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Autor Thema: Kinderarmut  (Gelesen 81628 mal)
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Eivisskat
Gast
« Antworten #50 am: 16. Juli 2008, 08:50:25 »

Zitat

Pressemitteilung der Bündnisplattform:«Kinderarmut durch Hartz IV» vom 16.07.2008

Kürzungen bei Hartz IV-Kindern finanzieren das höhere Kindergeld

Bonn/Frankfurt – Die neu gründete Bündnisplattform «Kinderarmut durch Hartz IV» wirft Finanzminister Peer Steinbrück vor, seine im Haushaltsentwurf 2009 eingestellten Mittel für Familien mit Kindern in Höhe von einer Mrd. Euro würden zur Hälfte durch Einsparungen bei Hartz IV-Kindern gegenfinanziert. Mit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 sei Kindern und Jugendlichen ab sieben der Wachstumsbedarf aberkannt worden, und die Bundesregierung sei bis heute nicht bereit, diese Kürzung wieder zurück zu nehmen.

Insgesamt würde die Große Koalition minderjährigen Kindern im Hartz IV-Bezug eine halbe Milliarde Euro jährlich entziehen und für die Erhöhung des Kindergelds verwenden. Die für  2009 geplante Kindergelderhöhung von 10€ pro Monat käme den Kindern aus Hartz IV-Haushalten nicht zugute, da es auf ihren Regelsatz angerechnet werde. Die Regierungsphrasen, man wolle alle Kinder fördern, entpuppten sich als Seifenblasen.
Einsparungen in Höhe von 773 Mio. Euro ergeben sich dadurch, dass Kinder ab sieben der Wachstumsbedarf aberkannt wird, d.h. dass
- Schulkindern unter 14 nicht mehr, wie vor Hartz IV, zwanzig Prozent mehr als Säuglingen zugestanden wird, sondern nur noch genauso viel, und
- Teenager von 14 bis 17 Jahren von 90% auf 80% des Eckregelsatzes und damit auf das Niveau von erwachsenen Haushaltsangehörigen heruntergekürzt wurden.

Die Bundesregierung habe damit jedem Kind von 7 bis 13 monatlich 42€ bzw. jährlich 504€ entzogen, Kindern von 14 bis 17 sogar monatlich 45€ bzw. jährlich 540€.
Die Mehrausgaben für Kinder unter sieben in Höhe von 264 Mio. Euro, entstanden durch die Erhöhung ihrer Regelsätze, müssen allerdings gegengerechnet werden.
Um die Einsparungen zu berechnen, geht der Frankfurter Sozialwissenschaftler, Prof. Rainer Roth mangels offizieller Angaben davon aus, dass auf jede Altersstufe bis 18 136.000 Kinder entfallen. Diese Zahl ergibt sich, wenn man die offiziell angegebenen 1,9 Mio. Kinder unter 15 gleichmäßig auf die 14 Alterstufen verteilt und dieselbe Verteilung auch für die Kinder von 14 bis 17 annimmt.

Die neu gegründete Bündnisplattform setzt sich dafür ein, dass der Wachstumsbedarf für Kinder und Jugendliche wieder anerkannt wird. Deshalb müssten die Kürzungen der Regelsätze bei Kindern ab dem Schulalter sofort zurückgenommen werden.
Das bedeutet, dass für 7 bis 13-Jährige ein Regelsatz von 253€ statt 211€ und für 14 bis 17-Jährige ein Regelsatz von 316€ statt 281€ notwendig sei.

Inzwischen haben sich schon zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen den Forderungen der Bündnisplattform angeschlossen.

http://www.kinderarmut-durch-hartz4.de

Über die Bündnisplattform:
Nächstes Jahr ist Wahlkampfjahr. Deshalb will das Bündnis diese Zeit nutzen, um die gewählten Volksvertreter zu fragen, warum ausgerechnet bei Schulkindern vorsätzlich der Regelsatz gekürzt wurde und das Wachstum und der erhöhte Ernährungsbedarf nicht mehr anerkannt wird. Ziel ist noch vor der Wahl, die Rücknahme dieser Kürzungen. Unterstütz wird dies durch ein breite Bündnis vielfältiger Organisationen und Einzelpersonen.

Kinderarmut durch Hartz IV.de

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Pressekontakt und Quelle: Erwerbslosen Forum Deutschland

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Sektsauferle


Beiträge: 1693



« Antworten #51 am: 16. Juli 2008, 20:22:32 »

immer wenn man denkt, es geht nicht schäbiger, kommt noch was schäbigeres :kotze>
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In Memory of Menschenrechte !!!
regenwurm


Beiträge: 3537



« Antworten #52 am: 16. Juli 2008, 21:14:39 »

@ Eivisskat passend dazu:  

Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland
Armut wird immer jünger

Es handelt sich nicht um ein Sommerlochthema. Die Situation ist dafür zu ernst. Denn nach dem kürzlich erschienenen Bericht der Bundesregierung über die Lebenslage der Menschen sollten alle aufgeschreckt sein: In Deutschland gibt es eine zunehmende Armut bei Millionen von Kindern, von der man zuvor wenig Notiz genommen hatte. Vor allem durch die rot-grüne „Reform" Hartz IV hat sich dies verstärkt. Drastisch zeigen sich zudem Unterschiede in Ost- und Westdeutschland. Ein neues Buch zur Kinderarmut spricht eine deutliche Sprache.

Der Bericht über die Lebenslage der Menschen in Deutschland bezieht sich auf die Jahre vor 2006. Bereits er weist eine katastrophale Umverteilung von Vermögen von unten nach oben aus und infolge dessen eine fortschreitende Verarmung bei immer größeren Bevölkerungsschichten, vor allem unter Kindern. Doch nach 2005, so Wirtschaftsminister Michael Glos kürzlich, habe sich allerdings im Zuge der wirtschaftlichen Erholung alles deutlich verbessert.

Doch das scheint zumindest nicht für Kinder zuzutreffen. Seit Einführung der rot-grünen „Arbeitsmarktreformen" hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Christoph Butterwegge, Professor für Politikwissenschaft aus Köln gegenüber der NRhZ: „Von den 11,44 Millionen Kindern unter 15 Jahren lebten im März 2007 – auf dem Höhepunkt des gegenwärtigen Konjunkturaufschwungs – nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit fast 1,93 Millionen in „Hartz-IV-Haushalten". Das waren mehr denn je, seit Hartz IV am 1. Januar 2005 in Kraft trat. Rechnet man die übrigen Kinder in Sozialhilfehaushalten, in Flüchtlingsfamilien – die nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ungefähr ein Drittel weniger als die Sozialhilfe erhalten – hinzu und berücksichtigt zudem die Dunkelziffer, lebten etwa 2,8 bis 3,0 Millionen Kinder, das heißt jedes vierte Kind, auf oder unter dem Sozialhilfeniveau."

Butterwegge zufolge ist das Problem noch durch ein deutliches Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle verschärft werden. In Görlitz kamen 44,1 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren aus Hartz-IV-Haushalten, während es im bayerischen Starnberg nur 3,9 Prozent waren. Aber auch in Westdeutschland, wie in der Großstadt Bremen, gibt es Ortsteile, in denen über 60 Prozent aller Kinder zu den Sozialgeldbeziehern gehören." Alle hätten nur geringe Bildungschancen und berufliche Perspektiven. So notwendig aber die beste Bildung für alle Kinder ist, dürfte sie kein Allheilmittel sein, wie die Politik gern vorgibt und nun eine Bildungsoffensive starten will. Irgendwann werden sich die meisten wieder gegenseitig auf den Füßen stehen – nur eben auf höherem Niveau. Außerdem sei es „pure Heuchelei, den Armen 'Bildet Euch' zu predigen, im Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger dafür aber keinen Cent vorzusehen", so Butterwegge gegenüber der Frankfurter Rundschau. Nötig sei vielmehr eine Umverteilung von Arbeit, Vermögen und Einkommen.

Das Buch „Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland" beleuchtet die Ursachen und psychosozialen Folgen der Kinderarmut in den alten und den neuen Bundesländern durch einen empirischen Vergleich der sozialen Situation von Erfurter und Kölner Schulkindern. Es gibt Aufschluss über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lebenslagen in Ost- und Westdeutschland und über die Schwierigkeiten unter den schwierigen Rahmenbedingungen des Vereinigungsprozesses. Es werden außerdem Gegenmaßnahmen auf den unterschiedlichsten Politikfeldern vorgeschlagen, um die Lebenssituation von Kindern in Deutschland zu verbessern.

Alle Autoren haben große Erfahrungen in der Armutsforschung, vor allem bei Kindern. Prof. Dr. Christoph Butterwegge ist Hochschullehrer für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln, Dr. Michael Klundt ist Fachreferent für Kinder- und Jugendpolitik bei der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und Matthias Belke-Zeng ist Sozialpädagoge und arbeitet für die Erfurter Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.


Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Dr. Michael Klundt, Mathias Belke-Zeng:

Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland

2., aktualisierte und erweiterte Aufl. Wiesbaden (VS – Verlag für Sozialwissenschaften) 2008, geb., 378 Seiten, Ladenverkaufspreis: 24,90 EUR

Bestellungen können entweder über den Buchhandel oder über den Verlag, Frau Schunath, VS – Verlag für Sozialwissenschaften, Abraham-Lincoln-Str. 46, 65189 Wiesbaden, Tel.-Nr.: 0611/7878-245; Fax: 0611/7878-99; e-Mail: petra.schunath@gwv-fachverlage.de bestellt werden.

Quelle
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Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8920


« Antworten #53 am: 01. August 2008, 14:09:29 »

... gegen Arbeitslose und erzeugt politisch gewollt vererbbare Kinderarmut:

Zitat aus nachfolgendem Beitrag als Themenaufhänger

"... Auch an ihrer Schule bekommen die Töchter regelmäßig zu spüren, dass Lisa-Maries Vater arbeitslos ist. Denn viele Lehrmittel müssen die Schüler selbst zahlen, ebenso Fahr- und Eintrittsgelder. Dazu kommen regelmäßig kostenpflichtige Lehrangebote: Viele Einzelbeträge, die dem ehemaligen Unternehmer inzwischen über den Kopf wachsen:

Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Es kommen laufend irgendwelche Kosten.“
KONTRASTE
„Zum Beispiel?“
Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Es kommen zum Beispiel Kosten: Acht Euro für die Waldschule, 19 Euro für einen externen Schreibmaschinenkurs. Es kommen Kosten für einen Verstärkungskurs, wo Kinder stark gemacht werden sollen. Damit werden wir täglich konfrontiert.“

Das alles soll Bernd Kniel mit monatlich 211 Euro pro Kind finanzieren, dem Hartz-IV-Regelsatz für Kinder unter 14 Jahren. Der gilt für: Hausrat, Essen, Kleidung, Freizeit und – Bildung. Viel bleibt dafür nicht.

Laut Statistischem Bundesamt gibt der Durchschnittsbürger im Monat rund 64 Euro für Bildung aus.

Daher überfordern selbst kleine Ausgaben die Familienkasse: Zum Beispiel: Kosten für einen Ausflug: „7,80 Euro pro Kind mitbringen“, stand es lapidar einmal im Hausaufgabenheft. Das macht bei drei Kindern rund 24 Euro.

Für Vater Kniel der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte:

Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Ich habe der Schule mitgeteilt, dass ich diese Kosten nicht mehr tragen kann. Weil laufend irgendwelche Ausflüge sind.“

Doch aus der Schule kam keine Hilfe. Auch nicht vom Schulförderverein. Es wurde bestimmt, dass die drei Kinder der Kniels nicht zum Ausflug mitkommen dürfen. Als einzige mussten sie in der Schule bleiben. Eine beschämende Situation, zugeben zu müssen, sich den Ausflug nicht leisten zu können. ..."

und die rassistischen Reaktionen aus der Schule und Bevölkerung ist politisch im Rahmen des Herrschen und Teilens gewollt. Wenn man die Bevölkerung mit Konsumterror, sozial selektierende BRD-Hinterhofbildung und Brot-und-Spiele-Veranstaltungen zudröhnt, kommt in deren Gehirnwindungen nur Rücksichtslosigkeit, Ellenbogen, Egoismus, Hass auf die Mitmenschen an. Keiner hinterfragt aus welchen Gründen, von wem und zu wessen Nutzen das Hartz-Paket eingeführt wurde:

"... KONTRASTE
„Hast du das Deiner Lehrerin gesagt?"
Lisa-Marie Kniel
„Ja."
KONTRASTE
„Und was hat die gesagt?"
Lisa-Marie Kniel
„Dann sind wir die einzigen drei, wo da bleiben in der Schule und betreut werden."
KONTRASTE
„Hat die das vor der ganzen Klasse gesagt?"
Lisa-Marie Kniel
„Hm.“ ...

... Die Schulleitung bestreitet, dass die Lehrerin die finanzielle Situation der Kinder vor der gesamten Klasse offenbart habe.

Vor der Kamera wollte dazu aber niemand etwas sagen. In einem Brief an Kontraste verweist die Schule auf Verwaltungsvorschriften. Danach nehmen die Kinder bei,

Zitat: „… Nichtteilnahme an der schulischen Veranstaltung dann am Unterricht teil. Dies wurde durch die Schule organisiert."

Bürokratie statt Anteilnahme. Immerhin: Das Bundesland Brandenburg hat inzwischen reagiert. In finanzieller Hinsicht gibt es hier bald für Schüler etwas Hilfe. ...

... Die zusätzliche Förderung der Kinder ist für die Nachbarn ein willkommener Anlass für aufgebrachte Reaktionen:

Jürgen Noske, Nachbar
„Aber wenn Sie 20 Euro für Ihre Kinder nicht haben, damit sie irgendwie an schulischen Maßnahmen teilnehmen, denn wäre es das Letzte was ich mache, da würde ich erstmal als Eltern auf alles verzichten. Und wenn ich da bin, wo ich selber gar nichts mehr habe, dann würde ich bei meinen Kindern anfangen und nicht umgekehrt. Die Kinder erst ausnutzen, um vielleicht irgendwo noch ein Euro her zu kriegen, noch einen dazu! Wo ist denn hier Kinderarmut? Wo ist denn hier Kinderarmut? Oder was wollen Sie hier vorspielen?“
Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Herr Noske, ich bin hier her gekommen, weil ich hier Arbeit hatte. Ich bin wegen Arbeit hier her gekommen.“
Jürgen Noske, Nachbar
„Wegen Arbeit, ja?“
Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Ja!“
Jürgen Noske, Nachbar
„Wegen Arbeit, na klar. Und was haben Sie zwischendurch gemacht versucht, um Arbeit zu kriegen? Wenn Sie arbeiten können, dann finden Sie auch Arbeit in der Region. Vielleicht suchen Sie mal den Grund bei sich, warum keiner was mit Ihnen zu tun haben will.“

Mein Kommentar: Auf diesen frechen Vorwurf "Und was haben Sie zwischendurch gemacht ..." des Nachbarn Noske gibt das Kontraste-Video eine Antwort: Mehr als 100 erfolglose Bewerbungen!!!

Diese politisch gewollte Sichtweise von ihren Parteien im Dienste der Wirtschaft erzeugt, sollte man dem Söder und Buschkowsky aus der letzten Anne-Will-Sendung

ARD, Sendung "Anne Will" vom 27.07.2008, 21:45 Uhr: Kein Geld für Drückeberger - ist jeder Job besser als keiner?

auch einmal aufs Butterbrot schmieren!!!!

... sagte bei ANNE WILL

Markus Söder
Bayerischer Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten

"Jetzt müssen wir über die Frage diskutieren, wie schaffen wir es, einen Teil der Leute wieder in Arbeit zu bekommen, und auch, sie an Arbeit zu gewöhnen. Und da gibt es viele Projekte, eines ist das Modell der Bürgerarbeit, um dadurch die Leute wieder stärker in den Arbeitsprozess zu integrieren, übrigens auch, damit sie wieder lernen, früh aufzustehen."

Heinz Buschkowsky
Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln

"Wir haben sehr viele bildungsferne Familien, wo Eltern das größte Risiko für ihre Kinder sind."

"Es gibt den alten Satz: 'Die Kinder lernen nicht durch die Schule, sondern trotz der Schule'. Die Schule baut auf Fundamenten auf, die die Eltern gelegt haben."

"Die jungen Leute müssen sich schon bewegen. Geh nach Hause, setz’ Dich auf die Coach, ist nicht."

RBB, Sendung "Kontraste" vom 01.08.2008, 21:45: Hartz IV – ein Bildungsrisiko

Autor: Iris Marx

Gute Schulen nutzen heute alle Möglichkeiten, um den Bildungshorizont der Kinder zu erweitern: Ausflüge, Exkursionen, besondere Lernmittel. Für Familien, die auf Hartz-IV angewiesen sind oft ein Problem. Denn die dafür anfallenden Kosten kann der Regelsatz kaum abdecken. Chancengleichheit sieht anders aus, meint Iris Marx.

Armut ist erblich. Sind die Eltern arm, werden die Kinder in aller Regel später auch nicht viel Geld haben. Warum ist das so?! Weil ein hohes Einkommen eng mit Bildung verknüpft ist. Eine bessere Schulbildung ermöglicht vielleicht ein Studium und anschließend einen gut bezahlten Job. Kinder aus armen Familien haben diese Chance häufig nicht. Sie werden von ihren Eltern nicht gefördert, bekommen kaum Anreize, wenig Bildungsimpulse. Doch es gibt auch Ausnahmen. Iris Marx hat ein Mädchen aus einer Hartz-IV-Familie getroffen, das in der Schule richtig gut ist, und trotzdem in der Schule die Folgen der knappen Familienkasse zu spüren bekommt.

KONTRASTE
„Was hast du denn in Mathe?"
Lisa-Marie Kniel
„Eine Eins."
KONTRASTE
„Und in Deutsch?"
Lisa-Marie Kniel
„Auch.“
KONTRASTE
„In Kunst?“
Lisa-Marie Kniel
„Eins.“
KONTRASTE
„Musik?“
Lisa-Marie Kniel
„Zwei.“

Lisa Marie aus Briesen in Brandenburg ist eine gute Schülerin und ein fröhliches Mädchen – wie auch ihre beiden Schwestern.

Die drei Kinder leben hier mit ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin. Doch das Idyll trügt: Die Miete für das kleine Haus in Höhe von 460 Euro muss das Amt zahlen: Bernd Kniels Firma ist in die Insolvenz gegangen, die Familie lebt seit einem halben Jahr von Hartz IV .Über 100 Bewerbungen hat der Vater seitdem geschrieben – ohne Erfolg.

Spuren, hinterlässt seine Arbeitslosigkeit inzwischen auch bei seinen Kindern:

KONTRASTE
„Machst Du Dir Sorgen?“
Lisa-Marie Kniel
„Manchmal schon. Wie wird es jetzt weitergehen? Kriegen sie jetzt ’ne Arbeit, oder nicht? ’Weiß man halt nie richtig."

Auch an ihrer Schule bekommen die Töchter regelmäßig zu spüren, dass Lisa-Maries Vater arbeitslos ist. Denn viele Lehrmittel müssen die Schüler selbst zahlen, ebenso Fahr- und Eintrittsgelder. Dazu kommen regelmäßig kostenpflichtige Lehrangebote: Viele Einzelbeträge, die dem ehemaligen Unternehmer inzwischen über den Kopf wachsen:

Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Es kommen laufend irgendwelche Kosten.“
KONTRASTE
„Zum Beispiel?“
Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Es kommen zum Beispiel Kosten: Acht Euro für die Waldschule, 19 Euro für einen externen Schreibmaschinenkurs. Es kommen Kosten für einen Verstärkungskurs, wo Kinder stark gemacht werden sollen. Damit werden wir täglich konfrontiert.“

Das alles soll Bernd Kniel mit monatlich 211 Euro pro Kind finanzieren, dem Hartz-IV-Regelsatz für Kinder unter 14 Jahren. Der gilt für: Hausrat, Essen, Kleidung, Freizeit und – Bildung. Viel bleibt dafür nicht.

Laut Statistischem Bundesamt gibt der Durchschnittsbürger im Monat rund 64 Euro für Bildung aus.

Daher überfordern selbst kleine Ausgaben die Familienkasse: Zum Beispiel: Kosten für einen Ausflug: „7,80 Euro pro Kind mitbringen“, stand es lapidar einmal im Hausaufgabenheft. Das macht bei drei Kindern rund 24 Euro.

Für Vater Kniel der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte:

Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Ich habe der Schule mitgeteilt, dass ich diese Kosten nicht mehr tragen kann. Weil laufend irgendwelche Ausflüge sind.“

Doch aus der Schule kam keine Hilfe. Auch nicht vom Schulförderverein. Es wurde bestimmt, dass die drei Kinder der Kniels nicht zum Ausflug mitkommen dürfen. Als einzige mussten sie in der Schule bleiben. Eine beschämende Situation, zugeben zu müssen, sich den Ausflug nicht leisten zu können.

Lisa-Marie Kniel
„Weil das Geld gerade nicht dafür da ist."
KONTRASTE
„Hast du das Deiner Lehrerin gesagt?"
Lisa-Marie Kniel
„Ja."
KONTRASTE
„Und was hat die gesagt?"
Lisa-Marie Kniel
„Dann sind wir die einzigen drei, wo da bleiben in der Schule und betreut werden."
KONTRASTE
„Hat die das vor der ganzen Klasse gesagt?"
Lisa-Marie Kniel
„Hm.“
KONTRASTE
„Wie fandest du das?“
Lisa-Marie Kniel
„Irgendwie blöd, weil dann fühlt man sich auch so weggeschoben."
KONTRASTE
„Wie haben die anderen Kinder in der Klasse reagiert?"
Lisa-Marie Kniel
„Blöd angeschaut, haben halt auch blöd gefragt.“

Die Schulleitung bestreitet, dass die Lehrerin die finanzielle Situation der Kinder vor der gesamten Klasse offenbart habe.

Vor der Kamera wollte dazu aber niemand etwas sagen. In einem Brief an Kontraste verweist die Schule auf Verwaltungsvorschriften. Danach nehmen die Kinder bei, Zitat:
„… Nichtteilnahme an der schulischen Veranstaltung dann am Unterricht teil. Dies wurde durch die Schule organisiert."

Bürokratie statt Anteilnahme. Immerhin: Das Bundesland Brandenburg hat inzwischen reagiert. In finanzieller Hinsicht gibt es hier bald für Schüler etwas Hilfe.

Das Jugendministerium will pro Schuljahr 60 Euro pro Kind zur Verfügung stellen in einem so genannten Schulsozialfonds.

Holger Rupprecht (SPD), Landesminister für Bildung, Jugend und Sport
„Schulsozialfonds bedeutet, dass eine Schule über den Schulträger eine bestimmte Summe Geld zugewiesen bekommt, festgemacht an einer Zielgruppe. Die Schule kann hierüber relativ flexibel frei verfügen, um beispielsweise Leistungen für eintätige Exkursionen, Eintritte in Museen oder auch die Fahrten zu solchen externen Unterrichtsorten zu bezahlen.“

So bekommen Familien wie die Kniels in Zukunft finanzielle Hilfe. Mehr Geld für die Bildung ihrer Kinder. Eine gute Nachricht für alle Kinder von Hartz IV Empfängern in Brandenburg.

Doch die Nachbarn im Ort können die Unterstützung durch den Staat nicht verstehen. Das Verhältnis zu Bernd Kniels Familie ist seit langem angespannt. Er kommt von außerhalb und lebt hier von Hartz IV.

Die zusätzliche Förderung der Kinder ist für die Nachbarn ein willkommener Anlass für aufgebrachte Reaktionen:

Jürgen Noske, Nachbar
„Aber wenn Sie 20 Euro für Ihre Kinder nicht haben, damit sie irgendwie an schulischen Maßnahmen teilnehmen, denn wäre es das Letzte was ich mache, da würde ich erstmal als Eltern auf alles verzichten. Und wenn ich da bin, wo ich selber gar nichts mehr habe, dann würde ich bei meinen Kindern anfangen und nicht umgekehrt. Die Kinder erst ausnutzen, um vielleicht irgendwo noch ein Euro her zu kriegen, noch einen dazu! Wo ist denn hier Kinderarmut? Wo ist denn hier Kinderarmut? Oder was wollen Sie hier vorspielen?“
Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Herr Noske, ich bin hier her gekommen, weil ich hier Arbeit hatte. Ich bin wegen Arbeit hier her gekommen.“
Jürgen Noske, Nachbar
„Wegen Arbeit, ja?“
Bernd Kniel, arbeitsloser Vater
„Ja!“
Jürgen Noske, Nachbar
„Wegen Arbeit, na klar. Und was haben Sie zwischendurch gemacht versucht, um Arbeit zu kriegen? Wenn Sie arbeiten können, dann finden Sie auch Arbeit in der Region. Vielleicht suchen Sie mal den Grund bei sich, warum keiner was mit Ihnen zu tun haben will.“

Die Ablehnung aus der Ortschaft bekommt nicht nur Bernd Kniel zu spüren, sondern auch seine drei Töchter.

Vor allem Lisa-Marie fragt sich, warum manche Kinder nicht ihr spielen dürfen.

Lisa-Marie Kniel
„Denkt man halt immer nach, aber man bekommt kein Ergebnis raus.“
KONTRASTE
„Hast du denn schon mal gefragt?“
Lisa-Marie Kniel
„Nein. Ich hab zwar schon mal gefragt, aber da kriegt man keine Antwort drauf. Die sagen dann nur, ich weiß nicht, warum ich mit dir nicht spielen darf.“

Doch Lisa-Marie bleibt tapfer. Ihre guten Schulnoten geben ihr Halt:

Lisa-Marie Kniel
„Insgesamt sind’s zwölf Einsen und fünf Zweien.“

Die Brandenburger Initiative ist deutschlandweit eher die Ausnahme. In vielen anderen Bundesländern fühlen sich die Kultusministerien nicht zuständig für solche Probleme oder wissen zum Teil gar nicht, was ein Schulsozial-Fonds überhaupt sein soll.

Video
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #54 am: 08. Januar 2009, 12:02:06 »



 

Kinderarmut lässt sich auf verschiedenen Wegen bekämpfen. Man kann die Hartz-IV-Sätze für Kinder und Jugendliche auf ein Niveau erhöhen, das für ein menschenwürdiges Leben ausreicht. Man kann wieder mehr Sozialwohnungen für arme Familien bauen und diese schwerpunktmäßig in den mittleren und besseren Stadtvierteln ansiedeln, um arme Kinder aus den Armutsghettos herauszubekommen. Man kann den Kindergartenbesuch kostenlos machen und die in Kindergärten und Schulen grassierende und arme Kinder ausgrenzende Unsitte beenden, für Ausflüge, Theaterbesuche, Bastelaktionen und vieles andere mehr Eltern extra zur Kasse zu bitten. Wahrscheinlich muss man dies alles und noch vieles andere tun, um die dramatisch zunehmende Armut von Kindern und Jugendlichen Schritt für Schritt abzubauen und ihre Chancen auf ein eigenverantwortliches und armutsfreies Leben zu erhöhen. Die große Koalition tut jedoch im Verein mit dem Bundestag nichts von alledem, sondern senkt die Zahl der armen Kinder und Jugendlichen, indem sie einen Teil von ihnen wegdefiniert?

http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2978
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« Antworten #55 am: 08. Januar 2009, 15:25:04 »

Zitat
Als einzige mussten sie in der Schule bleiben. Eine beschämende Situation, zugeben zu müssen, sich den Ausflug nicht leisten zu können. ..."

Geht meiner Tochter auch so. Nur ist sie so erzogen,Dass sie sich nicht schämt. Sie weis genau wer Schuld an ihrer Situation ist. Es ist die kapitalistische Gier nach immer mehr Profit,da sind Menschen die sich nicht ausbeuten lassen,fehl am Platz. Sie sagt ebend ihre Meinung dazu. Kleines Beispiel: Ausflug letzten Monat zu Mc Doof. Sie wollte und konnte nicht mit,also sagte sie,dass sie nicht zu diesen Giftmischern gehen möchte und sie für sowas kein Taschengeld ausgibt. Sie weiß auch das diese Imbisskette dem Niedriglohnsektor angehört und Kinderarbeit unterstützt. Nächstens steht ein Klassenausflug nach Berlin auf dem Plan(Cottbus-Berlin) das kostet richtig Geld. Sie will lieber zu Schule gehen,damit sie was lernt,sagt sie.
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Hartzige


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« Antworten #56 am: 08. Januar 2009, 15:43:22 »

Zitat
Als einzige mussten sie in der Schule bleiben. Eine beschämende Situation, zugeben zu müssen, sich den Ausflug nicht leisten zu können. ..."

Geht meiner Tochter auch so. Nur ist sie so erzogen,Dass sie sich nicht schämt. Sie weis genau wer Schuld an ihrer Situation ist. Es ist die kapitalistische Gier nach immer mehr Profit,da sind Menschen die sich nicht ausbeuten lassen,fehl am Platz. Sie sagt ebend ihre Meinung dazu. Kleines Beispiel: Ausflug letzten Monat zu Mc Doof. Sie wollte und konnte nicht mit,also sagte sie,dass sie nicht zu diesen Giftmischern gehen möchte und sie für sowas kein Taschengeld ausgibt. Sie weiß auch das diese Imbisskette dem Niedriglohnsektor angehört und Kinderarbeit unterstützt. Nächstens steht ein Klassenausflug nach Berlin auf dem Plan(Cottbus-Berlin) das kostet richtig Geld. Sie will lieber zu Schule gehen,damit sie was lernt,sagt sie.

Klassenreisen müssen von der Arge nach Antrag (kann formlos sein) bezahlt werden.
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« Antworten #57 am: 08. Januar 2009, 16:14:27 »

Stimmt,nur hat sie und ich erstmal die Schnauze voll vom Betteln gehen. Schule ist ihr wichtiger.Echte Klassenfahrten werden natürlich beantragt, genau wie Erstaustattung.
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Hakuna_Matata


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« Antworten #58 am: 27. Januar 2009, 19:33:50 »

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/die-meisten-fuellen-den-kuehlschrank/

taz: Herr Zöllner, Sie beraten in Berlin Hartz-IV-Familien. Wie kommen die Leute mit den derzeitigen Regelsätzen über die Runden?

Detlef Zöllner, 54, berät in Berlin-Friedrichshain im Nachbarschaftszentrum Rudi Familien, die von Hartz-IV leben.

Detlef Zöllner: Das Geld reicht eindeutig nicht aus. Was für die Kinder zur Verfügung steht - da müssen die meisten Eltern sehr knapsen. Die Sätze reichen vorn und hinten nicht.

Wo fehlt es am meisten?

Es fängt schon beim Essen und der Kleidung an. Die Eltern kommen ja gar nicht und klagen über zu wenig Geld für Hobbys oder Kino - darüber hat in meiner Beratung noch keiner ein Wort verloren.

Essen und Kleidung sollten doch aber abgedeckt sein?

Um seine Kinder vollwertig zu ernähren, dafür reicht es auf keinen Fall. Bei mehreren Geschwistern können Kinder nur nacheinander neue Kleidung bekommen. In der Schule und im Hort sind andauernd Beiträge zu zahlen. Und am Ende des Monats gibt es bei vielen einfach Nudeln.

...
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rodion


Beiträge: 146


« Antworten #59 am: 02. Februar 2009, 21:43:50 »


"Bei mehreren Geschwistern können Kinder nur nacheinander neue Kleidung bekommen."

auch wenn es ihn als rächer der armen, witwen und waisen ehrt, liegt der herr zöllner hier falsch. bei uns z.b. ist es so, daß die jüngeren die kleider von den größeren auftragen. neue klamotten für die kleinen sind luxus.
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Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8920


« Antworten #60 am: 03. Februar 2009, 19:52:21 »

... Bei mehreren Geschwistern können Kinder nur nacheinander neue Kleidung bekommen. In der Schule und im Hort sind andauernd Beiträge zu zahlen. Und am Ende des Monats gibt es bei vielen einfach Nudeln. ...

Die Art von Armut ist seit Jahrhunderten bekannt, daß die schon verschlissenen Kleidungsstücke der großen Geschwister von den kleineren getragen werden müssen. Aus solchen aufgezwungenen Lebensbedingungen hat die ach so freiheitlich-demokratische Bundesregierierung vor lauter strotzender Arroganz und Überheblichkeit aus mittelalterlicher Geschichte immer noch nichts gelernt. Aber in der Weltgeschichte rumkutschen und auf andere Länder mit eigenen dreckigen Fingern zeigen.

Merkeln räum endlich Deinen eigenen Hartz-Saustall auf!!! Es gibt viel zu tun für die Politik der ruhigen Hand, die Du von Deinem fetten Ziehvater übernommen hast.
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Kuddel


Beiträge: 11486


« Antworten #61 am: 06. März 2009, 20:01:58 »

Nach einem Bericht der EU ist die Kinderarmut in Deutschland von 12 auf jetzt 14 Prozent gestiegen, d.h. 14 Prozent aller Kinder in Deutschland leben derzeit an oder unterhalb der Armutsgrenze. Im EU-Schnitt sind es sogar 19 Prozent der Kinder. Betroffen sind vor allem die Kinder von Arbeitslosen oder Alleinerziehenden.
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Arwing


Beiträge: 1477


« Antworten #62 am: 23. März 2009, 17:34:20 »

Heute zitierte die Tageszeitung eine Politikerin (Tageszeitung nur als Aushang gelesen) in Erwiderung auf eine Stellungnahme des Ethikrates Deutschland. Demnach sei Hartz-4 nicht ausreichend für eine gesunde Ernährung von Kindern, da eine abwechslungsreiche und gesunde Kost nunmal nicht günstig sei.

Die Politikerin, ich glaube von der CDU/CSU, sprach hingegen von der mangelnden Verantwortung der Familien, wenn man die Kinder zu dick werden liesse, was ein Zeichen dafür sei, dass Hartz-4 für die Ernährung der Kinder mehr als ausreichend sei. Man sollte den Kindern statt die Hartz-4 Regelsätze zu erhöhen, lieber das Kochen und Sparen beibringen. Sie sprach sich insbesondere für Kochkurse von Kindern in der Schule aus.

Da packt einen nur noch die Wut über derartige Aussagen.
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Das aktuelle Geldsystem ist auf die Gewinnmaximierung einer kleinen Elite ausgerichtet, die von der Gemeinschaft der Bürger Europas erbracht werden soll und die politische Elite fungiert als Handlanger.
Eivisskat
Gast
« Antworten #63 am: 23. März 2009, 18:06:34 »

Heute zitierte die Tageszeitung eine Politikerin (Tageszeitung nur als Aushang gelesen) in Erwiderung auf eine Stellungnahme des Ethikrates Deutschland. Demnach sei Hartz-4 nicht ausreichend für eine gesunde Ernährung von Kindern, da eine abwechslungsreiche und gesunde Kost nunmal nicht günstig sei.

Die Politikerin, ich glaube von der CDU/CSU, sprach hingegen von der mangelnden Verantwortung der Familien, wenn man die Kinder zu dick werden liesse, was ein Zeichen dafür sei, dass Hartz-4 für die Ernährung der Kinder mehr als ausreichend sei. Man sollte den Kindern statt die Hartz-4 Regelsätze zu erhöhen, lieber das Kochen und Sparen beibringen. Sie sprach sich insbesondere für Kochkurse von Kindern in der Schule aus.

Da packt einen nur noch die Wut über derartige Aussagen.



Das war diese ZICKE, diese Gen-Food Lobbyistin, die u.a. den Anbau von Pharma-Pflanzen wie Cholera-Kartoffeln in D. fördert.
Warscheinlich will sie (wie in Indien) das Gen-Food dann gleich an die Armen verfüttern, nach dem Motto: Is ja billiger...
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Zitat
Ministerin Aigner: „Hartz IV reicht für gesundes Essen“

Im Gegensatz zu Ärzten und Gewerkschaftern hält die Verbraucherministerin den Hartz-IV-Satz für eine gesunde Ernährung für ausreichend. Das Problem in den Familien sei oft nicht ein Mangel an Geld, sondern an Kochkenntnissen.

BERLIN - Auch Hartz-IV-Empfänger können nach Ansicht von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) ihre Kinder gesund und vollwertig ernähren. Der ALG-II-Regelsatz für Kinder reiche hierfür aus, sagte die Bundesernährungsministerin dem epd in Berlin. Ernährungswissenschaftler, Mediziner und Gewerkschaftsvertreter gehen dagegen davon aus, dass das Arbeitslosengeld II für eine gute tägliche Essensversorgung zu niedrig bemessen ist.

Zu geringes Kochwissen

Zwar seien besonders ärmere Kinder oder Migranten-Kinder in Deutschland übergewichtig, räumte Aigner ein. Das liege aber nicht daran, dass der Staat zu wenig Geld für gutes Essen gebe, sondern an lückenhaften Kochkenntnissen und zu geringem Wissen über Nahrungsmittel.

Angesichts von Übergewicht und oft falscher Ernährung sprach sie sich dafür aus, dem Essen im Schulunterricht mehr Bedeutung zu geben. Die Erziehung zum Umgang mit Lebensmitteln müsse "ein selbstverständlicher Teil des Lernens in Kindergärten und Schulen" werden, sagte sie. Dazu gehöre auch das Kochen. Die Kinder müssten hier lernen, was ihnen ihr Elternhaus nicht vermittele.

Absage an "Ampel"-Kennzeichnung
Zur Forderung von Ärzten und Verbraucherschützern nach einer "Ampel"-Kennzeichnung für Lebensmittel sagte die Ministerin, die Ursache für Übergewicht könne nicht einzig und allein auf die Form der Kennzeichnung zurückgeführt werden. Das derzeit in Deutschland praktizierte "1 plus 4"-Modell zur Nährwertinformation sollte das künftig europaweit verpflichtende Kennzeichnungsmodell werden, empfahl sie. Dabei werden Brennwert sowie Gehalt an Fett, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz angegeben.

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments wollte sich ursprünglich Ende März mit der Lebensmittel-Kennzeichnung befassen, das EU-Parlament im Mai. Nach Protesten aus der Industrie sollen die Brüsseler Pläne allerdings nochmals überarbeitet und ihre Umsetzung verschoben werden. (epd)

(epd) http://www.ksta.de/html/artikel/1237549981100.shtml



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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #64 am: 24. März 2009, 12:25:25 »

Heute zitierte die Tageszeitung eine Politikerin (Tageszeitung nur als Aushang gelesen) in Erwiderung auf eine Stellungnahme des Ethikrates Deutschland. Demnach sei Hartz-4 nicht ausreichend für eine gesunde Ernährung von Kindern, da eine abwechslungsreiche und gesunde Kost nunmal nicht günstig sei.

Die Politikerin, ich glaube von der CDU/CSU, sprach hingegen von der mangelnden Verantwortung der Familien, wenn man die Kinder zu dick werden liesse, was ein Zeichen dafür sei, dass Hartz-4 für die Ernährung der Kinder mehr als ausreichend sei. Man sollte den Kindern statt die Hartz-4 Regelsätze zu erhöhen, lieber das Kochen und Sparen beibringen. Sie sprach sich insbesondere für Kochkurse von Kindern in der Schule aus.

Da packt einen nur noch die Wut über derartige Aussagen.

Wer dick ist, muß noch lange nicht ausreichend und gesund ernährt sein, sondern wird mit billiger Fast-Food-Freßorgiennahrung von großen amerikanischen Ketten zugestopft. Das sollten sich mal die Politiker von den Unternehmerparteien CDU/CSU/FDP und die predigenden Geistlichen der katholischen Kirche hinter die schwarzen, asozialen, verlogenen Lauscher schreiben. Aber was soll man auch von Leuten anders erwarten, die den Pfeng' nicht dreimal rumdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben. Solche Leute müssen keine Bekanntschft mit steigenden Lebensmittelpreisen machen.

Und Gymnastiik und Sport kostet auch Geld. Woher nehmen und nicht stehlen!

Ich wüßte schon - von solchen verlogenen Predigern, die immer dem Volk Wasser predigen, selbst aber heimlich Wein saufen.
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #65 am: 29. Juli 2009, 15:21:34 »

Hatten wir eigentlich das schon?

Niedriger Regelsatz für Kinder von Hartz-IV-Familien ist tatsächlich verfassungswidrig - das BVerfG bescheinigt dem Gesetzgeber Menschen- und Volksfeindlichkeit und läßt das auch für den leitenden Beamtenapparat der Bundesagentur für Arbeit gelten.

So die Kernaussage in der letzten Sendung von "Menschen bei Maischberger" vor der Sommerpause in Ersttermin: 03.02.2009, 22:45 Uhr,  Wiederholungstermine: Mittwoch, 29. Juli, 9.30 Uhr (MDR), Hartz IV: Der große Betrug?

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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #66 am: 15. Januar 2010, 12:33:59 »

Zitat
Die Lage der Kinder in Deutschland hat sich zwar verbessert, ist aber im Vergleich zu anderen Industrieländern weiterhin nicht besonders gut. Das ergab eine Studie, die das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF vorlegte. Besonders alleinerziehenden Müttern und ihrem Nachwuchs geht es demanch relativ schlecht. In keinem anderen Industriestaat schätzten die Jugendlichen zudem ihre Zukunft so düster ein wie hierzulande, sagte die Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, Stachelhaus, in Berlin. Insgesamt liegt die Bundesrepublik auf Platz acht und damit drei Plätze besser als bei der letzten Studie 2007.

www.dradio.de/nachrichten 14.1.09

Zitat
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen diagnostiziert in Deutschland wachsende Kinderarmut, ein steigendes Armutsrisiko Alleinerziehender und mangelnde Bildungsgleichheit – Probleme, die von der Politik seit langem ignoriert werden. Auch die schwarz-gelbe Bundesregierung verteilt Geschenke an Besserverdienende, während diejenigen, die Unterstützung am nötigsten hätten, leer ausgehen. Kindergelderhöhungen und höhere Kinderfreibeträge kommen nicht bei denen an, die dringend mehr Unterstützung bräuchten.

Gerade hinsichtlich der schweren Situation von Alleinerziehenden, auf die der Bericht besonders hinweist, stellt sich die Politik hierzulande seit Jahren blind. Hier wirken gleich mehrere Faktoren armutsverschärfend: der vermurkste Kinderzuschlag, die nach wie vor zu niedrigen Kinderregelsätze und die Anrechnungspraxis für den Kindesunterhalt innerhalb des ALG II und fehlende Kinderbetreuungsangebote.

http://www.scharf-links.de/40.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=8328&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=bc3e5bfc89
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Kuddel


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« Antworten #67 am: 24. Juni 2010, 20:46:43 »

Einen Tag vor Beginn der G8- und G-20-Gipfel in Kanada schlägt Unicef Alarm. Die Kinder in den Entwicklungs- und Schwellenländer seien die größten Verlierer der Wirtschaftskrise: Armut, Hunger und Krankheiten bei Kindern würden rapide zunehmen.
(...)
Nach dem Unicef-Report 2010 nehmen extreme Armut und Ungleichheit weiter zu. Fortschritte beim Kampf gegen Kindersterblichkeit, bei der Bildung und dem Zugang zu sauberem Wasser in den ärmsten Ländern fielen deutlich geringer aus als vor der Krise erwartet. Die Ernährungslage für die ärmsten Familien habe sich dramatisch verschlechtert. In Südasien könnten 33 Prozent der Menschen ihren täglichen Mindestbedarf an Kalorien nicht decken, fast jedes zweite Kind habe Untergewicht.

http://www.fr-online.de/top_news/2783863_Kinder-sind-Verlierer-der-Krise.html
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« Antworten #68 am: 20. September 2012, 21:28:53 »

Armut in Deutschland
Jedes siebte Kind lebt von Hartz IV

1,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Ihr Anteil ist leicht gesunken. Die meisten armen Kinder gibt es in Berlin ...

Quelle: TAZ
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« Antworten #69 am: 09. Januar 2014, 20:07:26 »

Zitat
Wo in Deutschland am meisten arme Kinder leben

Urlaub kennen sie nicht, ihre Wohnverhältnisse sind miserabel, es fehlt ihnen sogar an warmer Winterkleidung: 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind von Armut bedroht. Eine brisante Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, wo die Not am größten ist.

In Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ist das Armutsrisiko für Kinder mit mehr als 33 Prozent bundesweit am höchsten. Das geht aus der in Düsseldorf vorgestellten Untersuchung zur regionalen Armutsentwicklung hervor, die auf Zahlen von 2012 beruht. Die niedrigste Quote gibt es in der bayrischen Oberpfalz mit knapp zehn Prozent, dicht gefolgt von weiteren Gegenden in Bayern und Baden-Württemberg. Der Bundesdurchschnitt lag demnach 2012 bei 18,9 Prozent.

Allerdings habe es in den vergangenen Jahren eine Annäherung zwischen beiden Landesteilen gegeben, schrieben die Sozialwissenschaftler in ihren neuen WSI-Report. Während die Kinderarmut in Ostdeutschland seit 2005 sank, stieg sie insbesondere in einigen Regierungsbezirken Nordrhein-Westfalens deutlich an.

Vor allem über die Situation in Nordrhein-Westfalen äußerten sich die Experten alarmiert. "Das Ausmaß und die Entwicklung der Einkommensarmut unter Kindern in den Regionen Nordrhein-Westfalens sind bedenklich", erklärten sie. So habe es im Bezirk Münster im Vergleichszeitraum den bundesweit höchsten Anstieg der Quote von 18 Prozent auf 22,4 Prozent (2012) gegeben.

http://www.t-online.de/eltern/familie/id_67325296/kinderarmut-wo-in-deutschland-am-meisten-arme-kinder-leben.html
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sxtobias


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« Antworten #70 am: 19. Februar 2014, 15:50:23 »

Oh man, ist das traurig... warscheinlich ist es mittlerweile nicht besser geworden...  angry
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jacha


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« Antworten #71 am: 13. März 2015, 21:40:17 »

warum sich ausgerechnet die Bertelsmann-Stiftung zum Zusammenhang zwischen Armut (Verzeihung, es muß korrekterweise "von Armut bedroht" heißen, in D ist man ja dank SGB-Vollzug davor geschuetzt, in Armut zu geraten und dort zu bleiben) und Benachteiligung von Kindern in ihrer juengsten Studie in der Stadt Muelheim auslaeßt? Sie war doch selber - allerdings auf sehr listenreiche Weise, ohne direkte Tatbeteiligung, an der Schroederschen Asozialpolitik, der Umverteilung von unten nach oben, der Pauperisierung breiter Bevoelkerungsschichten beteiligt.
Die einzige Erklaerung, die mir einfaellt, ist, daß sie die mangelhafte Inanspruchnahme des Buerokratiemonsters "Bildungs- und blah-"Pakets thematisieren moechte. Also das Dingens, womit den Kindern Mitgliedschaften in Sportvereinen finanziert werden, damit man ihnen hinterher die A-Karte zeigen kann, indem die Buerokraten die Sportbekleidung bzw. -ausruestung dann eben grade nicht bezahlen. Oder so. 
Aber so billig kann die Loesung des "Raetsels Kinderbenachteiligung" wohl doch nicht sein.
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« Antworten #72 am: 14. März 2015, 10:38:40 »

Das Problem Kinderarmut ist doch längst gelöst, mit Eintritt in die Volljährigkeit wird Armut zum selbst verschuldeten Sozialschmarotzertum, Armut ist per Gesetz auf 18 Jahre begrenzt.
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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« Antworten #73 am: 14. März 2015, 11:57:22 »

Das Problem Kinderarmut ist doch längst gelöst, mit Eintritt in die Volljährigkeit wird Armut zum selbst verschuldeten Sozialschmarotzertum, Armut ist per Gesetz auf 18 Jahre begrenzt.

Das Problem der Kinderarmut in Deutschland wird sich bald erledigt haben, denn immer größere Teile der Bevölkerung bleiben kinderlos. Vollkommen verständlich.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
jacha


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« Antworten #74 am: 16. März 2015, 20:10:40 »

Arbeitslosigkeit aelterer Arbeitnehmer. Die werden erst aus der Statisitk gelogen und dann zwangsverrentet. Und durch das Aufsplittern einer einzigen Vollzeitstelle in 4 bis 5 Minijobs kann man obendrein noch vom Jobwunder faseln. Dachte ich mir schon. Nur ...
Das Problem Kinderarmut ist doch längst gelöst, mit Eintritt in die Volljährigkeit wird Armut zum selbst verschuldeten Sozialschmarotzertum, Armut ist per Gesetz auf 18 Jahre begrenzt.
...wie konnten das die Bertelsmaenner uebersehen? Oder veroeffentlichen sie neuerdings nur noch Studien zu Problemen, die die fleißigen, kompetenten Politiker der BRD geloest haben?
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cetervm censeo h.IV esse delendam
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