöcher unpassierbar geworden sind.

Ohne Kultureinrichtungen, ohne Garnisonen und Beamtenschaft bricht in Mitteleuropa die gesamte nicht-klerikale Stadtkultur zusammen. Während die Römer einen ganzen Kontinent mit einer berauschenden Stadtkultur überziehen, die Araber, wo immer sie sich ansiedeln, scheinbar aus dem Nichts blühende Städte zaubern, schaffen es Kirche und fränkische Herrscher, das urbane Erbe in eine städtelose Agrarlandschaft mit eingesprengelten Bischofssitzen zu verwandeln. Karl "der Große" residiert nicht mehr in einer Hauptstadt, sondern aus dem Sattel. Begleitet von seiner Hofequipage auf Ochsenkarren, zieht er mit Sack und Pack von einer Pfalz in die nächste und verbringt seinen Lebensabend in einem Eifel-Kaff, rund tausend Kilometer vom Mittelmeer entfernt, auf den Resten einer von den Römern verlassenen Therme, unter dem Namen "Aachen" bekannt. Sein Königshof wäre im römischen Reich bestenfalls den Ansprüchen eines Provinzgouverneurs gerecht geworden.

Die Wasserleitungen verfallen, so dass die Bürger sich wie in archaischen Zeiten aus Brunnen versorgen und die Notdurft auf die Straße entleeren. Statt in Steinhäusern, in Rom teilweise mit fünf bis sechs Stockwerken, leben die Menschen in armseligen Holzbaracken, vergessen das Schreiben, verstehen die Amtssprache nicht mehr und brauchen Übersetzer, wenn sie kommunale Verordnungen lesen wollen. Sie sind Fremde im eigenen Land, das von zwei mächtigen Kräften beherrscht wird, die sich gegenseitig die Bälle zuwerfen. Von "Demokratie" oder res publica spricht ohnehin niemand mehr. Keiner, der stolz erklärt "ich bin ein römischer Bürger". Dieser Verlust an Gemeinsinn dürfte, neben dem Untergang der Städte, ganz wesentlich zum Verfall des Staates beigetragen haben.

Wunderheiler und Bader ziehen über das Land und bieten ihre Dienste feil. Ärzte mit fundierter Ausbildung gibt es nicht mehr, Krankenhäuser wie in Persien oder in den römischen Legionärsstädten ohnehin nicht. Die stattdessen in Mitteleuropa angebotene Klostermedizin beschränkt sich bis in das 13. Jahrhundert auf die Verab­reichung von Kräutern, auf Quack­salberei mit Steinen und Empfehlungen, Heilige anzurufen und Buße zu tun. Leichenöffnungen stoßen auf großen Widerstand und werden unter der Allmacht der Kirche fast tausend Jahre lang nur heimlich praktiziert.

Der Verfall der Schriftsprache als konstituierendes Element der National­bildung und als Voraussetzung zur Erschließung eines breiten Reservoirs an Intelligenz und Begabung ist durch nichts zu kompensieren. Nur noch Angehörige des Klerus können im Westen lesen und schreiben. Selbst Kaiser und Könige brauchen Hand­reichungen, um wenigstens Kürzel als gekritzelte Unterschriften zu Papier zu bringen. Karlmann unterschreibt mit einem Kreuz, Pippin der Jüngere mit einem Vollziehungsstrich, und Karl I. kann bestenfalls nur rudimentär lesen und schreiben. Latein wandelt sich zu einer Verkündungs-, Propaganda- und Herrschaftssprache, an deren Gebrauch das Volk nicht mehr teilnimmt. Ohne Zugang zu Texten und Dokumenten, ohne gemeinsame Sprache und ohne öffentliche Schulen wird das Volk zur Spielmasse der feudaler Herrschaften. Die Kirche aber gewinnt als Herrin der lateinischen Amtssprache eine ungeheure Macht.

Über allem liegt bleiern ein düsteres Gemenge aus Diesseitsdiskriminierung, Aufruf zur Askese, Buße und Ablass. Pfarrer mahnen zur Einkehr und lösen einen Tsunami der Gefühle aus, wenn sie über Brandungen und Gezeiten sprechen, die nicht von dieser Welt sind. Ein Jüngstes Gericht, so drohen sie, werde das Weltengebäude zersplittern und ewige Strafen verhängen. Sex am Freitag könne Gott nicht leiden und Naturkatastrophen seien als Vorboten der erwarteten Apokalypse umzudeuten. Ein graues memento mori ersetzt das bunte carpe diem. Asketen sind hoch angesehen, ein Leben hinter Mauern führt zur Heiligkeit. Die Suche nach der Wahrheit, das Fragen nach dem Glück des Menschen und der Gedanke von der Freiheit als dem höchsten Ziel allen politischen Handelns sind keine Vokabeln des Mittelalters. Ohne von äußeren Kräften getrieben zu werden, versinkt eine vielfältige, beneidete Hochkultur in einem von Jenseitserzählungen geprägten monothematischen Kulturkreis, der der Religion völlig erlegen ist. Eine Riege frommer Männer wirft den nicht für Bibelexegesen und Predigten nutzbaren Großteil der antiken Kultur auf die Müllkippe. Dort rotten die Reste dahin, bis sich die Renaissance, die Wiedergeburt der Antike, an sie erinnert.

Der Abfall des Katholizismus vom Christentum

Jeder Laie kann es erkennen: Der mittelalterliche feudale, hoch angriffslustige Katholizismus hat mit dem idealistisch-utopischen Neuen Testament in Gestalt der Lukas- und Matthäus-Evangelien nichts mehr gemein. Heinrich Heine erzählt in seiner Geschichte der Religion und Philosophie, "wie das Christentum zum römischen Katholizismus geworden" sei und wiederholt damit Luthers Thesen, dass der institutionelle Katholizismus nicht das eigentliche Christentum widerspiegele. Eine Religion, schreibt Max Weber, die den Ungläubigen und Ketzern nur die Wahl zwischen Konversion und ausgerottet werden lässt und die grausamste Instrumente zur Folterung und Tötung nicht genehmer Glaubensrichtungen erfindet, kann unmöglich mit der Religion der Nächstenliebe identisch sein. Friedrich Nietzsche spricht vom Sterbebett des Christentums, das Christentum Jesu sei "unter die Mörder gefallen" und selbst theologisch argumentierende Kirchenkritiker (Erich Seeberg, Peter Meinhold, Ernst Benz) meinen einen Verfallsprozess des Christentums zu sehen. Erich Kästner schreibt, der liebe Gott sei aus der Kirche ausgetreten, und auch Goethe, wahrlich kein Atheist, drückt seine Abneigung gegenüber der Kirche und dem "Marterholz" unverblümt aus.

Deutlich und unmissverständlich wird der russische Schriftsteller Fjodor M. Dostojewski (1821–1881), der den Abstand der katholischen Kirche zum Ursprünglichen in seiner Novelle Die Brüder Karamasow beschreibt: Der Großinquisitor, oberster Glaubenshüter der Kirche, macht Jesus, der auf die Erde zurückgekehrt ist, klar, dass man ihn nicht mehr brauche: "Wir haben deine Tat verbessert, und sie auf das Wunder, auf das Geheimnis und auf die Autorität gegründet. Und die Menschen freuten sich, dass sie wieder wie eine Herde geleitet wurden. Warum bist du denn jetzt gekommen, uns zu stören? Wir sind schon seit langer Zeit nicht mehr mit dir im Bunde."

Eine Entscheidung, die die Welt bewegt

So ist der Katholizismus eine Religion sui generis, die sich unter Auslassung einer ganzen Epoche schlimmster Menschenfeindlichkeiten mit fremden Federn schmückt. Er wächst nicht aus der Gesellschaft heraus, ist kein Konstrukt seiner Zeit, sondern wird verordnet. In einer einsamen Entscheidung, an der weder der Senat noch das Volk beteiligt sind. Durch einen Erlass vom 28. Februar 380, der Europa fast 1500 Jahre lang beherrscht und dessen Wirkung bis in die Spitzen Südamerikas reicht. Ohne dieses Gesetz wäre die Geschichte anders verlaufen, nicht zwangsläufig friedlicher, aber wohl weniger erbarmungslos, ohne Kreuzzüge, die bis heute die Beziehungen zwischen Orient und Okzident auf traumatische Weise prägen, ohne Zwangstaufen und Indices verbotener Bücher, ohne Inquisition, Hexenverbrennung, Judenverfolgung, ohne Religionskriege und ohne religiös begründete Einschränkung des Wissenschaftsbetriebes.

Die Mesalliance von Staat und Kirche hat den Feudalismus befördert, in dem die weltlichen und kirchlichen Herrscher ihre Untertanen eine kleine Ewigkeit lang im Status von Halbsklaven dirigieren. Der Arme ist unterster Teil der Gesellschaftsordnung, und dort gehöre er durch Gottes Willen auch hin. Niemals in der Menschheitsgeschichte wurde eine derart niederschmetternde Inszenierung von der Verworfenheit des Menschen auf die Bühne gebracht. Niemals wurden Kleinstkindern eine nicht tilgbare Schuld für Vergehen ihrer Ur-Ahnen angelastet. Niemals in der Geschichte der Religionen wurde ein Gott gezeichnet, der eifersüchtig darauf achtet, dass man ihn tagtäglich lobt, und der in grotesker Maßlosigkeit selbst kleinste Vergehen mit ewigen Strafen vergilt. Niemals wurde eine Ethikbilanz durch Pogrome, Zwangsbekehrungen, Bücherverbote, Ketzervertreibungen, Diskriminierungen, Religionskriege, Inquisitionen und die paranoide Überzeugung, Frauen seien unter satanischer Führung darauf versessen, weitere Opfer zu umzingeln und müssten daher verbrannt werden, derart verhagelt wie im Falle der katholischen Lehre. Niemals geschah so viel Unrecht. Tausend Jahre lang. Kann man sich das überhaupt vorstellen?

Der Text erschien ursprünglich in MIZ: Materialien und Informationen zur Zeit, Ausgabe 2/18. Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Alibri Verlags.

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ÜBER DEN AUTOR

Rolf Bergmeier Der Autor ist Althistoriker und Philosoph, hat zuletzt die Bücher "Christlich-abendländische Kultur. Eine Legende" (2014) und "Schatten über Europa. Der Untergang der antiken Kultur" (2012) veröffentlicht. Anfang April 2016 hat er eine 320 Seiten starke Kritik über Karl den "Großen" publiziert.

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Mehr vom Autor auf hpd:

1. Vom Sieg des Katholizismus und dem Verlust an Menschlichkeit
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/sieg-des-katholizismus-und-dem-verlust-an-menschlichkeit-15987 ]
2. Berlin schaut zu. Über die Inhumanität beim Sterben
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/berlin-schaut-ueber-inhumanitaet-beim-sterben-15885 ]
3. Der Abfall des Katholizismus vom Christentum
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/abfall-des-katholizismus-christentum-15432 ]
4. Mit dem Karlspreis zurück ins Mittelalter
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/dem-karlspreis-zurueck-ins-mittelalter-13047 ]
5. Reconquista in Deutschland
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/12583 ]

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« Antworten #6 am: 05. Oktober 2018, 07:06:51 »

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Was der Vatikan jetzt selbst bezüglich dem deutschen Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche in Deutschland, der kürzlich freigegebenen diesbezüglichen STUDIE und der Reaktion der bundesdeutschen Missbrauchskommission zu den Aussagen der Bischöfe dazu berichtet :

Zitat
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Der Newsletter von Vatican News
[ das mehrsprachige Nachrichtenportal des Vatikans ]
[ Siehe WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/Vatican_News (Stand: 24. Juni 2018 ) ]



Newsletter 04/10/2018


Themen: KIRCHE, DEUTSCHLAND, MISSBRAUCH, KATHOLISCHE KIRCHE

Missbrauch: Unabhängige Kommission kritisiert Bischöfe

[ Bundesrepublik Deutschland ]

[ Siehe den diesbezüglichen Artikel @ https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-10/missbrauch-unabhaengige-kommission-bischoefe-studie.html ]

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs zeigt sich über die Erklärung der deutschen Bischöfe vom 27. September 2018 zu den Ergebnissen der STUDIE „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-STUDIE) enttäuscht.

[ Johannes-Wilhelm Rörig ist Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs - Siehe WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes-Wilhelm_R%C3%B6rig (Stand: 22. September 2018 ) ]

Die angekündigten Maßnahmen der deutschen Bischöfe als Reaktion auf die MHG-STUDIE zeuge nicht von der gebührenden Übernahme von Verantwortung von Seiten der Kirche. Vor allem den von sexueller Gewalt betroffenen Menschen werde erneut viel Geduld abverlangt. „Die vage Erklärung wird dem in der STUDIE aufgedeckten Ausmaß sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen und den Dimensionen des Vertuschens innerhalb der katholischen Kirche nicht gerecht,“ fasst die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs zusammen. Die Erklärung wirke halbherzig. Der von Kardinal Marx angekündigte Wendepunkt im Umgang der katholischen Kirche mit Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs werde daraus nicht ersichtlich.

Klärungsbedarf bei „Selbstherrlichkeit von Amtsträgern der Kirche“

Von der Überwindung der „Selbstherrlichkeit von Amtsträgern der Kirche“, wie die Erklärung der Bischöfe am Ende verspricht, sind die angekündigten Schritte noch weit entfernt. Hier sieht die Kommission raschen Klärungsbedarf.

Kirche hat die von der Gesellschaft übertragene Verantwortung zu stemmen

Die Kommission wendet sich an die Deutsche Bischofskonferenz mit der Feststellung, dass die Kirche in Deutschland wichtige Aufgaben der Erziehung, Bildung und Betreuung von Heranwachsenden übernehme. Die Verantwortung für diese werde der Kirche von der Gesellschaft übertragen. Deshalb habe die Gesellschaft auch das Recht auf konkrete Informationen über den Umgang der Kirche mit Betroffenen, über die unabhängige Aufarbeitung der Kirche von Missbrauch an Minderjährigen, über die Auseinandersetzung mit täterschützenden Machtstrukturen innerhalb der Kirche und über die Haltung der Kirche zu Sexualität und Klerikalismus.

Fragen der Kommission an die Bischöfe

Ein umfangreicher Fragenkatalog wurde aus Antwort auf die Erklärung der Bischöfe erstellt. Die Kommission konfrontiert die Bischöfe unter anderem mit folgenden Fragen: Wie wird ein respektvoller, achtsamer, transparenter und partizipativer Umgang mit Betroffenen jetzt gestaltet? - Welche Vorstellungen gibt es über Höhe und Modalitäten von finanziellen Leistungen an Betroffene und wie soll das Verfahren zur konkreten Anerkennung des Unrechts aussehen? Welche Qualitätsstandards werden an Anlaufstellen für betroffene Menschen angelegt und mit welchen finanziellen und personellen Ressourcen werden sie ausgestattet?

Unabhängige Aufarbeitung

Weiters wirft die Kommission die Frage auf, mit welchen Verfahren jetzt sichergestellt werde, dass sämtliche Bistümer eine unabhängige Aufarbeitung auf den Weg bringen und nach welchen verbindlichen Standards die Aufarbeitung erfolge. Wie wollen die Bischöfe Aufarbeitungsgegner in den eigenen Reihen überzeugen? - Werden Betroffene in die anstehenden Aufarbeitungsprozesse einbezogen? - Ist in der katholischen Kirche in Deutschland die Aufarbeitung in den Orden vorgesehen? - Wie werden weitere Defizite der STUDIE (z.B. kein uneingeschränkter Zugang zu den Archiven, Frauen als Täterinnen) bei der Aufarbeitung berücksichtigt?

Überwindung täterschützender und kinderfeindlicher Machtstrukturen

Wie solle die Klärung über jene Kleriker erfolgen, die „über die Täter hinaus institutionell Verantwortung für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen“ haben, zum Beispiel, indem sie die Straftaten vertuscht haben? - Wann werde konkret damit begonnen, strukturelle Veränderungen, die als täterschützend identifiziert wurden, umzusetzen und wer wird daran beteiligt werden?

Haltung zu Sexualität und Klerikalismus

Es sei nachvollziehbar, so die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, dass einige in der STUDIE aufgeworfene Fragen bezüglich der zölibatären Lebensform und des Umgangs mit Sexualität sowie nach dem Beichtgeheimnis Zeit benötigten. Aber welche mittelfristigen Ziele wollen sich die Bischöfe setzen? Welchen Kreis von Externen wollen sie einbeziehen? - Wie zeigt sich die Bereitschaft bei den Verantwortlichen der Kirche, Macht abzugeben, um „ein neues Miteinander in der Kirche“ realisieren zu können?

Mehr Dialog ist gefordert

Die Kommission ist bereit, mit der katholischen Kirche zu den gestellten Fragen und einer umfassenden Aufarbeitung in den Dialog zu treten. Die Kommission hat mit vielen Betroffenen gesprochen. Diese erwarteten Gerechtigkeit, und dazu müsse die katholische Kirche nach wie vor einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Kommission pflegt auch Kontakt zu vielen Menschen, die innerhalb der Kirche im Sinne der Betroffenen für unabhängige Aufarbeitung und Kinderschutz etwas bewegen wollen. Diese Stimmen sollten nun endlich gehört werden, und das Engagement der Betroffenen sollte gestärkt werden, so die Forderung der Kommission.

(pm – hoe)

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QUELLE : Der Newsletter von Vatican News, den ich regelmäßig per Email bekomme.
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« Antworten #7 am: 08. Oktober 2018, 22:50:54 »

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Habt Ihr bemerkt? : Die jetzige Bundesministerin für Justiz, Katarina Barley (SPD) spricht sich gegen die Kirche und für uneingeschränkte und unverwässerte Rechtsstaatlichkeit aus, was die Verbrechen der Kirche betrifft ( jegliche Verbrechen der Kirche betrifft ! ) !!

Zitat
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hpd - Humanistischer Pressedienst :

Katarina Barley zum Missbrauchsskandal

"Das Kirchenrecht steht nicht über dem Strafrecht"

Von: Florian Chefai

5. OKTOBER 2018

Schlagworte: Missbrauch, Katholische Kirche, Justiz


[
QUELLE: https://hpd.de/artikel/kirchenrecht-steht-nicht-ueber-dem-strafrecht-16029 ]

[ FOTO: „Dr. Katarina Barley - Foto: © Thomas Kohler / phototek“ ]


Bundesjustizministerin Katarina Barley kritisiert die katholische Kirche für den fehlenden Aufklärungswillen im Missbrauchsskandal. Gegenüber der ZEIT forderte sie die Öffnung der Kirchenarchive und Akten.

Katarina Barley kritisierte die katholische Kirche bereits Ende September für "jahrzehntelanges Verschweigen, Vertuschen und Verleugnen" im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal. So etwas wie ein Schweigekartell dürfe es nicht geben, erklärte die Justizministerin.

Im Gespräch mit der ZEIT [ Siehe »Was tut der Staat, wenn die Kirche Täter schützt?« (3. Oktober 2018, 16:55 Uhr /  Editiert am 7. Oktober 2018, 11:49 Uhr /  DIE ZEIT Nr. 41/2018, 4. Oktober 2018 /  104 Kommentare) @ https://www.zeit.de/2018/41/katarina-barley-bundesjustizministerin-spd-interview/komplettansicht ] wiederholte sie nun die Forderung, bekannt gewordene Taten anzuzeigen, damit Staatsanwaltschaften diese verfolgen können: "Alles, was strafrechtlich relevant ist, muss und wird von Polizei, Staatsanwaltschaften und Strafgerichten verfolgt werden. Der Eindruck, das werde der Kirche überlassen, ist falsch. Das Kirchenrecht steht nicht über dem Strafrecht – es ist umgekehrt."

Barley wies ferner darauf hin, dass der Rechtsstaat keine Geheimarchive akzeptiere: "Alle Unterlagen in den kirchlichen Archiven können von den Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt und ausgewertet werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen." Zugleich kritisierte sie die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch die Diözesen: "Akten zu manipulieren, um jemanden vor der Strafverfolgung zu schützen, kann eine strafbare Handlung sein!"  

Es sei dringend notwendig, "dass die katholische Kirche ihre Haltung zu Zölibat, Homosexualität und Sexualmoral vor allem von Priestern hinterfragt", erklärte Barley. Vertrauen, dass es in der Kirche von selbst besser wird, habe sie keines.


MEHR ZUM THEMA:

Missbrauchsstudie: "Staatsanwaltschaften sollten jetzt die Kirchenarchive beschlagnahmen!" – Kommentar von ifw-Beiratsmitglied Rechtsanwalt Eberhard Reinecke [ Siehe @ https://hpd.de/artikel/staatsanwaltschaften-sollten-jetzt-kirchenarchive-beschlagnahmen-16001 (28.09.2018) ]

Keine Ausnahmen von der Strafverfolgung für die Kirche und ihre Priester – Kommentar von Prof. Dr. Dieter Rössner [ Siehe @ https://hpd.de/artikel/keine-ausnahmen-strafverfolgung-fuer-kirche-und-ihre-priester-16026 (05.10.2018) ]

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ÜBER DEN AUTOR

Florian Chefai Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur des hpd. Er studiert Philosophie und Soziologie in Trier und ist aktiv bei der Giordano-Bruno-Stiftung.
Seine Interessenschwerpunkte liegen bei der Philosophie der Aufklärung, Ideengeschichte, Ethik sowie Religions- und Ideologiekritik.

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Mehr vom Autor auf hpd :

1. "Das Kirchenrecht steht nicht über dem Strafrecht"
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/kirchenrecht-steht-nicht-ueber-dem-strafrecht-16029 ]

2. "Erzieherinnen haben einen Bildungsauftrag – keinen Verkündigungsauftrag!"
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/erzieherinnen-haben-einen-bildungsauftrag-keinen-verkuendigungsauftrag-16008 ]

3. Schüler protestieren gegen Diskriminierung an katholischem Gymnasium
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/katholisches-gymnasium-mariengarden-bricht-antidiskriminierungsbestimmungen-15999 ]

4. "Dialog darf kein Selbstzweck sein"
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/dialog-darf-kein-selbstzweck-sein-15993 ]

5. Katarina Barley: Die Kirche muss Verantwortung übernehmen
[ Siehe @ https://hpd.de/artikel/katarina-barley-kirche-muss-verantwortung-uebernehmen-15983 ]

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Bisher 14 Leserkommentare zu dem in diesem Artikel angesprochenen Thema im hpd.
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« Letzte Änderung: 09. Oktober 2018, 13:03:03 von Martin Mitchell » Gespeichert

Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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« Antworten #8 am: 10. Oktober 2018, 05:40:17 »

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Schon alles gelesen und so richtig verdaut ?? :

Zitat
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DIE ZEIT im Interview mit Katarina Barley

[ FOTO: Katarina Barley, 49, ist Bundesjustizministerin. Zuvor leitete die SPD-Politikerin bereits das Familienministerium. Die gebürtige Kölnerin war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht und Richterin. © Hans Christian Plambeck/laif ]

[ Siehe auch unbedingt WIKIPEDIA @ https://en.wikipedia.org/wiki/Katarina_Barley ]

INTERVIEW

Katarina Barley:

Was tut der Staat, wenn die Kirche Täter schützt?

Ein Gespräch mit Bundesjustizministerin Katarina Barley über Geheimarchive, bischöfliches Schweigen und ungeahndete Verbrechen.

Interview:
Heinrich Wefing [ Profil: https://www.zeit.de/autoren/W/Heinrich_Wefing/index.xml ]
und
Marc Widmann [ Profil: https://www.zeit.de/autoren/W/Marc_Widmann/index.xml ]


3. Oktober 2018, 16:55 Uhr Editiert am 7. Oktober 2018, 11:49 Uhr, DIE ZEIT Nr. 41/2018, 4. Oktober 2018, 105 Kommentare

Erste Seite: »Was tut der Staat, wenn die Kirche Täter schützt?« @ https://www.zeit.de/2018/41/katarina-barley-bundesjustizministerin-spd-interview

Zweite Seite: »"Wir wollen die Position von Whistleblowern stärken"« @ https://www.zeit.de/2018/41/katarina-barley-bundesjustizministerin-spd-interview/seite-2

Dritte Seite: »"Die Kirche muss transparenter werden"« @ https://www.zeit.de/2018/41/katarina-barley-bundesjustizministerin-spd-interview/seite-3
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Martin Mitchell


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« Antworten #9 am: 12. Oktober 2018, 05:18:49 »

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Ende September 2018, meldete sich auch Matthias Katsch, Mitbegründer der deutschen Betroffeneninitiative »Eckiger Tisch« und des Netzwerks »Ending Clergy Abuse« bezüglich bezüglich dieser von der Katholischen Kirche in Deutschland in Auftrag gegebenen STUDIE und was er erwartet, dass jetzt daraufhin folgt:

Er fordert:


QUELLE: http://www.eckiger-tisch.de/2018/09/28/eckiger-tisch-fordert-unterstuetzung-durch-die-politik-fuer-eine-unabhaengige-aufarbeitung-sowie-angemessene-entschaedigung/ :

Zitat
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ECKIGER TISCH fordert Unterstützung durch die Politik für eine unabhängige Aufarbeitung sowie angemessene Entschädigung

 28. September 2018  kobayashi  Allgemein

Da die katholische Kirche nach ihren kurzen Scham- und Entschuldigungs­bekun­dun­gen auch acht Jahre nach Beginn der öffentlichen Debatte keinerlei konkrete Schritte vorlegt − wie die die Offenlegung ihrer Archive und eine angemessene Entschädigung − fordern wir angesichts der vielen Tausend Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester:

1. Politik und Strafverfolgungsbehörden müssen den Schutz der Betroffenen gewährleisten und tätig werden.

Wir fordern die Politik auf, den Schutz der Betroffenen zu gewährleisten und sie nicht der Willkür der Kirche zu überlassen. Der Staat kann nicht länger zulassen, dass die Verbrechen durch katholische Priester von der Kirche intern geregelt und vertuscht werden. Angesichts des institutionellen Versagens der Kirche bedeutet ein Gewährenlassen gleichzeitig auch ein Staatsversagen.

Wir fordern daher die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland auf, tätig zu werden. Während Staatsanwaltschaften − beispielsweise beim Anfangsverdacht der Vertuschung von Abgasmanipulationen von Kraftfahrzeugen − konsequent ermitteln und etwaiges Beweis­material sicherstellen, ist dies bei Missbrauchsfällen durch Priester im Bereich der katholischen Kirche bislang konsequent unterblieben. Bei Straftaten wie dem sexuellen Missbrauch von Kindern muss die Staatsanwaltschaft tätig werden. Da die katholische Kirche weiterhin keine konkrete Bereitschaft zeigt, Täter zu benennen, fordern wir die Strafverfolgungsbehörden auf, den bekannten Anfangsverdachtsfällen jetzt entschlossen nachzugehen und endlich zu ermitteln.

Im MHG-Untersuchungsbericht wird die Zahl von 1.670 Tätern genannt. Das sind 1.670 konkrete Anfangsverdachtsfälle, denen nachgegangen werden muss: Welche Täter leben noch, welche sind weiterhin aktiv, wie heißen diese Täter, wo fand (oder findet) der Missbrauch statt, welche Fälle sind noch nicht verjährt? Das alles wissen wir nicht, weil die Kirche es nicht wissen will. Die Staatsanwaltschaften, die in den vergangenen acht Jahren in Deutschland untätig geblieben sind, müssen daher jetzt endlich handeln, damit Kinder heute nicht länger einem Risiko durch die noch lebenden und aktiven Täter ausgesetzt sind.

Fälle, die nach dem Dafürhalten der Staatsanwaltschaften offensichtlich verjährt sind, müssen künftig durch eine von der Regierung einzurichtende unabhängige Untersuchungskommission aufgeklärt werden.

Betroffenen muss ein Einsichtsrecht in die ihren Fall betreffenden Unterlagen bei den Bistümern und Ordensgemeinschaften gewährt werden. Die Opfer haben ein Recht darauf, etwas über die Tatumstände und das Handeln der verantwortlichen Vorgesetzten zu erfahren. Auch die Gesellschaft sollte wissen, was aus den Tätern wurde.

2. Wir fordern zu Entschädigungszahlungen auf, die der Schwere des Schadens gerecht werden.

Die Menschen, die in ihrer Kindheit von katholischen Priestern missbraucht worden sind, sind häufig massiv geschädigt worden. Sie müssen lebenslang mit den zerstörerischen Auswirkungen des Missbrauchs weiterleben. Viele Lebensbereiche können von weitreichenden Beeinträchtigungen betroffen sein:

● Viele Betroffene haben in ihrem weiteren Leben erhebliche Probleme bei zwischenmenschlichen Beziehungen, Bindungen und Partnerschaften.
● Oft wurde die Beziehung zum eigenen Körper beschädigt, Intimität und Sexualität sind daher für viele Betroffene problembelastet.
● Viele Betroffene konnten und können sich nicht beruflich und erwerbsmäßig entfalten.
● Viele Betroffene leiden über die gesamte Lebensspanne verschiedenen psychischen Problemen wie Depressionen, andere psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen.
● Manche Betroffene, die nicht die Kraft hatten, mit dem Erlittenen weiterzuleben, haben ihr Leben beendet.

Eine Wiedergutmachung dieser Schäden ist nicht möglich. Die Taten und die Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Eine Entschädigung kann aber dazu beitragen, dass betroffene Menschen besser mit diesem Leben klarkommen und mit den Beeinträchtigungen weiterleben können.

Wenn die Kirche die bisher angebotenen ‚Anerkennungsleistung‘ von bis zu 5.000 Euro mit dem Faktor 100 multipliziert, dann wäre dies ein Betrag, der sich für Betroffene tatsächlich wie der Versuch einer Entschädigung anfühlen und damit dem Ausmaß des persönlichen Schadens ansatzweise gerecht werden würde.

Matthias Katsch / Sprecher ECKIGER TISCH

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Und Matthias Katsch erschien auch kürzlich in einer australischen Radio-Sendung – er sprach aus Rom und er sprach in Englisch – bezüglich dieser von der Katholischen Kirche in Deutschland in Auftrag gegebenen STUDIE and seinen jetzigen Erwartungen:

Matthias Katsch speaking on Australian radio from Rome :

Psychiatrist Dr. Harald Dressing is also participating in this Interview; he was the one leading and coordinating this STUDY :

Totally independent Australian national Broadcaster: ABC RADIO NATIONAL :


Zitat
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Religion and Ethics Report

»German clergy sex abuse report: "Tip of the iceberg"«
( 03.10.2018 / 05.10.2018 ) :

@ http://www.abc.net.au/radionational/programs/religionandethicsreport/an-apology-from-the-german-bishops/10329688

[ Hier kann man sich das vollständige Interview, jederzeit, anhören : ]

@ http://radio.abc.net.au/programitem/pgQ7e4aElV?play=true . [ Natürlich braucht es gute Englisch-Sprachkenntnisse dazu. ]

[ einleitender Text (in Englisch) zu diesem Interview in englischer Sprache : ]


Wednesday 3 October 2018 5:30PM

Presented by Andrew West
[ Profile of Andrew West: http://www.abc.net.au/radionational/andrew-west/3142266 ]

German investigators have been left shaken by the scale of child abuse uncovered in a major internal report released recently. Church and state are not separated as in Australia, and the churches there receive millions of euros in taxation directly from the state.

And now an internal church report has estimated that 1,670 clerics, mostly priests, were found to have committed sexual abuse between 1946 and 2014 on at least 3,677 victims, mostly boys.

That reported German survivor figure is less than the number reported by our Australian Royal Commission. And our Commission had powers of investigation. It’s worth remembering that the Australian Catholic church is just one fifth the size of the 25 million member German Church.

Psychiatrist Harald Dressing led the epidemiological research commissioned by the German bishops’ conference.

Matthias Katsch is a survivor of sexual abuse by a priest, and a member of the Independent Commission of Inquiry on Child abuse in Germany.

Credits:

Presenter: Noel Debien; Producer: Muditha Dias; Sound Engineer: Bryce Halliday; Editor: Joe Gelonesi.


Links:

Eckiger Tisch [ Selbstorganisation von Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Jesuiten-Einrichtungen in Deutschland ] http://www.eckiger-tisch.de/ and http://www.eckiger-tisch.de/2018/09/28/eckiger-tisch-fordert-unterstuetzung-durch-die-politik-fuer-eine-unabhaengige-aufarbeitung-sowie-angemessene-entschaedigung/

Kommissionsmitglieder [ UNABHÄNGIGE KOMMISSION ZUR AUFARBEITUNG SEXUELLEN KINDESMISSBRAUCHS ] https://www.aufarbeitungskommission.de/kommission/kommissionsmitglieder/

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« Antworten #10 am: 15. Oktober 2018, 07:24:57 »

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Stellungnahme von Politikwissenschaftler und grünen Politiker Jürgen Roth, Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne :

Zitat
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hpd - Humanistischer Pressedienst :

[ QUELLE: https://hpd.de/artikel/sexueller-missbrauch-kirchlichen-einrichtungen-staatliche-aufgabe-16052 ]

Kommentar

Sexueller Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen als staatliche Aufgabe?

Von: Jürgen Roth [ Profil: https://hpd.de/autor/juergen-roth ]

12. OKT 2018

Schlagworte: Säkulare Grüne, Missbrauch, Katholische Kirche


[ FOTO: „Symbolfoto – Foto: Pexels.com Public Domain verändert]

Die unter dem Druck der Öffentlichkeit von der Katholischen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie über sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen ist ein erschütterndes Dokument über Missbrauch und Gewalt. Sie zeigt, was passiert, wenn in einer abgeschotteten Parallelwelt ungezügelte Willkür herrscht.

Die Untersuchung selbst liefert leider nur einen ersten Einblick in eine über Generationen dauernde Ausnutzung von Abhängigkeit. Sie ist unvollständig, weil die Kirchenoberen bei der Untersuchung das Heft nie aus der Hand gegeben haben. So wurde den ForscherInnen kein unmittelbarer Zugriff auf die Akten der Diözesen eingeräumt. Die von Mitarbeitern der Kirche durchgesehenen Unterlagen wurden zudem sämtlich anonymisiert. Angesichts dieser massiven Behinderungen konnte nur ein Bruchteil der Fälle offengelegt werden.

Trotz all dieser gezielten Blockaden enthüllt die Studie, dass in kirchlichen Archiven Akten zu mindestens 1670 Tatverdächtigen und 3677 Betroffenen lagern. Die Katholische Kirche hat bisher lediglich bei 122 von 1670 aktenkundigen Tatverdächtigen eine Strafanzeige erstattet; das sind nur sieben Prozent. In den Kirchenakten finden sich 96 Opfer, die mehr als hundertmal von Klerikern missbraucht wurden. Wir haben es offensichtlich mit einem harten Kern von Intensivtätern zu tun.

Angesichts dieser Bilanz des Schreckens muss es auch wohlmeinende Kirchenmitglieder fassungslos machen, dass bislang gegen keinen deutschen Bischof oder einen anderen Amtsträger wegen Strafvereitelung oder Beihilfe durch Unterlassen ermittelt wurde oder gar eine Anklage erfolgt ist. Hier zeigt sich neben allen rechtlichen Problemen auch ein Abgrund von Unwillen, sich mit Kirchen "anzulegen".

Studie zum sexuellen Missbrauch gezielt geschönt

Die Katholische Kirche hat maßgeblich Einfluss genommen auf Fragestellung, Dokumente und Methoden der Untersuchung. Die Forscher haben das mit sich machen lassen. Anders als der ursprünglich vorgesehene Gutachter, der angesehene Kriminologe Prof. Pfeiffer, haben sie es hingenommen, dass ihnen die Einsicht in die Originalunterlagen verweigert wurde. Sie begnügten sich mit "bearbeitetem" Aktenmaterial. Zudem waren nicht einmal alle Bistümer bereit, sich an der Untersuchung zu beteiligen. Von einer unabhängigen Untersuchung kann also nicht die Rede sein.

Angesichts dieser misslichen Rahmenbedingungen sind die gelieferten Ergebnisse alles andere als ein Zeugnis der Aufrichtigkeit und Transparenz seitens der Bischöfe. Sie belegen vielmehr einen eklatanten Mangel an Ehrlichkeit beim Umgang mit eigenem Fehlverhalten.

Kirchen sind kein Staat im Staate

Dieser – sattsam bekannten – kirchlichen Geheimniskrämerei begegnen Politik und Öffentlichkeit leider noch immer mit Nachsicht. Sogar vielfach dokumentierter sexueller Missbrauch gilt als kircheninterne Angelegenheit, die allenfalls den Vatikan etwas angeht.

Die hartnäckige Mär von der rechtlichen Unangreifbarkeit der Kirchen treibt noch immer merkwürdige Blüten. Sie entstammt nicht zuletzt der frommen Legende, wonach es eine "Selbstbestimmungsgarantie" gebe, die sich aus Grundgesetz und Weimarer Verfassung ableite. Richtig ist vielmehr, dass Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV eine "Selbstverwaltung" zugestanden wird. Das ist etwas substantiell anderes als eine "Selbstbestimmung". Nicht einmal der Bundesjustizministerin ist offensichtlich dieser Unterschied geläufig. [ Siehe @ https://www.zeit.de/2018/41/katarina-barley-bundesjustizministerin-spd-interview/komplettansicht ]

Keine der großen Kirchen und keine der vielen kleineren Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft stehen über dem staatlichen Recht. Dieser Grundsatz gewinnt umso mehr an Bedeutung, je ausdifferenzierter sich Religion in Deutschland darstellt. Die Zahl der Mitglieder der Großkirchen ist von rund 95 Prozent in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich zurückgegangen. In wenigen Jahren rutscht die Zahl von 54 Prozent im Jahre 2017 unter die 50-Prozent-Marke. In den größeren Städten und den neuen Bundesländern ist dieser Erosionsprozess bereits wesentlich weiter fortgeschritten als in den ländlichen Regionen. Die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppen sind Muslime in allen Schattierungen sowie die Konfessionsfreien mit rund 40 Prozent.

Konfessionsfreie müssen in der Missbrauchsdebatte den Eindruck gewinnen, sexueller Missbrauch in katholischen Einrichtungen sei eine Art Privatangelegenheit der Bischöfe, die allenfalls dem Papst, nicht aber weltlichen deutschen Gerichten Rechenschaft schuldeten. Eine solche Einstellung ist mit dem Rechtsstaat des Grundgesetzes unvereinbar. Sexueller Missbrauch ist ein gesamtstaatlicher Skandal, der von den staatlichen Ermittlungsbehörden zu bekämpfen ist. Kirchliche Stellen haben hier lediglich eine Pflicht zur Unterstützung. Der Staat hat ein Gewaltmonopol auch gegenüber den Kirchen, die kein Recht auf rechtsfreie Räume haben.

Es gilt der Grundsatz der staatlichen Neutralität

Eine wirksame Strafverfolgung krimineller Kleriker darf nicht von der staatlichen Neutralität in Religionsfragen ausgebremst werden. Staatliches Recht bricht Kirchenrecht! Umgekehrt darf aber auch die Forderung nach mehr Transparenz der Kirchen nicht zu dem Fehlschluss verführen, der Staat möge die Kirchen an die "Kandare" nehmen. Wie sich eine Glaubensgemeinschaft organisiert, ist – im Rahmen bestimmter grundgesetzlicher Vorgaben wie dem Schutz der Menschenrechte – deren eigene Angelegenheit. Das Verbot der Staatskirche und der Grundsatz der staatlichen Neutralität in Fragen des Glaubens und der Weltanschauung setzt staatlicher Einflussnahme auf die interne Organisation dieser Einrichtungen Grenzen. Das ergibt auch heute noch Sinn, ist aber eben keine Bremse für das staatliche Gewaltmonopol bei der Durchsetzung des geltenden Rechts.

Auf einem anderen Blatt steht indes die gesellschaftliche Diskussion darüber, ob ein hierarchischer Organisationsaufbau ohne wirksame Transparenz- und Kontrollinstanzen nicht mit dazu geführt haben, ein Klima zu schaffen, in dem sexualisierte Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen gedeiht und über viele Jahre vertuscht werden kann. So ist auffällig, dass die Studie der Deutschen Bischofskonferenz selbst zu der Erkenntnis kommt, dass zölibatär lebende Priester wesentlich häufiger in Missbrauchsfälle verwickelt sind als verheiratete Diakone.

Um längst erkannte Missstände zu überwinden, sind insbesondere die Reformkräfte innerhalb der Katholischen Kirche gefordert, überfällige strukturelle Veränderungen nicht nur beständig einzufordern sondern auch einmal durchzusetzen. Diese Aufgabe kann und darf ihnen der Staat nicht abnehmen.

Katholische Kirche als oberste moralische Instanz?

Nicht erst heute stellt sich die Frage, ob eine Institution wie die Katholische Kirche ihren Anspruch als staatlich privilegierte "moralische Instanz" aufrechterhalten kann. Eine derartige Sonderstellung wird ihr allzu oft klaglos zugestanden. So beteiligen staatliche bzw. öffentlich-rechtliche Stellen wie z. B. die öffentlich-rechtlichen Medien die Kirchen an Entscheidungen mit ethischen Fragestellungen, so auch beim Jugendschutz. Wobei im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch die Frage der besonderen Sachkunde von Klerikern in einem ganz neuem Licht erscheint.

Fragen an die eigene moralische Glaubhaftigkeit muss sich auch der Stellvertreter des Herrn auf Erden gefallen lassen, wenn er lauthals Schwangerschaftsabbruch mit Auftragsmord gleichsetzt. Eine solche Aussage drückt womöglich die Besorgnis aus, dass jeder Schwangerschaftsabbruch das Angebot für Kleriker verringert.

Die nunmehr fast hundertjährige Sonderstellung der Kirchen als Staat im Staate führt zu zahlreichen unhaltbaren Wertungswidersprüchen. Diese treten nicht zuletzt bei der Behandlung der 1,4 Millionen Beschäftigten kirchlicher Organisationen immer offener zutage. Glücklicherweise hat hier der Europäische Gerichtshof den Anstoß gegeben, verfilzte alte Zöpfe mit der Heckenschere zu Leibe zu rücken. An die Stelle der bestehenden kirchlichen Paralleljustiz haben die staatlichen Arbeitsgerichte zu treten. Gewerkschaften müssen uneingeschränkten Zugang zu den Einrichtungen bekommen und die Einflussnahme kirchlicher Arbeitgeber auf das Privatleben der Beschäftigten ist abzustellen.

Grundlegend zu hinterfragen ist das kirchliche Gerichtswesen in seiner Gesamtheit. Die Anwendung des kanonischen Rechts darf kein Vorwand sein, auch bei Fällen des sexuellen Missbrauchs das Primat staatlicher Gerichtsbarkeit zu unterlaufen. Es ist vielmehr zu untersuchen, ob solche kircheneigenen Institutionen dazu beigetragen haben, sexuellen Missbrauch zu vertuschen und eine Bestrafung der Täter nach staatlichen Normen zu verhindern. Es reicht keineswegs aus, wenn katholische Gerichte selbst keinen Vorrang vor staatlichen Gerichten beanspruchen. Die Existenz jedweder Form von Paralleljustiz schadet der Rechtsstaatlichkeit, die vom Vertrauen in staatliche Institutionen und die Unabhängigkeit der Justiz lebt.

Es ist an der Zeit, die Debatte über Paralleljustiz nicht länger ausschließlich auf die Umtriebe islamischer "Friedensrichter" zu verengen.

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne berät in ihrer Sitzung am 19./20. Oktober [2018] eingehend über die Konsequenzen, die der säkulare Staat aus dem massenhaften sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche zu ziehen hat. Hier stehen u. a. folgende Forderungen zur Diskussion:

1. Es ist eine unabhängige Aufarbeitungskommission einzurichten. Dieser sind sämtliche Akten und Archive zugänglich zu machen, die sich in ihrem Besitz befinden und zur Aufarbeitung der Vorwürfe von Bedeutung sind. Die Regierungen des Bundes und der Länder müssen Druck auf die Bischöfe ausüben, mit der Kommission umfassend zu kooperieren.

2. Es ist ein Verzeichnis der Akten anzufertigen, die vernichtet oder manipuliert wurden.

3. Die unabhängige Kommission, ggf auch die Ermittlungsbehörden müssen dem Vorwurf nachgehen, dass Akten manipuliert wurden, um auf diese Weise Personen im Dienst der Katholischen Kirche vor der Strafverfolgung zu schützen. Hier steht der Verdacht Strafvereitelung mit einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe im Raum.

4. Wo der Verdacht auf mögliche Straftaten besteht, sind die erforderlichen Akten von den Ermittlungsbehörden zu beschlagnahm. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Bistumsarchive über Aktenbestände verfügen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar Straftaten dokumentieren, die noch nicht verjährt sind.

5. Staatsanwaltschaften sollen sich nicht länger darauf berufen müssen, sie bräuchten einen Leak, um einen Anfangsverdacht zu haben und so ermitteln zu können. Aufklärung kann aber nicht so lange warten, bis jemand aus dem Archiv Fälle kopiert und an Behörden oder Medien weitergibt.

6. Die Position von Whistleblowern ist zu stärken: Wer sich offenbart und über Missstände berichtet, soll deswegen keine beruflichen Nachteile erleiden dürfen.

7. Es soll ein unabhängig arbeitender Entschädigungsfonds eingerichtet werden, der aus kirchlichen Mitteln finanziert wird. Der Fond hat sicher zu stellen, dass die Opfer sexuellen Missbrauchs ohne bürokratische und demütigende Überprüfung ihrer Ansprüche eine Entschädigung erhalten. Zu tragen sind die Heil- und Krankenbehandlungen (auch Psychotherapie bei psychischen Schäden), Rentenleistungen, Fürsorgeleistungen und bei Bedarf besondere Hilfen im Einzelfall. Das betrifft Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben, zur Pflege, zur Weiterführung des Haushalts sowie ergänzend zum Lebensunterhalt. Auch Rehabilitationsmaßnahmen wie beispielsweise Kuraufenthalte bzw. Reha-Maßnahmen sollen vom Fonds übernommen werden.

8. Auf der Sitzung der Bundesarbeitsgemeinschaft ist eine vertiefte Debatte über einer weitere Verlängerung der Verjährungsfristen zu erwarten. Hier gilt es darum, die berechtigen Ansprüche der Opfer mit grundsätzlichen rechtsstaatlichen Wertentscheidungen in Einklang zu bringen. Bereits seit dem Jahre 2016 beginnt im Strafrecht die Verjährungsfrist erst mit Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers. Die Frist läuft dann noch einmal 20 Jahre. Eine erneute Verlängerung der Verjährungsfristen könnte letztendlich sogar den Druck auf eine zügige Strafverfolgung vermindern und so die Aufklärung der Straftaten noch weiter auf die lange Bank schieben. Das liefe aber den Interessen der Betroffenen an einer zügigen Aufklärungsarbeit und einer beschleunigten Strafverfolgung zuwider.


ÜBER DEN AUTOR:

Jürgen RothJürgen Roth ist grüner Politiker. Er ist Mitglied im Beirat der Humanistischen Union (HU); von 1984 bis 1996 war er Mitglied des Vorstandes der HU. Er ist zudem Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne.

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WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Roth :
Jürgen Roth (Politikwissenschaftler) (* 1956), deutscher Politikwissenschaftler und Politiker (Bündnis 90/Die Grünen)“

»Das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen in Deutschland« : Wissenschaftliche Dienste @ https://www.bundestag.de/blob/412488/6c8695864984ca961c80e56680c5d75a/wd-6-186-11-pdf-data.pdf (insgesamt 20 Seiten) (Stand: 24.01.2012)

»Kirchliches Selbstbestimmungsrecht« in WIKIPEDIA https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliches_Selbstbestimmungsrecht (Stand: 24.03.2018)

»Deutsches und europäisches Staatskirchenrecht« : Wissenschaftliche Dienste @ https://www.bundestag.de/blob/415154/1d79e78517cba693aa287b580281738d/wd-3-491-06-pdf-data.pdf (insgesamt 16 Seiten) (Stand: 22.01.2007)

Und siehe, z.B., auch von Jürgen Roth : »Schluss mit der Anonymität« (22.08.2018) @ https://hpd.de/artikel/schluss-anonymitaet-15877

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« Antworten #11 am: 15. Oktober 2018, 22:41:22 »

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Fernsehprogramm im Ersten/ARD :

Heute: Montag, 15.10.2018, 23:30-00:15 Uhr

Wiederholung: Dienstag Nacht, 16.10.2018, 3:40 Uhr

oder Mediathek :

Die Story im Ersten: Meine Täter, die Priester


QUELLE: https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/meine-taeter-die-priester-100.html :

Zitat
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Textauszug Fernsehprogramm :

Es ist der gängige Vorwurf: Die katholische Kirche deckt sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen, versetzt den Täter geräuschlos auf eine andere Stelle, unterstützt die Opfer nicht oder kaum. Spätestens seit dem Missbrauchsskandal 2010 sollte sich das hierzulande geändert haben: Die Kirche versprach damals Offenheit und Wiedergutmachung.

Dieser Film zeigt, wie es zwei befreundeten Priestern über fünf Jahrzehnte gelingt, unbehelligt davon zu kommen. Ihre Opfer warten bis heute auf Unterstützung. Weil die Kirchenoberen ihren Fall nur unzureichend aufklären, macht sich einer der Betroffenen selbst auf die Suche.

Ein Film von Eva Müller

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DasErste informiert auch ( weiter unten auf der dortigen Webseite – in Antwort auf einen Leserkommentar ) mit folgendem Hinweis :

Bezüglich dieser Filmdokumentation: »Meine Täter, die Priester« :

QUELLE: https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/meine-taeter-die-priester-100.html :

Zitat
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Neben folgenden Wiederholungen finden Sie den Beitrag ab Ausstrahlung auch zu jeder Uhrzeit in unseren Mediatheken.

DasErste, 15./16. Oktober 2018, 03:40 Uhr

tagesschau24, Freitag, 19. Oktober 2018, 21:17 Uhr (VPS 21.16)
tagesschau24, Samstag, 20. Oktober 2018, 13:15 Uhr (VPS 13.14)
tagesschau24, Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19:15 Uhr (VPS 19.14)
tagesschau24, Sonntag, 28. Oktober 2018, 09:15 Uhr (VPS 09.14)

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« Antworten #12 am: 16. Oktober 2018, 02:11:56 »

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Die Sendung »Die Story im Ersten: Meine Täter, die Priester« begann am Spätabend Montag, 16. Oktober 2018, um 11:45 Uhr (15 Minuten später als zuvor angesagt) !!

Auf der ARD / DasErste-Webseite @ https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/meine-taeter-die-priester-100.html ist jetzt zu lesen :

Zitat
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"Allzu lange ist in der Kirche Missbrauch geleugnet, weggeschaut und vertuscht worden. Die Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit." – Es ist erst vier Wochen her, dass Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, diese Sätze gesagt und alle Opfer von Missbrauch durch katholische Amtsträger in Deutschland um Entschuldigung gebeten hat.

Dass der Umgang der Kirche mit Missbrauch auch aktuell noch problematisch ist, zeigt nun einer der prominentesten Opfervertreter in DeutschlandMatthias Katsch – in einer exklusiven ARD/WDR Recherche auf. Der ehemalige Canisius-Schüler und Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" hat 2010 den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland ausgelöst. Über dreißig Jahre blieben die Verbrechen seiner Täter, der Jesuitenpriester Peter R. und Wolfgang S. im Verborgenen. Erst 2010 werden ihre Taten am Canisius-Kolleg durch Matthias Katsch und seine Mitschüler öffentlich. Und dann? Nur so viel ist bislang bekannt: Beide Täter wurden nach 2010 in Chile gesehen.


Der Missbrauch geht weiter

Weil die Aufklärung nicht voran geht, hat Matthias Katsch die Dinge nun selbst in die Hand genommen. Er ist nach Chile gereist und hat dort nach den Spuren seiner Täter und weiteren Opfern gesucht – und sie gefunden. Story-Autorin Eva Müller hat ihn dabei mit der Kamera begleitet. Die Recherche zeigt: Der zweite Haupttäter am Canisius-Kolleg, Wolfgang S., wohnt bis heute in Chile und hat dort einen Sportverein für Jugendliche gegründet. Er hat seinem ehemaligen Kollegen Peter R. von dort aus Jugendliche zum "Stipendium" nach Deutschland vermittelt. Während dieser Aufenthalte werden die Jugendlichen von Peter R. missbraucht.

Eine Rolle spielt auch das größte Sozialwerk Südamerikas: Christo Vive. Auch von hier aus brachen Jugendliche zu Priester Peter R. nach Deutschland auf, um bis zu einem Jahr bei ihm zu leben. Die Betroffenen sprechen in der ARD zum ersten Mal über Ihren Missbrauch durch Peter R. in Hildesheim, Berlin und Hannover.


Ein Film von Eva Müller
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Martin Mitchell


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« Antworten #13 am: 17. Oktober 2018, 01:07:29 »

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StZ - STUTTGARTER-ZEITUNG.DE

QUELLE: StZ - STUTTGARTER-ZEITUNG.DE (14.10.2018) @ https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.katholische-kirche-in-stuttgart-es-wird-in-hoher-zahl-austritte-geben.46aa15e5-2201-4158-973c-8ee905aee6e3.html?fbclid=IwAR2VytWH4NHLYhgbO4oe18GoDACy06-FE-bLn2oK1ukhlsujm5m_xVIQ0dE

Zitat
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Katholische Kirche in Stuttgart

„Es wird in hoher Zahl Austritte geben“

Von Jan Sellner und Martin Haar - 14. Oktober 2018 - 16:36 Uhr

Angesichts der Studie über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind viele Gläubige erschüttert. Die Kirche muss sich deshalb ändern, fordert der katholische Stadtdekan Christian Hermes und nimmt im Interview kein Blatt vor den Mund.

[ FOTO: „Ein Kirchenmann der klaren Worte: der katholische Stadtdekan Christian Hermes. - Foto: Lichtgut/Leif Piechowski]

Stuttgart - Im System katholische Kirche stimmt etwas nicht – was den Umgang mit Sexualität und Machtstrukturen betrifft. Diese Ansicht vertritt Stadtdekan Christian Hermes, der sich in dieser Woche mit heftiger Kritik zu Wort gemeldet hat. Das löst Nachfragen aus.

Herr Hermes, was hat Sie veranlasst, jetzt mit Ihrer Kirchen-Kritik an die Öffentlichkeit zu gehen?

Die Tatsache, dass uns blankes Misstrauen entgegenschlägt und auch sehr viele treue und gutwillige Kirchenmitglieder zutiefst verunsichert und enttäuscht sind. Und dass wir feststellen müssen, dass wir es nicht mit Einzelfällen, sondern mit systemischen Fehlern und institutionellem Versagen zu tun haben.

Was meinen Sie?

Es geht um theologisch hoch aufgeladene Kirchenstrukturen, bei denen sich zeigt, das sie sexuellen Missbrauch nicht verhindert haben, und mehr noch: teilweise sogar begünstigt haben. Es gibt hier ein Versagen im System, aber, wie mir scheint, auch ein Versagen des Systems.

Können Sie das erläutern?

Im Kirchenrecht gibt es die Kategorie des göttlichen Rechts. Damit wird auch die hierarchische und monarchische Struktur der Kirche begründet. Wenn diese Strukturen Transparenz und Kontrolle verhindern und klerikalen Machtmissbrauch begünstigen, kann das jedoch unmöglich göttlicher Wille sein. Wie sieht es denn aus, wenn wir nicht einmal die weltlichen Standards guter Führung einhalten? Die Kirche täte gut daran, Errungenschaften der politischen Geschichte wie Gewaltenteilung, Amtszeitbegrenzungen, Mitbestimmung, Checks and Balances, unabhängige Gerichtsbarkeit und so weiter zu beherzigen.

Bei Ihnen hat sich einiges angestaut.

Es ist unsere Kirche, in der sich einiges angestaut hat. Das hat sich durch die Veröffentlichung der Missbrauchs-Studie in Deutschland, aber auch die Befunde aus den USA, aus Irland, Chile, Australien und anderen Ländern entladen. Menschen, die sich mit dieser Kirche verbunden fühlen, sind im Mark erschüttert.

Sie auch?

Für mich ist der Punkt erreicht, wo ich mich frage, was ich mittragen und damit mitverantworten kann. Es gibt ja auch die Sünde durch Unterlassung und Schweigen. Vergangenen Sonntag sind in St. Eberhard erstmals zwei neue Glocken erklungen. Auf der einen steht ein Satz des aus Stuttgart stammenden Paters Rupert Mayer: „Ich müsste noch viel mehr leiden, wenn ich schweigen müsste.“ Ein Satz, den wir bewusst „an die große Glocke hängen“. Wir wollen doch für Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit stehen. Das Vertuschen und Verschweigen muss ein Ende haben. Überall und auch in der Kirche.

Wer hat sich schuldig gemacht? Die Kirche insgesamt?

Es ist nachvollziehbar, wenn Außenstehende die Kirche insgesamt in Haftung nehmen. Ich verstehe allerdings nicht, wenn kirchliche Amtsträger Schuld kollektivieren, in dem sie sagen: „wir“ seien schuldig geworden. Wer ist denn „wir“? Es muss klar benannt werden, welcher Bischof sich nicht ordentlich an der Missbrauchs-Studie beteiligt hat, wo Institutionen versagt haben. Warum wird das nicht klar gesagt? Warum ist der Vorschlag, einen innerkirchlichen Strafgerichtshof für solche Fälle einzusetzen, wieder in der Schublade verschwunden? Darauf möchte ich Antworten haben.

Wie ist die Situation in Stuttgart? Gab es hier auch Missbrauchsfälle?

In meiner Zeit als Dekan, also seit 2011, ist mir kein Fall bekannt, bei dem die Kommission Sexueller Missbrauch oder die Staatsanwaltschaft Straftaten ermittelt hätte. Ob die Kommission mit Fällen aus der Vergangenheit befasst war oder mit Vorwürfen, die nicht zu Verfahren geführt haben, weiß ich nicht, weil die Kommission streng vertraulich arbeitet. Klar ist für mich: Jemand, der sich daneben benimmt, hat in der Pastoral nichts verloren.

Haben Sie Verständnis für Menschen, die sich von der katholischen Kirche abwenden?

Ich verstehe, wenn Menschen sich abwenden und sagen, ich kann mich damit nicht mehr identifizieren. Wir können nur ganz demütig darlegen, was wir tun in der Aufarbeitung und Prävention. Ich gehe trotzdem davon aus, dass wir in hoher Zahl Austritte haben werden.

Waren Sie selbst schon an dem Punkt, an dem Sie sich abwenden wollten?

Nein. Ich bin Priester dieser Kirche und bin entschlossen, für meine Überzeugungen einzustehen. Ich übe Kritik nicht an der Kirche, sondern in meiner Kirche, weil ich sie liebe.

Was muss jetzt konkret passieren?

In unserer Diözese haben wir bereits sehr gute und weitgehende Regelungen zur Prävention und für den Schutz des Kindswohls getroffen. Das ist besonders ein Verdienst von Bischof Fürst, der hier seit Jahren entschlossen vorangeht. Ganz wichtig sind nun die Nachhaltigkeit, regelmäßige Kontrolle und eine dauerhafte Kultur der Aufmerksamkeit.

Und Sie wollen den Zölibat öffnen?

Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie. Klar ist aber, dass wir vor allem in der Vergangenheit in unserer Kirche eine Sexualmoral erlebt haben, die Menschen nicht geholfen hat, ein gesundes Verhältnis zu ihrer Sexualität zu entwickeln, sondern eher auf Unterdrückung ausgerichtet war. Der Zölibat wird gefährlich, wo Männer, die ein Problem damit haben, in der Verdrängung die Lösung suchen. Ich bin für die Öffnung des Zölibats, nicht für die Abschaffung. Die Möglichkeit der Befreiung vom Zölibat sollte mehr genutzt werden, wie dies ja zum Beispiel bei konvertierenden anglikanischen Pfarrern schon geschehen ist. Ich persönlich empfinde den Zölibat als sinnvolle Lebensform. Wichtig ist es aber, Priester darin besser zu begleiten.

Was erwarten sie vom Papst?

Ich erhoffe mit vielen Gläubigen, dass der Heilige Vater sehr genau seine Verantwortung wahrnimmt, in dem, was er tut und sagt. Wir haben nun eine Äußerung von ihm gehört, die mich und viele umgehauen hat. Papst Franziskus hat Abtreibung mit einem Auftragsmord verglichen. Er weiß selbst, dass das nicht der kirchlichen Lehre entspricht, die immer die moralische Schuld auch nach den Umständen bemisst. Da müssen wir auch die Gewissensnöte der Frauen sehen und die konkreten Situationen.

Wie reformfreudig ist der Papst?

Papst Franziskus hat viel Gutes angestoßen und in Bewegung gesetzt. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass es aber bei allen Themen um Sexualität und Beziehung viele Spannungen und Verknotungen gibt und wir so nicht weiterkommen. Die Kirche sollte sich, gerade nach diesen Vorfällen, in Fragen der Sexualethik einfach mal ein paar Jahre eine Art Bußschweigen auferlegen. Einfach mal den Menschen zuhören und nachdenken, statt ständig irgendwelche Beurteilungen und Bewertungen über das Leben und die Sexualität der Menschen rauszuhauen.

Sie äußern sich unerschrocken. Was heißt das für Ihre Karriere in der Kirche?

Ich bin sicher nicht Priester geworden, um Karriere zu machen. Ich bin mit mir im Reinen und sage in großer Klarheit: Sollte das, was ich jetzt sage und tue für andere ein Zeichen dafür sein, dass ich ein schlechter Priester bin, dann möchte ich in einer Institution, die so denkt, keine Karriere machen. Aus ethischen Gründen verbietet es sich dann sogar.

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Und siehe auch:


Zitat
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Missbrauch in der katholischen Kirche

Stadtdekan bekommt Rückendeckung

Von Martin Haar und Lena Hummel - 10. Oktober 2018 - 19:29 Uhr

Beim katholischen Stadtdekan Christian Hermes steht das Telefon nicht mehr still. Kein Wunder. Seine Kritik an der eigenen Kirche im Zusammenhang mit dem Thema Missbrauch am Vortag war heftig ausgefallen. Alleine ist er mit seiner Meinung nicht.
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QUELLE: StZ - STUTTGARTER-ZEITUNG.DE (10.10.2018) @ https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.missbrauch-in-der-katholischen-kirche-stadtdekan-bekommt-rueckendeckung.47873d58-3685-4dd5-84d9-5f14047f8a10.html

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Und siehe auch:


Zitat
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Missbrauchfälle in der katholischen Kirche

Stadtdekan Hermes fordert Öffnung des Zölibats

Von Martin Haar - 09. Oktober 2018 - 17:32 Uhr

Erschüttert von den Missbrauchsfällen und der laschen Aufarbeitung in der katholischen Kirche rechnet Stadtdekan Hermes schonungslos ab und kritisiert sogar den Papst.
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QUELLE: StZ - STUTTGARTER-ZEITUNG.DE (09.10.2018) @ https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.missbrauchfaelle-in-der-katholischen-kirche-stadtdekan-hermes-fordert-abschaffung-des-zoelibats.7c6ac325-97ad-4212-8c2b-2c5cc422eaf0.html
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Gespeichert

Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GESCHIEHT VIELFACH BEIDES NICHT.
Martin Mitchell


Beiträge: 1489


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« Antworten #14 am: 19. Oktober 2018, 05:05:07 »

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Sputnik Deutschland (kurze Zusammenfassung):
IMPRESSUM @ https://de.sputniknews.com/docs/about/impressum.html
Verantwortlicher Diensteanbieter gemäß § 5 TMG
Internationale Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya
(Federal State Unitary Enterprise)
vertreten durch den Generaldirektor Dmitry Kiselev
Zubovsky Boulevard 4
119021 Moskau
Russland


Und siehe auch ÜBER UNS: https://de.sputniknews.com/docs/about/ueber_uns.html

HÖCHST AUFSCHLUßREICHER GANZ, GANZ LANGER ARTIKEL !!

Sputnik Deutschland @ https://de.sputniknews.com/religion/20180928322464690-sexuelle-missbraeuche-katholische-kirche/?fbclid=IwAR0l4OM2ARf3g8kmfs3hKPCgZ3MmLmPFW2S5409MhTqD2u8kyrVy72KSgi0 ( a Russian media-internetplatform of the highest international calibre ! ) :


Martin MITCHELL: „Einer der besten und objektivsten Artikel zu diesem Thema !!:

Heidi DETTINGER, 1. Vorsitzende im »Verein ehemaliger Heimkinder e.V.« (»VEH e.V.«): „Unbedingt lesenswert! Der wohl gründlichste und deutlichste Artikel zur Studie "Missbrauch" !!:


Zitat
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Täterschutz mit System – Sexueller Missbrauch in Katholischer Kirche Deutschland

RELIGION - 14:30 28.09.2018 (aktualisiert 16:17 28.09.2018)

Kurzlink für diesen Artikel: https://sptnkne.ws/jDcU

Andreas Peter [ Profil: https://de.sputniknews.com/authors/andreas_peter/ ]


Die Römisch-Katholische Kirche in Deutschland befindet sich in der wohl größten Krise ihrer Geschichte. Die Deutsche Bischofskonferenz hat in Fulda eine Studie vorgelegt, die jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch durch tausende kirchliche Würdenträger sowie systematische Vertuschung und weitgehende strafrechtliche Nichtverfolgung belegt.

Studien und Gutachten sind immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind sie eine komprimierte Informationsquelle für ein ganz bestimmtes, oft komplexes Thema. Andererseits ist entscheidend, wer den Auftrag für eine Studie erteilt, welche Zielstellung er damit verfolgt und welche Datenbasis dafür zur Verfügung steht. Spätestens hier muss auf den wesentlichen Makel der nun vorgelegten Studie der Deutschen Bischofskonferenz hingewiesen werden [ Siehe @ https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2018/MHG-Studie-gesamt.pdf (Umfang: 3.9 MB; insgesamt 366 Seiten) ].

Die Gutachter hatten keinen freien Zugang zu den Archiven der 27 deutschen Bistümer. Sie mussten Fragebögen an die Archivare senden. Dort durchforsteten Rechercheteams die Akten, anonymisierten sie und füllten dann die Fragebögen aus. Aus diesen Daten lässt sich nicht nachvollziehen, welcher Kirchenmitarbeiter in welchem Bistum wann welchen sexuellen Missbrauch an welchen Betroffenen begangen hat und wie die Kirche darauf reagiert hat.

Basisdaten-Probleme

Die Probleme gingen bereits mit den Basisdaten los. Der Auftrag lautete, alle Missbrauchsfälle in der Römisch-Katholischen Kirche Deutschlands zwischen 1946 und 2014 einschließlich Beschuldigten, Betroffenen, Reaktionen und Konsequenzen der Kirche zu ermitteln, zusammenzufassen und zu bewerten. Darüber hinaus sollten Handlungsempfehlungen an die Deutsche Bischofskonferenz gegeben werden.

Selbst Laien wird schnell klar, welche Herkulesaufgabe das gewesen ist. Man kann sich vorstellen, dass die Zahl der kirchlichen Mitarbeiter in diesem langen Zeitraum – immerhin 68 Jahre – beträchtlich gewesen sein muss. Die Römisch-Katholische Kirche meldete [ Die Römisch-Katholische Kirche meldete … Siehe @ https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Zahlen%20und%20Fakten/Kirchliche%20Statistik/Eckdaten%20des%20Kirchlichen%20Lebens%20in%20den%20Bistuemern%20Deutschlands/2017-Flyer-Eckdaten-Bistuemer.pdf ] für das Jahr 2017, trotz anhaltend großer Austrittszahlen, immer noch einen Mitgliederbestand von 23,3 Millionen Menschen. Das sind rund 28 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung. Sie werden nach Angaben der Bischofskonferenz in 10.191 Pfarreien und anderen Seelsorgestellen betreut. Die Katholische Weltkirche gilt dabei gemeinhin als beeindruckend gut organisiert und verwaltet.

Fragwürdige Aktenhandhabung

Umso fassungsloser waren die Forscher aus Mannheim, Heidelberg und Gießen, als sie feststellen mussten, dass von einer wirklich vorbildlichen und einheitlichen Archivierung in den 27 Bistümern Deutschlands keine Rede sein kann. In den Archiven fanden sich 38.156 Personalakten. Doch die Bistümer mussten einräumen, dass diese Akten nicht einmal den lebenden Personalbestand korrekt abbilden. Insbesondere erlebten die Wissenschaftler immer wieder, dass gerade Akten, die Beschuldigte betreffen, in geheimen und gesondert archivierten Handakten ablegt wurden und werden. Es gab keine einheitlichen Archivierungsfristen. Viele Akten erwiesen sich als vernichtet, unvollständig oder sogar manipuliert.

Die Erhebung der Basisdaten – Statistiker nennen das Grundgesamtheit – wurde auch dadurch beeinträchtigt, dass die Mehrheit der Mitarbeiter der zahlreichen katholischen Orden nicht einbezogen werden konnte, weil sie nicht Teil des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) sind.

„Diözese“ ist ein anderes Wort für Bistum. Der VDD ist der Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz, die den Auftrag für die Studie erteilt hat. In die Studie fanden lediglich solche Ordensangehörige Eingang, die sich in einem sogenannten Gestellungsauftrag mit einem deutschen Bistum befanden und befinden und von denen eine Personalakte oder eine andere relevante Unterlage in den Archiven der Bistümer existiert.

Viele Archive nur ab 2000 geöffnet

Als sei das alles nicht schon hinderlich und ärgerlich genug, mussten die Forscher auch noch damit leben, dass nur zehn der 27 Bistümer ihre Archive für den gesamten Untersuchungszeitraum öffneten, obwohl sich alle Bistümer zur Mitarbeit an der Studie verpflichtet hatten. Die 17 anderen Bistümer lieferten dennoch nur Informationen ab dem Jahr 2000. Das Forscherteam notiert deshalb auch lakonisch:

„Vollständigkeit des Aktenbestandes nicht gewährleistet, Kriterien der Durchsicht standardisiert, Aktendurchsicht und Dokumentation von Diözesanpersonal und nicht vom Forschungsprojekt vorgenommen, Grad der Vereinheitlichung über Diözesen hinweg fraglich, Variation der Selektion von Fällen, Beschuldigten und Betroffenen über Diözesen hinweg nicht ausschließbar.“

(MHG-Studie, Seite 26, Teilprojekt 6, Auswahlkriterien und Selektionsmechanismen)

Irgendwann entschlossen sich die Wissenschaftler, die bereits erwähnten 38.156 vorhandenen Personalakten als Grundgesamtheit anzusetzen, obwohl allen klar war, dass diese Zahl nicht die korrekte Zahl der kirchlichen Beschäftigten im Untersuchungszeitraum darstellt. Zusammen mit Strafakten und anderen Unterlagen konnten die Wissenschaftler dennoch eine Datenbasis erstellen, die letztlich zu einem Befund führte, der Gänsehaut verursacht.

3677 Missbrauchsfälle durch 1670 Kirchenmitarbeiter

Demnach wurden 1670 Kirchenmitarbeiter identifiziert, denen mindestens 3677 Missbrauchsfällen zugeordnet werden konnten. Die Studie legt schon wegen der unvollständigen Datenbasis Wert auf die Feststellung:

„Diese Zahl stellt eine untere Schätzgröße dar; der tatsächliche Wert liegt aufgrund der Erkenntnisse aus der Dunkelfeldforschung höher.“

(MHG-Studie, Seite 5, A.2 Zentrale empirische Befunde aus den Untersuchungen, Zahl der beschuldigten Kleriker)

Aus der Kriminologie und Sexualforschung ist schon lange bekannt, dass das sogenannte Dunkelfeld bei sexuellem Kindesmissbrauch deutlich größer ist als das sogenannte Hellfeld, also diejenigen Straftäter, die Polizei, Justiz und Medizinern überhaupt bekannt werden. Das machten die Forscher auch an einem kleinen Rechenbeispiel für ihre Studie deutlich.

Dunkelfeld vermutlich größer

Die Katholische Kirche gewährt allen Betroffenen von sexuellem Missbrauch eine Entschädigung, die in bestem Bürokratendeutsch „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ heißt [ Siehe @ https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/Dossiers/Antragsformular_Leistungen_handschriftlich.pdf (Umfang des Antragsformulars: insgesamt 8 Seiten) ]. Die Forscher gingen routinemäßig auch die Anträge auf diese Leistungen durch und verglichen sie mit Personalakten von Beschuldigten. Dabei stellten sie fest, dass die Beschuldigungen nur in der Hälfte der Fälle Eingang in die Personalakten fanden. Die Studie kommt deshalb zu dem unmissverständlichen Schluss:

„Damit wäre die Hälfte aller Fälle im Rahmen einer reinen Personalaktendurchsicht ohne die aktive Antragstellung der Betroffenen zu ‚Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde‘, nicht entdeckt worden. Dies gibt einen Hinweis auf das Ausmaß des anzunehmenden Dunkelfelds.“

(MHG-Studie, Seite 5, A.2 Zentrale empirische Befunde aus den Untersuchungen, Zahl der beschuldigten Kleriker)

Betroffene leiden oft ein Leben lang

Das Ausmaß der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Betroffenen ist dagegen klar im Hellfeld. Die Betroffenen leiden mitunter lebenslang an den Folgen des oft mehrfachen Missbrauchs. Neben körperlichen Beschwerden sind es vor allem psychische Symptome, die Lebensplanung und Lebensführung der Betroffenen häufig irreversibel beeinträchtigen. Das reicht von Depressionen und Angst-, Schlaf- und Essstörungen über Suizidgedanken, Vermeidungs- und selbstverletzendes Verhalten bis hin zu Alkohol- und Drogenkonsum. Naheliegenderweise geht das oft einher mit Problemen in Ausbildung und Beruf bis hin zur Berufsunfähigkeit und Verarmung. Auch soziale Verarmung ist eine Spätfolge von sexuellem Missbrauch. Betroffene berichten häufig über zum Teil massive Probleme in Partnerschaften und Beziehungen sowie generell im Sozialverhalten.

Den meisten Nichtbetroffenen ist das ganze Ausmaß [ Siehe @ https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/fruehkindlicher_missbrauch_manifestiert_sich_in_der_hirnstruktur/ ] dieser Spätfolgen von sexuellem Missbrauch oft nicht klar. Die Beschuldigten lassen häufig Empathie für die von ihnen geschädigten Betroffenen vermissen. Sie sind oft weder in der Lage noch bereit, sich zu entschuldigen. Das verletzt die Betroffenen zusätzlich. Und die Reaktionen der Katholischen Kirche als Dienstherrin der Beschuldigten tragen dazu bei.

Verdacht auf Pädophilie oder Homosexualität

Ebenso unklar sind in der Öffentlichkeit die Zusammenhänge von zwei Erkenntnissen der Studie, die zwei besonders herausstechende Gruppen von Beschuldigten betreffen. Hier werden gern vorschnelle Pauschalisierungen vorgenommen, die aber nur bedingt weiterhelfen, um das Phänomen und Faktum des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in der Katholischen Kirche hinreichend plausibel zu erklären.

Zum einen ergaben die Untersuchungen der Akten, dass bei 28,3 Prozent der ermittelten Beschuldigten Hinweise auf eine pädophile Neigung vorhanden sein könnten. Wichtigstes Kriterium für diese Vermutung – denn nichts weiter als eine Vermutung stellt dieser Wert dar – ist die Tatsache, dass bei den erwähnten 28,3 Prozent jeweils mindestens zwei Betroffene zugeordnet werden konnten, die jünger als 13 Jahre waren. Ein gültiges alleiniges Diagnosekriterium für Pädophilie [ Siehe @ https://www.kein-taeter-werden.de/story/paedophilie-und-hebephilie.html ] ist das allerdings nicht. Jedem Sexualwissenschaftler würden die Haare zu Berge stehen, wenn das so in der Studie gestanden hätte. Allerdings wurde eine beinah identisch hohe Vermutungsrate (28,2%) innerhalb eines anderen Teilaspektes der Studie angegeben. Das wollten die Forscher nicht als Zufall abtun, selbst wenn die deutliche Mehrzahl der Beschuldigten keine solche sexuelle Präferenz aufweist.

Zum anderen ergab die Auswertung des Datenbestandes, dass in zwei Teiluntersuchungen der Studie vergleichsweise hohe Prozentwerte (14,0 und 19,1) registriert wurden, die auf homosexuelle Neigungen von Beschuldigten hinweisen. Das haben die Forscher deshalb für erwähnenswert gehalten, weil in einer Vergleichsgruppe „Schulen“ nur 6,4 Prozent der Beschuldigten eine homosexuelle Präferenz äußerten. Der Unterschied ist offenkundig und erklärungsbedürftig.

Begünstigt die Kirche sexuellen Missbrauch?

Die statistischen Hinweise auf pädophile und homosexuelle Neigungen könnten mit einer anderen Erkenntnis der Studie in Zusammenhang stehen. Hingewiesen wird dort auf strukturelle Besonderheiten der Römisch-Katholischen Amtskirche, die möglicherweise sexuellen Missbrauch begünstigen. Von den 1670 Beschuldigten waren 1429 Priester – das sind mehr als 85 Prozent aller ermittelten Beschuldigten. Rechnet man noch die 159 Beschuldigten hinzu, die als „Ordenspriester im Gestellungsauftrag“ in den Bistümern tätig waren oder sind, dann erhöht sich der Priesteranteil an den Beschuldigten auf sage und schreibe 95 Prozent. Nur 24 der Beschuldigten waren hauptamtliche Diakone, und bei 58 konnte der Status nicht (mehr) ermittelt werden.

Dass die überwältigende Mehrheit der identifizierten Beschuldigten Priester waren oder sind, kann kein Zufall sein. Deshalb drängte sich eine Schlussfolgerung der Studie regelrecht auf. Die Wissenschaftler äußerten den Verdacht, dass der sogenannte Zölibat einen bedeutenden Einfluss auf das Sexualverhalten der Priester hat. Denn im Gegensatz zu Diakonen schreibt die Zölibats-Regel den Priestern ein Leben in sexueller Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit vor. Schon seit langem wird das von vielen Wissenschaftlern, aber auch Theologen als mindestens lebensfern charakterisiert, weil es die soziobiologischen Bedürfnisse von Menschen ignoriert. Die Studie bemerkt deshalb:

„Auch wenn die Verpflichtung zum Zölibat sicherlich keine alleinige Erklärung für sexuelle Missbrauchshandlungen an Minderjährigen sein kann, legt der Befund nahe, sich mit der Frage zu befassen, in welcher Weise der Zölibat für bestimmte Personengruppen in spezifischen Konstellationen ein möglicher Risikofaktor für sexuelle Missbrauchshandlungen sein kann.“

(MHG-Studie, Seite 12, A.3 Kontextualisierung der Befunde im Hinblick auf spezifische Strukturen und Dynamiken der katholischen Kirche im Verantwortungsbereich der Deutschen Bischofskonferenz, Zölibat)

Zieht die Katholische Kirche bestimmte Männer an?

Die katholische Kirche als männerdominierte Religionsgemeinschaft mit einer mindestens ambivalent zu nennenden Sexualmoral könnte der Studie zufolge vor allem Männer anziehen, die „sexuell unreif“ sind oder ihre eigene sexuelle Präferenz ablehnen. Solche Männer würden deshalb dazu neigen, in vermeintlich klare Regeln und Strukturen zu flüchten, die ein Ausleben dieser Präferenz vermeintlich verhindern. Daneben gebe es einen Männertypus, der sehr genau erkenne, dass die speziellen Strukturen und Gegebenheiten der Katholischen Kirche ein verdecktes Ausleben ihrer sexuellen Präferenz eher befördern als verhindern.

Die Römisch-Katholische Kirche findet eine erneute Grundsatzdebatte über Sinn und Unsinn des Zölibats unerfreulich, wie gequälte Wortmeldungen aus der Bischofskonferenz verdeutlichen. Sie hat erst 2011 eine entsprechende Diskussion mehr schlecht als recht abwürgen können. Wovor sich die Kirche jedoch nicht mehr drücken kann, ist ein Umgang mit Beschuldigten und Betroffen.

Nachsichtiger Umgang mit Beschuldigten

In dieser Hinsicht fallen die Befunde und Bewertungen der Studie eineindeutig aus. Den Betroffenen wurde durch die Katholischen Amtsträger aller Hierarchiestufen über Jahrzehnte hinweg nicht zugehört, nicht geglaubt, nicht geholfen. Ganz im Gegensatz zu den Beschuldigten. Hier stellt die Studie ein erschütterndes Maß an Nachsicht, Milde und Gnade fest, inklusive Wegsehen, Vertuschen, Verheimlichen und Abwiegeln. Die Vernichtung und Manipulation von Akten wurde bereits erwähnt.

Die Studie belegt, dass über die Hälfte (53 Prozent) der Beschuldigten ohne ein kirchenrechtliches Verfahren davonkame. Wenn es um Strafanzeigen geht, fällt das Fazit sogar noch ernüchternder aus. Mehr als 60 Prozent der Beschuldigten mussten keine Strafanzeige ihrer Dienstherrin fürchten. Erschütternd ist auch, dass die Römisch-Katholische Amtskirche in Deutschland jahrzehntelang in geradezu fahrlässiger Weise Beschuldigte innerhalb der Bistümer versetzte, ohne die neuen Gemeinden über Gründe für Versetzungen zu informieren. Das Risiko für Wiederholungstaten ist entsprechend hoch.

Zwiespältige Reaktionen unter Katholiken

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, zeigte sich zerknirscht und beschämt. Direkte Verantwortung wollte er aber nicht übernehmen. Dabei hätte er die Macht für sehr symbolische Schritte, die nicht einmal seinen Rücktritt erfordern, wie auf der Pressekonferenz in Fulda vorgeschlagen wurde. Marx könnte einfach jene Untersuchung endlich öffentlich machen, die unter Verschluss ist und die das Ausmaß von Kindesmissbrauch im Erzbistum München und Freising offenbart. Im Raum steht der Verdacht, die Geheimhaltung hänge damit zusammen, dass kein Geringerer als der emeritierte Papst Benedikt XVI. involviert sein könnte. Als Kardinal Ratzinger war er immerhin zwischen 1977 und 1982 Amtsvorgänger von Kardinal Marx.

Richtiggehend irritierend sind aktuelle Verlautbarungen, die vom derzeit amtierenden Oberhaupt der Katholischen Weltkirche im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch zu vernehmen sind. Auf dem Rückweg von einer Pastoralreise in die baltischen Staaten äußerte sich Papst Franziskus zu den Vorwürfen und Vorfällen gegen die Kirche [ Siehe @ https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2018-09-26/papst-franziskus-zu-missbrauch-und-abkommen-mit-china ]. Sie seien zwar „monströs“. Andererseits sollte solch früheres Fehlverhalten nicht ausschließlich nach heutigen Maßstäben bewertet werden. Früher seien solche Übergriffe und Gewaltakte überall verschwiegen worden, auch und vor allem in den Familien.

Ex-Kurienbischof greift Papst frontal an

Wie sehr die weltweiten Missbrauchsvorwürfe die Katholische Kirche in ihrem Selbstverständnis erschüttert haben, versinnbildlicht ein geradezu atemberaubender Vorgang, der so noch vor kurzem vollkommen undenkbar gewesen wäre. Kein Geringerer als der ehemalige Botschafter (im vatikanischen Sprachgebrauch Nuntius genannt) des Vatikans in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò [ Siehe @ https://www.nytimes.com/2018/08/28/world/europe/archbishop-carlo-maria-vigano-pope-francis.html ], beschuldigte den amtierenden Papst, den wegen sexuellen Missbrauchs bereits kirchenrechtlich durch Papst Benedikt verurteilten ehemaligen Erzbischof des Bistums Washington und Newark in den USA, Kardinal Theodore McCarrick, ohne Not rehabilitiert zu haben.

Dass sich der Papst überhaupt dazu geäußert hat, spricht Bände über den enormen Druck, der auf ihm und der Weltkirche lastet. Auf seinem Rückflug von einer Pastoralreise nach Irland am 26. August 2018 beantwortete Papst Franziskus für alle überraschend eine Frage zu diesen schweren Vorwürfen. Es war ihm anzumerken, wie verletzt, verunsichert, wütend er über diesen Vertrauensbruch eines Mitarbeiters ist, den er immerhin persönlich mit ausgewählt hat. [ Franziskus antwortete … Siehe @ http://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2018/08/27/0597.pdf ] Franziskus antwortete mehr als kryptisch:

„Lesen Sie es selbst sorgfältig und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Ich werde kein einziges Wort dazu sagen. Ich glaube, das Memo spricht für sich selbst, und Sie sind als Journalisten in der Lage, Ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Dies ist ein Akt des Vertrauens: Wenn eine Zeit verstrichen ist und Sie Schlussfolgerungen gezogen haben, werde ich vielleicht sprechen. Aber ich bitte Sie, dass Sie Ihre berufliche Reife dafür verwenden: es wird Ihnen gut tun, wirklich. Das ist genug für jetzt.“

(Bollettino N. 0597, Sala Stampa Della Santa Sede, 27.08.2018, in Englisch, Seite 15, 5. Absatz)

Seither äußert sich Papst Franziskus zu diesem Thema nicht mehr. Erst vor wenigen Tagen hatte er sich zu den Missbrauchsvorwürfen gegen die Katholische Kirche im Allgemeinen geäußert. Gleichzeitig fuhr er einem Journalisten über den Mund, der ihn erneut zum Vorgang McCarrick/Viganò befragen wollte.

Sollen Vorwürfe die Kirche als Gesellschaftskritiker ausschalten?

Interessanterweise gibt es auch Mutmaßungen, die weltweiten Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Weltkirche seien Teil einer Kampagne, um die Römisch-Katholische Kirche als gesellschaftskritische Stimme mundtot zu machen. Natürlich wurde das umgehend als Verschwörungstheorie niedergemacht. Angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die die jahrzehntelangen sexuellen Übergriffe gegen Minderjährige innerhalb der Kirche darstellen, angesichts des Leids, das sie verursacht haben, angesichts der empörenden Nichtachtung der Betroffenen durch die Katholische Kirche, ist eine solche Betrachtung des Gesamtkomplexes natürlich sehr heikel und zieht sofort den Verdacht des Zynismus auf sich.

Aber es ist zumindest interessant, dass die Missbrauchsvorwürfe zum ersten Mal wirklich ernsthaft und schmerzhaft verfolgt wurden, als US-Behörden der Katholischen Kirche strafrechtlich und vor allem finanziell zu Leibe rückten. Unklar bleibt dabei, wie es sein kann, dass die gleichen US-Behörden jahrelang den gleichen Hinweisen und Vorwürfen ausdrücklich nicht nachgegangen sind. In dem Zusammenhang rückt die Tatsache in den Fokus, dass der Vatikan unter Papst Johannes Paul II. eine unheilige Allianz mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan einging, gegen die Sowjetunion und ihren Herrschaftsbereich zu kämpfen.

Obwohl Johannes Paul II. nachgewiesenermaßen besonders die US-amerikanische Ausprägung des Finanzkapitalismus verabscheute, war sein fanatischer Antikommunismus bedeutend größer. Das hatte er mit einigen Päpsten der Neuzeit gemein. Über Jahre wurden US-amerikanische Dollar-Millionen mit Hilfe vatikanischer Kanäle zum Beispiel in die polnische Solidarnosc-Bewegung gelenkt.

Aber es ist zumindest interessant, dass die Missbrauchsvorwürfe zum ersten Mal wirklich ernsthaft und schmerzhaft verfolgt wurden, als US-Behörden der Katholischen Kirche strafrechtlich und vor allem finanziell zu Leibe rückten. Unklar bleibt dabei, wie es sein kann, dass die gleichen US-Behörden jahrelang den gleichen Hinweisen und Vorwürfen ausdrücklich nicht nachgegangen sind. In dem Zusammenhang rückt die Tatsache in den Fokus, dass der Vatikan unter Papst Johannes Paul II. eine unheilige Allianz mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan einging, gegen die Sowjetunion und ihren Herrschaftsbereich zu kämpfen.

Obwohl Johannes Paul II. nachgewiesenermaßen besonders die US-amerikanische Ausprägung des Finanzkapitalismus verabscheute, war sein fanatischer Antikommunismus bedeutend größer. Das hatte er mit einigen Päpsten der Neuzeit gemein. Über Jahre wurden US-amerikanische Dollar-Millionen mit Hilfe vatikanischer Kanäle zum Beispiel in die polnische Solidarnosc-Bewegung gelenkt.

Wegen der enormen finanziellen Bedeutung der US-Bistümer für die Gesamtfinanzen des Vatikans hat das auch Auswirkungen auf die Weltkirche. Der Papst wirkt wegen der anhaltenden Missbrauchsdebatte deutlich gehemmt. Unabhängig davon, ob die aktuelle Missbrauchsdebatte vorsätzlich derart lanciert wurde, wird es für den amtierenden Papst nicht mehr so leicht sein, die bisher flammenden Appelle gegen Armut und Ausbeutung, Flucht und Vertreibung in dieser Art glaubwürdig zu wiederholen.

Nur ein Seitenaspekt: Missbrauch in der DDR

Die Studie der Deutschen Bischofskonferenz beleuchtet nur am Rande die Lage der Katholischen Kirche in der DDR. Der Untersuchungszeitraum der Studie umfasst die gesamte Existenzdauer des zweiten deutschen Nachkriegsstaates. Der Begriff DDR taucht auf den 356 Seiten der Studie ganze drei Mal auf: Einmal im Abkürzungsverzeichnis, einmal in einer „Übersicht über die ausgewerteten Studien zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in nicht-katholischen Institutionen“ (MHG-Studie, Seite 217, Tabelle 5.4.) und zum dritten Mal im Literaturverzeichnis, wo die in der Tabelle aufgeführte Studie „Spezialheime der DDR-Jugendhilfe“ von 2013 aufgelistet wird.

Die Bischofskonferenz verweist darauf, dass das Bistum Magdeburg zu jenen zehn Bistümern gehört, die die Archive für den gesamten Untersuchungszeitraum öffneten. Deshalb könne man durchaus davon sprechen, dass die DDR mit berücksichtig wurde.

Sonderfall: Bistümer in der DDR

Dazu muss man allerdings wissen, dass das Bistum Magdeburg in dieser Form erst seit 1994 besteht. In der DDR war Magdeburg Teil der katholischen Diaspora und hatte den Status eines Erzbischöflichen Amtes und später eines Bischöflichen Amtes. 1990 wurde es schließlich zu einer Apostolischen Administratur erhoben. Das ist eine besondere Form der Verwaltung in der Katholischen Kirche, wenn eine „normale“ Organisation vor Ort nicht gewährleistet werden kann. Ein Apostolischer Administrator hat die gleichen Rechte wie ein Bischof. Die eigentliche Gerichtsbarkeit untersteht aber meistens direkt dem Papst.

Es gab mehrere solcher typisch vatikanischen Lösungen: in Schwerin, Erfurt und Görlitz. Hintergrund dieser Einrichtung ist die Tatsache, dass der Vatikan die DDR zu keinem Zeitpunkt ihrer Existenz als souveränen Staat anerkannte. Andeutungen von dahingehenden Überlegungen waren aus dem Vatikan nur vor Johannes Paul II. zu vernehmen gewesen. Dies konnte mit inzwischen freigegebenen Akten und entsprechenden Buchveröffentlichungen belegt werden.

Sonderbeziehungen zwischen DDR und Vatikan

Bis zum Ende der DDR weigerte sich Rom auch, die Bistumsgrenzen an die Grenzen der DDR anzupassen. Durch die deutsche Zweistaatlichkeit lagen auf einmal Teile westdeutscher Bistümer auf DDR-Hoheitsgebiet. Magdeburg gehörte beispielsweise zum westdeutschen Bistum Paderborn. Der Erzbischof von Berlin, der seinen Sitz in Ostberlin hatte, war auch für Westberlin zuständig, was vor allem nach dem Mauerbau zu fortwährenden Schwierigkeiten führte. Immerhin aber akzeptierte die DDR, dass Theologen an den Universitäten des Vatikans studieren durften. Die DDR akzeptierte auch, dass die Päpste letztlich die Bischöfe ernannten, wenn auch nach einem Listenvorschlag der jeweiligen Domkapitel. Die Historiker stellen heute einigermaßen erstaunt fest, dass die DDR trotz der ideologischen Starrköpfigkeit der DDR-Führung die liberalste Haltung und den entgegenkommendsten Umgang mit der Katholischen Kirche im gesamten ehemaligen Ostblock pflegte.

Ob sich das auch auf die Zahlen des sexuellen Missbrauchs in Katholischen Kirchen und Einrichtungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ausgewirkt hat, lässt sich nicht sagen. Denn die Datenbasis ermöglicht leider auch hierüber keine Aussage.

Quellen:

Die „MHG-Studie“ [ Siehe @ https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2018/MHG-Studie-gesamt.pdf (Umfang: 3.9 MB; insgesamt 366 Seiten) ]

Antrag auf Entschädigung als Betroffener sexueller Gewalt [ Siehe @ https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/Dossiers/Antragsformular_Leistungen_handschriftlich.pdf (Umfang des Antragsformulars: insgesamt 8 Seiten) ]

Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs [ Siehe @ https://beauftragter-missbrauch.de/ ]

Das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ [ Siehe @ https://www.kein-taeter-werden.de/ ]

Das Präventionsprojekt für Jugendliche [ Siehe @ https://www.du-traeumst-von-ihnen.de/ ]

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Gespeichert

Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GESCHIEHT VIELFACH BEIDES NICHT.
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