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Autor Thema: Arm trotz Arbeit - Einflüsse durch Arbeitsmarktpolitik  (Gelesen 4350 mal)
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dagobert


Beiträge: 4711


« am: 20. Juli 2017, 20:55:50 »

Zitat
Studie untersucht Einfluss von Arbeitsmarktpolitik
Arm trotz Arbeit: In Deutschland hat sich Erwerbsarmut seit 2004 verdoppelt – stärkster Anstieg unter 18 EU-Ländern
https://www.boeckler.de/14_109897.htm

Nicht dass diese Erkenntnis wirklich neu wäre ...  Roll Eyes
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Hartzhetzer


Beiträge: 633


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« Antworten #1 am: 21. Juli 2017, 07:19:14 »

Neu ist das nicht und ändern wird sich daran auch nichts, da das ganze so gewollt ist. Die neuste Sauerei der Firmen ist Arbeit auf Abruf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Abrufarbeit
https://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__12.html

Das Gesetz das die Vertraglichen Konditionen regelt ist so Schwammig formuliert, das der sogenannte Arbeitgeber bei Teilzeitarbeit auf 450 € Basis wirklich nur die Stunden bezahlen braucht an denen der Arbeitnehmer gearbeitet hat. So ist trotz Mindestlohn Armut garantiert, da der Arbeitnehmer keinen Planbaren Lohn mehr hat, mögliche Lebensplanung gleich Null. Im Krankheits- oder Urlaubsfall wird zur Lohnberechnung ein Durchschnitt errechnet.

http://www.lohn-info.de/lohnfortzahlung_urlaubsentgelt.html

Wer vor seinem Urlaub oder seiner Krankheit wenig Arbeitsstunden hatte, bekommt pro Urlaubs- oder Krankheitstag gerade einmal 1 Stunde Lohn bezahlt, da hilft dann auch der garantierte Mindestlohn nichts um der Armut zu entkommen. Die Arbeit auf Abruf Regelung ist nichts weiter als moderne Tagelöhnerei, das unternehmerische Risiko einer schlechten Auftragslage oder eines hohen Krankenstandes wird so komplett auf die Arbeitnehmer abgewälzt. Unternehmen die 450 € Jobs anbieten die durch Arbeit auf Abruf geregelt sind werden immer mehr, das ist momentan der letzte Schrei und total hip in der Ausbeuterszene.
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Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.
dagobert


Beiträge: 4711


« Antworten #2 am: 21. Juli 2017, 16:13:09 »

Die neuste Sauerei der Firmen ist Arbeit auf Abruf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Abrufarbeit
https://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__12.html

Das Gesetz das die Vertraglichen Konditionen regelt ist so Schwammig formuliert, das der sogenannte Arbeitgeber bei Teilzeitarbeit auf 450 € Basis wirklich nur die Stunden bezahlen braucht an denen der Arbeitnehmer gearbeitet hat. So ist trotz Mindestlohn Armut garantiert, da der Arbeitnehmer keinen Planbaren Lohn mehr hat, mögliche Lebensplanung gleich Null.
[...]
Wer vor seinem Urlaub oder seiner Krankheit wenig Arbeitsstunden hatte, bekommt pro Urlaubs- oder Krankheitstag gerade einmal 1 Stunde Lohn bezahlt, da hilft dann auch der garantierte Mindestlohn nichts um der Armut zu entkommen. Die Arbeit auf Abruf Regelung ist nichts weiter als moderne Tagelöhnerei, das unternehmerische Risiko einer schlechten Auftragslage oder eines hohen Krankenstandes wird so komplett auf die Arbeitnehmer abgewälzt.

Auch für Abrufarbeit gibt es Grenzen, die stehen zwar nicht im Gesetz, aber dafür in einem Urteil des BAG.
Dazu hatte ich erst vor kurzem was geschrieben:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=20563.msg329758#msg329758
Das Urteil scheint aber leider kaum jemand zu kennen.  Sad

Unternehmen die 450 € Jobs anbieten die durch Arbeit auf Abruf geregelt sind werden immer mehr, das ist momentan der letzte Schrei und total hip in der Ausbeuterszene.

Weil zu wenige AN ihre Rechte geltend machen.
« Letzte Änderung: 21. Juli 2017, 16:19:29 von dagobert » Gespeichert
dagmar


Beiträge: 292


« Antworten #3 am: 22. Juli 2017, 09:49:03 »

Hallo Ihr,
und das schlimme ist: es wird noch weitere Auswüchse geben.

Es gibt Arbeitslose - und die dafür zuständigen Behörden agieren nicht im Sinne von denen und davon, dass diese ja eigentlich gute Steuerzahler sein könnten (wenn denn die Voraussetzungen gut wären). Nein, hauptsache schnell raus aus der Statistik um den eigenen Job im Jobcenter oder der Agentur für Arbeit für ein weiteres Jahr zu sichern.

Über die Jahrzehnte hat sich die Hirarchi verändert: was noch vor 20 Jahren unzumutbar war, ist heute normal - was heute unzumutbar erscheint, wird in 10 Jahren vom den freundlichen Arbeitsbeschaffern und dem Gesetzgeber als "normal" angesehen werden.

Gesetzgebung passiert ja schön leise im Hintergrund - was alles geändert wird - welche Missbräuche von den Agenturen laufen, dass wissen nur diejenigen, die sich schlau machen - der Großteil der Bevölkerung erst dann, wenn er/sie mal in den Fängen ist. Und dann ist es erstmal zu spät.

Der Job, den ich in Teilzeit angenommen habe erlaubt mir mehr Freizeit, aber recht wenig Geld -ist aber gemesen an der Arbeit auf Abruf eine sehr glückliche Lösung. Noch vor 25 Jahren hätte ich sagen können, ich will einen Fulltimejob zu guten Arbeitsbedingungen. Vorbei!!! Und da wundert sich die Gesellschaft über Ausschreitungen aller Art??? Machen sie es uns doch mit ihren schwammigen und teilweise menschenunwürdigen Grundlagen vor.

Gruß von Dagmar
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Tiefrot
Rote Socke


Beiträge: 3424



« Antworten #4 am: 25. Juli 2017, 09:28:30 »

Mensch ist -wie alles andere- zur Handelsware verkommen. Traurig.  rolleyes
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Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !
dagmar


Beiträge: 292


« Antworten #5 am: 26. Juli 2017, 08:02:02 »

Ja Tiefrot,
das ist alles irgendwie komisch und drückt auch auf die Psyche - zumindest auf meine. Mir fällt zunehmend auf, dass ich einfach Angst vor vielen Dingen bekomme: sei es das überleben, weil eben weniger als Hartz4 von mir erwirtschaftet wird - ich aber mit diesen Kreaturen der Behördern nichts zu tun haben will.

Vielen dürfte es so gehen wie mir, dass sie Angst begleitet und dadurch eventuell auch eine gewisse Agression sich einstellt. Denn um uns herum ist es ja nicht gerade friedlich. Unzufriedenheit/Angst und was noch alles denkbare vom einen steckt den anderen an. Das Hamsterrad drehrt sich....

Auch wenn ich immer schön versuche an einer positiven Einstellung zu "arbeiten", so bleiben die Ängste um den Joberhalt, das wirtschaftliche Überleben oder die Armut in einem Jahrzehnt wenn ich nach mindestens 35 Jahren Arbeitsleben (ich weiß ja nicht, wie lange ich noch in Lohn und Arbeit stehen werde) mit einer Rente abgespeist werde, die wohl gerade mal die Miete und den Strom finanhziert (übertrieben gesagt).

Wenn es mir, als altem Sack, so geht, was ist erst bei jüngeren, die bessere und menschlichere Zeiten nicht erleben konnten? Ich habe - früher mal - Kollegialität und Menschlichkeit erlebt, was heute meistens auf der Strecke bleibt. Ich wollte nie sagen: "früher war es besser". Heute aber ist es so, dass jemand, der den Sozialstaat in Anspruch nehmen muss seine persönliche Eigenständigkeit und eigene Entscheidungsmöglichkeit bei den Ämtern abgibt (das beginnt schon beim Wohngeld, welches eigentlich ein rechtlicher Anspruch sein sollte). Aber schon hier - auch wenn der Anspruch besteht - wird mann schickaniert (in meinem Fall musste ich auf dem Boden rutschend die Wohnung ausmessen, weil die Angaben des Vermieters der Behörde nicht genügten).

Wo das alles hinführt, das sehen wir ja. Gewalt eskaliert in allen Ecken und Enden - betrachtet wird es dann über die Medien als "Entgleisungen" und übersehen wird dabei was, wen warum zu Entgleisungen bringt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch - trotz allem - einen schönen Tag

Gruß von Dagmar
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 3008



« Antworten #6 am: 26. Juli 2017, 20:13:50 »

Erst wenn wir uns den Wert unserer Arbeit gemeinsam klar machen, kan sich etwas bessern. Wird es.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
dagmar


Beiträge: 292


« Antworten #7 am: 12. August 2017, 19:52:52 »

Hallo BGS,
nun, der Wert der Arbeit....
und der Sinn der Arbeit, der bleibt mir in meinem Fall so irgendwie unklar....

Ich stelle für mich mal fest: ich habe die aufgabe vom Kunden Störungsaufträge entgegen zu nehmen um dann Monteuere zur Behebung der Störungen zu schicken. Die Monteuere sind unter ständigem Zeitdruck mit schlechtem Material und an Anlagen, die wegen minderwertiger Einzelteile immer wieder kaputt gehen müssen.

Als Resultat desssen, schafft niemand von uns die Arbeit - die Monteure können gar nicht so viel reparieren, wie ich an Störmeldungen reinbekomme. Ich selber kann gar nicht so viele Kunden beschwichtigen wie ich Minuten an Arbeitszeit habe.

Jeder Kollege ist genervt - am ende - und den Sinn unserer Arbeit können wir nicht sehen - nur die Statussymbole unseres Chefs.

So, und nun wird es für mich schwierig - den Sinn zu erkennen, warum ich mich da hinschleife obwohl gesundheitlich angeschlagen. Und nun denke ich mir mal ganz vorsichtig, ich werde mal beginnen, mich um meine Gesundheit zu kümmern um eventuell mit diesen Handycaps evtl. früher aus dem Arbeitsleben verschwinden zu können. Sinn für meine Arbeit sehe ich schon länger nicht mehr .... dort nicht, wo ich jetzt kämpfe und in den Jobs der vergangenen 10 Jahre ebenso wenig ... da war es nämlich nicht anders....

Ist es bei jemandem von Euch anders??? Ich würde mich über positves freuen..... Sinn der Arbeit gekoppelt mit Wert der Arbeit - ist das möglich?

Gruß von Dagmar
« Letzte Änderung: 12. August 2017, 20:28:48 von dagmar » Gespeichert
dagobert


Beiträge: 4711


« Antworten #8 am: 16. Juli 2018, 16:16:23 »

Zitat
3. Armut trotz Erwerbstätigkeit
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Es gibt mehr erwerbstätige Arme als Arbeitslose Menschen in Deutschland

 Erwerbstätigkeit muss vor Armut und Grundsicherungsbezug schützen. Es ist ein Armutszeugnis, dass in unserem reichen Land über eine Million Erwerbstätige Arbeitslosengeld II beziehen müssen und vermutlich weitere 1 bis 2 Millionen einen Anspruch darauf haben. Wir müssen dafür sorgen, dass Erwerbstätige nicht auf Hartz IV angewiesen sind: Durch Eindämmung prekärer Beschäftigung, durch einen höheren Mindestlohn und durch eine neue Garantie des Existenzminimums jenseits von Hartz IV, damit auch Selbständige und Teilzeiterwerbstätige besser vor Armut geschützt werden. Da häufig Erwerbstätige mit Kindern betroffen sind, ist darüber hinaus eine Kindergrundsicherung notwendig.  So richtig Wolfgang Strengmann-Kuhn Grünen MdB, mit einer kleinen Anfrage und Auswertung derselben: http://www.strengmann-kuhn.de/parlament/auswertungen/es-gibt-mehr-erwerbstaetige-arme-als-arbeitslose-menschen-in-deutschland.html

Thome Newsletter 26/2018 vom 15.07.2018
https://tacheles-sozialhilfe.de/startseite/tickerarchiv/d/n/2383/

Der im Artikel angegebene Link zur Anfrage funzt nicht, hier ist der richtige Link:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/022/1902211.pdf
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counselor


Beiträge: 3431



« Antworten #9 am: 01. November 2018, 19:04:49 »

Zitat
Arm trotz Arbeit - Wenn der Vollzeitjob nicht reicht

Arm trotz Arbeit, das trifft immer mehr Menschen in Deutschland. Fast 40 Prozent aller Erwerbstätigen können von ihrer Arbeit nicht sicher leben.

Quelle: https://www.zdf.de/politik/frontal-21/arm-trotz-arbeit-108.html
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
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