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Autor Thema: Klassenkampf - was ist das?  (Gelesen 5384 mal)
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counselor


Beiträge: 2967



« Antworten #25 am: 17. März 2018, 16:25:20 »

Kürzlich gelesen:

Zitat
Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.


Quelle: http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_101.htm#K14
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Kuddel


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« Antworten #26 am: 18. März 2018, 14:45:31 »

Zitat
Die Linke hat die Klassen und den Klassenkampf aus ihrem Vokabular verbannt. Dadurch ist ein politisches Vakuum entstanden, das es Rechtspopulisten überhaupt erst erlaubt, Klassenspannungen völkisch umzudeuten.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1063987.hoch-oben-tief-unten.html
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #27 am: 21. März 2018, 15:56:11 »

Der Kapitalismus basiert auf der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft.
Klassenkampf ist der Kampf unten gegen oben, derjenigen, die weder über Reichtum, noch über Produktionsmittel verfügen, gegen diejenigen mit Macht und Reichtum.
Egal wie gut die herrschende Klasse mit Waffen, Armeen, Polizeikräften und Geheimdiensten ausgestattet sein mag, sie ist aufgeschmissen, wenn die Arbeiter*innen sich weigern mitzuspielen im kapitalisitschen Alltag.
Der Ostblock wurde nicht militärisch besiegt. Der Zerfall des Ostblocks begann mit den Streiks auf der Leninwerft in Danzig.
Wer die Macht in den Betrieben hat, hat die Macht in der Gesellschaft. Das ist der Grund, warum die Faschisten jetzt ihren Einfluß in den Betrieben ausbauen wollen.
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admin
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« Antworten #28 am: 25. März 2018, 19:33:12 »

An den Diskussionen in diesem Forum läßt sich ablesen, daß es kaum noch ein Wissen über die Bedeutung des Wortes Klassenkampf gibt.
Es geht dabei um gemeinsames Handeln von Menschen, die durch ihre wirtschaftliche Situation miteinander verbunden sind.
Die Klasse hat sich atomisiert. Zumindest das Bewußtsein über die Zusammengehörigkeit und Notwendigkeit des zusammen-Kämpfens.
In der frühen Phase des Forums gab es oft Pöbeleien gegen Leiharbeiter. Sie sollten keine Leiharbeit machen, dann gäbe es das Problem der Leiharbeit nicht. Als würde jemand einfach aus Spaß Leiharbeit machen.

Man kennt aber weder Klassen noch den Zusammenhalt untereinander. Jeder kämpft für sich. Rückzug. Boykott. Man glaubt an die Macht des Konsumenten. Ich halte diese Haltung nicht nur für ärgerlich, ich halte sie für schädlich. Als könnte man durch ein anderes Konsumverhalten die Gesellschaft verändern.

Deshalb hatten wir die Beschimpfungen gegen Leiharbeiter, statt einen Versuch Leiharbeiter zusammenzubringen. Auch wurden Erwerbslose beschimpft, wenn sie ihre Klamotten bei KiK kauften. Sie seien Schuld an der Ausbeutung der Textilarbeiterinnen in Bangladesch. Jeder findet Amazon scheiße. Und natürlich gehört es unter Linken zum guten Ton, jeden anzumachen, der schon bei Amazon bestellt hat. Man merkt aber nicht, daß man nichts an der Macht des Konzerns ändert, wenn man auf eine Bestellung bei dem Unternehmen verzichtet.

Nichts, rein garnichts würde in der Wirtschaft funktioneren, wenn die Arbeiter nicht in Kooperation das alles funktioneren ließen. Wenn sie das begreifen, ist es der erste Schritt, die eigene Macht zu erkennen. Sie haben es in der Hand die Wirtschaft zu Stillstand zu bringen und ihre Macht zu brechen.
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counselor


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« Antworten #29 am: 25. März 2018, 20:23:37 »

Damit es zum Klassenkampf kommt, müssen die Arbeiter lernen, als Klasse zu denken, zu fühlen und zu handeln.
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Kuddel


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« Antworten #30 am: 29. März 2018, 13:54:49 »

...müssen die Arbeiter lernen, als Klasse zu denken, zu fühlen und zu handeln.

Wir müssen da wohl noch sehr viel lernen.
Die größten Hindernisse sind dabei in meinen Augen völlig verstaubte Begriffe von dem was ein "Arbeiter" ist und was ein "Arbeitskampf". Die Vorstellungen davon sind gut 100 Jahre alt. Die Wirtschaft und die Arbeitsorganisation haben sich radikal umstrukturiert. Unsere Diskussion hat sich nicht mit den Verhältnissen weiterentwickelt. Es gilt einiges nachzuholen.
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Rappelkistenrebell


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« Antworten #31 am: 30. März 2018, 08:18:49 »

Zu welcher Klasse man selbst gehört hängt vom eigenem Verhältnis zu den Produktionsmitteln ab.Das war vor 200 Jahren genauso wie heute.
Die Modernieiserung der Produktivkräfte und Produktionsbedingungen verändern nur die äußere Erscheinungsform,nicht den Charakter selbst
des Systems.

"Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das ‚Kapital‘ den landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z. B. derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben läßt, der Arbeitgeber heißt, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im Französischen wird travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von ‚Beschäftigung‘ gebraucht. Mit Recht aber würden die Franzosen den Ökonomen für verrückt halten, der den Kapitalisten donneur de travail, und den Arbeiter receveur de travail nennen wollte" Friedrich Engels: Vorwort zur dritten Auflage von Das Kapital. In: Marx/Engels Werke, Bd. 23, Berlin (DDR) 1968, S. 34
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Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de
tleary


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« Antworten #32 am: 19. April 2018, 00:22:06 »

Zitat

Schweigemarsch in Erfurt. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD), Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Marion Walsmann (CDU) und Björn Höecke (AfD) laufen mit.
https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/siemens-schweigemarsch-erfurt-100.html

Zitat
"Wir sind Siemens" und in der ersten Reihe Bodo Ramelow (Linke) und Björn Höcke (AfD) und hintenran Fahnen von der SPD, MLPD und Schwarz-Rot-Gold.[/b]
Da tobt der völlige Irrsinn!

Es ist auch das Ergebnis der verbreiteten Entpolitisierung. Man marschiert nicht einem Ich-und-mein-Ausbeuter-sind-Eins Transparent hinterher. Und man marschiert nicht in die gleiche Richtung wie AfD-Höcke! Man stellt sich ihm entgegen!!

Das Bild ist wirklich "shocking"! - Abgesehen davon, daß die Linke (als Bewegung, nicht Partei) in der BRD keine politische Rolle mehr spielt. Zumindest hätte sie so etwas durch Gegendemonstrationen und Plakaten mit AUFKLÄRUNGSPAROLEN (!) entgegentreten müssen. Und politischen Positionen der Linken (als Partei) sind mit keinem Wort aufklärerisch! - Sie läßt die Arbeiter im unklaren darüber, daß dieses Wirtschaftssystem für sich grundsätzlich nur schädliche Konsequenzen haben kann! Es wird so getan, als ob alles in Ordnung wäre, würde Siemens nur die "Standorte sichern" und ein paar Arbeitsplätze weniger streichen, wie die Vertreter der Kapitalisten nun vorhaben.
« Letzte Änderung: 14. Mai 2018, 05:06:19 von tleary » Gespeichert

"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
ManOfConstantSorrow


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« Antworten #33 am: 02. Mai 2018, 22:00:25 »

Die Diskussion über Klassenverhältnisse und Klassenkampf wird nicht nur bei uns geführt.

Zitat
Die Frage nach „Klassen“ und „Klassenpolitik“ ist wieder zurück in der öffentlichen und linken Diskussion. Das mag man begrüssen, zeugt sie doch zumindest von der Einsicht, dass die Linke oftmals kaum noch Menschen jenseits linksliberaler Filterblasen und subkultureller Milieus erreicht. Bislang wird die Debatte jedoch relativ oberflächlich geführt. Dass „Klassenverhältnisse“ und „Klassenfragen“ irgendwie wichtig sind und die Linke Kontakt zur „Arbeiterklasse“ braucht, darüber herrscht zwar neuerdings verdächtig grosse Einigkeit.

Allein, was damit genau gemeint ist, bleibt meist diffus: Wer oder was etwa ist die „Arbeiterklasse“ und wie sieht sie heute aus, worum geht es in „Klassenkämpfen“ – und wozu braucht man den Klassenbegriff überhaupt? Bleiben solche Fragen ungeklärt, ist seine Verwendung nicht nur phrasenhaft...
http://www.untergrund-blättle.ch/buchrezensionen/sachliteratur/klassen_und_sozialstruktur_der_brd_1950_1970_4740.html

Dieser Artikel ist jedoch fremdwortgespickt und nicht so leicht zu lesen...
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Fritz Linow


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« Antworten #34 am: 02. Mai 2018, 22:59:12 »

Zu der Klassenkampfdiskussion passt auch irgendwie:

Zitat
Selfiesticks zu Knüppelfahnen

Wie weg von der Szene-Kiez-Folklore? Eine erste Auswertung der »Revolutionären 1. Mai Demonstration« in Berlin
(...)
Der Hedonismus, der hier zelebriert wird, ist kein Ausdruck des Aufbäumens gegen einen kapitalistischen Alltag, der einem jede Freude nimmt. Er ist die optimale Ergänzung zu diesem Alltag, die Flucht, das Sich-Auslassen. Und er ist das nicht nur am 1. Mai, sondern das ganze Jahr über. Was am 1. Mai in Kreuzberg zum Ausdruck kommt, ist nur die sichtbare Verdichtung der ansonsten auf hunderte Clubs und Soli-Parties aufgeteilten gelingenden liberal-kapitalistischen Befriedungsstrategie. Das ist nichts, worüber man sich empören muss. Es ist schlichtweg der Status Quo eines großen Teils der Hauptstadtlinken.
(...)

http://lowerclassmag.com/2018/05/selfiesticks-zu-knueppelfahnen/

(nicht ganz so viele Fremdwörter)

« Letzte Änderung: 02. Mai 2018, 23:04:44 von Fritz Linow » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #35 am: 05. Mai 2018, 13:19:48 »

Ich denke, das paßt auch irgendwie:

Zitat
Kapitalismus abschaffen!
(...)
„Man nennt das Ausbeutung“, dieser Satz trifft also auf alle zu, die ihre Arbeitskraft im Kapitalismus verkaufen müssen, ob sie das nun für einen läppischen Mindestlohn von 8,84 Euro tun oder für das Dreifache. Dennoch verschärft sich der Grad der Ausbeutung natürlich mit abnehmendem Lohn, und hier setzen Arbeitskämpfe an: Gewerkschaften versuchen, den Lohn zu steigern oder die Länge der unbezahlten Mehrarbeitszeit dadurch zu verkürzen, dass die Arbeitszeit insgesamt verkürzt wird.

Nur Enteignung stoppt Ausbeutung

Sozialdemokratische Politik versucht eigentlich, kapitalistische Ausbeutung sozial abzufedern, die Arbeitsbedingungen also zu verbessern. Eigentlich. Denn die SPD unter Gerhard Schröder tat genau das Gegenteil: mit der Einführung von Hartz IV und der Förderung von Leiharbeit und prekären Jobs schuf sie einen Niedriglohnsektor, auf dem Millionen von Angestellten viel Mehrarbeit leisten – und wenig Lohn erhalten. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie nachhaltig die Auswirkungen der Agenda 2010 sind.

Um die Ausbeutung sozialverträglich abzumildern – eine Kernaufgabe der Sozialdemokratie – bräuchte es nicht viel: zum Beispiel eine Erhöhung des Mindestlohns auf mindestens 12 Euro, wie von der Linken gefordert. 12 Euro sind die Grenze des Stundenlohns, ab der die abhängig Beschäftigten eine Chance auf eine Rente oberhalb der Grundsicherung bekommen. 12 Euro Stundenlohn würden auch einige andere Probleme lösen, die momentan in Bezug auf Arbeitslosengeld II diskutiert werden: denn bei einem höheren Mindestlohn könnten auch die Regelsätze von Hartz IV erhöht werden, ohne dass gleich alle Niedriglöhner leistungsberechtigt würden. Mehr Mindestlohn, mehr Grundsicherung ohne Sanktionen: So sieht eine sozialdemokratische Politik aus, die sich ernst nimmt.

Doch selbst die ambitionierteste Umverteilung wird die von Bartsch beklagte Ausbeutung nicht abschaffen. Zum Arbeiter*innenkampftag und 200. Geburtstag von Karl Marx sei deshalb daran erinnert: Die Forderung nach mehr Mindestlohn ist richtig, aber nicht revolutionär – selbst Olaf Scholz sprach sie bereits aus. Wer Ausbeutung wirklich abschaffen will, muss dem Kapital also die Produktionsmittel enteignen und unter demokratische Kontrolle bringen.
https://www.freitag.de/autoren/elsa-koester/das-ist-ausbeutung
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Kuddel


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« Antworten #36 am: 09. Mai 2018, 19:57:49 »

Die linke und linksradikale Szene ist zu weiten Teilen ein subkultureller Zusammenhang. Man erkennt sich an Sprache und Outfit, man diskutiert über bestimmte Themen, doch man hat wenig Vorstellung von dem, was Arbeiterklasse (oder "Klasse") heutzutage sein könnte. Letztendlich wohl eher etwas, was man für zu schmuddelig hält und mit Bild-Zeitung und AfD in Zusammenhang bringt und lieber einen großen Bogen drum macht.

In Groß Britannien wird diese Problematik intensiver diskutiert. Ein Buch von Owen Jones hat bereits 2012 hohe Wogen geschlagen.
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=26179.0
Jetzt hat sich auch die Historikerin Rhian E. Jones mit der Thematik beschäftigt:
Zitat
Der Marxsche Klassenbegriff gehört zu ihrem Repertoire: Die britische Historikerin Rhian E. Jones kritisiert die Ausgrenzung der Arbeiterklasse im urbanen Bildungs- und Kulturraum. Exemplarisch hat sie sich mit der Pop-Metropole London beschäftigt.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/historikerin-rhian-e-jones-ausgrenzung-und-popkultureller.2156.de.html?dram:article_id=417179
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Kuddel


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« Antworten #37 am: 19. Mai 2018, 18:17:43 »

Ein paar weitere spitze Bemerkungen über Linksradikale, die zwar schöne Ideen haben mögen, doch entfernt von der Klasse und ihren Kämpfen sind...

Zitat
...Die soziale Frage könne laut NIKA »nur noch grenzübergreifend und gemeinsam beantwortet werden«. Grundsätzlich befindet sich die radikale Linke damit auf dem richtigen Weg, der Kern der Aussage ist schließlich: Rechtsruck und Jahrzehnte der kapitalistischen Krise – das hängt zusammen. Nur ergibt sich hier ein Problem. So richtig die Analyse ist, so unzureichend ist derzeit die Herangehensweise, den Kapitalismus als solchen zu bekämpfen. Wenn sich radikale Linke über mangelnde Kapazitäten beschweren, muss die Frage lauten, wie neue entstehen können...
https://www.neues-deutschland.de/m/artikel/1088335.radikale-linke-und-klassenkampf-einen-versuch-ist-es-wert.amp.html

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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #38 am: 14. Juni 2018, 13:38:34 »

Zitat
Was heißt Klassenpolitik konkret?
Erfahrungen aus der Unterstützung des Arbeitskampfs bei Amazon
https://www.akweb.de/ak_s/ak637/14.htm

Auch eher linkes Geschwaller von Leuten, die "Klassenkampf" nur aus Büchern kennen.
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #39 am: 19. Juni 2018, 13:40:18 »

Anmerkung zum Artikel im AK:
Linke sehen die Spaltungen innerhalb der Klasse und vertiefen sie.
Die linke Szene möchte stets ein Sammelbecken Gleichgesinnter sein.
Das ist auf eine Klassenauseinandersetzung nicht zu übertragen. Da muß man in Kauf nehmen, wenn ein Mitstreiter ein Frei.wild T-Shirt trägt oder jemand politische Scheiße im Kopf hat. Hier gilt es, in jedem Falle für das gemeinsame Ziel zusammenzustehen. Man kann sich am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder auf einer Versammlung aufs heftigste über rassistische oder sexistische Haltungen fetzen, in einem Kampf gegen einen gemeinsamen Feind muß man die Reihen fest geschlossen halten.
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« Antworten #40 am: 19. Juni 2018, 16:42:03 »

Genau! Im Klassenkampf stellt man das Verbindende in Vordergrund. Über das Trennende diskutiert man. Nur Faschisten wird man ausschließen.
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« Antworten #41 am: 21. Juni 2018, 13:44:53 »

chefduzen wurde konzipiert als soziale Plattform, offen für alle Konflikte im modernen Kapitalismus.
Es stellte sich heraus, daß ein Großteil der Opfer kapitalistischer Entwicklungen, allein an der eigenen Gruppe interessiert ist, nicht an "den Ausgebeuteten" oder "der Klasse", sondern nur an einem winzigen Bruchteil der Klasse.

Gerade diejeingen, die sich für politisch bewußt halten, tragen besonders krasse Scheuklappen. Die traditionelle Gewerkschaftsszene interessiert sich für "Arbeiter", doch kaum für die Erwerbslosen.  Dagegen hat sich eine Szene von Erwerbslosenaktiivisten gebildet, die selten über den eigenen Tellerrand blickt. Die MLPD hat ein Bild der Klasse, das vor rund hundert Jahren geprägt worden ist, mit einem Schwerpunkt auf Arbeitern aus der Metallindustrie und dem Bergbau. Die radikale Linke bis hin zur FAU hat für sich die prekären Beschäftigten und "die Logistik" entdeckt. So hat jeder seine Spielwiese.

Es gibt viele Schmuddelbereiche, da gucken die Gewerkschaften, die traditionelle Linke und die "Radikale Linke" lieber weg: Kleindealerei, Kleinkriminalität, Schwarzarbeit, Mafiastrukturen und Prostitution. All das sind Dinge, die Teil des heutigen kapitalistischen Systems sind. Da man da mit einem "vorwärts mit", "hoch die" oder "die Arbeit nieder!" nicht weiterkommt, verdrängt man diese Themen lieber.

Meine Beobachtungen über die Jahre: Die Hartz Gesetze wurden einige Zeit nach der Chefduzengründung umgesetzt. Eine Vielzahl der Fragen kam dann aus diesem Bereich. Viele suchten Antworten auf den gerade eingeführten Behördenterror gegen Erwerbslose. Man suchte individuelle Antworten, wie man beispielsweise mit einem Widerspruch oder mit einer Klage gegen einen Bescheid angehen kann. Es gab kaum Versuche, gemeinsam gegen dieses fürchterliche System Hartz IV als solches vorzugehen. Die Fragen aus diesem Bereich wurden so dominierend, daß einige glaubten, chefduzen sei ein Erwerbslosenforum. Das hielt ich für ein Scheitern der Grundidee hinter chefduzen.

Nach einiger Zeit wurde das Thema prekärer Arbeit immer wichtiger, Leiharbeit war wohl das wichtigste davon. Es war eine nervenaufreibende Diskussion, aber irgendwann wurde akzeptiert, daß Erwerbslose und prekär Beschäftigte doch irgendwie zusammenhalten sollten. Man sah aber jeden, dem es nur ein wenig besser geht, als Feind. Es gab Leute im Forum, die argumentierten, Lokführer, Fluglotsen oder Piloten würden ihre Arbeitskämpfe "auf Kosten" von niederen Beschäftigten, wie Reinigungs- und Servicekräfte, führen. Was für ein Quark!

Es muß offensichtlich noch einges an "Bildungsarbeit" geleistet und manche Diskussion geführt werden, bis man erkennt, daß die Klasse sich nur dann wirkungsvoll wehren kann, wenn sie zusammenhält. Zur Klasse gehören sowohl die "ganz unten", die "illegal", obdachlos, erwerbslos oder sonstwie das Leben fristet, bis hin zur "Arbeiteraristokratie" von Facharbeitern im 1. Arbeitsmarkt. Auch die Kämpfe derjenigen, denen es besser geht als uns, sind Klassenkampf und verdienen unsere Solidarität. Umgekehrt ist es wichtig, daß diejenigen, denen es besser geht, ihre Position nutzen, um auch etwas für die Schwächeren zu tun. Das hat bei den Bremer Daimlerbeschäftigten geklappt, die für die Übernahme der Leiharbeiter in einen Wilden Streik getreten sind. Um so etwas zu erreichen, müssen noch verdammt viele Diskussionen geführt werden.

Es gibt nichts zu glorifizieren. Als Angehöriger der Klasse ist man nicht automatisch gut drauf. Man kann den Kopf voller Stroh haben, sexistisch, rassistisch oder Nazi sein, als Facharbeiter, als prekär beschäftigter oder als Erwerbsloser.

Es gab im Forenbetrieb viele Rückschläge. Vor ein paar Jahren wurde die Diskussion hier weitgehend gelähmt durch die Forderung, man solle die Erwerbslosen als Nabel der Welt betrachten. Erst wenn man die verarztet hat, könne man sich um die anderen Probleme kümmern. Ich war wirklich verzweifelt. Es war das Gegenteil vom ursprünglichen Konzept von chefduzen. Es wurde nicht Brückenbildung und Solidarität zwischen Erwerbslosen, Prekären und Stammbeschäftigten gefordert, sondern es wurden die Gräben innerhalb der Klasse weiter vertieft.

Ein weiteres Problem ist, daß Beschäftigte aus dem ersten Arbeitsmarkt hier zwar mitlesen, aber so gut wie nie eigene Beiträge verfassen. Das passiert bestenfalls dann, wenn Massenentlassungen anstehen, weil der Laden dichtgemacht wird. Auf der anderen Seite ist es so, daß einige mit diesen Leuten auch nichts zu tun haben wollen.  Derjenige, der in diesem Forum am meisten online war und in kurzer Zeit mehr Postings hinterließ, als alle anderen User, formulierte es deutlich:
Zitat
Mich interessiert Siemens nicht und seine Mitarbeiter auch nicht!
Darauf nochmal angesprochen, fuhr er aus der Haut und verließ das Forum. Es war ein Mensch, der politisch total engagiert ist, in antifaschistischen Aktionen an vorderster Front steht und so mache miltante Demo mitgemacht hat. Aber Klassenkampf? Ein Fremdwort für ihn. So geht es im Grunde vielen "radikalen" Linken.

Dieser Thread hat eine besondere Wichtigkeit. Ich bin dagegen, daß man hier nur irgendwelche alten Vorstellungen wieder aufwärmt. Die Linke ist so schwach, weil sie sich nicht ausreichend mit den heutigen Strategien des Kapitalistischen Systems auseinandersetzt und lieber von den verklärten Auseinandersetzungen der 20er, 60er, 70er und 80er Jahre träumt.
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« Antworten #42 am: 21. Juni 2018, 20:42:09 »

Die MLPD will schon die breiten Massen für den Kampf um den Sozialismus gewinnen:
https://www.mlpd.de/partei/parteiprogramm/kapitel-h-die-gewinnung-der-breiten-massen-fuer-den-kampf-um-den-sozialismus
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Fritz Linow


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« Antworten #43 am: 21. Juni 2018, 22:10:49 »

Die MLPD will schon die breiten Massen für den Kampf um den Sozialismus gewinnen:

Zitat
Die Schmiedung des revolutionären Kampfbündnisses der Arbeiterklasse mit den kleinbürgerlichen Zwischenschichten ist eine strategische Aufgabenstellung…kleinbürgerlichen Zwischenschichten…allgegenwärtige Krisenhaftigkeit des Imperialismus…Die kleinbürgerliche Intelligenz…unteren Schicht der abhängigen Intelligenz…Die Arbeiterklasse muss es verstehen, mit der Höherentwicklung des Klassenkampfs den führenden Einfluss der proletarischen Denkweise unter den Zwischenschichten durchzusetzen…systematische Umerziehung zu einer proletarischen Denkweise…unter Führung der Arbeiterklasse…

Wirkt sehr ansprechend und einladend. Gleich morgen früh trete ich ein.
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counselor


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« Antworten #44 am: Gestern um 07:02:47 »

Wirkt sehr ansprechend und einladend. Gleich morgen früh trete ich ein.
Stimmt schon. Vor allem die Sache mit der Umerziehung wirkt abschreckend.
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« Antworten #45 am: Gestern um 10:09:09 »

Es war mir klar, daß bei meiner vereinfachenden Beschreibung klassenkämpferischer Strömungen, Widerspruch von allen Genannten kommen könnte. Alle haben sich "Revolution" (da nehmen wir den DGB und die meisten ELO-Inis mal aus) und das Erreichen der "Massen" auf ihre Fahnen geschrieben. Doch jede Organisation oder Bewegung hat ihre Schwerpunkte und Felder, in denen sie praktische Erfolge zu verzeichnen hat, doch unter dem Strich haben auch alle zusammen wenig Einfluß auf das Bewußtsein und Verhalten der Klasse, bzw. der "Massen". Die Klasse bleibt zersplittert und findet keine gemeinsamen Antworten auf die koordinierten Angriffe des Kapitals.

Ich halte es für notwendig, ALLE Organisationen und Strömungen und deren politische Praxis kritisch zu hinterfragen. Es ist erstrebenswert, die unterschiedlichen Positionen zu einem kritischen Austausch zu bewegen. Ich bin ein wenig stolz darauf, daß sich in der Community dieses Forums Leute mit politisch unterschiedlichstem Hintergrund befinden, die sich im politischen Alltag nicht riechen können und auch Leute ohne irgendwelche politischen Erfahrungen.
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tleary


Beiträge: 593


« Antworten #46 am: Heute um 01:10:43 »

Die Linke allgemein ist in der BRD vollkommen marginalisiert. Sie hat auch keinen Einfluß mehr auf politische Diskussionen außerhalb ihres "Ghettos". Und in den Mainstream-Medien ist ihr politischer Standpunkt überhaupt nicht mehr vertreten. Da wird nur noch bis zum Erbrechen zwischen dem Scheinkonflikt Merkel/Seehofer in Sachen Flüchtlingspolitik berichtet. Eine genaue Analyse, welche Unterschiede es zwischen beiden Standpunkten überhaupt noch gibt, kann man dort auch nicht finden. - Wahrscheinlich weil diese bei genauer Betrachtung gar nicht allzu groß sind.
In den Worten des Admins steckt viel Wahrheit. Man sollte wirklich versuchen, Menschen durch gleiche Ziele versuchen zu organisieren, und nicht gleich zu Anfang nach deren politischer Gesinnung, und diese dann aufgrund dessen ausschließen.
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"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
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