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Autor Thema: Unruhige Krankenhäuser?  (Gelesen 249360 mal)
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xyu


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« Antworten #350 am: 05. November 2014, 00:32:05 »

Zitat
Holpriger Testlauf

Berliner Charité: Bislang keine ausreichende Entlastung durch Tarifvertrag

Verzögerungen, Unzufriedenheit, Konflikte. Die Umsetzung des Tarifvertrags für mehr Personal an der Charité läuft schleppend. »Mit der Vereinbarung wollten wir testen, ob die vom Arbeitgeber vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich zu einer wirksamen Entlastung der Beschäftigten führen«, erläutert Dana Lützkendorf von der ver.di-Betriebsgruppe.

Danach sieht es im Moment nicht aus. Von den 80 Vollkräften, die das Berliner Uniklinikum laut Vertrag in Pflege- und Funktionsdiensten bis zum Jahresende zusätzlich einstellen muss, sind auf den Stationen und in den Bereichen bislang noch nicht viele angekommen. Zugleich versucht das Management immer wieder, an anderer Stelle zu kürzen.

Schon bis zur Unterschrift war es ein langer Weg: Erst Ende September gab der Aufsichtsrat endgültig grünes Licht für die schon im Juni ausgehandelte »mehrgliedrige Vereinbarung«. Neben den Verzögerungen sorgte die Charité-Spitze auch anderweitig für Unmut. Statt wie vorgesehen unbefristet wollte sie Auszubildende plötzlich nur noch befristet übernehmen. Erst als ver.di Proteste ankündigte, lenkte das Management ein.

»Von einer spürbaren Entlastung der Beschäftigten sind wir noch meilenweit entfernt und es ist nicht abzusehen, dass dieses Ziel zum Jahresende erreicht wird. Wahrscheinlich müssen wir dann deshalb erneut Druck machen. Die Kolleginnen und Kollegen sind dazu bereit.«

Grit Wolf, Neurologie, Campus Virchow

 

 

Kürzungen abgewehrt

Für noch mehr Empörung sorgten Pläne, etwa jede sechste der 120 Stellen in der Medizinischen Dokumentationsassistenz abzubauen. Die Betroffenen wehrten sich mit wöchentlichen Protestaktionen und einer Unterschriftensammlung, die binnen zwei Wochen 2.000 Beschäftigte aller Berufe unterzeichneten. Auch hier machte die Geschäftsleitung daraufhin einen Rückzieher und stoppte die Kürzungen bis auf weiteres.

Bei der Einstellung zusätzlicher Pflegekräfte – Kern des Tarifvertrags – gibt es ebenfalls Probleme. Zwar arbeiten Gewerkschafts- und Charité-Vertreter in der neu geschaffenen, paritätisch besetzten Gesundheitskommission konstruktiv zusammen. So hat das Gremium bereits sogenannte Brennpunktbereiche identifiziert und die Verteilung neuer Stellen beschlossen. Doch davon wurde bislang nur wenig umgesetzt.

Abzüglich der Fluktuation sind kaum neue Kollegen eingestellt worden, berichtet Lützkendorf. »Die Charité bekommt allein 600 Initiativ-bewerbungen pro Jahr. Warum ist es da so schwer, die Leute einzustellen?«, fragt die Gewerkschafterin. Auch die bereits im November vergangenen Jahres versprochenen Neueinstellungen für den Nachtdienst bringen keine ausreichende Entlastung. Eine neue Pflegekraft für den Nachtdienst wird von der Charité auf vier Stationen aufgeteilt. »Das heißt, man hat mal eine zweistündige Entlastung, aber der Grundsatz ›Keine Nacht allein‹ ist längst nicht eingelöst«, betont Grit Wolf, die ebenfalls in der ver.di-Betriebsgruppe aktiv ist. Eine Verbes-serung der Situation in den nicht-pflegerischen Bereichen – die in der Vereinbarung gleichfalls als Ziel formuliert ist – sei zudem überhaupt nicht in Sicht.

»Der Kurzzeit-Tarifvertrag ist ein wichtiger Testlauf. Meine Erkenntnisse daraus sind: Erstens brauchen wir klare und nachprüfbare Besetzungsregeln für jede Schicht. Zweitens müssen Sanktionen greifen, wenn der Arbeitgeber seine Zusagen nicht einhält.«

Dana Lützkendorf, Krankenschwester

 

 

Verhandlungen ab November

Ab Mitte November wollen Management und Gewerkschaft gemeinsam Bilanz ziehen und über weitere Maßnahmen zur Entlastung der Beschäftigten verhandeln. Vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung könnte die Luft am Verhandlungstisch allerdings schnell dünn werden.
https://drei.verdi.de/2014/ausgabe-52/aktiv/seite-6/holpriger-testlauf
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Kuddel


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« Antworten #351 am: 27. April 2015, 11:12:42 »

Zitat
Es geht um mehr

Charité-Streik An der Berliner Charité streiken die Beschäftigten für mehr Pflegepersonal und machen damit auf ein grundsätzliches Problem des Gesundheitssystems aufmerksam


...
Der Personalabbau an der Charité lässt sich auch an den Zahlen ablesen, die die Klinik in ihren Jahresberichten veröffentlicht. Demnach sank die Zahl der Vollkräfte im Krankenpflegedienst zwischen 2005 und 2014 von rund 2.567 auf rund 2.411 im Jahr 2014. Zugleich stieg jedoch die Zahl der stationären Fälle und um rund zehn Prozent auf 139.311.

„Immer mehr Patienten in kürzerer Zeit", bringt Grit Wolf die Zahlen auf den Punkt. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Charité sitzt als Ver.di-Mitglied auch in der Tarifkommission der Charité. Auf ihren Berufsalltag hat die zunehmende Unterbesetzung starke Auswirkungen: „Wir haben kaum mehr Zeit für Gespräche mit Patienten, kaum mehr Zeit für Anleitungen, die wichtig sind, wenn die Patienten wieder nach Hause entlassen werden. Wir sind immer kurz angebunden und verbreiten Hektik." Um das auszugleichen, arbeiteten viele Pflegekräfte in ihrer Pause und würden Überstunden machen. Die Pflegekräfte haben die Wahl, ihren Berufsethos über Bord zu werfen, oder die zusätzliche Belastung zu schultern. Aus Kreisen der Pfleger heißt es, dass viele Kollegen nur noch teilzeit arbeiteten oder häufiger erkrankten.

Die Charité zeigte sich von dem angekündigten Warnstreik überrascht.
...
„Seit Mitte der 90er Jahre erleben wir einen erheblichen Stellenabbau beim Pflegepersonal der Krankenhäuser. Das geht bis hin zur Unterversorgung in vielen Bereichen und ist ein bundesweites Problem", fasst Michael Simon, Professor für Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik an der Hochschule Hannover die Entwicklung zusammen.

Sie ist Folge gesundheitspolitischer Entscheidungen, die die Kosten im Gesundheitssystem eindämmen und kalkulierbarer machen sollten, jedoch auch dazu führten, dass Krankenhäuser unter größeren wirtschaftlichen Druck gerieten.

So wurde beispielsweise 1996 die sogenannte Pflegepersonal-Regelung (PPR) abgeschafft. Diese hatte bis dahin dafür gesorgt, dass der Bedarf an Pflegern anhand der Patienten eines Krankenhauses errechnet wurde. Mit der Abschaffung der PPR setzte der Abbau von Pflegestellen im Krankenhaus ein.

Die Pfleger selbst sehen eine weitere zentrale Ursache für die derzeitige Überlastung an deutschen Kliniken in der sogenannten Fallpauschale, die 2004 eingeführt wurde.
...
https://www.freitag.de/autoren/bennyk/es-geht-um-mehr
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Kuddel


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« Antworten #352 am: 15. Juni 2015, 14:38:51 »

Zitat
Charité-Konflikt
Streik an Charité könnte massiv werden

Der Streik an der Charité wird wohl nicht mehr abgewendet – und massiver ausfallen, als erwartet. Verdi erklärt, die Universitätsklinik habe Spielräume.


Der Streik an der Charité wird wohl nicht mehr abgewendet – und massiver ausfallen, als erwartet. Ab 22. Juni müssten „Stationen im zweistelligen Bereich“ geschlossen werden, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger am Freitag, weil sich so viele Schwestern und Pfleger streikbereit gemeldet hätten. Dies könnte bedeuten, dass schon am ersten Tag 800 der 3000 Charité-Krankenbetten nicht belegt werden. Die Gewerkschaft ruft ab 22. Juni alle Beschäftigten der landeseigenen Universitätsklinik zum unbefristeten Streik auf. Wie viele Mitglieder man an der Charité habe, sagte Jäger nicht. Bekannt ist, dass der in der Pflege oft niedrige gewerkschaftliche Organisationsgrad an der Charité höher ist.

Die Ärzte haben einen eigenen Tarifvertrag, streiken werden Schwestern, Pfleger und Techniker. Sie fordern mehr Personal. Für die Normalpflege soll eine Schwester fünf statt bisher im Schnitt zehn Patienten betreuen. Denn dies bedeute Überstunden und Überlastung: Nicht der Streik, hieß es am Freitag, sondern der Normalzustand gefährde die Patienten. Pro Streiktag gehen der Charité mindestens 500.000 Euro für abgesagte Behandlungen verloren. Der Klinikvorstand hatte erklärt, die Forderungen ergeben insgesamt 600 neue Stellen – bei derzeit 4200 Pflegekräften. Die kostete bis zu 35 Millionen Euro im Jahr. Bei Verdi wies man daraufhin, dass das gerade 2,5 Prozent des Gesamtbudgets entspricht.

Verdi: Charité hat Spielraum für Verbesserungen

Angesichts des Präzedenzcharakters dieser Tarifrunde hatten Kenner erwartet, dass der Senat oder Bundespolitiker eine Lösung vermitteln. Charité-Aufsichtsratschefin und Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte: Das Verhandeln der Verträge und Ausloten der Möglichkeiten sei im Rahmen der Tarifautonomie die Aufgabe der Tarifparteien. Sie erklärte erneut, laut Bundesregelungen haben die Krankenkassen das Personal zu finanzieren. Dies betonen auch Krankenhausgesellschaft und Charité-Vorstand. Die Verdi-Verhandler weisen daraufhin, Charité und Land hätten aber eben auch Spielraum. „Die Charité hat auch hausgemachte Probleme“, sagte Jäger. Die vielen Einzelzentren auf den drei Campussen funktionierten zuweilen wie „kleine Königreiche“, was Synergien koste. Wegen fehlender Medizinischer Dokumentationsassistenten könne die Klinik zudem nicht alle Fallpauschalen bei den Kassen abrechnen. Ein Charité-Sprecher sagte, beides stimme nicht; Geld gehe nicht verloren.

Ein Beitrag des Landes zur Deeskalation könnte sein, dass der Senat dem Charité-Vorstand gestattet, das Jahresplus von 7,5 Millionen Euro für Pflegestellen auszugeben. Außerdem könnten Sondermittel quasi als Vorleistung für angestrebte Gesetzesänderungen erwogen werden: Die Charité hätte dann Personalstandards in der Aussicht darauf gesetzt, dass sich die Bundespolitik auf eine bessere Versorgung aller Kliniken verpflichtet. Die kürzlich beschlossene Krankenhausreform gilt vielen in der Branche zwar als Enttäuschung. Aus dem ebenfalls neuen Versorgungsstärkungsgesetz aber ließe sich womöglich mehr Geld für die Hochschulambulanzen generieren.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres soll künftig mit Bund über Hochschulen verhandeln

Derweil wurde Scheeres am Freitag auf der Kultusministerkonferenz zur Verhandlungsführerin bestimmt: Mit ihren Amtskollegen aus Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg handelt sie mit dem Bund die Mittel für die Hochschulmedizin aus. Wolfgang Albers (Linke), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus, sagte: Über den Tarifstreit hinaus müssten gesetzliche Personalschlüssel her, damit Sparen „nicht auf die Beschäftigten und damit letztlich auf die Patienten abgeladen“ werden könne. Schwestern und Pfleger anderer Kliniken haben Grußadressen an ihre Charité-Kollegen geschickt, kommenden Freitag will der Schauspieler Rolf Becker bei einer Solidaritätsveranstaltung für die Charité-Pflegekräfte auftreten.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/charite-konflikt-streik-an-charite-koennte-massiv-werden/11911710.html
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« Antworten #353 am: 22. Juni 2015, 13:19:26 »

Zitat
Arbeitskampf im Krankenhaus
Streik um Streik

An der Charité beginnt ein unbefristeter Streik – die Klinikleitung versucht ihn gerichtlich zu verhindern. Etwa tausend OPs werden abgesagt.


Nun also doch: Mit der Frühschicht am heutigen Montag beginnt der Streik an der Charité. Krankenschwestern, Pfleger und weitere Beschäftigte treten in den Ausstand – unbefristet. Wegen des Streiks sollen allein in der ersten Woche etwa 1000 geplante Operationen abgesagt werden, lebensnotwendige Operationen finden aber statt. Mehr als 20 Stationen der Klinik sollen geschlossen werden. Die streikenden Krankenhausmitarbeiter streiken nicht für ein höheres Gehalt, sondern für bessere Arbeitsbedingungen.

Bis zum letzten Moment versucht die Leitung der Charité, den Streik gerichtlich zu verbieten. Am Freitag scheiterte eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht. Die Charité argumentierte, dass die Personalausstattung tariflich geregelt sei und der Streik deshalb gegen die Friedenspflicht verstoße. Außerdem sei durch die Schließung vieler Stationen die Versorgung der Patienten gefährdet. Das Gericht lehnte es jedoch sowohl ab, den Streik ganz zu verbieten, als auch den Streik auf weniger Stationen zu beschränken. Es verwies auf den Notfallplan, der die Notversorgung der Patienten sicherstellt.

Ein Pfleger auf zehn Patienten

„Nicht der Streik, sondern der Alltag gefährdet das Wohl der Patienten“, meint Stephan Gummert. Der 44-jährige ist Pfleger auf der kardiologischen Station im Virchow-Klinikum, das zur Charité gehört. Gummert erzählt, dass er im Monat durchschnittlich auf 25 Überstunden, also etwa drei Arbeitstage komme. Auf seiner Station käme häufig nur ein Pfleger auf zehn Patienten. Gummert und seine Kollegen wollen durch den Streik ein Betreuungsverhältnis von sieben zu eins erreichen.

Seit 1998 arbeitet Gunnert auf der Station, seit dem hätten sich die Arbeitsbedingungen „hanebüchen verschlechtert.“ Auf der Station mit 31 Betten seien sie tagsüber zu dritt, am Wochenende und nachts nur zwei Pfleger. „Gerade die jungen Kollegen hatten jahrelang Angst vor der Nachtschicht“, so Gummert. Am gestrigen Sonntag ist er damit beschäftigt, die Räumung seiner Station vorzubereiten. Er und seine Kollegen werden ab Montag streiken. Am frühen Morgen sollen die letzten Patienten auf andere Stationen verteilt und die Station geschlossen werden.
Kämpferischer Kalle Kunkel

Trotzdem ist unklar, ob der Streik wie geplant und in vollem Umfang stattfinden wird. Nach der Entscheidung des Arbeitsgerichts am Freitag legt die Leitung der Charité nun Berufung vor dem Landesarbeitsgericht ein. Wann über die Berufung entscheiden wird, ist noch unklar. Die Charité wollte sich auf Anfrage der taz erst im Laufe des heutigen Montags zu ihrem weiteren Vorgehen äußern. Da die Berufung jedoch keine aufschiebende Wirkung hat, könnte der Streik erst im Nachhinein eingeschränkt werden. „Die Charité sollte besser mit den politisch Verantwortlichen sprechen, statt den Streik zu torpedieren“, sagte Kalle Kunkel, der als Gewerkschaftssekretär von verdi für den Streik zuständig ist, und nahm damit auch die Berliner Politik in die Verantwortung. Im Aufsichtsrat der Charité sitzen sowohl die Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres als auch Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen.

Kunkel ist zuversichtlich, dass trotz der sehr kurzfristigen Entscheidung des Gerichts viele Pfleger in den Streik treten werden. „Die Kollegen sind jetzt noch wütender“, so Kunkel. Weil der Notfallplan eingehalten werden muss, könnten gar nicht alle streiken, die wollten. Den Versuch der Charité, den Streik gerichtlich zu verhindern, da sonst das Wohl der Patienten gefährdet sei, kritisierte Kunkel: „Jahrelang hat man die Notrufe der Pfleger ignoriert.“

Für Dienstag planen Gewerkschaft und Streikende eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor.
http://www.taz.de/Arbeitskampf-im-Krankenhaus/!5205460/
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« Antworten #354 am: 25. Juni 2015, 10:11:10 »

Zitat
Gesundheitswesen
Protestaktion gegen Pflegenotstand



162.000 Beschäftigte fehlen nach Einschätzung von Verdi in den Kliniken, darunter 70.000 in der Pflege. Die bundesweite Aktion gegen den Pflegenotstand in den Krankenhäusern erfreut sich reger Beteiligung.


Zum Auftakt der Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Bad Dürkheim hat Verdi zu der bisher größten Protestaktion im Gesundheitswesen aufgerufen: Zwischen 13 und 13.10 Uhr beteiligten sich am Mittwoch allein in Hessen die Pflegekräfte von über 75 Krankenhäusern, wie der zuständige Verdi-Sekretär, Stefan Röhrhoff, auf Anfrage erklärte. In der Zeit von 13 bis 13.10 Uhr findet in der Pflege die sogenannte Übergabe statt: Der Spätdienst wechselt den Frühdienst ab. Dadurch hoffte Verdi auf eine besonders gute Beteiligung.

„Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, berichtete Röhrhoff, und auch die für die Rhein-Main-Region zuständige Sekretärin Hilke Sauthof-Schäfer war mit der Teilnehmerzahl sehr zufrieden. Mit dabei waren unter anderem das Klinikum in Höchst, die Uniklinik, die Krankenhäuser in Offenbach, Hanau, Langen und die Hochtaunuskliniken.

Bundesweit erhielt jeder Teilnehmer eine Nummer zwischen 1 und 162.000. Die Zahlen sollen den Personalmangel symbolisieren, denn 162.000 Beschäftigte fehlen nach Einschätzung von Verdi in den Kliniken, darunter 70.000 in der Pflege.

„Der Frust ist enorm groß“, sagte Röhrhoff. Es gebe „Überstunden ohne Ende“. In der Industrie würde das kein Arbeitgeber durchhalten. Verdi fordert unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Belastungen auf den einzelnen Stationen einen Pflegeschlüssel, also eine Vorgabe, wie viele Pflegekräfte für welche Anzahl von Patienten zuständig sind.
Kreisverband der Grünen unterstützt Protest

Die Enttäuschung über den am 11. Juni vorgestellten Entwurf des Krankenhaus-Strukturgesetzes ist aber nicht nur bei den Beschäftigten und der Gewerkschaft groß. Der Entwurf sieht nach Angaben von Verdi keine grundlegende Verbesserung, sondern nur maximal drei Stellen mehr pro Krankenhaus in der Pflege vor.

Nicht wenige Arbeitgeber teilen die Kritik an diesem Entwurf. Nach Einschätzung des Klinikverbundes Hessen ist von dem neuen Gesetz „keine Entlastung und Verbesserung der Situation von Pflegekräften und anderen Berufsgruppen in Krankenhäusern zu erwarten“.

Der Kreisverband der Grünen unterstützt die Verdi-Aktion. „Als Gesellschaft müssen wir endlich anerkennen, dass für Pfleger und Pflegerinnen mehr Geld aufgewendet werden muss, damit auch der Nachwuchs langfristig gesichert ist“, schrieben die Vorstandssprecher Marina Ploghaus und Bastian Bergerhoff am Mittwoch in einer Pressemitteilung.
http://www.fr-online.de/rhein-main/gesundheitswesen-protestaktion-gegen-pflegenotstand,1472796,31032978.html
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« Antworten #355 am: 21. September 2015, 00:08:13 »

ver.di hat eine Petition an den Bundestag für eine gesetzliche Personalbemessung in Krankenhäusern gestartet. Ziel ist -wie u.a. bei der Petition gegen Sanktionen im SGB II geschehen- mindestens 50.000 Unterzeichnende innerhalb der Frist zu gewinnen.

Die Petition kann online unterzeichnet werden unter: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_08/_21/Petition_60583.nc.html

Möglichkeit Unterschriftenlisten in Papierform auszudrucken (gibt es sicherlich auch zum mitnehmen in den Gewerkschaftsbüros): http://www.der-druck-muss-raus.de/die-krankenhauspetition/unterschriftenliste-info-und-hinweise


Zitat
Text der Petition

Die Krankenhauspetition für mehr Personal
Wir fordern vom Bundestag ein Gesetz zur Personalbemessung im Krankenhaus, das regeln soll, dass der reale Personalbedarf ermittelt wird sowie, dass die benötigten Stellen in allen Bereichen des Krankenhauses geschaffen und zweckgebunden außerhalb der Fallpauschalen finanziert werden. Das Pflegestellenförderprogramm im aktuellen Krankenhausstrukturgesetzentwurf reicht nicht, um eine sichere Patient/innenversorgung zu gewährleisten.
Begründung
Gefährlicher Personalmangel im Krankenhaus
Wer in den letzten Jahren zur Behandlung im Krankenhaus war oder dort Angehörige besucht hat, weiß: Das Personal in deutschen Krankenhäusern ist überlastet. Für notwendige Pflege- und Hygienemaßnahmen ist nicht genügend Zeit. Das hat einen Grund: Nach ver.di-Hochrechungen fehlen 162.000 Stellen an Krankenhäusern, davon alleine 70.000 in der Pflege. Diese werden dringend benötigt, um eine gute Versorgung der Patient/innen sicherzustellen. Denn die Zahl der Patient/innen und die Schwere der Erkrankungen nehmen zu. In Pflege, Therapie und Reinigung wurden zur gleichen Zeit aber massiv Stellen abgebaut. Während in der Schweiz eine Pflegefachkraft 5,5 Patient/innen versorgt und in Polen 9,3, ist eine Pflegekraft in Deutschland für 10,3 Patient/innen zuständig. Damit ist Deutschland europäisches Schlusslicht. Jede/r dritte Patient/in wird Opfer von Komplikationen oder muss krank wieder nach Hause gehen. Der Personalmangel kann sogar lebensgefährlich sein: Eine britische Studie belegt, dass das Risiko, in einem Krankenhaus zu sterben, bei einer schlechteren personellen Betreuung um 26 Prozent erhöht ist. Nicht nur die Patient/innen, auch das Personal leidet unter den Zuständen: Die starke körperliche und emotionale Belastung führt zu Burn-Out und anderen Erkrankungen. Krankenhäuser werden kaputt gespart – und wir alle zahlen dafür mit unserer Gesundheit. Das Gesetz der Ökonomie wird über das Gebot der Menschlichkeit gestellt.

Protestbewegung wächst
In den letzten Monaten haben hunderttausende Krankenhausbeschäftigte und Unterstützer/innen für mehr Personal im Krankenhaus demonstriert, Protestaktionen gestartet und gestreikt. Die Bewegung wächst und zeigt erste Erfolge. Immer mehr Politiker/innen nehmen die Sorgen der Krankenhausbeschäftigten und der Bevölkerung wahr. Uns reichen aber keine Versprechungen, wir wollen eine gesetzliche Regelung für ausreichend Personal im Krankenhaus. Nur so kann eine gute Versorgung der Patient/innen sichergestellt werden.

Geht nicht? Geht doch!
Im Bereich der Psychiatrien gibt es bereits eine Personalverordnung. Diese funktioniert und ist finanzierbar. Sie sichert Qualitätsstandards. In den 1990er-Jahren führte die „Pflegepersonalregelung“ in Krankenhäusern innerhalb von zwei Jahren zu 21.000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich. Diese Regelung wurde aber nach wenigen Jahren wieder außer Kraft gesetzt.

Gesetzliche Personalbemessung jetzt!
ver.di fordert eine wissenschaftlich gestützte und bedarfsgerechte Personalermittlung bis 2017 in allen deutschen Krankenhäusern, zunächst für die Pflege und dann für alle anderen Berufsgruppen. Das geforderte Gesetz soll den Einsatz des Personalbemessungsinstruments, dessen Kontrolle sowie die benötigte Finanzierung regeln. Die Finanzierung muss außerhalb der Fallpauschalen erfolgen und zweckgebunden sein. Der Bedarf soll pro Krankenhaus ermittelt werden und auch die Kontrollen sollen in jedem Krankenhaus stattfinden.
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« Antworten #356 am: 21. September 2015, 09:20:56 »

Zitat
Wolfsburg
Klinikum: Proteste gegen Reform

Mitarbeiter des Klinikums Wolfsburg protestieren gegen den Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes. Sie beteiligen sich am Mittwoch, 23. September, um 13 Uhr, an einem bundesweiten Aktionstag gegen die geplante Reform.



„Aktive Mittagspause“: Zuletzt hatte es im Juni Proteste am Wolfsburger Klinikum gegeben. Diesmal wollen Mitarbeiter Luftballons steigen lassen.

Unter anderem lassen sie Luftballons steigen und legen eine "aktive Mittagspause" ein.

„Stellvertretend für alle werden 15 Kollegen am Brandenburger Tor in Berlin an der zentralen Protestaktion teilnehmen“, kündigt Klinikumssprecher Thomas Helmke an. Insgesamt werden über 10.000 Krankenhausmitarbeiter aus der gesamten Bundesrepublik bei der Aktion erwartet. Aber auch in Wolfsburg soll ein Zeichen gesetzt werden: Die Mitarbeiter werden um 13 Uhr eine „Aktive Mittagspause“ einlegen. Unter dem Motto „Wir gehen in die Luft“ wollen sie vor dem Klinikum Luftballons steigen lassen, um auf die Unzulänglichkeiten der Reform hinzuweisen.

„Das geplante Gesetz ist keine Reform, es verschlechtert unsere Situation, statt sie zu verbessern“, macht Klinikumsdirektor Wilken Köster deutlich. So würde der Versorgungszuschlag von 0,8 Prozent wegfallen und es gäbe Kürzungen bei der jährlichen Vergütungsanpassung. Auch für die in Niedersachsen bestehende Investitionslücke von 1,5 Milliarden Euro biete das Gesetz keine nachhaltige Lösung. Dabei sei es wichtig, einen Weg zu finden, der eine vollständige Finanzierung der Personal- und Sachkosten der Krankenhäuser sowie notwendiger Investitionen schafft, meint Köster: Nur so könne „eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung mit stationären Krankenhausleistungen“ sichergestellt werden.
http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Klinikum-Proteste-gegen-Reform
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« Antworten #357 am: 25. September 2015, 19:12:44 »

Zitat
Proteste gegen Klinikreform

Auch in Stuttgart sind Krankenhausbeschäftigte bei einer bundesweiten Aktion gegen die geplanten Klinikreform der Bundesregierung auf die Straße gegangen. Kritiker werfen Gesundheitsminister Gröhe vor, mit seinen Plänen ein weiteres Kliniksterben zu provozieren. Die Krankenhausbeschäftigten wollen keine weiteren Einbußen hinnehmen.




Mit hunderten grüner Luftballons und Transparenten protestierten am Mittwoch Mitarbeiter verschiedener Krankenhäuser der Region Stuttgart auf dem Schlossplatz gegen die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung. Das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sei ein geschickt getarnter Versuch, die Krankenhäuser weiter „auszuhungern“ und so Kliniken und Betten zu reduzieren, kritisierte Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle (Grüne). An der bundesweiten Protestaktion in vielen Städten der Republik beteiligten sich mehrere tausend Klinikbeschäftigte. In Stuttgart waren es laut Polizei etwa 400.

Nicht nur von Stuttgarter Kliniken waren Mitarbeiter auf den Schlossplatz gekommen, auch aus Sindelfingen oder Esslingen waren Beschäftigte angereist. Auf Protesttafeln („Auch Krankenhäuser sind systemrelevant“, „Diese Reform belastet das Personal“) machten sie ihrem Ärger Luft. „Für alles ist Geld da, aber nicht für Gesundheit“, erklärte Margit Weinmann, die im Patientenmanagement des städtischen Klinikums arbeitet. Ihre Erfahrung der vergangenen Jahre: „Es werden immer mehr Stellen eingespart, die verbleibenden Leute haben immer mehr Arbeit. Es darf kein Geld mehr gestrichen werden.“

Seit Jahren werden Stellen gestrichen

„Die Krankenhäuser sind völlig unterfinanziert“, ist auch die Meinung von Thomas Lepke, der im Robert-Bosch-Krankenhaus in der EDV arbeitet. „Immer mehr Personalstellen werden gestrichen, es zählt nur noch die Optimierung“, kritisierte Lepke. Katrin Schröder, die als OP-Schwester in der Charlottenklinik für Augenheilkunde tätig ist, erklärte: „Personalkürzungen sind auch im OP ein Thema.“ Die Folge sind immer mehr Überstunden für die Beschäftigten. „Die Arbeitsbelastung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, erklärte die OP-Schwester.

Peter Stöckel, der am Standort Sindelfingen des Klinikverbunds Südwest arbeitet, erläuterte dies beispielhaft. Als er Anfang der 1990er Jahre in der Pflege angefangen habe, seien auf einer Station vier bis fünf Vollzeitkräfte für 27 Patienten zuständig gewesen, heute seien es noch zwei. „Aber nur, wenn’s gut läuft, selbst dafür gibt es keine Garantie“, erzählte Stöckel, der zehn Jahre Stationsleiter war. Dazu komme ein enormer Dokumentationsaufwand: „Die Leute haben keine Zeit mehr das auszuüben, was sie gelernt haben.“

Kritiker fürchten: Reform wird Probleme verschärfen

Die geschilderte Entwicklung wird sich durch die geplante Krankenhausreform nochmals deutlich verschärfen, befürchten Kritiker. Die Arbeitsbedingungen des Personals und damit der Service für die Patienten werden sich verschlechtern, sagte Krankenhausbürgermeister Wölfle. Insgesamt werde den 230 Kliniken im Land etwa 125 Millionen Euro durch die Reform entzogen. Beim Diakonie-Klinikum würden alleine durch die Streichung des sogenannten Versorgungszuschlags etwa 650 000 Euro im Jahr entfallen, beim Klinikum Esslingen geht es um etwa eine Millionen Euro, beim Klinikum der Stadt Stuttgart um zwei Millionen Euro. „Das wäre fatal“, sagte Bernd Sieber vom Klinikum Esslingen. Und die genannten Zahlen umfassten nur etwa die Hälfte der befürchteten Kürzungen, machte Ralf-Michael Schmitz deutlich, der Geschäftsführer des städtischen Klinikums. Bernd Rühle, Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums, erläuterte, dass schon heute der sogenannte Landesbasisfallwert, auf dessen Grundlage die Vergütungen berechnet werden, nicht die Tarifsteigerungen abdecke. „Weitere Kürzungen darf man dem Personal nicht zumuten“, sagte Rühle. „An der Stellschraube Personal kann man nicht mehr drehen – wir sind am Limit“, betonte Andrea Kiefer vom Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK). Dass freilich alle Kürzungen auf den Personaletat durchschlagen, machte Ralf-Michael Schmitz deutlich: Die Personalkosten machen etwa zwei Drittel der Ausgaben in Krankenhäusern aus.

AOK-Landeschef widerspricht

AOK-Landeschef Christopher Hermann nannte die bundesweite Aktion dagegen eine „unsachliche Kampagne“ der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Betriebskostenfinanzierung der Krankenhäuser sei ausreichend. Defizite und unnötige Mengenausweitungen seien auf ineffiziente Krankenhausstrukturen und die unzureichende Finanzierung der Investitionen durch die Länder zurückzuführen.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.krankenhaeuser-proteste-gegen-klinikreform.1b71042e-5375-414d-9303-9419808f9526.html
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Bowie


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« Antworten #358 am: 27. September 2015, 10:58:58 »

Luftballons als Kampfmittel gegen die Gesundheitsindustrie?
Hat sich Verdi das ausgedacht?
Als Steigerung Wattebäuschchenwerfen gegen den Arbeitgeber!
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dagobert


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« Antworten #359 am: 27. September 2015, 18:11:06 »

Als Steigerung Wattebäuschchenwerfen gegen den Arbeitgeber!
Selbstverständlich, es soll ja schließlich nicht weh tun.
Wo kämen wir denn sonst hin?  Evil
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Kuddel


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« Antworten #360 am: 14. Oktober 2015, 18:51:10 »

Zitat
Demo in Kiel
Krankenhaussterben im Land befürchtet

Gemeinsamer Protest von Klinikpersonal, Ärzten und Krankenhausbetreibern: Sie befürchten weitere Kürzungen bei der ohnehin chronischen Unterfinanzierung der Krankenhäuser. Stein des Anstoßes ist der Entwurf für ein geplantes Bundesgesetz.




Vor einem Krankenhaussterben in Schleswig-Holstein haben Klinikmitarbeiter und Arbeitgeber bei einer gemeinsamen Demonstration in Kiel gewarnt. Rund 500 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Polizei und der Gewerkschaft Verdi an der Protestaktion am Mittwoch. Aufgerufen hatte zu der Kundgebung die Schleswig-Holsteinische Allianz für die Krankenhäuser. Neben Verdi und der Krankenhausgesellschaft als Arbeitgeberverband wird die Allianz von zahlreichen weiteren Organisationen wie der Diakonie, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband oder dem Marburger Bund unterstützt.

Im Zentrum der Kritik steht das von der Bundesregierung geplante Krankenhausstrukturgesetz, das die Finanzierung der Krankenhäuser künftig regeln soll. Die Kliniken dürften nicht die Sparschweine der Nation sein, hieß es auf der Kundgebung vor dem Rathaus. Die geplante Finanzierung sei unzureichend, es drohe weiterer Personalabbau und noch mehr Arbeitsverdichtung, was zu einer schlechten Patientenversorgung führen werde. Die Krankenhausgesellschaft kritisiert eine permanente Unterfinanzierung der Personal- und Sachkostensteigerungen in den Kliniken. Das künftige Gesetz sehe bei wenigen punktuellen Verbesserungen massive finanzielle Kürzungen vor.

Nach Einschätzung von Verdi lässt der bisherige Entwurf kleineren und mittleren Krankenhäusern keine Zukunftschancen. Große Konzerne seien wegen ihrer Kapitalkraft im Vorteil. Der Wettbewerb werde durch Personalabbau auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen, kritisierte Verdi-Landesfachbereichsleiter Steffen Kühhirt. Verdi fordert, dass die Personalausstattung von Klinikabteilungen gesetzlich geregelt werde. Dies sei bisher nicht der Fall. Es gebe nur Empfehlungen.

Das Krankenhausstrukturgesetz solle die Qualität verbessern. „Was als Qualitätssicherung daher kommt, ist in Wahrheit ein Programm, Krankenhäuser zu schließen und die Kapazitäten zu reduzieren“, berichtete Kühhirt. Das werde vor allem Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft treffen, weil sie nicht die Finanzkraft privater Krankenhäuser hätten.

Laut Verdi fehlen bundesweit 162 000 Stellen in den Krankenhäusern, allein in Schleswig-Holstein 3000 Stellen, vor allem in der Pflege. Scharf kritisierte Verdi das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: Es sei ein Skandal, dass das landeseigene Uniklinikum — wieder einmal - mit schlechten Beispiel vorangehe. „Dort werden hunderte Stellen in der Pflege abgebaut aus wirtschaftlichen Gründen — und das, obwohl die Qualität schon jetzt im Keller ist und die Beschäftigten permanent überlastet sind“, kritisierte Kühhirt.

Der schleswig-holsteinische Marburger-Bund-Chef, der geriatrische Chefarzt Henrik Herrmann vom Westküstenklinikum in Brunsbüttel, forderte: „Krankenhäuser müssen durch eine sichere und ausreichende Finanzausstattung in die Lage versetzt werden, ihrer Verantwortung gegenüber ihren Patienten und ihren Beschäftigten nachkommen zu können.“ Eine vernünftige Qualität medizinischer und pflegerischer Leistungen sei nur mit entsprechendem Personal möglich.
http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Kiel/Nachrichten-aus-Kiel/Krankenhaussterben-in-Schlewig-Holstein-befuerchtet-Demo-in-Kiel

Klar, ich bin gegen Kürzungen. Ich bin aber wenig begeistert, wenn ich sehe, wie Arbeitgeber und Belegschaften gemeinsam demonstrieren.
Ich erinnere, wie damals HDW Arbeiter in von der Gewerkschaft organiserten Demos zum Landeshaus zogen, um für den Konzern staatliche Zuschüsse zu fordern. Das Ganze fand während der Arbeitszeit statt und wurde vom Arbeitgeber bezahlt.
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« Antworten #361 am: 20. August 2016, 15:22:46 »

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Als Kommunistischer Aufbau sind wir auf die kürzlich gegründete ‘Initiative Kämpferische Pflege’ (IKP) aufmerksam geworden. Dabei handelt es sich um einen klassenkämpferischen Organisierungsansatz von Pflegerinnen und Pflegern aus verschiedenen Arbeitsbereichen und Krankenhäusern. Wir drucken in dieser Ausgabe ein Interview der IKP mit zwei KollegInnen aus dem Krankenhaus ab, sowie einen kapitalismuskritischen Artikel dieser Initiative. Bitte sendet Rückmeldungen direkt an die Initiative unter organisierte.pflege[a]gmx.de

Zitat
Aus der weißen Fabrik – Interview mit zwei KrankenpflegerInnen

http://komaufbau.org/aus-der-weisen-fabrik-interview-mit-zwei-krankenpflegerinnen/
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Gute Pflege im Kapitalismus?!

http://komaufbau.org/gute-pflege-im-kapitalismus/

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Kuddel


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« Antworten #362 am: 28. August 2016, 13:28:04 »

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Berliner Landesunternehmen
In Tochterfirmen der Kliniken droht Streik

Eigentlich hatte sich die Lage beruhigt, als die Charité sich verpflichtete mehr Schwestern und Pfleger einzustellen. Doch nun droht Streik bei einer Tochterfirma - und auch bei Vivantes.



Arbeitskämpfe gab es in den Berliner Kliniken öfter. An der Charité das erste Mal 2006, zu sehen auf dem Bild, zuletzt 2015.

In den Berliner Kliniken spitzt sich der Streit um die Tochterfirmen zu. Zunächst geht es um Reinigungskräfte, Hausmeister und Boten der Charité. Sie sind oft bei der „Charité Facility Management“ (CFM) beschäftigt, die geringere Löhne zahlt, als die landeseigene Universitätsklinik selbst. Für die meisten der mehr als 2000 CFM-Mitarbeiter gilt kein Tarifvertrag. Kalle Kunkel von der Gewerkschaft Verdi sagte: „Angesicht der Spaltungsversuche der CFM-Geschäftsführung sind Streiks nicht ausgeschlossen.“

Man orientiere sich an branchenüblichen Löhnen, reagierte ein CFM-Sprecher, höhere Forderungen gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der Firma. Der Charité-Haustarif sei außerdem auf Ärzte und Pflegekräfte ausgerichtet. Zuletzt gab es Schlagzeilen, als die Charité dem bundesweit ersten Tarifvertrag für mehr Personal zustimmte. Die gewerkschaftlich organisierten Pflegekräfte der Klinik hatten 2015 nicht für mehr Lohn, sondern für mehr Kollegen gestreikt. Zuvor bestimmten Überstunden und Stress den Alltag auf den Stationen.

Kürzlich hatten sich auch 90 Prozent der Verdi-Mitglieder in der wichtigsten Tochterfirma der landeseigenen Vivantes-Kliniken für Streik ausgesprochen. Für 250 jener 900 Service-Beschäftigten gilt kein Tarifvertrag. Verdi fordert, dass alle 15.000 Vivantes-Beschäftigten nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Der Vivantes-Vorstand hat nun bis Anfang nächster Woche Zeit zu reagieren. Ein SPD-Landesparteitag hatte 2015 beschlossen, Ausgliederungen aus Landesunternehmen sollten rückgängig gemacht werden.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-landesunternehmen-in-tochterfirmen-der-kliniken-droht-streik/14456060.html#
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Kuddel


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« Antworten #363 am: 08. September 2016, 21:17:03 »

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Warnstreik an der Charité CFM und Solidemo am 07.09.2016: Für Löhne die zum Leben reichen! Gegen Tarifflucht und prekäre Beschäftigung an der Charité



Warnstreik an der Charité CFM und Solidemo am 07.09.2016: Für Löhne die zum Leben reichen! Gegen Tarifflucht und prekäre Beschäftigung an der CharitéIn der Service-Tochter der Charité, der Charité Facility Management (CFM) arbeiten viele Beschäftigte zu Löhnen, die nicht zum Leben reichen. Deshalb streiken sie am 7.9. für mehr Lohn: “Wir streiken für gute Löhne an der Charité. Denn die CFM (ausgegründete Charité Facility Management) gehört zur Charité. Wir machen Charité möglich. Die CFM wurde auf Grund einer Entscheidung des Berliner Senats gegründet. Er ist also mit verantwortlich für unsere Niedriglöhne. Deshalb tragen wir unseren Streik heute auch zu den politisch Verantwortlichen am Roten Rathaus.” Aufruf der Verdi Betriebsgruppe CFM unterstützt vom Bündnis Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus. Siehe dazu Infos und Aufrufe:
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeitskampf-divers/charite/warnstreik-an-der-charite-cfm-und-solidemo-am-07-09-2016-fuer-loehne-die-zum-leben-reichen-gegen-tarifflucht-und-prekaere-beschaeftigung-an-der-charite/#more-103923
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xyu


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« Antworten #364 am: 05. November 2016, 16:11:59 »

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Beschäftigte der Helios Amper Kliniken Dachau fordern mehr Personal


Die Botschaft war klar, der Andrang groß. Über 80 Klinikbeschäftigte stellten auf einer Podiumsdiskussion am 25.10.2016 im völlig überfüllten Café Gramsci in Dachau eine Forderung gegenüber der Helios Unternehmensführung nach mehr Personal und eine Sperrung von Betten bis dahin auf.

Die Unabhängige Betriebsgruppe am Klinikum lud zu der Veranstaltung mit Matthias Gramlich (Unabhängige Betriebsgruppe), Stefan Löwl (Landrat, Mitglied des Aufsichtsrats) und Claus Dieter Möbs (Bettriebsratsvorsitzender), ein. Bereits Anfang Oktober wurden die KollegInnen seitens der Betriebsgruppe in einem Flugblatt aufgefordert, dafür zu sorgen das ständige Arbeiten in Unterbesetzung nicht mehr zu dulden, stattdessen zusammen zu halten und für mehr Personal zu kämpfen. Mitte Oktober griff auch die Presse den Personalmangel und die schlechten hygienischen Zustände im Klinikum auf.

Im Februar 2014 übernahm die zum Gesundheitskonzern Fresenius gehörende Helios Klinken GmbH den Großteil ihres Konkurrenten Rhön Klinikum AG, zu der auch die Amper Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf zählten. Seitdem ist Helios der größte Klinikkonzern in Europa. Helios steht in dem Ruf, seine Beschäftigten auszupressen und wird für seinen autoritären Führungsstil kritisiert. Es wird gespart an allen Ecken und Enden, um die angestrebte Gewinnspanne von 15% EBIT zu erreichen. So geschah es auch in Dachau, einer der fünf wirtschaftlich erfolgreichsten Kliniken innerhalb der 53 Rhön Kliniken. Die Arbeitsbelastung war bereits hier enorm, der Personalmangel existenziell. Mit der Übernahme durch Helios verschärfte sich Lage binnen zwei Jahren. Die Beschäftigten sind reiner Spielball der Konzerninteressen.

Am 21.10. musste Dachauer Klinikgeschäftsführer Engelbrecht im Kreistag über die Missstände berichten. Der Landkreis hält 5,1% Anteile an der Amper Kliniken AG. Dort wurde ein 7 Punkte Programm vorgelegt. Ein externer Dienstleister erledigt seit Mitte Oktober Reinigungsarbeiten, die zuvor im Juli der völlig überlasteten Pflege übertragen wurden.

Auf der Podiumsdiskussion wurden die Missstände, die in der Presse nur oberflächlich geschildert wurden, detailliert zur Sprache gebracht: Unbesetzte Stellen in Pflege, Service Personal und Reinigung. Dienstpläne mit bereits eingeplanten Überstunden, massive Krankheitsausfälle, Arbeiten mit zwei Pflegekräften weniger bei vollem Programm, PatientInnen, die nicht mehr versorgt und überwacht werden können, Herabwürdigens Verhalten der Helios Pflegedienstleitung, Einschüchterungen und Abmahnungen. Verstöße gegen geltendes Recht, wie mündliche Kündigung einer Krankenschwester im Januar, die Verplanung des Urlaubs des Reinigungspersonals. Die Liste war endlos. Gerade in dem Geflecht aus konzerneigenen Untergesellschaften gesellt sich Lohndumping zu freier Interpretation der Gesetzeslage. Von nachträglich geänderten Dienstplänen bis zu prophylaktischen Abmahnungen um die Leute unten zu halten.

Landrat Löwl war sichtlich erschrocken von dem Bild, das ihm dort von den Beschäftigten in den vielen Wortmeldungen dargeboten wurde. Helios führt seine Kliniken alle nach dem gleichen straffen Prinzip. Dachau ist kein Einzelfall, aber ein Spezialfall, durch die Anteile des Landkreises und die Rechtsform der AG. Die Veranstaltung wurde nach über zwei Stunden beendet, aber es hätte noch einmal so lang weiter gehen können. Das Café Gramsci war völlig überfüllt, Leute standen bis vor die Tür und hinter der Theke. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele KollegInnen kamen und sich auch zu Wort meldeten. Man spürte, dass hier das Eis gebrochen war, dass man sich gegenseitig ermutigt fühlte und dass alle gemeinsame Interessen haben. Dies mündete in der wiederholten Forderung umgehend Betten zu sperren und mehr Personal in den genannten Berufsgruppen, v.a. in der Pflege, einzustellen. Nun gilt es dran zu bleiben, da Helios nicht für seine Nachgiebigkeit bekannt ist. Aber jetzt ist auch klar: Die Beschäftigten lassen sich nicht länger hinhalten. Die Veranstaltung war eine Initialzündung zu neuem Selbstbewusstsein und wiedergewonnenem Gemeinschaftsgefühl. Jetzt wird der Spieß umgedreht. Jetzt bekommt Helios Druck.

http://www.fau.org/artikel/art_161029-180645
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xyu


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« Antworten #365 am: 07. November 2016, 13:53:37 »

In der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur sind zwei ausführliche Berichte über die o.g. Podiumsdiskussion veröffentlicht, die zu lesen sich lohnt.

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Klinikbelegschaft rechnet mit Unternehmensführung ab

Auf einer Podiumsdiskussion über die pflegerische Qualität des Dachauer Klinikums forden Mitarbeiter einen Aufnahmestopp für Patienten.
Von Wolfgang Eitler, Dachau

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-klinikbelegschaft-rechnet-mit-unternehmensfuehrung-ab-1.3223485

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Desaströse Zustände im Dachauer Krankenhaus

Dachau - Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend haben sich die Pflegekräfte des Helios Amper-Klinikums Dachau Gehör verschafft. Folgt man ihren Angaben, dann herrschen im Krankenhaus oben auf dem Weblinger Hang desaströse Zustände.

http://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau/desastroese-zustaende-dachauer-krankenhaus-podiumsdiskussion-caf-gramsci-6908852.html
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Fritz Linow


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« Antworten #366 am: 06. Dezember 2016, 11:19:04 »

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Pflege-Demonstration in Siegen

Pflegekräfte und Ärzte haben am Abend (05.12.2016) gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in ihrer Branche mobil gemacht. Etwa 100 Leute versammelten sich auf dem Scheinerplatz zu einer Kundgebung.

Die Pflegekräfte setzen sich für eine bessere Bezahlung und mehr Wertschätzung für ihre Arbeit ein. Sie beklagen, die Situation in Krankenhäusern und Pflegeheimen sei mittlerweile gefährlich, sowohl für die Patienten, als auch die Pfleger. Weil immer mehr Personal eingespart wird, könne die Arbeit nicht mehr sorgfältig gemacht werden.

http://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/demonstration-pflegekraefte-siegen100.html
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Kuddel


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« Antworten #367 am: 14. Dezember 2016, 19:03:17 »

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Protest in Griechenland
Pfleger mauern Gesundheitsministerium zu

In Athen mauern wütende Angestellte den Eingang des Gesundheitsministeriums zu. Sie protestieren damit gegen die dramatischen Zustände im Gesundheitssystem. Das Leben von Patienten sei in Gefahr, sagen sie.




Aus Protest gegen Gehaltskürzungen und Personalmangel haben Beschäftigte des griechischen Gesundheitssystems und Gewerkschafter den Eingang des Gesundheitsministeriums in Athen mit Zementblöcken zugemauert.

 "Das machen wir symbolisch. So wie die Lage jetzt ist, brauchen wir gar kein Gesundheitsministerium", sagte ein Gewerkschaftssprecher Reportern griechischer Fernsehsender, die die Aktion zeigten. Wegen des Personalmangels und der Einsparungen sei das Leben der Patienten in Gefahr. Das gesamte Gesundheitssystem breche zusammen, hieß es weiter.

Regierungschef Alexis Tsipras hatte in den vergangenen Tagen versprochen, 5000 neue Stellen für Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger zu schaffen. Wegen der dramatischen Finanzlage waren in den vergangenen sechs Jahren kaum neue Ärzte und Pfleger eingestellt worden. Zudem sind Tausende griechische Ärzte und Krankenpfleger ausgewandert.
http://www.n-tv.de/panorama/Pfleger-mauern-Gesundheitsministerium-zu-article19321766.html
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« Antworten #368 am: 24. Dezember 2016, 22:07:32 »

Dass in den weissen Fabriken Stress und Arbeitshetze herrschen ist Allgemeinwissen.
Profitieren möchte davon nun auch die Bundeswehr:

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« Antworten #369 am: 20. Februar 2017, 01:31:47 »

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Fresenius Helios ist der Umsatzstärksten Klinikkonzern Deutschlands. Die Beschäftigten am Dachauer Standort leiden unter gnadenloser Arbeitsintensivierung und Outsourcing. Interview mit Matthias Gramlich von der Unabhängigen Betriebsgruppe.

https://www.direkteaktion.org/2017-2/ich-meine-damit-streik

bzw. ungekürzt hier: http://projekte.free.de/faum/fau-m/index.php/de/kaempfe-kampagnen/amperkliniken/aktuelles/177-helios-klinikum-dachau-jegliche-kritik-wird-ausgesessen-interview-mit-betriebsgruppenmitglied
« Letzte Änderung: 20. Februar 2017, 03:01:34 von xyu » Gespeichert
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« Antworten #370 am: 09. März 2017, 06:33:10 »

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Die UZ sprach mit Kati Ziemer, Gesamtpersonalrätin Charité und Betriebsrätin CFM (Charité Facility Management) über den Stand der Umsetzung des „Tarifvertrag Personalbemessung“ an der Charité und die bundesweite Kampagne von ver.di zum „Tarifvertrag Entlastung“

(...)

UZ: Wie ist der Stand der Umsetzung des Tarifvertrages an der Charité? Wie findet Personalbemessung statt, wie wird die Einhaltung kontrolliert und auf welche Widerstände stoßen die Kolleginnen und Kollegen? Ist mit dem Abschluss der Tarifverhandlungen der Kampf um die Durchsetzung bzw. Umsetzung des Tarifvertrages schon beendet?

Kati Ziemer: Die Umsetzung gestaltet sich seit Beginn der Laufzeit äußerst schwierig. Zum Einen ist dem Arbeitgeber nicht ganz klar gewesen, welche Aufgabe mit der Berechnung der Personalkennzahlen auf ihn zukam. Zum Anderen haben die Kolleginnen und Kollegen große Hoffnungen auf die positive Veränderung ihrer Arbeitssituationen gelegt.
Auf dem Papier standen die Zahlen, aber in der Realität ist es unglaublich schwer, das geforderte Personal zu finden. Es ist ein deutschlandweites Problem, dass viel zu wenig gut geschultes Fachpersonal zu finden ist, das unter diesen Bedingungen arbeiten möchte. Die Dimension ist mit dem Tarifvertrag sehr klar geworden. Hier prallen die Kennzahlen des Wirtschaftsplanes der Haushaltsverantwortlichen jeder einzelnen Klinik der Charité auf die Forderungen aus dem TV.
Klare Forderung aus dem TV: Wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist, dann müssen die Leistungen eingeschränkt werden. Das bedeutet weniger Operationen, weniger Patienten, heißt weniger Umsatz, eventuell keine schwarze Null! Das ist der wunde Punkt im Konzern Charité. Dieses positive Ergebnis wurde bisher genutzt, um längst fällige Investitionen an der baulichen Substanz durchzuführen.

(...)

http://www.unsere-zeit.de/de/4909/wirtschaft_soziales/4879/Personalbemessung-bei-der-Charit%C3%A9.htm
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« Antworten #371 am: 20. März 2017, 14:13:18 »

interessanter artikel, der aufzeigt wie die von den streikenden beabsichtigten folgen des gefeierten tariftvertrags an der charité berlin konkret ins leere laufen gelassen wurrden, u.a. durch den abbau von leiharbeiterInnen.

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Arbeitsbedingungen bei der Charité
Krankenhaus bleibt krank

Der Tarifvertrag, der Mindestbesetzung der Stationen vorschreibt, wird nicht eingehalten, kritisiert Verdi und will nachbessern. Erneut droht ein Streik.

Trotz Vereinbarung zu Mindestbesetzung: PflegerInnen der Charité weiter chronisch überlastet Foto: dpa

An der Charité droht ab Sommer erneut ein Arbeitskampf. Nach Ansicht von Verdi hält sich die Arbeitgeberseite in vielen Punkten nicht an den im vorigen Jahr abgeschlossenen Tarifvertrag. So lautete der Tenor einer Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Die Gewerkschaft will daher den zum 30. Juni auslaufenden Vertrag nachbessern.

Doch die Gegenseite weigert sich. „Die Charité lehnt es ab, erneut das Versuchsfeld der Tarifpolitik von Verdi zu sein für ein bundespolitisches Gesundheitsproblem“, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei der taz. Dann werde man eben streiken, erwiderte Carsten Becker, Verdi-Betriebsgruppenleiter der Klinik. „Die Signale der Beschäftigten sind ganz klar.“
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Im April 2016 hatten die landeseigene Klinik und die Gewerkschaft nach jahrelangen Verhandlungen und mehreren Streiks einen viel beachteten Tarifvertrag abgeschlossen. Darin wurde erstmals eine Mindestausstattung mit Personal für Intensivmedizin, stationäre Krankenpflege und Kinderklinik festgelegt sowie eine Aufstockung der Nachtdienste um bis zu 40 Stellen vereinbart. Zudem wurden abgemacht, dass bei Personalmangel Leiharbeitskräfte anzufordern oder Betten zu sperren sind, um eine Überlastung der Mitarbeiter zu vermeiden.

Der Abschluss wurde damals von CDU bis Linkspartei als Novum mit bundesweiter Signalwirkung gefeiert. Tatsächlich will inzwischen sogar die Große Koalition im Bund Untergrenzen für die personelle Ausstattung von Kliniken vorschreiben, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vorige Woche erklärte. Auch Verdi lobt: „Der Tarifvertrag war ein guter und erster Einstieg in die Debatte um gute Arbeit im Krankenhaus“, so Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel am Mittwoch. Es sei schön, dass es jetzt bundesweit Nachahmer gebe. Aber: Die Vereinbarung kranke grundsätzlich daran, dass sie keinerlei Sanktionen vorsehe, wenn sich eine Seite nicht daran hält.
Stellen beim Nachtdienst reduziert statt aufgestockt

Genau das wirft Verdi der Charité vor: So habe sie bis heute keine Zahlen vorgelegt, wie viel Personal für die Intensivmedizin zur Verfügung stehen. Bei 50 Prozent der Normalstationen fehle mindestens eine Pflegekraft; auf knapp 30 Prozent der Stationen „werden zwischen 10 und 25 Prozent weniger Pflegekräfte eingesetzt als durch den Tarifvertrag vorgesehen“, so Kunkel. Zudem sei die Zahl der Nachtdienststellen nicht aufgestockt, sondern sogar um 20 Stellen reduziert worden.

Was dies für die Mitarbeiter bedeutet, schilderte Krankenpflegerin Astrid Rischawy-Mariano so: „Wir werden häufig gebeten, kurzfristig in anderen Stationen auszuhelfen. Aber das reißt ein Loch in einer anderen Station.“ Wenn jemand krank sei, gebe es keinen Ersatz, „Betten werden nicht gesperrt, alles läuft ganz normal.“ So habe eine Pflegekraft dann tagsüber teils 15 bis 16 PatientInnen zu versorgen – statt wie vorgesehen 8 bis 9.
Armin Thomaß, Pfleger

„Es ist ein täglicher Kampf um jedes Bett“

Auch Armin Thomaß, Pfleger auf der Intensivstation und Mitglied der Verdi-Tarifkommission, berichtete: „Es ist ein täglicher Kampf um jedes Bett.“ Wenn Personal auf einer Station fehlt, könne man nicht einfach Leiharbeiter anfordern, sondern müsse eine komplizierte Bürokratie in Gang setzen – mit dem Ergebnis, dass Ersatzpersonal zu spät oder gar nicht kommt. Und wenn Betten gesperrt werden müssten, um Personal zu entlasten, verhindere dies häufig der kaufmännische Direktor mit dem Argument, man brauche die Einnahmen.
Leiharbeit massiv abgebaut

Eine der Ursachen für den eklatanten Personalmangel ist aus Verdi-Sicht, dass die Charité zwar mehr Personal eingestellt, gleichzeitig aber massiv Leiharbeit abgebaut habe. Das sei „absolut unverständlich“, so Kunkel, solange man nicht genug festes Personal habe, um die vertraglich festgelegte Personalausstattung überhaupt zu erreichen.

Dagegen lobt der Ärztliche Direktor Frei, die Charité habe „trotz der schwierigen Arbeitsmarktlage mehr als 200 Vollkräfte in Pflege- und Funktionsdienst eingestellt“. Und man werde auch die absehbar notwendigen weiteren 70 Kräfte einstellen. Die Gewerkschaft sei nur unzufrieden, „weil ihr kurzfristige Eingriffe in Personalführung und Bettenkapazität verweigert wurden“.

Verdi hofft nun auf ein Machtwort der Politik. Kommende Woche tagt der Charité-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender der Regierende Bürgermeister ist. Im vorigen Jahr hätten alle den Vertrag gelobt, erinnert Kunkel: „Wir werden sehen, wie die Politik nun dazu steht.“

http://taz.de/Arbeitsbedingungen-bei-der-Charite/!5389603/
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« Antworten #372 am: 21. Mai 2017, 19:45:24 »

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Verdi ruft zu fünftägigem Streik an der Charité auf

An der Berliner Charité eskaliert die Auseinandersetzung um Lohnforderungen für die Beschäftigten der Charité-Servicetochter CFM. Die Gewerkschaft Verdi rief zu Arbeitsniederlegungen auf, die bis Sonntag andauern sollen.

Er rechne damit, dass sich zum Auftakt am Mittwoch rund 150 Mitarbeiter daran beteiligen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Kalle Kunkel. Die Gewerkschaft fordert eine Angleichung der Löhne von CFM-Angestellten an die Gehälter der Charité-Beschäftigten.

Momentan gebe es einen Lohnunterschied von 30 bis 40 Prozent, sagte Kunkel. Die Streikmaßnahmen beeinträchtigten vor allem die Krankentransporte und die Stations- und OP-Versorgung.
http://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/verdi-ruft-zu-fuenftaegigem-streik-an-der-charite-auf
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« Antworten #373 am: 15. August 2017, 19:48:39 »

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Streik für Personal - und Kritik an der Bundespolitik

Am Dienstag streiken Charité-Pflegekräfte. Es geht erneut um mehr Personal. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) kritisiert die Bundesregierung.


Die Debatte um die Zukunft der Charité spitzt sich zu. Am Dienstag werden wegen angekündigter Streiks Behandlungen verschoben, während die Klinik nun auch im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielt – und dabei einen Streit um die Finanzierung der Kliniken zwischen CDU und SPD auslösen dürfte. Der nicht ausgestandene Tarifkonflikt trägt dazu bei. Die Gewerkschaft Verdi ruft die Pflegekräfte für den 8. August an den Standorten in Mitte, Wedding und Steglitz zum Kurzausstand auf – die Patienten sind informiert. Termine wurden verschoben, Notfälle werden versorgt.
http://www.tagesspiegel.de/politik/charite-im-bundestagswahlkampf-streik-fuer-personal-und-kritik-an-der-bundespolitik/20153066.html
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Fritz Linow


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« Antworten #374 am: 01. September 2017, 20:23:51 »

Am 12.9.17 ist Aktionstag zur Händedesinfektion in Krankenhäusern. Eigentlich schon traurig genug, dass man auf grundlegende Schutzmaßnahmen aufmerksam machen muss:

Zitat
Alle wissen, dass die Händedesinfektion das A und O bei der Vermeidung nosokomialer Infektionen ist. Alle wissen aber auch: dafür fehlt die Zeit. Insgesamt etwa zwei Stunden braucht eine Pflegekraft pro Schicht durchschnittlich für die vorgeschriebene Desinfektion. Doch wenn sie sich diese Zeit für die Desinfektion nimmt, fällt notgedrungen etwas anderes weg. Diesen Skandal machen wir sichtbar. (…)

https://gesundheit-soziales-bayern.verdi.de/branchen/krankenhaeuser/++co++dfbe1648-840e-11e7-9ccb-525400940f89

Noch trauriger ist das, was gerade in der Schweiz getestet wird, wobei das Ergebnis auch nicht ohne ist:

Zitat
17.8.17
Smarte Kameras überwachen Krankenhaushygiene

EPFL-Forscher http://epfl.ch setzen gegen lästige Infektionen mit Krankenhauskeimen in Europas Spitälern statt menschlichen Kontrolleuren auf eine smarte Kombination aus raumerfassenden Tiefenkameras und Algorithmen, die selbständig die Handhygiene in Krankenhäusern überwachen. (…) "Ich halte nicht sehr viel davon, die Handhygiene mit Kameras zu kontrollieren. Das geht mir zu sehr in Richtung Überwachung und wäre den betreffenden Personen sicherlich unangenehm", gibt der Mediziner zu bedenken. (…) Das Ergebnis ist ernüchternd: Von insgesamt 170 Personen, die ein Zimmer betreten haben, haben nur 30 die Desinfektionsverteiler benutzt.

https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9830148-smarte-kameras-ueberwachen-krankenhaushygiene
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