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Autor Thema: Digitalisierung  (Gelesen 765 mal)
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Kuddel


Beiträge: 10706


« am: 29. Januar 2018, 11:44:37 »

Durch die Medien geistert die ganze Zeit der Begriff "Digitalisierung". In Wahlkampfzeiten war es besonders schlimm.
Es heißt, Deutschland hätte den Anschluß verpaßt. Deutschland hat sozusagen die Zukunft verpaßt.
Angeblich wollen alle "die Digitalisierung".
Das ganze wird dann so bebildert:







Fragt denn niemand, was mit dieser "Digitalisierung" gemeint ist und wer das eigentlich will?
Es geht sicherlich nicht darum, daß man irgendwelchen Netflixscheiß besser streamen kann.

Aber worum geht es wirklich?

Ich glaube, die Totalüberwachung ist nicht das primäre Anliegen.
...auch wenn das bereits vorangetrieben wird mit überwachenden Smart-TVs, datensendenden Dildos und Peilsendern in Schulranzen.

http://www.zeit.de/2015/07/smart-tv-daten-sicherheit-ueberwachung
https://www.welt.de/politik/ausland/article162660714/Weinender-Engel-soll-Fernseher-in-Wanzen-verwandelt-haben.html
https://www.stern.de/digital/online/vibrator-als-wanze--hersteller-gibt-aufnahme-von-sexgeraeuschen-zu-7696136.html
http://www.20min.ch/digital/news/story/Hacker-koennen-Sie-ueber-Dildo-Kamera-filmen-27590881
https://futurezone.at/netzpolitik/wenn-der-dildo-daten-an-behoerden-liefert/224.917.968
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Niedersachsen/GPS-Sender-im-Schulranzen-Testphase-in-Wolfsburg

Im Moment geht es eher um einen radikalen Umbau der Arbeitswelt mit dem Generalangriff auf die Arbeitsbedingungen.
Viele Büros und Behörden können weitgehend dichtgemacht werden. Es wird umgestellt auf Home Office. Hippe Arbeit als Crowdworker. Ohne Festanstellung, ohne Arbeitskollegen, ohne soziale Absicherung. Und so manche Arbeit, die vorher von behäbigen deutschen Beamten gemacht wurde, wird nun nach Usbekistan outgesourct. Umgang mit Formularen ist auch bei mäßigen Deutschkenntnissen möglich und außerdem gibt es Google Translate, das auch immer besser arbeitet. Es ist die Auflösung des regulierten Arbeitsmarktes geplant, es sollen Heere an prekären Clickworkern entstehen. Total hip, versteht sich.

Alle Parteien beschuldigen sich gegenseitig, diese tolle Digitalisierung nicht schnell genug voranzubringen. Da will auch der DGB nicht hinten anstehen: "Um die Chancen zu nutzen und die Risiken zu minimieren ist es wichtig, die Digitalisierung als einen Prozess zu verstehen, der von Menschen gemacht - und in dem Gute Arbeit gestaltet werden kann und muss."
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12816



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« Antworten #1 am: 29. Januar 2018, 12:00:24 »

Das ist die Frage!
Wie sieht es denn in anderen Ländern aus, in denen die Digitalisierung schon weiter fortgeschritten ist? Gibt es da Anzeichen, das es weniger Behörden und Büros gibt?
Das würde mich wirklich mal interessieren, ob es dazu irgendwelche Untersuchungen gibt.

Während ich das hier schreibe, fallen mir grade die Auswirkungen der Digitalisierung ein, die es hierzulande schon lange gibt. Stichwort: Homebanking!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Kuddel


Beiträge: 10706


« Antworten #2 am: 29. Januar 2018, 12:08:44 »

Ich habe diesen Beitrag geschrieben, als Folge von meinem letzten Besuch beim Finanzamt. Als ich deren Schreiben und Formulare nicht begriffen hatte, bin ich hingegangen, um mir erklären zu lassen, was die eigentlich von mir wollen. Das konnte ein Sachbearbeiter dann auch so machen, daß selbst ich es begriff. Er fügte aber an, daß das demnächst nicht mehr möglich sei, seine Abteilung soll dichtgemacht und durch Onlinebearbeitung ersetzt werden.
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 2818



« Antworten #3 am: 29. Januar 2018, 12:59:07 »

Die vielgepriesene "Digitalisierung" ist ein Trojanisches Pferd und Scheisse.

Im dünn besiedelten Skandinavien ist man damit schon viel weiter. Es scheint ein blindes Vertrauen zu geben, dass das Internet stets und ewig funktioniert, was sehr zweifelhaft ist. Abgesehen davon, dass man für unklare Fragestellungen  - wie beim Finanz- oder Arbeitsamt - immer einen menschlichen Ansprechpartner wird brauchen müssen. Doch dies ist nicht mehr gewährleistet, schon lange. Und es trifft zuerst die Alten, die Kranken und die nicht Internetaffinen oder auch Menschen, denen das ganze "App"Dreckszeugs ein Buch mit sieben Siegeln ist und bleibt. Beispiele:

Ein Landwirt muss den Umfang seiner Landwirtschaft den Behörden gegenüber erklären. Dies war schon früher eine Bürde für sehr viele, so dass sie oft externe Berater bezahlen mussten, und sei der Hof noch so klein. Heute soll der arme Bauer dem bürorkatischem Irrsinn im Netz nachkommen und damit sind selbst die Berater regelmässig überfordert, zumal Gesetze und Verordnungen regelmässig geändert werden von realitätsfernen Spinnern aus Brüssel, die das Wort "Arbeit" nicht kennen.

Ein Arbeitsloser hat zwar ständig mehr "Pflichten" ohne Ausgleich bzw. Gegenleistung zu erfüllen, doch ist das Arbeitsamt mittlerweile so gut wie unerreichbar geworden, zumindest im realen Leben. Ich bin einige Male notgedrungen dorthin gereist und musste mitansehen, wie untätige Bürokraten dort ihre Zeit absitzen. Vor Langeweile ist dort mancher zum Alkoholiker geworden. Sucht jemand Hilfe oder Unterstützung, so bleiben alle Türen verschlossen, ein Zettel am Haupteingang verweist auf die bescheuerte Homepage des "Amtes".

Konsularische Angelegenheiten, wie z.B. die Beantragung eines Passes und dergleichen, sind ins Netz verlagert. Die Leute begeben beizeiten sich zum Photografen in der nächsten Stadt, der ein digitales Photo schiesst, auf dem absolut nicht gelächelt werden darf. Man erhält eine Codenummer. Zu Hause meldet Mensch sich auf der Polizeihomepage an und füllt die geforderten Angaben natürlich hundertprozentig korrekt aus. Das Programm schmeisst einen bei nicht genehmem Ankreuzen etc. raus, wie ich vernahm. Den Photocode muss man auch eingeben und nach etwa einer Woche kommt die Nachricht, man möge seinen neuen Pass schleunigst bei Kiosk XYZ abholen. Den Photografen interessiert der Name seines Kunden übrigens nicht im geringsten.

Ausser in akuten Notfällen erreicht ein schwerkranker Mensch ohne Geld keinen Arzt innerhalb vernünftiger Zeitgrenzen. Sechs Wochen Wartezeit hatte ein kranker Nachbar, der jeden Tag litt. Für den Arzttermin musste er wie gehabt in den nächsten grösseren Ort fahren, Busse gibt es kaum noch. Als er schliesslich beim Doctor vorsprechen konnte, zeigte sich, dass jener keinen Schimmer hatte vom Krankheitsbild und ihn zu einem Facharzt überwies mit mehreren Monaten erneuter Wartezeit. Medikamente gab es auf einem digitalem "E-Rezept", sehr geschmeidig. Nur dass es die verkehrten waren und somit nutzlos. Er liess sich das Rezept in der Apotheke ausdrucken, falls mal der Strom ausfällt ... .

Wer viel Geld hat kann sich zum privat zu zahlenden Arzt begeben, doch ist dies absolut keine Gewähr, dass jener etwas weiss bzw. kann, bei Kosten von mehr als 100,- pro Besuch. So bekam eine Bekannte hier für Probleme mit der Schilddrüse einen Termin beim Gynäkologen. Jaja, die Ausbildung in Skandinavien ist "weltspitze".

Habe keine Lust, zum Thema mehr zu schreiben. Mir reichts so dermassen, dass ich Anfang Februar nach Südfinnland reisen werde, um dort gegen die geplante weitere Veraschung. Gängelung, Demütigung, Entrechtung und Bestrafung arbeitslos gemachter mitzudemonstrieren. Solidarität ist ein Muss in diesen Tagen.

MfG

BGS

P.S.: Wer haftet für die Folgeschäden der "Digitalisierung"? Weitere Verblödung, Orientierungslosigkeit und Haltungsschäden aller Art? Vielleicht der Abschaum, der sich gerade in Davos trifft?


« Letzte Änderung: 29. Januar 2018, 15:19:00 von BGS » Gespeichert

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12816



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« Antworten #4 am: 29. Januar 2018, 14:38:24 »

Zitat
Die vielgepriesene "Digitalisierung" ist ein Trojanisches Pferd und Scheisse.
Mein Verhältniss dazu ist so ziemlich der Gleiche wie zu Waffen. Man kann damit schlimme Dinge anrichten oder sich damit zu Weihnachten den Wildschweinbraten klarmachen!
Gut, ok, mit der Digitalisierung fängt man keine Wildschweine... Grin
Du hast viele negative Folgen ja bereits aufgezählt, aber ohne Digitalisierung (das Internet ist ein wesentlicher Teil davon) würden wir hier nicht, hunderte Kilometer auseinander lebend, darüber diskutieren können.
Ohne die Digitalisierung (also das Internet) hättest du, am Ende der Welt, weniger Möglichkeiten der Kommunikation.

Zitat
Und es trifft zuerst die Alten, die Kranken und die nicht Internetaffinen oder auch Menschen, denen das ganze "App"Dreckszeugs ein Buch mit sieben Siegeln ist und bleibt.
Ich halte es für eine Fehleinschätzung, das alte Menschen nicht mit dem Internet/ Apps umgehen können! Mein Vater, Ende 70 erklärt mir, wie Watsapp funktioniert und seine Kumpels, im gleichen Alter schicken sich den ganzen Tag, Witze und zotige Fotos per Watsapp.
Darüber hinaus dürften die letzten "Alten", denen Internet ein Fremdwort ist, in den nächsten 20 Jahren ausgestorben sein. Die nachfolgenden Generation saugen das schon mit der Muttermilch auf.

Zitat
Ein Arbeitsloser hat zwar ständig mehr "Pflichten" ohne Ausgleich bzw. Gegenleistung zu erfüllen, doch ist das Arbeitsamt mittlerweile so gut wie unerreichbar geworden, zumindest im realen Leben.
Sehe ich als absoluten Vorteil an! Es gibt eigentlich nichts, was man mit denen, nicht schriftlich, klären müsste! Und wenn ich doch mal ganz dringend eine Auskunft brauche, rufe ich im Callcenter des JC an und bitte um einen Anruf meiner SB. Und spätestens am nächsten Tag kommt der dann auch!
Beim Straßenverkehrsamt währe es ein Traum, wenn man das endlich mal Digital abwickeln könnte! Man muss sich nicht mehr drei Stunden ans Bein binden, um ein Auto anzumelden!

Zitat
Vor Langeweile ist dort mancher zum Alkoholiker geworden. Sucht jemand Hilfe oder Unterstützung, so bleiben alle Türen verschlossen, ein Zettel am Haupteingang verweist auf die bescheuerte Homepage des "Amtes".
Da muss ich mal wieder meinen Vater ins Spiel bringen: Der hat in den 1960ern in der Stadtverwaltung gearbeitet. Wenn der erzählt, was die früher gesoffen haben und was die für eine Scheiße gebaut haben, weil sie langeweile hatten! "Das könnte sich heute keiner mehr erlauben", sagt er dann immer!
In diesem Fall rettet die Digitalisierung tatsächlich Menschenleben, weil weniger besoffene Behördenmitarbeiter auf den Straßen unterwegs sind. Grin

Zitat
Ausser in akuten Notfällen erreicht ein schwerkranker Mensch ohne Geld keinen Arzt innerhalb vernünftiger Zeitgrenzen. Sechs Wochen Wartezeit hatte ein kranker Nachbar, der jeden Tag litt. Für den Arzttermin musste er wie gehabt in den nächsten grösseren Ort fahren, Busse gibt es kaum noch. Als er schliesslich beim Doctor vorsprechen konnte, zeigte sich, dass jener keinen Schimmer hatte vom Krankheitsbild und ihn zu einem Facharzt überwies mit mehreren Monaten erneuter Wartezeit. Medikamente gab es auf einem digitalem "E-Rezept", sehr geschmeidig. Nur dass es die verkehrten waren und somit nutzlos. Er liess sich das Rezept in der Apotheke ausdrucken, falls mal der Strom ausfällt ... .

Das falsche Rezept kann man auch ohne Digitalisierung bekommen und der Rest ist eigentlich eine Frage, der Gesundheitsversorgung und nicht der Digitalisierung.
In Afrika gibt es keine E- Rezepte, aber dafür auch keine Medikamente und der Weg zum Arzt ist sogar noch weiter!
Soweit ich weiß ist die Gesundheitsversorgung in allen dünn besiedelten Teilen der Welt ein größeres Problem. Im norden Skandinaviens, sowie auch in Kanada oder sogar im ländlichen Raum in Deutschland. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie arm oder reich dieses Land ist. Bei 5 Leuten auf 100 Quadratkilomter lohn sich die ärtzliche Versorgung schlicht nicht mehr.

Zitat
Wer viel Geld hat kann sich zum privat zu zahlenden Arzt begeben, doch ist dies absolut keine Gewähr, dass jener etwas weiss bzw. kann, bei Kosten von mehr als 100,- pro Besuch. So bekam eine Bekannte hier für Probleme mit der Schilddrüse einen Termin beim Gynäkologen. Jaja, die Ausbildung in Skandinavien ist "weltspitze".
Daran hat jetzt die Digitalisierung auch keine Schuld sondern siehe oben.


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Kuddel


Beiträge: 10706


« Antworten #5 am: 29. Januar 2018, 14:46:17 »

Es geht nicht darum, was von vom Internet oder den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation hält.

Hinter dem unscharfen Begriff kann man alles mögliche verstehen. Dieser Thread geht aber um das, was Regierung und Wirtschaft als Strategie haben und hinter diesem neutralen Begriff verstecken. Die komplette Umstrukturierung der Arbeitswelt sollte man schon kritisch diskutieren, ohne den Vorwurf der rückwärtsgewandten Technikfeindlichkeit.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12816



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« Antworten #6 am: 29. Januar 2018, 15:12:26 »

Ah, sorry!
Das war dann wohl der etwas unscharfen Begriffswahl in der Themenüberschrift geschuldet.
Digitalisierung bedeutet eigentlich etwas anderes.
Wir sprechen also hier von Digitaler Transformation, bzw. Digitaler Revolution.

*Klugscheißermodus aus, bevor mich Kuddels digitale Eisenfaust an meiner Nase trifft Grin*
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CubanNecktie


Beiträge: 1673



« Antworten #7 am: 29. Januar 2018, 15:47:40 »

Vieles ist brandgefährlich, einiges auch total schwachsinnig, was willst'n mit einer DildoCam sehen? Ist doch zappenduster und mit licht siehts rot und nass aus, und nu? Cheesy Gibts auch bal digitale Klo- und Zahnbürsten? Na juti - beim letzteren könnte es fürn Zahnarzt vlt interessant sein  Grin Grin Grin - obwohl ich mir so ein Piss nie kaufen würde, einfachste elektrische Zahnbürste reicht.

Und da ich mit DSL384 rumkrebse - hmmm, läuft die Digitalisierung eh irgendwie falsch und fehlverplant ab. 2009 sprach Merkel was von Breitbandausbau - warte bis heute drauf, aber hey, es geht gar nicht um schnellen Speed - sondern ums Ausspionieren - Dildocams das beste Beispiel - absolut hirnkrank - genauso wie es auch digitale Spionage-Spiel-Puppen für Kinder gibt. Die Menschheit ist teiweise übelst hirnverbrannt, nicht nur im Digitalbereich.  

Noch ein Link zur SpionagePuppe
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Versteckte-Spionage-Spielzeug-Puppe-Cayla-laut-Netzagentur-verboten-3629872.html

Zitat
Die Bundesnetzagentur weist angesichts aktueller Berichte darauf hin, dass die Puppe "Cayla" in Deutschland verboten ist. Mit ihrer Aufnahmefunktion sei sie ein verstecktes Spionagegerät. Käufer müssen sie vernichten.

Angesichts vermehrter Berichte über die Puppe "My Friend Cayla" hat die Bundesnetzagentur am Freitag darauf hingewiesen, dass die als verstecktes Spionagegerät in Deutschland verboten sei. "Cayla" umfasst ein Mikrofon, das Fragen der Kinder aufnimmt. Die werden dann ins Internet gesendet, um eine Antwort der Puppe zu ermöglichen. Hierzulande darf die Puppe nicht vertrieben werden und für Käufer bestehe unverändert eine Pflicht, die "Puppen unschädlich zu machen". Weitergehendes sei nicht geplant. Ob sich jemand strafbar macht, entscheiden allein die Strafverfolgungsbehörden, stellt die Netzagentur klar. Erste Spielzeuge seien auf Betreiben der Netzagentur bereits vom deutschen Markt genommen worden.
« Letzte Änderung: 29. Januar 2018, 15:56:24 von CubanNecktie » Gespeichert

Vorstellungsgespräch bei einer Leihbude?
ZAF Fragebogen
Passwort: chefduzen.de

... und nun die durchgeschröderte Masse noch stärker unterdücken und nochmals ordentlich durchmerkeln, bis es ordentlich braun wird.
Troll
Abused Frog


Beiträge: 6840



« Antworten #8 am: 29. Januar 2018, 19:00:37 »

Zitat
Gut, ok, mit der Digitalisierung fängt man keine Wildschweine...

Nein, die Schweine fangen damit "Konsumidioten", staatliche Überwachung läuft da einfach nebenher.

Es sind die falschen die bestimmen zu was und wohin die Digitalisierung führen soll, übermächtige Weltkonzerne (derzeit quasi Monopolisten) bestimmen die Richtung und damit das möglichst reibungslos von statten geht arrangiert man sich gerne mit Nationalen Diensten.

Mit einer Cloud verbundene Dildocams, ja, da sind wir bei den Konsumidioten, bei der Übersetzung von "IoT" bin ich mir sicher dass das "I" für Idiots steht.
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
Schluepferstuermer


Beiträge: 904


« Antworten #9 am: 29. Januar 2018, 22:43:25 »

Negativbeispiele des Digitalen

http://www.chip.de/news/Viele-Amazon-Mitarbeiter-sind-zu-arm-um-bei-Amazon-einkaufen_132863507.html
http://www.chip.de/news/Amazon-Fresh-Basic-fluechtet-aus-Online-Shop-des-US-Riesen_132856392.html
http://www.taz.de/!5354650/

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lg Schlüpferstürmer

Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
"Bild" Euch Eure Meinung
----

Wer die CxU und SPD in ihrer Terrorherrschaft gegen das eigene Volk lobt, lobt ihren braungefärbten Nazicharakter!!
Kuddel


Beiträge: 10706


« Antworten #10 am: 31. März 2018, 18:15:42 »

Digitalisierung bedeutet eigentlich etwas anderes.
Wir sprechen also hier von Digitaler Transformation, bzw. Digitaler Revolution.

Ich weiß, was das Wort "Digitalisierung" bedeutet, doch ich wollte wissen, was das Pack damit meint, wenn es uns diesen Begriff inflationär um die Ohren haut. Uns werden gutaussehende Leute gezeigt, die mit ihren Gadgets ihr hippes Leben bereichern, doch man plant die völlige Entrechtung bei der Arbeit, man ist rund um die Uhr verfügbar, unabgesichert, Homeoffice ist überall, Tagelöhnerei, nix Auftrag, nix Kohle.

Es geht mir nicht darum, daß man auch gute Sachen mit digitaler Hilfe machen kann. Das ist klar. Es geht mir darum, wie es sich entwickelt, wenn das Kapital die neuen Möglichkeiten nutzt und wie wir damit umgehen können? Wenn man die Verhältnisse kennt, kann man auch die technischen Möglichkeiten nutzen, um sich zu wehren.

Zitat
Für ein paar Cent

Crowdworker sind unsichtbare Datenarbeiter des Internets. In Indien gehören sie zur neuen Mittelklasse, in Deutschland sind sie Selbstständige – und leben oft prekär


Die nächste Stufe der Globalisierung kann man in einem Großraumbüro in Kalkutta besichtigen. Hier klicken sich Inder im Minutentakt durch die Websites von Google, Facebook, Twitter, Ebay. Sie beschriften Bilder, beantworten Nutzeranfragen, sortieren Onlinekataloge. Sie sind die unsichtbaren Datenarbeiter des Internets. Sie machen Crowdworking – monotone Aufgaben, die westliche Firmen ins Netz auslagert haben.
(...)
Worum es bei seiner Plattform geht, beschrieb Biewald einmal vor Unternehmern im Silicon Valley: „Mit dieser Technologie kannst du tatsächlich jemanden finden, bezahlst ihm einen winzigen Geldbetrag und wirst ihn dann los, wenn du ihn nicht mehr brauchst.“ Es ist das Prinzip hire and fire in Glasfasergeschwindigkeit.

7.000 Kilometer westlich von Kalkutta, in einer Braunschweiger Altbauwohnung, sitzt Jan Templiner vor seinem Laptop.
Templiner scrollt sich durch eine Online-Aufgabe. Er soll kurze Texte erstellen, 160 bis 180 Wörter in maximal 240 Minuten. Dafür bekommt er drei Euro. Die Vorgaben sind rigide.
(...)
Jan Templiner, 36, und seine Frau Astrid, 57, sind seit zweieinhalb Jahren Crowdworker. Sie klicken und tippen bei Clickworker.de, checken Software bei Testbirds.de. Rund vier Stunden täglich, auch an Wochenenden und Feiertagen. Sie sagen, sie haben viel Spaß dabei, aber für die meisten Aufgaben sind sie überqualifiziert: Sie war Fremdsprachenkorrespondentin und Assistentin an der Uni, bis sie wegen chronischer Arthritis den Beruf aufgeben musste. Er hat einige Semester Musikwissenschaft studiert und dann als freier Softwareberater gearbeitet, bis auch ihn eine Krankheit lahmlegte. Fest anstellen wollte sie niemand mehr.
(...)
Die Einnahmen liegen weit unterm Mindestlohn: Sieben Euro die Stunde, „tendenziell weniger“, sagt Jan Templiner. Das Geld reicht gerade so für eine freiwillige Krankenversicherung, nicht aber für die Arbeitslosen-, Unfall oder Rentenversicherung. Urlaubs- oder Krankentagegeld: Fehlanzeige.
(...)
Nirgendwo sind Crowdworker so billig und motiviert wie in Indien. Werden sie bald die im Westen ersetzen? Das Ehepaar Templiner glaubt das nicht. Sie sehen in den Indern keine Bedrohung. „Für Nicht-Muttersprachler ist es schwer, deutsche Texte zu schreiben“, sagt Jan Templiner. Astrid Templiner ergänzt, es sei doch schön, dass das Internet grenzüberschreitende Arbeit möglich gemacht habe.
(...)
...ihre Erfahrungen mit der ältesten Crowdworking-Plattform der Welt: dem Mechanical Turk von Amazon. MTurk und CrowdFlower beherrschen zusammen rund 80 Prozent des Crowdworking-Marktes, schätzte die Weltbank 2015. Jährliche Bruttoeinnahmen: 120 Millionen Dollar.
(...)
Die indische Regierung setzt daher auf IT- und Sprach-Bildung – und unterstützt das digitale Outsourcing mit massiven Subventionen. Manche Bundesstaaten legen noch etwas obendrauf, wenn die Jobs Menschen in besonders benachteiligten Gegenden zugutekommen.
(...)
Inzwischen schaffen es die Crowdworker bei der Firma iMerit in Kalkutta sogar, nicht nur Aufgaben auf Englisch zu bearbeiten, sondern auch Produkte mit deutschsprachigen Texten zu sortieren. Projektmanagerin Sanghamitra Chanda zeigt eine Übung. Es geht darum, in den Angebotslisten von Ebay Deutschland Dubletten zu finden.
(...)
Aber es entsteht ein neues, digitales Prekariat, ohne Arbeitsverträge, ohne Sozialleistungen. Diese Menschen sind das Kapital der Plattformbetreiber und ihrer Auftraggeber.
(...)
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/fuer-ein-paar-cent



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Kuddel


Beiträge: 10706


« Antworten #11 am: 15. April 2018, 15:34:42 »

Zitat
A wie Ausbeutung

Wenn Unternehmen die Arbeit digital umkrempeln, kann das für die Mitarbeiter nicht unbedingt etwas Gutes bedeuten.


Der Mann dachte, die Berufswelt sei sein Freund. Als Software-Entwickler ist er hoch qualifiziert; solche wie ihn begehrt die deutsche Wirtschaft im Jahr 2018. Doch seit seine Firma die Organisation umgekrempelt hat, kommt er sich nicht mehr begehrt vor. Eher "wie ein einfacher Arbeiter am Fließband".

Glaubt man einem Münchner Forscherteam, findet in der Berufswelt gerade ein historischer Umbruch statt. Vergleichbar nur mit der industriellen Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Fast überall, wo Firmen agile Methoden einführen, wird bald intensiv über die Belastung diskutiert, stellen die ISF-Forscher fest. Beschäftigte klagen über Dauerstress. Sie erleben die Nachteile der neuen und der alten Berufswelt vereint: Ihre Leistung wird vermessen, ihre Arbeit getaktet, die Anforderungen werden erhöht, sie sollen ständig Innovationen liefern - aber sie dürfen so wenig entscheiden wie zuvor.
http://www.sueddeutsche.de/karriere/agilitaet-im-job-a-wie-ausbeutung-1.3943052
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