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Autor Thema: Absage nach Vorstellungsgespräch bei der Müllabfuhr- warum?  (Gelesen 143 mal)
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Frieden2001


Beiträge: 80


« am: 07. Dezember 2018, 01:28:14 »

Ich hatte vor zwei Wochen ein Vorstellungsgespräch bei einem städtischen Betrieb. Es wäre eine Stelle bei der Müllabfuhr gewesen, also Öffentlicher Dienst. Die Einstellungskriterien sind eher niedrig gewesen: Schulabschluss oder mehrjährige Berufserfahrung.

Als ich beim Vorstellungsgespräch auftauchte, musste ich erst mal länger warten, jedenfalls begann es nicht pünktlich. Schließlich wurde ich in den Besprechungsraum gebeten. Ich kam mir vor wie beim Tribunal. Es waren 4 (vier!) Personalangestellte anwesend. Ein/e Azubi/ne, der(die nichts sagte und wohl nur zum Zuschauen und Lernen da war. Dann noch eine weitere Person, die ebenfalls nichts sagte und keine Fragen stellte, mich aber die ganze Zeit beobachtete, aber sich nichts aufschrieb. Dann eine Person, die mir Fragen stellte und die vierte Person, die was zum Betrieb erzählte, sich aber auch ständig Notizen machte. Die vierte Person wirkte sehr distanziert und unsympathisch auf mich. Er lächelte nicht, hatte dauernd einen ernsthaftes Gesicht aufgesetzt und strahlte einfach eine unnahbare Kälte aus. Das verunsicherte mich sehr.

Ich war freundlich, gab jedem die Hand, hielt ständig Blickkontakt und lächelte. Einen Fauxpas leistete ich mir aber gleich zu Beginn: Ich setzte mich auf einen Stuhl, der für einen der Personaler vorgesehen war, der aber kurz den Raum verließ. Der unfreundliche Personaler machte mich darauf aufmerksam "Bitte nehmen Sie den anderen Stuhl." Meint ihr, das hat mich schon die Stelle gekostet?

Die erste Frage war, warum ich mich denn für eine Stelle bei der Müllabfuhr bewerbe, da ich doch aus einer ganz anderen Ecke kommen würde (Gärtner). Ich meinte, ich würde halt gerne im Freien arbeiten und anpacken und Dinge ordentlich halten und mich neu orientieren.
Eine weitere Frage war, wie ich mich verhalten würde, wenn ein erboster Hausbesitzer auf mich zustürmen würde und sich darüber beschweren würde, weshalb der Müll letztens nicht geleert worden wäre. Die wollten so richtig, dass ich mich mit dem Betrieb auseinandersetze, dabei ist es denen letztendlich scheißegal, was man denkt, sobald man den Arbeitsvertrag unterschrieben hat und zur Arbeit kommt.
Immer dieses lächerliche Getue bei den Vorstellungsgesprächen und diese Denkweise aller Vorgesetzten, dass ihr Betrieb der wichtigste und beste im Land sei. Vor 30 bis 40 Jahren ist man wohl noch einfach vorbeigekommen und hat den Arbeitsvertrag per Handschlag getroffen, ohne vorher groß über irgendwelche Biotonnen und Verwertungen des Mülls zu philosophieren. So schlimme Vorstellungsgespräche erlebte ich nicht mal, als ich noch im Gartenbereich aktiv war.

Jedenfalls kam ich mir vor wie bei einem Tribunal und es war alles andere als eine lockere Stimmung. Ich dachte, bei der Müllabfuhr wären nicht so viele Personaler anwesend. Das schockierte mich doch sehr, weil ich nicht damit rechnete. Der Verdienst und die Arbeitszeiten wären attraktiv gewesen, dazu 13. Monatsgehalt. Ich bin echt traurig, weil ich mir echt Hoffnungen gemacht hatte.

Die Absage kam dann einen Tag später per Mail. Es war diese typische vorgefertigte Absage aus Textbausteinen "Wir wünschen ihnen alles Gute für ihren weiteren beruflichen Lebensweg bla bla bla...". Irgendwie hatte ich nach dem Gespräch kein gutes Gefühl, aber trotzdem traf mich die Absage sehr. Ich hatte mich sogar hinterher noch für das Vorstellungsgespräch bedankt und fügte noch Fragen ein, weil der Personaler meinte, ich könne ihm noch Fragen stellen, wenn mir später welche einfallen würden.

Mir wurden generell aber kaum Fragen gestellt. Die eine Dame fragte mich gar nichts, sondern schaute mich nur an (Analyse meiner Mimik und Gestik??) und der unfreundliche Personaler auch nicht. Schon das machte mich stutzig. Letztes Jahr lief es bei einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Postbote ähnlich, auch da wurden mir keine Fragen gestellt und einen Tag später kam die Absage. ich weiß echt nicht, was ich falsch mache, weil ich immer freundlich war und interessiert wirkte.

Mich wurmt das ziemlich, weil es immerhin die 5 Bewerbung dort war in den letzten 10 Jahren. Meistens kam nicht mal eine Antwort. Einmal hieß es, man würde mich nehmen, aber dann wurde die Stellenanzeige doch noch zurückgezogen, warum auch immer. Jetzt endlich die erste Einladung zu einem Gespräch und nun das! Ich bin echt scher enttäuscht und traurig. Es scheint echt schwer zu sein, eine Stelle beim Öffentlichen Dienst zu bekommen. Egal, was ich anfasse oder versuche, es kommt nur Scheiße raus. Mein Selbstvertrauen ist seit 2016 im Keller und es geht immer weiter bergab. Ich befinde mich schon tiefer als das tiefste Tal. Wahrscheinlich irgendwo beim Mariannengraben.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 13013



WWW
« Antworten #1 am: 07. Dezember 2018, 09:31:19 »

Völlig normal bei Vorstellungsgesprächen im ÖD!
Mit den Fragen testen sie, ob du dir vorher über diesen Beruf und den Arbeitgeber Gedanken gemacht hast und informiert bist. Des weiteren testen sie, in wie weit Fachwissen vorhanden ist.
Und natürlich testen sie auch die Kommunikationsfähigkeit, grade in Bereichen, in denen man Kontakt zum Bürger hat.
Müllabfuhr kann ja auch bedeuten, das du im Entsorgungspark den Leuten erzählen musst, wo sie was zu entsorgen haben. Und das auch mit nötigem Nachdruck!

Ich hatte bisher so etwa 10 VSGs im ÖD. Davon ist einmal eine für 6 Monate befristete Stelle abgefallen. Und glaube mir, ich konnte alle Fragen beantworten und bin rhetorisch jetzt nicht so ganz schlecht drauf.
Mach einen Haken dran, es liegt nicht an dir, sondern an der Vetternwirtschaft im ÖD und daran, das nicht der Beste den Job bekommt, sondern derjenige, der die besten Beziehungen hat. (Rate mal, wie ich an den Job gekommen bin!)
Außerdem bezahlen die sowieso ziemlich beschissen! Wink
« Letzte Änderung: 07. Dezember 2018, 09:33:04 von Rudolf Rocker » Gespeichert

Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
dejavu


Beiträge: 934



« Antworten #2 am: 07. Dezember 2018, 11:48:14 »

Selten das einem vier Personaler gegenübersitzen. Haben die sich und ihre Funktion im Betrieb nicht vorgestellt? Ist doch eigentlich üblich...
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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 13013



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« Antworten #3 am: 07. Dezember 2018, 12:48:35 »

Ja, eigentlich stellen die sich vor oder werden vorgestellt. (Und sind meistens auch recht freundlich). Einer von denen dürfte vom Personalrat der Dienststelle sein, dann einer vom Gesamtpersonalrat, der Dienststellenleiter und jemand aus der Personalverwaltung.
Wenn es mehrere Dienststellen betrifft sitzen dann da eben auch mehrere Dienststellenleiter und Personalrat. So kommt man dann auch mal auf 8 Leute in der Runde!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
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