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Autor Thema: Kämpfe in der Automobilindustrie  (Gelesen 60907 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 736


« Antworten #225 am: 18. Juli 2017, 19:29:18 »

Bemerkenswerte Besitzstruktur:

Zitat
Freie Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde) (50,4 %)
Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg – Girozentrale (12,6 %)
Finanzholding der Sparkasse in Bremen (12,6 %)
Waldemar Koch Stiftung (5,2 %)
Streubesitz (19,2 %)
https://de.wikipedia.org/wiki/BLG_Logistics_Group

Das größte Automobil-Umschlagsunternehmen in Deutschland wird sozusagen vom Stadtstäätchen betrieben. Geiler Filz.
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Kuddel


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« Antworten #226 am: 18. Juli 2017, 19:53:22 »

In Bremen berüchtigte SPD-Verdi Mafia.
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Kuddel


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« Antworten #227 am: 19. Juli 2017, 16:47:58 »

Seit dem 27. Juni 2017 streiken 2.000 Autoarbeiter_innen im serbischen Kragujevac.

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) ist ein Joint Venture zwischen FIAT (67%) und der serbischen Regierung (33%), der einzige Autohersteller in Serbien. Das Unternehmen exportierte zwischen Januar und April 2017 Autos im Wert von 382,2 Millionen Euro, obwohl 2016 die Produktion gedrosselt und 700 Arbeiter entlassen wurden.

Die Arbeiter_innen streiken wegen des hohen Arbeitsdrucks. Sie fordern zudem eine Erhöhung des Grundlohnes, etwa von 310 auf 370 Euro. Die Gewerkschaft Samostalni Sindikat sagt, dass FCA etwa 0,5% ihres Profites verwenden müsste, um die geforderten Lohnerhöhungen zu finanzieren.

Bei einer Abstimmung am 12. Juli 2017 beschlossen zwei Drittel der Belegschaft weiter zu streiken.

Zum Video: http://de.labournet.tv/streik-bei-fiat-chrysler-automobiles-serbien
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Kuddel


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« Antworten #228 am: 09. August 2017, 19:30:15 »

Bemerkenswerte Besitzstruktur:

Zitat
Freie Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde) (50,4 %)
Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg – Girozentrale (12,6 %)
Finanzholding der Sparkasse in Bremen (12,6 %)
Waldemar Koch Stiftung (5,2 %)
Streubesitz (19,2 %)

https://de.wikipedia.org/wiki/BLG_Logistics_Group

Das größte Automobil-Umschlagsunternehmen in Deutschland wird sozusagen vom Stadtstäätchen betrieben. Geiler Filz.


Aktuelles vom Bremer Filz:
Zitat
Bremer Logistikunternehmen
Kritik an Fremdarbeit bei der BLG

In einem Geschäftsbereich der Bremer BLG liegt die Quote der Mitarbeiter, die nicht direkt bei dem Logistiker angestellt sind, bei mehr als 44 Prozent. Die Linke fordert, dass die Stadt einschreitet.



Im Februar demonstrierten GHB-Mitarbeiter für ihre Jobs. Der GHB hatte zuvor angekündigt, seine Distributionssparte zu schließen. Ein Großteil der betroffenen Angestellten war bei der BLG eingesetzt. Der Logistiker hat mehr als 300 der früheren GHB-Mitarbeiter übernommen.

Während die Zahl der direkt bei der BLG Logistics Group Beschäftigten in der Hansestadt in den vergangenen Jahren zugenommen hat, ist der Anteil der Mitarbeiter, der über den Gesamthafenbetriebsverein (GHB) oder Leiharbeitsfirmen für das Bremer Unternehmen tätig war, gesunken. Das geht aus einer Senatsvorlage auf Basis einer Großen Anfrage der Bürgerschaftsfraktion Die Linke hervor.

In dem Papier schlüsselt das Wirtschaftsressort die Beschäftigungsverhältnisse bei dem Logistiker auf. In Bremen arbeiteten demnach in der BLG-Sparte Automobile 2012 noch 1338 direkt bei der BLG Angestellte, vier Jahre später waren es 1702. Insgesamt 1114 GHB-Angestellte kamen 2012 im Bereich Automobile dazu, 2016 waren es noch 633. Die Zahl der Leiharbeitnehmer in diesem Segment hat das Ressort „wegen geringer Anzahl nicht ermittelt“.

Linke kritisiert Wachstum über Leiharbeit

Im Kontrakt-Bereich ergibt sich ein ähnliches Bild: 1108 direkte BLG-Mitarbeiter waren es in Bremen zum Stichtag 31. Dezember 2012, vier Jahre später 1842. Vom GHB wurden für diese Sparte 2012 insgesamt 1496 Arbeitnehmer zur BLG entsandt, im vergangenen Jahr waren es noch 528. Die Zahl der Leiharbeitnehmer in diesem Geschäftsbereich hat zugenommen: von 2012 mit 351 Leiharbeitern auf 925 in 2016.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Claudia Bernhard, nennt die Zahlen „schrecklich“. Sie habe deutlich niedrigere Quoten erwartet. Im Kontraktbereich waren in Bremen Ende vergangenen Jahres 44,1 Prozent der Mitarbeiter nicht direkt bei der BLG beschäftigt, in der Automobil-Sparte 27,1 Prozent.

Aus Bernhards Sicht zeigen die Werte, dass der Logistiker sein Wachstum über Leiharbeit forciert habe. Sie kündigt an, dass ihre Fraktion das Wirtschaftsressort über einen Antrag auffordern will, die Zahl der Leiharbeiter und GHB-Angestellten bei der BLG herunterzufahren.

Bremen ist mit 50,4 Prozent Mehrheitseignerin der Bremer Lagerhausgesellschaft AG und hundertprozentige Kommanditistin der operativen Einheit BLG Logistics Group. Der GHB war Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten, weil er seine Distributionssparte schließen wollte. Ein Großteil der betroffenen GHB-Mitarbeiter war für die BLG im Einsatz. Der Logistiker sagte damals zu, mehr als 300 von ihnen zu übernehmen.
http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-wirtschaft_artikel,-kritik-an-fremdarbeit-bei-der-blg-_arid,1633500.html
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Fritz Linow


Beiträge: 736


« Antworten #229 am: 28. August 2017, 21:58:26 »

Wie soll man jetzt nach dem Streik bei Volkswagen in der Slowakei diese Meldung einordnen?
Zitat
25.8.17
In der Slowakei entstehen 1000 neue VW-Jobs

Wolfsburg  Die Kernmarke baut fast überall Personal ab, aber nicht am Boom-Standort Bratislava.


Deal, Belohnung, dankbares Frischfleisch? (abgesehen davon, dass die hier angegebenen Gehälter stark unter denen liegen, die während des Streiks vonseiten VW genannt wurden)

weiter:

Zitat
Wolfsburg/Bratislava. In den deutschen VW-Werken ist – bis auf den Standort Kassel – Jobabbau das große Thema. Aber andernorts wächst die Kernmarke. Und zwar gleich um die Ecke in der Slowakei. Dort sollen noch bis Jahresende weitere 1000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Da im Autoland Slowakei inzwischen ein Mangel an geeigneten Arbeitskräften herrscht, können sich auch Bewerber von außerhalb um die Jobs bemühen. „Es ist schwer, neue Mitarbeiter zu finden - unabhängig von der Qualifikation“, wird Vorstandsvorsitzender Ralf Sacht in slowakischen Medien zitiert. Es ist noch gar nicht lange her, da streikte ein Großteil der Mitarbeiter am Standort Bratislava fast eine Woche für höhere Löhne – und hatte am Ende damit Erfolg. VW zahlte nach eigenen Angaben in der Slowakei bereits vor dem Streik die höchsten Durchschnittslöhne – sie liegen je nach Qualifikation zwischen 1050 und 1250 Euro. Zusätzlich gebe es noch Bonuszahlungen.

Die VW-Gruppe in der Slowakei hat in der ersten Hälfte des Jahres bereits 400 neue Mitarbeiter eingestellt, so dass die Gesamtbelegschaft auf 12 700 anwuchs. Jetzt sollen nochmals 800 Jobs im Karosseriebau, der Lackiererei sowie den Montagen hinzukommen. Zudem werden 200 hochqualifizierte Mitarbeiter gesucht.

Grundsätzlich dürfte der Aufbau neuer Jobs in Europa eher die Ausnahme bleiben. Volkswagen will nach derzeitigem Stand sowohl den Anteil der Leiharbeitnehmer als auch einen Teil der Stammbeschäftigten (über die Altersteilzeit) abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen von Stammbeschäftigten werden hingegen weiterhin ausgeschlossen.

Eine positive Ausnahme bildet in Deutschland das Werk in Baunatal. Dort wird wegen der erhöhten Produktion von Doppelschaltgetrieben und der zentralen Funktion der weltweiten Teileversorgung frisches Personal gebraucht. Für die Jobs können sich auch Leiharbeiter bewerben, deren Verträge in Wolfsburg nicht verlängert werden.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211705889/In-der-Slowakei-entstehen-1000-neue-VW-Jobs.html
 
« Letzte Änderung: 28. August 2017, 22:54:31 von Fritz Linow » Gespeichert
ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6207


« Antworten #230 am: 20. September 2017, 15:12:44 »

Zitat
Streik bei Fiat in Serbien

In den letzten Monaten erschütterte eine Streikwelle die Automobilindustrie in Osteuropa. Die „Osterweiterung“-Strategie, die die führenden Automobilproduzenten in den letzten beiden Jahrzehnten verfolgte, um die Krise der Rentabilität zu überwinden, scheint in eine Sackgasse zu geraten, nachdem die ArbeiterInnen in Osteuropa begannen, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu verlangen.

Seit Januar dieses Jahres wurden die Standorte Audi Ungarn, Skoda Tschechien und VW Slowakei alle bestreikt. Der wahrscheinlich interessanteste Fall war jedoch der Streik der Fiat-Belegschaft in der serbischen Stadt Kragujevac in diesem Sommer. Im Gegensatz zu den Ländern der Visegrád-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) zog Serbien erst spät produktive Neuansiedlungen und Auslandsinvestitionen an, und die organisierte Arbeiterklasse hat weniger Erfahrung mit multinationalen Konzernen.

In den letzten Jahren erlebte Serbien mehrere radikale Streiks, die Straßenblockaden, Fabrikbesetzungen und Zusammenstöße mit den privaten Sicherheitskräften der Fabriken mit einschlossen. Doch trotz der kämpferischen Methoden hatten die meisten dieser Arbeitskämpfe einen defensiven Charakter. Sie umfassten normalerweise ältere ArbeiterInnen in staatlichen Betrieben, die jahrelang nicht mehr produzierten, oder in Unternehmen, die für Immobilienspekulationen oder irgendwelche anderen Mafia-Geschäfte privatisiert wurden. Die Streikforderungen konzentrierten sich darauf, unbezahlte Löhne zu erhalten, die oft monate- oder jahrelang nicht ausbezahlt wurden, den Zugang zur Krankenversicherung wiederzuerlangen oder fehlende Jahre bis zur Rente zu überbrücken. Während die Maschinen stillstanden, traten die ArbeiterInnen oftmals in den Hungerstreik, um Beachtung für ihre Sache zu erregen, doch ignoriert von Management und Regierung blieb ihre Misere jahrelang unbemerkt.

Der jüngste Streik bei Fiat in Kragujevac ist ein Wendepunkt, denn er fand in einer modernen, hochproduktiven Fabrik einer ausländischen Firma statt. Viele der Beschäftigten sind jung und haben keine Erfahrungen mit Arbeitskämpfen und ihre Forderungen waren offensiv. Am 27. Juni traten etwa 2000 ArbeiterInnen in den Streik und verlangten eine Lohnerhöhung von 38.000 auf 50.000 Dinar (320 auf 420 Euro), die Einstellung von zusätzlichen Arbeitskräften, um die individuelle Belastung zu verringern, sowie eine volle Auszahlung der Pendelkosten für Nachtschichten. Im Gegensatz zu den „spektakulären“ Streikformen in den letzten Jahren, wie die Hungerstreiks und Fabrikbesetzungen, organisierte sich die Fiat-Belegschaft durch die offiziellen Strukturen der Gewerkschaft und führte den Streik auf eine ziemlich „konventionelle“ Weise, in dem sie jeden Tag in den Betrieb fuhr, um sich neben die abgeschalteten Maschinen zu stellen oder Streikposten zu organisieren. Die Fiat-Leitung weigerte sich zu verhandeln, während der serbische Staat großen Druck auf die KollegInnen ausübte. Ihnen wurde eine versteckte politische Agenda unterstellt und es wurde behauptet, dass die Fiat-ArbeiterInnen im Vergleich noch privilegiert seien. Trotzdem dauerte der Streik fast einen Monat. Schlussendlich schloss die Gewerkschaftsführung ein Abkommen mit der Geschäftsleitung. Es sieht eine leichte Lohnerhöhung über die nächsten drei Jahre vor, wenn die Gewerkschaft garantiert, in dieser Zeit nicht zu streiken.

Letztlich ist das Ergebnis des Streiks im besten Fall ein Teilerfolg, für den mit dem skandalösen Versprechen, zukünftig keine Streiks zu führen, bezahlt wurde. Doch trotz diesem Verrat der Gewerkschaftsführung sind die weiteren sozialen und politischen Implikationen beträchtlich. Zunächst spiegeln die Forderungen das steigende Selbstbewusstsein der jungen Arbeitsklasse wider, die die Kraft in ihren Armen spürt. Fiat ist nur das größte von vielen ausländische Unternehmen in Serbien, viele kleinere Fabriken sind an seinen Hauptstandort angeschlossen. Der Streik wird eine Inspiration für andere ArbeiterInnen sein. Und zweitens zerstört der Streik die von der herrschenden Klasse verbreitete Illusion, dass die langsame Integration in den Weltmarkt und Auslandsinvestitionen der einzige Weg sind, um einen besseren Lebensstandard zu erreichen.
https://www.derfunke.de/index.php/rubriken/kapital-und-arbeit/2204-streik-bei-fiat-in-serbien
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Fritz Linow


Beiträge: 736


« Antworten #231 am: 26. September 2017, 21:12:11 »

Zitat
26.9.17
Bei VW gibt es viele Probleme, über die nicht geredet wird

Interview mit Andrzej und Sebastian, zwei der Initiatoren der betriebsübergreifenden Kommission der Inicjatywa Pracownicza bei VW in Poznań

Frage: Woher kam die Unzufriedenheit bei VW und die Idee, eine andere Gewerkschaft als die Solidarność zu gründen?

Andrzej: Die Probleme haben sich seit vielen Jahren angestaut. Wir hatten das Gefühl, dass die Solidarność nichts tut. Jedenfalls nicht so viel, wie die Arbeiter erwarteten. Wofür sie kämpfen wollen, was sie mit der Geschäftsführung vereinbaren wollen: das haben sie nie mit der Belegschaft besprochen. Sie haben immer nur gesagt, die Arbeiter würden schon zufrieden sein. An meiner Linie haben zwei Delegierte der Solidarność gearbeitet. Wenn ich sie gefragt habe, was es Neues aus der Gewerkschaft gibt, konnten sie nie irgendwas sagen. sie hatten nie irgendeine Ahnung. Anscheinend wurde von „oben“ der Informationsfluss nach „unten“ verhindert. Die „unten“ wollten sich ja eigentlich nützlich machen. Wir haben gesagt, wenn ihr irgendwelche Probleme habt, dann machen wir einen Protest usw.
(...)

http://ozzip.pl/english-news/item/2300-bei-vw-gibt-es-viele-probleme-ueber-die-nicht-geredet-wird
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