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Autor Thema: KiK - Millionen für Pooth - Ausbeutung bei den Beschäftigten  (Gelesen 60223 mal)
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Alex22


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« Antworten #100 am: 05. August 2010, 14:35:59 »

Die Kommentare in den Medien trotzen von Dummheit und Halbwissen.

Es ist nachhaltiger die Kleidung zu schonen und lange zu tragen als immer neue zu konsumieren.
Stichworte
Landwirtschaft Baumwolle Aralsee Chemie
Man muss die neuen Klamotten erst mal von der Chemie mit Waschmittel reinigen
wenn die dann entfernt ist, hat das Kleidungsstück nur noch Putzlappencharter.
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Auferstanden
Gast
« Antworten #101 am: 08. August 2010, 18:09:18 »

Mögen die Methoden mies sein, gleichfalls verwerflich ist eben die tumbe Masse von
Geiz ist Geil Süchtigen, unabhängig jeglichen Einkommens.

Zu gut deutsch, hier kann auch kein Transferleistungsbezieher entschuldigt werden.
« Letzte Änderung: 08. August 2010, 18:14:18 von Auferstanden » Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11702


« Antworten #102 am: 24. August 2010, 15:57:54 »

Die Proteste zeigen Folgen:

Zitat
Textildiscounter Kik erhöht Basislohn für BeschäftigteMindestens 7,50 Euro ab Oktober

Ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch liegen die 7,50 Euro nach wie vor in vielen Fällen unter Tarif.


Bönen (dpa/ND) - Der Textildiscounter Kik hebt den Basislohn für seine Beschäftigten um einen Euro auf 7,50 Euro an. Kik war in der Vergangenheit unter anderem wegen seiner Lohnpolitik in die Schlagzeilen geraten. So hatte das Landesarbeitsgericht Hamm im März 2009 die Bezahlung von zwei Minijobberinnen mit 5,20 Euro Stundenlohn als sittenwidrig eingestuft. Die Anhebung wirke sich in erster Linie für Aushilfskräfte in strukturschwachen Regionen positiv aus, erklärte das Unternehmen am Montag. In Ballungsräumen zahle das Unternehmen bereits höhere Stundensätze.

Die Neuregelung gilt vom 1. Oktober an für die Beschäftigten in ganz Deutschland, wie die KiK Textilien und Non-Food GmbH in Bönen (Kreis Unna) mitteilte. Das mehrheitlich zur Tengelmann-Gruppe gehörende Unternehmen betreibt im Inland 2480 Filialen und beschäftigt hierzulande rund 15 000 Menschen. Die Neuregelung bedeute eine Lohnerhöhung für mehr als 3000 geringfügig Beschäftigte, sagte eine Kik-Sprecherin. Ein Verdi-Vertreter reagierte verhalten.

Der Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bereich Handel in NRW, Folkert Küpers, sprach von einem Schritt in die richtige Richtung, "aber ob 7,50 Euro ausreichen, muss im Einzelfall gesehen werden", fügte er hinzu. Die 7,50 Euro lägen in vielen Fällen nach wie vor unter Tarif.

Der Handelsverband Deutschland (HDE), der die Einzelhandelsbranche repräsentiert, nannte die Entscheidung einen richtigen Schritt. Das geplante Mindestentgelt orientiere sich an der in den Tarifverträgen des Einzelhandels geregelten Lohnuntergrenze der untersten Tarifgruppe.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/178040.textildiscounter-kik-erhoeht-basislohn-fuer-beschaeftigte.html

Sehen wir das als ersten Schritt. Also: weitermachen!
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Almenschorsch


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« Antworten #103 am: 27. August 2010, 17:02:28 »

Warum die wolln doch jetzt ne Vorbildfunktion übernehmen, hier nachzulesen:

http://www.morgenpost.de/printarchiv/wirtschaft/article1384340/Billigkette-Kik-will-jetzt-Vorbild-werden.html

Außerdem wenn in einigen Wochen kein Schwanz mehr drüber redet machen die weiter wie bisher genauso wie Tedi der ebenfalls zum Tengelmann-Konzern gehört. Und wenns ganz schlecht läuft kommen halt neue "Volks"-Produkte von der Blöd da rein.
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BGS
Polarlicht


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« Antworten #104 am: 27. August 2010, 22:03:46 »

quote author=Efeu link=topic=21272.msg200075#msg200075 date=1272374186]



[/quote]


Ist das ein Nazi- T- Shirt?? Shocked
[/quote]

WARUM DARF K.K HAKENKREUZE VERWENDEN?

MfG  shocked

BGS

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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Efeu
Erdling


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« Antworten #105 am: 11. November 2010, 00:10:14 »

Zitat
Wenn es brenzlig wird, verweist Kik gern auf den eigenen "Code of Conduct", eine Art Sozialversicherung des Unternehmens...
[...]
Im Internet berichten Dutzende Mitarbeiter von Kik und dessen Ableger Tedi, einem ebenfalls von Heinig gegründeten Ramschwarenverwerter, über Verhöre durch Vorgesetzte, unbezahlte nächtliche Inventuren und psychische Zermürbung....
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,651460-2,00.html

Ich wusste bisher gar nicht, dass Tedi was mit Kik zu tun hat.

Von diesem "Code of Conduct" ist auch auf der Tedi-Discount-Homepage die Rede:
http://tedi-discount.com/de/unternehmen/verantwortung/code-of-conduct.html

Ebenso von einer Stiftung namens "help and hope", als deren Vorsitzender Stefan Heinig eingetragen ist
http://www.helpandhope-stiftung.com/ueber-uns/unser-team/

http://www.welt.de/wirtschaft/article1183809/Jetzt_spricht_der_geheimnisvolle_Kik_Gruender.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article3425870/Der-KiK-Chef-sagt-warum-weniger-Lohn-besser-ist.html
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Alex22


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« Antworten #106 am: 11. November 2010, 10:06:05 »

Zitat
Kartellamt stimmt Übernahme von Kaiser’s Tengelmann-Filialen durch die Rewe zu

Mülheim an der Ruhr, 31. März 2010 – Bereits am 15. März 2010 hatte die Kaiser’s Tengelmann GmbH einen Vertrag mit der Rewe Markt GmbH über den Verkauf von 65 Tengelmann Filialen im Rhein-Main-Neckar-Gebiet un-terzeichnet. Das Kartellamt hat diesem Verkauf am 30. März 2010 ohne Auflagen zugestimmt. „Wir freuen uns, dass das Kartellamt die Entschei-dung so schnell getroffen hat, und dass somit auch für unsere Mitarbeiter Klarheit herrscht“, erläutert Raimund Luig, Geschäftsführer der Kaiser’s Tengelmann GmbH, die Entscheidung. Die Mitarbeiter werden alle über-nommen.

Die Unternehmensgruppe Tengelmann ist ein international tätiger Handelskonzern, zu dem die Tochterunternehmen OBI, KiK, Kaiser’s Tengelmann, Plus Online sowie A & P gehören. Das Familienunternehmen wurde 1867 in Mülheim an der Ruhr gegründet und wird in fünfter Generation geführt. Mit 4.357 Filialen und 83.655 Mitarbeitern in 15 Ländern erzielte der Konzern im Geschäftsjahr 2008 einen Gesamtumsatz von 12,36 Mrd. Euro.


=129&cHash=18584b2f689e1c01416185dc855afabb]http://tengelmann.de/27.html?&tx_ttnews[tt_news]=129&cHash=18584b2f689e1c01416185dc855afabb

Dazu kann ich nicht viel sagen.
Wir werden nach dem wir Schlecker zu einen deutlichen Gewinnrückgang verholfen haben, auch bei KIK und tedi nicht locker lassen.

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counselor


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« Antworten #107 am: 18. September 2012, 18:42:00 »

[Pressemitteilung]

Hunderte Brandopfer bei KIK-Zulieferer in Pakistan

[Berlin, 18. September 2012]

• KIK-Markenetiketten in Fabrik gefunden
• KIK hat noch nicht öffentlich auf Handlungsaufforderung reagiert
• Die Kampagne ruft Markenunternehmen zum Handeln auf

Das Unternehmen Ali Enterprises in Karachi, bei dessen Brand letzte Woche fast 300 Menschen starben, hat Jeans für den Billigeinzelhändler KIK produziert. Ungefähr 650 Beschäftigte arbeiteten in der Fabrik als letzten Dienstag das Feuer ausbrach. Verschlossene Notausgänge, vergitterte Fenster und versperrte Treppenhäuser führten dazu, dass fast die Hälfte der ArbeiterInnen starb. Weitere verletzten sich, als sie vom obersten Stockwerk des Gebäudes sprangen. Die Fabrik war nicht offiziell registriert und es hatten keine Gebäudeprüfungen oder Regierungsinspektionen stattgefunden. Die Eigentümer der Fabrik sind des Mordes angeklagt worden. Die National Trade Union Federation aus Pakistan ruft die Behörden dazu auf, KIK und alle anderen Käufer, die in der Fabrik produzieren ließen, wegen strafbarer Fahrlässigkeit anzuklagen. Die Kampagne für Saubere Kleidung/Clean Clothes Campaign ist entsetzt und empört darüber, dass KIK in seinen Zulieferfabriken die Sicherheit der Beschäftigten nicht garantieren konnte.

„Diese ArbeiterInnen haben auf grausamst vorstellbare Weise während der Produktion von Jeans für europäische KonsumentInnen ihr Leben verloren", sagte Lars Stubbe von der Kampagne für Saubere Kleidung. „Das Fehlen einer öffentlichen Stellungnahme, in der Bedauern über das Geschehen und die dringend erforderliche Unterstützung der Opfer zum Ausdruck kommen, zeigt, dass KIK es an Respekt und Sorge für die ArbeiterInnen in seinen Zulieferketten mangeln lässt."

Am Wochenende waren in der Fabrik Textilien mit dem Etikett und Logo von „Okay" gefunden worden. Diese Marke wird in KIK-Geschäften in Deutschland, Österreich und Osteuropa verkauft. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert KIK auf, sich zu seiner Verantwortung zu bekennen und unmittelbar mit der Aufklärung der Brandursache zu beginnen, für Entschädigungen der Opfer zu sorgen, einschließlich sofortiger medizinischer Behandlung und Entschädigungszahlungen, und eine umfassende Sicherheitskontrolle ihrer übrigen Zulieferer durchzuführen.

„Die ausländischen Käufer interessieren sich nicht für die Arbeitsbedingungen in den hiesigen Fabriken", sagte Nasir Mansoor von der National Trade Union Federation von Pakistan. „Eine 30-minütige Inspektion in der Fabrik hätte ausgereicht um festzustellen, dass die Arbeiter über keine der Einrichtungen verfügen, deren Existenz die Eigentümer in den [an die Käufer gesandten] Dokumenten behaupten."

KIK ist Deutschlands siebtgrößter Textileinzelhändler mit über 3200 Geschäften in 8 europäischen Ländern und einem Umsatz von über 1,69 Milliarden Euro (2011). Obgleich es angibt, einen Verhaltenskodex für Zulieferer zu haben, hat dieser Vorfall auf tragischste Weise gezeigt, dass Markenunternehmen wie KIK nicht in der Lage sind, ihre Zulieferketten in angemessener Weise zu kontrollieren.

Ansprechpartner:
Lars Stubbe, Eilaktionskoordinator der Kampagne für Saubere Kleidung, Tel.: 030-420 8202-52,
E-Mail: stubbe@inkota.de

Quelle: Kampagne für saubere Kleidung

Mordanklage gegen Textilexporteure

Nach dem Großbrand im pakistanischen Karachi mit hunderten Toten gibt es schwere Vorwürfe gegen die Eigentümer der Firma. Sie verstießen gegen alle Sicherheitsstandards und beuteten die Arbeiter aus  ...

Quelle: Die Welt

Pakistan Billig-Textilhändler kik produzierte am Ort der Karachi-Katastrophe

Verriegelte Notausgänge, Gitterfenster – Hunderte starben vergangene Woche in einer schlecht gesicherten Fabrik in Karachi. Auch kik ließ dort Kleidung herstellen ...

Quelle: Zeit Online
« Letzte Änderung: 18. September 2012, 18:45:30 von counselor » Gespeichert

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dagobert


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« Antworten #108 am: 18. September 2012, 19:07:08 »

...  dass KIK es an Respekt und Sorge für die ArbeiterInnen in seinen Zulieferketten mangeln lässt."
Das ist inzwischen fast überall der Standard, da findet man auch hier in Deutschland genügend Beispiele. Hauptsache billig.
Zitat
„Die ausländischen Käufer interessieren sich nicht für die Arbeitsbedingungen in den hiesigen Fabriken", sagte Nasir Mansoor von der National Trade Union Federation von Pakistan.
Kein Wunder. Den Endkunden ist das ja auch egal. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.
Zitat
Obgleich es angibt, einen Verhaltenskodex für Zulieferer zu haben, hat dieser Vorfall auf tragischste Weise gezeigt, dass Markenunternehmen wie KIK nicht in der Lage sind, ihre Zulieferketten in angemessener Weise zu kontrollieren.
Dazu in der Lage wären die sicher, aber den Endkunden ... siehe oben.
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counselor


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« Antworten #109 am: 19. September 2012, 17:27:08 »

@dagobert,

viele Endkunden können aufgrund ihrer ökonomischen Lage (Niedriglohn, Grundsicherung, Hartz-IV etc.) auch gar nicht anders, als bei Discountern kaufen. Zunehmend wird auch bei uns die Verschlechterung der Lebensumstände, die der Kapitalismus gewährt, zum Problem.

Erklärung der pakistanischen Gewerkschaft "All Pakistan Trade Union Federation" (APTUF):

Die Feuer in den Fabriken, das am selben Tag mehr als 25 Arbeiter in Lahore und über 314 Arbeiter in einer Handtuchfabrik in Karachi tötete, sind Teil einer Kette von Ereignissen, die täglich passieren, als Folge der kriminellen staatlichen Nachlässigkeit gegenüber ihrer verfassungsrechtlichen Verantwortung zum Schutz und zur Sicherung des Lebens der Bürger.

Die Tragödien ersticken das ganze Land in Trauer und Wut. Fragen, obwohl verspätet, werden aufgeworfen, über die Nichtumsetzung von Sicherheitsstandards und die massive Korruption in der Regierung, die zu solchen eklatanten Gesetzverstößen geführt haben.

Diese Fragen müssen auch allen betroffenen Regierungsbereichen gestellt werden, im Bereich Arbeit, Wirtschaft und den örtlichen und regionalen Verwaltungen, um die Verantwortlichen für die Katastrophe zu finden. Wiedergutmachungszahlungen müssen an die Familien der Toten und Verletzten gehen, denn viele von ihnen waren die alleinigen Ernährer für ihre alten Eltern und Kinder in einer Gesellschaft, wo die Armut tiefe Wurzeln hat.

Das APTUF-Treffen verurteilte den Tod von 314 unschuldigen Arbeitern in Karachi und 25 Arbeitern in Lahore in der Schuhherstellung. Das Treffen sandte Kondolenzschreiben an den trauernden Familien und betonte, dass es war eindeutig die schlimmste industrielle Katastrophe war. Die Feuersbrunst in Karachi wird ewig in Erinnerung bleiben als der 11. September der pakistanischen Arbeiter.

Der Generalsekretär der APTUF sagte: "Der ganze Staat, einschließlich Regierung, Bürokratie, politische Entscheidungsträger, staatlichen Stellen, insbesondere diejenigen, die für die Durchsetzung der Arbeitsgesetze und Bauvorschriften zuständig sind, sind verantwortlich für diese Todesfälle. Sie haben in aller Stille zugelassen, dass auf kriminelle Weise gegen Gesetze und Verordnungen für den Schutz von Gesundheit und Sicherheit verstoßen wurde."

Auf unserem Treffen wurde erklärt, dass Artikel 37 der Verfassung das Recht auf sichere und humane Arbeitsbedingungen garantiert, während sich in Pakistan die Situation des Arbeits- und Gesundheitsschutz schnell verschlechtert. Es gibt keine unabhängige Rechtsvorschriften über Gesundheit und Arbeitssicherheit außer dem ""Hazardous Occupation Rule 1963" im Rahmen des "Fabrikgesetzes 1934". Die betroffenen Gesetze sind veraltet und entsprechen nicht den internationalen Gepflogenheiten.

Pakistan hat die "ILO Labour Inspection Convention", 1947 (No. 81) im Jahr 1953 ratifiziert. Unter dieser Konvention ist die Regierung durch das Arbeitsministerium verpflichtet, sicherzustellen, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgebildet und informiert werden über ihre Rechte und Pflichten in Bezug auf alle Aspekte des Arbeitsschutzes und Arbeitsrechts; und beraten werden über die Einhaltung der Anforderungen des Gesetzes; und das notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, damit die Inspektoren über Probleme und Mängel, die nicht durch Gesetze und Verordnungen geregelt sind, berichten. Diese und viele andere Gesetze für die Arbeiter werden überflüssig durch das Fehlen eines wirksamen Arbeitsaufsichtssystems und eine dreigliedrige Konsultationen der Arbeit, eine schwache Gewerkschaftsstruktur und mangelndes Interesse der staatlichen Institutionen für die Stärkung der Arbeiter, um ihre Interessen zu schützen.

Es wurde auch beobachtet, dass das Verbot von Arbeitsaufsicht einen wichtigen Anteil an dem Verlust von Leben und Eigentum hat, weil die Betriebe und Arbeitgeber das Arbeitsrecht, die Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen ungestraft verletzen können. Außerdem erfordern die Gesetze für den Schutz der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, dass die entsprechenden Regierungsstellen (auf Bundes- oder Landesebene) qualifizierte Personen und Inspektoren ernennen, die diese Gesetze durchsetzen.

Die Provinzen Punjab und Sindh haben kein funktionierendes Arbeitsaufsichtssystem. Stattdessen wurde das System im Auftrag der früheren Landesregierungen verboten. Die Regierung von Punjab stellte das Prüfsystem wieder her, aber seine Unwirksamkeit zeigte sich in dem Lahore-Vorfall, bei dem die betroffene Schuhfabrik in einem Wohngebiet nur eingeschränkte Rückstellungen für Notausgänge hatte.

Rund 4.000 Fabriken in Lahore waren nicht registriert und arbeiteten ohne Genehmigung oder Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter. "Die Arbeitgeber haben eine gesetzliche Pflicht zu gewährleisten, dass Gefährdungen am Arbeitsplatz beseitigt werden, minimiert oder so gesteuert, dass Arbeitsunfälle vermieden werden. Durch das Fehlen der Arbeitsaufsicht haben Arbeitgeber freie Hand, um geschäftliche Interessen auf Kosten der Arbeitnehmerrechte und Sicherheit zu verfolgen."

Nach der pakistanischen Arbeitskräftestatistik stieg die Zahl der Arbeitsunfälle von 354 bis 419 während der Zeit von 2000 bis 2008. Im Jahr 2011 allein stieg die gemeldete Zahl der tödlichen Unfälle bis auf 101. In diesem Jahr haben die beiden Werksbrände in Karachi und Lahore laut Berichten allein bereits rund 250 Leben gekostet.

Die Regierung hat zudem die ILO Konvention 155 über "Occupational Safety and Health and Convention 187 of promotional framework for Occupational Safety and Health" nicht unterzeichnet.

Bei einem von der All Pakistan Trade Union Federation organisierten Treffen brachten die Amtsinhaber Sorge über den Verlust von Hunderten von Menschenleben durch die beiden Vorfällen zum Ausdruck und suchten nach einer effektiven Strategie, um die Regierung zu drängen, die einschlägigen Gesetze umzusetzen, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

"Obwohl wir solche Tragödien seit Jahrzehnten miterleben, unternimmt niemand in den Bundes- oder Landesregierungen ernsthafte Anstrengungen, um sie abzuwenden", beklagte APTUF-Generalsekretärin Rubina Jamil. Sie kritisierte, das die Punjab-Regierung nichts gelernt habe aus dem Kharak-Gebäudeeinsturz (Multan Road). "Hätte die Regierung nach dem Kharak-Vorfall eine Arbeitsaufsicht eingerichtet, wäre die Wiederholung eines solchen Vorfalls vermieden worden", sagte sie und stellte die Tätigkeit des Arbeitsministeriums und dessen "Zentrum für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Umwelt" in Frage. Sie gab an, dass das Institut ​​nichts tat, obwohl Gelder in Millionenhöhe vorhanden seien.

APTUF-Präsident Fazal-e-Wahid sagte, dass mehr als 50 Gesetze in Pakistan existierten, für die Rechte der Arbeitnehmer, einschließlich der Gewährleistung der Gesundheit und Sicherheit, aber keines davon würde in Geist und Buchstaben umgesetzt. APTUF rief zu energischen Proteste gegen die Kräfte auf, die nicht für die Umsetzung der arbeiterfreundlichen Gesetze sorgten.

APTUF-Vertreter sagten, dass die politischen Parteien verantwortlich dafür seien, die Arbeiter in verschiedene Arbeiterparteien aufzuspalten. Er sagte, die arbeiter-freundlichen Organisationen müssten sich die Hände reichen, um den Schutz der Rechte der Arbeitnehmer zu gewährleisten.

Das Treffen forderte:

  • Sofortige Verhaftung der Täter und Bestrafung nach den Gesetzen des Landes
  • Zahlung von 10 Lac an die trauernden Familien
  • Registrierung der illegalen Fabriken
  • Die Regierung sollte die ILO-Konvention 155 über "Occupational Safety and Health and Convention 187 of promotional framework for Occupational Safety and Health" ratifizieren
  • Schließung der nicht registrierten Fabriken
  • Implementierung von Gesundheits-, und Sicherheitsmaßnahmen
  • Das Justizministerium Pakistans soll eine Suo-Motu-Bekanntmachung über die Vorfälle machen und eine Kommission einsetzen, die die Dinge in Ordnung bringt
  • Zahlung einer Rente nach Altersversorgung für die trauernden Familien auf Lebenszeit

Quelle: RF News
« Letzte Änderung: 19. September 2012, 17:47:28 von counselor » Gespeichert

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dagobert


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« Antworten #110 am: 19. September 2012, 22:51:05 »

@dagobert,

viele Endkunden können aufgrund ihrer ökonomischen Lage (Niedriglohn, Grundsicherung, Hartz-IV etc.) auch gar nicht anders, als bei Discountern kaufen. Zunehmend wird auch bei uns die Verschlechterung der Lebensumstände, die der Kapitalismus gewährt, zum Problem.

Stimmt, und ist mir auch (auch aus eigener Erfahrung) durchaus bekannt.
Aber selbst die welche es können, tun es nicht. Sieh dich mal auf den Parkplätzen der Discounter um (egal bei welchem), dann weißt du dass ich Recht habe. Da stehen nicht nur 10-jährige Opel, Ford oder VW, sondern in nicht geringer Anzahl Fahrzeuge neueren Baujahrs und höherer Preisklasse.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #111 am: 24. Oktober 2012, 22:09:26 »

Zitat
Kik zahlt 1500 Euro pro Opfer

Der deutsche Textildiscounter Kik zahlt nach der Brandkatastrophe mit mindestens 259 Toten in einer Zuliefererfabrik in Pakistan insgesamt eine Million Dollar (rund 770.000 Euro). Einerseits werde eine Soforhilfezahlung in Höhe von 500.000 Dollar für die Opfer und Hinterbliebenen geleistet, zum anderen würden Maßnahmen für längerfristige Hilfen und zur Verbesserung des Brandschutzes finanziert, teilte das Unternehmen mit.



http://www.tagesschau.de/wirtschaft/kik-entschaedigung-pakistan100.html


Also ich wäre ja dafür, das die Verantwortlichen nach Pakistan ausgeliefert werden!
Zur Strafe dürfen sie dann in den Fabriken arbeiten, in denen sie anderen Menschen zumuten dort arbeiten zu müssen!

Der derzeitige Geschäftsführer ist Heinz Speet. 
Hauptanteilseigner mit 84% ist die Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG.


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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Strombolli
Jeheimrat


Beiträge: 6738



« Antworten #112 am: 25. Oktober 2012, 19:51:46 »

RR, ich teile Deine Art Gerechtigkeitsempfinden. Wenn Menschen sich nicht freiwillig in die beschissene Situation der von ihnen direkt oder indirekt Ausgebeuteten hereinversetzen können/wollen, muß man sie dazu zwingen!
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Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
Permanent angelogen & VERARSCHT IN DEUTSCHLAND! - Ich habe mit Dir fertig
BGS
Polarlicht


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« Antworten #113 am: 26. Oktober 2012, 15:19:24 »

Ganz genau. Vollkommenr richtig. Diese Menschen deuten die aktuelle Lage (Ausbeutung um jeden Preis) zwar nach "ihrem" Gusto, haben dazu das Meiste beigetragen. Und sich als ""Gewinner" gefühlt und aufgeführt.
 
Ein Leben lang möglicherweise.

Aber die Zeiten ändern sich. 

MfG

BGS
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http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
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dagobert


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« Antworten #114 am: 16. Dezember 2014, 22:24:09 »

Zitat
30.11.2014
KiK setzt Leiharbeiter als Streikbrecher ein

Der Streik im KiK-Lager droht zu verpuffen, weil der Textildiscounter seine Arbeiter einfach ersetzt. Die Gewerkschaft Ver.di beschwert sich über die Volte der Manager – die aber finden nichts dabei.

Der Textildiscounter KiK unterläuft den seit knapp zwei Wochen andauernden Streik der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in seinem Zentrallager im westfälischen Bönen. Die Tengelmann-Tochter nutzt Zeitarbeiter, um die Auswirkungen des Arbeitskampfes möglichst gering zu halten.
[...]
Eine Zahl wollte Schültken nicht nennen, dem Vernehmen nach geht es aber um bis zu 140 Kräfte. KiK greift dazu auf die Hilfe von insgesamt drei Zeitarbeitsfirmen zurück, die allesamt nicht tarifgebunden sind, davon eine aus Hamburg, eine aus Potsdam und eine aus der Schweiz. [...]

http://www.welt.de/wirtschaft/article134852801/KiK-setzt-Leiharbeiter-als-Streikbrecher-ein.html
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dejavu


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« Antworten #115 am: 19. Dezember 2014, 05:08:13 »

Zitat
Denn das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz erlaubt den Einsatz von Zeitarbeitern als Streikbrecher – wenn diese darüber informiert werden, dass in dem Betrieb gestreikt wird und dass es ihr Recht ist, einen Einsatz dort zu verweigern.

"Unsere Erfahrung ist aber, dass die Leiharbeiter von ihrem Recht, den Einsatz zu verweigern, in den meisten Fällen gar nicht Gebrauch machen können",
.
.
.
Zitat
"Diese Menschen befinden sich häufig in einer Notlage, und das nutzen die Arbeitgeber aus", so der Sprecher.
Ne, wirklich? Das hätten sich die Wirrköpfe und Chaoten von der Gewerkschaft schon 2003 denken können. Den Einsatz verweigern mit dem Jobcenter und Hartz 4 im Kreuz fällt vielen eben schwer.

Zitat
Ver.di fordert daher schon länger eine Verschärfung dieses Gesetzes.
Ich auch, siehe Signatur.
Und wenn eines sicher ist, dann dies:
Ich kaufe nicht bei KIK, weil ich meine Hemden gern von unverbrannten Näherinnen hätte.
Im Übrigen krieg ich von den Hakenkreuzständern Magengeschwüre.
« Letzte Änderung: 19. Dezember 2014, 05:41:49 von dejavu » Gespeichert

Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #116 am: 19. Dezember 2014, 10:20:14 »

Zitat
Im Übrigen krieg ich von den Hakenkreuzständern Magengeschwüre.


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dejavu


Beiträge: 934



« Antworten #117 am: 19. Dezember 2014, 17:06:25 »

Behinderung Gewerkschaftlicher Tätigkeit, Lohndrückerei, Nazisymbole, verbrannte Menschen:
Der Marktauftritt der Firma KiK ist in sich stimmig, hier findet zusammen was zusammengehört.
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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
Kuddel


Beiträge: 11702


« Antworten #118 am: 12. November 2015, 23:59:52 »

Zitat
Textildiscounter KiK: In ganz Deutschland Proteste gegen Betriebsrätemobbing und Lohndumping bei KiK

Die repressiven Maßnahmen gegen den Betriebsrat im KiK-Zentrallager in Bönen wurden schon des öfteren in der Presse thematisiert. Auch die von Elmar Wigand und Werner Rügemer betriebene Internetseite "Arbeitsunrecht in Deutschland" hat dies aufgegriffen und ruft zur Teilnahme an einem Aktionstag am Freitag, den 13. November 2015 auf.

Bundesweit soll vor KiK-Filialen gegen dieses Vorgehen der KiK-Geschäftsführung protestiert werden. Auch die Bundesdelegiertenkonferenz der AG betrieb & gewerkschaft in der Partei DIE LINKE hat in einer Resolution dazu aufgerufen, sich an dem Aktionstag zu beteiligen.

Gegen Betriebsrätemobbing und Lohndumping

Gegen Betriebsrätemobbing und Lohndumping richtet sich der bundesweite Aktionstag der aktion/Arbeitsunrecht. Aus Sicht von Arbeitsunrecht.de möchte KIK keine Betriebsräte, die sich wirklich für die Interessen der Beschäftigten einsetzen.

Berüchtigte Anwaltskanzlei "Schreiner & Partner"


Seit mehr als einem Jahr kämpft der Betriebsrat im KiK-Zentrallager im westfälischen Bönen für eine angemessene Bezahlung nach dem Einzelhandelstarifvertrag für NRW. Um diesen berechtigten Kampf zu untergraben, wurde von dem Unternehmen die berüchtigte Anwaltskanzlei "Schreiner & Partner" engagiert. Seitdem werden einzelne Betriebsräte mit Abmahnungen und Kündigungen aufgrund von Kleinigkeiten, wie einer um zwei Minuten überzogenen Mittagspause oder einem kritischen Interview, eingeschüchtert. Leiharbeiter*innen werden eingesetzt, um Streiks zu brechen und den Beschäftigten weiterhin eine tarifliche Bezahlung zu verweigern. Die Gewerkschaft ver.di und viele andere setzen sich dafür ein, dass die Beschäftigten tariflich bezahlt werden.

Arbeitsgerichtstermin in Dortmund


Am 27. November gibt es am Dortmunder Arbeitsgericht um 12:00 Uhr (Saal 137) eine weitere juristische Auseinandersetzung zwischen KiK und einem der engagierten Betriebsratsmitglieder. "Die Beschäftigten und gerade auch der kämpferische Betriebsrat von KiK dürfen in dieser Auseinandersetzung nicht allein gelassen werden." wirbt der finanzpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE und Piraten im Stadtrat von Dortmund, Carsten Klink, um Teilnahme an den Protesten und an dem Gerichtstermin.
http://www.lokalkompass.de/boenen/politik/textildiscounter-kik-in-ganz-deutschland-proteste-gegen-betriebsraetemobbing-und-lohndumping-bei-kik-d599368.html
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dagobert


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« Antworten #119 am: 13. April 2016, 12:31:01 »

Zitat
Landesarbeitsgericht Hamm: KiK Logistik GmbH Bönen will Betriebsratsmitglied außerordentlich kündigen

Die 13. Kammer des Landesarbeitsgerichts Hamm (Vorsitz Dr. Franz Müller) verhandelt am Freitag, den 15. April 2016, 11.00 Uhr in zweiter Instanz über die Absicht der KiK Logistik GmbH Bönen, sich im Wege der außerordentlichen Kündigung von einem Mitglied ihres örtlichen Betriebsrats zu trennen. Zum Hintergrund: Betriebsratsmitglieder sind im Regelfall gesetzlich vor ordentlicher und außerordentlicher Kündigung besonders geschützt um eine freie, vor allem unbeeinflusste Amtsführung zu gewährleisten. Bei Vorliegen wichtiger, regelmäßig verhaltensbedingter Gründe kann einem Betriebsratsmitglied gleichwohl außerordentlich gekündigt werden, wenn der Betriebsrat als Gremium dem zustimmt. Verweigert der Betriebsrat die Zustimmung zu Unrecht, kann diese auf Antrag der Arbeitgeberseite durch gerichtlichen Beschluss ersetzt werden.

Im vorliegenden Fall will sich das Unternehmen, welches KiK-Märkte mit Ware versorgt, von einem 43-jährigen Mitarbeiter trennen. Dieser ist seit August 2010 als Kommissionierer beschäftigt. Seine Wahl in den Betriebsrat erfolgte im Mai 2014. Nachdem er anschließend in kurzer Zeit zahlreiche Abmahnungen erhalten hatte, gab er im März 2015 ein Interview, welches auf der Homepage der Partei "Die Linke" veröffentlicht worden ist. Hier äußerte er sich - in der Sache zumindest in Teilen unzutreffend - unter anderem kritisch zum Lohnniveau des Unternehmens und den dortigen Arbeitszeiten. Ferner gab er an, die Arbeitgeberin habe einschlägig bekannte Anwälte beauftragt, um massiv gegen den Betriebsrat vorzugehen. Im öffentlichen Teil seiner Facebook-Seite forderte er wenig später - schon in Kenntnis der Kündigungsabsicht - zur Weiterverbreitung dieses Interviews auf. Zudem "teile" er dort ein Bild mit einem von der Arbeitgeberin als diffamierend und geschäftsschädigend bewerteten Begleittext. Mit Beschluss vom 02.09.2015 - 8 BV 36/15 - hat die 8. Kammer des Arbeitsgerichts Dortmund die Zustimmung zur Kündigung ersetzt. Hinsichtlich grob beleidigender und geschäftsschädigender Äußerungen in Verbindung mit falschen Tatsachenangaben zum Nachteil des Arbeitgebers könne sich das als Arbeitnehmer in einem Treueverhältnis stehende Betriebsratsmitglied im Regelfall nicht mit Erfolg auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen. Die Kündigung stelle sich zudem auch unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls als verhältnismäßig dar. Gegen diese Entscheidung haben der Betriebsrat und das betroffene Betriebsratsmitglied das in den kollektivrechtlichen Beschlussverfahren statthafte Rechtsmittel der Beschwerde eingelegt. Die Arbeitgeberin verteidigt die erstinstanzliche Entscheidung und stützt die Kündigungsabsicht ergänzend auf weitere Sachverhalte, wie Verstöße gegen die betriebliche Pausenregelung, zeitlich überzogene bzw. nicht entsprechend dokumentierte Betriebsratsarbeit und Äußerungen in einem dem WDR gegebenen weiteren Interview (LAG Hamm, 13 TaBV 76/15).
https://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weitere/PresseLArbGs/11_04_2016_/index.php
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Kuddel


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« Antworten #120 am: 08. Juli 2016, 13:25:00 »

Gnadenlose Ausbeutung zahlt sich aus:

Zitat
KIK wächst weiter

Der Textildiscounter KIK aus Bönen wächst weiter. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um acht Prozent. Das gab KIK am Donnerstag bekannt.


Skandale wie der Fabrikbrand in Pakistan mit 250 Toten halten die Menschen offenbar nicht davon ab, bei KIK einzukaufen. KIK hatte in der Fabrik ja Kleidung produziert. Das Unternehmen führt die guten Geschäfte auch auf das neue Design der Läden zurück. Ganz in Silbergrau. Dadurch wirkten die Läden heller und freundlicher. Und das hat offenbar völlig neue Kundengruppen zu Kik gelockt. Und es gibt noch einen zweiten Erfolgsfaktor: Die Läden im Ausland. Im vergangenen Jahr ist die Bönener Kette besonders stark in Polen und in den Niederlande gewachsen.
http://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/kik-bilanz-2015-100.html
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« Antworten #121 am: 13. November 2016, 11:01:39 »

Zitat
Mit Recht gegen das System

Justiz 2012 brannte in Pakistan eine Fabrik. Darum droht dem Textildiscounter Kik ein Prozess in Dortmund




Nach dem Brand in Karachi könnte sich das ändern. Denn Kik war fast der einzige Abnehmer von Ali-Enterprises. Und darum saß Saage-Maaß im Januar 2013 in Pakistan mit Gewerkschaftern und von dem Brand Betroffenen zusammen. Es ist eine von bis heute sechs Reisen nach Karachi, an deren Ende ein gemeinsames Ziel steht: Kik in Deutschland vor Gericht zu bringen.

Fast vier Jahre später, im September 2016, sitzt Saage-Maaß in ihrem Berliner Büro und sagt: „Ich glaube: Recht kann helfen, Systemunrecht aufzuhalten. Es geht nicht nur darum, Recht anzuwenden, man muss das Politische dahinter sehen.“ Das ECCHR ist ein David im Vergleich zum Goliath Kik: 20 Mitarbeiter gegenüber 20.000, ein Etat von 2,3 Millionen aus Spenden und Fördergeldern gegenüber einem Nettoumsatz von 1,82 Milliarden Euro. Aushängeschild der Nichtregierungsorganisation ist der Anwalt Wolfgang Kaleck, der Edward Snowden vertritt und schon Mercedes und Donald Rumsfeld verklagt hat.

Es geht dem ECCHR darum, öffentliche Aufmerksamkeit für die Menschenrechtsverletzungen von Konzernen herzustellen und sie dafür zugleich rechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Letzteres kann frustrierend sein. Denn obwohl die Menschenrechte weltweit anerkannt sind, gibt es wenig rechtliche Möglichkeiten, sie durchzusetzen. Nur wenn Nationalstaaten sie in ihre Gesetze übernehmen, werden sie bindend. UN-Erklärungen wie die „Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte“, 2011 verabschiedet, sind nicht mehr als eine Empfehlung, der von der Bundesregierung aufgesetzte „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ kaum mehr als eine Absichtserklärung. „Wir brauchen keine neuen Rechte, die Menschenrechtserklärung der UNO ist komplett“, sagt Saage-Maaß. „Was wir brauchen, ist eine bessere Durchsetzung.“ Das Problem: Deutsches Recht schützt eben nur Menschen in Deutschland. Was aber, wenn Firmen für Vergehen im Ausland verantwortlich sind?

In Karachi gründeten Überlebende und Angehörige von Opfern 2014 eine eigene Organisation, die Baldia Factory Fire Affectees Association, und geben als Ziel aus: „Wir wollen Gerechtigkeit, wir wollen, dass sich langfristig etwas ändert und wir wollen, dass man uns zuhört.“ Es gelte, die Rechte der Betroffenen in Pakistan selbst zu vertreten – und in Deutschland: Mit dem ECCHR klagen sie auf Schmerzensgeld. Da Kik seinen Sitz im Ruhrgebiet hat, landet der Fall in Dortmund.

Weil im deutschen Zivilrecht nur Einzelpersonen klagen dürfen, wählt die Baldia Factory Fire Affectees Association vier Vertreter aus, jeder soll 30.000 Euro Schmerzensgeld erhalten. Muhammad Hanif, der junge Mann mit der Rauchvergiftung, ist einer von ihnen. Zwar hat Kik Betroffenen inzwischen finanzielle Unterstützung in Höhe von 6,15 Millionen US-Dollar zugesagt. Doch dank der Klage geraten der Fall und die grundsätzliche Frage nach der Verantwortung nicht in Vergessenheit. Hanif und die anderen können ihre Geschichte wieder und wieder erzählen. Saage-Maaß glaubt, schon das ändere etwas vor Ort.

Für den Prozess hat das ECCHR den Anwalt Remo Klinger engagiert, einen in Menschenrechtsfragen erfahrenen Juristen. Er sagt: „Würden wir auf der Basis deutschen Rechts prozessieren, wären die Chancen gering.“ Deshalb beruft sich Klinger in Dortmund auf pakistanisches Recht, das dem britischen Common Law folgt und auf Präzedenzfällen basiert. Diese Form der Klage ist politisches Neuland, ob das Landgericht der Argumentation folgt, ist offen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob es den Fall überhaupt behandeln wird. Doch im August bekamen die Opfer immerhin Prozesskostenhilfe bewilligt. Ein gutes Zeichen, glaubt Saage-Maaß, denn diese Hilfe erhält eigentlich nur, wer mit einer Klage „hinreichende Aussicht auf Erfolg“ hat. Allerdings kann sie auch ohne Einschätzung der Aussichten gewährt werden, wenn eine sehr schwierige Rechtssituation vorliegt, worauf sich das Gericht in Dortmund berufen hat.

Unglaubliche Naivität

Den Discounter Kik haben die Aktivisten aus Pakistan und Deutschland jedenfalls schon ordentlich zum Rotieren gebracht. Erklärte das Unternehmen noch 2012, trotz seiner Zahlung einer ersten Soforthilfe von einer Million Dollar trage es selbst keine Verantwortung für den Brand, engagierte es 2015 eine PR-Agentur, deren Vorstandschef Michael Inacker schon für Daimler, Wirtschaftswoche, Metro und Handelsblatt gearbeitet hat. War Kik gegenüber Medien bis dato als wenig auskunfts-, dafür umso mehr klagefreudig bekannt, startet es nun eine PR-Offensive, beantwortet Anfragen und initiiert Image-Kampagnen.

Die vor dem Landgericht Dortmund erhobenen Ansprüche auf Schmerzensgeld aber weist Kik zurück. Auf Freitag-Anfrage schreibt das Unternehmen: „Die Verpflichtung zum Schutz von Menschenrechten bleibt Aufgabe der Staaten.“

Für die Juristen vom ECCHR ist das ein Feigenblatt. „Es herrscht eine unglaubliche Naivität bei Juristen und Politikern über den Einfluss von Unternehmen“, sagt etwa Miram Saage-Maaß. „Kik ist nicht nur ein Abnehmer, Kik ist der Boss.“ Ihr zufolge fehlt der politische Wille, wirklich etwas zu verändern. „Das ist die schmutzige Seite der Globalisierung“, sagt sie, die Konzerne wüssten sehr genau, was an Standorten im globalen Süden passiert.

Das Landgericht Dortmund hat nun erst einmal beschlossen, bei einem Sachverständigen ein Gutachten zum pakistanischen Recht einzuholen. Es soll vor allem klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Haftung der Beklagten gegenüber den Klägern gegeben sein könnte.

Das ECCHR arbeitet zeitgleich schon am nächsten Fall: Die Organisation will klären, ob Heckler & Koch mit mutmaßlich illegalen Waffenlieferungen nach Mexiko Mitverantwortung für das Massaker an Studenten im Bundesstaat Guerrero 2014 trägt, mit sechs Toten und 43 Verschleppten.
https://www.freitag.de/autoren/paul-hildebrandt/mit-recht-gegen-das-system-1
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« Antworten #122 am: 29. November 2018, 06:57:16 »

Zitat
Klage gegen KIK
Der Preis der Billigkleidung

Die Kleidung von KIK ist spottbillig. Die Produktion wird immer wieder von verheerenden Unfällen und Bränden begleitet.
http://www.fr.de/politik/klage-gegen-kik-der-preis-der-billigkleidung-a-1629302,0#artpager-1629302-1

Ich möchte hier nicht über das altbekannte Thema der fiesen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie reden.
Diese Überschrift ist in meinen Augen ein Beispiel für den Zeitgeist.
Man kennt nicht mehr Klassenkampf, man redet bestenfalls von Boykott und der Macht der Konsumenten.
Es ist Schwachsinn darauf herumzureiten, daß es sich um "Billigklamotten" handelt.
Auch teure Markenklamotten werden unter Sklavenbedingungen hergestellt.

Das Problem ist NICHT der Konsument mit seiner "Geiz-ist-geil-Mentalität" (ein Argument, das ich hasse!), sondern die Profitgier des Unternehmers.
Dieses Geiz-ist-geil-Argument macht den Armen in Deutschland zum Schuldigen an den Arbeitsbedingungen in Bangladesch, während die Mittelschicht sich unter bestimmten Labeln ein gutes Gewissen kauft, was die Arbeitsbedingungen in Südostasien jedoch nicht verbessert.

Kämpfen können die Textilarbeiterinnen in Asien und die KiK Beschäftigten hier. Deren Kämpfe kann man mit Öffentlichkeitsarbeit und Boykottaktionen unterstützen. Diese Aktionen können die notwendigen Kämpfe nicht ersetzen.
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