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Autor Thema: Gewerkschaften  (Gelesen 152892 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 13013



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« Antworten #550 am: 25. November 2018, 20:33:57 »

Zitat
Da kann man ja noch weiter denken und sich die Frage stellen, ob man überhaupt Tarifverträge haben will und wie man Tarifverträge überwinden kann, und das ganze Arbeitsrecht auch.
Das stimmt natürlich auch wieder! Letztendlich kann und sollte man das komplette Wirtschaftssystem in Frage stellen. Also warum ein Stück vom Kuchen, wenn man die ganze Bäckerei haben kann?
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Rappelkistenrebell


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« Antworten #551 am: 30. November 2018, 09:57:37 »

UZ-DEBATTE
Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder
Von Peter Köster  |    Ausgabe vom 23. November 2018


Kontrovers diskutieren Gewerkschafter Tarifabschlüsse oder andere Initiativen, die Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder beinhalten. In der Vergangenheit hatte beispielsweise ver.di in einigen Bereichen zusätzliche freie Tage für Gewerkschaftsmitglieder in Tarifverträgen durchgesetzt, im kommenden Jahr erhalten nach einer Schlichtung die in der IG BAU organisierten Dachdecker eine Einmalzahlung in Höhe von 360 Euro. Andere Gewerkschafter bringen einen höheren Steuerfreibetrag für Gewerkschaftsmitglieder in die Diskussion ein. Rechtlich sind derartige Regelungen zulässig, sofern sie die Höhe der gezahlten Beiträge nicht übersteigen.


„Ach, wenn der Dachdecker doch ein Kult-Auswanderer wäre…“
Seit Tagen wird in den Medien von einem vielfach beachteten Auswandererschicksal berichtet. Vergeblich suche ich aber, wie so oft, in den Tagesmedien ein paar wenige, handfeste Informationen über das „normale“ Leben der Menschen und ihrer Arbeit hier im Land. So zum Beispiel, dass die Gewerkschaft IG BAU für die bei ihr organisierten Dachdecker (die Gesamtbranche beschäftigt ca. 82000) nach Jahren der Blockade endlich wieder einen Lohnzuwachs erreichen konnte. Dito gilt dies übrigens für die Gerüstbauer (rund 40000 Beschäftigte in der Branche), Maler-Lackierer (etwa  130000 Beschäftigte), Licht- und Leuchtreklamespezialisten und andere. Für alle diese nicht so im spannenden Fokus stehenden „Kult-Berufe“ wird schon mal über mangelnden Berufsnachwuchs berichtet. Weniger aber darüber, warum diese Berufe lange nicht oben auf der Liste der Wunschberufe stehen. Ein Grund ist eben die Entlohnung.
Die Unternehmerverbände haben in den letzten Jahren den, zugegeben mittlerweile schlechteren Organisationsgrad, ausgenutzt und sich über Jahre zurück gelehnt und auf Zeit gespielt. Mit den Organisierten in diesen Berufen konnte trotzdem die IG BAU in den letzten Monaten für die Lohnentwicklung den Anschluss an die Branchenkonjunkturentwicklung halten. In den sogenannten Baunebengewerbeberufen hat sie, meist über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren, Lohnsteigerungen zwischen 5.4 Prozent und 5,9 Prozent erreichen können. Natürlich weitere dezidiertere Verbesserungen bei den Ausbildungsvergütungen, sogenanntes 13. Monatseinkommen (Weihnachtsgeld). Das alle drei zuerst genannten Vereinbarungen über Schlichtungsverfahren erreicht wurden, deutet auf zwei wesentliche Gründe hin.  Erstens: Der Organisationsgrad der Kolleginnen und Kollegen ist zu niedrig, um die volle Kraft der Beschäftigten bei Tarifverhandlungen in die Auseinandersetzung zu führen. Zweitens: Die Strategie der Unternehmer, über alle Betriebsgrößen hinweg, ist mehr und mehr konfrontativ bis total ablehnend gegenüber den berechtigten Forderungen der Beschäftigten. Für mich letztlich auch ein Ausdruck der Rechtsentwicklung in dieser Republik. Der „Herr-im-Hause-Standpunkt“ wird immer frecher von Unternehmern und ihren Managern im Betrieb als Maßstab angesetzt.
Die IG BAU hat auf ihrem letzten Gewerkschaftstag (2017) im Rahmen ihrer allgemeinen Tarifstrategie über alle Branchen einen Antrag angenommen, der für die kommenden Tarifauseinandersetzungen vermehrt die Forderung und Anwendung von mitgliederbezogenen Regelungen (Exklusivregelungen oder auch Differenzierungsklausel genannt) bei Tarifverträgen einbezieht. Dies, so zeigte sich bei den genannten und anderen Tarifabschlüssen, ist machbar. Beim Abschluss des aktuellen Tarifvertrags für die Dachdeckerbranche wurde eine Einmalsonderzahlung von 360 Euro vereinbart, bei den Gerüstbauern Vergleichbares. Im Gebäudereinigerhandwerk, was sich übrigens aktuell in Tarifauseinandersetzungen für ein Weihnachtsgeld befindet, gibt es seit zwei Jahren ein zusätzliches Urlaubsgeld nur für Mitglieder. Tarifverhandlungen in anderen Branchen werden auch mit der Forderung nach zusätzlichen Beiträgen für tarifliche Rentenzahlungen verbunden. Die Beispiele werden mehr. Die Trittbrettfahrerdebatte wird unter den Mitgliedern häufiger geführt. Der Erhöhung des Organisationsgrades und damit die aktive und bewusste Teilnahme an den Kämpfen zur Existenzsicherung kann und wird hierdurch positiv beeinflusst werden.

Quelle

https://www.unsere-zeit.de/de/5047/wirtschaft_soziales/9889/Vorteilsregelungen-für-Gewerkschaftsmitglieder.htm

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BGS
Polarlicht


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« Antworten #552 am: 30. November 2018, 13:02:11 »

360,- : 12 = 30,- brutto mehr im Monat?

Kein Kommentar.

MfG

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Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #553 am: 30. November 2018, 14:01:43 »

Nee, das ist eine Einmalsonderzahlung, die es zusätzlich zum Tarifabschluss für Gewerkschaftsmitglieder gibt. Sonst gibt es 5,6% mehr.
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dagobert


Beiträge: 4736


« Antworten #554 am: 04. Dezember 2018, 10:06:39 »

Andere Gewerkschafter bringen einen höheren Steuerfreibetrag für Gewerkschaftsmitglieder in die Diskussion ein. Rechtlich sind derartige Regelungen zulässig, sofern sie die Höhe der gezahlten Beiträge nicht übersteigen.
Seit wann dürfen Gewerkschaften Steuergesetze erlassen oder ändern?
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Kuddel


Beiträge: 11702


« Antworten #555 am: 05. Dezember 2018, 21:11:22 »

Zitat
Zugleich wollen die Gewerkschaften Hartz IV generell überarbeiten: Der DGB schlägt vor, dass eine Sachverständigenkommission aus Wissenschaftlerinnen, Vertretern und Vertreterinnen der Tarifpartner sowie aus Wohlfahrtsverbänden und Betroffenenorganisationen die Höhe festlegen und regelmäßig anpassen soll.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/grundsicherung-harztiv-gewerkschaften-reformkonzept-sozialhilfe

Die sind ja komplett nicht mehr ganz dicht. Haben ja ebensowenig Bodenhaftung wie die SPD.

Die einzigen Sachverständigen sind die Betroffenen, die von Hartz IV nicht leben können.
Dieses Funktionärspack schlägt ernsthaft vor, auch Unternehmer zu fragen, wie man Erwerbslose behandeln soll. Ich faß es nicht!

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Fritz Linow


Beiträge: 1303


« Antworten #556 am: 05. Dezember 2018, 22:05:28 »

(...)
Die sind ja komplett nicht mehr ganz dicht. Haben ja ebensowenig Bodenhaftung wie die SPD.

Die einzigen Sachverständigen sind die Betroffenen, die von Hartz IV nicht leben können.
Dieses Funktionärspack schlägt ernsthaft vor, auch Unternehmer zu fragen, wie man Erwerbslose behandeln soll. Ich faß es nicht!
Der DGB ist ein systemstabilisierender Sozialpartner, schon immer, Arschlecken. Meckern nützt ja nix, abhaken, Neues machen, ohne die Fehler erneut zu machen.
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 3055



« Antworten #557 am: 06. Dezember 2018, 00:18:22 »

... .
 Neues machen, ohne die Fehler erneut zu machen.

Konkret,  nützlich für die Betroffene?

MfG

BGS
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counselor


Beiträge: 3515



« Antworten #558 am: 06. Dezember 2018, 09:16:05 »

Ja, gib mal Butter bei de Fische, @Fritz Linow. Was soll das sein, das "Neue"?
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Fritz Linow


Beiträge: 1303


« Antworten #559 am: 06. Dezember 2018, 09:27:35 »

Ja, gib mal Butter bei de Fische, @Fritz Linow. Was soll das sein, das "Neue"?
Räte, Basisgewerkschaften, Stadtteilintitiativen...egal wie man es nennt. Das ist nicht neu und wird hier schon lange durchgekaut. Wer keinen Bock drauf hat, dass irgendwelche DGB-Bonzen einfach über die Köpfe hinweg entscheiden können, sollte etwas Neues, was eigentlich nicht wirklich neu ist, zumindest in Erwägung ziehen.
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Kuddel


Beiträge: 11702


« Antworten #560 am: 06. Dezember 2018, 11:23:30 »

Räte, Basisgewerkschaften, Stadtteilintitiativen...egal wie man es nennt.

Ja, es ist wichtig, daß ein Ausgangspunkt oder Strukturen für eine Gegenwehr geschaffen werden. Es genügt nicht zu sagen, "das müssen die Leute selbst tun". Es bedarf regionaler Gruppen, die sich mit der Thematik Ausbeutung und soziale Probleme und -Koflikte beschäftigen, selbst wenn es nur in Form eines Stammtisches ist. So etwas muß nach außen bekannt sein. Man muß wissen, wann und wo man diese Leute treffen kann. Email und Kontakttelefonnummer sind hilfreich. Wenn sich jemand an so einen Kreis wendet, muß er dort auf Zuverlässigkeit und Engagement stoßen. Das ist etwas, woran es in der linken Szene stark mangelt. Man sollte nicht nur bereit sein, mit Rat zu helfen, sondern auch Öffentlichkeit zu schaffen mit Flugblatt-, Transparent- und Plakataktionen oder Mahnwachen. All das braucht noch keine Gewerkschaftsstruktur, sondern nur ein paar Leute, die bereit sind etwas über lange Zeit und auch über Frustphasen hinweg so etwas durchzuziehen. Kämpfen müssen die Leute in den Betrieben und Stadtteilen selbst. Doch es mangelt an den Anlaufspunkten, an denen sich Kämpfe kristalisieren können. Öffentlichkeitsarbeit und Teilnahme am öffentlichen Diskurs zu Themen wie Arbeit, Erwerbslosigkeit und Wohnen sind wichtig. Man muß sich auch aktiv dort hinbewegen, wo Konflikte schwelen oder ausbrechen und nicht im Infoladen daruf warten, daß die Menschen zu einem Kommen.

Solche Strukturen können überall aufgebaut werden, nicht nur in Großstädten. Dazu bedarf es nur weniger Leute, die es jedoch ernst meinen müssen. Es genügt nicht, auf bessere Zeiten zu warten. Man muß etwas dafür tun. Man muß bereit sein, dafür regelmäßig Zeit und Kraft zu investieren. Man muß damit klarkommen, daß man es bisweilen mit nervigen Leuten zu tun hat und daß nicht jede Initiative erfolgreich ist, sondern so manche in die Hose geht. Man muß auch mit Zeiten klarkommen, in denen sich nichts bewegt.

Das wäre die Grundlage und das hinzukriegen ist 1000x wichtiger, als sich immer wieder an neue kurzlebige Bewegungen ranzuhängen. Auf der Grundlage könnten sich betriebliche und soziale Kämpfe entwickeln. Wenn sich diese Auseinandersetzungen da sind, werden sie neue Diskussionen und Strukturen entwickeln. Man kann nicht im Vorfeld am Grünen Tisch eine komplett neue Gewerkschaftsstruktur schaffen, sondern das passiert dann anhand der konkreten Bedürfnisse und Notwendigkeiten.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #561 am: 06. Dezember 2018, 12:13:59 »

Zitat
Das wäre die Grundlage und das hinzukriegen ist 1000x wichtiger, als sich immer wieder an neue kurzlebige Bewegungen ranzuhängen.
Genau das ist ja mein Reden. Offenbar war es zu verklausuliert und wurde von niemandem verstanden.
Wer sich mal die Mühe machen würde, sich die Beiträge der letzten 15 Jahre hier im Forum durchzulesen (ich weiß, das ist aufgrund der schieren Masse einfach unmöglich) würde bemerken wieviele (soziale) Bewegungen hier begeistert empfangen, kritisch beurteilt und letztendlich zum Teufel gejagt wurden oder sich von selbst in Luft auflösten.
Ich bin durch Chefduzen auch deutlich kritischer geworden, was den Hype um neue Protestbewegungen angeht. Früher dachte ich auch gleich bei jedem Riot, das jetzt die Weltrevolution startet und war füchterlich enttäuscht das es nicht so war!

Das fing vielleicht mit der Globalisierungskritik und den Demos um den G8 Gipfel in Genua 2001 an, zog sich über die Sozialproteste in Deutschland 2004/2005, begleitete die Gründungen neuer Parteien wie zum Beispiel der WASG und der PDS (heute Linkspartei) oder der Piratenpartei, machte an Occupy um 2011 nicht halt, aber auch nicht an Blockupy 2014/15.
Ebenso den Blick gerichtet auf die restliche Welt: Der arabische Frühling mit der Revolution in Ägypten, den Auftänden in Libyen, Syrien, Tunesien und noch hunderten anderen Aufständen überall auf der Welt. Die Gründung von Syriza in Griechenland, die mit linkradikalen Habitus antrat und nach der Wahl als weichgespülte Sozialdemokraten die Wähler verarschte. Und von Podemos in Spanien hat man auch nicht mehr viel gehört.
Daran anschließend die Frage, was von alldem noch übrig geblieben ist bzw. wie und ob es uns in den existenziellen Fragen irgendwie weitergebracht hat.
« Letzte Änderung: 06. Dezember 2018, 12:17:01 von Rudolf Rocker » Gespeichert

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Rappelkistenrebell


Beiträge: 2889



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« Antworten #562 am: 07. Dezember 2018, 10:03:28 »

DEMOKRATISCHE RECHTE
Zweierlei Maß bei politischer Betätigung im Betrieb

Auf Betriebs- und Gewerkschaftsversammlungen wird der Protest gegen die Rechtsentwicklung der Regierung zunehmend Thema. Die Kritik an den geplanten Polizeigesetzen, aber auch an der rassistischen Hetze von AfD und faschistoiden Betriebsratslisten wie "Zentrum Automobil" bei Daimler wächst.

Dagegen schließen sich Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster politischer Richtung und Weltanschauung zusammen, auch wenn sie in anderen Fragen teilweise noch uneins sind.

Konzernvorstände reagieren
Auf diese Entwicklung reagieren verschiedene Konzernvorstände und ihre Personalabteilungen mit zunehmender Repression. Angriffe auf politische Rechte und Freiheiten in den Betrieben häufen sich. So erhielten jetzt sechs Kolleginnen und Kollegen von Opel in Bochum Abmahnungen, weil sie sich mit dem von faschistischen Angriffen betroffenen Eisenacher Opelaner Rainer Weinmann solidarisch erklärten (siehe Bericht).

 Auf der Belegschaftsversammlung eines Konzernbetriebs im Ruhrgebiet griff ein Kollege die Politik der AfD an. Daraufhin wurde er von der Personalabteilung vorgeladen und mit dem Vorwurf konfrontiert, sich parteipolitisch betätigt zu haben. IG-Metaller aus Süddeutschland berichten von einem vergleichbaren Vorgang.


weiter im Text

https://www.rf-news.de/2018/kw47/zwei-arten-parteipolitischer-betaetigung

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