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Autor Thema: Galeere Telekom  (Gelesen 12566 mal)
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Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8920


« am: 21. November 2005, 03:46:36 »

junge welt: Galeere Telekom

21.11.2005 Hans-Gerd Öfinger

»Überschüssige« Beschäftigte des Konzerns werden zwar nicht über Bord geworfen, aber in die Personalservice Agentur »Vivento« abgeschoben

»Die Zeiten der Sozialpartnerschaft sind vorbei. Das Kapital hat den sozialen Konsens aufgekündigt«, erklärte Conrad Schuhler. Der Wissenschaftler vom Münchner Institut für Sozial-Ökologische Wirtschaftsforschung (ISW) sprach in der vergangenen Woche auf einer regionalen Betriebsversammlung der Deutschen Telekom in Limburg. Schuhler, der sich intensiv mit den Hintergründen des forcierten Arbeitsplatzabbaus bei der Deutschen Telekom befaßt hat und hierzu schon mehrfach zu regionalen Betriebsversammlungen geladen war, fand in den über 1000 versammelten Telekom-Beschäftigten aus Hessen und Rheinland-Pfalz in der Stadthalle der Domstadt an der Lahn aufmerksame Zuhörer.

Sein Appell, jetzt auf Kampf und Konflikt zu setzen und um jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen, entsprach offenbar den Erfahrungen der versammelten Telekom-Beschäftigten. Mit einer Protestaktion machte eine Gruppe von Gewerkschaftern deutlich, was sie vom System Telekom hält: In die Gewänder römischer Sklaven gekleidet, ruderten sie auf einer symbolischen römischen Galeere. »Unproduktive« Sklaven wurden über Bord geworfen, die Galeere immer langsamer. Schließlich landeten die Übriggebliebenen völlig ausgelaugt auf einer weiteren Galeere mit dem Namen »Vivento«. Sozusagen auf dem Totenschiff.

Wie vor 2000 Jahren

Was wie die Übung einer kleinen Theatergruppe anmutete, hat eine realistischen Kern: Vivento ist der Name eine Personal-Serviceagentur der Deutschen Telekom. Vivento, intern mit »wie wenn tot« übersetzt , fungiert als eine Art konzerninterne Arbeitsagentur, in die »überschüssige« Telekom-Beschäftigte abgeschoben werden. Der Frankfurter Betriebsratsvorsitzende Gerd Grönitz sagte gegenüber jW: »Eigentlich hat sich in den letzten 2000 Jahren im Umgang mit den ›Untertanen‹ nicht viel verändert. Auch die eingesetzten Methoden unterscheiden sich nicht.«

Während ein Vertreter des Telekom-Managements auf der Betriebsversammlung Konkurrenzdruck und Globalisierung als Gründe für den geplanten Abbau von 32000 Arbeitsplätzen bis 2007 anführte und den Beschäftigten ein »freiwilliges« Ausscheiden schmackhaft machen wollte, unterstrichen Vertreter von Betriebsrat und Gewerkschaft, daß die Beschäftigten für hohe Gewinne, eine massive Entschuldung des Konzerns und gute Dividenden für die Aktionäre gesorgt hätten und keine Dispositionsmasse für Vorstände und Aktionärsinteressen seien.

Aufmerksam hatten die Versammelten Schuhlers Ausführungen verfolgt. Die Globalisierung sei keineswegs ein technologischer Sachzwang, sondern ein politisches Fabrikat, so der Wissenschaftler. Dabei sei es schon ein politisches Faktum, daß die Konzerne im »Mutterland« riesige Kapitalüberschüsse erzielten, für die sie dann weltweit Anlagemöglichkeiten suchten. Der Export von Kapitalüberschüssen werde nicht nur geduldet, sondern auch steuerlich gefördert, so Schuhler.

Das Zauberwort der Neoliberalen heiße EVA (Economic Value Added). Dies bezeichnet den nach ihrer Denkungsart vom Unternehmen zu den Kosten hinzugefügten Mehrwert. Im Klartext bedeute dies, daß das Unternehmen ein höheres Ergebnis anstrebe, als die Kapitalgeber mit ihrem Geld irgendwo sonst auf der Welt erzielen könnten: »EVA soll also höher sein, als die Kapitalisten mit ihrem Geld an den Börsen der Welt von den Cayman Islands bis nach Hongkong an Zinsen erzielen könnten«, so Schuhler weiter.

Nicht abspeisen lassen

Auch bei der Telekom würden unternehmerische Entscheidungen prinzipiell danach getroffen, ob sie den Aktionären einen höheren Kurs oder eine höhere Dividende bringen, erklärte der Referent. Der frühere »Sozialpartner«, die Belegschaft, sei jetzt bloß noch Personalaufwand, der wie Materialaufwand zu minimieren sei. Früher habe ein Kapitalist einen Arbeiter eingestellt, wenn dessen Arbeitsleistung mehr an Wert brachte als der Arbeiter selbst kostete und dieser Wert über dem nationalen Kapitalzins lag. Diese Zeiten seien längst vorbei. Denn während der Diskontsatz in Deutschland derzeit bei zwei Prozent liege und die Geldzinsen, die Banken zahlen, eher noch darunter, verlange die Telekom eine Verzinsung von acht Prozent. Wenn dieser Maximalzins durch die Arbeitsleistung der Beschäftigten nicht hereinkomme, dann werde eben entlassen bzw. nicht mehr eingestellt.

Schuhler verwies darauf, daß selbst der Porsche-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Uwe Hück, der klassenkämpferischer Parolen unverdächtigt sei, die Folgen der Globalisierung mit den Worten zusammengafaßt hat: »Die Globalisierung hat eins gebracht: daß die Arbeitgeber sich nach den Gehältern der Amerikaner richten und die Arbeitnehmer sich nach denen der Chinesen.«

»Die höchst profitable Entwicklung der Telekom geht eindeutig zu Lasten der Beschäftigten«, lautete Schuhlers Fazit, der die Versammelten dazu aufrief, sich nicht mit Vorruhestand oder Abfindungen abspeisen zu lassen, die in den meisten Fällen nur den Weg in die Altersarmut wiesen. Daher sei ein zäher Kampf um jeden Arbeitsplatz angesagt: »Das Interesse der Menschen an Arbeit und existenzsichernden Einkommen ist moralisch höher zu bewerten als das Profitstreben der anderen Seite«, erklärte Schuhler.
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #1 am: 13. Februar 2009, 17:29:03 »

Telekom-Mitarbeiter treten in Streik

Die Verhandlungen sollen am 26./27. Februar fortgesetzt werden


Halberstadt/Leipzig (ddp-lsa). Im Tarifstreit bei der Deutschen Telekom setzt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di heute ihre Warnstreiks fort. Rund 200 Telekom-Beschäftigte in Halberstadt, Erfurt und Zwickau seien aufgerufen, die Arbeit niederzulegen, teilte der ver.di-Landesbezirk für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig mit.

Am Donnerstag waren etwa 290 Mitarbeiter im Kunden- und Technikservice in Dresden, Radebeul und Magdeburg für mehrere Stunden in den Ausstand getreten. Weitere Streiks seien für 16. Februar geplant, hieß es.

Die Tarifverhandlungen zwischen der Telekom und ver.di waren am Mittwoch auch in der dritten Runde ohne Ergebnis geblieben. ver.di fordert den Angaben zufolge 8,5 Prozent, mindestens aber 220 Euro mehr Gehalt monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben bislang eine Erhöhung von drei beziehungsweise 2,5 Prozent im Folgejahr bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten.

Die Verhandlungen sollen am 26./27. Februar fortgesetzt werden.

(ddp)

http://www.ad-hoc-news.de/telekom-mitarbeiter-treten-in-streik--/de/Politik/20045587
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #2 am: 17. Februar 2009, 12:24:55 »

ver.di weitet Warnstreiks bei der Telekom aus


München (ddp-bay). Im Tarifstreit mit der Deutschen Telekom weitet die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in dieser Woche ihre Warnstreikaktionen aus. Heute (16. Feburar) sind die Mitarbeiter in allen bayerischen Call-Centern zum Streik aufgerufen. Kunden müssten sich daher auf eine mangelhafte Erreichbarkeit einstellen, kündigte die Gewerkschaft an. Auch Leitungsschaltungen würden erst ab Mittag wieder erledigt.

Die Tarifverhandlungen zwischen der Telekom und ver.di waren am vergangenen Mittwoch auch in der dritten Runde ohne Ergebnis geblieben. ver.di fordert für die rund 83 000 Beschäftigten 8,5 Prozent, mindestens aber 220 Euro mehr Gehalt monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben bislang eine Erhöhung von drei beziehungsweise 2,5 Prozent im Folgejahr bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten. Die Verhandlungen sollen am 26. Februar fortgesetzt werden.

ddp/maa/arh

Url zum Artikel: http://www.ad-hoc-news.de/sperrfrist-5-00-uhr-ver-di-weitet-warnstreiks-bei-der--/de/Wirtschaft-Boerse/Wirtschaft/20049334
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Kuddel


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« Antworten #3 am: 23. März 2016, 15:10:43 »

Zitat
70.000 Telekom-Beschäftigte streiken

Die Tarifverhandlungen für rund 70.000 Mitarbeiter der Deutschen Telekom sind am Dienstag von Warnstreiks begleitet worden. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beteiligten sich daran bundesweit insgesamt 3000 Beschäftigte aus Vertrieb und Service. Mit den Arbeitsniederlegungen forderten die Beschäftigten die Telekom auf, wie angekündigt ein Angebot vorzulegen, erklärte Verdi-Streikleiter Frank Sauerland.

Bei den Tarifverhandlungen geht es vorrangig um die Mitarbeiter der Telekom Deutschland - also der Unternehmenseinheit, die hierzulande die Festnetz- und Mobilfunkkunden betreut. Aufgrund der Warnstreiks müssten voraussichtlich Termine von Servicetechnikern verschoben werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Die bisherigen Protestaktionen seien aber "überschaubar" ausgefallen. Laut Verdi beteiligten sich in der vergangenen Woche bereits mehr als 12.000 Beschäftigte an Protesten und Warnstreiks.

Die Tarifgespräche gingen am Dienstag und am Mittwoch in die dritte Runde. Verdi fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine Komponente, mit der die unteren Einkommen überproportional angehoben werden. Darüber hinaus sollen betriebsbedingte Kündigungen weiter ausgeschlossen werden. Die Telekom strebt nach Angaben eines Sprechers eine Einigung in der für nach Ostern angesetzten vierten Verhandlungsrunde an.
http://www.n-tv.de/ticker/70-000-Telekom-Beschaeftigte-streiken-article17287846.html
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counselor


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« Antworten #4 am: 11. September 2018, 20:57:00 »

Zitat
Telekom: T-Systems startet Abbau Tausender Jobs

T-Systems-Chef Adel Al-Saleh macht Ernst: In einem ersten Rutsch sollen 3765 Stellen bei der Telekom-Sparte abgebaut werden.

Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Telekom-T-Systems-startet-Abbau-Tausender-Jobs-4158509.html
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
Nikita


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« Antworten #5 am: 12. September 2018, 12:48:26 »

Zitat
Telekom: T-Systems startet Abbau Tausender Jobs

T-Systems-Chef Adel Al-Saleh macht Ernst: In einem ersten Rutsch sollen 3765 Stellen bei der Telekom-Sparte abgebaut werden.

Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Telekom-T-Systems-startet-Abbau-Tausender-Jobs-4158509.html

Die Telekom versucht dabei Mitarbeiter aus Festverträgen in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zu drängen mit der Aussicht auf zwei Jahre Beschäftigungsgarantie. Ich bezweifele, dass das legal ist.
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tleary


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« Antworten #6 am: 20. September 2018, 03:18:40 »

Die Telekom versucht dabei Mitarbeiter aus Festverträgen in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zu drängen mit der Aussicht auf zwei Jahre Beschäftigungsgarantie. Ich bezweifele, dass das legal ist.
Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. Von einem unbefristeten Beschäftiungsverhältnis zu einem anderen unbefristeten Beschäftungsverhältnis incl. 2 Jahren Beschäftigungsgarantie ist doch nichts schlechtes?

Oder meintest du, es ist mit einer Gehaltskürzung verbunden?
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"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
Fritz Linow


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« Antworten #7 am: 28. September 2018, 09:36:55 »

Zitat
27.9.18
Gewerkschafter werden bei T-Mobile US gekündigt

Die Deutsche Telekom ist in Deutschland der Sozialpartnertnerschaft mit den Gewerkschaften verpflichtet. In den USA scheint das anders auszusehen.
Verdi fordert von der Deutschen Telekom weltweite freie gewerkschaftliche Betätigung, auch bei T-Mobile US. Das erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft am 27. September 2018. Seit dem Einstieg der Deutschen Telekom würden die Beschäftigten von T-Mobile US "systematisch eingeschüchtert und unter Druck gesetzt bis hin zur Kündigung, um ihre gewerkschaftliche Organisierung zu verhindern". Dies werde vom Konzernchef Timotheus Höttges offenbar geduldet, betonte Verdi.(...)
https://www.golem.de/news/deutsche-telekom-gewerkschaftler-werden-bei-t-mobile-us-gekuendigt-1809-136835.html
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