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Autor Thema: Unruhige Krankenhäuser?  (Gelesen 252095 mal)
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Gast
« am: 31. Dezember 2002, 03:45:04 »

Vor Jahren hat das Pflegepersonal unter dem Schlagwort "Pflegenotstand/Pflegeaufstand" Rabatz gemacht. Heute scheinen es hauptsächlich die Ärzte zu sein, die sich nichtmehr alles gefallenlassen...
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Gast
« Antworten #1 am: 14. März 2003, 23:57:49 »

Dem Gesundheitswesen soll es jetzt gründlich an den Kragen gehen. Das wird Patienten und Personal gleichermaßen treffen. Gibt es hier jemanden, der sich an die Aktionen in Kieler Krankenhäusern erinnern kann?
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non
Gast
« Antworten #2 am: 10. Mai 2003, 16:49:25 »

Zitat
Original von Anonymous

Dem Gesundheitswesen soll es jetzt gründlich an den Kragen gehen. Das wird Patienten und Personal gleichermaßen treffen. Gibt es hier jemanden, der sich an die Aktionen in Kieler Krankenhäusern erinnern kann?


Ja.

Was möchtest Du wissen?
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Gast
« Antworten #3 am: 12. Mai 2003, 21:53:52 »

Zitat
Original von non

Was möchtest Du wissen?


non,
eigentlich alles! Ich hab gehört, das waren weniger gewerkschaftliche Aktionen...

Wie fing das an?

Wie wurde das organisiert?

Warum passiert das heute nicht mehr?

Diese Erfahrungen scheinen verschütt gegangen zu sein. Leute, die erst ein paar Jahre dort arbeiten haben nochnichteinmal davon gehört. Und vielleicht würden die Erfahrungen ja auch Leuten aus anderen Branchen helfen!?!
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Pink Panther


Beiträge: 52


« Antworten #4 am: 27. August 2003, 00:03:38 »

non ist wohl aus diesem Forum auf nimmer-wiedersehen verschwunden.

Ich denke, ich kann aber einiges an Anekdoten beisteuern um deine Fragen zu beantworten.

Der Anfang des "PFLEGEAUFSTANDS" in Kiel hatte als Basis natürlich die ätzenden Arbeitsbdingungen im Pflegebereich. Aber es mußte noch etwas nachgeholfen werden. Es muß sich schon jemand um einen organisatorischen Anfang kümmern.

Der 1. Schritt kam von läppischen zwei Leuten: mein Kumpel machte gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ich selbst kam aus einen völlig anderen Bereich (Industrie). Wir sahen uns sowieso oft und redeten viel über unsere Jobs, die Kollegen, die Arbeitsbedingungen und das Funktionieren solcher Betriebe. Wir nahmen uns vor in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Wir waren gößenwahnsinnig genug zu zweit die Krankenhäuser aufmischen zu wollen. Wir waren nicht politisch organisiert, kannten uns aber in der Politszene aus. Da standen wir aber allein auf weiter Flur und erntenten nur Kopfschütteln.

Zu unseren ersten Aktionen gehörte das Anbringen von mit Filzstift handgemalten Plakaten zu Arbeitsbedingungen in Kieler Kliniken bei einen Straßenfest und am Schwarzen Brett der PUMPE. Wir schrieben von einer gespannten Stimmung in dem Bereich um warben um Unterstützung für Aktionen der Belegschaft (die wir ersteinmal dreist behauptet haben). Wir wurden dafür aus der Politszene angegriffen, das wäre der falsche Zeitpunkt und schädlich, bzw. wir sollten das doch bleiben lassen, mit Krankenschwestern könne man sowieso nichts anfangen. "Die und kämpfen? Lächerlich!" In der Szene galt es allein als politische Aufgabe sich um Nazis oder Atomkraftwerke zu kümmern.

Ich werde nach und nach weitere Geschichten nachschieben. Kann aber dauern...
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kumpel
Gast
« Antworten #5 am: 17. Oktober 2003, 18:50:09 »

Zitat
Original von Pink Panther

non ist wohl aus diesem Forum auf nimmer-wiedersehen verschwunden.

Ich denke, ich kann aber einiges an Anekdoten beisteuern um deine Fragen zu beantworten.

Der Anfang des "PFLEGEAUFSTANDS" in Kiel hatte als Basis natürlich die ätzenden Arbeitsbdingungen im Pflegebereich. Aber es mußte noch etwas nachgeholfen werden. Es muß sich schon jemand um einen organisatorischen Anfang kümmern.

Der 1. Schritt kam von läppischen zwei Leuten: mein Kumpel machte gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ich selbst kam aus einen völlig anderen Bereich (Industrie). Wir sahen uns sowieso oft und redeten viel über unsere Jobs, die Kollegen, die Arbeitsbedingungen und das Funktionieren solcher Betriebe. Wir nahmen uns vor in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Wir waren gößenwahnsinnig genug zu zweit die Krankenhäuser aufmischen zu wollen. Wir waren nicht politisch organisiert, kannten uns aber in der Politszene aus. Da standen wir aber allein auf weiter Flur und erntenten nur Kopfschütteln.

Zu unseren ersten Aktionen gehörte das Anbringen von mit Filzstift handgemalten Plakaten zu Arbeitsbedingungen in Kieler Kliniken bei einen Straßenfest und am Schwarzen Brett der PUMPE. Wir schrieben von einer gespannten Stimmung in dem Bereich um warben um Unterstützung für Aktionen der Belegschaft (die wir ersteinmal dreist behauptet haben). Wir wurden dafür aus der Politszene angegriffen, das wäre der falsche Zeitpunkt und schädlich, bzw. wir sollten das doch bleiben lassen, mit Krankenschwestern könne man sowieso nichts anfangen. "Die und kämpfen? Lächerlich!" In der Szene galt es allein als politische Aufgabe sich um Nazis oder Atomkraftwerke zu kümmern.

Ich werde nach und nach weitere Geschichten nachschieben. Kann aber dauern...


Ich möcht einiges ergänzen, weil ich mich auch etwas anders erinnere:

1.) Wichtig war damals, daß es im Ausland (vor allem Frankreich) starke Bewegungen von KrankenpflegerInnen gab, die sich selbst organsierten in "Koordinationen", das machte Mut. Aber auch heute gibt es immer wieder heftige Streiks international im Gesundheitswesen.

2) Es gab schon Kontakte in andere Städte, wo auch Leute aus dem Gesundheitswesen und in den Krankenhäusern ähnliche Erfahrungen machten, und die anfangs "kleinen" Aktionen schaukelten sich gegenseitig hoch zu der Idee die "Koordinationen" aus FRankreich auch hier ins Leben zu rufen  - also Treffen von KrankenpflegerInnen aus allen regionalen Kliniken zu mobilisieren, Versammlungen abzuhalten und ein Resultat waren koordinierten Demonstrationen in mindestens drei Städten. Man mag in Kiel anfangs isoliert begonnen haben, aber es gab schon Rückhalt.

3) Auch die "Anfeindungen" in der damaligen Kieler Szene möcht ich geraderücken: Inhaltlich wurden wir nicht ernst genommen, das stimmt, aber die Solidarität reichte doch so weit, daß einige Leute um halb sechs morgens vor den Kliniken standen und Flugblätter zur Mobilisierung verteilten. Nach wie vor denk ich, das war hilfreich, um die Leute im Betrieb zu schützen und es war klasse, was sich dann morgens für Diskussionen entwickelten auf der Schicht.

4) Ja, es mag genügen, wenn wenige den Anfang machen; aber es muß auf fruchtbaren Boden treffen - und da paßte es auch mit den Kollegen.
Viele die damals in der Klinik arbeiteten, hatten hier und da Erfahrung in politischen Zusammenhängen (Bürgerinitiativen o.ä.), viele wollten nicht studieren und wollten nicht in der Fabrik arbeiten  - eigenes Geld verdienen um unabhängig zu sein (schon die Ausbildung ist gut bezahlt), was "Sinnvolles" machen, die Möglichkeit von Teilzeitarbeit, um nebenher andere Ideen und Lebensentwürfe zu verwirklichen. Insgesamt ein bunt gemischtes Völkchen, in dem ein roter Faden war, daß man nicht einen einfach gestrickten Lebensentwurf hat. Bei manchen aus dem ersten Kern ging das am Ende richtig gut, bei anderen hatte es wirklich dramatische Folgen, daß die Bewegung nicht weiterlief, die meisten gingen später einen nehr oder weniger gewöhnlichen Weg (Betriebsrat etc).Dennoch am Anfang stimmte es und es war richtig - die Hoffnung auf ein anderes Leben war ein Motor.

5) Auffällig war in der ganzen Mobilisierung, daß die Protagonisten hauptsächlich von den Intensivstationen kamen.
Ich erklärte mir das so, daß dort einerseits die Zusammenarbeit und das ZusammenLeben (ich komm nochmal drauf zurück) wesentliches Element des Arbeitsalltags waren; die Mischung an Männern und Frauen war etwa 50/50, das heißt es gab dort viele, die nicht die Perspektive hatten, daß man irgendwann Kinder bekommt und sich wenigstens etwas rausziehen kann, sondern man arbeitet bis zur Rente - hier war es eben kein Frauenberuf. Aus der Art der Arbeit ergaben sich auch mehr als anderswo erhebliche Hierarchie-Konflikte - der Konflikt war Alltag.

Ist er auch heute noch - aber das "Zusammenleben" hat sich geändert:
Ich beobachte eine erhebliche Individualsierung: was man früher zu zweit gemacht hat, arbeitet man heute alleine weg; statt der  gemeinsamen Kaffekasse bringen viele ihre eigenen komischen Wellness-Getränke von Appolinaris mit, und gemeinsames Kochen im Nachtdienst läuft nach mehr als 20 Jahren aus, weil sich immer weniger daran beteiligen.
Ich hab keine Ahnung, was diese Individualisierung bringen kann; nur so wie vor 15 Jahren ist es nicht mehr. Vielleicht ist es ja auch gut so - damals steckte man ja ganz viel an Arbeit über die Kollektivität weg und motivierte sich gegenseitig - vielleicht ist es den "Indvidualisten" heute auch die Krankenhausarbeit und daß es sinnvoll ist fremder? Und vielleicht läßt man sich dann auch nicht so leicht wieder einfangen.

6) Eingefangen wurde die Bewegung damals auf zwei Schienen:
 - die etwas blöde, aber vereinheitlichende Forderung auf den Demonstrationen war "500 Mark für alle" (258 Euro). Natürlich wollten wir mehr in die Diskusion bringen und irgendwie erschien eine Lohnerhöhung im zweistelligen Prozentbereich als viel zu hoch, als daß sie erfüllt werden könnte; "für alle" drückte natürlich auch den Anspruch auf "Gleichheit" aus, und ganz gegen die Gewerkschaften, die mit ihren prozentualen Erhöhungen, die ganzen Spaltungen der Klinik immer nur manifestierten. Aber so gut diese Forderung für die Mobilisierung war, so sehr hatten wir uns geschnitten - sie wurde damals in einem Tarifvertrag tatsächlich erfüllt! Nicht so einfach, sondern mit höheren Nachtdienstzuschlägen, mit Wechselschichtzulagen, mit Zulagen für besondere Bereiche und und und - und gar nicht mal dumm - alle bekamen mehr, etwa 500 Mark mehr waren es für die aktiven Bereiche - also auf den Intensivstationen, wo die Mobilsierung am höchsten war, gab es tatsächlich etwa 500 Mark von einem Monat auf den anderen.
 - die zweite Schiene war Qualifizierung - neu geschaffene Studiengänge und Schulungen und neue Stellen erlaubten vielen aus dem elenden KrankenpflegerInnen-Dasein zu entfliehen und nun kommen sie zurück als QualitätsmanagerInnen o.ä.Unfug.

7) Ganz vergessen ist diese Erfahrung nicht: Im letzten Tarifvertrag gabs einen Lohnabschluß dessen Höhe alle Beobachter erstaunte (nachdem man in den letzten Jahren erheblich geblutet hat).
Aber die Lohnerhöhung müssen die "Jungen" bezahlen - die zweijährliche Altersanpassung wurde erstmal halbiert. Genau betrachtet bekommen die "Alten" mehr, die "Jungen" bezahlen - und noch genauer betrachtet, der Schnitt paßt ganz präzise, daß diejenigen, die übergeblieben sind vom "Pflegeaufstand" und die Erfahrung mitbringen, nicht berührt werden, und die bezahlen, die diese Erfahrung nicht haben.

Cool Das ist alles meist Vergangenheit; in der Zwischenzeit haben sich die Bedingungen in einem sehr zähen Kampf im weiter verschlechtert - und mit den Privatisierungen/Bildung des "Klinikum" (aus Uniklinik  Kiel und Lübeck) verschärft es sich immer weiter. Gleichzeitog, und anders als vor 15 Jahren, wird eine massive Propaganda gefahren - damals war "Pflegenotstand" ein Thema in allen Medien, heute ist es alles zu teuer - mir scheint jetzt legen sie erst richtig los, um die Krankenhausarbeit und Ansprüche aller an Gesundheitsversorgung neu zu definieren. Vielleicht ist aber auch hier grad ein Schritt nach vorn möglich - wenn jeder betroffen ist, dann muß eine neue Bewegung in den Kliniken nicht nur auf die KlinkenarbeiterInnen beschränkt sein.

9) Nach den mit Filzstift handgemalten Plakaten, wurden überall kleine Aufkleber angebracht "Hier wird bald(ganz winzig) getreikt" - und wer das Städtische Krankenhaus Kiel vom Seiteneingang Kronshagener Weg betritt kann es immer noch sehen - und irgendwie paßt es besser denn je.
Was war das denn für ein Straßenfest? Mich verläßt die Erinnerung.
Gruss an den Kumpel aus der Industrie.
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Pink Panther


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« Antworten #6 am: 19. Oktober 2003, 18:52:34 »

Hallohallo! Soooo trifft man sich also wieder.... und wenn´s im world wide web ist!

Ich bin seit mehr als einem Jahr nichtmehr in der Industrie untergekommen (es gibt nur Angebote für Leiharbeit) und habe jetzt nen Schwarzjob in HH um gegen meine Schulden gegenanzuarbeiten. Da hab ich keine Möglichkeit an nen Rechner zu kommen. Es dürfte wohl etwas dauern, bis mein nächstes Posting kommt.

Dann werd ich mal schauen, ob ich den alten (aber unvollständigen) Ordner finde mit Presseberichen und Artikeln von unseren Aktionen...

Dann bitte ich auch mir ein wenig auf die Finger zu schauen und notfalls meine getrübte Erinnerung aufzufrischen. In deinem Falle kann ich´s auch:
Zitat
Original von kumpel

Auch die "Anfeindungen" in der damaligen Kieler Szene möcht ich geraderücken...
Was war das denn für ein Straßenfest? Mich verläßt die Erinnerung.


Das Straßenfest war von einer Antifa-Ini, die die Schließung eines Cafés in der Jeßstraße durchsetzen wollte, weil es ein Faschotreffpunkt war. Wir haben da eine handgemalte Wandzeitung aufgehängt. Ich wurde daraufhin von einem demoerprobten Szenekrankenpfleger vollgemüllt, was das denn soll, im Krankenhaus passiert doch nie was und mit den Kollegen schon garnicht usw. usf...
Als wir eine ähnliche Wandzeitung am Schwarzen Brett in der PUMPE aufgehängt haben, wurdest Du von einer älteren Polit-Aktivistin (sie ist heute noch aktiv, Du kennst sie...) angegiftet, wir sollten das Plakat sofort wieder abnehmen, das schade der momentanen Diskussion in den Kliniken.
Beim Plakatieren (eines fotokopierten Plakats) begenete ich einer Bewohnerin der ALTEN MEIEREI, die mich fragte, worum es ging. Ich sagte, das Personal kämpfe um bessere Arbeitsbedingungen. Sie völlig entgeistert: "Wieso das denn? Geht denen es denn so schlecht?"
Es galt nicht als politisch sich um ARBEITSBEDINGUNGEN zu kümmern, man machte sich nichteinmal Gedanken darüber....

Und falls ich einiges geschönt haben sollte, dann aus einem Grund:

Es muß ein Anfang gemacht werden! Es muß von keinem Polit-Guru gemacht werden! Und unter den richtigen Voraussetzungen geht es auch von irgendwelchen Nobodys, die die Schnauze voll haben!

Du erwähnst ja selbst, daß damals in den Kliniken die richtigen Voraussetzungen herrschten. Heutzutage herrschen fast überall die "richtigen" Voraussetzungen, wenn der Lohn selbst nicht gesenkt wird, wird bei Zusatzzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Prämien...) gestrichen, der Leistungsdruck wächst, die Schmerzgrenze ist schon längst erreicht.

In diesem Zusammenhang fällt mir eim polnischer Film ein bei dem es um die Anfangszeiten der Solidarnosc ging. Es war ein junger Arbeiter, ein völliges Nervenbündel und Voll-Alk, der dazwischenging, als der Werkschutz ein Plakat auf dem Werftgelände abreißen wollte. Bei der Rangelei kammen immer weitere Kollegen zur Hilfe. Diese unbedeutende Aktion war der Zündfunke für den Streik auf der Leninwerft, der dann Geschichte schreiben sollte...

Vielleicht bin ich vom Thema abgekommen, aber es geht mir darum Mut zu machen.  Wir hatten schließlich auch keinerlei praktische Erfahrung bei dem Themen Betriebsarbeit und Arbeitskampf, trotzdem ist es uns gelungen verdammt viel in Bewegung zu setzen!!!
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Pink Panther


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« Antworten #7 am: 12. Dezember 2003, 11:19:51 »

Ich habe mir etwas Zeit gelassen.
Endlich den besagten Ordner gefunden und mir fiel ein Wust mit ungeordnetem Zeugs entgegen. Ich blätterte durch um zu merken, wieviel ich vergessen habe. Ist wirklich interessant. Wir hatten einen langen Atem und uns hat´s nicht gekratzt wenn unsere Aktionen ersteinmal wenig sichtbare Folgen hatten. Wir waren bei dem Thema gleich mehrere Jahre am Ball.

Eine wichtige Vorarbeit war, den (eigentlich falschen?) Eindruck zu vermitteln, die Problematik wird überall diskutiert. Neben fotokopierten Flugblättern machten wir auch Aufkleber, die überall in der Stadt auftauchten. auf ihnen stand:

Gegen das kranke Gesundheitswesen:
-Bessere Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal
-Mehr Zeit für die Patienten

Das Krankenwesen ist schon schlecht genug!!!
Gemeinsam gegen "Kostendämpfung"

Das neue Krankenhaus macht das Personal krank
& die Patienten nicht gesund!!!

KEINE "KOSTENDÄMPFUNG"
im Gesundheitswesen
AUF KOSTEN VON
PERSONAL & PATIENTEN


als dann noch unser Grafitty
"DIE ARBEITSBEDINGUNGEN IM STÄDTISCHEN SIND FÜR`N ARSCH!"
als Foto auf der Titelseite des Anzeigenblattes Kieler Express erschien, war die Problematik tatsächlich in aller Munde. Und das war die Voraussetzung, daß nicht nur auf den Stationen intensiver diskutiert wurde, sondern, daß man man auch praktisch etwas unternehmen wollte...
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #8 am: 22. Januar 2004, 13:39:35 »

Hier findet man Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen weltweit:

http://www.ungesundleben.de/streiks.html
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Pink Panther


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« Antworten #9 am: 29. Februar 2004, 02:49:26 »

In diesen Thread sickern die Informationen auch nur sehr spärlich. Naja, ich bin auch ein fauler Hund, der Ordner mit dem Material über die Auseinadersetzungen in Kieler Krankenhäusen lag bei mir recht lange in der Ecke ohne daß ich hier gepostet hätte, wie ich es mir doch schon seit langem vorgenommen hatte....


Hier nun mal wieder ein kleiner Auszug. Eins der ersten größeren Öffentlickeitsaktionen war ein Plakat Mit einer Auflistung von Arbeitskämpfen im Gesundheitswesen. Das Logo des Plakats war eine Comiczeichnung von einer Krankenschwester mit geballter Faust (hab ich von einem französischen Transparent abgemalt) und der Text war folgender:
Zitat
"Pflegenotstand"
ist eine Erfindung der Medien
Üble Arbeitsbedingungen und schlechte Patientenversorgung kennen wir seit Jahren!!


ABER JETZT WEHREN SICH DIE KRANKENHAUSARBEITERINNEN WELTWEIT GEGEN DIE ÜBERALL ÄHNLICHEN STRATEGIEN DER PLANER



(Und dann folgt eine detaillierte Liste von Kämpfen in Australien, Italien, USA, Großbritannien, BRD, Frankreich mit jeweils einigenden weitergehenden Infos)



Die WILDCAT hat dann eine Broschüre herausgebracht mit dem Titel Die weiße Fabrik mit Hintergrundberichten über die weltweiten Kämpfe im Gesundheitswesen. Das Titelbild zeigte eine Karrikatur wo eine Fabrik durch den Schornstein zerschundene Arbeitskräfte ausspeit, diese gehen durch das Krankenhaus, das sie wieder als brauchbare Arbeitskräfte in die Fabrik entläßt...
Diese Broschüre verkaufte sich überaschend gut in den Kliniken.
Als vorarbeit schien es auch wichtig zu sein den Leuten zu vermitteln, daß man sich überall auf der Welt schon wehrt und man nur in Kiel wieder alles verpennt hat!


Nun gab es in den letzten Wochen auch große Krankenhausstreiks in Portugal, in Frankreich und in Italien. Hier nun die Frage an meinen alten Kumpel nach der Situation heute!?! Mir scheint sie relativ ähnlich wie damals. Wie steht´s denn mit dem Level der Unzufriedenheit? Gibt es irgendwelche Leute, die sich wieder bemühen die Wut in Bahnen zu lenken???

Ganz gespannt auf die Antwort
PP
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Kuddel


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« Antworten #10 am: 17. April 2004, 23:05:45 »

17.04.04 - Italien: 80.000 streikten im Gesundheitswesen
Gestern streikten rund 80.000 Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungspersonal in den italienischen Krankenhäusern gegen die geplante "Gesundheitsreform" der Regierung Berlusconi. Deren Kern ist eine "Dezentralisierung", die nach Angaben des Verbandes der Allgemeinärzte zu einer verstärkten Kluft zwischen reicheren und ärmeren Regionen im Land führen würde.
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Kuddel


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« Antworten #11 am: 26. April 2004, 23:25:19 »

26.04.04 - Gegen "Verarmung des Gesundheitswesens"
Am 24. April streikten rund 70.000 Ärzte in Italien für 24 Stunden gegen die Kürzungen beim staatlichen Gesundheitswesen. Die Ärzte kritisierten die chronische Unterfinanzierung, was sich in einer veralteten technischen Ausrüstung und wachsendem Stress beim Personal auswirke. Offensichtlich wolle die Berlusconi-Regierung das staatliche Gesundheitswesen zugunsten privater Kliniken abbauen.
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Kuddel


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« Antworten #12 am: 28. April 2004, 13:14:31 »

27.04.04 - Kanada: Streik der Krankenhaus-Beschäftigten
Rund 43.000 als Hilfspersonal in Krankenhäusern im Bundesstaat British Columbia Beschäftigte streiken seit Sonntag. Wegen des Streiks mussten tausende von Operationen abgesetzt werden. Die Krankenhäuser beabsichtigen, noch mehr Kollegen zu entlassen und nur noch zu Niedriglöhnen einzustellen. Die Gewerkschaft der Krankenschwestern hat angekündigt, sie werde keinen Streikbruch begehen und in bestreikten Krankenhäusern nur Notdienste verrichten.
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Kuddel


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« Antworten #13 am: 28. April 2004, 13:17:57 »

27.04.04 - Unterstützung für streikende peruanische Ärzte
Heute wollen sich 37.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen den seit drei Wochen streikenden Ärzten anschließen. Mit ihrem Kampf wollen die Beschäftigten im Gesundheitswesen höhere Staatsausgaben im Gesundheitswesen und höhere Gehälter durchsetzen.
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Kuddel


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« Antworten #14 am: 28. April 2004, 20:20:33 »

28.04.04 - Streikwelle im Gesundheitswesen Lateinamerikas
2003 gab es in 12 Ländern Lateinamerikas insgesamt 37 landesweite Streiks der Beschäftigten im Gesundheitswesen, die zwischen 24 Stunden und neun Monaten dauerten. Das ist ein Ausdruck der Krise des öffentlichen Gesundheitswesens in Lateinamerika. Betroffen waren die Länder Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, Peru, Dominikanische Republik und Uruguay. Die meisten Streiks im Gesundheitswesen gab es in Bolivien.
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« Antworten #15 am: 07. Mai 2004, 19:26:21 »

03.05.04 - Kanadier gegen Streikverbot in Krankenhäusern

Am 1. Mai zeigten im kanadischen Vancouver/British Columbia Tausende von Menschen ihre Solidarität mit dem Streik der Beschäftigten im Gesundheitswesen, die überwiegend Frauen sind. Diese sollen durch ein Streikverbot zur Wiederaufnahme der Arbeit gezwungen werden, was auf einhellige Empörung stößt. Es wird geschätzt, dass heute 100.000 Beschäftigte in der gesamten Provinz in Solidaritätsstreiks treten.
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« Antworten #16 am: 18. Mai 2004, 19:13:52 »

Ausschluss aus Personalrat wegen Einsatz für die Beschäftigten?

Erlangen: Im Februar 2004 hatte das Verwaltungsgericht Ansbach dem Antrag des Verwaltungsdirektors des Universitätsklinikums Erlangen stattgegeben, den Vorsitzenden des Personalrats der Erlanger Uni-Kliniken, Hajo Ehnes, aus dem Personalrat auszuschließen.
Der Verwaltungsdirektor wirft Ehnes schwerwiegende "Pflichtverstöße" und die "Verletzung des Gebots der vertrauensvollen Zusammenarbeit" nach dem bayrischen Personalvertretungsgesetz vor. Diese angeblichen "Pflichtverstöße" waren nichts anderes als der Einsatz für die Interessen der Beschäftigten an den Uni-Kliniken.

Deswegen hat das Personalratsgremium auch sofort Widerspruch gegen dieses Urteil eingelegt, so dass es nicht rechtskräftig wurde. Auch die Gewerkschaft Ver.di unterstützt Hajo Ehnes und wertet diesen Ausschlussantrag als eindeutigen Versuch der Einschüchterung eines kämpferischen Personalratsgremiums. Die Belegschaft der Uni-Kliniken steht hinter ihrem Peronalratsvorsitzenden.
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« Antworten #17 am: 16. Juni 2004, 12:39:56 »

14.06.04 - Südkorea: Streik für die 5-Tage-Woche

In Südkorea streiken seit 4 Tagen rund 10.000 Beschäftigte in 121 Krankenhäusern und medizinischen Zentren. Sie fordern die 5-Tage-Woche bei 40-Wochenstunden, 10,7 Prozent mehr Lohn und die Festanstellung von befristet Beschäftigten. Durch den Streik mussten bereits Operationen abgesetzt werden.
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« Antworten #18 am: 29. Juni 2004, 17:41:14 »

Zitat
Original von rf-news



29.06.04 - Warnstreik an der Uniklinik Tübingen
Seit heute morgen 7.00 Uhr führen die 500 Beschäftigten der Uniklinik Tübingen einen ganztägigen Warnstreik durch. Er richtet sich gegen die im öffentlichen Dienst beabsichtigte Verlängerung der Arbeitszeit auf 41 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass dadurch allein in Baden-Württemberg 30.000 Arbeitsplätze gefährdet sind.
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« Antworten #19 am: 08. Juli 2004, 17:27:29 »

8.07.04
 Warnstreik an den Uni-Kliniken Freiburg


Freiburg: Am 7. Juni fand zwischen 10.30 Uhr und 12 Uhr ein Warnstreik an den Unikliniken in Freiburg statt. Anlass ist die Sitzung des Aufsichtsrates, der den Ausstieg der Uniklinik Freiburg aus dem Tarifvertrag beschließen will.
Es haben sich 1.200 Kolleginnen und Kollegen beteiligt. Kolleginnen vom Reinigungsdienst begannen schon um 6 Uhr mit dem Streik. Ein Demozug formierte sich an der Pflegeschule, ging durch das Klinikgelände zur Kundgebung beim Personalcasino. Dort sprachen der Personalrat Ingo Busch und für die Gewerkschaft ver.di Sybille Stamm aus Stuttgart.

Es war eine kämpferische Stimmung. Viel Beifall gab es auch zu den Grußadressen von Personalräten aus anderen baden-württembergischen Unikliniken, aber auch von Betriebsräten aus Industriebetrieben in der Region. Dem Aufsichtsrat wurden über 3.200 Protest-Unterschriften gegen den Tarif-Ausbruch übergeben.
Mit dem Ausbruch aus dem Tarifvertrag sollen vor allem die 41-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, massive Lohnkürzungen durch Streichung des Urlaubsgeldes und Kürzungen beim Weihnachtsgeld etc. , also Kürzungen bis zu 25 Prozent durchgesetzt werden. Die 41-Stunden-Woche bedroht 500 Stellen an der Uniklinik Freiburg.

Das wollen die Kolleginnen und Kollegen nicht hinnehmen. Sie befürchten, wenn sie jetzt Zugeständnisse an den Aufsichtsrat machen, werden sie mit einem künftigen Haustarifvertrag (den der Aufsichtsrat will) völlig erpressbar. Gleichzeitig gab es einige Beispiele, wie auch an der Uniklinik Freiburg Gelder verschleudert werden (z.B. eine Rohrpostanlage für 1,5 Mio. Euro ...).
Bei der Kundgebung wurde auch noch mal dazu aufgerufen, Mitglied bei der Gewerkschaft ver.di zu werden, denn nur organisiert kann der Kampf Erfolg haben. In den letzten Monaten gab es über 200 Eintritte bei ver.di in Freiburg allein von Beschäftigten der Uniklinik.
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« Antworten #20 am: 10. Juli 2004, 20:51:44 »

10.07.04 - Krankenhausstreik in der Dominikanischen Republik

Am Donnerstag trat das Personal der öffentlichen Krankenhäuser in der Dominikanischen Republik in einen 48-stündigen Streik. Er richtet sich nach Aussagen von Dr. Waldo Ariel Suero, Präsident des "Dominican Medical College", gegen den "Zusammenbruch des öffentlichen Gesundheitssystems" in Folge der Regierungspolitik.
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« Antworten #21 am: 12. Juli 2004, 13:59:18 »

Bei der Berliner VIVANTES Krankenhaus-Gesellschaft kochen die Konflikte hoch. Näheres unter:

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/vivantes.html#

Ich bekomme den Eindruck, als würde das deutsche Gesunheitswesen wieder in Wallung kommen und wir können dort weitere Arbeitkämpfe erwarten.

Schade, daß der Austausch der Erfahrungen über unabhängige Organisierung von Widerstand am Krankenhaus-Arbeitsplatz in diesem Thread abgerissen ist.

Schön wäre es, wenn Leute aus der Branche hier ihre aktuellen (auch deprimierenden) Erfahrungen posten würden.
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« Antworten #22 am: 15. Juli 2004, 16:45:58 »

15.07.04 - Beschäftigte der Uniklinik Heidelberg streiken gegen Arbeitszeitverlängerung
Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten der Uniklinik Heidelberg für heute zu einem Warnstreik von 8.00 - 14.00 Uhr aufgerufen. Er richtet sich gegen die Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 41 Stunden ohne Lohnausgleich, die Streichung des Urlaubsgeldes, die Kürzung des Weihnachtsgeldes und weitere Verschlechterungen.
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« Antworten #23 am: 17. Juli 2004, 11:25:38 »

16.07.04 - Demonstration gegen Verkauf von Krankenhäusern
Am Mittwoch demonstrierten mehre hundert Beschäftigte des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) in Hamburg mit Losungen wie "Wir lassen uns nicht verramschen". Der Betrieb mit seinen 12.400 Beschäftigten soll an den Krankenhauskonzern Asklepios Kliniken GmbH verkauft werden.
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« Antworten #24 am: 18. Juli 2004, 12:44:39 »

Unser größtes Krankenhaus vor Ort soll auch gerade "verramscht" werden, an einen Investor, und dann in eine GmbH umgewandelt werden ! Angeblich zu unserem besseren, kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen !!!

Erinnert mich irgendwie an Ami-Land ! Vielleicht der Vorläufer, so nach dem Motto:

"Kipp den mal wieder von der Trage und leg ihn vor der Tür ab ! Der ist nämlich nicht ausreichend versichert...."
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"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin
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