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Autor Thema: Kinderarmut  (Gelesen 80141 mal)
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Carsten König
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« am: 26. August 2005, 10:19:59 »

Zitat
Paritätischer Wohlfahrtsverband: Kinderarmut hat mit Hartz IV Rekordniveau erreicht - "Zu wenig für zu viele"

Die Kinderarmut hat in der Bundesrepublik eine historisch neue Dimension erreicht. Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) hat die Einführung von Hartz IV zum Jahresbeginn die Zahl der von Armut betroffenen Kinder auf eine Rekordsumme von 1,7 Millionen steigen lassen. "Hartz IV heißt zu wenig für zu viele", so das Fazit von Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des DPWV, am Donnerstag in Berlin bei der Präsentation der Studie.
Nach Berechnungen des Verbandes leben über 1,5 Millionen Kinder auf Sozialhilfeniveau. Auf weitere 200.000 schätzt der DPWV die Dunkelziffer der Kinder, die zwar ein Anrecht auf eine Sozialleistung hätten, diese jedoch nicht in Anspruch nehmen. Insgesamt leben 14,2 Prozent der Kinder in Armut - also jedes 7. Kind in Deutschland. Dabei unterscheiden sich die Zahlen stark zwischen Ost- und Westdeutschland. In Westdeutschland beträgt die Kinderarmutsquote 12,4 Prozent, in Ostdeutschland 23,7 Prozent. In etlichen Städten wird sogar die 30-Prozent-Marke deutlich überschritten. Auch in Westdeutschland sind für einige Städte erschreckende Zahlen zu registrieren.
Eklatante Beispiele aus Ost und West sind: Berlin (29,9 Prozent), Schwerin (34,3), Görlitz (35), Halle (34,6), Offenbach am Main (28,7) im bayerischen Hof (20 Prozent), Pirmasens (25,3), Bremerhaven (38,4), Kiel (29,6), Hamburg (20,4).
"Es ist verheerend für ein Gemeinwesen, wenn ein Drittel der Kinder vom normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind", sagte Dr. Ulrich Schneider. "Für Kinder, die von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe leben müssen, ist vieles Tabu, was für andere selbstverständlich ist: Musikunterricht, Turnen im Sportverein, Zoobesuch oder Computerkurs." Nicht einmal Nachhilfeunterricht sei bezahlbar.
"Wir können es uns nicht leisten, 1,7 Millionen Kinder auf einem Einkommensniveau zu belassen, das ihnen schlicht Zukunftschancen nimmt", warnte Schneider. Der DPWV fordert: Beim Bezug von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld muss künftig wieder die Möglichkeit eingeräumt werden, einmalige Leistungen für Ausgaben wie beispielsweise die Einschulung zu gewähren. "Schulranzen, Schultüte, Turnbeutel, Turnkleidung, Federmappe und Schreibhefte addieren sich schnell zu 180 Euro. Wie soll dies bei einem Kinder-Regelsatz von 207 Euro im Monat bestritten werden?" fragte Schneider. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II und Sozialgeld müssten zudem um mindestens 19 Prozent erhöht werden, damit wenigstens annähernd von Bedarfsdeckung gesprochen werden könne. Deutschland brauche darüber hinaus ein Bildungs- und Erziehungssystem, das es schaffe, auch für Kinder aus bildungsfernen Familien Chancengerechtigkeit herzustellen.

Und Rüttgers und Co schwadronieren über mehr Kinder...
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regenwurm


Beiträge: 3537



« Antworten #1 am: 26. August 2005, 10:34:47 »

UN-Studie: Deutschland Spitze
in Kinderfeindlichkeit

Stärkster Anstieg bei Kinderarmut

Eine gestern vom UN-Kinderhilfswerk Unicef veröffentlichte Studie stellt der Bundesrepublik Deutschland ein blamables Zeugnis aus: Hierzulande wächst die Kinderarmut1 stärker als in den meisten anderen Industriestaaten.

Ende 2002 waren 1,02 Millionen, Ende 2003 bereits 1,08 Millionen Kinder auf Sozialhilfe angewiesen - ein Anstieg um 6,2 Prozent. Heute leben bereits 1,34 Millionen Kinder von Sozialhilfe. Nach Angaben des Kinderschutzbundes werden in der Folge von Hartz IV weitere 500.000 Kinder in die Sozialhilfe abrutschen.

Gleichzeitig sinken die Reallöhne bei den unteren zehn Prozent. In dieser Einkommensklasse sanken die Löhne nach Abzug der Preissteigerungen in den letzten zehn Jahren um mehr als 20 Prozent. Und während offiziell von mehr als fünf Millionen Arbeitslosen geredet wird, liegt deren Zahl real längst über sieben Millionen.2 Von 1993 bis 2003 wuchs das Gesamtvermögen in Deutschland nominal um 17 Prozent (real um 10 Prozent) auf fünf Billionen Euro. Während das obere Zehntel der Deutschen 47 Prozent des gesamten Vermögens besitzt, gehören der gesamten unteren Hälfte der Bevölkerung noch ganze 4 Prozent.

Arme Kinder leiden oft unter Streß und geringem Selbstbewußtsein. Und sie nutzen Sport zu selten als Ausgleich für Belastungen. Dies ist kein Zufall bei ständig dezimierten Angeboten. Ein Beispiel: Immer weniger Kinder lernen Schwimmen. Eines der beliebtesten Abzeichen bei Kindern ist das "Seepferdchen". Doch immer mehr Stadtteil-Bäder fallen dem Rotstift der Stadtverwaltungen zum Opfer. Immer mehr Bademeister werden eingespart. Immer mehr Schwimmunterricht in den Schulen fällt aus. Selbst der konservative Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, erklärte kürzlich zu den Einsparungen: "Dies ist vielleicht kurzfristig der leichtere Weg, sachgerecht und zukunftsichernd sind solche Lösungen nicht. (...) Wenn Kinder nicht schwimmen lernen und Jugendliche nicht schwimmen können, dann ist das ein gesellschaftlicher Skandal." Und weiter: "Wir müssen verhindern, daß Menschen aller Altersstufen ihr Gesundheits- und Lebenselixier Schwimmen nicht mehr pflegen können, weil das Bäder-Netzwerk gravierende Lücken aufweist."

Zudem erreichen viele Gesundheitsangebote arme Familien nicht. Beispielsweise ist nahezu ein Drittel der Kinder von Langzeit- arbeitslosen nicht ausreichend geimpft. Arme Kinder leiden häufiger an Übergewicht, Karies, Infektionen und an Asthma. Arme Kinder erleiden statistisch signifikant häufiger Unfälle. Sie erleiden im Durchschnitt doppelt so oft Verbrühungen und Verkehrsunfälle.

Wie schon PISA gezeigt hat - was jedoch viel zu wenig in der öffentlichen Diskussion auftaucht - sind die unterschiedlichen Bildungs-Chancen in keinem anderen europäischen Land so extrem unterschiedlich zwischen Arm und Reich wie in Deutschland. Und auch dies ist unter "Rot-Grün" in den letzten sechs Jahren nicht etwa abgemildert worden, sondern dieser Zwiespalt wurde noch vertieft.

Je jünger Kinder sind, desto häufiger sind sie auf Sozialhilfe angewiesen. Bei der Gruppe der 15- bis 17-Jährigen: 4,7 Prozent. Bei der Gruppe der Unter-7-Jährigen sind es 8,6 Prozent. Eine Lawine kommt auf uns zu!

Zwei Fragen zum Schluß: Was ist eigentlich die Aufgabe von Renate Schmidt im Schröder-Kabinett? Wie war das noch mit dem Gedöns?

Quelle:
von Harry Weber
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Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
BGS
Polarlicht


Beiträge: 2885



« Antworten #2 am: 26. August 2005, 11:48:41 »

Zitat
Original von regenwurm
UN-Studie: Deutschland Spitze
in Kinderfeindlichkeit
Stärkster Anstieg bei Kinderarmut
...
Während das obere Zehntel der Deutschen 47 Prozent des gesamten Vermögens besitzt, gehören der gesamten unteren Hälfte der Bevölkerung noch ganze 4 Prozent(1.).
...
Zudem erreichen viele Gesundheitsangebote arme Familien nicht. Beispielsweise ist nahezu ein Drittel der Kinder von Langzeit- arbeitslosen nicht ausreichend geimpft. Arme Kinder leiden häufiger an Übergewicht, Karies, Infektionen und an Asthma (2.). Arme Kinder erleiden statistisch signifikant häufiger Unfälle...

... sind die Bildungschancen in keinem anderen europäischen Land so extrem unterschiedlich zwischen Arm und Reich wie in Deutschland(3.). Und auch dies ist unter "Rot-Grün" in den letzten sechs Jahren nicht etwa abgemildert worden, sondern dieser Zwiespalt wurde noch vertieft(4.).
...

Nicht zu vergessen die vielen Erwachsenen, die sich angesichts der geschilderten Entwicklung den Kinderwunsch versagen haben müssen, aus rein ökonomischen Gründen. Kinder vergrössern das Risiko , arm zu bleiben oder zu werden, immens. Persönlich könnte ich es mir bislang leider nichtmal im Ansatz leisten, auch nur 1/2 Kind anständig zu ernähren, trotz guter Ausbildung, vieler Jahre des Arbeitens, hervorragender Zeugnisse etc. etc. Wer Kinder hat, ist der Willfährigkeit der Arbeitgeber in noch stärkerem Maße ausgeliefert und kann sich überhaupt nicht wehren, da ökonomisch gefesselt.

1. Es ist schlicht ein Skandal, dass quasi die Hälfte der Bevölkerung sich mit ganzen 4 Pozent des gesamten Eigentums zufriedengibt, ohne zu murren.

2. Hier wachsen psychische / körperliche Wracks heran, denen zum grossen Teil ein Leben im sozialen Abseits mit allen negativen Folgeerscheinungen auch in späteren Lebensjahren bevorsteht. Eine Zeitbombe.

3. Eine Heer von schlecht ausgebildetem Stimmvieh mit soviel Widrigkeiten im täglichen Leben, dass für Reflexion oder Verbesserung der eigenen Lebensumstände kein Raum bzw. keine Energie mehr bleibt, soll auf Abruf im Niedriglohnbereich zur Verfügung stehen und alle vier Jahre brav sein Kreuzchen machen, aber bitte an der richtigen Stelle. Fehlende Bildung hat auch zur Folge, dass die Betroffenen kaum wissen, wie sie sich effektiv wehren könnten.

4. Die rot-grüne Koalition hat die Gegensätze im Land weiter absichtlich verschärft. Warum spricht z. B. niemand von der Tatsache, daß Hans Eichels Steuerreform aus dem Jahre 2000 dazu geführt hat, dass bei Grossverdienern (ab 1 Mio / Jahr) das Nettoeinkommen um über 22 Prozent gestiegen ist. Wer 100.000 Euro verdient, wurde um 12 Prozent entlastet, während immer grössere Teile der Bevölkerung in Armut versinken?
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Carsten König
Gast
« Antworten #3 am: 26. August 2005, 12:03:18 »

Der Armutsbericht der Kinder in Deutschland ist nicht mehr und nicht weniger als ein Armutszeugnis für inkompetente Politiker, organisierten Sozialklau durch die Unternehmen und zur Staatsideologie erhobenen neoliberalen Unfug.

Ein sozialpolitisches Rollback will in Deutschland Verhältnisse des Manchesterkapitalismus und des autoritären Obrigkeitsstaates oktroyieren.

Nieten in Anzügen, gegen die die Panzerknacker Entenhausens liebenswerte Zeitgenossen sind.

Zeit für den Abpfiff!
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LinksDenker
Gast
« Antworten #4 am: 26. August 2005, 12:15:45 »

[Neoliberale Denkweise EIN]
Dürfte dann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Kinderarbeit wieder eingeführt wird. (Ab 15 geht es ja prinzipell schon). Würde man z-B ab 4-5 Anfangen, spart man sich die Ganztageskrippen, Kittas, und Ganztagesschulen. Außerdem kann man dann die Kinder direkt an ihre Zukünftige Arbeitstelle Anpassen, was die überflüssigen Schulausbildungen (Die ja u.u zu einer eigenen Meinung Führen) einspart.

Im Übrigen, alles was Arbeitsplätze Schaft ist gut, und Kinderarbeitspläte sind die billigsten.

[Neoliberale Denkweise AUS]
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aian19


Beiträge: 1499



« Antworten #5 am: 30. August 2005, 13:42:12 »

Deswegen wird ja auch in schöner Regelmäßigkeit bei Olli Geißen auf RTL auf alleinerziehenden und/oder HARTZ IV-Abhängigen jungen Müttern rumgehackt !
Nicht, das die´s schon so schwer genug hätten, hier mal das für und wieder von Kindern mit Kindern außer acht gelassen !
Und wenn ich dann schon höre: "Man muss sich Kinder leisten können...." - von 8.-€ Brutto/Stunde kann man sich nicht mal 1 Kind leisten...., von 1.-€/Std. schon gar nicht ! shocked
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"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin
Spätlese


Beiträge: 797


« Antworten #6 am: 15. September 2005, 16:22:12 »

Aus dem Umfeld (Namen und Orte natürlich wie immer verändert, um das Persönlichkeitsrecht nicht anzutasten!) ein makabres Beispiel:

Kinderarmut - ein geeigneter Vorwand auch für "Rabeneltern" um das ungeliebte Kind los zu werden.

Ehepaar Hannelore und Wahnfried, Mitte 30, erlagen vor 15 Jahren dem Konsumrausch bzw. der daraus resultierenden Verblödung.
Häuschen musste her, Wohnwägelchen, ein Fast-Oberklasse PKW - alles in allem Schulden in 6 stelliger Größenordnung sind vorhanden. Hannelore ist seit 2 Jahren arbeitslos, Wahnfried arbeitet noch bei einem Discounter. Raten können nicht mehr bedient werden. Lohnpfändung steht demnächst ins Haus.

Hannelore hat aus erster Ehe eine Tochter mit in die Ehe gebracht, die von Wahnfried aber nicht adoptiert wurde. Trotzdem bzw. daher gibts für die heute 14jährige Gisela nur ca. 155 Euro Kindergeld pro Monat.

Die kleine Gisela ist seit jeher ein missratenes Kind, lernunwillig, wenig intelligent, rotzfrech, tätigte mit 8 Jahren den ersten Ladendiebstahl, mit 10 klaute sie Pausengeld von Klassenkameraden und aus Mutters Börse - gefolgt vom nächsten Ladendiebstahl = 6 Dosen Pfirsiche usw. usw.. Mit 13 dann die ersten Nächte mit Jungs ausgeblieben.
Diese Verhaltensweise hat die der kleine Gisela jedoch nicht selbst zu verantworten, sondern sie beruht darauf, dass die Mutter selbst klotzdoof ist, kein Interesse für das Kind zeigt, nicht an der schulischen Entwicklung interessiert ist usw. usw. - und Mutti Hannelore war ja schliesslich das glänzende Vorbild.

So nun fressen die Schulden die Familie auf, die Kindergeldzuschüsse werden als Wirtschaftsgeld missbraucht, die Tochter Gisela rennt in abgetragenen viel zu großen Sachen der Mutter rum. Man kann sich jetzt gar nicht mehr um sie kümmern. Freizeitbedarf, Kleidung, mal wegfahren - alles Fehlanzeige.

Schulische Leistungen alles mangelhaft und ungenügend, bis auf Musik - die Lehrer haben sie bis heute ohne "sitzenbleiben" mit durchgeschleppt, nun schwänzt die kleine Gisela auch noch tageweise die Schule und treibt sich sonstwo rum (nicht etwa in Berlin, sondern in einem 1500-Seelen-Kaff auf dem Lande).

Mit Hilfe des zuständigen Jugend- und Sozialamtes in M ist es der Mutter nun endgültig gelungen, die "eigene Leibesfrucht" zu entsorgen. Bereits 4 Jahre wurde auf Empfehlung des Jugendamtes die kleine Gisela in einer Kinderklinik für Jugendliche mit psychischen Defekten untergebracht. Die freuen sich dort, wenn die Bettenplätze ausgelastet sind. Immer in den Sommerferien für 8-10 Wochen - während die Eltern in diesem Zeitraum 1-2 Mal verreisten.

So nun hat diese Kinderklinik "psychische Defizite" ausgemacht (auf Grund der Vernachlässigung im Elternhaus) und dem Jugendamt eine Einweisung ein ein Jugendheim oder zu Pflegeeltern empfohlen.

Jugendheim wurde abgelehnt, zu teuer - monatliche Kosten 1800 Euro!!! Aber schwuppdiwupp, fanden sich Pflegeeltern, bei der die kleine Gisela jetzt schon wohnt. Die Pflegeeltern erhalten pro Monat rund 750 Euro vom Jugendamt für den Aufwand bzw. die Unterbringung aus Steuermitteln der arbeitenden Bevölkerung.

Ehepaar Hannelore und Wahnfried bekamen nun zwar die 150 Euro Kindergeld gestrichen und sind, insofern bei den Pflegeeltern das 1/4 Jahr auf Probe gut verläuft, die kleine Gisela bis zum 18. Lebensjahr los.

(Fragt man sich, warum die 750 Euro nicht gleich als Sachleistung, also z. B. als Lebensmittel und Kleidung an die bisherigen Eltern gehen.)
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Alle von mir getätigten Aussagen/Antworten/Kommentare entsprechen lediglich meiner persönlichen Meinung und stellen keinerlei Rechtsberatung dar.
Carpe Noctem


Beiträge: 1391



« Antworten #7 am: 15. September 2005, 17:34:36 »

Zitat
Original von Spätlese
(Fragt man sich, warum die 750 Euro nicht gleich als Sachleistung, also z. B. als Lebensmittel und Kleidung an die bisherigen Eltern gehen.)

Wahrscheinlich weil die Eltern das eh nur im Urlaub verjuxen während die Tochter mal wieder in die Klappse abgeschoben wird  angry

Grüsse - CN
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regenwurm


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« Antworten #8 am: 04. Dezember 2006, 12:32:54 »

Zitat
von BGSU
N-Studie: Deutschland Spitze
in Kinderfeindlichkeit
Stärkster Anstieg bei Kinderarmut
...
Während das obere Zehntel der Deutschen 47 Prozent des gesamten Vermögens besitzt, gehören der gesamten unteren Hälfte der Bevölkerung noch ganze 4 Prozent(1.).
...
Zudem erreichen viele Gesundheitsangebote arme Familien nicht. Beispielsweise ist nahezu ein Drittel der Kinder von Langzeit- arbeitslosen nicht ausreichend geimpft. Arme Kinder leiden häufiger an Übergewicht, Karies, Infektionen und an Asthma (2.). Arme Kinder erleiden statistisch signifikant häufiger Unfälle...

Auf dem Kongress „Armut und Gesundheit“ in Berlin wurde gestern erneut festgestellt, dass die Lebenserwartung der Armen in Deutschland bis zu zehn Jahre geringer ist, als die der Durchschnittsbevölkerung. Diese Erkenntnis ist natürlich nicht ganz neu, trotzdem kann man sie nicht oft genug wiederholen.
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Ragnarök


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« Antworten #9 am: 04. Dezember 2006, 13:16:51 »

@BGS,


Zu 1: War schon immer so und wird nur immer deutlicher, nur halt nicht jedem Bewusst!

Zu 2: Sehe ich jeden Tag und zweimal die Woche intensiv wenn ich Essen ausgeben bei der Tafel, bei den Älteren brennt die Lunte bereits, die jüngeren wären noch beeinflussbar wenn die Mittel da wären!

Zu 3: siehe zu 1, und war auch schon immer so, Beispiel Lesen lernen (Latein, Bibel) war dort ja verboten, seinerzeit im Mittelalter durch die Kirche!  

Zu 4: siehe zu 1, und Rot/Grün wählen heisst den Bock zum Gärtner machen.
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„Wer den Mindestlohn für die Zeitarbeit ablehnt, will nicht Arbeit sondern Armut vermehren."

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« Antworten #10 am: 04. Dezember 2006, 13:45:12 »

This Be The Verse lyrics

They fuck you up, your mum and dad
They may not mean to but they do
They fill you with the faults they had
And add some extra, just for you
But they were fucked up in their turn
By fools in old style hats and coats
Who half the time were soppy-stern
And half at one anothers throats
Man hands on misery to man
It deepens like a coastal shelf
Get out as early as you can
And don't have any kids yourself
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Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.
regenwurm


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« Antworten #11 am: 18. Dezember 2006, 16:22:19 »

Suppenküchen mit wachsendem Zulauf: «Für manche die einzige Mahlzeit am Tag»

Viele Kinder träumen von einem Mountainbike oder einer Playstation zu Weihnachten, andere wünschen sich einfach nur einen vollen Bauch. Kinder mit ständig knurrendem Magen gibt es mitten in Deutschland - in einem der reichsten Länder der Welt haben Suppenküchen in Berlin und Gütersloh oder auch eine Kindertafel in Köln reichlich Zulauf. «Die Kinder haben Hunger, hier wird gut gegessen, denn für manche ist es die einzige Mahlzeit am Tag»

Den Kids sieht man ihre prekäre Lage oft nicht an. «Wir haben auch wohlgenährt aussehende Kinder, die aber tatsächlich ganz schlecht ernährt sind», sagt Thielen. Viele stammen aus kinderreichen Migranten-Familien, leben von Sozialhilfe oder einem geringen Arbeitseinkommen des Vaters. «Man sollte glauben, mit Hartz IV kann man auskommen, aber der Albtraum ist schon da, wenn die Waschmaschine kaputt geht. Und gespart wird fast immer am Essen», weiß die Sozialarbeiterin. Viele Schüler leben beengt auf gut 60 Quadratmetern mit sechs oder sieben Personen - in einem Wohnumfeld, wo Drogen- und Alkoholmissbrauch nicht selten sind, ergänzt Caritas-Kollegin Elke Böhme-Barz.

Quelle
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« Antworten #12 am: 16. Januar 2007, 21:41:28 »

»Dann häng ich lieber ab«
Die Zahl der Straßenkinder steigt / Experten beklagen Kürzungen bei Hilfsprojekten
 


Die Kinderhilfsorganisation terre des hommes verweist auf die gestiegenen Zahlen von Straßenkindern in Deutschland. Betreuungseinrichtungen beklagen die Kürzungsmaßnahmen in diesem Bereich der Sozialarbeit.


Eigentlich hatte sich Dennis vorgenommen, nach der Förderschule eine Ausbildungsstelle als Maler zu bekommen. Lange Zeit schien es in der Schule auch zu klappen. Er kam regelmäßig und bemühte sich um eine gute Mitarbeit.
Doch als sein Vater immer nur Absagen auf seine Bewerbungen bekam und anfing zu trinken, da »wurde unsere Dreizimmerwohnung einfach zu klein«, beschreibt Dennis den Wandel in seiner Familie. Zu viert auf 50 Quadratmetern – da fiel ihm zunehmend die Decke auf den Kopf. Zuflucht suchte er fortan auf dem Hamburger Dom, der großen Kirmes in Hamburg. »Dann häng ich lieber da ab, als meinen schreienden Vater zu ertragen«, erzählt der 16-Jährige.

Quelle
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« Antworten #13 am: 23. April 2007, 21:51:04 »

Zitat
Kinderarmut gestiegen
Zahl der sozial bedürftigen Minderjährigen in Deutschland auf Rekordniveau. Bundesagentur für Arbeit mit Erfolgsbilanz
Von Ralf Wurzbacher

Die Kinderarmut in Deutschland hat infolge der sogenannten Hartz-Reformen dramatisch zugenommen. Nach einem Bericht des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) ist die Zahl der von Sozialleistungen abhängigen Minderjährigen binnen eines Jahres um über zehn Prozent gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2006 bezogen demnach 1,887 Millionen Kinder unter 15 Jahren Sozialgeld in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft, 173000 mehr als im Jahresmittel 2005. Mit 1,9 Millionen Betroffenen wurden die bis dato höchste Zahl bedürftiger Kinder im Dezember 2006 ermitteln. Das entsprach mehr als 16 Prozent der bundesweit lebenden unter 15jährigen.

»Familien mit Kindern tragen offensichtlich ein höheres Risiko für Armut«, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands (DPWV), Ulrich Schneider, die Zahlen gegenüber der Thüringer Allgemeinen Zeitung vom Montag und bekräftigte die Forderung nach Schaffung zusätzlicher Kinderbetreuungsplätze. Das habe »absoluten Vorrang, damit Eltern erst einmal die Möglichkeit erhalten, für ihren Lebensunterhalt aufzukommen«. Nach Angaben des BIAJ wurde der größte Armutszuwachs unter Kindern ausgerechnet in den wirtschaftlich starken Bundesländern Baden-Württemberg (plus 13 Prozent) und Bayern (plus zwölf Prozent) gemessen. Das belege eindeutig, »daß die ärmeren Familien mit Kindern vom wirtschaftlichen Aufschwung faktisch nicht profitieren«, bemerkte Institutssprecher Paul Schröder.

Die gestiegene Kinderarmut steht in engem Zusammenhang mit der Einführung von HartzIV. Nach der seit 2005 geltenden Rechtslage erhalten Kinder bis zum dritten Lebensjahr zwar ein höheres Sozialgeld, und Alleinerziehende mit einem Kind unter sieben Jahren haben Anspruch auf einen Mehrbedarf von 36 Prozent der Regelleistung. Im Gegenzug wurden die Leistungen für Kinder zwischen sieben und 17 Jahren aber um fünf bis zehn Prozent gegenüber dem einstigen Regelsatz nach dem Bundessozialhilfegesetz gesenkt. Zugleich werden seither das Kindergeld und mögliche Unterhaltsleistungen komplett auf das ALG II angerechnet.

Was Kindern im Zuge der sogenannten Hartz-IV-Reformen weggenommen wurde, schlägt sich indirekt in der »Erfolgsbilanz« der Bundesagentur für Arbeit (BA) nieder. Nach einer weiteren Studie des BIAJ beliefen sich die Rücklagen der Nürnberger Behörde am Jahresende 2006 auf 11,2 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende rechnet das BIAJ mit »deutlich« größeren Reserven.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2007/04-24/038.php
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Grüße


Sozialismus!
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« Antworten #14 am: 04. Juli 2007, 17:55:55 »

Nach dem neuesten Kinder- und Jugendbericht 2002 - 2007 der Hansestadt Hamburg lebt ein Viertel der Kinder unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften nach SGB II, also von Arbeitslosengeld II ("Hartz IV"). In Haushalten von Alleinerziehenden sind es sogar 55% der Kinder. (http://www.bsg.hamburg.de)
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« Antworten #15 am: 05. Juli 2007, 01:34:33 »

Zitat
Original von MOCS
Nach dem neuesten Kinder- und Jugendbericht 2002 - 2007 der Hansestadt Hamburg lebt ein Viertel der Kinder unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften nach SGB II, also von Arbeitslosengeld II ("Hartz IV"). In Haushalten von Alleinerziehenden sind es sogar 55% der Kinder. (http://www.bsg.hamburg.de)

...... und 11% der Kinder unter 18 zeigen soziale und psychologische Verhaltensstoerungen, so eine Studie.

Da wundert es nicht, wenn "Flatrate-Saufen" und Drogenkonsum, und Gewalt an Schulen, und Gewalt von ausserhalb der Schulen in die Schulen zunimmt. Und so wundert es eben auch nicht, dass diese jungen Leute nach einem starken Mann bruellen, der ihnen diese Lasten und die Zukunftsangst und die Perspektivlosigkeit und dem arbeitslosen Vater die Pulle aus der Hand nehmen soll, wie ihnen von den "Rattenfaengern" versprochen wird!

Und letztere stehen zunehmend und zuhauf an den Schulen und verteilen CDs mit ganz eigenem Musikgeschmack - Balsam auf die geschundenen Seelen unserer Kinder? - Es sind subtile Drogen, die psychisch die "boese Seite des Homo Sapiens" (die in jedem von uns schlummert)  ganz unverholen an die Oberflaeche befoerdert und hemmungslos genau diese ausleben laesst.
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« Antworten #16 am: 16. Juli 2007, 13:13:18 »

Sächsische Zeitung, Ausgabe Dresden, vom 30. Juni 2007

Armut trifft in Dresden zuerst die Kinder

Knapp 60.000 Dresdner benötigen Unterstützung nach dem Hartz IV-Gesetz zum Leben. Die Linkspartei hatte am Freitag zu einer „Armutskonferenz“ eingeladen, um auf die Situation in der Stadt aufmerksam zu machen.

Besonders stark seien Kinder und Jugendliche betroffen. Darauf verwies Sozialbürgermeister Tobias Kogge (CDU) in seinem Eingangsreferat.

Kinderarmut lasse sich nicht nur am geringen Einkommen der Eltern erkennen, sondern gehe oft mit fehlender Zuwendung, Erziehung, Bildung und falscher Versorgung einher, so Kogge.

Cornelia Ernst von der Linkspartei mahnte an, die Zuschüsse für Bedürftige und die Wohnkosten zu überprüfen. So gebe es in Dresden nicht ausreichend kleine, preiswerte Wohnungen. Stadt und Arge sollten zudem ein gemeinsames Konzept zur öffentlichen Beschäftigung erarbeiten.

(SZ/kle)
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geschfreak


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« Antworten #17 am: 16. Juli 2007, 13:16:15 »

Zitat
Original von joachimkuehnel
Sächsische Zeitung, Ausgabe Dresden, vom 30. Juni 2007

Armut trifft in Dresden zuerst die Kinder

Knapp 60.000 Dresdner benötigen Unterstützung nach dem Hartz IV-Gesetz zum Leben. Die Linkspartei hatte am Freitag zu einer „Armutskonferenz“ eingeladen, um auf die Situation in der Stadt aufmerksam zu machen.

Besonders stark seien Kinder und Jugendliche betroffen. Darauf verwies Sozialbürgermeister Tobias Kogge (CDU) in seinem Eingangsreferat.

Kinderarmut lasse sich nicht nur am geringen Einkommen der Eltern erkennen, sondern gehe oft mit fehlender Zuwendung, Erziehung, Bildung und falscher Versorgung einher, so Kogge.

Cornelia Ernst von der Linkspartei mahnte an, die Zuschüsse für Bedürftige und die Wohnkosten zu überprüfen. So gebe es in Dresden nicht ausreichend kleine, preiswerte Wohnungen. Stadt und Arge sollten zudem ein gemeinsames Konzept zur öffentlichen Beschäftigung erarbeiten.

(SZ/kle)

Ich denke Dresden ist SCHULDENFREI??? Es ist eine Schande, daß Dresden NICHTS gegen die Kinderarmut unternimmt!!!

 :aggressiv> :aggressiv>
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MFG

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Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8920


« Antworten #18 am: 16. Juli 2007, 13:22:45 »

Presseinformation 269 / 2007 der Fraktion DIE LINKE. Sachsen, vom 29. Juni
2007

Studie zu drohender Altersarmut in Sachsen / Pellmann: Im Jahr 2020 wird jeder vierte Rentner arm sein

Auf der heutigen Pressekonferenz stellte der sozialpolitische Sprecher der Linksfraktion im Sächsischen Landtag Dr. Dietmar Pellmann eine von ihm erarbeitete Kurzstudie zu drohender Altersarmut sowie den Entwurf eines Seniorenmitwirkungsgesetzes vor und erklärte:

Für die Erarbeitung der heute vorgelegten Kurzstudie "Zur gegenwärtigen Situation und Perspektive sächsischer Rentnerinnen und Rentner", die das Problem bereits bestehender und drohender Altersarmut aufgreift, gab es mehrere
Anlässe:
[list=1]
  • wollen wir damit untermauern, wie notwendig ein sächsisches Seniorenmitbestimmungsgesetz ist, um damit bessere Rahmenbedingungen für die selbst bestimmte Interessenvertretung älterer Menschen zu schaffen.
  • ging es uns um eine Vorarbeit, um den Sozial- bzw. Lebenslagenreport der Staatsregierung, der bereits seit Dezember vergangenen Jahres vorliegt, aber bislang geheim gehalten wurde, besser kritisch bewerten zu können.
  • sollte damit unsere Position gegen die bislang von der Staatsregierung vertretene Haltung bekräftigt werden, dass es in Sachsen bestenfalls versteckte Armut gäbe, weil gewährte Sozialleistungen Armut verhindern würden.
  • beabsichtigten wir zu bewerten, welche Wirkung die am 1. Juli vorgesehene Rentensteigerung um 0,54 Prozent auf die reale Einkommenslage sächsischer Rentnerinnen und Rentner hat.
  • [/list=1] Insgesamt kommt die Kurzstudie zu folgenden Kernaussagen:
  • Die Datenbasis für eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Lebenslagen älterer Menschen ist sehr lückenhaft. Vieles wird von der einschlägigen Statistik entweder verschleiert oder gar nicht erfasst, so dass eigentlich nur soziologische Betragungen wirklich weiter helfen würden.
  • Sachsen ist das Bundesland mit der ältesten Bevölkerung. Daraus erwächst die politische Verantwortung, sich den Problemen älterer Menschen früher und nachdrücklicher zuzuwenden.
  • Im Unterschied zur bisherigen Auffassung der Staatsregierung gibt es bereits gegenwärtig Altersarmut, die bei ca. 15 Prozent liegt, damit jedoch noch etwas unter der allgemeinen Armutsquote im Freistaat liegt.
  • Die durchschnittliche Situation der Rentner hat sich seit Mitte der neunziger Jahre vor allem dadurch verschlechtert, dass immer mehr Menschen mit unterbrochener Erwerbsbiografie in den Ruhestand gingen und der so genannte Eckrentner mit 45 Arbeits- und Beitragsjahren immer seltener ist.
  • Die Quote der Altersarmut wird 2020 in Sachsen bei mindestens 25 Prozent liegen. Damit bestätigen sich die Aussagen einer jüngst vorgelegten OECD-Studie, nach der Deutschland unter 30 Industriestaaten das schlechteste Verhältnis von Arbeitseinkommen und späterer Rente haben wird. Entscheidende Ursachen, die bereits heute wirken, sind die Langzeitarbeitslosigkeit, die zwangsweise Frühverrentung von älteren Beziehers des Arbeitslosengeldes II, die steigende Zahl von geringfügig Beschäftigten, das kaum gestiegene Reallohnniveau und die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.
  • Angesichts der realen Rentenverluste ist die am 1. Juli erfolgte Steigerung um 0,54 Prozent ein Hohn. Seit Anfang 2004 ist das reale Rentenniveau um durchschnittlich 10 bis 12 Prozent gesunken. Wir haben es also mit staatlich verordneten Rentenverlusten zu tun. Wenn es nicht zu einem grundlegenden Umsteuern kommt, wird sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen.
  • Die durchschnittlichen Alterseinkünfte Rentnerinnen und Rentnern in den neuen Bundesländern liegen etwa um ein Fünftel unter denen in den alten Bundesländern. Ein Grund dafür ist, dass der aktuelle Rentenwert Ost seit Jahren bei 88 Prozent des aktuellen Rentenwerts West verharrt.
Mit dem Entwurf eines Seniorenmitwirkungsgesetzes beschreiten wir in gewissem Sinne Neuland. Ein solches Gesetz gibt es bislang nur in Berlin. Unser Entwurf ist im wahrsten Sinne des Wortes von der Basis, spricht von Vertretern aus Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden und Seniorenvertretungen mit erarbeitet worden. Bei uns sind fast 50 z. T. sehr umfangreiche Stellungnahmen mit mehr als 200 Einzelvorschlägen aus ganz Sachsen eingegangen. Allein daraus kann schon abgeleitet werden, dass es ein dringendes Bedürfnis nach einem solchen Gesetz gibt. Im Einzelnen enthält der Entwurf folgende Regelungen:
  • In den sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten muss es Seniorenvertretungen geben, die aus mindestens 11 Mitgliedern bestehen. Im Einvernehmen mit dem Stadtrat oder dem Kreistag beruft der Landrat bzw. Oberbürgermeister die Mitglieder der Vertretung für eine Wahlperiode. Die Vertretungen verstehen sich als Interessenvertreter älterer Menschen und zugleich als Brücke zu den Stadträten und Kreistagen sowie zu Verwaltungen und Behörden.
  • Die Landesseniorenvertretung besteht aus Mitgliedern der Seniorenvertretungen der Kommunen.
  • Ein Landesseniorenbeirat soll als eine Art Expertengremium den Landtag und die Staatsregierung zu Fragen der Seniorenpolitik beraten.
  • In den Gemeinden können Seniorenbeauftragte bestellt werden. Sie sind unabhängig und können an den Sitzungen der Gemeindevertretungen sowie ihrer Ausschüsse mit beratender Stimme teilnehmen.
  • In den Landkreisen soll es Seniorenbeauftragte geben.
  • Vom Sächsischen Landtag soll aus seiner Mitte für jeweils eine Wahlperiode ein Landesseniorenbeauftragter berufen werden.
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #19 am: 16. Juli 2007, 13:32:15 »

Die Kommune hat sich durch Privatisierung der Kommunalwohnungen an Cerberus kurzfristig und blauäugig schuldenfrei gestellt, was noch lange nicht heißt, daß langfristig diese Wohnungsbestände ihnen nicht wieder vor die städtischen Füsse geworfen werden, wenn die Mieter die Mietsteigerungen von ca. 20 - 30% nicht aufbringen können, ausziehen müssen und Cerberus keine Wohnungen mit Leerständen will bzw. die Instandhaltung und Wartungsleistungen an den Gebäuden und Wohnungen einstellt.

Wenn die Stadt Dresden jetzt momentan mal schuldenfrei ist, aber auf die asoziale Mietpreisentwicklung von Immobilienspekulanten wegen des Verkaufs keinen Einfluß mehr nehmen kann und will, dann heißt das noch lange nicht, daß die Einwohner mit einer Arbeitslosenkarriere und Karriere prekärer Beschäftigungen, chronisch Kranke, Behinderte etc. vor Familien-, Kinder-und Altersarmut gefeit sind. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Aber langfristig hat staatlicher Sozialabbau, Rentenklau was mit Wohnungs-, Kinder- und Altersarmut, durch die Gangsterpolitik der Großen Verbrecherkoalition zu tun.
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #20 am: 16. Juli 2007, 13:52:20 »

Pressedienst 55/2007 DIE LINKE. Sachsen, vom 4. Juli 2007

Kipping: Sächsischer Armutsbericht zeigt: Sozialleistungen schützen nicht vor Armut. Repressionsfreie Grundsicherung notwendig.

Zur Veröffentlichung des 1. Armuts- und Reichtumsberichts der Sächsischen Staatsregierung erklärt die Katja Kipping, Dresdner Abgteordnete im deutschen Bundestag und stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE.

"Der 1. Armuts- und Reichtumsbericht macht deutlich:
[list=1]
  • Das Ausmaß von Armut in Sachsen ist enorm. Jeder 4. Sachse lebt in Armut.Hier muss engagiert gegengesteuert werden.
  • Haushalte mit sozialen Leistungen sind dreimal mehr als Durchschnittshaushalte von Armut betroffen.
  • [/list=1]Das zeigt: Die Sozialleistungen in ihrer jetzigen Form schützen nicht vor Armut. Sie müssen also weiterentwickelt werden. Eine repressionsfreie soziale Grundsicherung ist deshalb einzuführen. Wenn es der Sächsischen Staatsregierung ernst ist mit ihrem Ziel, Armut zu bekämpfen, sollte sie sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass als 1. Schritt die Regelsätze von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung auf 420 € erhöht werden."

    f.d.R.
    Rico Schubert
    Presse/Öffentlichkeitsarbeit
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« Antworten #21 am: 17. Juli 2007, 18:43:40 »

Einige Erwerbsloseninitiativen und der DGB machen am 30.7 um 14-16 mit einer Aktion auf das Thema Hartz IV und Kinderarmut aufmerksam. In Bochum leben fast 11.000 Kinder von Hartz IV. Eltern von SchulanfängerInnen erhalten z.B. für ihre Kinder 207 Euro im Monat. Dieser Regelsatz sieht 1,63 Euro für Schreibhefte vor - kein Tornister, kein Taschenrechner, kein Etui, keine Sportzeug, geschweige denn eine Schultüte. Die Mitglieder der Initiative werden bei der Aktion darstellen, was von Grundschulen als Mindestausstattung für SchulanfängerInnen empfohlen wird und was dies kostet.

Aktion am 30. Juli 2007 auf dem Husemannplatz in Bochum
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kater


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« Antworten #22 am: 17. Juli 2007, 19:45:31 »

hier ein langer text dazu:

http://www.chefduzen.de/thread.php?threadid=10827
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Ratrace


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« Antworten #23 am: 20. August 2007, 11:18:37 »

Zitat
Die aktuell diskutierte Kinder- und Jugendarmut ist die direkte Folge von Hartz IV
Mehr als 2,5 Millionen der ca. 15 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben auf Sozialhilfe- bzw. Hartz-IV-Niveau. Das ist das Ergebnis der  Arbeitsmarktstatistik der Bundesanstalt für Arbeit aus dem Jahr 2006. Dort wurden erstmals Kinder und Jugendlichen in Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften gesondert aufgeführt.

Von alarmierenden Zahlen sprach der Präsident des  Kinderschutzbundes Heinz Hilgers. Sie hätten selbst seine pessimistischen Erwartungen übertroffen. Dabei galt der Kinderschutzbund bisher immer als eine Organisation, die mit ihren stetigen Warnungen vor der Kinderarmut für schlechte Stimmung in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs sorgte. Wo die Wirtschaft boomt und wächst, will man von denen, die weiterhin in Armut leben, nicht gerne reden.

Jetzt stellt sich heraus, dass selbst die Zahlen des Kinderschutzbundes noch zu positiv waren. Er ging nach Schätzungen von ca. 2,2 Millionen Menschen unter 18 Jahren aus, die in Deutschland unter Bedingungen von Hartz IV oder dem Asylbewerberleistungsgesetz leben müssen.

Quelle

Nichts Neues, aber dafür nun offiziell. Unser Staat agiert irre: Erst schneidet er sich die Beine ab und wundert sich Jahre später darüber, daß er nicht mehr laufen kann. Dies mußte er sich natürlich statistisch belegen lassen, sonst würde er es nicht glauben.

Geht es nur mir so mit der Empfindung, oder scheint das System langsam aber sicher zu kollabieren?
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Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.
Eivisskat
Gast
« Antworten #24 am: 20. August 2007, 11:28:04 »

Zitat
Original von Ratrace
Zitat

Geht es nur mir so mit der Empfindung, oder scheint das System langsam aber sicher zu kollabieren?

Mir kommt es vor, als ob es schnell aber sicher kollabiert, siehe auch diese Börsengeschichte.

LG :denk>
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